Is Latin really simple?

Da gibt es doch tatsächlich eine österreichische Internetseite über die lateinische Sprache, die folgenden Titel trägt:

Latin is Simple.

Der Entwickler dieser „coolen Website“ (so nennt er sie selbst) heißt Peter und ist ein „19-jähriger Physik and ICE (=Information and Computer Engineering) Student aus Graz“.

Und was ist das Besondere an seiner Latein-Website? Er sagt es selbst:

Das Besondere an dieser Seite ist, dass sie zu einem großen Teil auf Latein und Englisch verfasst ist!

Ist das nicht wunderbar?

Übrigens: es ist niemals und nirgendwo „simple“, eine fremde Sprache zu lernen. Dazu gehört jahrelange Müh‘ und Arbeit. Eine Abkürzung dieses langen Weges, einen Königsweg oder gar einen Nürnberger Trichter, gibt es nicht, es wird ihn auch nie geben. Wer wirklich glaubt, daß man eine Sprache en passant lernen kann, womöglich nach den Anweisungen eines Youtubers, der wird enden wie unser Günther Oettinger bei seinen hilflosen Versuchen, englisch zu sprechen.

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Attac(ke)!

Der „frühere Occupy-Aktivist Hajo Köhn“ (so nennt ihn die Frankfurter Rundschau) – er ist übrigens auch Attac-Aktivist -, hat sich auf seine alten Tage den Demonstrationen gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus angeschlossen:

Die Kritik an den Einschränkungen, einer möglichen Corona-App und einer Impfpflicht sei berechtigt, sagt er. Die meisten Menschen, die am Samstag demonstrierten, hätten legitime Fragen und suchten nach Orientierung.

Sie „suchen nach Orientierung“? Das kann man sicher nur von einem kleinen Teil der Menschen sagen, die da zusammengekommen sind. Was sie in die Mikrofone sprechen (oder brüllen), was auf ihren Plakaten steht, das zeigt, daß zumindest jener Teil der Demonstranten, der sich öffentlich artikuliert, seine „Orientierung“ (in Gestalt von einzementierten ideologischen Positionen) schon lange gefunden hat. Was sich da, von Globalisierungsgegnern und Verschwörungstheoretikern über Impfgegner bis hin zu Rechtsextremisten zusammengefunden hat (auch ein Hitlergruß war wieder zu sehen), hat mit demokratischem Diskurs wenig zu tun. Denn dieser Diskurs setzt voraus, daß man den (Meinungs-) Gegner respektiert und zumindest nicht völlig ausschließt, daß er recht und man selbst unrecht haben könnte. So ein Respekt ist freilich von den vielen Wirrköpfen auf den „Corona-Demonstrationen“ nicht zu erwarten.

Deshalb sollte man es sich gut überlegen, mit wem man da Seite an Seite demonstriert.

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Der Hessische Rundfunk strahlt kreative Sprache aus

Der Hessische Rundfunk und seine Online-Redaktion sind immer für Überraschungen gut. Heute geht es um Eintracht Frankfurt, das sich nach der Heimniederlage gegen Mönchengladbach so allmählich dem Tabellenende nähert. Aber, so formuliert es hessenschau.de:

Sportdirektor Bruno Hübner strahlt jedoch Überzeugung aus.

Da möchte man schon wissen, wie man das macht: Überzeugung „ausstrahlen“. Zufriedenheit kann man ausstrahlen, Zuversicht – aber Überzeugung?

Rätsel über Rätsel.

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„Wie geil ist das denn?“

Tobias Kämmerer, TV-Moderator beim Hessischen Rundfunk, ist ein Mann mittleren Alters (Jahrgang 1975). Daß er sich selbst ständig „Tobi“ nennt (und von seinen Gesprächspartnern auch so angesprochen wird), führt schon in das Thema ein, um das wir uns diesmal kümmern werden.

Tobi ist 45, aber wenn er mit Menschen redet, spricht er gern wie ein Jugendlicher in der Pubertät. In seiner Sendung „Tobis Städtetrip“ reist er durch die hessische Provinz und zeigt „Interessantes“. Am liebsten klettert er auf Türme, oder er steigt in alte Kellergewölbe hinab. Er redet in seiner Sendung eigentlich ununterbrochen, mit Verkäuferinnen, mit Stadtführern, auch mit seinem Kameramann. Und er redet immer gleich, egal, ob er einen Ladenbesitzer, einen Archäologen oder einen Pfarrer vor sich hat. Das Kumpelhafte und Lockere gehört zur Marke „Tobi“. Jeder wird geduzt, und fast alles, was ihm begegnet findet er „geil“. Das ist übrigens eines seiner Lieblingswörter, in der letzten Sendung ist es in 45 Minuten zehn oder elf Mal gefallen.

