Im Rausch der gerechten Sprache

In einer gemeinsamen Zeitungsanzeige von Autohäusern und Handwerksbetrieben versichern uns die Firmen (in genau dieser Rechtschreibung):

wir sind weiter für sie da.

Warum die Werbeagentur, die diese „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“ gestaltet hat, nicht einmal den Satzanfang (und auch sonst nichts) groß schreibt, weiß niemand. Vielleicht will sie damit nur die Aufmerksamkeit des Lesers erregen. Die Frage ist nur: wer ist jetzt eigentlich für wen da?

Genau deshalb gibt es im Deutschen den Unterschied von Groß- und Kleinschreibung. So wie der Satz schwarz auf weiß dasteht, weiß niemand, für wen die Firmen da sind. Hätte man das „Sie“ aber großgeschrieben, wäre jedem klar gewesen, daß sie sich direkt an ihre Kunden wenden.

Das mag vielen allzu penibel vorkommen, aber man sieht gerade an einem so einfachen Beispiel, daß die Sprache ein wunderbar komplexes, in Jahrhunderten organisch gewachsenes Gebilde ist. Wer da mutwillig herumpfuscht, tut sich selbst und der Kultur, deren Rückgrat immer die Sprache sein wird, nichts Gutes. Und man sieht auch die Bedeutung der Orthographie für das schnelle Erfassen der Satzbedeutung: das große „Sie“ erklärt den Sinn des Satzes auf den ersten Blick, so wie – vor der unheilvollen „Neuen Rechtschreibung“ – auch „das“ und „daß“ klar unterscheidbar waren. Die „Rechtschreibreform“, übrigens damals von der Duden-Redaktion, schon wegen erstklassiger Gewinnaussichten, eilfertig unterstützt, hat alle Schleusen geöffnet – selbst von Behörden und großen Firmen bekommt man heute kaum noch Briefe ohne haarsträubende Rechtschreibfehler, von den Usern, die sich in den Internetforen tummeln, ganz zu schweigen.

Das alles wird freilich noch übertroffen von dem Großangriff einer kleinen feministischen Minderheit, die dabei ist, der deutschen Sprache mit Doppelformen, Sternchen, Unterstrichen und lächerlichen Sprechpausen mitten im Wort endgültig den Garaus zu machen. In jedem anderen Land würde man solche Versuche dem gerechten Hohn und Spott preisgeben, bei uns aber ist es dieser Gruppe mit ihrem beinahe sektenhaften, fanatischen Gebaren gelungen, tief in die Gesellschaft einzudringen. Die Vorstellung von einer „gerechten Sprache“, die klingt, als sei sie in einem Zustand heftiger Berauschtheit entstanden (zumindest der Berauschung an einem totalitär gefärbten Begriff von Gerechtigkeit), wäre ohne die politische Schützenhilfe des (im weitesten Sinne) „linken“ Lagers niemals aus ihrer Nische herausgewachsen. Eine Schreib- und Sprechweise, die auf einer erbarmenswerten Unkenntnis dessen fußt, was Sprache überhaupt ist, kann auch jetzt nur mit administrativem Zwang gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung durchgesetzt werden.

Noch kann man diesem Treiben ein Ende setzen, zum Beispiel, indem man den absurden sprachpolizeilichen Vorschriften einfach nicht folgt – oder, um Wolfgang Borchert abzuwandeln:

Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst ihren dummen Sprachregeln folgen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Dieses laute und vielstimmige NEIN hätte ich auch von unseren Lehrern, Journalisten und Schriftstellern erwartet, von den letzteren vor allem, aber außer einem kleinen Häuflein um Monika Maron und Uwe Tellkamp herrscht bei den bekannteren Namen peinliches Schweigen.

