Der Teufel ist an allem schuld! oder Wie man endlich die unverblühmte Realität kennenlernt

Daß Gott tot ist, weiß man seit Nietzsche, an seinen bösen Gegenspieler, den Teufel, hat man – außer in sehr frommen Kreisen – ohnehin nie so richtig geglaubt.

Da heißt es jetzt aber: umdenken! (Oder querdenken?)

Jedenfalls bin ich bei Amazon zufällig auf ein dreibändiges Buch mit dem Titel

Wie der Teufel die Welt beherrscht

gestoßen. Sehr geheimnisvoll schon die Autorenangabe: statt eines Namens liest man

Das Autorenteam besteht aus Historikern und Wissenschaftlern.

Daß die Historiker also vom „Autorenteam“ nicht zu den Wissenschaftlern gerechnet werden, lassen wir einmal so stehen. Aber verständlich ist die Anonymität des Verfassers schon. In einem Leserkommentar heißt es:

Die angeblichen Autoren geben sich angeblich nicht zu erkennen, weil sie sich angeblich bedroht fühlen.

Aber von wem? Der Text des „Autorenteams“, der von Amazon brav wiedergegeben wird, spricht da eine klare und präzise Sprache: genau 36 Strategien zur Zerstörung der Menschheit habe der Teufel, darunter „Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung“. Ein Leser schreibt begeistert, daß in dem Buch „Terrorismus, Klimahystrie, sexuelle Freizügigkeit und Zerstörung der Familien“ endlich als Teufelswerk entlarvt werden:

Hier erfährt der Leser, wie der Teufel den Menschen in die Ohren säuselt und sie gefügig macht.

Noch ein paar begeisterte Leserkommentare füge ich hier an, weil man aus dem Staunen, wozu der Mensch in seinem Hirn fähig ist, gar nicht herauskommt (alle den Kommentaren auf Amazon entnommen und in der Original-Orthographie wiedergegeben):

Es kann gar nicht genug Stimmen geben, die vor der kommunistischen Weltordnung warnen. ES LEBE DER FREIE MARKT!

Um die Menschheit zu vernichten, hat der Teufel den Kommunismus erfunden.

Super erkenntnisse es ist ja wohl klar das mann bei so einer durchsicht der Weltordnung , die autoren nicht vor die flinte setzen will und die namen der Autoren nicht erwähnt. Einfach mal recherchien die autoren sind bekannt für die diener unbekannt.

Ich würde die Werke jeden Querdenker empfehlen.

Unsere sogenannte freie westliche Welt ist längst unterwandert und steuert auf eine schlimme Zukunft zu, wenn wir nicht klar haben, wo überall der Teufel im Detail steckt und wir uns von seinen Einflüsterungen befreien. Das ist so versteckt, dass wir seine Einflüsterungen für unsere ureigenen Gedanken halten.

Wer bereit ist sich der unverblühmtem Realität zu stellen ist mit diesem Buch wirklich sehr gut beraten.

Nachdem ich mir das Hörbuch angehört habe, verstehe ich was um uns herum passiert. Aktuelle Themen wie z.B. Corona-Lüge, legale Abtreibung bis zur Geburt, Homosexuellenpropaganda, Antichristentum, Gängelung der Bürger auf allen Gebieten, abartige Kunst, verdummung der Schüler, Wahlbetrug, usw. usf. sind jetzt gut verständlich.

Man sieht: das ist offenbar ein Buch, auf das die Welt gewartet hat.

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Frauen schießen?

Im Angebotstext zu einem japanischen Fächer heißt es auf Amazon (hier nachzulesen):

Der Faltfächer ist eine ideale Wahl für das Schießen von Frauen.

Da kann man nur hoffen, daß der Texter ein Foto-Shooting gemeint hat.

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Die armen ausgegrenzten Jugendlichen

Vor einigen Tagen haben sich gewalttätige Jugendliche in Darmstadt und Frankfurt zusammengerottet und nachts brutal Polizisten angegriffen. Die Politik fordert schnelle und harte Strafen, was mehr als gerechtfertigt ist. Vor allem muß die Strafe der Tat auf dem Fuße folgen. Wenn die Gerichtsverhandlung erst Monate nach der Tat angesetzt wird und dann auch noch mit milden Bewährungsstrafen oder ein paar Stunden Sozialarbeit endet, verlassen diese Jugendlichen grinsend den Gerichtssaal.

