Lessing

Wenn man den heutigen Zustand des Islams, aber auch des Hinduismus und anderer Religionen betrachtet, fragt man sich unwillkürlich: wie weit ist unsere Zeit hinter Lessing und seine Ringparabel zurückgefallen? Jahrzehnte? Jahrhunderte? Oder Lichtjahre?

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Das Zitat des Tages – diesmal vom türkischen Ministerpräsidenten Yıldırım

Und das hat Yıldırım auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt:

Die Türkei ist ein Rechtsstaat – genauso wie Deutschland und die USA.

Narrhallamarsch!

PS:  Es gibt gegen Retourkutschen nichts Grundsätzliches einzuwenden, manchmal haben sie sogar Witz. Von Yıldırıms Entgegnung auf die deutschen Beschwerden zu den vielen willkürlichen Verhaftungen in der Türkei kann man das nicht sagen: es gebe, meinte er (hier nachzulesen),

3064 inhaftierte Türken in Deutschland,

und die

würden erwarten, dass die türkische Regierung ihnen helfe, so wie die deutsche Regierung ihren Landsleuten helfe.

Daß er allen Ernstes die türkischen Straftäter, die nach einem absolut fairen, rechtsstaatlichen Prozeß in unseren Gefängnissen sitzen, mit den Opfern der politischen Willkürjustiz des Sultans vergleicht, ist an Plumpheit nur schwer zu überbieten.

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Die „Ehe für alle“ ist noch immer nicht höchstrichterlich überprüft worden

Wo sind eigentlich die vielen CDU/CSU-Abgeordneten geblieben, die gleich nach der Abstimmung über die „Ehe für alle“ den Gang nach Karlsruhe antreten wollten? Haben sie plötzlich Angst vor dem Zeitgeist bekommen?

Ich jedenfalls halte dieses Gesetz für eindeutig grundgesetzwidrig. Wenn ich damit aber unrecht habe (und das Bundesverfassungsgericht ist in seiner Rechtsprechung in den letzten Jahren immer wieder dem Zeitgeist erlegen), dann müssen die Befürworter ja keine Angst vor einer solchen Entscheidung haben.

So müssen wir jetzt wahrscheinlich warten, bis ein anderes Gericht Zweifel an dem Gesetz hat und es dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorlegt. Die zweite Möglichkeit, daß nämlich ein Bundesland oder ein Viertel der Abgeordneten des Bundestags nach Karlsruhe geht, ist sehr unwahrscheinlich – dazu haben sie alle viel zu viel Angst vor der offensiven (und wirkungsvollen!) Lobbyarbeit der Schwulen- und Lesbenverbände.

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„Haßverbrechen richten sich vor allem gegen Muslime und Juden“

So liest man es heute als fettgedruckte Überschrift in der Online-Ausgabe der Zeit. Das Blatt zitiert damit aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Anfrage der innenpolitischen Sprecherin der Grünen, Irene Mihalic.

Frau Mihalic bekam die Antwort, die sie hören wollte:

2.500 politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem und islamfeindlichem Hintergrund sind 2017 gezählt worden. Das ist das 20-Fache der Gewalttaten gegen Christen.

Das klingt beruhigend, ist es aber ganz und gar nicht, weil es eben nur die registrierten Straftaten zählt. Was unterhalb dieser Schwelle bleibt und den Alltag der Menschen oft viel stärker belastet, kommt in den Zahlen nicht vor. Die Aggressivität muslimischer Jünglinge gegen ihre christlichen und jüdischen Mitschüler (vor allem da, wo sie selbst in den Schulklassen in der Mehrheit sind und eigene Cliquen bilden, wie in Berlin und anderen Großstädten) ist vielfach dokumentiert.

Erst recht ergibt die Überschrift „Haßverbrechen richten sich vor allem gegen Muslime und Juden“ ein falsches Bild, wenn man über den deutschen Tellerrand hinausblickt. Da werden weltweit „Haßverbrechen“ vor allem von Muslimen gegen Christen und Juden begangen – in diesem Punkt sind sich alle dieser leider notwendigen, traurigen Statistiken einig.

Aber die Grünen sind aus ideologischen Gründen immer sehr zurückhaltend, wenn es um unser (gottlob!) vom Christentum geprägtes Europa geht. Nur keine Bevorzugung unserer eigenen Religion! Nur keine Kreuze in Schulen und Gerichtssälen! Keine Islamophobie! Keine Sonderbehandlung von christlichen Flüchtlingen!

