11.088 Quadratkilometer Regenwald

Das ist die Fläche, die in Brasilien in einem einzigen Jahr, nämlich von August 2019 bis Juli 2020, unter dem rechtsradikalen Präsidenten Bolsonaro abgeholzt worden ist. Zum Vergleich: die Waldfläche, die im Dannenröder Forst dem Bau der A49 zum Opfer fällt, beträgt

0,27 Quadratkilometer.

Das zeigt – jedenfalls für Menschen, die noch den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen! – die verzerrte Wahrnehmung, die typisch ist für Aktivisten jeder Couleur.

Dasselbe gilt mutatis mutandis auch für den CO2Ausstoß. Der deutsche Anteil daran beträgt weltweit 2 % (!), an der Spitze stehen China mit 29,7 %, die USA mit 13,9 % und Indien mit 6,9 %. Wenn man davon ausgeht, daß CO2 der Hauptverursacher des vom Menschen beschleunigten Klimawandels ist, kann unser Land also buchstäblich nichts tun, um den Klimawandel zu beeinflussen. Daß Deutschland die eigene Wirtschaft zerstören soll, nur um „ein Beispiel für die Welt“ zu sein, also als gleichsam symbolischen Akt, das mag Schulkindern plausibel erscheinen. Erwachsene Menschen sollten es besser wissen.

In diesem Sinne ist es völlig richtig, daß aus deutscher Sicht Klimapolitik nur Außenpolitik sein kann. Da wirkt der Kampf um den Danni, wie vieles in unserem Land, doch arg provinziell – und kindisch. Man greift sogar, um den eigenen Aktionismus zu begründen, zu absurden Vergleichen wie diesen, den ich auf einer CO2-Internetseite gefunden habe:

Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland 300 Mal höher als in Burundi.

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Ein „Wilsberg“ des Grauens

Wie um alles in der Welt kann man ein so schlechtes Drehbuch schreiben? Und wie kann ein Regisseur so eine abstruse Geschichte inszenieren? Und – vielleicht die wichtigste Frage – wie kann ein seriöser Sender so einen Schmarrn senden?

Die Folge „Alles Lüge“ vom Samstag war der neue Tiefpunkt einer Reihe, die sich seit längerem in einer Abwärtsspirale befindet. Kann man sich in den letzten zwei, drei Jahren überhaupt noch an einen guten „Wilsberg“ erinnern? Ich nicht.

Die neue Folge war einfach nur peinlich. Eine junge Ärztin (Prädikat „idealistisch“), die ihre grell kostümierte Patientenschar pro bono behandelt und naiv wie ein Schulmädchen durch die Handlung stolpert, ein böser Vermieter (Vermieter sind im Film immer böse, auch wenn sie am Ende nie die Täter sind!), dazu noch ein ganz, ganz böser rechtspopulistischer Verein, der wie eine Karikatur daherkommt – das ist alles so kindisch, so dumm, so hölzern und ohne jede psychologische Stimmigkeit, daß man nur staunen kann. Gegen ein so schlechtes Buch können auch gute Schauspieler wie Leonard Lansink oder Rita Russek nicht anspielen. Und Overbeck? Roland Jankowsky hat früher mancher müden Folge noch einen Glanzpunkt aufgesetzt. Daß er jetzt – bis hin zur peinlichen Schlußszene mit Oliver Welke – nur noch den albernen Hanswurst spielen darf, hat er wirklich nicht verdient.

Eine Serie, die man nur noch anschaut, weil sie vor langer Zeit einmal wirklich gut war, sollte man – das als kleine Empfehlung an das ZDF – besser einstellen.

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Das „Quizduell“ – Eine traurige Selbstzerstörung aus purer Geldgier

Das „Quizduell“ war in den ersten Jahren ein wunderbares, kleines Spiel fürs Handy, gerade richtig für eine Pause zwischendurch. Weil die Zahl der Spiele in der Gratisversion begrenzt war und zusätzlich Werbung eingeblendet wurde, habe ich damals wie viele andere die Premium-Version gekauft. Es stimmt, viele Fragen waren schon damals seltsam, etwa: „Welchen Platz belegte Deutschland beim Eurovision Song Contest 2011“, oder „Wissensfragen“, die C-Prominente betrafen. Aber darüber konnte man großzügig hinwegsehen.