Woran liegt das? Das Jugendstrafrecht und seine praktische Anwendung sind immer noch auf Jugendliche zugeschnitten, wie sie vielleicht in der Adenauerzeit noch in der Mehrheit waren: sie alle waren viel kindlicher als die Jugendlichen heute, und wenn sie – wie man es damals genannt hat – „auf die schiefe Bahn“ gekommen waren, wurden sie von einem verständnisvollen Richter wieder auf den rechten Weg gebracht.

Das alles hat lange gut funktioniert.

Aber leider hat das wenig mit der heutigen Wirklichkeit zu tun. Viele Jugendliche aus arabischen Ländern oder vom Balkan sind von einem ganz anderen Kaliber. Sie sind mit Gewalt (auch in der Familie) aufgewachsen, und jede Milde deuten sie als Schwäche.

Da hilft es überhaupt nicht, sich einfach nur „in die Perspektive der Jugendlichen einzudenken“, wie es der Marburger Psychologe Ulrich Wagner vorschlägt. Die Corona-Beschränkungen, meint er, seien „für diese Altersgruppe besonders schwer auszuhalten“:

Den Jugendlichen fehlt ein wichtiger Teil ihrer sozialen Interaktion, in diesem Alter ist es besonders wichtig, in Gruppen mit anderen zusammenzusein.

Auch der Migrationshintergrund, so zitiert ihn die F.A.Z., spiele keine große Rolle:

Wichtiger als die Herkunft seien die Lebensbedingungen der Jugendlichen, und „hier gibt es eine Kopplung zwischen der Herkunft der Familie, dem Gefühl des Ausgegrenztseins und dem Hang zur Abgrenzung gegen andere Gruppen wie beispielsweise auch die Polizei.“

Lebensferne ist noch das schwächste Wort, das man solchen Äußerungen, wie sie hier ein leibhaftiger Professor der Psychologie ex cathedra verkündet, entgegenhalten sollte. Das „Gefühl des Ausgegrenztseins“ hat ja wohl jeder Jugendliche einmal gespürt, das gehört einfach zu diesem kritischen Lebensalter. Damit aber allen Ernstes Angriffe auf Leib und Leben von Polizisten zu begründen, ist dreist. Wer auf diese Weise die Aggressivität einer großen Zahl von Jugendlichen verharmlost und sich damit in ganze Hundertschaften von „Sozialarbeitern“ einreiht, ist mitverantwortlich dafür, daß die AfD mit ihren Stammtischparolen weitere Wähler gewinnt.

PS: Ich bin jetzt über 70 Jahre auf der Welt, und das Gefühl des „Ausgegrenztseins“ kenne ich – es ist in den Jahren des Erwachsenwerdens ja auch völlig normal. Damit aber Flaschen- und Steinwürfe auf Polizisten zu erklären, die zum Schutz der Bürger da sind, ist eine sträfliche Verharmlosung. Von den vielen jugendlichen Intensivtätern ganz zu schweigen, die immer und immer wieder, zum Teil nach Dutzenden von Straftaten, „auf Bewährung“ entlassen werden. Zur weiteren Information empfehle ich eindringlich das Buch „Das Ende der Geduld“ von Kirsten Heisig.

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„Nur“ vegetarisch

Jonathan Safran Foer ist bei uns vor allem als Autor des Buches „Tiere essen“ bekannt, in dem er „auf die Gefahren der Massentierhaltung“ hinweist. Die Wikipedia ist mit ihm aber offenbar nicht ganz zufrieden:

Foer ernährt sich trotz seiner Kritik an der Eier- und Milchproduktion in seinem Buch Tiere essen nur vegetarisch.

„Nur“ vegetarisch, dieser Vorwurf soll nicht etwa heißen, daß er kein Fleisch zu sich nimmt, nein, man wirft ihm vor, daß er „nur“ Vegetarier und kein richtiger Veganer ist. Aber einen tröstlichen Satz hält die Wikipedia doch noch für uns bereit:

Er strebt allerdings eine vegane Ernährungsweise an.

Na, dann is ja gut. Vegetarisch reicht nämlich schon lange nicht mehr, nur wer vegan lebt, ist ein anständiger Mensch! Das rufen uns alle Geschäftemacher vom Aldi bis zur Rügenwälder Mühle zu. Merkwürdig nur, daß bei Veganern (anders als bei den traditionellen Vegetariern) alles wie Fleisch aussehen soll: die veganen Frikadellen sehen aus wie Fleisch, riechen wie Fleisch, schmecken (angeblich) wie Fleisch – aber wenn man die Zutatenliste liest, sieht man, daß es unnatürliche Laborprodukte sind.