Damit wir uns richtig verstehen: Kämmerer ist ein sympathischer Mensch, und vor allem: er geht mit seinen Gesprächspartnern immer freundlich um. Es geht hier nur um das merkwürdige Phänomen, daß viele Erwachsene mit 30 immer noch so reden wie mit 15. Auch der Wortschatz scheint sich bei vielen mit den Jahren kaum erweitert zu haben – egal, ob mit oder ohne Abitur, ob mit Migrationshintergrund oder ohne. Auch das Duzen von völlig Fremden ist heuzutage ubiquitär geworden. Es war früher immer ein Zeichen von besonderer Vertrautheit oder von Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe oder einem besonderen Milieu (Studenten, Showgeschäft). Heute muß ich mich ungefragt von Boulevardjournalisten, Werbefiguren und „Youtubern“ duzen lassen, obwohl ich mit ihnen nichts zu schaffen habe. Was einmal besondere Nähe und Freundschaft ausgedrückt hat (man hat jemandem das Du angeboten!), ist zu billiger Münze geworden.

Es ist in der Sprache wie in vielen Sparten unseres Alltags: es findet eine Einebnung auf unterem Niveau statt. Für feine Unterschiede ist kein Platz mehr.

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Ein Geschenk von Gott!

Diese erfreuliche Meldung habe ich heute morgen aus Dänemark bekommen, der nette Herr hat allerdings einen ganz undänischen Namen:

Charles W Jackson Jr [„“@museerne.dk]
Recipients
Spende

Mein Name ist Charles W. Jackson Jr. Ich habe im Juni 2019 344,6 Millionen Dollar Powerball Jackpot gewonnen. Ich habe eine Spende von 3.000.000 Euro für Sie, ich spende für die Liebe, die ich für die Menschheit und bedürftige Menschen in der Gesellschaft habe. Bitte kontaktieren Sie uns bezüglich dieses Geschenks von Gott über diese E-Mail an charleswjacksonjr234@gmail.com.

Jetzt überlege ich doch, ob ich da nicht mal anrufe. Drei Millionen sind ja kein Pappenstiel. Und sie kommen direkt von Gott!

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Ein hevorragender (und ganz und gar unideologischer) Artikel über BVG und EuGH

Er füllt heute fast die ganze erste Feuilletonseite der F.A.Z. und trägt den Titel „Jetzt war es so weit“. Geschrieben hat ihn ein Jurist, nämlich Dieter Grimm, der von 1987 bis 1999 selbst Richter am Bundesverfassungsgericht war. Und anders, als man es von Juristen gewohnt ist, schreibt er in einer klaren, angenehm schnörkellosen Sprache.

Natürlich geht es um das aufsehenerregende BVG-Urteil zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank, mit dem sich unser oberstes Verfassunggericht zum ersten Mal gegen die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs gewehrt hat.

Die deutsche Politik hat sich in einer ungewohnt heftigen Urteilsschelte fast komplett auf die Seite des EuGH geschlagen und das eigene Verfassungsgericht mit Kritik überhäuft – so, als habe jetzt Europas letztes Stündlein geschlagen. Dieter Grimm setzt sich dagegen in wohltuender Sachlichkeit mit der Karlsruher Urteilsbegründung auseinander. Vieles versteht man besser, wenn man den Artikel gelesen hat, etwa das Problem der Subsidiarität. Die EU, schreibt Grimm,

bleibt noch auf lange Sicht auf die Legitimitätszufuhr aus den Mitgliedsstaaten angewiesen. Sie kann die staatlichen Legitimitätsressourcen nicht einfach durch weitere Ausdehnung ihrer Befugnisse auf sich umlenken. Im Gegenteil müsste sie im eigenen Interesse auf eine starke mitgliedstaatliche Demokratie bedacht sein, statt diese immer weiter auszuzehren. Das 1992 in die Verträge eingefügte Subsidiaritätsprinzip, das die Auszehrung verhindern sollte, ist ohne jede Wirkung geblieben.

Und genau diese Subsidiarität fehlt in Europa an allen Ecken und Enden. Sie bedeutet nämlich, daß die höhere Ebene in einer Hierarchie nur solche Aufgaben wahrnehmen darf, die auf der unteren Ebene nicht zu lösen sind. Würde man dieses Prinzip überall in Europa anwenden, wäre ein großer Teil der Kritik an der EU gegenstandslos.

