Woran erkennt man einen Diktator?

Jedenfalls nicht daran, ob er eine demokratische Fassade stehenläßt. Ein Diktator, der etwas auf sich hält, schmückt sich heutzutage fast mmer mit einem Parlament, und wie ein einfacher Mensch vielleicht einen Dackel besitzt, so hält sich der Diktator von Format einen eigenen Parlamentspräsidenten.

Es gibt aber eine Neigung, die allen Diktatoren gemeinsam ist: ihre Liebe zu Großbauten. Wenn sie bauen lassen, dann muß es gigantisch sein. Hitler und Speer planten monumentale Städte, gegen die das erhaltene Prora sich eher bescheiden ausnimmt. Mussolini hatte ähnliche Pläne mit Rom. Beide liebten überbreite Straßen für ihre Aufmärsche. Erdogan läßt sich einen Palast mit tausend Zimmern bauen und prahlt wie ein kleiner Junge mit immer neuen Brücken und Flughäfen. Stalin, Nasser, auch die vielen Diktatoren in Afrika und anderswo: sie alle glauben, daß auch in der Architektur das Motto „Big is beautiful“ gilt. Es muß der größte Staudamm sein, die größte Kirche, das höchste Minarett, sie wollen riesige, am Reißbrett entworfene neue Stadtviertel aus dem Boden stampfen, Sümpfe entwässern, Flüsse umlenken und Berge abtragen.

Das gehört offenbar zur Psychopathologie des Diktators, und wenn ein Politiker in Ihrem Land damit beginnt, immer monumentaler zu bauen, dann sollten Sie ihn so schnell wie möglich loswerden, damit er seine Pläne gar nicht erst in die Tat umsetzen kann. Das Bauen ist nämlich nur der Anfang, das Ende ist fast immer schrecklich.

So, jetzt wissen Sie, woran man einen Diktator erkennt.

Veröffentlicht unter Architektur, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

„Fuck, ist das heftig!“ – und das soll die „Sprache der Bürger“ sein?

Genau das meint nämlich der Chefredakteur von T-Online. Die CDU habe „die Sprache der Bürger verlernt“. Der Youtuber Rezo ist also ein „Bürger“, dessen Pubertierenden-Kauderwelsch man sprachlich nacheifern sollte? Der sich mit ein paar Mausklicks ein krudes Weltbild zusammenschustert und tatsächlich meint, er habe „recherchiert“?

Schlimm ist freilich nicht so sehr das „Gelaber“ des Youtubers, der mit seiner großmäuligen Besserwisserei allenfalls kindische Gemüter oder andere Youtuber beeindrucken kann (und nur dank einer mehr als ungeschickten CDU-Reaktion zu ein paar Tagen Ruhm gekommen ist). Aber das haben vor ihm schon viele geschafft, die in der Internet- oder in der Boulevardblase ihr Auskommen finden. Schlimm ist, daß man so einem Menschen überhaupt ernst nimmt und seinen zusammengeklickten Quark mit Faktenchecks und dgl. „widerlegen“ will.

Jasper von Altenbockum hat in seinem Kommentar „Zerstörerisch“ in der heutigen F.A.Z. die richtige Antwort gegeben, er spricht mir vom ersten bis zum letzten Satz aus dem Herzen.

Nur ein kleiner Auszug:

Der Ton in den sozialen Netzwerken ist gnadenlos, unerbittlich, ohne Anstand und Hemmschwelle. Mit Diskurs hat das alles nichts zu tun. Es geht ums Niedermachen, um Nachtreten und – um Zerstörung. Argumente gegen das Video helfen da nicht weiter, sie werden niedergebrüllt.

Für jeden politisch denkenden Zeitgenossen ist es niederschmetternd, dass nicht die bessere Urteilskraft, sondern die skrupellose Kampagnenfähigkeit die Oberhand zu gewinnen scheint.

Trotzdem sollte das Video, so Jasper von Altenbockum, in allen Schulen des Landes gezeigt werden:

als Anschauungsmaterial dafür, wie demokratische Politik verächtlich gemacht und wie intelligent eine „recherchierte“ Hetzkampagne inszeniert werden kann – und wie leicht klickende Massen darauf hereinfallen.

Veröffentlicht unter Internet, Politik, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Wie uns der kleine Rezo erklärt, was in der Politik so abgeht

Ich weiß schon, warum ich fast nie Youtube besuche: dieses kindische Gehampel der „Youtuber“ und „Influencer“, die Likes und Follower sammeln und doch nur, als lebten sie in einer Blase, in einem traurigen, ewig pubertären Milieu von Menschen existieren, die nie erwachsen geworden sind.

Besonders peinlich wird es, wenn so ein Youtuber mit seinen schlichten geistigen Möglichkeiten die Wirklichkeit erklären will und, wie jetzt ein gewisser Rezo, eine Stunde lang über unsere Parteien spricht.

