Haben die Naturschutzverbände überhaupt noch Interesse an der Natur?

Die vielen aktiven Mitglieder der unteren Ebene sicher – aber wie sieht es in den Chefetagen aus? Wenn man einmal die öffentlichen Mitteilungen von BUND, Nabu & Co. der letzten Jahre liest, kommt man zu dem Schluß, daß dort nur noch Politiker sitzen. Dazu Politiker, denen es offenbar nur noch um die brachiale Durchsetzung der Windenergie geht.

Windkraftanlagen sind Industrieanlagen, und Industrieanlagen gehören nicht mitten in die schöne Natur. Der Mensch braucht zu seiner Erholung die Natur (und zwar eine intakte Natur!) heute dringender als je zuvor. Auf einem bewaldeten Hügel mit Windkraftanlagen, die inzwischen über 130 m hoch sind und einen Rotordurchmesser von 118 Metern haben, kann sich niemand mehr erholen. Wir haben es kürzlich selbst erlebt, als wir in der Nähe von Hohensolms bei Wetzlar eine kleine Wanderung machen wollten. Ich bin in der Nähe aufgewachsen, und viele Jahre lang sind wir bei unseren Besuchen in der alten Heimat von einem Parkplatz aus, der einen ersten Blick auf die mittelalterliche Burg Hohensolms bietet, durch eine unberührte Hügellandschaft gewandert. Vor kurzem waren wir wieder da – und haben nach einem halben Stündchen das Weite gesucht.

Sieben Windkraftanlagen (Bild oben) arbeiten dort, wo wir früher Schmetterlinge beobachtet und seltene Pflanzen bestimmt haben. Das Geräusch der Rotoren ist kaum zu ertragen. Ich kann nur jedem raten, der diese Monster immer nur aus der Ferne sieht, sich einmal an den Fuß einer solchen Anlage zu stellen. Vielleicht ändert er dann seine positive Meinung.

Die Aufstellung der Anlagen in Hohensolms, schreibt die Wikipedia,

wurde von einem hohen – durchweg positiven – Interesse der Öffentlichkeit begleitet.

Das mag für die rauschhafte Goldgräberstimmung des Jahres 2012 zutreffen, als man Gemeinden und Waldbesitzer, die Flächen für Windkraftanlagen zur Verfügung stellten, aus Steuermitteln fürstlich belohnt hat. Inzwischen hat sich der Wind gedreht im Land.

Zahlen für die Vögel und Fledermäuse, die Jahr für Jahr von den Rotoren der „schönen Maschinen“ (so hat sie der grüne Ministerpräsident Kretschmann genannt) zerfetzt werden, gibt es nicht. Das ist bei fast 30.000 Anlagen allein in Deutschland auch nicht möglich, denn man müßte dazu täglich in einem weiten Umkreis um jede eine einzelne Windkraftanlage nach den Kadavern suchen, und selbst dann wären viele von ihnen nicht mehr auffindbar, weil Aasfresser sie verspeist haben. Was die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamts für Umwelt in Brandenburg an Zahlen zusammengetragen hat, beschreibt also nur nachgewiesene Zufallsfunde. Danach sind seit 2002

458 Rotmilane, 562 Mäusebussarde, 158 Seeadler, 123 Turmfalken und 23 Schwarzmilane

den immer größeren Rotoren zum Opfer gefallen. Die wirklichen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher liegen. Das Motto des Nabu

Windenergie naturverträglich ausbauen

ist angesichts solcher Zahlen einfach nur zynisch.

PS: Genauso zynisch ist übrigens der Name der Windkraftanlagen bei Hohensolms: „Windpark Hohenahr“.

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Wo sind die Gemäßigten in der AfD?

Ich weiß es: sie sind schon lange nicht mehr in der Partei.

Das Bündnis, mit dem Höcke soeben Alice Weidel auch öffentlich auf seine Seite gezogen hat, läßt keinen Zweifel mehr aufkommen: ohne den rechtsextremen Flügel läuft in dieser Partei nichts mehr. Weiland, Gauland und Meuthen sind Figuren des Übergangs. Noch ziert sich Höcke, wenn er auf den Chefposten angesprochen wird. Vielleicht bringt er dort auch einen Mann aus seiner Entourage unter, um im Hintergrund die Fäden zu ziehen.

Der ehrenhafte Versuch, eine im besten Sinne konservative Partei neben der CDU zu etablieren, ist damit endgültig gescheitert.

