Der Hilferuf eines Studenten der Geisteswissenschaften

Ich habe ihn in einem einschlägigen Forum im Internet entdeckt:

Hi Leute,
würde mal gerne Eure Meinung wissen: Findet ihr es viel/zu viel, wenn in einer 124 seitigen (davon 105 Seiten Text) Examensarbeit ca. 50 Fehler drin sind? Nun, nach Abgabe…hab ich den dummen Fehler gemacht, nochmal rein zu schauen…und hab ca. 50F gefunden…Wie gesagt, ist nix „Großes“, also keine wiederkehrenden Fehler, die darauf schließen lassen, dass ich die Rechtschriebung überhaupt nicht beherrsche (das tue ich nämlich eigentlich schon!!) nur halt Komma….v.a. bei langen Sätzen….Mist!!!

Hilfe…bin total frustiert, hab mir so viel Mühe gegeben, auch meine Freunde haben die Arbeit Korrektur gelesen, aber es sind trotzdem ca. 50F übrig geblieben:-(

Zur Info: Ist ne Examensarbeit im Fach Geschichte (Lehramt).

Warum wundere ich mich nicht, daß auch die Freunde des Studenten keinen der 50 Fehler entdeckt haben?

Die Kommilitonen beruhigen den Hilfesuchenden:

Man gibt das zwar nicht gerne zu, aber auch viele Professoren sind bei der Kommasetzung nicht 100%ig sicher. Ich würde mir jetzt nicht allzu viele Gedanken drüber machen.

Ein Verwandter arbeitet an einer Uni. Und er schmeißt Arbeiten mit mehr als zwanzig Rechtschreibfehler gleich in den Müll (Physik). Sein Bruder (Germanist) dagegen drückt beide Augen zu bei Kommafehler, weil das ja viele nicht beherrschen.

Ich hatte auch noch ziemlich viele Fehler in meiner BA. Wurden aber vom Betreuer nicht gewertet, weil ich ein ziemlich schweres/anspruchsvolles Thema hatte.

Ein Student ärgert sich, „dass leider doch sehr auf die Form geachtet wird und der Inhalt leider kaum gewürdigt wird“. Ein anderer beruhigt sich ganz pragmatisch:

So wie ich meine beiden Gutachter einschätze, scheinen das aber auch eher Leute zu sein, die mehr auf den eigentlichen Inhalt der Arbeit achten als auf irgendwelche Tipp- und Rechtschreibfehler.

Innenansichten aus einer Kulturnation im 21. Jahrhundert.

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Der NABU macht weiter Politik

In seinem neuesten Newsletter schreibt der Naturschutzbund Deutschland (NABU):

Der Ausbau der erneuerbaren Energien braucht ganz klar ein Aufbruchssignal.

Nein, das braucht er ganz und gar nicht. Die Entscheidung für die Windkraft als Energiebasis einer großen Industriegesellschaft war eine katastrophale Fehlentscheidung, die schlimmste der Ära Merkel. Schon jetzt hat man große Teile der schönsten Mittelgebirgslandschaften für immer zerstört. Die weitere Vermehrung mit Tausenden von zusätzlichen Windrädern wäre das Ende der Natur, so wie der Mensch sie braucht und liebt. Denn nichts ist für den Menschen in seinem weitgehend denaturierten Alltag so wichtig wie eine intakte, unberührte Natur.

Auch dem Menschen muß man schließlich, wie der Zauneidechse und dem Feldhamster, ein artgerechtes Leben ermöglichen. Er braucht zu seiner seelischen Erholung eine stille, ungestörte, von Industrieanlagen verschonte Natur. Das ist keine Naturtümelei, es ist buchstäblich lebensnotwendig.

Und gerade deshalb bräuchte er Naturschutzverbände, denen es endlich wieder weniger um Energiepolitik und den Aufruf zu Demonstrationen, sondern um das ginge, was sie in ihrem Namen führen: den Schutz der Natur.

Auch und gerade den Schutz der Natur vor Windkraftanlagen.

