„Klimafreundliches Essen“

Es ist ja schön für euch, liebe sauertöpfische Mitbürger in den moralapostolischen Küchen, wenn ihr – wie ich kürzlich gelesen habe – nur noch klimafreundliches Essen zu euch nehmt.

Ich meinerseits koche gern und werde mein Essen auch in der Zukunft völlig moralfrei genießen. Es muß ja schließlich einen höheren Sinn haben, daß mir der liebe Gott feine Geschmacksnerven geschenkt hat.

Die werde ich auch weiterhin beglücken.

Und gegen die küchenpolizeilichen Attacken, liebe Moralisten, werde ich mich zu wehren wissen.

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Wir holen Sie raus!

Aus einem Kochrezept der hr1-Radiosendung „dolce vita“ (hier nachzulesen):

Wenn die Zwiebel schön weich ist, holen wir Sie raus und lassen Sie
etwas abkühlen. Danach schälen wir Sie vorsichtig …

Also, da wird mir ganz anders …

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Philosophie für die einfachen Leute?

Der Hessische Rundfunk ist zwar kein „Rotfunk“ mehr, wie man ihn früher genannt hat, aber der linke und grüne Zeitgeist – das zeigen viele Sendungen und Kommentare – hat da schon eine feste Heimstatt. Deshalb wird man sich womöglich über einen Satz gefreut haben, mit dem der Frankfurter Philosophieprofessor Matthias Lutz-Bachmann auf die Frage geantwortet hat, was sich an Adorno kritisieren lasse (nachzulesen auf hessenschau.de):

Das Schwache an ihm ist, dass seine Theorien sehr anspruchsvoll sind und nur wenige Leser in der Lage sind, ihm auch zu folgen. Hier zeigt sich ein Widerspruch. Adorno forderte zwar die Öffnung von Bildungschancen für alle Schichten, aber nicht um den Preis der Herabsetzung des Niveaus. Adorno hat sich auf das Gespräch mit den einfachen Leuten nicht eingelassen. Er blieb in elitären Zirkeln der Universität und der Bildungselite, um dort umso heftiger die Eliten zu kritisieren. 

Da wirft also ein inzwischen betagter Philosophieprofessor Adorno vor, daß er zwar Bildungschancen für alle Schichten fordere, aber – man höre und staune! – „nicht um den Preis der Herabsetzung des Niveaus“. Und, was einen Philosophen nun vollends diskreditiert: er habe sich nicht „auf das Gespräch mit den einfachen Leuten“ eingelassen.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann dürfte sich über so einen schlichten Satz gefreut haben.

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Die spinnen, die Deutschen!

Nein, nicht alle – aber immer mehr von ihnen. Nicht nur, daß wir seit Jahren aufgefordert werden, moralisch korrekt zu essen, Frauen nicht mit Komplimenten zu belästigen und nur noch in gerechter Sprache zu schreiben, jetzt sollen wir uns auch schämen, wenn wir irgendetwas aus Plastik benutzt haben.

Ein Beispiel gefällig? ALDI Süd verschenkt in einer zeitlich begrenzten Aktion kleine Emoji-Figuren, die natürlich weder aus Holz, noch aus Eisen, sondern aus Plastik sind. Und schon schreien die Nachhaltigkeitsapostel auf (nur ein paar Beispiele):

Solche Sammelaktionen sind für mich eine reine Müllproduktion und nichts anderes! Sorry Aldi, das geht gar nicht! Damit widersprecht ihr eurer eigenen Mission der Müllvermeidung!

Sowas sollte wegen des Klimas verboten werden.

Plastiktüten gibt es bei Aldi endlich nicht mehr – dafür jetzt aber Plastikfigürchen, den Müll von morgen!

Echt jetzt, Aldi? Schreibt Nachhaltigkeit groß und schenkt uns jetzt Plastikmüll? Schwere Enttäuschung.

Kann mal bitte jemand der Marketingabteilung von Aldi ’nen Nachhaltigkeits-Innovationspreis für die Gummi-emoji geben?

Die emoji Aktion von Aldi ist reine Ressourcenverschwendung, überflüssig und reine Müllproduktion.

