Tee oder Kaffee? Deppendeutsch auf brigitte.de

In der Online-Ausgabe von Brigitte (brigitte.de) werde ich – mitten in einem Artikel zu einem ganz anderen Thema – zu einer Abstimmung eingeladen. Auf einem Halbkreis soll ich mich irgendwo zwischen folgenden Beschreibungen einordnen:

Tee-Genießer:in
Coffee-Lover.

Auf gut Deutsch soll ich also sagen, ob ich lieber Tee oder Kaffee trinke. Aber statt gutes Deutsch zu schreiben, entscheidet sich der Brigitte-Künstler für das, was ich Deppendeutsch nenne. Der Teeliebhaber wird deshalb zu einer/m monströsen Genießer:in, und aus dem ganz normalen Kaffeeliebhaber wird – eins zu eins ins Englische übersetzt (warum um Himmels willen?) – der Coffee-Lover.

Man sollte bestimmte Verstöße gegen die deutsche Sprache ins Strafgesetzbuch aufnehmen – oder die Delinquenten wenigstens so lange auslachen, bis ihnen die Ohren klingeln.

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Seid einig, einig, einig! – Plauderei einer Journalistin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit einer gendernden Linguistin

Das Interview mit dem Titel „Wir schütteln nur den Kopf darüber“, das Novina Göhlsdorf, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), mit der „Expertin für Genderlinguistik“ Damaris Nübling geführt hat (es befindet sich leider schon hinter der Bezahlschranke), sollte man unbedingt bei der Ausbildung zukünftiger Journalistengenerationen berücksichtigen. Es zeigt aufs Blamabelste, wie sich eine Interviewerin ohne jede journalistische Distanz zur befragten Person zu einer bloßen Stichwortgeberin macht.

Es geht um den Aufruf von 235 deutschen Sprach- und Literaturwissenschaftlern gegen das Gendern. Schon in den Eingangssätzen zum Interview schreibt Göhlsdorf, es handle sich bei den Unterzeichnern um Menschen, „die sich … als studierte Philologen bezeichnen“. Wer so formuliert, weckt Zweifel. Sind sie wirklich Philologen – oder „bezeichnen“ sie sich nur so? Und dann das vernichtende Verdikt: „Darunter sind bisher rund 28% Frauen.“ Nur 28% Frauen! Skandalös!

Die erste Frage ist schon sehr geschickt formuliert. In den Medien sei die Rede davon, daß die Sprachwissenschaftler gegen das Gendern „Sturm laufen“. Fast könne man meinen, sagt die Interviewerin, es handle sich um einen „Aufschrei der deutschen Lingusitik schlechthin“. Und scheinheilig fragt sie: „Ist das so?“ Natürlich nicht, antwortet die Expertin für Genderlinguistik, die große Mehrheit der Unterzeichner „hat in der Linguistik nie gearbeitet, nie publiziert“. Es folgt dieser schöne Dialog:

Göhlsdorf: „Der Aufruf repräsentiert Ihre Sicht und die vieler Ihrer Kolleginnen und Kollegen also nicht?“
Nübling: „Wir schütteln nur den Kopf darüber.“

Dann kommt eine „Frage“, die eigentliche schon eine journalistische Bankrotterklärung darstellt. Von den Unterzeichnern, sagt die Interviewerin, scheinen nur 18 Prozent an einer Universität aktiv zu sein,

darunter: ein Spezialist für Hindi, ein Gräzist, ein psychologischer Spezialist für Suchtforschung, ein Wirtschaftsinformatiker, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Turkistik, ein Experte für aserbaidschanische Dichtung.

Und sie fragt wieder scheinheilig:

Wie kompetent sind die bei Fragen deutscher Grammatik?

