Aus einem saudischen Schulbuch

In einem Schulbuch für saudische Erstkläßler (!) findet sich folgende Aufgabe (zitiert nach Hamed Abdel-Samad, Der Untergang der islamischen Welt):

Ergänze folgende Sätze mit jeweils einem der beiden Worte Islam – Hölle:

Jede Religion außer ———— ist falsch.
Wer kein Muslim ist, landet in der ———–.

Und dieses Schulbuch ist schon eine, wie es die saudischen Behörden ausdrücken, „haßfreie“ Ausgabe. Da möchte man lieber nicht wissen, was vorher alles in diesen frommen Fibeln gestanden hat.

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Merkur.de und die ALDI-Masche

Wer ab und zu einmal Google News besucht, kennt das: eine reißerische Überschrift, daneben ein „Symbolbild“ von ALDI. Urheber ist fast immer die Internetseite Merkur.de. Die jüngste Überschrift kann man hier nachlesen:

Kinder-Produkt von Aldi enthält überraschende Zutat – Mutter rastet aus

Was war passiert? Die „Kundin Analia V.“, so der Merkur-Schreiber Marc Dimitriu, hatte bei ALDI ein Nuß-Nougat-Hörnchen gekauft und sich dabei natürlich „nichts Böses gedacht“.

Als ich daheim war habe ich gelesen, dass die Hörnchen Alkohol enthalten. Ich war schockiert und entsetzt.

Und was tut eine schockierte und entsetzte Kundin, um aller Welt zu zeigen, wie „schrecklich“ und „unverantwortlich“ und „gewissenlos“

einige Hersteller und Supermärkte mit der Gesundheit der Kinder umgehen?

Sie macht ihrem Herzen auf Facebook Luft. Natürlich läßt sie sich von der freundlichen ALDI-Antwort, daß bei jedem Backen auf natürliche Weise Spuren von Alkohol entstehen, nicht beeindrucken. Analia V. wollte ihre „15 minutes of fame“, und die hat sie bekommen.

Und Merkur.de? Diese Seite nutzt auch noch die dümmsten Meldungen zur gewinnbringenden Zweitverwertung, denn jeder, der durch die Überschrift neugierig geworden ist, weil er treuherzig an einen echten Skandal glaubt, vermehrt durch seinen Klick das Werbeeinkommen des Unternehmens.

Zum Schluß (und zur Demonstration) nur noch ein paar Merkur-Meldungen der letzten Wochen:

Aldi-Produkt um 8.02 Uhr schon vergriffen – dann taucht es woanders  auf

Äußerst gefährliche Bakterien: Rückruf bei Lidl, Aldi und Netto

Aldi will mit modernen Filialen punkten – Kundin beschwert sich trotzdem

Aldi greift vor Silvester zu ungewöhnlicher Maßnahme bei Öffnungszeiten

Heikle Frage an der Kasse bei Aldi Süd: Kundin zieht Konsequenz

Verblüffende Enthüllung bei Aldi: Diese geheime Funktion haben Einkaufswagen

Aldi Nord droht Fiasko – jetzt macht noch eine Sache Hoffnung

Hersteller warnt vor dem Verzehr: Aldi Süd ruft ein Produkt wegen Keimen zurück

Tretroller-Eklat bei Aldi: Empörter Kunde hat das bisher „nirgends sonst erlebt“

„Sollte das drin sein, was drauf steht“: Nächste Kundin empört sich über Aldi-Produkt

Ekel-Schock bei Aldi: Kunde macht Entdeckung – sie verdirbt ihm den Appetit.

Die Liste könnte man beliebig verlängern. Dabei ist es doch so einfach, den Dummenfängern nicht auf den Leim zu gehen: einfach ignorieren, nicht klicken. Es ist fast nie etwas Interessantes hinter diesen reißerischen Überschriften.

Auch hier soll Goethe das letzte Wort haben (nachzulesen im West-Östlichen Divan):

Getretner Quark
Wird breit, nicht stark.

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Einen guten Rutsch …

… und ein friedliches Jahr 2019 wünsche ich allen meinen Lesern!