Also, den Gastbeitrag von Dieter Grimm unbedingt lesen!

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Die neue Weltregierung

Wer will die jetzt nochmal bilden? Bill Gates? George Soros? Die WHO? Die Reptiloide? Oder Angela Merkel?

Ich bitte dringend um Aufklärung!

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Sanofi

Eine Pandemie heißt Pandemie, weil sie den ganzen Globus erfaßt hat. Natürlich gibt es da einen Wettlauf um den ersten Impfstoff, das ist normal.

Ganz und gar nicht normal ist, daß ein französischer Pharmakonzern, nämlich Sanofi, seinen US-Investoren garantiert, daß die Vereinigten Staaten den Impfstoff zuerst bekommen.

Sanofi hat nach Angaben seines Vorstandsvorsitzenden Paul Hudson den Vereinigten Staaten eine „Vorbestellung“ eingeräumt und werde daher die Amerikaner zuerst beliefern.

Die Reaktion der Franzosen war entsprechend.

Da lob ich mir unsere deutsche Regierung, die von Anfang an für eine gerechte, weltweite Verteilung des Impfstoffs gewesen ist.

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Nieder mit den Eliten!

Ist das nicht erstaunlich, wie heute alles auf die „Eliten“ einprügelt?

Nein, natürlich nicht alles, nicht einmal die Mehrheit der Menschen in unserem Land, eigentlich ist es nur eine kleine Minderheit, aber der Vergleich mit früheren Zeiten ist schon angebracht. In meiner Jugend, um die Mitte des 20. Jahrhunderts, hat man zu den Eliten noch aufgeschaut. Ja, man wollte sogar zu ihnen gehören, und man hat alles dafür getan. Es ist nicht allen gelungen, weil der Geist den Menschen in sehr verschiedenem Ausmaß zugeteilt ist, aber eine Bewunderung, ein Respekt für die Elite war damals auch bei einfachen Menschen immer vorhanden. Und was ist daran auch verwerflich?

Mit den marxistischen Studenten änderte sich das. Die absurde Idealisierung des Proletariers als eines fast idealen Menschen ging von Anfang an, also schon mit Marx, Engels und Lenin, mit einem unausrottbaren Mißtrauen gegen den Geist und gegen alles Intellektuelle einher. Arbeiterkinder wurden deshalb immer bevorzugt, wer aus einem bürgerlichen oder gar aus einem intellektuellen Elternhaus kam, mußte um seinen Studienplatz bangen. Ärzte, Lehrer, Professoren wurden schlecht bezahlt und standen im sozialen Ansehen weit unter einem Schweißer oder einem Agraringenieur. Dieses Mißtrauen gegen den Geist und die Eliten kennzeichnet die sozialistischen Überreste bis auf den heutigen Tag.

Inzwischen haben sich ihnen die Rechtspopulisten aller Länder beigesellt. Ihnen geht es natürlich nicht nur um die geistigen, sondern auch um die politischen Eliten. Daß die Populisten, den Präsidenten der Vereinigten Staaten eingeschlossen, ihre „Feinde“ immer öfter mit dem Wort „Establishment“ brandmarken, das ja in der Studentenbewegung der 60er Jahre, also eigentlich im gegnerischen Lager, entstanden ist, zeigt ein weiteres Mal, daß sich Extremisten jeder Couleur ganz wunderbar verstehen. In Italien haben sie sich sogar zu einer Koalition zusammengefunden. Aber vor allem: sie haben dieselben primitiven Denk- und Verhaltensstrukturen. Eine Politik, die auf Klugheit und Gelassenheit gründet, auf Kompromissen und auf geduldiger Arbeit, ist ihnen völlig fremd.

Sehen wir uns einmal an, wie das rechtspopulistische „Meinungsmagazin“ Tichys Einblick mit dem Wort „Eliten“, gern auch „Pseudo-Eliten“, umgeht (alles wörtlich der aktuellen Internetseite entnommen):

Die Eliten attestieren sich neuerdings brutal offen Kompetenz, schier maßlose Kompetenz.

Gleichwohl ersticken die Eliten den demokratischen Prozess nach Kräften.

Die Eliten waren immer das Problem.

Heute kämpfen die europäischen Eliten gemeinsam gegen ihre „Bevölkerungen“.

Eliten sind die greisen Pennäler, die in den Medien den Ton angeben und es sich auf dem Stuhl der Fingerzeiger bequem gemacht haben.