Hat wirklich einer dieses Machwerk bis zum Ende ertragen?

Was aber wirklich schlimm ist: daß unsere Politiker (also erwachsene Menschen!) diesen Rezo auch noch ernst nehmen und über ihn diskutieren, statt ihn mit seinem „voll peinlichen Gelaber“ einfach unbeachtet zu lassen.

Veröffentlicht unter Internet, Politik, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Oberirdisch, unterirdisch, überirdisch, außerirdisch

Es ist, glaube ich, nützlich, wenn man von Zeit zu Zeit bestimmte Wortgruppen mit verwandten oder doch ähnlichen Wörtern unter die Lupe nimmt, die oft miteinander verwechselt werden. Anlaß dieser Zeilen ist eine Fundstelle in der F.A.Z., wo es hieß, daß eine S-Bahn nicht in einem Tunnel, sondern „überirdisch“ verlaufe.

Kann man das sagen?

Laut Duden und Wahrig ja. Aber beide sind längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Vor allem die Duden-Redaktion, die sich ja auch die unsägliche „Neue Rechtschreibung“ gar nicht schnell genug zu eigen machen konnte, versteckt sich bei der Aufnahme neuer Wörter immer öfter hinter der Statistik. Wenn nur ein Wort häufig genug in den herangezogenen Texten auftaucht, wird es übernommen. Dabei wird man offenbar immer großzügiger. Normatives spielt (anders als etwa in Frankreich, wo die Pflege der eigenen Sprache zur Staatsraison gehört) beim Duden kaum noch eine Rolle.

Aber zurück zu unserer Wortgruppe. Am einfachsten verhält es sich noch mit dem Wort unterirdisch. Alles, was sich unter der Erde befindet oder bewegt, kann man bedenkenlos als unterirdisch bezeichnen. Fehler kann man da nicht machen.

Auch außerirdisch hat eine klar umrissene Bedeutung. Es entspricht dem englischen extraterrestrial und bezeichnet alles, was sich außerhalb unseres Planeten befindet oder von dorther zu uns kommt. Deshalb rätselt man, ob es außerirdisches Leben gibt, und die Gestalt des „Außerirdischen“ ist zu einem festen Bestandteil der Science Fiction-Literatur geworden.

Sehr viel schwieriger wird es mit dem Wortpaar „oberirdisch“ und „überirdisch“. Für den Duden und Wahrigs Deutsches Wörterbuch sind die beiden Begriffe fast austauschbar. Für mich nicht.

Sehen wir uns einmal an, wie der Duden „überirdisch“ definiert:

1. sich den irdischen Maßstäben entziehend, der Erde entrückt

2. oberirdisch

Unter „oberirdisch“ heißt es:

über dem Erdboden liegend; sich über dem Erdboden befindend.

Die Bedeutung von „oberirdisch“ ist unstrittig. So wie „unterirdisch“ alles bezeichnet, was sich unter der Erde befindet oder zuträgt, so faßt „oberirdisch“ alles zusammen, was (räumlich) über der Erdoberfläche liegt. Als „überirdisch“ dagegen würde heute niemand zum Beispiel eine Stromleitung bezeichnen, die über dem Erdboden verläuft. Da ist der tatsächliche Sprachgebrauch eindeutig, sie verläuft oberirdisch.

„Überirdisch“ sollte deshalb der Bedeutung vorbehalten bleiben, die der Duden zurecht „der Erde entrückt“ nennt, durchaus auch adverbial in Zusammensetzungen wie „überirdisch schön“.

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

A b’soffene Gschicht‘

Das Österreichische (vor allem das Wienerische!) hat zwar oft etwas leicht Morbides, aber man kann ihm auch eine gewisse Gemütlichkeit nicht absprechen. „A b’soffene Gschicht“: das läßt sich kaum ins Hochdeutsche übersetzen.

Das klingt so, als habe man den armen Herrn Strache abgefüllt, damit er nicht mehr Herr seiner Sinne und seines Verstandes sei.

Die alten Römer wußten es besser:

In vino veritas.

Aber vielleicht war es ja gar kein Wein, sondern der Wodka der Oligarchennichte, der Strache die Zunge gelöst hat.

PS: Der Alkohol scheint auch sprachlich bei der FPÖ eine große Rolle zu spielen. Soeben hat Innenminister Kickl dem Koalitionspartner ÖVP „Machtbesoffenheit“ vorgeworfen.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Walnussnüsse

Auf so ein Wort kann auch nur das wunderbare Portal heilpraxisnet.de kommen.

Walnussnüsse!

Ein Wortkünstler namens Sebastian Bertram hat die Kreation hier veröffentlicht.

