Zuckmayer und die Wege zum Glück

Ein schönes Zitat habe ich bei Carl Zuckmayer (Die langen Wege, 1952) gefunden:

Aber ich liebe das Leben, das menschliche Leben, nicht in einer illusorischen Vorstellung von einer Glücksbestimmung, nicht als einen regulierbaren Vorgang zur Erreichung möglicher Zufriedenheit, sondern das bedrohte, umstellte, unendlich tragische und unendlich freudvolle Leben der Geschöpfe, die ein Schöpfer erweckt, erschaffen und beseelt hat.

Ich liebe es in Furcht und Ehrfurcht, Vertrauen und Dankbarkeit.

In einer Zeit, in der so viele Menschen ihr Glück en detail planen möchten und gerne zu entsprechenden Ratgebern greifen, tut Zuckmayers von Weisheit geprägte Auffassung ausgesprochen wohl.

Veröffentlicht unter Philosophie, Sonstiges, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Über die Gehirngröße von Frauen und Predigern

Der saudische Prediger Saad al-Hijri ist dagegen, daß Frauen autofahren dürfen. Seine Begründung:

Das Gehirn von Frauen ist zu klein zum Autofahren.

Es sei nur halb so groß wie das des Mannes und schrumpfe beim Shoppen gar auf ein Viertel.

Nach dieser Bemerkung ist zumindest geklärt, über welche Gehirngröße saudische Prediger verfügen.

Veröffentlicht unter Islam | Hinterlasse einen Kommentar

Der muslimische Waschsalon oder: Diesen Sultan lob ich mir!

Um es gleich vorneweg zu sagen: es geht hier nicht um Erdogan. Es geht um einen Sultan aus Malaysia, den niemand kennt. Er heißt Ibrahim Ismail Ibni Almarhum Sultan Iskandar Al-Haj und ist Herr über den malaysischen Bundesstaat Johor.

Was ist passiert? Da hat in Muar der Betreiber eines Waschsalons vor dem Eingang ein Schild mit der Aufschrift „Nur für Muslime“ aufgestellt. Die Kritik daran verstand er nicht (hier nachzulesen):

Das Aufstellen des Schilds begründete der Mann damit, dass er seinen überwiegend muslimischen Kunden einen Dienst habe erweisen wollen. Sie hätten sich besorgt gezeigt, dass „Unreinheiten“ (najis) in die Wäsche gelangen könnten.

Natürlich: die Ungläubigen sind nämlich nicht nur ungläubig, sondern auch unrein. Nicht auszudenken, wenn ein frommer Muslim seine Wäsche in einer Waschmaschine gewaschen hätte, die vorher von der schmutzigen Wäsche eines Ungläubigen kontaminiert wurde!

Aber der fromme Mann hat die Rechnung ohne seinen Sultan gemacht. Ein paar Auszüge, wie Ibrahim Ismail Ibni Almarhum Sultan Iskandar Al-Haj auf das Schild reagiert hat:

„Dies ist kein Taliban-Staat“, sagte Sultan Ibrahim laut der Zeitung „The Star“. Der Schritt sei „extremistisch“ und widerspreche dem moderaten und toleranten Geist, der in Johor herrsche. Der Regent verlangte, dass sich der Betreiber für seinen Fauxpas entschuldigen möge. „Falls er weiter der Praxis gegen Nicht-Muslime folgt, bin ich der Meinung, er sollte Johor verlassen. Ich schlage vor, er geht mit seinem Geschäft nach Afghanistan.“

Und als der Betreiber sein Schild daraufhin nur leicht umformuliert hatte, wandte sich der Sultan direkt an ihn:

Tu nicht so scheinheilig. Es ist immer noch dasselbe. Der Besitzer sollte sein Gehirn säubern lassen.

Inzwischen ist das Schild verschwunden.

So einen Sultan lob ich mir!

Veröffentlicht unter Islam | Hinterlasse einen Kommentar

Der Sultan steckt jetzt auch Kleinkinder ins Gefängnis

Das Schweigen des Auswärtigen Amtes wird fast zu einem größeren Ärgernis als die kriminellen Handlungen des Sultans.