Von Zeitungsschreibern darf man leider, was Sprache betrifft, nie allzuviel erwarten, daß aber selbst Journalisten wie Anne Will und Petra Gerster nicht begreifen, was sie mit ihrer devoten Unterwerfung unter das Diktat des Sprachfeminismus unserer Sprache antun, ist schon enttäuschend.

PS: Ich empfehle allen meinen Leser dringend, den Aufruf „Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden!“ zu unterschreiben. Hier finden Sie das Formular und alle, die den Aufruf bisher unterzeichnet haben – es sind schon jetzt knapp 20.000 Freunde der deutschen Sprache.

Sie werden sehen – mit Ihrer Unterschrift befinden Sie sich in bester Gesellschaft!

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Eine „weiße Fernsehserie“? Das geht gar nicht!

Es gibt Sätze, an denen auf den ersten Blick nichts Besonderes ist. Sie beschäftigen sich, sagen wir, mit einer Fernsehsendung oder einer Preisverleihung, und es geht bei ihnen nun wirklich nicht um die wichtigen Dinge des Lebens. So scheint es, und doch kann in einem solchen Satz wie in einem Brennglas der Geist der Zeit aufscheinen.

Das Portal „jetzt“ ist das Online-Magazin der Süddeutschen Zeitung. Seine Schreiber sehen aus, als hätten sie grade erst ihr Abitur gemacht, und sie entsprechen dem journalistischen Ideal von heute: jung, weiblich, divers. Garantiert kein Platz für alte weiße Männer. Gestandene Journalisten wie einst Gerd Ruge, Peter Scholl-Latour oder Helmut Schmidt, allesamt durch keinerlei colour geadelt, hätten hier null Chance.

Eine aus dieser Redaktion ist Magdalena Pulz, Jahrgang 1991. Sie hat sich im Januar mit dem „dunklen Erbe der Kolonialreiche“, dem „unheilvollen Zeitalter des Imperialismus“ beschäftigt. Jetzt hat sie andere Probleme.

Die Serie „Emily in Paris“ ist gerade in der Kategorie „Beste Comedy-Serie“ für den Golden Globe Award nominiert worden, eine andere, „I may destroy you“, aber nicht. Frau Pulz ist ungehalten. Damit ihr Urteil von Anfang an auch optisch deutlich wird, stellt sie die beiden Hauptdarstellerinnen im Foto nebeneinander. Links Michaela Coel, die farbige Schauspielerin mit ghanaischen Wurzeln und rot gefärbten Haaren, rechts Lily Collins, die Darstellerin der „Emily“, weiß, brav und „niedlich“. Dort die farbenfrohen, glamourösen People of Colour, hier die biedere langweilige Weiße.

Nach diesem Foto hätte sich Pulz ihren Artikel eigentlich sparen können. Aber sie faßt Ihr Urteil noch einmal zusammen (hier nachzulesen):

Wieso bekommt eine mittelmäßige weiße Serie die Lorbeeren, die eine divers besetzte, wirklich geniale Produktion verdient hätte?

Die „faden Klischees“, die sie der „weißen Serie“ vorwirft, triefen in Wirklichkeit aus ihrem eigenen Text. Emily setzt sich in Paris zwar als Frau durch, aber

sie tut es immer breit lächelnd, in Highheels und Minirock und vor allem mit dieser niedlichen Naivität, die einen einfach erobern muss. Noch dazu ist sie für Kunden des Unternehmens vor allem als Sexualobjekt interessant.

Der differenzierte Kommentar unserer jungen Journalistin dazu: „Kotzwürg.“ Ganz anders dagegen die Serie mit der farbigen Hauptdarstellerin:

Nicht nur ist die Serie inhaltlich relevant (die Hauptdarstellerin arbeitet ein Vergewaltigungstrauma auf), klug, lustig und traurig zugleich. Sie ist auch visuell großartig, innovativ und DANN repräsentiert sie auch noch nicht nur privilegierte, weiße, dünne US-Amerikaner*innen. Für viele Kritiker*innen war IMDY deshalb die Serie des Jahres.