Ich kann die Motive von Vegetariern nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Die Veganer mit ihrem missionarischen Eiferertum und ihrer aggressiven Verachtung gegenüber allen Andersessenden haben mich schon immer abgestoßen.

Und das nicht erst seit dem Vegankoch Attila Hildmann.

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Die wunderbare Welt des E-Autos

Gegen Tesla hat das Bundesumweltamt jetzt ein Bußgeld von mehr als 12 Millionen Euro verhängt – weil sich die Firma

nicht an Gesetze gehalten habe, die die Rücknahmeverpflichtungen von Batterieprodukten betreffen.

Es geht um die fachgerechte Entsorgung der Batterien nach Bränden oder Unfällen. Dabei stellt sich folgendes heraus (hier nachzulesen):

Es geht vor allem um die Frage, was mit den hochkomplexen Energiespeichern im Falle eines Schadens, zum Beispiel durch einen Unfall, geschieht.

Fängt der Akku etwa Feuer, wird er zum Problemfall. Schon Brände von kleinen Lithium-Ionen-Batterien müssen mit immensen Mengen Wasser gelöscht werden. Anschließend muss das Batteriepaket noch wochenlang in Wasser gekühlt werden. Lässt es sich nicht mehr vom Auto trennen, muss das ganze Fahrzeug dafür in einem mit Wasser gefüllten Spezialcontainer versenkt werden.

Doch genau für dieses diffizile Verfahren gibt es bislang wenig Anlaufstellen. Während die Halter normaler Autos ihre verunfallte Karosse bei jedem Schrotthändler entsorgen können, müssen sich die Besitzer von Elektroautos an speziell für die komplexen Entsorgungsverfahren zertifizierte Fachbetriebe wenden. Die sind bislang Mangelware.

Wer ein E-Auto kauft, ist selber schuld, könnte man sagen. Denn es spricht nichts für die „E-Mobilität“ – ökologische oder klimatologische Argumente schon gar nicht. Kaum jemand kauft freiwillig ein solches Auto, und weil die Parteien das wissen, wollen sie die potentiellen Autokäufer durch gesetzliche Maßnahmen dazu zwingen: daher schon jetzt der Abgesang auf das benzin- oder dieselgetriebene Auto und die politisch empfohlenen Termine, zu denen deren Produktion auslaufen soll. Auch Markus Söder, der nach seiner Wahl als Retter der Bienen und auch sonst gar nicht „demütig“ genug auftreten konnte, gibt jetzt den harten Hund und empfiehlt für das Ende des Automobils das Jahr 2035.

Aber gemach! Die praktischen Erfahrungen mit diesen ungeliebten und (allein schon durch die Produktion ihrer Batterien) ökologisch schädlichen Fahrzeugen wird die meisten Menschen vom Kauf abhalten. Auch dem will die Politik vorbeugen: indem sie die großen Autobauer dazu drängt, möglichst bald nur noch E-Autos herzustellen. Der Verbraucher soll also gar nicht mehr die Möglichkeit haben, selbst zwischen einem herkömmlichen und einem E-Auto zu entscheiden.

Ob er sich das bieten läßt, wird man sehen.

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Lauter sexistische Sinngedichte

Mehr als 3000 Sinngedichte hat Friedrich von Logau (1605-1655) veröffentlicht. Nicht wenige davon dürften heute der feministischen Zensur zum Opfer fallen – zum Beispiel diese:

Geschmünckte Weiber
Die Damen, die sich gerne schmüncken,
Die lassen sich wol selbst bedüncken,
Daß wo Natur an ihren Gaben
Muß etwas übersehen haben;
Drum wo man Schmuck und Schmüncke schauet,
Thut thörlich, wer der Farbe trauet.

Von den Weiber-Brüsten
Wie kommts, daß Frauen-Volk so klare Stimmen führet?
Weil duppelt Blasebalg hart an ihr Lufftröhr rühret.

Der Mann deß Weibes Haupt
Der Mann ist seines Weibes Haupt;
Wer weiß, ob Virna solches glaubt?
Sie spricht: Was solln zwey Haupter mir?
Ich wär ja sonst ein Wunderthier.

Wenn man bedenkt, was für zarte, verletzliche Gemüter die Menschen heute haben, muß man damit rechnen, daß die von allem Unrat gereinigte Weltliteratur bald auf einen Bruchteil ihres bisherigen Ausmaßes zusammenschrumpfen wird. Alles Anrüchige wird dann wohl in besonders geschützten Depots gelagert, wo es an unseren immer empfindsameren Seelen kein Unheil mehr anrichten kann.