Also, ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir diese belehrende Besserwisserei, diese arrogante, missionarische Überheblichkeit zuwider ist. Lebt euer Leben, wie ihr wollt, aber hört endlich auf, als Missionare durch die Foren zu ziehen. Ich weiß, die Lust an der Weltenrettung gehört zum deutschen Wesen, aber durch Eiferer ist die Welt noch nie gerettet worden. Im übrigen gilt, was Goethe in seinen „Zahmen Xenien“ geschrieben hat:

Ein jeder kehre vor seiner Tür,
Und rein ist jedes Stadtquartier.

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Die unbarmherzige Kirche

Es ist zum Verzeifeln. Da sind sich doch eigentlich alle einig, daß Nächstenliebe und Barmherzigkeit die zentralen Werte im Christentum sind. Ohne sie ist alles andere nichts! Aber die katholische Kirche tritt gerade sie mit Füßen, und das auf einem Gebiet, in dem sie erschreckend wenig Kompetenz hat: bei Ehe, Familie und Sexualität. Da steht sie heute, um eine biblische Konstellation zu bemühen, den „Pharisäern und Schriftgelehrten“, denen es vor allem um die peinlich genaue Einhaltung der religiösen Vorschriften ging, näher als ihrem eigenen Religionsstifter, der sich zum Entsetzen der Gelehrten mit Sündern und Kleinkriminellen an einen Tisch setzte.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. Da diskutieren im Jahr 2019 (!) deutsche Theologen in einer Podiumsdiskussion über zwei umstrittene Fragen: einmal die Haltung zur Homosexualität und dann die zu Geschiedenen und Wiederverheirateten. Bei den Homosexuellen geht es nicht etwa darum, ihnen das Sakrament der Ehe zu spenden, es geht nur darum, daß die Kirche einem gleichgeschlechtliches Paar, das zusammengefunden hat und auf Dauer miteinander leben will, den erbetenen Segen immer noch verweigert. Der anwesende Salesianerpater Markus Graulich verteidigt das:

Ein Segen würde der Lehre der Kirche widersprechen. Hier ist keine Weiterentwicklung zu erwarten.

Graulich, das sollte man hinzufügen, arbeitet in der römischen Kurie, die bis heute an der unbarmherzigen, archaischen Einstellung zur Homosexualität festhält.

Und die Geschiedenen? Da warnt der Moraltheologe Franz-Josef Bormann in der gleichen Veranstaltung,

bei wiederverheirateten Geschiedenen stehe die Schuld des Scheiterns der Ehe im Raum.

Die „Schuld des Scheiterns der Ehe“! Da muß man sich schon fragen, in welchem Paralleluniversum so mancher Theologe lebt.

Barmherzigkeit sieht jedenfalls anders aus.

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Donald Trump über Greta Thunberg – wie armselig!

Über Greta Thunbergs zornige Rede vor den Vereinten Nationen könnte man vieles sagen, aber die Interpretation des amerikanischen Präsidenten ist, sagen wir: speziell (hier nachzulesen):

Sie scheint mir ein sehr glückliches junges Mädchen zu sein, das sich auf eine fröhliche, wunderbare Zukunft freut. Das ist so schön zu sehen.

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Schlampe, Drecksau, Stück Scheiße

Da fehlen einem die Worte (das Zitat aus der F.A.Z. ist hier im Kontext nachzulesen):

Was ist eine „zulässige Meinungsäußerung“ über Renate Künast? „Stück Scheiße“, „Pädophilen-Trulla“, „Schlampe“, „Drecksau“, „Sondermüll“. Was ist „sicherlich geschmacklose“, aber gleichwohl „mit dem Stilmittel der Polemik“ geführte „sachliche Kritik“? Der Vorschlag „Knatter sie doch mal einer so richtig durch, bis sie wieder normal wird!“ und die Frage, ob Künast „als Kind vielleicht ein bisschen viel gef…“ worden sei und „dabei etwas von ihrem Verstand eingebüßt“ habe. Und wie verhält es sich bei der Bezeichnung Künasts als „Drecks Fotze“? Die bewegt sich schon „haarscharf an der Grenze des von der Antragstellerin noch hinnehmbaren“ – aber eben doch diesseits der Grenze.

So verhält es sich zumindest nach Ansicht der 27. Zivilkammer des Landgerichts Berlin, die eine Klage Künasts gegen Facebook auf die Herausgabe der Identität von 22 Verfassern an die Grünen-Politikerin gerichteter Hass-Posts in allen Punkten abgewiesen hat.