Dann begann der Abstieg. Die grafische Gestaltung wurde immer kindischer, alles war auf einmal grellbunt und gewollt lustig – als ob ein Quiz, in dem erwachsene Menschen ihr Wissen von der Welt testen, die Anmutung eines Kindergartenspiels haben müßte! Dann kamen Zusatzspiele dazu, die niemand brauchte und wollte, die aber fast ein Drittel des Displays einnahmen, und schließlich wurde man, obwohl man ja für die „Premium-App“ gezahlt hatte, immer öfter gedrängt, vom „Quizduell“ auf ein „Neues Quizduell“ umzusteigen. Darauf ist aber offenbar kaum jemand hereingefallen, und so mußte die schwedische Fa. MAG Interactive, die das Spiel entwickelt hatte, zu brachialeren Mitteln greifen: sie schaltete das alte Spiel eines Tages ohne jede Vorankündigung einfach ab. Statt dessen sah man beim Start nur noch den Hinweis auf das neue Quiz, das natürlich noch bunter war – und noch mehr dumme Spielchen enthielt (die natürlich kostenpflichtig waren!). Wenn man die alten Spielstände erhalten wollte, mußte man also zwangsweise die neue Version installieren.

Dann kam die Werbung. Noch vor einer Woche hatte man einem Benutzer geschrieben:

Vorläufig kannst du deine Premium-Funktionen in der neuen App genießen. Dies bedeutet, dass du klassische Spiele spielen kannst, ohne zwischen den Runden Werbung sehen zu müssen.

Das war schon vor einer Woche die Unwahrheit. Jetzt ist es so, daß man selbst während eines kurzen Spiels mehrfach brutal durch Werbung unterbrochen wird, u.a. durch 30 Sekunden lange Werbevideos! Der Grund: werbefrei darf man nur noch spielen, wenn man die App abonniert – für 5,49 € im Monat, also für stolze 65 € im Jahr!

Wer sich darüber beschwert, daß er für die Werbefreiheit jetzt noch einmal bezahlen soll, wird kühl abgefertigt:

Bitte beachte: Premiumkäufe konnten nur im alten Quizduell getätigt werden und waren für diese App gültig.

Auf so einen bauernschlauen Schachzug muß man erst einmal kommen: da wird ein im Kern unverändertes Programm mit ein bißchen Firlefanz ausgeschmückt, man gibt ihm einen neuen Namen – und schon (das glaubt man jedenfalls) kann man die Kunden ein zweites Mal zur Kasse bitten.

Ich weiß nicht, ob so ein Vorgehen zivil- oder strafrechtlich relevant ist, es wird auch – verständlicherweise – kaum jemand wegen ein paar Euro einen Prozeß anstrengen. Aber es gibt einen Weg, mit dem man ein so dreistes Verhalten wirksam bestrafen kann: die letzten Spiele noch zu Ende bringen und das Programm dann sofort deinstallieren! Auch wenn es ein bißchen wehtut, weil das Quizduell doch lange Zeit ein angenehmer Teil des Alltags war. Aber Frechheit muß bestraft werden.

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Stern(chen)zeit: Herbst 2020

Der Konflikt um Bergkarabach, schreibt die taz, sei

kein Krieg zwischen christlichen Armenier*innen und muslimisch geprägten Aserbaidschaner*innen.

Die feministische Sprachdummheit, das sieht man daraus, hat die Grenze zum Absurden, zur Lächerlichkeit längst überschritten. Selbst in der Berichterstattung über ein Land, in dem es um das Überleben einer der ältesten christlichen Kirchen geht, ist die erstaunliche Erkenntnis, daß es im Kampfgebiet neben Männern auch (und vor allem!) Frauen gibt, mindestens so wichtig wie die Berichterstattung selbst.