Die Genderlinguistin kann ihr Glück über so eine „Frage“ kaum fassen. Sie merkt: die Journalistin und sie sind ein Herz und eine Seele. Sie beschwert sich (allen Ernstes!), daß in dem Aufruf gegen das Gendern kein Vertreter der Genderlinguistik vertreten sei und fügt, ganz beiläufig, hinzu:

Unter den Unterzeichnenden [sic!] sind auch viele Emeriti und Pensionierte.

Kaum Frauen also auf der Liste, und dann auch noch lauter alte Männer! Die können ja nicht recht haben! Auch die deutsche Linguistik ist nämlich jetzt, wie alle Welt, jung und weiblich. Viele der Unterzeichnenden seien noch, sagt sie, „in einer anderen Zeit groß geworden“, in einer „Linguistik vom Sessel aus“. Da habe man jetzt andere Ansprüche: jetzt würden „riesige Sprachkorpora wie Zeitungen, Wissenschaftstexte, Belletristik, gesprochene Sprache untersucht“.

Klar, da kommen die alten emeritierten Männer – mancher Hundertjährige mag dabei sein – aus dem Staunen nicht heraus. So viele Sprachkorpora! Wie cool ist das denn!

Überhaupt sei der ganze Aufruf, sagt Nübling, „wenig wissenschaftlich“. Und schon fragt die FAS-Journalistin eifrig nach: „Worin zeigt sich das zum Beispiel?“ Und sie bekommt immer die Antworten, um die es ihr offenbar geht.

Das soll genügen. Nur eines noch. Im Aufruf der 235 Wissenschaftler wird der große deutsche Journalist Hanns Joachim Friedrichs mit dem folgenden Satz zitiert:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.

Frau Göhlsdorf aber möchte unbedingt dazugehören – und ist am Ende keine kritische Jounalistin, sondern nur eine bisweilen peinliche Stichwortgeberin.

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Auch mit der FAZ geht’s bergab – sprachlich

Ja, die F.A.Z. ist immer noch eine der besten deutschen Tageszeitungen, aber die Stellen mehren sich, an denen der Putz bröckelt.

Nehmen wir einmal einen Kommentar von Reinhard Müller zum Fall Dieter Wedel (der Beitrag ist hier noch einzusehen). Ein Skandal, schreibt Müller in dem am 24. Juli 2022 aktualisierten Kommentar, sei die Dauer des Verfahrens:

Ganze drei Jahre lang ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft.

„Ganze drei Jahre“! Müller, der seit 1998 Mitglied der F.A.Z.-Redaktion ist, wollte natürlich sagen, daß das Verfahren viel zu lange gedauert hat. Aber er schreibt genau das Gegenteil. „Ganze drei Jahre“ bedeutet im Deutschen „nur drei Jahre“. Wenn man ein Verfahren von zehn Jahren erwartet hätte und es überrraschenderweise schon nach drei Jahren beendet gewesen wäre, dann hätte man von „ganzen drei Jahren“ schreiben können. So aber, wie es da steht, ist es sinnentstellendes, schlechtes Deutsch. Wie soll ein Volontär das lernen, wenn nicht einmal gestandene Redakteure ihre Sprache beherrschen?

Vom Gendern, das langsam aber sicher wie ein Gift auch in die F.A.Z. einsickert, will ich ein andermal reden.

PS: Ich bin den letzten Tagen und Wochen kaum dazu gekommen, hier zu schreiben. Der Grund heißt Corona, die Infektion hat mich außer Gefecht gesetzt – trotz Dreifachimpfung und Maske in der S-Bahn. Aber es geht wieder aufwärts!

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„Ancillariolus“ – Von Mägdetröstern und Schürzenjägern

Beim Stöbern in einem alten lateinisch-deutschen Wörterbuch (Scheller 1804) bin ich zufällig auf ein mir unbekanntes lateinisches Wort gestoßen: ANCILLARIOLUS.