Ich bin nun wirklich kein Freund von Renate Künast, aber das ist kein Urteil „im Namen des Volkes“, es ist ein Schandurteil – auch weil es den Haßkommentaren im Internet die rechtliche Weihe gibt, statt ihnen einen Riegel vorzuschieben. Man kann nur hoffen, daß Künast den Weg durch alle Instanzen weitergeht. Ich drücke ihr die Daumen.

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Die Zahl der Windkraftanlagen in Europa (Stand 2018/19)

In den Jahren 2012 und 2015 habe ich schon einmal versucht, einen Überblick über die Zahl der Windkraftanlagen in den einzelnen europäischen Ländern zu geben. Das war schon damals nicht leicht, und man muß auch heute lange recherchieren, bis man an aktuelle Zahlen kommt. Die Leistung (in GW oder MW) findet man schon eher, aber die Zahl der Windräder muß man mühsam zusammensuchen. Trotzdem klaffen immer noch große Lücken. Jetzt, fünf Jahre später, ist es an der Zeit, die Zahlen zu aktualisieren – auch als kleine Handreichung für alle, die ein Urlaubsland suchen, in dem sie nicht an jeder Ecke diesen häßlichen Industrieanlagen begegnen.

Die EU erzeugt mit Windkraft insgesamt 178,8 GW (davon 18,5 GW offshore). Zum Vergleich: China erzeugt mit seiner Windkraft eine Leistung von 210 GW, die USA 96 GW, Indien 35, Brasilien 14, Kanada 12, die Türkei 6, Australien und Mexiko je 4 und Japan 3 GW (Stand 2017/18). Der gesamte afrikanische Kontinent verfügt im Moment gerade einmal über 4,5 GW. Die anderen Erdteile: Asien 228 GW, Nordamerika 105 GW, Lateinamerika 17 GW und die pazifischen Staaten (Ozeanien) 5 GW.

Weltweit beläuft sich die Leistung der Windkraftanlagen auf 591 GW. Im Jahr 2016 waren in Europa insgesamt 93.500 Windräder in Betrieb.

Innerhalb Europas steht jetzt Deutschland an der Spitze der Länder, gefolgt von Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien. Im Jahr 2018 ist die Zahl der Neuinstallation von Windkraftanlagen in Europa gegenüber dem Vorjahr um über 30% zurückgegangen, in zwölf Ländern wurde kein einziges neues Windrad in Betrieb genommen.

Eine Deutschlandkarte, auf der die Windkraftanlagen eingezeichnet sind, finden Sie hier.

Bitte beachten!
Die Zahlen stammen aus den unterschiedlichsten Quellen und werden hier ohne Gewähr mitgeteilt. Ich habe sie zwar nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, aber die Angaben, die man im Internet findet, sind zum Teil widersprüchlich, manchmal werden nicht einmal in Betrieb befindliche und geplante Windparks voneinander getrennt. Vielleicht gibt es ja irgendwo eine laufend ergänzte, aktuelle und verläßliche Länderstatistik – ich habe jedenfalls keine gefunden. Umso mehr würde ich mich freuen, wenn man mich über Fehler und Lücken informieren würde!

Und noch eine Bemerkung: ich habe im Text die Wörter „Windkraftanlagen“ und „Windparks“ verwendet, freilich nur mit Bauchgrimmen. Auch bei dem Wort „Windräder“ werde ich mein Leben lang eher an die Hochebene von Lassithi und an griechische Inseln denken als an die grauen Monster, mit denen die schönsten europäischen Naturlandschaften auf Jahrzehnte verschandelt werden.

Albanien:
„Windparks gibt es in Albanien keine“, liest man in der Wikipedia. 75 Windkraftanlagen sollen „im Bau“ sein. Planungen sind offenbar vorhanden, ob sie je verwirklicht werden (oder gar schon verwirklicht sind), läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Für Informationen wäre ich dankbar.

Belgien:
166 Windparks (2018). Zahl der Windräder (2014): 684 über das ganze Land verteilt, 183 offshore. Gesamtleistung 2018: 4 GW.

Bosnien und Herzegowina:
Ein Windpark mit 22 Windrädern ist in Betrieb. Die Gesamtleistung soll 51 MW betragen.

Bulgarien:
Es gibt 44 Windparks mit ca. 320 Windrädern. Gesamtleistung 2018: 691,2 MW.

Dänemark:
Der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung liegt bei 41%. Insgesamt werden im Land über 1.755 (meist kleine) Windparks mit zusammen über 5.500 Windrädern betrieben. Leistung: 5,7 GW (2018).