Aber Sprache hat sich doch schon immer verändert! – rufen uns die Medienvertreter vom Nabu bis zum ZDF zu. Das stimmt – und ist doch grundfalsch. Sprachen verändern sich, aber langsam und organisch, und es dauert Jahrhunderte, bis sich Morphologie und Syntax einer Sprache merklich ändern. Heute geschieht etwas ganz anderes: wir werden Zeuge, wie eine kleine, zu allem entschlossene, aber nicht einmal mit rudimentärem Sprachwissen (und schon gar nicht mit Sprachgefühl!) ausgerüstete ideologische Gruppe die deutsche Sprache handstreichartig gekapert und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt hat.

Daß so eine Barbarei ohne einen Aufschrei der Intellektuellen und der „bildungsnahen Schichten“ unseres Landes geschehen kann, macht einfach nur traurig.

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Hanni und Nanni im Danni

Die Geschichte von der Segnung der Kinder, die in den „synoptischen Evangelien“, also bei Matthäus, Markus und Lukas, überliefert ist, kennen auch eingefleischte Atheisten. „Lasset die Kindlein zu mir kommen“, hieß es noch in den älteren Bibelausgaben, heute sind aus den „Kindlein“ (in der lateinischen Vulgata parvuli) fast überall „Kinder“ geworden, so auch in der neuen Lutherübersetzung (Markus 10, 14):

Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.

Ob Jesus da die jungen Aktivisten von heute mitgemeint hätte? Wohl eher nicht. Aber die reden, obwohl sie nun wirklich keine Kinder mehr sind, immer noch wie die Kindlein und nennen den Hambacher Forst „Hambi“ und den Dannenröder Wald „Danni“. Die Reifeverzögerung, die sich in der Sprache abbildet, ist ein weitverbreitetes, schon oft beschriebenes Phänomen in den Wohlstandgesellschaften des Westens. Überversorgt, überbehütet, oft nicht einmal fähig, mit ganz alltäglichen Kränkungen fertigzuwerden, rufen sie überall nach dem Schutz des Gesetzes. Eine Kultur der Weinerlichkeit hat diese Generation erfaßt, die vor allem Unangenehmen beschützt werden will: vor schlimmen Wörtern (wie „Nigger“ in Mark Twains Huckleberry Finn oder dem „Negerkönig“ in Pippi Langstrumpf), vor „ungerechter“ Sprache, sogar vor unschuldigen Komplimenten wie dem Vergleich von Frauen und Blumen in Gomringers Gedichtzeile

Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer.

„Werdet endlich erwachsen!“ – das ist das einzige, was man diesen wehleidigen, in der Kindlichkeit steckengebliebenen Menschen zurufen möchte.

Ohne Erfolg, fürchte ich.

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Widerstandskämpfer*innen

Eine „Jana aus Kassel“ hat gestern auf der „Querdenken“-Kundgebung in Hannover wörtlich folgendes gesagt (vom Tagesspiegel zitiert):

„Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde“, sagt sie und bekommt Applaus.

„Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, bevor sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel“, fährt sie dann fort. Sie werde niemals aufhören, sich für Freiheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen.

Da fehlen einem (und hoffentlich auch meinen Lesern!) die Worte.

Aber man sieht auch: wir haben es bei den Jugendprotesten unserer Tage – ob im Hambi oder im Danni, ob zur Klima- oder zur Coronapolitik – mit einer satten und behüteten Wohlstandsjugend zu tun, der man weder im Elternhaus noch in der Schule ein historisches und moralisches Koordinatensystem vermittelt hat. Anders kann man das, was diese Jana aus Kassel in die Mikrofone gesprochen hat, nicht interpretieren.

PS: Unser Außenminister twittert dazu:

Nichts verbindet Coronaproteste mit Widerstandskämpfer*Innen. Nichts!

Das stimmt zwar inhaltlich – aber ich entgegne: nichts, aber auch gar nichts verbindet die Widerstandskämpfer, die im Kampf gegen Hitler ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, mit den selbstverliebten Feministinnen und Außenministern, die in ihrem Kampf en passant die deutsche Sprache verschandeln und sie – in der ganzen Welt! – der Lächerlichkeit preisgeben. Wer gegen den absurden politischen Anspruch der Jana aus Kassel protestiert, aber gleichzeitig dem pseudofeministischen Jargon einer kleinen Minderheit auch noch die ministerielle Weihe gibt, ist für mich nicht mehr wählbar.