Das Grundwort – „ancilla“ – kennt man vielleicht noch vom Lateinunterricht her; es bedeutet „Magd“. Manch ein Bildungsbürger kennt auch den mittelalterlichen Satz, daß die Philosophie nur eine ancilla theologiae zu sein habe, also eine Magd der Theologie (wobei ich mich für die Erwähnung des Wortes „Bildungsbürger“ eigentlich entschuldigen muß, denn der Bildungsbürger steht heutzutage bei unserem so herrlich fortschrittlichen Milieu in der Wertschätzung noch unter dem Gangsta-Rapper).

Aber zurück zur Magd aus Fleisch und Blut! Sehen wir uns an, wie „ancillariolus“ in anderen Wörterbüchern übersetzt wird.

Bei Johann Philipp von Carrach (1777) ist es einer, „der um eine Dienstmagd buhlet“. „Häh?“ wird es da einem heutigen Abiturienten entfahren. „Buhlet? Was ist das denn?“ Nun, die Antwort steht in der Bibel, und zwar in den „Sprüchen Salomos“ (7,18). Da geht ein „törichter Jüngling“ des Weges, und plötzlich begegnet ihm „ein Weib im Hurenschmuck, listig,  wild und unbändig“. Und das Weib spricht zu ihm:

Komm, laß uns buhlen bis an den Morgen und laß uns der Liebe pflegen. Denn der Mann ist nicht daheim; er ist einen fernen Weg gezogen.

Ich denke, daß jetzt jeder, auch wenn er aus bildungsfernen Schichten kommt, versteht, was mit „buhlen bis an den Morgen“ gemeint ist. Noch bildungsbürgerlicher wäre das Wissen, daß auch im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen die „Buhlschaft“ keine geringe Rolle spielt.

Bei Scheller (1783) ist ein ancillariolus einer, „der mit Aufwärterinnen und Mägden unkeuschen Umgang hat, Mägdetröster*. Da haben wir ihn also, den Mägdetröster! Ein Wort, das mir ausnehmend gut gefällt, auch wenn so manche Aktivistin mir darum den Kopf abreißen möchte. Eine Magd möchte doch nicht getröstet werden! würde sie mir zurufen, sie will befreit werden aus der Knechtschaft des Patriarchats! Aber, würde ich ihr dann ganz leise zuflüstern: es ist doch auch etwas Schönes, getröstet zu werden!

Machen wir es kurz. Lünemann (1826) übersetzt das Wort so: „der den Mägden nachgeht, mit ihnen unkeuschen Umgang hat, Mägdetröster“. Buhlen ist da schon als Wort nicht mehr ganz modern, jetzt hat man „unkeuschen Umgang“. Es kommt fleischlich auf dasselbe hinaus.

Wilhelm Freund (1834) schreibt: „der den Mägden nachgeht, ein Mägdebuhler, Schürzenjäger“. Da ist also der Schürzenjäger! Seltsam, im sonst so beredten Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm gibt es das Wort nicht, aber im „Wander“ (Deutsches Sprichwörter-Lexicon, 1867) steht es schon, zusammen mit den (heute gottlob aus der Mode gekommenen) Synonymen „Hurenjäger, Jungfernknecht, Steig‘ auf d‘ Leut“.

Und wie sieht es im 20. Jahrhundert aus? Im Langenscheidt von 1963 ist der „ancillariolus“ nur noch ein Schürzenjäger, und der Stowasser von 1994 bietet neben „Schürzenjäger“ noch die Übersetzung „Weiberheld“ an, beides Wörter, die vom Hauch der alten Zeit umweht sind. Heute würde man vielleicht von einem womanizer reden, aber der hat ja nicht mehr Mägde mit Schürzen im Sinn. Für das Wort „Schürzenjäger“ freilich bietet uns die Seite „Bayerns Dialekte Online“ folgende Erklärungen an, die ein ziemlich heterogenes Spektrum männlichen Verhaltens abdecken („pejor“ steht für pejorativ, herabsetzend).

