Heidi Klum beschämt die Frauen

Janna Specken veröffentlichte vor einigen Tagen auf t-online.de einen Artikel mit folgender Überschrift (hier nachzulesen):

Wie Heidi Klum junge Frauen beschämt.

Kommt Ihnen diese Formulierung auch merkwürdig vor? Aber worum geht es in diesem Artikel?

Eigentlich nur um das, was jeder vernünftige Menschen vom „Model“-Unwesen hält. Heidi Klum habe seit 15 Jahren nichts dazugelernt, schreibt Frau Specken, die jungen Frauen seien nur eine schöne, aber leere Hülle:

Von Heidi Klum findet man selten Aussagen über die Klimakrise, Rassismus, Feminismus, Umweltschutz, US-Politik oder andere Weltthemen.

Das ist ja nun alles wirklich keine Überraschung – und wir wissen immer noch nicht, wodurch Heidi Klum die jungen Frauen beschämt.

Die Bedeutung des Verbs „beschämen“ ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Am besten versteht man das Wort, wenn man ein paar Beispielsätze liest. Auf der Duden-Seite etwa findet man die folgende Umschreibung:

Den anderen durch die eigene Hilfsbereitschaft beschämen.

Jemand, der einen anderen Menschen beschämt, ist – stark vereinfacht gesprochen – immer der Gute, der andere, der beschämt wird, eher nicht. Er hat sich falsch oder ungeschickt verhalten, hat etwas Falsches oder Böses getan oder gesagt. Aber der Mensch, der ihn beschämt, zahlt eben nicht mit gleicher Münze heim, er „beschämt“ den anderen, indem er Böses mit Freundlichkeit beantwortet.

Was soll man in diesem Lichte über die Artikelüberschrift sagen? Nur eines: daß sie völlig falsch, ja ohne jeden Sinn ist und mit dem Inhalt des Artikels nichts zu tun hat.

Janna Specken hat, wie sie selbst schreibt, einen Master in Germanistik absolviert. Wir wollen zu ihren Gunsten annehmen, daß die Überschrift nicht von ihr, sondern von einem sprachlich weniger begabten Redakteur stammt.

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Ein Wunder

Eine der üblichen Tatarenmeldungen liest man heute auf derwesten.de:

Mann kaufte Uhr im Jahr 1974 für 315 Euro – atemberaubend, was sie heute wert ist.

Aber das eigentlich Atemberaubende ist, daß der Mann die Uhr damals in einer Währung bezahlte, die erst 27 Jahre später eingeführt wurde!

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Draghisch

Daß Mario Draghi 2011 – mit ausdrücklicher Unterstützung der deutschen Regierung! – Präsident der Europäischen Zentralbank wurde, war einer von mehreren schwerwiegenden Fehlern der Kanzlerin.

Daß er ausgerechnet von Deutschland, dessen Sparer er um Milliarden Euro gebracht hat, besonders liebevoll verabschiedet und obendrein auch noch mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt wird, ist ein instinktloser Affront gegen die eigene Bevölkerung.

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„Klimahysterie“ ist kein Unwort!

Nein, Klimahysterie ist keineswegs ein „Unwort“, sondern eine präzise Beschreibung der Endzeitstimmung, die in der Klimadiskussion hierzulande herrscht (und geschürt wird).

Darf’s ein Beispiel sein? Bitte sehr. Luisa Neubauer, die zur Zeit von einer Talkshow zur anderen gereicht wird, sagte während einer Podiumsdiskussion in Davos (hier nachzulesen),

dass 2020 das letzte Jahr sei, in dem man eine “Klimakatastrophe” noch abwenden könne.