Und wie beschließt man einen solchen Brief? Vielleicht so, wie es Goethe im Dezember 1821 in seinem Schreiben an Carl Friedrich Ernst Frommann getan hat:

Heiterer Feyertage und ein frohes neues Jahr herzlich anwünschend und mich zu wohlwollendem Andenken bestens empfehlend.
Ergebenst J. W. v. Goethe.

Weniger förmlich schreibt er 1779 an Charlotte von Stein:

Auch ein glücklichs neues Jahr liebste, und Zuckerbrodt.

Auch Ihnen allen, liebe Leser, reichlich Zuckerbrodt!.

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Und noch einmal gute Nachrichten – diesmal sogar aus der Türkei!

Dort nimmt nämlich die Frömmigkeit der Menschen unaufhörlich zu. Und damit auch die Jugend schön brav die frömmste aller frommen Parteien wählt, nämlich die AKP, hat Mustafa Soykök, ein „Experte“ der Religionsbehörde, ein Geheimnis gelüftet. Er wendet sich direkt an die „Youtuber“ (im F.A.Z.-Feuilleton vom 28. Dezember nachzulesen):

Die Kameras zeichnen das ganze Leben auf, beim Jüngsten Gericht werden die erfolgreichsten Youtuber festgestellt!

Von Amts wegen, sozusagen. Was ihnen dann „im Jenseits“ droht, ist klar: die Verdammnis. Das gilt auch für alle jene, die Informationen aus den sozialen Medien (etwa über den plötzlichen Reichtum der Familie Erdogan) einfach weitergeben – das sei „eine Verletzung der Rechte der Diener Gottes“.

Für manchen jungen Türken mag das eine Warnung zu rechter Zeit sein. Wer möchte schon, daß eines Morgens die Polizei die Tür seines Hauses aufbricht!

Noch dazu, wenn man es mit ein bißchen Frömmigkeit und Wohlverhalten verhindern kann.

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Und schon wieder eine gute Nachricht

Heute war in der Knallpresse nichts Neues über Helene Fischers neuen Freund zu lesen!

Oder ist mir etwas entgangen?

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Fröhliche Weihnacht auf RTL II

Nur gute Nachrichten in der Weihnachtszeit – so soll es auch heute sein!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es unseren Privatsendern an den Festtagen gelingt, uns durch eine wohldurchdachte Programmauswahl besinnlich zu stimmen.

Nehmen wir nur einmal den Qualitätssender RTL II. Er beschenkt uns
an Heiligabend um 20.15 mit dem Familienfilm Rambo, gefolgt von Rambo II und Rambo III. Die Kinder dürfen an diesem Tag länger aufbleiben, deshalb gibt’s danach noch Lock up – Überleben ist alles (mit Sylvester Stallone) und als spätes Schmankerl Bulletproof – Kugelsicher.

Weitere stimmungsvolle Weihnachtsfilme unserer Privatsender sind dieses Jahr, in bunter Reihenfolge zitiert:

Vier Fäuste gegen Rio
Conjuring – Die Heimsuchung
Die toten Augen von London
The Apparition – Dunkle Erscheinung
Cold Pray 3
Der Knochenjäger
Armed Response – Unsichtbarer Feind
Drecksau
Zorn der Titanen
The Thing
Der Kannibale von Flores usw. usf.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!

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Nur gute Nachrichten an den Feiertagen!

Es ist wieder so weit: wie jedes Jahr sollen an dieser Stelle Tag für Tag nur gute Nachrichten erscheinen. Jedenfalls bis zum Neujahrstag.

Fangen wir gleich damit an!

Die neugebildete schwarz-grüne Koalition in Hessen hat jetzt ihren Koalitionsvertrag für die nächsten vier Jahre vorgestellt. Und (man glaubt es kaum): sie hat darin dem unsäglichen „Schreiben nach Gehör“ – endlich! – eine Absage erteilt:

Lesen und Schreiben sind Schlüsselqualifikationen für die Teilhabe an der heutigen – mehr denn je auf Kommunikation – ausgerichteten Gesellschaft. Für uns ist es deshalb von großer Wichtigkeit, dass die Grundschülerinnen und -schüler in allen Fächern bei der Entwicklung ihrer Rechtschreibkompetenz begleitet werden. Sie sollen von Beginn an zum korrekten Schreiben angeleitet werden. Deshalb sprechen wir uns gegen die Unterrichtsmethode „Lesen durch Schreiben“ (Schreiben nach Gehör) aus. Die dauerhafte Implementierung des eingeführten Grundwortschatzes soll darüber hinaus zur Förderung von Deutsch als Bildungssprache beitragen.