Mann (pejor): alter Mann, der sich für junge Mädchen interessiert
Mann (pejor): hochmütiger Frauenheld, Schönling
Mann (pejor): untreu
Ehebrecher
Frauenheld
Mann (pejor): jemand, der Frauen nachstellt
triebhafter Mann.

Damit soll es erst einmal sein Bewenden haben, denn bei so einem Thema gerät man leicht in die Schußlinie kampfeslustiger Aktivistinnen. Ein sprachwissenschaftliches Minenfeld!

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Die blonden Kartoffeln begreifen’s einfach nicht!

Ferda Ataman, die schnell noch ein paar tausend Tweets gelöscht hat, als sie von der Ampelkoalition für das Amt der „Antidiskriminierungsbeauftragten“ nominiert wurde, hätte es besser wissen müssen. Das Netz vergißt nichts.

Ich bin ja weit davon entfernt, Menschen wegen irgendeiner Bemerkung, die sie früher einmal gemacht haben, zur Rechenschaft zu ziehen. Aber aus den überlieferten Sätzen von Frau Ataman kann man bei aller Vorsicht doch ein Profil erahnen, das mit der Vokabel „linke Aktivistin“ (CSU) ganz gut beschrieben ist. So eine Frau wird niemals in der Lage sein, die deutschen „Kartoffeln“ (diesen diskriminierenden Begriff hat sie ausdrücklich verteidigt) und die Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren – und miteinander zu versöhnen. Sie ist genau der Typus der „Diskriminierungsbeauftragten“, wie sie überall im Land von SPD und Grünen auf gut dotierte Posten gehievt werden. Mit solchem Personen wird es mit der Verständigung zwischen einheimischen und zugezogenen Bürgern kein gutes Ende nehmen.

Wer die einheimische Bevölkerungsmehrheit zugunsten der zugezogenen Minderheit diskriminiert, sollte einmal selbst überlegen, ob er für seinen Job geeignet ist.

Als besonders peinlich empfinde ich aber, was etwa der FDP-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen zur Unterstützung von Frau Ataman gesagt hat:

Es gibt Diskriminierungserfahrungen, die weder ich noch andere Blonde in unserem Land erleben und die damit verbundenen Verletzungen schwer nachvollziehen können.

Das ist dermaßen devot und lächerlich, daß man nur noch staunen kann. Hier ist in der deutschen Politik ein Milieu entstanden, das auch die kleinsten Minderheiten höher achtet als die „weiße Mehrheitsgesellschaft“, auf die man nur noch voller Verachtung herabsieht. Eine dumme und historisch bis zur Peinlichkeit ungebildete Schicht (noch viel dümmer übrigens und ungebildeter, als es damals die 68er waren!) berauscht sich daran, sich immerfort und bei jedermann zu entschuldigen, man suhlt sich geradezu in ständiger Selbstbezichtigung, Ja! ruft man zerknirscht, ja! wir sind schuld an allem Bösen in der Welt, am Kolonialismus, am Rassismus, am Sexismus, wir sind die geborenen Verbrecher in der Weltgeschichte, und selbst wenn die afrikanischen Staaten viele Jahrzehnte nach ihrer Befreiung vom weißen Joch fast nur noch korrupte Regime hervorbringen, dann ist das natürlich nicht ihre, sondern auf jeden Fall unsere Schuld. Wie berauscht ist man in diesem sonderbaren, psychologisch noch ganz unerforschten Milieu von der eigenen Schuld an buchstäblich allem, man kann offenbar gar nicht genug Schuld bei sich entdecken, denn nur dann kann man sich in einem fort lustvoll entschuldigen, man kann vor den Augen der Welt voller Wohlgefühl in sich gehen, und das Firmament hallt wider von den „Mea culpa!“-Rufen überall im Lande. Beim Aufwachen am Morgen denken diese Menschen: „Was könnten wir denn heute restituieren, damit unsere Schuld nicht so drückend auf uns lastet?“ Und am Abend grübeln sie über ihren ökologischen Fußabdruck nach.