Gerade dieses „deshalb“ ist unfreiwillig entlarvend. Die Kämpferinnen gegen „Rassismus“ und „Sexismus“ haben ja recht, aber ganz anders, als sie es meinen. Sie selbst sind nämlich die neuen Rassisten, denn wer einen Film vor allem deshalb lobt, weil er keine „privilegierten, weißen, dünnen US-Amerikaner*innen“ enthält, dem sollte man sein eigenes Verdikt entgegenschleudern; „Kotzwürg!“ Einen Chefredakteur, der sich der jungen, unbedarften Mitarbeiter annimmt und ihnen wenigstens die Grundbegriffe des Journalismus beibringt, scheint es in Online-Medien kaum mehr zu geben.

Nur noch ein Wort zum wieder beliebt gewordenen Begriff „Sexualobjekt“. Wer in meinem Alter ist, hat diesen Begriff, der immer mit betont vorwurfsvoller Miene und streng tadelnd verwendet wird, schon vor einem halben Jahrhundert kennengelernt. Jetzt wird er also wieder aufgewärmt. Dabei ist die Sache doch relativ einfach, und man braucht dazu keine Ideologie und auch keinen journalistischen Beistand. Die Frau wird zum Sexualobjekt des Mannes, und der Mann wird zum Sexualobjekt der Frau. Genau das nennt man: Sexualität. Zwei Subjekte werden für einander zum Objekt – kann es etwas Schöneres, Aufregenderes, Spannenderes geben im Leben?

Wer freilich am liebsten in lauter Opferseligkeit versinkt, der möchte von so einem natürlichen Glück nichts mehr wissen und sucht selbst in einer Comic-Serie verzweifelt nach Traumata, Mißbrauch und „sexistischen“ Narrativen. Und natürlich nach Schauspielern, die eines auf keinen Fall sein dürfen: dünn, weiß und privilegiert. Ideal wären dann also dicke Farbige aus der Unterschicht? Schwul oder trans könnte auch nicht schaden.

Schon ein bißchen armselig, oder?

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Schreck um Mitternacht

Gestern bei Lanz: wieder eine Runde zum immerwährenden Thema Corona. Vertraute Gesichter, aber auch ein unbekanntes: das des Rostocker Oberbürgermeisters Madsen, der erfreulicherweise ganz ohne verschwurbelten Politikerjargon auskommt. Aber einer fehlt in der Runde: der Lauterbach. Ein „Lanz“ ohne Lauterbach? Schwer vorstellbar – und schwer zu ertragen. Wo mag er nur sein? Sitzt er daheim, liest er gerade ein gutes Buch?

Weitergezappt zu Stern-TV – und da ist er! Lauterbach. Gott sei Dank! Die Welt ist wieder in Ordnung. Er hat nur den Sendekanal gewechselt.

Es bleibt die tröstliche Gewißheit: der Lauterbach ist immer da. Irgendwo. Man muß nur ein bißchen zappen, dann findet man ihn garantiert. Immer. Überall.

Auf einen wie Lauterbach ist eben Verlaß.

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Fundstücke aus einem alten Duden (2): „Philaleth“

An dieser Stelle berichte ich in unregelmäßigen Abständen von Wörtern, wie man sie nur in alten Büchern findet – in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens „Orthographischem Wörterbuch der deutschen Sprache“ (8. Auflage 1908).

Streng genommen, von einer moralischen Warte aus betrachtet, sollte jeder Mensch ein Philaleth sein. Aber da klaffen, wie oft im Leben, Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Nur eines steht fest: Donald J. Trump ist kein Philaleth. Er wird auch nie einer werden, denn ein Philaleth ist ein – Wahrheitsfreund.

Ein merkwürdiges Wort. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm sucht man es vergebens, dafür steht es im Duden von 1908 und – noch seltsamer! – sogar noch, wenn auch mit dem Etikett „veraltet“ versehen, in der Online-Ausgabe von 2021 (hier einzusehen).