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Und wo bleiben die Tiroler?

Der Landeshauptmann von Tirol, Günther Platter, hat heute den Beschluß seiner Regierung bekanntgegeben, daß wegen des Coronavirus die Skisaison an diesem Wochenende vorzeitig beendet wird und alle Gäste das Land „geordnet“ zu verlassen haben (hier nachzulesen):

Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir übernehmen Verantwortung für alle Tirolerinnen und für alle, die sich in Tirol aufhalten.

Genauso steht es da: Verantwortung „für alle Tirolerinnen“! Ja, hat der Landeshauptmann denn nicht auch Verantwortung für seine Tiroler?

Wenn das nicht lupenreiner Sexismus ist!

PS: Zur „geordneten Ausreise“ der Gäste heißt es obrigkeitlicherseits:

Alle abreisenden Gäste aus dem Ausland werden registriert, diese können mit einem Formular ausreisen und die eingerichteten Kontrollstellen passieren. Den ausländischen ausreisenden Gästen wird ein Informationsblatt mit klaren Anweisungen ausgehändigt, ohne Zwischenstopp auszureisen und sich zu Hause in Heimquarantäne zu begeben.

Das hätte man vielleicht auch ein ganz klein wenig freundlicher formulieren können.

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Trump: Ein „ausländisches Virus“ greift die USA an

Dieser dumme, grobschlächtige Mann, den offenbar – in einem geheimen Tagebuch darf man das aussprechen! – genauso dumme, grobschlächtige Menschen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt haben, macht sogar die Corona-Epidemie zum Gegenstand seiner Politik. Er läßt 30 Tage lang keine Europäer mehr ins Land (Briten ausgenommen), denn – man höre und staune! – bei dem Erreger handele es sich um ein „ausländisches Virus“! Die EU ist für ihn ja immer schuld an allem, aber das sollten wir hier im guten, alten Europa als Ritterschlag nehmen. Von einem wie Trump womöglich gelobt zu werden, wäre tatsächlich das schlimmere Übel. Und Trump, daran müssen wir uns immer wieder erinnern, ist nicht Amerika, er ist nur die Karikatur eines amerikanischen Präsidenten, er ist, wie ihn der große amerikanische Romancier Philip Roth genannt hat: ein „prahlerischer Hanswurst“.

Daß es Joe Biden gelingen möge, „Anstand, Würde und Ehre im Weißen Haus wiederherzustellen“, ist auch meine Hoffnung.

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Schlägt die Natur jetzt zurück?

Fast könnte man es meinen. Da hat sich der Mensch die ganze Erde untertan gemacht und bezeichnet mit dem Wort „Anthropozän“ gar ein ganzes Erdzeitalter nach sich selbst. Und dann kommen zwei Winzlinge und zeigen ihm seine Grenze auf.

Der eine, das Coronavirus, ist so klein, daß man ihn in keinem normalen Mikroskop sehen kann. Man braucht dazu ein Rasterelektronenmikroskop, denn die Größe von Viren liegt im Nanometerbereich, und ein Nanometer (nm) ist der milliardste Teil eines Meters. Und dieses unvorstellbar kleine Wesen könnte – im schlimmsten Fall – den Kollaps unserer Weltwirtschaft herbeiführen.

Der andere Winzling ist zwar mit bloßem Auge zu sehen, aber er wiegt, wenn er ausgewachsen ist, gerade einmal 2 g. Seine Stärke ist die massenhafte Vermehrung: die Schwärme der Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) können 100 Millionen Tiere und mehr umfassen. Zur Zeit vernichten die Schwärme, die ein biblisches Ausmaß angenommen haben, im östlichen Afrika alles, was grün ist. Hungersnöte scheinen kaum vermeidbar.

Das sollte uns zu denken geben.

Seit ein paar Monaten überschlagen sich unsere Politiker darin, uns zu erklären, wie „demütig“ sie seien. Man kann nur hoffen, daß sie es ernst meinen. Die Natur jedenfalls hat am Ende immer das letzte Wort.