Da findet eine leidenschaftliche Selbstkasteiung statt, ein orgiastischer Masochismus, eine unstillbare Sehnsucht nach Schuld und Sühne, und es bedarf wohl eines klugen Psychiaters, um dem Urgrund dieses Phänomens auf die Spur zu kommen.

PS: Ferda Ataman ist heute mit knapper Mehrheit gewählt worden. Die Blonden in unserem Land müssen damit leben. Die Kartoffeln auch.

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Szenen aus Offenbach oder: War Martin Luther King ein Neger? Oder gar ein Rassist?

Manchmal faßt man es nicht, wie zartbesaitet die Mägdlein heutzutage sind. Da sollte die 17jährige Gabriela O. im Ethikunterricht den ersten Teil der berühmten „I have a dream“-Rede von Martin Luther King vorlesen. Sie weigerte sich! Denn der schwarze Bürgerrechtler sprach in dem Absatz gleich mehrfach von „Negern“.

Aber auch hundert Jahre später [nach der Abschaffung der Sklaverei] ist der Ne­ger immer noch nicht frei. Hundert Jahre später ist das Leben des Negers immer noch verkrüppelt durch die Fesseln der Ras­sentrennung und die Ketten der Diskriminierung.

Das sensible Mädchen brachte es (anders als Martin Luther King) nicht übers Herz, ein so schlimmes Wort auszusprechen. Sie wollte es durch den Begriff „N-Wort“ ersetzen, was ihr aber die Lehrerin nicht erlaubte. Das hätte nämlich so geklungen:

Aber auch hundert Jahre später ist der N-Wort immer noch nicht frei. Hundert Jahre später ist das Leben des N-Worts immer noch verkrüppelt durch die Fesseln der Rassentrennung …

Das ist so absurd wie das Gendern, das die Minderheit von moralinsauren Ideologinnen der Mehrheit unseres Landes aufzwingen will. Vollends an die Grenzen des Wahnsinns stößt dann die Frankfurter Rundschau, wenn sie so über Kings Rede berichtet:

Im Original fällt darin zehnmal das englische Wort N***o, damals noch gängige Beschreibung, in deutschen Texten oft mit der diskriminierenden Bezeichnung N***r übersetzt.

Das ist hanebüchener Unsinn – und eine grobe historische Fälschung, denn „im Original“ fällt eben nicht zehnmal „das englische Wort N***o“, sondern das Wort „negro“, das damals (und noch lange danach) die gebräuchliche Bezeichnung für einen farbigen Menschen war. Und anders, als die FR meint, wurde das englische Wort damals nicht mit der „diskriminierenden Bezeichnung N***r“ übersetzt, sondern mit der Bezeichnung „Neger“.

Daß die Schülerin, jetzt natürlich unterstützt von der SPD-Abgeordneten Hibba-Tun-Noor Kauser, dazu von „Akteur:innen“ und vom „Stadt-Schüler:innenrat“ (so das gewohnte FR-Dummdeutsch), eine Entschuldigung von ihrer Lehrerin einfordert, statt sich über die Geschichtlichkeit der Sprache kundig zu machen, zeigt nur, daß ihr in den Zeiten der ideologischen Herrschaft des Moralins eine glänzende Zukunft bevorsteht.

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Latein – die schönste Sprache der Welt

Ich weiß, viele Schüler werden mir da nicht zustimmen. Deshalb nur ein kleines Beispiel: Der englische Philosoph Francis Bacon hat in seiner Schrift Novum organum scientiarum (1620) folgenden Aphorismus niedergeschrieben:

Natura enim non nisi parendo vincitur.

„Natura parendo vincitur“ – man besiegt die Natur nur, indem man sich ihr unterwirft. Das ist nicht nur eine überraschend moderne, ja aktuelle Aussage, es ist auch glänzend formuliert. Gibt es irgendeine andere Sprache, in der man mit drei Wörtern (Subjekt, Prädikat plus Gerundium) eine Lehrmeinung, ja eine ganze Philosophie so schnörkellos ausdrücken kann?