Aber sehen wir erst einmal nach, wo uns das Wort sonst noch begegnet. In dem Dialog „Ob es im menschlichen Geiste angeborene Vorstellungen gibt“ von Gottfried Wilhelm Leibniz (enthalten in seinen Neuen Abhandlungen über den menschlichen Verstand von 1704) heißt einer der Dialogpartner Philalethes.

Lessing erwähnt einen anonymen Autor, der sich das Pseudonym „Christian Philaleth“ zugelegt hat – ein Pseudonym, mit dem man sich natürlich ins beste Licht rückt. Wer möchte kein Freund der Wahrheit sein? Ein österreichischer Jesuit nannte sich auch so, ein deutscher Gymnasialprofessor, über den sonst wenig bekannt ist, dann ein Jurist namens Siebenkees und sogar ein Homöopath, der Naumburger Arzt Johann Ernst Stapf. Vor allem in den Jahren zwischen 1750 und 1850 war „Philaleth“ (oder Philalethes) ein beliebtes Pseudonym, sogar im fernen Australien, wo ein Leser der Perth Gazette 1833 seine Leserbriefe so unterzeichnete (hier nachzulesen). Und ein gewisser Johamm Wilhelm Reche, ein Pastor, der den Rationalismus Kants in die evangelische Kirche einführen wollte, gab seiner Zeitschrift 1811 den Titel „Philalethia“.

In der Oeconomischen Encyklopädie von Johann Georg Krünitz (erschienen 1773-1858 in 242 Bänden!) heißt es :

Ein Wahrheitsfreund. In Frankreich gab es sonst eine geheime Gesellschaft, deren Mitglieder sich Philalethen nannten.

Das führt uns schon ein bißchen weiter. Noch mehr erfahren wir im „Pierer“, dem Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit des Lexikographen Heinrich August Pierer (4. Auflage, 1857-1865), unter dem Stichwort „Philalethen“:

1) (Chercheurs de la vérité, Wahrheitsforscher), die Mitglieder des höchsten Grades des 1773 in der Loge Amis réunis zu Paris vom Prinzen Karl von Hessen u. A. gestifteten Ordre divin, mit mystisch-moralischer u. wissenschaftlicher Richtung u. 12 Graden (Lehrling, Gesell, Meister, Auserwählter, schottischer Ritter, Ritter vom Orient, Ritter vom Rosenkranz, Ritter vom Tempel, unbekannter Philosoph, erhabener Philosoph, Eingeweihter, Philaleth od. Meister aller Grade), 1782 von 20 französischen u.a. Logen angenommen. Auf den zu einer Reform der Freimaurerei von den P. gehaltenen zwei Conventen, den 15. Febr. bis 26. Mai 1785 u. den 8. März bis 26. Mai 1787, fanden sich berühmte Brüder aus der Schweiz, Deutschland u. andern Ländern ein, aber ohne sonderliche Resultate. Der Orden erlosch durch den Tod der Seele des Ganzen, Savalette le Lunges, u. durch die Revolution.

2) (Religiöse Wahrheitsfreunde), unter diesem Namen wollte eine Gesellschaft Männer in Deutschland eine von allen positiven Dogmen befreite, nur auf religiöse Symbole u. Gebräuche gegründete Gemeinschaft stiften, ohne daß jedoch dadurch ihre bürgerliche Stellung beeinträchtigt werden möchte, doch kam die Idee, welche in »Bittschrift an deutsche Fürsten«, Kiel 1830, dargelegt war, nicht zur Ausführung.

Die Philalethen im engeren Sinne waren also eine von vielen Splittergruppen der französischen Freimaurerei, die sich damals nach dem Bannfluch des Papstes (1738) gebildet hatten. Die meisten Gelehrten freilich, die sich so nannten, wollten einfach nur zeigen, was sie waren: Freunde der Wahrheit.