Es geht hier nämlich um nichts Geringeres als um die Erhaltung unserer Kultur, deren Rückgrat die deutsche Sprache ist. Und die Gefahr für unsere Muttersprache geht nicht einmal so sehr von den feministischen, sprachlich offenbar ungebildeten Frauen aus (die sollen in Gottes Namen sprechen und schreiben, wie sie wollen!), sondern von ihren politischen Unterstützern in den Parteien, Zeitungen, Fernsehanstalten, Verwaltungen, Schulen und Betrieben, die dafür sorgen, daß dieser sprachliche Frevel uns allen auf administrativem Wege zur Pflicht gemacht wird. Wie die Lehrer der über alle Welt verstreuten Goethe-Institute ihren Schülern, die voller Neugier auf die deutsche Sprache und die deutsche Kultur sind, diesen Niedergang erklären sollen, weiß ich nicht. In ihrer Haut möchte ich nicht stecken.

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Gendersterne leuchten über der Westerwälder Seenplatte

Heute abend sendet das SWR-Fernsehen die Dokumentation „Naturparadies Westerwälder Seenplatte“. Auf seiner Internetseite schreibt der SWR dazu kurz und bündig:

Das Naturparadies Westerwälder Seenplatte ist ein Dorado für Ornithologen, Wanderer und Naturfreunde.

Die HÖRZU-App macht daraus folgenden Satz, ohne den sich „weibliche Personen“ (oder „Personen, die menstruieren“?) womöglich nur mitgemeint und daher diskriminiert fühlen könnten:

Ein Dorado für NaturfreundInnen ist die Westerwälder Seenplatte.

Das ist schon mal ein bißchen besser. Dem Elektronischen Programmführer unseres Fernsehers bzw. der dazugehörigen Horizon Box war das aber immer noch entschieden zu wenig. Bei ihm heißt es:

Ich will hier gar nicht darüber reden, ob ein Mensch, der so etwas niederschreibt, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein kann. Die Antwort ergibt sich von selbst, wenn man versucht, den Satz einmal laut vorzulesen. Auch über die „SWR Moderatorin“ ohne Bindestrich sei geschwiegen. Merkwürdig ist aber, daß der Autor sich weder an die Wander*innen, noch an die WanderInnen herangetraut hat und statt dessen die alte Doppelform verwendet, die von den fortschrittlichsten Feministinnen kaum mehr verwendet wird. Hat er vielleicht in einem Aufblitzen sprachlicher Nachdenklichkeit gemerkt, daß dadurch von dem männlichen „Wanderer“ nur ein „Wander“ übrigbliebe? Wir werden es wohl nie erfahren.

Die Menschen aber, die in der Westerwälder Seenplatte leben, so verrät er uns am Ende noch,

sind von ganzem Herzen Naturschützer*innen, Naturbeobachter*innen, Naturkreative.

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Im Trüben phishen

Irgendein Clan von Klein- oder Groß-Ganoven möchte unbedingt an meine Bankdaten kommen und beginnt seine E-Mail, um mein Mißtrauen zu beruhigen, mit diesen freundlich-mahnenden Worten:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Aufgrund der aktuellen Situation mit der Pandemie ist es sehr wichtig, zu Hause zu bleiben und ohne die Notwendigkeit, keine öffentlichen Plätze zu besuchen.

Und weiter heißt es dann:

Es ist auch sehr wichtig, dass die Bank Sie bei Fragen jederzeit kontaktieren kann. Dazu benötigen wir Ihre aktuellsten Kontaktdaten.

Solche „Phishing-Mails“ werden sicher millionenfach verschickt, aber die Mühe scheint sich für die Kriminellen zu lohnen, selbst wenn nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Adressaten darauf hereinfällt. Dabei konnte man die Fälschung schon immer am schlechten Deutsch erkennen („ohne die Notwendigkeit, keine öffentlichen Plätze zu besuchen“). Leider ist zu befürchten, daß dieses Erkennungsmerkmal bald nicht mehr funktionieren wird: einmal, weil die Betrüger sprachlich dazulernen, vor allem aber, weil immer mehr Deutsche ihre Muttersprache auch nicht besser beherrschen als die nigerianischen oder russischen Phisher.