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Der Queen-Mann und die blanken Beine

Auch relativ seriöse Zeitungen leisten sich Online-Redaktionen, für die sie sich eigentlich schämen sollten. Wer wie ich hin und wieder einmal die Google News besucht, wird mir zustimmen, daß merkur.de da ganz vorne mitspielt. Mit anständigem Journalismus hat das Geschäftsmodell dieser „Redaktion“ wirklich gar nichts zu tun. Dafür beherrscht sie das click baiting (ein Begriff, den ich erst seit ein paar Monaten kenne) geradezu perfekt: sie will nicht etwa, wie es echte Journalisten tun, mit Reportagen aus der Heimat berichten oder gar die Welt erklären, nein – sie geht nur noch auf Dummenfang, indem sie naive Menschen mit reißerischen Überschriften auf ihre Seiten lockt (ich habe an dieser Stelle ausführlich darüber berichtet).

Da heißt es etwa:

Ekel-Schock bei Aldi: Kunde macht Entdeckung – sie verdirbt ihm den Appetit.

Oder, für viele offenbar noch verheißungsvoller:

Model Gina-Lisa Lohfink zeigt sich „unten ohne“ – Fans sind begeistert.

Wer auf den Link klickt, liest unter einem harmlosen Bild von tätowierten Beinen, die folgende gründliche Bildbeschreibung des Merkur-Schreibers Christian Weihrauch:

Das Foto zeigt die blanken Beine des Models, leger übereinandergeschlagen. Ihr ebenfalls unbedeckter Arm ist zu sehen, der cool auf ihrem linken Bein liegt. Das Rot ihrer Nägel passt zur roten Farbe der Sandalen von Gina-Lisa Lohfink. Sie wünscht ihren Fans bei Instagram ein mit Kussmund versehenes „Good Night“ im Titel des Fotos.
Und ihre Fans sind vom Unten-ohne-Bild des Models bei Instagram natürlich fasziniert. Es hagelt Komplimente wie „sexy Füße“, „Geile Schenkel“, sowie Herz und Kuss Emojis. 

Natürlich dürfen, wie auf allen diesen Seiten, die scharfsinnigen Kommentare der „Fans“ auf Instagram, Facebook & Co. nicht fehlen. Man sollte sich aber über diese Fans nicht allzu lustig machen. Es sind doch eher arme Menschen, die sich hartnäckig weigern, erwachsen zu werden. Für den Dummenfang der Merkur-Redakteure bilden sie freilich ein geradezu perfektes Publikum.

PS: Gleich auf mehreren Seiten, auf die Google News verlinkt, wird Prinz Philipp als „Queen-Mann“ bezeichnet. Wenn das keine journalistische Sprachkunst ist! Viele dieser Artikel, die mit dem Wort „Boulevard“ eigentlich noch zu gut wegkommen, stammen offenbar vom „Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk“. Dessen „Zentralredaktion“ produziert, wie sie hier schreibt,

täglich aktuelle Online-Inhalte von Regionalnachrichten bis Datenjournalismus für rund 50 News-Portale in Deutschland.

Und in vielen dieser Portale, die sich – zurecht! – nicht einmal selbst als „Online-Redaktion“ bezeichnen, sitzen immer öfter, statt ausgebildeter Journalisten, nur noch Nachrichtenverkäufer, die aus irgenwelchen Netzwerken Artikel von erschütternder inhaltlicher und sprachlicher Qualität zusammenschustern.

Auf diesem Niveau, das sollte man sich einmal klarmachen, würde sich die gesamte Online-Nachrichtenwelt bewegen, gäbe es nicht den Qualitätsjournalismus der Printmedien.

Sie sind unverzichtbar.

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Vermögenswerte im Nachnamen?

Ein gewisser Qi Zhu, der mir über eine italienische Mailadresse geschrieben hat, findet zu meiner großen Verwunderung, daß mein Nachname Vermögenswerte enthält.