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Über die Gretanische Logik, fortgeführt und verschärft von den Schülern der Stadt Köln

Greta Thunberg meint es ernst. Sie sagt:

Ich frage mich, welchen Sinn es hat, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, wenn es diese Zukunft wegen der Umweltschäden bald nicht mehr gibt.

Das klingt logisch. Aber es ist so eine Sache mit der Logik. Man kann aus den Gefahren für unsere Umwelt nämlich auch zu einer ganz anderen Schlußfolgerung kommen: wenn die globale Gefahr wirklich so groß ist, dann kann man doch gar nicht genug lernen in der Schule! Ich jedenfalls lasse mich von einer Sache nicht durch Sitzstreiks und Demonstrationen überzeugen (und schon gar nicht durch Hysterie), sondern nur durch Argumente und Tatsachen. Ich will genau wissen (und zwar quantifiziert!), welche Wirkung bestimmte Maßnahmen in meinem Land haben werden. Welchen Effekt hat es, wenn drei Straßen einer Großstadt für bestimmte Dieselautos gesperrt werden? (Ich vermute: gar keinen.) Was bringt es für das Klima, bei uns Bäume zu pflanzen, wenn in Brasilien Tag für Tag die hundertfache Menge abgeholzt wird? Das alles will ich ganz genau wissen, und ich will es nicht von Schülern und Politikern hören, sondern von den Klimaforschern.

Die Klimaforscher wissen ziemlich genau, warum sich das Klima immer schneller verändert. Sie sagen auch, ganz allgemein, was man dagegen tun sollte. Aber ändern kann sich nur etwas, wenn sich Wissenschaftler und Politiker in jedem Land an einen Tisch setzen und konkret darüber beraten, welche Schritte erst einmal die wichtigsten sind. Die Forscher denken oft losgelöst von den Problemen und Wünschen der Menschen, sie setzen einfach voraus, daß getan wird, was notwendig ist. Politiker wollen in vier oder fünf Jahren wiedergewählt werden und müssen deshalb auf die Menschen hören. Im Moment sind das immer noch zwei Welten, die nicht zusammenkommen. Das muß sich ändern.

Schulstreiks mögen Emotionen hervorrufen oder verstärken, aber sie tun nichts dazu, auch wenn sie – wie jetzt in Köln – vom Freitag auf die ganze Woche ausgedehnt werden. Das Motto der Kölner Schüler:

Wenn Freitage nicht reichen, streiken wir die ganze Woche!

könnte man fortführen:

Wenn Wochen nicht ausreichen, streiken wir ganze Monate!

Wenn Monate nicht ausreichen, streiken wir ein ganzes Jahr!

Wenn ein Jahr nicht ausreicht, streiken wir die ganze Schulzeit!

Manchmal muß man einen Gedanken zu Ende denken, um seine Absurdität zu erkennen.

PS: Ich will auch (mit genauen Zahlen belegt) wissen, welche Wirkung unsere nationalen Maßnahmen, selbst wenn sie vorbildlich wären, global überhaupt haben können. Die Frage, ob es sinnvoll ist, eine ganze Volkswirtschaft nur um der deutschen Vorbildlichkeit und des eigenen Wohlgefühls willen zu demontieren, muß gestellt werden dürfen. Gerade weil der Klimawandel so dramatische Folgen hat, darf man nicht denselben Fehler machen wie beim Abschalten der Kernkraftwerke: damals wäre gründliches Nachdenken auch besser gewesen als der Kniefall vor der „Atomkraft – nein danke!“-Bewegung.

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Das Zitat des Tages – diesmal aus dem Hause AfD

So faßt die F.A.Z. heute den Inhalt eines Briefes zusammen, den der Parteivorstand der AfD an das Bundesschiedsgericht der Partei geschickt hat:

AfD-Spitze befürchtet Unterwanderung durch Rechtsextremisten.

Selten so gelacht! Nein: die AfD-Spitze befürchtet nur, daß bald auch der dümmste Wähler merkt, wen er da wählen soll (oder gar gewählt hat). Ohne die braunen Gesellen, denen die AfD eine politische Heimat bietet (man denke nur an Gaulands berüchtigte „Vogelschiß“-Rede!), würde sich die Zahl der AfD-Wähler mindestens halbieren. Die wenigen gemäßigten Konservativen spielen kaum mehr eine Rolle in der Partei – die meisten haben die AfD schon gemeinsam mit Lucke verlassen.