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Lehrer für Aufklärung? Von wegen!

Wenn Aufklärung nach der Definition Kants der „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ist, dann ist es mehr als löblich, daß jetzt Lehrer öffentlich für die Aufklärung eintreten. Zu diesem Zweck hat ein gewisser Peter Baier eine „Anlaufstelle für Lehrer, Schüler und Eltern in ‚Corona‘-Zeiten“ gegründet, die sich „Lehrer für Aufklärung“ nennt. Freilich, wenn man sich den Internetauftritt näher ansieht, kommt einem manches, was da steht, bekannt vor – aber nicht etwa von der Kant-Lektüre, die man jedem nur empfehlen kann, sondern aus der Propaganda der Rechtspopulisten.

Da sind die Zahlen des Robert-Koch-Instituts natürlich „inkorrekt“, die Sterblichkeit durch das Corona-Virus ist in Wahrheit „sehr gering“, überhaupt sei das alles nur eine „von Regierungen und Medien betriebenen ‚Corona‘-Massenpanik“. Erst die „eigenen Erhebungen“ von Peter Baier selbst bringen die Wahrheit ans Licht.

Man könne sich, das ist seine Folgerung, „entspannt zurücklehnen“.

Und weiter schreibt der Lehrer für Aufklärung (hier nachzulesen):

Das Volk soll mit Zahlen manipuliert und getäuscht werden. Die Daten sind komplex und vielschichtig, sie müssen in einen korrekten Zusammenhang gebracht und differenziert aufgearbeitet werden. Das findet in der Mainstream-Presse heute nicht statt. Erstens, weil viele Redakteure bereits bei wesentlich weniger komplexer Informationsvermittlung überfordert sind und zweitens weil es nicht gewollt ist. Die Lüge ist und war immer das probate Mittel der Politik. Nicht erst sein “Corona”.

Hinter dem Aufklärer verbirgt sich, wie man sieht, ein ganz gewöhnlicher Rechtspopulist, dessen Verein überall im Land, auch hier in Hessen, zusammen mit Wissenschaftsfeinden, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern jeder Couleur zu Demonstrationen aufruft.

Aber er hat doch eine lange „Unterstützerliste“ auf seiner Internetseite, könnte man da einwenden. Ja, die hat er – zur Zeit sind es 198 namhafte Unterzeichner. Diese zum Beispiel (alle der Originalliste entnommen):

Katrin P. aus L.
Birdy, Rhein-Neckar
JB aus Italien
CV, StR
Vera, Lehrerin und Mutter, Rhein-Neckar-Kreis
Viviana F., Mutter, Buddhistin und StR’in vom Bodensee
Nadine S. aus S. Mama von drei wundervollen Kindern
Jan B. aus E.
F. H. aus O.
Mathias, Studienrat aus Berlin
usw. usf.

Dann gibt es noch „eine Mutter von Vieren“, eine „aufgeklärte Mitbürgerin mit Sohn (9)“, eine „Lehrerin für Religion und Politik und 3erMutter“, einen „Nachhilfelehrer, Leipzig“, eine „stolze Oma von 2 Enkelkindern“, einen namenlosen „kleinen Bruder eines Schulkindes“, eine „vierfache Tante“ – und am Ende einen, „der in einer zunehmend totalitären und sozialistisch angehauchten Demokratur leider anonym blieben muss“.

Da möchte ich, mit Verlaub, allen Lehrern dringend ans Herz legen, erst einmal Kants Schrift „Was ist Aufklärung?“ aus dem Jahr 1784 zu lesen. Wobei ich ich mir freilich gut vorstellen könnte, daß diese „Querdenker“, so wie sie den schönen Begriff des Querdenkens völlig zu unrecht für sich usurpieren, endlich auch Kant zu einem der Ihren machen und ihn in eine Reihe mit Xavier Naidoo und dem Vegankoch Attila Hildmann stellen würden.