Ein rhetorisches Dauerfeuer richtet sich gegen das Wort „Elite“, das durch den sprachlichen Kontext und eindeutige Attribute nur noch negative Konnotationen hat:

Das dröhnende Schweigen der „Eliten“
die rotgrüne Medien-Elite
die Verblödung der Eliten
die Gauckschen Eliten
die aufgeschreckten europäischen Eliten
das verfassungsfeindliche Elitenverhalten
ein Elitentrick
wie die Republik aus der Elitenfalle herauskommt
primitiver Elitenhass auf die „Bevölkerungen“
die politisch-medialen Eliten
eine angemaßte Elite
die Eliten sind aus dem Ruder gelaufen
die Elitenmacht über die Medien
die antidemokratischen Eliten
die alten globalistischen Eliten
verdummende Rechthabereliten
der Elitenmensch Gauck
die Eliten wollen einfache Strickmuster
abgehobene Eliten wie Merkel, Maas, Söder und Co.
die globalistischen Eliten
Mitglieder der Soros-Blase und der globalistischen Budapester Elite
die Exzesse und blinden Flecken der globalistischen Eliten.

Das selbstformulierte Ergebnis:

Das Problem sind immer die Eliten.

Diese Beispiele habe ich in einer guten Viertelstunde entdeckt, sie stammen alle aus dem redaktionellen Teil von Tichys Einblick, nicht etwa aus den Leserkommentaren, die in ihrer bösartigen und aggressiven Verzerrung der Wirklichkeit kaum zu ertragen sind.

Diese Menschen, die sich in ihrer rechtspopulistischen Blase (und in ihrem Haß!) wohnlich eingerichtet haben, könnte man eigentlich bedauern – wenn sie nicht so gefährlich wären. Denn ihr Haß auf jeden, der nicht ihrer Meinung ist, hat in einer Demokratie nichts zu suchen. Gottlob gelingt es diesen Brandstiftern nicht, eine Mehrheit der Deutschen für sich zu gewinnen. Weit über 80% der Wähler haben ihnen bisher bei jeder Wahl die verdiente Abfuhr erteilt. Das ist beruhigend, aber man sollte wachsam bleiben.

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Kah-Schering

Die Hilfen, die man in Rheinland-Pfalz offiziell über die neuen Corona-Beschränkungen gibt, gehen über das Virologische weit hinaus und klingen „in Leichter Sprache“ so (hier nachzulesen):

CarSharing
Car-Sharing spricht man so:
Kah-Schering.
Car-Sharing bedeutet:
Leute teilen sich ein Auto.

Die Menschen sollen nur noch wichtige Sachen machen.

Bar
In einer Bar gibt es Getränke und Musik.

Copy-Shop
Im Copy-Shop gibt es Kopien.

Individual-Sport
Das ist Sport alleine.

Personal-Trainer
Das ist ein Sport-Trainer, der mit Einzel-Personen Sport macht.

Podologie
Bei der Podologie geht es um die Gesundheit vom Fuß.

Ja, ich weiß: die „Leichte Sprache“ ist für Menschen gedacht, die „Schwierigkeiten beim Verstehen schwieriger Texte haben“ (Wikipedia). Aber schwierige Sachverhalte auf diese Art scheinbar leicht zu machen, das funktioniert nicht. Komplizierte Sachverhalte kann man nicht durch „einfache“ oder „leichte“ Sprache verständlicher machen. Um sie zu verstehen, muß auch die Sprache komplex sein. Daran führt kein Weg vorbei.

Im übrigen, so scheint mir, ist das mangelhafte „Verstehen schwieriger Texte“ längst kein Problem der Barrierefreiheit mehr. Es ist ein Problem, das immer mehr die ganz normalen Durchschnittsschüler betrifft – und zunehmend auch die Erwachsenen. Der denkbar schlechteste Ausweg wäre es, die sprachlichen Anforderungen weiter zu senken und damit die vermeintlich „sozialen Sprachbarrieren“ niederzureißen, wie es linke Zirkel schon in den 60er Jahren gefordert haben. Wer die Welt verstehen, wer an der Demokratie teilhaben, wer Kultur wirklich genießen will, der muß in seiner Sprache zuhause sein, er muß sich in ihr wohlfühlen und auch ihre feinen Nuancen wahrnehmen. Wenn einem aber ein komplizierter Satz schon lästig ist, dann kann man sich zwar durchs Leben schlagen – aber mehr auch nicht.

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