Der unanständige Herr Lindner

Christian Lindner stürmt also mitten in der Nacht mit seiner Delegation zu den Mikrophonen, und die ahnungslosen, völlig überraschten Gesprächspartner, die in den Verhandlungsräumen zurückbleiben, erfahren von seiner Entscheidung in der Liveübertragung des Fernsehens.

Man hätte ihm mehr Anstand zugetraut. Jeder Mensch mit Kinderstube hätte eine solche Entscheidung zuerst seinen Verhandlungspartnern – und zwar persönlich! – mitgeteilt.

Lindners Problem war, daß er das Gelingen der Verhandlungen offenbar gar nicht wollte. Da ein Erfolg der Sondierungen, wenn man den drei anderen Parteien Glauben schenken will, noch in der Nacht drohte, mußte er seine vorgefertigte Rede früher halten als gedacht.

Ich habe die Stellungnahmen von Lindner bis Merkel und Seehofer live gesehen, und allein schon die schnell aus dem Hut gezauberten Tweets der FDP sprechen für einen geplanten Coup.

Lobende Worte über die „neue Standhaftigkeit“ der FDP sind angesichts dieses unanständigen Verhaltens wenig angebracht. Auch wenn man in die Wählerköpfe nicht hineinschauen kann: ich könnte mir denken, daß Lindner sich über die langfristige Wirkung seiner Rede täuscht.

Er hat sich und seiner Partei damit keinen Gefallen getan. Dem Land sowieso nicht.

PS:  Bettina Schausten hat in der Livesendung wieder einmal gezeigt, was für eine gute Journalistin sie ist: trotz der späten Stunde waren ihre Fragen klug, präzise, schnörkellos, auf den Punkt genau. Bravo!

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Montaigne über den Tod

Michel de Montaigne (1533-92) hat mit seinen Essais vor fast 500 Jahren die Gattung des Essays erfunden.  Einen kleinen Ausschnitt seiner Gedanken über den Tod in der Übersetzung von Johann Daniel Tietz will ich meinen Lesern nicht vorenthalten:

Laßt uns also denselben mit unverrücktem Fusse erwarten, und uns zur Gegenwehr setzen. Und damit wir ihm seinen besten Vortheil abgewinnen, so wollen wir einen ganz andern Weg erwählen, als man gemeiniglich geht. Wir wollen ihm das Fremde nehmen, wir wollen Bekanntschaft mit ihm unterhalten, wir wollen ihn an uns gewöhnen, wir wollen nichts so oft als den Tod in den Gedanken haben, wir wollen ihn unserer Einbildungskraft alle Augenblicke unter allen möglichen Gestalten vorstellen. Wir wollen, wenn das Pferd stolpert, wenn ein Dachziegel herunterfällt, wenn wir uns nur im geringsten mit einer Nadel stechen, gleich die Betrachtung anstellen: Wenn nun dieß das Leben kostete? und uns dabey aufs äußerste stemmen, und alle unsere Kräfte anstrengen. Wir wollen bey den Gastmalen und Lustbarkeiten immerfort das Andenken unserer Sterblichkeit in dem Sinne behalten, und niemals dem Vergnügen so sehr nachhängen, daß es uns nicht zuweilen einfallen sollte, auf wie vielerley Art unsere Lust dem Tode ausgesetzt ist, und von wie vielen Seiten uns derselbe drohet. So machten es die Egypter, welche mitten unter ihren Schmausen und Wohlleben, den Gästen zur Warnung, einen einbalsamirten Menschenkörper hereinbringen liessen.

Und Montaigne fügt noch ein Horaz-Zitat hinzu:

Omnem crede diem tibi illuxisse supremum,
Grata superveniet, quae non sperabitur hora.

Betrachte jeden Tag, als ob es dein letzter wäre.
Jede Stunde, die du unverhofft noch darüber lebst, wird dir desto angenehmer seyn.

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Abschalten, alles abschalten – vor allem den Verstand!

Kaum war – aus einem bloßen Überschwang der Gefühle – der Entschluß gefaßt, alle Kernkraftwerke abzuschalten, da wird schon die nächste Dummheit vorbereitet: die Abschaltung auch der Kohlekraftwerke zur Rettung des „Weltklimas“ (ein überhebliches Wort, da es doch allein um unsere Erde geht).

Daß hier Emotionen und Ideologien das Motiv des Handelns sind, sieht man schon an den widersprüchlichen Motiven. Daß Kohlekraftwerke nicht sehr klimafreundlich sind, mag sein (obwohl man sie – wenn man das wollte! – sicher noch beträchtlich verbessern könnte). Aber warum die Atomkraftwerke abschalten, die doch das Klima kaum belasten? Weil hier in Deutschland Tsunami und Erdbeben drohen?