Das ist Klimahysterie par excellence (das Wort Hysterie hier natürlich nicht in der veraltet fachmedizinischen, sondern im seiner umgangssprachlichen Verwendung). Gefahrlich ist aber nicht, wie die Unwort-Jury meint, das Wort „Hysterie“, gefährlich ist die dumme Hysterie selbst, der blinde Aktionismus nämlich ohne Sinn und Verstand, der – von einem schwedischen Kind ausgehend – wie eine Epidemie immer weiter in alle möglichen politischen Milieus eingedrungen ist. Gerade weil der Klimawandel das zukünftige Leben auf der Erde bedroht, braucht man umso mehr Besonnenheit und Vernunft. Und man braucht einen Masterplan, den Politik und Wissenschaft gemeinsam erarbeiten müssen. Was wir nicht brauchen, sind Kraftwerks- und Maschinenstürmerei und neue Objekte eines infantilen Hasses (das Auto! die Kohle!). Sie gefährden nur unsere Wirtschaft, ihr Einfluß auf das Weltklima ist gleich Null.

Also, bitte immer den Imperativ des Horaz – sapere aude! – beherzigen, den Kant in seiner Schrift „Was ist Aufklärung?“ mustergültig so übersetzt hat:

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

„Deines eigenen Verstandes“, heißt es darin, von Kant ausdrücklich hervorgehoben. Das bedeutet: sich nicht von irgendeiner aufgeputschten Bewegung oder von Untergangs- und Endzeitstimmungen überwältigen lassen, sondern gerade dann im Sinne Kants seinen kühlen Verstand bewahren!

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Die armen Kinder von Erfurt

In den USA ist die fürsorgliche Zensur des gesamten Alltags schon weit fortgeschritten, da wird von den Kindern alles ferngehalten, was die (vermeintlich) zarten, verletzlichen Seelen verstören könnte. Bücher werden zensiert oder aus den Schulbibliotheken entfernt, wenn sie irgendetwas enthalten, was den selbsternannten Tugendwächtern nicht behagt. Viele Wörter sind an den Schulen und Universitäten im land of the free mittlerweile mit einem Tabu belegt. Lehrer oder Professoren, die dagegen verstoßen, müssen mit Disziplinarmaßnahmen rechnen, die nicht selten zu ihrer Entlassung führen. Die Freiheit von Forschung und Lehre wird inzwischen sogar von amerikanischen Studenten selbst in Frage gestellt, weil der Schutz ihrer Verletzlichkeit – vulnerability – vor Diskriminierung wichtiger sei als jede Freiheit. Erwachsene, intelligente Menschen im Alter von 25 oder 30 Jahren werden einer Infantilisierung unterworfen, die sie wieder zu kleinen Kindern macht, die des ständigen Schutzes durch die Universitätsleitung bedürfen.

Zu diesem beunruhigenden Phänomen gibt es im angelsächsischen Sprachraum inzwischen eine Fülle von Literatur. Die meisten Bücher sind leider nur in englischer Sprache verfügbar. Dazu zählt auch der Band „What’s Happened to the University?“ (2016) von Frank Furedi, den ich nur jedem als Einstieg empfehlen kann. Furedi, der als kleiner Junge mit seinen Eltern nach der brutalen Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 nach Kanada geflohen ist und es in England zum Professor für Soziologie an der University of Kent gebracht hat, analysiert den Zustand an den amerikanischen Universitäten in einem klaren, unverschwurbelten Englisch, das man auch dann mit Gewinn lesen kann, wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht. Ich werde, wenn ich dazu komme, in den nächsten Wochen an dieser Stelle einiges aus seinem Buch zitieren.

Und was hat das jetzt mit den armen Kindern von Erfurt zu tun?

Furedi berichtet auch von der großen Auseinandersetzung an der Yale University über politisch korrekte Verkleidungen an Halloween, die 2015 nicht nur Yale erschütterte. Ein Committee on cultural affairs der Universität hatte damals die Studenten angehalten, nur „kultursensible Kostümierungen“ zu tragen. Der Widerspruch gegen diese absurde Gängelung und die Einteilung in „recommended and non-recommended costumes“ hatte damals für landesweites Aufsehen gesorgt.