Die Römer selbst hatten ein eigenes Wort für diese Stilkunst: brevitas, wörtlich“Kürze“. Und es ist überhaupt ein Kennzeichen des Lateinischen, daß man in dieser Sprache nicht so richtig schwafeln und blenden kann. Vielleicht ist sie ja deshalb bei manchem Schüler unbeliebt?

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Noch einmal zum Zitat „Auf dem Grund des Bechers wartet Gott“

Ich habe an dieser Stelle (hier nachzulesen) schon einmal einen kleinen Artikel über das schöne, dem Physiker Werner Heisenberg zugeschriebene Zitat verfaßt:

Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Das Zitat ist bei Heisenberg nirgendwo auffindbar. Jetzt habe ich in Egon Friedells „Kulturgeschichte der Neuzeit“ (1927) in dem Kapitel über Francis Bacon folgendes gelesen:

Er [also Bacon] sagt zum Beispiel von der Philosophie, ein Tropfen aus ihrem Becher führe zum Unglauben, leere man aber den Becher bis auf den Grund, so werde man fromm.

Gerald Krieghofer, der sich mir der Geschichte dieses Zitats (hier nachzulesen) beschäftigt hat, führt ein Zitat von Bacon an, das sich freilich anders anhört:

It is true, that a little philosophy inclineth man’s mind to atheism, but depth in philosophy bringeth men’s minds about to religion.

Das ist zwar dem Zitat inhaltlich irgendwie ähnlich, es fehlt aber gerade der metaphorische Charme des Bildes vom Becher und seinem Grund. Friedell, das sei angemerkt, führt das Zitat (leider ohne nähere Angabe) gerade als Beispiel für Bacons glänzende Metaphorik an.

Ich habe die Stelle bei Bacon freilich nicht finden können. Vielleicht kann ein Bacon-Spezialist aushelfen?

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Wenn die Kugel auf das Aluminium prallt

Die Zeiten, als der Ball noch die Querlatte traf, sind lange vorbei.

Wenn man sich, wie ich, ein paar Jahre lang nicht um Fußball gekümmert und keine Berichte darüber gelesen hat, kann man sich nur wundern, wie sich die Sprache der Berichterstatter seit damals verändert hat. Ein Beispiel gefällig? Vor längerer Zeit habe ich in einem Spielbericht, den Lukas Schranner von goal.com verfaßt hat, folgende Sätze gelesen:

Filip Kostic bringt das Ding von links herein. Am Torraum steht Martin Hinteregger großartig in der Luft und schädelt die Pille aus fünf Metern ein.

Das Ding? Schädeln? Die Pille? Es wäre spannend, einmal das Vokabular der Fußballreporter und Sportjournalisten der letzten Jahrzehnte zu verfolgen. In den 50er Jahren hat es neben dem „Ball“ eigentlich nur „das Leder“ gegeben. Heute gibt es natürlich keine Lederbälle mehr, also muß man, wenn man nicht immerfort vom „Ball“ reden will, nach neuen Wörtern suchen. Die „Kugel“ ist da seit einiger Zeit sehr beliebt, während das „Ei“ eigentlich eher zum amerikanischen Football paßt. Vom „Runden“, das ins Eckige muß, hört man auch schon länger, und in Wien spielt man gern mit dem „Laberl“. Die „Pille“ ist eher selten.

Und statt auf Latte und Pfosten prallt der Ball heutzutage auf das „Aluminium“.

Man sollte einmal eine Diplomarbeit oder eine Studie zum Fußballjargon im Lauf der Jahrzehnte schreiben. Oder gibt es die schon?

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Vorschlag für eine neue ALDI-Werbung

„Strunzdumme Werbesprüche können ja so Aldi sein!“

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