Walnussnüsse sollen beim Abnehmen helfen. Aber funktioniert das nicht auch mit Haselnussnüssen? Oder mit Birnbaumbirnen oder Apfelbaumäpfeln?

Fragen über Fragen.

Nachtrag 21. Mai: Aus den Walnußnüssen sind jetzt auch bei heilpraxisnet.de wieder ordentliche Walnüsse geworden.

Veröffentlicht unter Internet, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Eurovison Song Contest 2019

Ich habe nur zwei Fragen zum gestrigen Abend.

Wie viele Pillen hätte man einwerfen müssen, um eine solche Veranstaltung bei guter Gesundheit zu überstehen?

Und wie viele Jahre müßte man in einer Zeitmaschine zurückreisen, um nicht kindisches Gehampel und alberne Lichteffekte, sondern Stimmen zu erleben? Denn das hat es auch einmal gegeben, damals, als Vicky Leandros, Udo Jürgens und Abba gesiegt haben.

Da hieß der Wettbewerb freilich noch Grand Prix d’Eurovision. und der Sänger durfte auf der Bühne nichts einsetzen außer seiner Stimme: keine Showeinlagen, keine Effekte, keine Lichtkaskaden. Nichts – nur die eigene Stimme. Wie unter diesen Bedingungen die Teilnehmer des gestrigen Abends geschrumpft wären, kann man sich vorstellen.

Veröffentlicht unter Fernsehen und Presse, Sonstiges | Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Kevin gräbt die SPD zu Grabe

In der Politik geht es ja nicht nur um die Wahrheit. Man muß auch wissen, was man wann sagt oder nicht sagt. Wer kein Gespür für das richtige Timing hat, wird in der Politik scheitern. Martin Schulz ist ein trauriges Beispiel dafür. Ihm sind die Sympathien der Bevölkerung entgegengeflogen, weil man gemerkt hat: da ist endlich einmal ein redlicher, ehrlicher Mensch in der Politik. Aber er hat den richtigen Zeitpunkt verpaßt, über die Inhalte und Ziele seiner Politik zu sprechen.

Kevin Kühnert will Unternehmen enteignen, jetzt möchte er auch noch die Bundeswehr abschaffen. Die Linken in der SPD, offenbar von einer Art Todessehnsucht getrieben, unterstützen ihn auch noch. Kein Mensch mit politischem Verstand würde kurz vor einer wichtigen Wahl zu Experimenten aufrufen, die niemals eine Mehrheit im Bundestag finden würden.

Einer wie Schulz hätte der SPD gutgetan. Einer wie Kühnert beschleunigt ihren Niedergang.

Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Na, Wladimir Wladimirowitsch,

hast schon lange kein Land mehr überfallen! Bist wohl müde geworden auf Deine alten Tage. Dabei gäb’s doch noch so viel zu erobern bei Deinen Nachbarn.

Schon rein alphabetisch wäre nach G (wie Georgien) und K (wie Krim) so einiges möglich: L wie Lettland zum Beispiel, oder M wie Moldawien. Oder sogar W wie Weißrußland.

Ich hege freilich den Verdacht, Wladimir Wladimirowitsch, daß Du jetzt erst einmal Deinen allergrößten Gegner, das freie, demokratische Europa, in die Knie zwingen willst. Dazu brauchst Du nicht einmal Soldaten, da fließt kein Blut, und keine Witwe muß um einen Toten trauern.

Da hat man doch so seine Mittel in der digitalisierten Welt, gell? Und Dumme, die Dich verehren, gibt’s in der EU reichlich, bei Links- und Rechtsextremen gleichermaßen.

Autoritäre Herrscher haben heutzutage Hochkonjunktur.

Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Darf eine fanatische Israelfeindin einen europäischen Kulturpreis erhalten?

Die ägyptisch-britische Schriftstellerin Ahdaf Soueif ist mit dem von der Amsterdamer European Cultural Foundation vergebenen, mit 25.000 Euro dotierten „ECF Princess Margriet Award“ ausgezeichnet worden. Ihr „Aktivismus“ wird von der Jury lobend erwähnt.

Marco Stahlhut berichtet darüber in der heutigen F.A.Z. Sein Artikel „Auszeichnung für fanatische Israel-Gegnerin“ kann hier online gelesen werden.

Nur ein kleines Zitat daraus:

Dass Soueif von dem privaten, aber mit dem niederländischen Staat und Königshaus verbundenen ECF als „Vermittlerin“ zwischen Okzident und Orient gelobt wird, ohne ihren unversöhnlichen „Antizionismus“ auch nur zu erwähnen, ist schockierend. Dabei musste man am Tag der Preisverkündung nur auf Soueifs Twitter-Feed klicken (auf den die Preisgeber selbst verlinken), um einen Eindruck davon zu erhalten.

Veröffentlicht unter Islam, Politik | Hinterlasse einen Kommentar