Besonderen Wert legen wir auf das Schreiben mit der Hand und das Entwickeln einer gut lesbaren Handschrift.

Das ist, nachdem mehrere Schülergenerationen im Namen des Fortschritts mit einer wissenschaftlich unhaltbaren, in der Praxis lange widerlegten abstrusen „Theorie“ in ihrer geistigen Entwicklung geschädigt wurden (nicht wenige von ihnen werden ihr Leben lang darunter leiden), das ist nun wirklich ein großer Schritt hin zu pädagogischer Vernunft. Man hätte ihn den Grünen nicht zugetraut.

Bravo!

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„Egal woran Sie glauben …“

Die Integrationsbeauftragte des Bundes, Annette Widmann-Mauz (CDU), hat ihre Weihnachtskarten verschickt.

Weihnachtskarten? Nein, das Wort Weihnachten kommt darin nicht vor. Der Text lautet (so wird er in der Presse wiedergegeben):

Egal woran Sie glauben … wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr.

Liebe Frau Widmann-Mauz!
Sie schicken also zu einem der größten christlichen Feste Grußkarten, die mit dem Satz „Egal woran Sie glauben …“ beginnen. Sie sind laut Wikipedia katholisch. Ist jetzt also der Geist der Beliebigkeit auch in die katholische Kirche eingedrungen? Ist es Ihnen tatsächlich „egal“, woran man glaubt? Oder haben Sie Angst vor den Muslimen? Ist es wieder einmal der vorauseilende „Respekt“ vor den anderen Religionen?

Aber warum schicken Sie denen „Weihnachtskarten“? Glückwünsche fürs neue Jahr mögen so formuliert werden, aber jetzt feiern wir nicht das Jahresende, sondern Weihnachten, und das ist neben Ostern das höchste Fest der Christenheit. Den Grünen oder den Linken hätte man einen solchen Fauxpas zugetraut, daß jetzt aber schon Christdemokraten auf das Wort „Weihnachten“ verzichten, um ja nicht anzuecken, ist beschämend.

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Rückblick – Die wichtigsten Nachrichten des Jahres 2018

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, da ist es an der Zeit, noch einmal an die wichtigsten Nachrichten von 2018 zu erinnern.

ACHTUNG: Alle Nachrichten sind dem Internet entnommen und werden wörtlich wiedergegeben. Keine Satire, keine Ironie, sondern bittere Wahrheit.

„Völlig daneben“! DIESE Busen-Tanz-Show macht ihre Fans wütend

Helene mit süßen 21! So sah die Schlagerqueen einst aus

Unglaublich: Lindsay Lohan will fremde Kinder mitnehmen

Verona Pooth: Hochgeschlossen, aber unten ohne! Verona versext das Netz

Prinz Harry glättet Meghans Haare – und das Netz spielt verrückt

Sarah Lombardi: Hüllenlos im Bett! Sie zeigt fast alles …

Nasendusche falsch benutzt: Amöben fressen Gehirn einer 69-Jährigen

Sex bereut! „Love Island“-Sebastian bringt Jessi zum Heulen!

Ekel-Aufschrei! Dachsfleisch im Fünf-Gänge-Menü

Judith Rakers: „Tagesschau“-Sprecherin im Internet missbraucht

TV-Nonne zieht sich vor Polizisten aus und muss Strafe zahlen

Brüste nur getapet: Vanessa Mai zeigt wieder (fast) alles!

„Neo Magazin Royale“: Schock im ZDF! Moderator Böhmermann zersägt erigierten Penis 

Nicht Gerda: Philipp Stehler hat schon die nächste Blondine!

String-Tanga-Alarm! So anzüglich zeigt sich Kiwi

Vanessa Mai verhüllt nur ihre Nippel

Horror! 18-Jährigem mit Kugelschreiber Augen ausgestochen und Ohren abgebissen

Heino: 15 Kilo zugenommen! Jetzt hat seine Frau genug

Vanessa Mai lässt sich unter ihr kurzes Kleid schauen – und trägt wohl keine Unterwäsche

Polizisten retten Mann, der zu lange in Plastiktüte schaut!