Hallo, ich habe einige Vermögenswerte in Ihrem Nachnamen. Antwort für weitere Updates!

Neugierig wäre ich schon, ich habe aber trotzdem darauf verzichtet, auf den beigefügten Link zu klicken.

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Schlechtes Timing

In einer ganzseitigen Anzeige im Reiseteil der F.A.Z. vom 5. März wirbt der italienische Tourismusverband für Reisen nach Italien und hebt dabei die kulturellen Sehenswürdigkeiten im nördlichen Italien, wie Murano und Parma, besonders hervor.

Kein gutes Timing.

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Die Taliban haben gesiegt

Der Ordensmann Giuseppe Moretti hat nach einem Bericht der Vatican News (hier nachzulesen) das „Abkommen“ zwischen den USA und den Taliban begrüßt. Es sei „ein wichtiger Schritt in Richtung einer friedlichen Zukunft für Afghanistan“, meint er.

Aber was steht in dem Abkommen? Alle ausländischen Truppen werden das Land bis April 2021 verlassen, der Abzug beginnt sofort. Und 5.000 inhaftierte Talibankämpfer werden aus den Gefängnissen entlassen (und werden sich sicher gleich wieder in die Kampfgruppen der Taliban einreihen). Die Gegenleistung der Taliban: fast nichts. Sie wollen keine Terroristen von Al-Quaida mehr im Land beherbergen und mit der gewählten Regierung verhandeln. Das ist alles. Leere, bald ad acta gelegte Zusagen.

Verhandeln werden sie – solange noch ausländische Soldaten im Land sind. Aber sobald der letzte US-Soldat das Land verlassen hat, wird die große Abrechnung mit den „Verrätern“ beginnen. Und die Frauen – sie sind immer die ersten Leidtragenden – werden wieder in die Häuser eingeschlossen werden, und die Mädchenschulen wird man nach alter Gewohnheit zerstören.

Pater Moretti meint:

Es ist ein erster Schritt, und es werden weitere notwendig sein. Die Hoffnung ist, dass Afghanistan einen echten Weg zum Aufbau einer menschlichen Nation einschlagen kann, in der tatsächlich Harmonie, Fortschritt und Frieden besteht.

Harmonie, Fortschritt und Frieden? Man muß schon ein sehr frommer Mann sein, um solche Begriffe mit Afghanistan in Verbindung zu bringen. Die Taliban reiben sich jedenfalls die Hände. Sie feiern de Sieg über die Ungläubigen.

Und ein Sieg ist es. Der Westen zieht seine Truppen ab und überläßt seine afghanischen Verbündeten und vor allem die Mädchen und Frauen ihrem Schicksal.

Ein schändliches Abkommen. Und ein trauriger Tag für Afghanistan.

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Kretschmanns Welt: „Schöne Maschinen“ und „kluge Geräte“

Zur Mythologie der Windkraftenergie gehört die Verniedlichung. Wer könnte den Ausspruch des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister vergessen: „Wind, Sonne und Wasser schicken keine Rechnung“? Und wer kann, ohne sich verhöhnt zu fühlen, an den Ausspruch des baden-württembergischen Ministerpräsidenten denken, der die Windkraftanlagen allen Ernstes als „schöne Maschinen“ bezeichnet hat?

Jetzt legt Kretschmann nach. In der Diskussion um die katastrophalen Rechtschreibkenntnisse (nicht nur der Schüler!) sagte er (hier nachzulesen):

Die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben.

Und er fügt hinzu:

Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört.

Kretschmann, der früher selbst Lehrer war, sagte, es gebe ja „kluge Geräte“, die Grammatik und Fehler korrigierten.

Das ist nichts Geringeres als ein Abgesang auf unsere Kultur: man entzieht ihr nämlich das Fundament, auf dem sie gebaut ist, und man unterbricht die Tradition, die Weitergabe der grundlegenden kulturellen Fähigkeiten an die nächste Generation. Wozu, so könnte man dann auch argumentieren, soll man überhaupt noch Rechnen lernen, wenn das wissenschaftliche Taschenrechner viel schneller können? Und wozu noch lange Sätze verstehen lernen, wenn einem im Internet doch nur der neue deutsche Kurzsatz begegenet?