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Da hat er aber viel zu tun, der heilige Blasius!

Der heilige Blasius aus Sebaste, dem heutigen Sivas in Anatolien, der um 316 den Märtyrertod starb, ist einer der „Vierzehn Nothelfer“. Er gilt, wenn man der Wikipedia glauben will,

als Schutzpatron der Ärzte, Kämmler, Blasmusikanten, Bauleute, Maurer, Gipser, Gerber, Schuhmacher, Schneider, Strumpfwirker, Wachszieher, Weber, Wollhändler und der wilden Tiere. Er wird gegen Halsbeschwerden, Blasenleiden, Blutungen, Zahnschmerzen, Geschwüre und Pest angerufen und um eine gute Beichte.

Und – als wäre das nicht schon genug! – ist er auch noch

Schutzpatron gegen die Gefahr des schnellen, unpassenden und vor allem verletzenden Wortes.

Ach, da wird er heutzutage unter der Last seiner Arbeit schier zusammenbrechen, der Arme, wenn er sich auch noch um die Haßprediger im Internet kümmern soll.

Ob man ihn einmal versuchsweise um Hilfe bittet? Am 3. Dezember, also dem kommenden Mittwoch, gedenkt die katholische Kirche dieses Nothelfers.

Und es soll ja, so steht es im „Froschkönig“ der Brüder Grimm, eine Zeit gegeben haben, „wo das Wünschen noch geholfen hat“.

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Eine Gardine reist mit Amazon um die Welt

Am 4. Januar haben wir bei Amazon Gardinen bestellt – nicht ahnend, welchen Weg die zurücklegen, bis sie (hoffentlich!) bei uns ankommen. Den Satz „Verkauf durch yan’store und Versand durch Amazon“ hatten wir überlesen. Schon einen Tag später kam aber in der Paketverfolgung die frohe Botschaft

5. Januar Lieferung hat das Versandzentrum verlassen und ist unterwegs.

Dann geschah zehn Tage lang – nichts. Kein Update der Paketverfolgung mehr, nur Stille.

Aber dann! Nach zehn Tagen überschlugen sich die Ereignisse.

Jan 15 2021 03:42 pm 4PX abgeholt Versand. Hongqiao, Shanghai, China
Jan 15 2021 03:42 pm Versand bei Anlage angekommen und gemessen. Hongqiao, Shanghai, China
Jan 16 2021 11:49 pm Electronical Sendungsdaten wurden vom Absender
Jan 17 2021 06:49 am Abfahrt von Anlage zum Dienstleister. Yiwu, China
Jan 18 2021 06:00 pm Die Übergabe an Airline. PVG
Jan 19 2021 08:28 pm Sendung ging vom Flughafen Herkunftsland PVG
Jan 20 2021 01:46 am Angekommen am Zielflughafen LGG
Jan 20 2021 01:46 am Ankunft der Ware am Zielflughafen LGG
Jan 27 2021 10:38 pm Ankunft am Zielverteilzentrum. BELGGB
Jan 28 2021 10:10 am In Transit, ist es voran durch Poststellennetz BELGGB

Jetzt ist die Gardine immerhin nach mehreren Stationen in China in Belgien gelandet und soll noch in dieser Woche bei uns eintreffen.

Ja, das kommt davon, wenn man bei Amazon nicht auf das Herkunftsland der Ware achtet.

PS: „Versand hat auf der Tour Fahrzeug geladen wurde“ lese ich gerade in der Paketverfolgung. Da keimt wieder Hoffnung auf!

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Dem Bindestrich sein Tod

Nehmen wir einmal eine Action-Filmreihe mit Matt Damon, die fast jeder kennt: die Originaltitel heißen

The Bourne Identity
The Bourne Supremacy
The Bourne Ultimatum
The Bourne Legacy.