In Erfurt hat jetzt die Kita „Campus-Kinderland“ des „Studierendenwerks“ den Versuch gemacht, ähnlich wie in Yale und mit ähnlichem Vokabular nur noch politisch korrekte Verkleidungen zu erlauben. In einer Verlautbarung der Kitaleitung heißt es:

Mit der Kostümierung der Kinder wird in den Einrichtungen des Studierendenwerks generell sehr bewusst und kultursensibel umgegangen. Dies ist einer der Bausteine des pädagogischen Konzepts, mit dem Stereotype vermieden werden sollen. Es wird Wert daraufgelegt, keine Bevölkerungsgruppen zu beleidigen oder Kindern falsche Bilder zu vermitteln. Zudem kann eine Kostümierung Angst und Überforderung bei den Kindern auslösen. Vor allem für Kleinkinder ist es befremdlich, wenn sie ihr Gegenüber nicht mehr erkennen können. Anhand des Verhaltens ist außerdem oft zu erkennen, dass sich Kinder in ihren Kostümen unwohl fühlen.

Bravo! Endlich werden einmal die vielen Kinder ins rechte Licht gerückt, die bis heute unter Angstzuständen leiden, weil sie damals ihre verkleideten Gegenüber nicht mehr erkannt haben. Manche sind auch heute noch traumatisiert, so wenig kultursensibel sind die Erzieherinnen mit ihnen umgegangen!

Aber ein Trostpflaster für die abgesagten Faschingsfeiern hat das „Studierendenwerk“:

Insgesamt haben die Kinder aber natürlich das ganze Jahr über die Möglichkeit, sich zu verkleiden. Ihnen werden dafür auch Verkleidungsutensilien zur Verfügung gestellt, die im Voraus von dem pädagogischen Fachpersonal bewusst ausgewählt werden.

Ich hätte da ein paar Vorschläge für das pädagogische Fachpersonal. Man könnte, um die vorhandenen Stereotype kultursensibel aufzubrechen, den kleinen Jungs weibliche, den kleinen Mädchen männliche Verkleidungsutensilien zur Verfügung stellen. Auch queer- und transmäßige Kleidung wäre sicher geeignet, das überholte Stereotyp von den zwei biologischen Geschlechtern schon in den Kinderhirnen zu bekämpfen.

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Sprachlos sprechen

In einer Reportage über den sechsfachen Mord in Rot am See und die Nachbarn der betroffenen Familie heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

Sie geben bereitwillig Auskunft, auch, weil sie dieses Verbrechen so sprachlos macht.

Wie geht das? Rätsel über Rätsel.

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Spannende Geschichten am Holocaust-Gedenktag

Den Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) kennt man hier in Hessen kaum, aber beim Zappen durch unsere Kabelkanäle – ein Unternehmen übrigens, bei dem einem die letzten Illusionen über das Wesen des Menschen zuverlässig genommen werden! – bin ich gestern zufällig bei der Sendung „rbb Kultur“ hängengeblieben.

Jedenfalls hat da eine (mir völlig unbekannte) Nadine Heidenreich – laut Wikipedia eine „deutsche Schauspielerin, Synchronsprecherin und Moderatorin“ – durch eine Sendung über den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust geführt. Bei einem Satz aber, mit dem sie einen Sendeblock mit Veranstaltungshinweisen eingeleitet hat, ist mir denn doch ein bißchen „anders“ geworden:

Weitere spannende Veranstaltumgen zum Holocaust-Gedenktag gibt es jetzt in unseren Kulturtipps.

Ich bin Jahrgang 1950 und nicht (wie Frau Heidenreich) Jahrgang 1981, vielleicht liegt es ja daran, daß dieser Satz für sie völlig normal war, vermutlich verstünde sie meine Aufregung nicht einmal. Aber für mich ist es einfach ungehörig, im Zusammenhang mit der Schoa von „spannenden Veranstaltungen“ zu sprechen.

Das Wort „spannend“, das im Grimmschen Wörterbuch noch nicht vorkommt, ist heute fast zu einem umgangssprachlichen Synonym für „interessant“ oder „sehenswert“ geworden, das höchste Lob gilt einem Bericht, der als „spannende Geschichte“ bezeichnet wird.

Gewisse Anstandsgrenzen sollten bei der Verwendung der Umgangssprache im Fernsehen, zumal bei einem solchen Thema, schon eingehalten werden. Aber sprachliches Taktgefühl gilt nicht mehr viel in unserer Zeit.