Miley Cyrus: Nach dem Nippel-Blitzer! Wo sind Mileys Brüste geblieben?

Mann kauft Polizistin einen Strauß Blumen, der Grund ist rührend

Mia Julia Brückner: Komplett nackt und Beine breit! HIER zeigt sie uns ALLES

„President Evil“: Ist Donald Trump ein brutaler Serienkiller?

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Noch einmal ein Zitat von Stefan Zweig

Ich muß doch noch einmal auf Stefan Zweigs wunderbare Biographie des Erasmus zurückkommen (Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, Wien 1934). Die in weiten Teilen nachprüfbar rechtsextreme AfD hat ja, wie zu lesen war, ihre Parteistiftung in der ihr eigenen Dreistigkeit nach dem großen Humanisten benannt.

Stefan Zweig, der sich 1942 aus Verzweiflung über das Vordringen des Faschismus das Leben genommen hat, schreibt darin:

Wir müssen leider klar erkennen und bekennen, daß niemals ein Ideal breiten Volksmassen vollkommen Genüge tut, das einzig die allgemeine Wohlfahrt ins Auge faßt; bei den durchschnittlichen Naturen fordert auch der Haß sein düsteres Recht neben der bloßen Liebesgewalt, und der Eigennutz des einzelnen will von jeder Idee auch rasche persönliche Nutznießung. Immer wird der Masse das Konkrete, das Greifbare
eingängiger sein als das Abstrakte, immer darum im Politischen jede Parole am leichtesten Anhang finden, die statt eines Ideals eine Gegnerschaft proklamiert, einen bequem faßbaren, handlichen Gegensatz, der gegen eine andere Klasse, eine andere Rasse, eine andere Religion sich wendet, denn am leichtesten kann der Fanatismus seine frevlerische Flamme am Haß entzünden.

Ein bloß bindendes, ein übernationales, ein panhumanes Ideal dagegen wie das erasmische entbehrt selbstverständlich für eine Jugend, die ihrem Gegner kämpferisch ins Auge sehen will, das optisch Eindrucksvolle und bringt niemals jenen elementaren Anreiz wie das stolz Absondernde, das jedesmal den Feind jenseits der eigenen Landesgrenze und außerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft aufzeigt. Immer werden es darum die Parteigeister leichter haben, welche die ewig menschliche Unzufriedenheit in eine bestimmte Windrichtung jagen; der Humanismus aber, die erasmische Lehre, die für keinerlei Haßleidenschaft Raum hat, setzt heroisch ihre geduldige Anstrengung auf ein fernes und kaum sichtbares Ziel, sie ist und bleibt ein geistaristokratisches Ideal, solange das Volk, das sie sich träumt, solange die europäische Nation nicht verwirklicht ist.

Zugleich Idealisten und doch Kenner der menschlichen Natur, dürfen darum die Anhänger einer zukünftigen Menschheitsverständigung niemals im unklaren sein, daß ihr Werk ständig von dem ewig Irrationalen der Leidenschaft bedroht ist, sie müssen aufopfernd bewußt bleiben, daß immer wieder in den Zeiten eine Sturzflut des Fanatismus, geballt aus den Urtiefen der menschlichen Triebwelt, alle Dämme überfluten und zerreißen wird: fast jede neue Generation erlebt solch einen Rückschlag, und es ist dann ihre moralische Aufgabe, ihn ohne innere Verwirrung zu überdauern.

Besser kann man die Situation kaum beschreiben, in der sich auch heute Demokratie und Menschlichkeit befinden.

Es hat freilich auch sein Gutes, daß die Gefährdung aller Kultur heute so deutlich zutagetritt. Die Illusion, daß eine gefestigte Demokratie wie die deutsche gegen den Angriff eines dumpfen Fanatismus für alle Zeit gefeit sei, läßt sich nicht mehr halten. Immerhin: noch bleibt der politische Mob bei uns eine kleine (wenn auch lautstarke) Minderheit. Wir sollten alles tun, daß es dabei bleibt.

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