Das ist völlig korrektes Englisch, denn im Englischen werden zusammengesetzte Substantive nur in Ausnahmefällen durch einen Bindestrich verbunden. In der Regel stehen sie einfach nebeneinander (wie etwa in bus stop). Im Deutschen ist das ganz anders: da werden die beiden Substantive entweder zusammengeschrieben oder durch einen Bindestrich verbunden. Sie nur durch eine Leerstelle getrennt aneinanderzureihen, das geht gar nicht – jedenfalls nicht, solange es beim Sprechen und Schreiben überhaupt noch die Vorstellung von richtig und falsch gibt.

Was haben nun die deutschen Firmen aus den genannten Filmtiteln gemacht?

Die Bourne Identität
Die Bourne Verschwörung
Das Bourne Ultimatum
Das Bourne Vermächtnis.

So hätte ein Schulkind die Titel übersetzt: einfach Wort für Wort – und damit falsch. Gerade in Medien, die kaum noch ausgebildete Journalisten, sondern Hinz und Kunz als Billigkräfte beschäftigen, wird man diesen Fehler fast überall finden. Seine exponentielle Ausbreitung geht mit der vieler anderer Sprachfehler einher. Inzwischen herrscht in der Rechtschreibung ein hemmungsloser Individualismus, der sich durch die desaströse (und wissenschaftlich nicht begründbare) „Neue Rechtschreibung“ noch verstärkt hat. Jeder schreibt heutzutage, wie er will.

Aber in den seriösen Medien, meinen Sie, gehe es gesitteter zu? Na, dann sehen Sie sich einmal den Titel dieses Dokumentarfilms an, der im Auftrag des WDR für die ARD produziert worden ist:

Das Wikipedia Versprechen.

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Fundstücke aus einem alten Duden (1): „abprotzen“

An dieser Stelle will ich in unregelmäßigen Abständen von Wörtern erzählen, wie man sie nur in alten Büchern findet – in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens „Orthographischem Wörterbuch der deutschen Sprache“ (8. Auflage 1908).

„Protzen“ ist ein Wort, das jeder kennt: es bedeutet laut Duden soviel wie

in der Absicht, Neid oder Bewunderung zu erwecken, eigene [vermeintliche] Vorzüge oder Vorteile in prahlerischer Weise zur Geltung bringen.

„Prahlen“ hätte als Erklärung auch genügt, aber der Duden neigt hin und wieder zu einer gewissen Umständlichkeit beim Definieren.

Aber – was um alles in der Welt bedeutet dann „abprotzen“? Das Protzen gehört ja zu den beliebten Ausdrucksmitteln von Menschen, die es für nötig halten, ihr Licht (ihr vermeintliches Licht, würde der Duden da zurecht einschränken!) nicht unter den Scheffel zu stellen. Das Gute zu tun, ohne alle Welt lautstark darauf aufmerksam zu machen – das geht bei Menschen, die man heute als Protzende bezeichnen würde, gar nicht.

Es war einmal ein Bischof (so mancher wird sich an ihn erinnern), der wollte mit dem Geld seiner Schäflein sein Haus mit gar edlen und kostbaren Dingen ausstatten, darum nannte man ihn überall im Land den Protzbischof. Könnte es nicht sein, daß man ihn damals mit dem energischen Zuruf „du protzest jetzt gefälligst ab!“ zur Vernunft hätte bringen können?

Es wäre zu schön gewesen. Aber ob der Bischof, der jetzt in Rom sein Auskommen hat und bester Laune ist, tatsächlich abgeprotzt hätte? Eher unwahrscheinlich.