Das klingt weltoffen, ist aber nichts als geschichtslose, bornierte Gleichmacherei.

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Ein Gottesgeschenk für mich!

Da sage noch einmal einer etwas gegen das Internet! Folgende E-Mail habe ich gerade bekommen:

Mein Name ist SHANE MISSLER. Ich habe $451 Millionen (£330 Millionen) Lotto Jackpot gewonnen. im Januar 2018. Ich spende für Sie 5.000.000. Ich spende diese Spende wegen der Liebe, die ich für die Menschheit und die Bedürftigen in der Gesellschaft habe. Bitte kontaktieren Sie mich für dieses Geschenk Gottes über diese E-Mail an – shane.rc54@gmail.com.

Diesen Shane Missler gibt es übrigens wirklich, und er hat tatsächlich 451 Millionen Dollar gewonnen. Daß er mir davon etwas abgeben will, finde ich hochanständig von ihm!

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„Hand am Knie“ – auch nach 15 Jahren ein Vergehen, das unbedingt ans Licht gezerrt werden muß!

Er sei „enttarnt“ worden, schrieb letztes Jahr, ganz im Sinne der wieder beliebten Jagdszenen, der österreichische Standard. Gemeint war dieses Mal der britische Verteidigungsminister Michael Fallon. Was war geschehen? Der Minister hatte der Journalistin Julia Hartley-Brewer im Jahr 2002 mehrfach die Hand aufs Knie gelegt. Wenn er nicht sofort aufhöre, sagte sie darauf, werde sie ihm ins Gesicht schlagen. Fallon entschuldigte sich, und damit war die Sache erledigt.

Julia Hartley-Brewer bestätigte das vor ein paar Monaten noch einmal ausdrücklich auf Twitter:

This „incident“ happened in 2002. No one was remotely upset or distressed by it. My knees remain intact.

Das ist die souveräne Art, wie eine erwachsene Frau mit lästigen Männern umgeht. Da braucht es keinen juristisch-moralischen Schutzzaun um sie herum. Etwas ganz anderes ist es, wenn ein Mann seine (berufliche) Macht zu sexuellen Übergriffen mißbraucht, von Nötigungen und Vergewaltigungen ganz zu schweigen. Aber das ist ja das Fatale an der „me too“-Kampagne: daß sie alles, aber auch wirklich alles in einen Topf wirft, von einem dummen Spruch (Brüderle!) bis zu körperlichen Angriffen, die vor Gericht gehören. Alles ist auf einmal „übergriffig“, sogar ein harmlos-schönes spanisches Gedicht wie das von Eugen Gomringer, und das nur, weil darin von Frauen (mujeres) die Rede ist, und das lyrische Ich am Ende in die Rolle des Bewunderers (admirador) schlüpft.

In einer Welt, in der ein Mann nicht einmal mehr eine Frau bewundern darf, möchte ich jedenfalls nicht leben.

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Neues vom Kindskopf im Weißen Haus – Zitat des Tages

Donald Trump will endlich auch seine eigene große Militärparade haben! Sein Erweckungserlebnis ereignete sich während seines Frankreich-Besuchs am 14. Juli auf den Champs-Elysées:

Da flogen zig Flugzeuge über uns, und da war viel militärische Macht, und es war herrlich anzusehen. Sie hatten Vertreter von verschiedenen Kriegen und verschiedene Uniformen. Es war toll gemacht.

Das ist keine Satire, das Zitat ist echt. Sie können es auf Seite 6 der heutigen F.A.Z. nachlesen.

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„Operation Olivenzweig“ – Erdogans sprachliche Unverfrorenheit

Es ist schlimm genug, daß Erdogan unter Bruch des Völkerrechts (und mit dem Beifall seiner Religionsbehörde ausgestattet) sein Nachbarland überfällt.

Was aber bisher in der Öffentlichkeit kaum beanstandet wurde, ist der dreiste Name dieses militärischen Abenteuers: „Operation Olivenzweig“. Zynischer kann man den Überfall auf ein Nachbarland nicht bezeichnen. In der Antike nämlich wurden nicht nur die Sieger der Olympischen Spiele mit einem Olivenzweig bekränzt, der heilige Baum der Athene war immer – auch im damals entstehenden Christentum – ein Symbol des Friedens.