Da wird Meşale Tolu, eine deutsche Journalistin, von den Schergen des Sultans verhaftet und angeklagt, weil sie als Übersetzerin für eine angeblich „linksgerichtete“ Nachrichtenagentur gearbeitet hat. Was „linksgerichtet“ ist, entscheidet natürlich der Sultan persönlich (oder einer seiner Handlanger in der Justiz, die genau wissen, was der Sultan von ihnen erwartet).

Frau Tolu hat ein zweijähriges Kind, das mit ihr im Frauengefängnis Bakirköy eingesperrt wird.

Da fehlen einem die Worte.

Der deutschen Regierung fehlen die offenbar Worte nicht: eine Sprecherin sagte zu dieser Angelegenheit (hier nachzulesen),

deutsche Diplomaten stünden „auf allen Ebenen in ständigem Kontakt mit den Anwälten und natürlich mit der türkischen Regierung, um Verbesserungen zu erreichen“. Am Montag habe ein Mitarbeiter die Inhaftierte zuletzt besucht. „Es ging ihr den Umständen entsprechend gut“, sagte die Sprecherin. Tolu habe dem Prozess „gefaßt“ entgegengesehen.

Kann man sich ein erbärmlicheres Statement zu einer kriminellen Geiselnahme durch den türkischen Sultan vorstellen?

Ich glaube nicht.

PS:  Eines sage ich dir, Sultan – Du wirst nie wieder, ich wiederhole: NIE WIEDER hier in meinem Land eine Rede halten können. Für Leute wie dich haben wir hier die Polizei und die Justiz, sonst nichts. Ich hoffe, daß der internationale Haftbefehl gegen dich bald ausgestellt wird – so wie es bei kriminellen Geiselnahmen üblich ist.

Veröffentlicht unter Islam, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Das Zitat des Tages

Es stammt diesmal von Jürgen Trittin (ja, den gibt es noch!):

Trittin wirft Union Verleugnung christlicher Werte vor.

Ja, wer hätte denn gedacht, daß sich Trittin um die christlichen Werte sorgt?!

Veröffentlicht unter Christentum, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Erdogans deutsche Geisel soll für Jahrzehnte ins Gefängnis

Da wünscht man sich wirklich einen Außenminister Cem Özdemir: das milde Gesäusel im Umgang mit dem türkischen Diktator muß endlich aufhören. Wer in einem NATO-Land ein Willkürregime errichtet und ohne jede rechtsstaatliche Grundlage Bürger unseres Landes als Geiseln nimmt, muß behandelt werden wie jeder Geiselnehmer, und zwar nach § 239b StGB:

Wer einen Menschen entführt oder sich eines Menschen bemächtigt, um ihn oder einen Dritten durch die Drohung mit dem Tod oder einer schweren Körperverletzung des Opfers oder mit dessen Freiheitsentziehung von über einer Woche Dauer zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zu nötigen, oder wer die von ihm durch eine solche Handlung geschaffene Lage eines Menschen zu einer solchen Nötigung ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

Warum also gibt es noch keinen internationalen Haftbefehl gegen Tayyip Erdogan? Gelten für einen Geiselnehmer wie ihn andere Maßstäbe als für einen gewöhnlichen Verbrecher?

Veröffentlicht unter Islam, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Was tut der Putschist von heute? Er hält ein Referendum ab!

Früher sind Putschisten mit Waffengewalt in Regierungsgebäude eingedrungen, haben die amtierende Regierung verhaftet und die Macht übernommen.

Heute halten sie ein Referendum ab.

So war es auf der Krim, so ist es in unseren Tagen in Katalonien. Man braucht zu einem solchen Vorhaben

  1. verantwortungslose Politiker, die ihre Landsleute (meist mit nationalistischen Parolen) aufhetzen und ihnen die Folgen, die unweigerlich auf jeden einzelnen zukommen, arglistig verschweigen, und
  2. Menschen, die sich nationalistisch berauschen lassen.