Die CDU unter Merkel hatte noch kurz vor Fukushima die Atomkraft als „Brückentechnologie“ bezeichnet, die man bis zur Entwicklung einer besseren, sichereren und umweltfreundlichen Technologie noch eine Zeitlang beibehalten wollte. Das war vernünftig. Alles, was dann folgte: die Hysterie der grünen Aktivisten und Moralisten, Merkels populistisches Umfallen, die Sofortabschaltungen der ersten AKWs, und vor allem die absurde Vorstellung, daß ausgerechnet die Windkraft das energetische Rückgrat eines Industriestaats werden könne, das alles kann mit vernünftigen Argumenten nicht mehr begriffen werden. Fatal ist vor allem die milliardenschwere staatliche Förderung der Windkraft – da ist für die Erforschung wirklich neuer Verfahren zur Energiegewinnung kein Geld mehr da.

So ist Deutschland in eine katastrophale Sackgasse gestolpert.

Aber selbst die Abschaffung der Kohlekraftwerke reicht den Ideologen nicht: auch Autos mit Verbrennungsmotor sollen bald verboten und durch „ökologisch korrekte“ E-Autos ersetzt werden. Auch das basiert auf Lügen und nachweislich falschen Behauptungen, aber Menschen, die von ihrer eigenen ökologischen Vollkommenheit wie berauscht sind, kann man mit Argumenten wohl nicht mehr erreichen.

Wie man allein mit der Windkraft dann zusätzlich zig Millionen von Elektroautos täglich mit Strom versorgen will, ist den Bewohnern des grünen Wolkenkuckucksheims wurscht.

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Erdogan, die Gebärfreudigkeit der Terroristinnen und die Sensitivität der muslimischen Frau

Also spricht der Sultan zu seinen weiblichen Untertanen (in der heutigen Ausgabe der F.A.Z. nachzulesen):

Verlobt euch, heiratet, vermehrt euch. Muslime müssen sich vermehren. Ich vertraue dabei auf die Sensitivität der muslimischen Frauen.

Schon früher hatte Erdogan den Frauen befohlen, „mindestens drei Kinder“ zu gebären. Jetzt ist ihm selbst das noch zu wenig, denn:

In der Türkei ist die Terrororganisation da besonders sensitiv. Die haben mindestens zehn, fünfzehn Kinder.

Und damit kann er es gleichzeitig den gebärfaulen Ungläubigen, vor allen dem „Hans“, einmal so richtig zeigen, der Sultan.

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Polnischer „Patriotismus“

In einer Zeit, wo der engstirnige und erzreaktionäre Katholizismus Polen beherrscht und ins Mittelalter zurückführen möchte, hat es gutgetan, daß der polnische EU-Ratspräsident Donald Tusk bei seiner Ankunft in Warschau ein gutes Wort gesagt hat:

Kein Politiker in Polen hat jemals das Monopol für Patriotismus gehabt oder wird es jemals haben.

Jarosław Kaczyński, der kleine böse Mann, der zur Zeit über die Polen herrscht und in seinem Land Haß und Zwietracht sät, ist kein Europäer, auch kein Menschenfreund. Aber er paßt in die Riege bösartiger, eitler, selbstverliebter Politiker, die auf einmal überall auf der Welt das Haupt erheben.

Sie sind ins Zerstören verliebt, nicht ins Versöhnen. Mit Politikern dieser Couleur ist kein Staat zu machen.

Und was den polnischen Patriotismus der PiS (Prawo i Sprawiedliwość) betrifft: das ist gar kein Patriotismus, das ist einfach nur ein abgestandener und häßlicher, wie aus tiefer Vergangenheit heraufgeholter Nationalismus.

Patriotismus ist etwas ganz anderes. Da halte ich es nämlich mit Bert Brecht, der in seiner Kinderhymne über das Vaterland gesagt hat:

Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

„So wie andern Völkern ihrs“ – das ist freilich eine reife Erkenntnis, zu der Menschen wie Trump, Erdogan, Kaczyński und Konsorten niemals kommen werden.

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+++ Tayyip, bitte melden! +++ Hier spricht der Hans! +++

Du bist ja ganz schön belehrungsresistent, Tayyip! Jetzt habe ich mir vor ein paar Wochen die Mühe gemacht, dich darüber aufzuklären, daß seit gut einem halben Jahrhundert fast kein Deutscher mehr auf den Namen Hans getauft wird – und was muß ich jetzt lesen?

Zum Beispiel diese Überschrift in einer deiner hauseigenen Zeitungen zu deinem Plan, ein eigenes, durch und durch türkisches Auto zu bauen (zitiert nach Bülent Mumay):

Mit dem dritten Flugplatz für Istanbul haben wir Deutschland verärgert. Mit dem Türkei-Auto nehmen wir Hans nun seinen letzten Trumpf!