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Die narzißtische Persönlichkeitsstörung – oder: Woher kenne ich die schnell nochmal?

Ein Mensch, der an einer „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“ leidet, ist ein Kranker. Seine Krankheit wird sowohl von der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10) als auch von der American Psychiatric Association (DSM-5) zu den Persönlichkeitsstörungen gezählt. Die WHO rechnet die Störung zu den „sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen“ (F60.8). Die DSM-5 spricht von einer „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“, sobald beim Patienten fünf der folgenden Kriterien erfüllt sind (hier nachzulesen):

Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).

Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.

Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.

Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.

Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d. h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).

Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d. h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).

Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.

Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.

Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

Also, von allen Staatenlenkern auf der Welt kenne ich nur einen, auf den nicht nur fünf, sondern alle Kriterien zutreffen. Kennen Sie ihn auch?

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Klick, klick oder: Auf das Notizbuch kommt es an!

In einer ganzseitigen Anzeige, die von Selbstbeweihräucherung nur so trieft, will uns Amazon in der heutigen F.A.Z. weismachen, was jungen Menschen bei einer Bewerbung wirklich hilft:

Die Bewerbung für den Job war ein Volltreffer. Schon in drei Tagen ist das heißersehnte Vorstellungsgespräch. Also bestellen Sie – klick, klick – über Nacht dieses hochwertige Notizbuch. Genau das Richtige, um ihrem professionellen Auftritt noch mehr Gewicht zu verleihen.

Na, jetzt wissen wir wenigstens, weshalb so viele Menschen bei ihren Bewerbungen abgewiesen werden: ihnen fehlt das hochwertige Notizbuch von Amazon.

Pech gehabt!

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Johannes der Täufer und ein frommer Impuls

So ganz habe ich das immer noch nicht verstanden: was ist eigentlich ein „Impuls“? Wenn von einem Menschen oder einem Ereignis „Impulse“ ausgehen, dann bedeutet das nach meinem Sprachverständnis, daß Denkanstöße gegeben werden. Vor allem in den letzten Jahren hat sich aber, zumindest in den christlichen Kirchen, eine Bedeutungsverschiebung ergeben: „Impuls“ nennt man jetzt offenbar den Text selbst, von dem – jedenfalls nach Ansicht der Verfasser – Denkanstöße ausgehen sollen.

Die evangelische Kirche schickt ihren Mitgliedern zweimal im Jahr eine solche „Impulspost“, und kürzlich habe ich auch auf katholisch.de eine ähnliche Begriffsverwendung entdeckt.

Da lese ich unter einem kurzen Artikel mit der Überschrift „Wie Johannes Jesus durchschaut“:

Impuls von Schwester Anne Kurz.

Da haben wir ihn also schon wieder, den Impuls. Und welchen Denkanstoß gibt mir Schwester Anne Kurz jetzt?

Johannes der Täufer sieht Jesus auf ihn zugehen. Was mag ihm dabei durch den Kopf gegangen sein?

Eine seltsame Frage. Was hat man nicht manchmal für Schwierigkeiten, einem Familienmitglied anzusehen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und da soll ich herausfinden, was einem völlig fremden Menschen, aus einer mir völlig fremden Kultur, die noch dazu zwei Jahrtausende zurückliegt, durch den Kopf gegangen ist?

Schwester Anne Kurz kann das. Sie gibt sogar ein kleines Psychogramm Johannes des Täufers:

Hinter der rauhen Schale seines Auftretens verbirgt sich ein feinfühliger und aufmerksamer Mensch. Die Wüste hat ihn manches gelehrt. Er ist einer geworden, der sehen und erkennen kann. Er lässt sich nicht blenden, sondern schaut auf den Grund der Menschen und Ereignisse.

Ein tiefes, starkes Glück muss Johannes erfasst haben.

Also, mir jedenfalls kommt so eine psychologisierende Betrachtung fast ein bißchen leichtfertig, ja ungehörig vor. Aber anders als Schwester Anne kann ich ja auch nicht in den Kopf des Täufers hineinschauen.

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