Was Kretschmann hier empfiehlt, zeigt, daß er sich nicht in einer grünen, sondern in jener (dumm-) linken Tradition sieht, die durch ständiges Experimentieren und immer weiteres Herunterschrauben der Anforderungen schon vielen Schülergenerationen den Weg ins Leben verbaut hat. Dabei ist es einmal das Verdienst der SPD und der Arbeiterbewegung – also der Linken – gewesen, daß alle Kinder Zugang zur Bildung bekamen. Das änderte sich freilich in den 60er Jahren. Fast im Jahrestakt wurden von da an – überall, wo linke, später grüne Parteien in den Ländern mitregierten – sog. „Reformen“ durchgeführt: immer neue Schulformen wurden eingeführt, jede angeblich viel besser und gerechter als die jetzt verachtete dreigliedrige Schule, alte, für das ganze Leben wichtige Wissensfächer wie Geschichte und Geographie wurden zusammen mit Sozialkunde zu dem Geisterfach „Gemeinschaftskunde“ zusammengeschustert (mit dem Ergebnis, daß selbst Erwachsene heute nur noch rudimentäre geographische Kenntnisse und nicht einmal eine grobe Vorstellung vom Gang der deutschen Geschichte haben), die Stundentafel ändert sich praktisch permanent, die Gymnasialzeit wird auf Geheiß der Wirtschaft erst auf acht Jahre verkürzt, dann wieder auf neun Jahre verlängert, und so geht es fort und fort, als ob jetzt schola semper reformanda das Ziel aller Pädagogik sei.

Dabei läßt sich das Wichtigste, was Lehrer und Schüler zum Gelingen von Schule brauchen, in einem einzigen Wort zusammenfassen: Ruhe. Das ist übrigens viel billiger, als jedem Schüler einen Laptop zu kaufen (die haben schon genug elektronische Geräte um sich herum!). Die beste, ja eigentlich die einzige Reform, die Landesregierungen, Kultusministerkonferenzen und Schulbehörden an den Schulen einführen sollten, ist – die Schulen endlich in Ruhe zu lassen. Schreibt ihnen nur vor, was jeder an Wissen und Bildung wirklich braucht – und sorgt dann aber auch dafür, daß jeder mit dieser kulturellen Grundausstattung ins Leben geht!

Lernen ist immer auch Arbeit. Eine Wohlfühlschule kann es nicht geben, denn zum Lernen wird immer Anstrengung und Konzentration gehören. Und die Ruhe, die dazu nötig ist, muß auch durchgesetzt werden. Wo der Lehrer nur noch „Lernbegleiter“ ist, weil die Kinder ja angeblich alles aus sich selbst herausschöpfen können, wird man am Ende Schüler ins Leben entlassen, die nicht selbständig denken können und sich, was sie brauchen, aus dem Internet zusammenstehlen. Wer durch diese bis zum Kollaps „reformierte“ Schule gegangen ist, kann keinen einzigen Satz fehlerfrei schreiben, findet kein Land, kein Gebirge auf der Landkarte und kennt nicht einmal mehr die neuere Geschichte.

Das ist keine Horrorvision, das ist die Wirklichkeit. Ein Blick in ein beliebiges Internetforum beweist es. Wenn 40 % der deutschen Schüler (hier nachzulesen) nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden können, darf man sich über manches Wahlergebnis nicht wundern.

Wenn wir unseren Kindern die kulturelle Grundausstattung verweigern, zerstören wir ihre berufliche, aber auch ihre geistige Existenz, noch bevor ihr Leben richtig begonnen hat. Sie bleiben dann – womöglich das ganze Leben lang – von Kretschmanns „klugen Maschinen“ abhängig, statt zu selbständig denkenden, starken Erwachsenen zu werden.

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