PS: Ich lese gerade, daß du Fethullah Gülen, den Herrscher über das Reich des Bösen, heimlich in einem Privatflugzeug aus den USA verschleppen wolltest. Um die 15 Millionen Dollar sollte Trumps Entourage dafür bekommen, daß sie dich gewähren läßt. Ein Haufen Geld! Aber hätte man das nicht besser in die Entwicklung deines „National-Autos“ gesteckt? Sonst fährt es nämlich wieder nur ein paar hundert Meter wie damals beim letzten Versuch.

Das meint jedenfalls
dein Hans aus Deutschland.

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Das „dritte Geschlecht“ – und wo bleibt das vierte? das fünfte? das sechste?

Man muß den Schwulenverbänden, die auch Trans- und Intersexuelle vertreten, wieder einmal gratulieren. Ihre PR ist bewundernswert. Nach der unsäglichen „Ehe für alle“, die in jeder Hinsicht – sprachlich, begrifflich, historisch und gesellschaftlich – ein Unding ist, hat Karlsruhe nun zwangsweise ein „drittes Geschlecht“ eingeführt. Wer glaubt, damit habe es sein Bewenden, wird sich noch wundern: bei drei Geschlechtern wird es nicht bleiben.

Schon droht der Lesben- und Schwulenverband, der Gesetzgeber dürfe

nicht bei der Mindestvorgabe des Bundesverfassungsgerichts haltmachen.

Und wenn man bedenkt, daß ein  „Biologe und Sozialwissenschaftler“ vor einiger Zeit in der evangelischen Zeitschrift Chrismon unwidersprochen behauptet hat, es gebe nicht zwei, sondern „unzählige“ Geschlechter, kann man sich vorstellen, was dem Personenstandsrecht noch alles bevorsteht.

Die „Vielfalt“, an sich ein schöner, menschenfreundlicher Begriff, ist schon lange zu einem Kampfbegriff sexueller Minderheiten und deren Lobbyisten degradiert worden. Aber Vielfalt heißt ja gerade nicht, daß sich alles nur noch um ein Thema, nämlich die sexuelle Orientierung, dreht. Sexualität ist zwar ein wichtiger Teil des menschlichen Lebens, aber doch nicht der einzige – das Leben mit all seinen Facetten, in seiner wirklichen Vielfalt eben, geht über die Frage der Sexualität nun wirklich ein bißchen hinaus.

Daß unser Bundesverfassungsgericht in seinen Urteilen mehr und mehr diesem Zeitgeist folgt, ist einfach nur ärgerlich.

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Hurrikanes?

Der Investor Warren Buffett, schreibt das Handelsblatt,

muß nach den Hurrikanes „Irma“, „Harvey“ und „Maria“ einen Gewinneinbruch bei Berkshire Hathaway melden.

Das ist freilich ein seltsamer Plural (er kommt gleich dreimal in dem Artikel vor). Wenn man von einem „Hurrikan“ schreibt, also die deutsche Version mit „k“ verwendet, dann gibt es laut Duden zwei Möglichkeiten, den Plural zu bilden: „ die Hurrikane“ (bei deutscher Aussprache) und „die Hurrikans“ (bei englischer Aussprache). Da man das eingedeutschte Wort fast immer englisch ausspricht, müßte es hier auf jeden Fall „Hurrikans“ heißen.

Nur im Englischen (und dann natürlich immer mit „c“!) heißt der Plural „hurricanes“.

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Antike Weisheiten aus Delphi

Folgende Sprüche waren schon vor über 2.000 Jahren am Apollontempel von Delphi angebracht (zitiert nach Rainer Vollkommer, Das antike Griechenland, S. 25):

Erkenne dich selbst!

Nichts im Übermaß!

Beherrsche den Zorn!

Schätze Voraussicht hoch ein!

Liebe die Freundschaft!

Halte fest an der Bildung!

Wäge deine Worte wohl!

Tue, was gerecht ist!

Ist das nicht ein fast vollständiges Kompendium der Moral? Zusammen mit den Zehn Geboten der Bibel und Kants Kategorischem Imperativ kann man so gut und anständig durchs Leben gehen.

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Der unermüdliche Kampf der Grünen gegen die Massentierhaltung

„Das Ende der Massentierhaltung“, so hieß es vor kurzem im ARD-Morgenmagazin, sei „seit Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit der Grünen“.

Ja, wirklich?

Und wieviele Grüne sitzen seit Jahrzehnten im Bund, in den Ländern und in den Städten und Gemeinden an den Schalthebeln der Macht?

Wahrscheinlich sind sie auch noch stolz darauf, daß der Platz, den ein Huhn in der (immer noch erlaubten!) Käfighaltung beanspruchen darf, in der EU jetzt statt 0,055 qm 0,075 qm beträgt.

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