Jetzt wollen wir das Geheimnis aber lüften. Das Wort „abprotzen“ hat nämlich mit Angeberei und ähnlichen Charakterfehlern rein gar nichts zu tun. Es geht auf das alte Wort „Protze“ (ital. birazzo) zurück, und noch älter ist das Wort „Protzwagen“. Beides beschreibt nach dem Grimmschen Wörterbuch den „vorderwagen der geschütze“. Ein Geschütz ist nämlich auf einem fahrbaren Gestell mit einer Achse und zwei Rädern befestigt, der Lafette. Damit man nun das Geschütz bequem transportieren kann, verbindet man die Lafette mit einem ebenfalls zweirädrigen „Vorderwagen“, eben der Protze. So entsteht ein vierrädriges Gefährt, das von Pferden gezogen werden kann. Auf der Protze kann sogar (Bild unten) ein Kutschbock befestigt sein. Wenn das Geschütz zum Einsatz kommen soll, trennt man es von von der Protze, es wird dann, wie man sagt, „abgeprotzt“.

So, jetzt wissen Sie, was eine Protze ist, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, können Sie mit diesem neuen Wissen – protzen!

Protze mit Kutschbock (links) und Feldgeschütz auf Lafette (rechts) – Wikipedia
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Bayern – Das Land der albernen Rekorde?

Daß es hierzulande immer kindischer zugeht, sieht man besonders deutlich am Fernsehprogramm. Da bringt doch das Bayerische Fernsehen – also, wohlgemerkt, jener Sender, der die Tierfilmer Arendt und Schweiger vor die Tür gesetzt und auch eine angenehm seriöse Sendung wie „Wie in Bayern“ mit albernen Kinderspielchen angereichert hat, dieser Sender also bringt jetzt jeden Montag zur besten Sendezeit „unglaubliche Spitzenleistungen und Superlative aus Bayern“.

Ein paar Beispiele gefällig?

Deutscher Meister im Sensenmähen
die weltgrößte Teebeutelschachtelsammlung
Landesmeister im Ranggeln
die häufigsten beidhändigen Fingerschnipser in einer Minute
Weltrekord im Rückwärts-Radfahren und dabei ein Instrument spielen
die meisten Kniebeugen mit einem 90-kg-Rucksack in einer Stunde
der Bayerische Rekordmeister im Holzrücken
der Weltmeister im Traktor-Gleichmäßigkeitsfahren
die weltgrößte Sammlung an Dackel-Objekten
der Bayerische Meister im Goaßlschnalzen
der älteste Spickzettel Deutschlands
das schnellste Parken eines Traktors auf Glasflaschen
die meisten in einer Sekunde gejodelten Töne
der Weltmeister im Rutschautofahren

und nicht zu vergessen:

die weltgrößte Pyramide aus rohen Hühnereiern.

Das alles zur besten Sendezeit in bis jetzt acht (!) geplanten Folgen. Solche Entscheidungen häufen sich übrigens, seit Annette Siebenbürger im Februar 2020 zur Leiterin des „Programmbereichs Unterhaltung und Heimat“ berufen wurde (hier nachzulesen).

Jetzt reiht sich also auch der BR mehr und mehr in die Phalanx jener „Dritten“ ein, die ihre kostbare Sendezeit (in der man so viel Gutes machen könnte!) mit Sendungen füllen, die in jeder Hinsicht immer billiger werden. Und das in einem Sender, der einmal große Dokumentarfilmer wie Dieter Wieland hervorgebracht hat. Jammerschade.

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Auch eine Rentner*in ist gegen das Gendern

Den Aufruf „Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden!“ haben in kürzester Zeit neben den 100 Erstunterzeichner 5.715 Menschen unterschrieben (Stand: 18. Januar 2021, 14.30 Uhr). Auf der Seite des Vereins Deutsche Sprache finden Sie den Text des Aufrufs und Listen mit allen Unterzeichnern, dort haben Sie auch die Möglichkeit, selbst zu unterschreiben und damit ein Zeichen zu setzen für die Bewahrung unserer schönen deutschen Sprache.

Ob die Rentnerin S.W. den Aufruf richtig verstanden hat, mag man freilich bezweifeln. Sie bezeichnet sich als „Rentner*in“.

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