Deutschland:
30.518 Windkraftanlagen mit 59 GW Leistung, davon 1.305 offshore (Stand 2018). Der Anteil der Windenergie an der gesamten Stromerzeugung liegt bei 20 %. Der weitere Ausbau, dem jetzt auf Betreiben der Windkraftlobby auch der Naturschutz geopfert werden soll, trifft auf immer größeren Widerstand. Recht so!

Estland:
Zur Zeit 36 Windparks. Zahl der Windkraftanlagen (Stand 2013): 134. Die Gesamtleistung beträgt heute (2018) 310 MW.

Färöer:
Nicht einmal diese Inseln bleiben verschont. Insgesamt 4 Windparks, der neueste besteht aus 13 Anlagen. Die Gesamtleistung soll bei ca. 19 MW liegen (Stand Ende 2014).

Finnland:
Etwa 700 Windräder in 212 Windparks (Stand 2018). Die Gesamtleistung liegt inzwischen bei ca. 2 GW. Etwa die Hälfte der Windkraftanlagen befindet sich in Nordösterbotten.

Frankreich:
Heute sind dort 1.227 Windparks mit einer Gesamtleistung von insgesamt 15,3 GW in Betrieb. Zahl der Windkraftanlagen 2013: 5.261. Frankreich bezieht ca. 75 % seines Stroms von Kernkraftwerken. Der Ausbau der Windkraftanlagen auf dem Land stößt in Frankreich überall auf großen Widerstand.

Griechenland:
188 Windparks mit einer Gesamtleistung von 2,8 GW. 2014 gab es im Land insgesamt 1.028 Windkraftanlagen. 2016 betrug der Anteil der Windkraft an der Nettostromerzeugung 11%. Die meisten Windräder befinden sich auf dem Festland (Peloponnes, Makedonien und Thrakien). Die Inseln wehren sich mit aller Kraft gegen die Ungetüme – recht haben sie!

Großbritannien:
1.016 Windparks mit einer Gesamtleistung von 20,9 GW, davon 6 GW offshore (Stand 2018) . 2014 drehten sich im Vereinigten Königreich 5.449 Windräder.

Irland:
264 Windparks mit einer Gesamtleistung von 3,5 GW (2018). Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung liegt bei 28%. Im Jahr 2013 drehten sich in Irland 1.326 Windkraftanlagen, die meisten davon an der Westküste.

Island:
15 Windkraftanlagen. Leistung Ende 2014: 3 MW.

Italien:
400 Windparks mit einer Gesamtleistung von 10 GW (Stand 2018). Es sind 5.650 Windräder in Betrieb.

Kosovo:
Auch das Kosovo hat inzwischen (Stand 2018) einen Windpark (9 Anlagen, 32 MW).

Kroatien:
20 Windparks mit einer Gesamtleistung von 583 MW (2018). Ende 2013 gab es in Kroatien 135 Windräder.

Lettland:
10 Windparks mit insgesamt 66 MW Leistung. 2015 waren 50 Windkraftanlagen in Betrieb.

Liechtenstein:
Noch keine Windräder. Liechtenstein setzt (zurecht!) vor allem auf das Energiesparen. Eine „Solargenossenschaft“ gibt sich aber viel Mühe, auch dieses schöne Land mit Windrädern zu verschandeln.

Litauen:
Aktuell (2018) 63 Windparks mit einer Gesamtleistung von 439 MW. Im Jahr 2013 waren in Litauen 103 Windkraftanlagen in Betrieb.

Luxemburg:
Selbst das kleine Luxemburg hat inzwischen 19 Windparks mit insgesamt 74 Anlagen. Die Leistung beträgt 127 MW (Stand: Ende 2018).

Malta:
Offenbar bis jetzt nur Kleinanlagen. Es gibt aber Pläne für große Offshore-Windparks.

Monaco:
Keine Angaben über Windkraftanlagen.

Montenegro
Leistung 2018: 118 MW. Es sind mindestens 26 Windräder in Betrieb. Genauere Angaben dazu habe ich noch nicht gefunden.

Niederlande:
Insgesamt sind in den Niederlanden heute 526 Windparks in Betrieb, die Zahl der Windkraftanlagen dürfte bei ca. 3.000 liegen. Gesamtleistung 2018: 4,4 GW.

Nordmazedonien:
Ende 2018 waren 2 Windparks mit zusammen 17 Windkraftanlagen und 37 MW in Betrieb.