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Großbrand in Berlin! Und was machen die Anwohnenden?

Michael Graupner und Maria-Mercedes Hering berichten heute im Tagesspiegel von einem Großbrand in Berlin-Lichtenberg (hier nachzulesen) und schreiben dann:

Die Feuerwehr rät wegen der starken Rauchentwicklung Anwohnenden, Fenster und Türen zu schließen.

Nicht etwa den Anwohnern, sondern den Anwohnenden!

Lieber Herr Graupner, liebe Frau Hering,
haben Sie eigentlich schon einmal daran gedacht, welche Verantwortung Sie als Journalisten für die deutsche Sprache haben?
Wenn der unfähige Berliner Senat und seine Behörden ihre Mitarbeiter zu einer „geschlechtergerechten Verwaltungssprache“ anhalten, dann ist das schlimm genug. Aber Sie als Journalisten sind doch nicht verpflichtet, in einem fort die Gesetze der deutschen Sprache zu brechen, nur weil eine kleine Gruppe aus einem bestimmten politischen Milieu diese absurden Regelverletzungen durchsetzen will.
Es gibt in der deutschen Sprache keine Anwohnenden, sondern nur Anwohner, und in diesem Maskulinum sind Männer, Frauen, Kinder und alle nur denkbaren biologischen Geschlechter mitgemeint – genau wie bei den Wörtern Schüler, Studenten, Einwohner, Berliner usw. Das nennt man „generisches Maskulinum“, und wenn Sie davon noch nie gehört haben, dann empfehle ich Ihnen, das Interview mit Peter Eisenberg zu lesen, das dieser Ihren Kollegen vom Deutschlandfunk gegeben hat. Völlig zurecht spricht er von „sprachpolizeilichen Allüren“.

Aber: die deutsche Sprache ist keine Verfügungsmasse für Ideologen von rechts und links. Basta!

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Die „verlogene Kapitänin Rackete“ – Neues von der rechtsextremen Hetzseite „Politically Incorrect“

Ich war eigentlich nur auf der Suche nach dem Ursprung des Familiennamens Rackete (es wird vermutet, daß er auf das slawische rakita für „Korbweide“ zurückgeht) und stieß dabei auf die ganz offensichtlich rechtsextremen PI-News (über sie mehr in der Wikipedia). Es ist eine Seite, die mit ihren Beleidigungen und Haßbotschaften moralisch und vermutlich auch juristisch alles Hinnehmbare überschreitet.

Ein kleiner Auszug (noch Ekelhafteres im Artikel selbst und vor allem in den Leserkommentaren habe ich natürlich weggelassen):

Samstag Nacht crashte die deutsche Kapitänin eines NGO-Schleuserkahns unter holländischer Flagge, die Sea-Watch 3 mit Carola Reackete (31) aus Kiel, trotz Verbots mit 40 Asylbetrügern, die sie abgesprochen vor der libyschen Küste aufgelesen hatte, in den Hafen von Lampedusa und wurde erst mal festgenommen. Die Rotgrünen heulen künstlich auf allen Kanälen, unser linker Bundespräsident gibt auch seinen Senf dazu … Selbstverständlich dürfen auch die durch die Bank rotgrün-versifften Medien in ihrer permanenten Flüchtlings-Trance nicht fehlen.

So geifert der anonyme Verfasser in einem fort, Beleidigung reiht sich an Beleidigung. Auch der ermordete Walter Lübcke geriet 2015 ins Visier von PI. Die Wikipedia schreibt dazu:

Im Oktober 2015 veröffentlichte PI-News einen Kurztext, der den 2019 ermordeten Politiker Walter Lübcke falsch zitierte. Dazu gab der Blog Adresse und Telefonnummer von Lübckes Büro bekannt. Darunter erschien mehrfach Lübckes private Anschrift. Kommentare riefen dazu auf, „dort vorbeizuschauen“. Manche kündigten Lübckes Tod an („Der Kasper aus Kassel macht es nicht mehr lange“). Dann verbreitete PI Videoausschnitte aus einer Rede Lübckes und der Notiz „Abgelegt unter Volksverräter“. Darunter posteten in den Folgewochen hunderte deutsche und nichtdeutsche Kommentatoren Gewaltfantasien und Mordaufrufe.