PS: Der Gerechtigkeit halber muß man sagen, daß es die Extremisten auf der anderen Seite des politischen Spektrums nicht besser mit Kant meinen; für sie ist der Philosoph schlicht und einfach: ein Rassist. Darauf besteht unter anderem der „Kant-Spezialist“ Marcus Willaschek, der an der Frankfurter Goethe-Universität Philosophie lehrt.

So traurig es ist: wir leben in einer Zeit, in der die Bastionen unserer Kultur von allen Seiten angegriffen werden. Dem islamistischen Angreifer kann man, schon weil er sich zu seiner Feindseligkeit offen bekennt, noch am einfachsten begegnen. Viel gefährlicher sind die Angriffe aus den eigenen Reihen, am gefährlichsten aber ist die feministische Zerstörung unserer schönen deutschen Sprache. Eine kleine Minderheit maßt sich das Recht an, die Sprache nach Gutdünken umzumodeln und „gerecht“ zu machen, und das unter tätiger Mithilfe der linken und grünen Parteien, die überall da, wo sie politischen Einfluß ausüben – also in Ländern, Städten, Universitäten, Schulen, Verwaltungen und Betrieben -, ihre Macht dazu mißbrauchen, diesen newspeak auf administrativem Wege durchzusetzen. Selbst in Rundfunk und Fernsehen – allen voran beim ZDF, das auch noch stolz darauf ist! – wird jetzt nach Herzenslust gegendert.

Erhebt eigentlich irgendjemand das Wort gegen diese – ja, Verschandlung ist eigentlich nicht das richtige Wort, es ist ein brutaler Eingriff in die Sprache, der längst über das Vokabular hinaus tiefe Veränderungen an Morphologie und Syntax des Deutschen erzwingt, und das aus niedrigen, also politischen und ideologischen, Motiven – erhebt also, so frage ich hier zum hundertsten Mal, endlich einmal jemand das Wort dagegen, daß eine ideologische Minderheit der Mehrheit vorschreiben möchte, wie sie zu sprechen und zu schreiben hat? Und wie kommt ein Sender wie das ZDF (er ist ja zur Pflege der Kultur gesetzlich verpflichtet!) dazu, bei diesem üblen Spiel mitzumachen und sich auch noch damit zu brüsten, daß Anne Will, Petra Gerster & Co. zur besten Sendezeit „gendern“ dürfen? Und wo sind die Schriftsteller, Germanisten, Lehrer, Journalisten, auf deren Wort es jetzt ankäme? Sie alle haben schon durch ihr Schweigen bei der Einführung der „neuen Rechtschreibung“ Schuld auf sich geladen. Warum schweigen sie jetzt schon wieder?

Alle anderen europäischen Nationen, allen voran die französische, pflegen ihre Landessprache und halten sie in Ehren. Nur unsere deutsche Sprache hat im eigenen Land offenbar kaum noch Fürsprecher.

Man wirft sie den Ideologen zum Fraße vor.

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Sind unsere Lehrer „faule Säcke“?

Unser Altbundeskanzler Schröder hat sie jedenfalls einmal so genannt. Adolph Freiherr von Knigge ist da ganz anderer Meinung – ich übrigens auch. Aber hören wir, was Knigge in seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ über den Lehrerstand schreibt:

Es ist wahrlich eine höchst schwere Arbeit, Menschen zu bilden – eine Arbeit, die sich nicht mit Gelde bezahlen läßt. Der geringste Dorfschulmeister, wenn er seine Pflichten treulich erfüllt, ist eine wichtigere und nützlichere Person im Staate als der Finanzminister, und da sein Gehalt gewöhnlich sparsam genug abgemessen ist, was kann da billiger sein, als daß man diesem Manne wenigstens durch einige Ehrenbezeugung das Leben süß und das Joch erträglich zu machen suche?

„Über den Umgang mit Menschen“ ist übrigens keineswegs das, was wir heute als Benimmbuch (oder eben als Knigge) bezeichnen. Es geht hier nicht darum, wie man einen Tisch deckt, oder ob man einer Dame in den Mantel hilft. Der Freiherr war ein bedeutender Aufklärer des 18. Jahrhunderts, und in seinem Buch geht es darum, wie man höflich und gesittet miteinander umgeht.

Das wieder zu lernen könnte auch Altbundeskanzlern nicht schaden.

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