Norwegen:
Ca. 400 Windkraftanlagen in 54 Windparks. Gesamtleistung 2018: 1,6 GW. Norwegen setzt vor allem auf die Wasserkraft.

Österreich:
252 Windparks mit 1.313 Windrädern und einer Gesamtleistung von ca. 3 GW. Die meisten Anlagen stehen in Niederösterreich (729) und im Burgenland (446), kein einziges dagegen in Vorarlberg, Salzburg und Tirol. Dort fehle es, sagt die Windkraftlobby, am „politischen Komitment zur Windenergie“. Tu felix Austria Occidentalis!

Polen:
Das Land hat inzwischen 291 Windparks mit einer Gesamtleistung von 5,8 GW. 2014 waren schon 1.468 Windkraftanlagen in Betrieb.

Portugal:
260 Windparks mit einer Gesamtleistung von 5,3 GW. Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung liegt bei 24%. 2015 waren 2.473 Windräder in Betrieb.

Rumänien:
Die 871 Windräder stehen vor allem im Osten des Landes (Dobrudscha, Moldawien). Leistung 2018: 3 GW. Der inzwischen ans Netz gegangene „größte Windpark Europas“ (240 Windräder mit zusammen 600 MW Leistung) ist da offenbar noch nicht mitgerechnet. Er steht im Landkreis Constanta am Schwarzen Meer.

Rußland:
Insgesamt nur 17 Windparks mit einer Gesamtleistung vo 139 MW (Stand 2018). Zahlreiche Windparks sind in Planung.

Schweden:
912 Windparks mit insgesamt 7,4 GW Leistung. Zahl der Windräder (2014): 2.318.

Schweiz:
Das Land hat inzwischen 57 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 75 MW. Der Windpark Gries mit seinen vier Rotoren ist der höchstgelegene Windpark in Europa, der zweithöchste befindet sich im Kanton Wallis, beide – sicher zur großen Freude der Bergwanderer! – auf über 2000 m Höhe.

Serbien:
Lange Zeit waren keine Windkraftanlagen vorhanden. Inwischen (2018) beträgt die Gesamtleistung 374 MW.

Slowakei:
Ganze 5 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3 MW (2018). Nur „bescheidene Windbedingungen“, deshalb ist die slowakische Landschaft noch nicht verschandelt.

Slowenien:
Nur 2 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 4,6 MW. Da kann man also noch einen unbeeinträchtigten Urlaub verbringen!

Spanien:
Derzeit sind 1.008 Windparks mit einer Gesamtleistung von 23,5 GW in Betrieb. Die Zahl der Windkraftanlagen lag 2015 bei 20.159. Die meisten von ihnen stehen in Castilla y Leon, Galizien und Castilla-La Mancha.

Tschechien:
70 Windparks mit einer Gesamtleistung von 317 MW. 2014 waren 206 Windräder in Betrieb.

Türkei:
193 Windparks mit zusammen 1.558 Windkraftanlagen. Gesamtleistung 2018: 7,4 GW. Geplant ist u.a. der „größte Offshore-Windpark der Welt“.

Ukraine:
Insgesamt 36 Windparks mit einer Gesamtleistung von 1,1 GW (2018). 2015 waren 345 Windkraftanlagen in Betrieb.

Ungarn:
257 Windräder in 38 Windparks. Leistung 2018: insgesamt 329 MW. Den größten Anteil an der Stromerzeugung hat die Atomkraft.

Vatikanstaat:
Nicht eine einzige Windkraftanlage – schon deshalb lohnt sich ein Besuch! Es gibt aber noch ein paar tausend andere Gründe, Rom und den Vatikan zu besuchen.

Weißrußland:
56 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 43 MW. Offenbar weht der Wind nicht so stark, daß sich Windkraftanlagen lohnen.

Zypern:
92 Windräder in 6 Windparks mit einer Gesamtleistung von 158 MW (2018).

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Bürgerlich

Wieder so ein schwer zu definierendes (und leicht mißzuverstehendes!) Wort.

In meiner Jugend, also in der Adenauerzeit, gab es nur zwei bürgerliche Parteien: die CDU/CSU und die FDP. Die SPD – das waren die „Sozis“, die „Roten“, sie gehörten nicht dazu, sie wollten es auch gar nicht, für sie war „bürgerlich“, wie in manchen linken Kreisen auch heute noch, ein Schimpfwort (oft verstärkt in der Kombination „kleinbürgerlich“ oder „großbürgerlich“). Es dauerte lange, bis sich auch die Sozialdemokraten als bürgerlich verstanden – und noch länger, bis sie von den anderen Parteien als bürgerlich akzeptiert wurden.