Wie kann es sein, daß man Facebook, Twitter und Youtube kritisiert und gleichzeitig eine so abscheuliche Haßseite wie PI gewähren läßt? Dazu braucht man keine neuen Gesetze, man muß nur das Strafrecht konsequent anwenden.

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Sea-Watch kritisiert Deutschland

Deutschland, das forderte soeben Ruben Neugebauer, der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch, solle alle im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge aufnehmen. Auf eine europäische Lösung zu warten, sei eine Ausrede und für „eines der größten und reichsten Länder der EU“ beschämend.

Dazu muß man doch einiges bemerken.

Deutschland hat, als andere Länder schon ihre Grenzen geschlossen hatten (manche weigern sich bis heute, auch nur einen einzigen Flüchtling ins Land zu lassen!), etwa eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Das war eine richtige (und christliche) Entscheidung, in meinen Augen war es sogar die mutigste und beste Entscheidung in Merkels ganzer Amtszeit. Aber es hat gewaltige finanzielle und organisatorische Anstrengungen gekostet, und natürlich hat es auch zu sozialen Spannungen geführt.

Da empfinde ich es als geradezu dreist, wenn eine Hilfsorganisation jetzt ausgerechnet Deutschland in rüden Worten kritisiert.

Da sind Sie an der falschen Adresse, lieber Herr Neugebauer! Eine solche Kritik haben andere verdient, die osteuropäischen Länder zum Beispiel, deren Willkommenskultur sich bis heute auf die dankbar entgegengenommenen Gelder aus Brüssel beschränkt.

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Der unbegreifliche Erfolg der Grünen

Wenn ich viel Geld hätte, würde ich auf die Beantwortung dieser Frage ein Preisgeld von einer Million Euro aussetzen: wie es nämlich dazu hat kommen können, daß die Grünen allmählich zur größten und beliebtesten deutschen Partei werden.

Eigentlich kann man die Grünen nur wählen, wenn man entweder die letzten 30 Jahre ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Höhle zugebracht hat, oder wenn man ohnehin (mit Musils Mann ohne Eigenschaften) dazu neigt, die Welt nicht mit dem Wirklichkeitssinn, sondern mit dem Möglichkeitssinn zu betrachten.

Möglich ist es nämlich, daß aus den Grünen einmal, wenn sie in der Lage ist, den linken Ballast abzuwerfen, eine Volkspartei wird. Aber ist es auch wahrscheinlich? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich ist, daß nur ein spezifisch deutscher Idealismus, der brennende Wunsch nämlich, allezeit edel, hilfreich und gut zu sein, die Grünen so groß gemacht hat. Wenn man aber sieht, was die Grünen da, wo sie mitregieren, allein schon in der Schulpolitik angerichtet haben, wird man damit rechnen müssen, daß selbst der euphorisierte deutsche Wähler seinen Fehler bald einsieht.

Aber, wie gesagt: es kann auch anders kommen.

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Ein freundlicher Hinweiß

Da hat jemand eine Software von Microsoft gekauft, aber die beiden Aktivierungsschlüssel funktionierten nicht. Auf die Ankündigung, daß er eine negative Bewertung abgeben würde, erhielt der Kunde von der Firma folgende Nachricht:

Ich weiße Sie freundlich darauf hin, das Sie sich Strafbar gemacht haben. In dem Sie uns gedroht haben. Was Sie schreiben ist keines Falls haltbar. Sie sollten sich besser mit der Rechtslage auseinander setzen, um über die Thematik sprechen zu können.

Wohlgemerkt: das hat kein Hauptschüler geschrieben, sondern der für den Kundendienst zuständige Mitarbeiter einer Firma, die ihre Waren auf Amazon anbietet.

Vielleicht sollte er sich einmal mit der deutschen Sprache auseinander setzen? Auch ein Lehrgang über den Umgang mit Kunden könnte ihm nicht schaden.

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Wo gehört das Komma hin?

Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, man muß gegen die Verhunzung unserer Sprache immer wieder angehen.

Den folgenden Satz liest man heute auf Bild Online, Markus Lanz soll ihn an Annalena Baerbock und Robert Habeck gerichtet haben:

Ihr habt gerade mehr Autogramme geschrieben, als Rod Stewart als er bei uns war.

Jetzt überlegen wir alle mal, wo das Komma in diesem Satz wirklich hingehört!

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