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Buhlen

Ein Video über den US-Wahlkampf, das der „WELT Nachrichtensender“ im Internet verbreitet, trägt den Titel

Donald Trump und Joe Biden buhlen um die Macht.

Aber was heißt das eigentlich – „buhlen“?

Am Beginn etwas sehr Fleischliches.

Im Mittelhochdeutschen gibt es das Wort noch nicht, aber schon im 16. Jahrhundert ist es weit verbreitet. Dasypodius übersetzt „ich bule“ mit „ich hab Lieb“. Und Luther wird noch deutlicher. In seiner Bibelübersetzung von 1545, und zwar in den Sprüchen Salomos (7,18), läßt er „ein Weib im Hurnschmuck, listig, wild und unbendig“ einen Jüngling mit folgenden Worten verführen:

Kom, las uns gnug bulen bis an den morgen, und las uns der liebe pflegen. Denn der Man ist nicht da heime, er ist einen fernen weg gezogen.

(Nur ganz nebenbei – die revidierte Lutherbibel von 2017 formuliert die Sache etwas verblümter: „Komm, wir wollen uns satt trinken an der Liebe bis zum Morgen, lass uns die Liebe genießen.)

Friedrich von Logau stellt hundert Jahre später in einem Sinngedicht mit dem Titel „Bule-Kunst“ dem kreativen Werben um die Frau das eher handgreifliche, anpackende Wesen des Bauern gegenüber. (ACHTUNG: sensible Leser sollten das folgende Zitat überspringen, weil die sexistische, rassistische und diskriminierende Schilderung des Landvolks bei ihnen zu seelischen Schäden führen könnte!):

Wer sonst bult, der bult mit reden, schreiben, winken, tanzen, pfeifen,
bauren bulen gar vil näher, bulen balde nur mit greifen.

Heute kennen die Gebildeteren unter uns vielleicht noch die „Buhlschaft“ im Jedermann, die Geliebte des „reichen Mannes“. Das Verb „buhlen“ selbst wird nur noch in wenigen Zusammenhängen eingesetzt, und vor allem: es wird heute abwertend gebraucht – „gehoben abwertend“, heißt es im Duden. Wer also schreibt, Trump und Biden buhlten um die Macht, bedient im Grunde das Vorurteil, daß Macht etwas Anrüchiges sei, um das man nicht „buhlen“ darf. Aber das Gegenteil ist richtig. Denn die Macht wird auch Trump oder Biden vom Volk verliehen, und sie ist zeitlich begrenzt. Kein Grund also, auf den Wettbewerb um die politische Macht hochnäsig herabzublicken.

Im übrigen können sich meine Leser sicher denken, welchem der beiden Buhlenden ich am kommenden Dienstag die Daumen drücke.

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Trauma Komplementär Therapie

Die Unsitte, im Deutschen mehrere Substantive, nur durch Leerzeichen voneinander getrennt, aneinanderzureihen, ist eine eher neue Erscheinung des Dummdeutschen. Dachte ich. Bis mir im Internet diese Dissertation von 2005 auffiel:

Myoreflextherapie als Trauma Komplementär Therapie
Merkmale, Verlauf, Ergebnis und Wirkungsprofil

Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Dr. phil. an der Philosophischen Fakultät der Albertus-Magnus-Universität zu Köln.

„Trauma“ findet sich in jedem Wörterbuch, die „Komplementärtherapie“ auch. Aber wie kann man als Doktorandin einer Philosophischen Fakultät (und offenbar mit Zustimmung des Doktorvaters!) auf die Idee kommen, die drei Wörter wie Findlinge auf einem Acker einfach zusammenhanglos nebeneinanderzustellen? Das mag in anderen Sprachen erlaubt sein, im Deutschen sicher nicht. Allenfalls kennt man es aus der Werbe- und Marketingsprache, für die das Deutsche ja kein Gut, kein Wert an sich ist, sondern nur eine Verfügungsmasse, die man beliebig kneten und verunstalten darf – wenn es nur auffällt und dem Umsatz dient. Und warum heißt es dann weiter unten Albertus-Magnus-Universität und nicht Albertus Magnus Universität?