Ob der Namensgebung durch Erdogan historische Unbedarftheit, Zynismus oder eine seiner Provokationen gegen den „Christenklub“ zugrundeliegt, tut nichts dazu. Eine Frechheit ist sie auf jeden Fall.

Nur als Beleg für die Stellung der türkischen Religionsbehörde Diyanet (hier nachzulesen):

Das türkische Religionsamt Diyanet, zu dem auch der Islamverband DITIB in Deutschland gehört, wies alle Moscheen an, vor den Gebeten die sogenannte Eroberungssure zu verlesen. Diese handelt von Krieg, Eroberung und Beute bei »Ungläubigen«.

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Das hämische Lachen der Populisten

Ich bin voreingenommen, das gestehe ich frank und frei: ein Mensch ohne Humor ist mir verdächtig. Es ist in meinen Augen das Merkmal einer gelungenen Menschwerdung, daß man über seine eigenen Unzulänglichkeiten genauso lachen kann wie über die anderer Menschen.

Humorlosigkeit – da sind die Religionen natürlich in besonderer Weise gefährdet. Aber es gibt große Unterschiede. Der jüdische Witz etwa ist berühmt, er gründet auf einer in Jahrtausenden erlittenen Verfolgung – und deren Bewältigung mit den Mitteln eines ganz besonderen (und ganz besonders sympathischen!) Humors. Das Christentum hat da leider keine große Tradition, vom Islam gar nicht zu reden. In Afghanistan haben die Taliban den Frauen das Lachen sogar verboten.

Aber es gibt auch in unserem Land, in unserer Zeit Bewegungen und Gruppen von Menschen, die völlig humorfrei sind. Zu ihnen zählen fast durchweg die Anhänger der AfD. Wer ihre Kommentare in einem beliebigen Internetforum sorgfältig liest, wird schnell merken, daß hier ein hämisches und bösartiges Lachen vorherrscht, eines, das andere nur lächerlich machen und herabsetzen will. Mit Humor, der ja immer auf der Einsicht in die eigenen Fehler und Schwächen beruht, hat das nichts zu tun.

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„Kunst dem Volke“? Zwei schöne Bemerkungen dazu von Arno Schmidt

Die Zitate stammen aus einem Gespräch, das Arno Schmidt 1953 mit dem jungen Martin Walser im Süddeutschen Rundfunk geführt hat. Walser hatte angedeutet, daß es „einer literarischen Vorbildung“ bedürfe, um Schmidts schwierige Texte zu verstehen. Arno Schmidt antwortete darauf so:

Ja, das mag durchaus sein, aber ich habe Ihnen da entgegenzuhalten, daß es ja leider im Verhältnis zu anderen Künsten, der Musik oder der Malerei zum Beispiel, der allgemein verbreitete Irrtum beim Leser ist, weil er lesen kann, könne er auch jedes Buch lesen. Sehen Sie, in der Musik wird das niemandem einfallen, wenn ich da einem Laien eine Partitur vorlege, wird er gern zugeben, daß er nichts, auch gar nichts davon versteht, aber bei einem Buch die Buchstaben sind jedem geläufig, auch einzelne Worte, und so meint jeder, daß er ohne weiteres lesen und vielleicht gar auch schreiben könne, das ist aber ein Irrtum, denn auch in diesem Falle hat sich eben der Fachmann so weit von dem rohen Laien entfernt, daß, das gebe ich Ihnen gerne zu, eine Annäherung da schwer möglich ist, allerdings wenn eine solche Annäherung stattzufinden hat, dann hat sie nicht von der Seite des Künstlers herzukommen, Kunst dem Volke, sondern das Volk, jedermann, hat sich gefälligst zur Kunst hinzubemühen.

Und an einer anderen Stelle, noch etwas schärfer: das Volk

jault vor Rührung, wenn es Zarewitschens Wolgalied hört, und bleibt eiskalt gelangweilt beim Orpheus des Ritter Gluck. Kunst dem Volke?!: den slogan lasse man Nazis und Kommunisten: umgekehrt ists: das Volk (Jeder!) hat sich gefälligst zur Kunst hin zu bemühen!

Die Zitate habe ich Helmut Böttigers wunderbarem Buch „Die Gruppe 47“ entnommen, das ich jedem Leser ans Herz lege.

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