Lange, über Jahrhunderte hinweg, wurde das Wort auch im Sinne von „nicht adlig“ gebraucht. Das „Bürgermädchen“ etwa, das von einem Adligen verführt wurde, war schon im 18. Jahrhundert ein beliebtes Sujet in Theaterstücken und Romanen. Auch heute ist es noch nicht die Regel, daß ein Adliger eine „Bürgerliche“ heiratet, ob der Partner nun ein Fitnesstrainer oder eine amerikanische Schauspielerin ist. Große Empörung gibt es darüber freilich nicht mehr.

Bürgerlich war in meiner Jugend ein Begriff für die eher wohlhabenden Familien: Lehrer, Beamte, mittelständische Unternehmer, zum Teil auch Angestellte (aber nicht die „kleinen Angestellten“ und die einfachen Handwerker).

„Bürgerlich“ und „konservativ“, das sind auch Attribute, mit denen die AfD immer öfter auf Dummenfang geht. Dabei muß man nur einmal verfolgen, was bekennende AfD-Mitglieder und Anhänger in Internetkommentaren so von sich geben: da würde es jeden wirklich Bürgerlichen, jeden im guten Sinne Konservativen grausen. Aber Alexander „Vogelschiß“ Gauland besteht darauf, daß er eine bürgerliche Partei führt.

Bürgerlich ist, so sagt er in einem Interview in der F.A.Z., wenn man

nicht auf die Idee kommt, mit einer Ökodiktatur die individuelle Mobilität einzuschränken.

Das stimmt, aber im weiteren Verlauf des Interviews macht er das Bürgerliche nur noch an der Herkunft fest, sogar beim Volksgenossen Höcke:

Ich kann nicht finden, daß Höcke nicht bürgerlich ist. Er kommt aus einem bürgerlichen Elternhaus und hat den bürgerlichen Beruf des Lehrers ergriffen.

Und über sich selbst sagt er fast trotzig:

Ich bin bürgerlich. Ich komme aus einem bürgerlichen Elternhaus. Und ich glaube, ich vertrete bürgerliche Ansichten.

Das Beharren auf dem Elternhaus ist freilich wenig überzeugend. Fast alle großen Revolutionäre, und auch fast alle kleinen Revoluzzer sind aus bürgerlichen Elternhäusern gekommen. Die meisten RAF-Mitglieder (bis auf Baader vielleicht) sind behütet (eben bürgerlich) aufgewachsen. Mit Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Lenin war es nicht anders, auch viele Anarchisten waren aus gutem Hause.

Definieren wir es doch einmal negativ: ein Haßprediger, einer, der den einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufhetzt, ist niemals ein bürgerlicher Mensch.

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Berlin – „einfach zum Wohlfühlen“

Folgendes schreibt der Sender RBB (oder eine beauftragte Marketingagentur?) über seine Sendung „Rund um … Berliner Kieze“:

Berlin ist ein Dorf mit vielen unterschiedlichen Kiezen. Gute Nachbarschaft, tolle Restaurants, schöne Parks – einfach zum Wohlfühlen.

Der Bergmannkiez in Kreuzberg lädt ein zum Flanieren und zum Schlemmen. Rund um den Hafen Kladow fühlt sich das Leben mediterran an. Alt-Marzahn im Osten der Stadt präsentiert sich ganz dörflich – mit Windmühle, Kirchturm und Tierhof im Schatten der Plattenbauten. Wie lebt man vor Ort und was macht den eigenen Kiez so besonders? Wie sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitgestaltung aus?

Zum Thema Einkaufsmöglichkeiten würde ich den Görlitzer Park vorschlagen. Eine ganz besondere Freizeitgestaltung ist dort auch bald möglich: der „Parkrat“, der die grüne Bürgermeisterin berät, wird demnächst ein Fußballturnier veranstalten, und zwar, so wörtlich, mit „Menschen aus anderen Ländern, die sich viel im Park aufhalten“. Eine etwas umständliche Bezeichnung, die der Tagesspiegel in einem Kommentar präziser gefaßt hat:

Kicken mit Dealern im Görli.

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