Ein Lerninstitut, das sich mit dem bizarren Namen International Institute for Craniosacral Balancing schmückt (bizarr, weil cranium Schädel, sacral heilig bedeutet), spricht von „KomplementärTherapie“ und übernimmt damit die alte Schreibweise der Computerfreaks aus der DOS-Zeit.

Man sieht auch an diesem kleinen Beispiel, wie die unsägliche „Rechtschreibreform“ alles zum (noch) Schlechteren gewendet hat. Sie hat die Schleusen geöffnet, und weit und breit findet sich kein Schleusenwärter, um der völligen Willkür Einhalt zu gebieten. Journalisten, Schriftsteller und Lehrer (nicht nur Deutschlehrer!) wären dazu berufen. Aber die Hoffnung, daß sie etwas tun, ist gering.

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Einschrumpfung

Wo wir schon einmal bei Robert Musil und seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ sind – hier ist noch ein Zitat daraus:

Es gibt kein zweites solches Beispiel der Unentrinnbarkeit wie das, das ein begabter junger Mensch bietet, wenn er sich zu einem gewöhnlichen alten Menschen einengt; ohne Schlag des Schicksals, nur durch die Einschrumpfung, die ihm vorher bestimmt war.

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Von dreißig Fuß Gedärmen und einem genialen Rennpferd – Fundstücke von Klemperer und Musil

Einmal in seinem Leben, erzählt Victor Klemperer in seinem Buch „LTI – Notizbuch eines Philologen“, habe er einen Artikel in einem amerikanischen Blatt veröffentlicht. Es war ein Aufsatz zum 70. Geburtstag Adolf Wilbrandts im Jahr 1907:

Als ich das Belegexemplar zu Gesicht bekam, stand von diesem Augenblick an für alle Zeiten das Bild der amerikanischen Presse in ihrer Gesamtheit vor meinen Augen. Wahrscheinlich, sicher sogar, ungerechterweise, denn jede Verallgemeinerung lügt, aber trotz dieser Erkenntnis unabänderlich mit vollkommener Deutlichkeit auftauchend, so oft in mir eine noch so weitgespannte Ideenassoziation zu amerikanischem Zeitungswesen hinüberführte. Mitten durch den Satz meines Wilbrandt-Artikels, von oben bis unten in geschlängelter Linie, die Zeilen halbierend, zeigte sich ein Abführmittel an und eröffnete die Reklame mit den Worten: „Dreißig Fuß Gedärme hat der Mensch.“

Ach, was waren das für Zeiten, als man so etwas noch als Fauxpas empfinden konnte! Vergleichbar allenfalls mit dem „genialen Rennpferd“ in Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ (1930):

Es hatte damals schon die Zeit begonnen, wo man von Genies des Fußballrasens oder des Boxrings zu sprechen anhub, aber auf mindestens zehn geniale Entdecker, Tenöre oder Schriftsteller entfiel in den Zeitungsberichten noch nicht mehr als höchstens ein genialer Centrehalf oder großer Taktiker des Tennissports. Der neue Geist fühlte sich noch nicht ganz sicher. Aber gerade da las Ulrich irgendwo, wie eine vorverwehte Sommerreife, plötzlich das Wort »das geniale Rennpferd«. Es stand in einem Bericht über einen aufsehenerregenden Rennbahnerfolg, und der Schreiber war sich der ganzen Größe des Einfalls vielleicht gar nicht bewußt gewesen, den ihm der Geist der Gemeinschaft in die Feder geschoben hatte. Ulrich aber begriff mit einemmal, in welchem unentrinnbaren Zusammenhang seine ganze Laufbahn mit diesem Genie der Rennpferde stehe. Denn das Pferd ist seit je das heilige Tier der Kavallerie gewesen, und in seiner Kasernenjugend hatte Ulrich kaum von anderem sprechen hören als von Pferden und Weibern und war dem entflohn, um ein bedeutender Mensch zu werden, und als er sich nun nach wechselvollen Anstrengungen der Höhe seiner Bestrebungen vielleicht hätte nahefühlen können, begrüßte ihn von dort das Pferd, das ihm zuvorgekommen war.

Und da nun schon Rennpferde genial sein konnten, beschloß Ulrich,

sich ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen, um eine angemessene Anwendung seiner Fähigkeiten zu suchen.

Wer sich das aber – anders als Ulrich – schon aus finanziellen Gründen nicht leisten kann, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als tapfer zu ertragen, was aus der geistigen Welt geworden ist – und von einer Zeit zu träumen, in der eine ungeschickt plazierte Anzeige für ein Abführmittel noch für Aufsehen gesorgt hat.

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