Beides ist leider in Katalonien vorhanden (wie es vorher auch auf der Krim vorhanden war). Gewissenlose Politiker, die ihr Volk aufhetzen, hat die Provinz genug, und daß die Menschen Bauernfängern folgen, ist nicht gerade eine neue geschichtliche Erfahrung.

Trotzdem: was die nationalistischen Parteien in Katalonien gerade veranstalten, ist ein Putsch. Anders kann man es nicht nennen, wenn sich Verfassungsorgane gegen die in freien und geheimen Wahlen zustandegekommene Zentralregierung verschwören und ein Urteil des obersten spanischen Gerichts einfach beiseiteschieben. Sie ersetzen so das geltende Recht durch das Faustrecht, das Legalitätsprinzip durch Willkür.

Die Krokodilstränen über den „brutalen Polizeieinsatz“, der angesichts der Gefahr für die staatliche Integrität des Landes ausgesprochen maßvoll war, hätten sie sich besser gespart. Er war angemessen, aber er hat Bilder geliefert, die von den katalanischen Separatisten im vorhinein eingeplant waren. Solche Planungen beherrschen alle Provokateure.

Daß viele unserer Medien auf solche Propaganda hereinfallen und nicht wahrhaben wollen, daß hier der spanische Rechtsstaat in Gefahr ist, spricht nicht für sie.

Der maßlose Haß der katalanischen Separatisten auf die spanische Regierung, wie er sich etwa auf Plakaten mit der Aufschrift „Rajoy terrorista“ zeigt, darf unter keinen Umständen unterstützt werden. Eine „innere Angelegenheit Spaniens“, wie es die feigen EU-Behörden nennen, ist der Konflikt schon gar nicht.

Veröffentlicht unter Fernsehen und Presse, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Kampf gegen den Tod?

Das schreibt die Welt heute in ihrer Online-Ausgabe:

Tom Petty hat den Kampf gegen den Tod verloren.

Aber: verlieren wir den nicht alle?

Veröffentlicht unter Fernsehen und Presse, Sprache und Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Katalonien ist überall – verantwortungslose Unruhestifter drängen an die Macht

Als sei ein böser Geist in sie gefahren – so verhalten sich immer mehr Politiker: statt ihre Völker zu versöhnen und nach pragmatischen Lösungen zu suchen, spalten sie ihr Land und hetzen die eine Hälfte der Bevölkerung gegen die andere auf. Ein beliebtes Instrument zu diesem Zweck sind neuerdings Referenden. Da kann man hinterher, wenn der Schaden angerichtet ist, seine Hände in Unschuld waschen: das Volk hat es ja so gewollt!

Auch in Katalonien ist gerade ein Referendum im Gang. Hier haben die Parteien, die für eine (verfassungsrechtlich gar nicht mögliche!) Loslösung von Spanien eintreten, bei den Wahlen 47,8 % der Stimmen erhalten, aber daß die Mehrheit nicht für sie gestimmt hat, interessiert sie nicht. Sie wollen ihre staatliche Unabhängigkeit um jeden Preis – und der wird hoch sein. Aber wichtig für Provokateure wie Carles Puigdemont sind die Bilder und Meldungen, die heute um die Welt gehen werden: wie spanische Polizisten die „friedlichen Katalanen“ an der Stimmabgabe hindern wollen. Daß in Wirklichkeit Staat und Polizei gar nicht anders können, weil sie verpflichtet sind, die Verfassung zu schützen, daß die Organisatoren ganz bewußt einen Verfassungsbruch begehen, das tritt angesichts des propagandistischen Feldzugs in den Hintergrund.  Das läuft, wie in allen ähnlichen Fällen, genauso ab, wie es die 68er damals so vorbildlich formuliert haben:

Legal? Illegal? Scheißegal!

Auch Boris Johnson gehört zu diesem modernen Typ eines verantwortungslosen Politikers. Ein paar platte, eingängige Sprüche, eine angeblich charismatische Persönlichkeit – und schon ist es passiert. Großbritannien wird noch lange darunter leiden, daß es einem so windigen Politiker gefolgt ist.

Die Zahl dieser demagogischen Politiker, die Haß und Zwietracht im eigenen Land säen, wächst und wächst: Trump ist ein besonders schlimmes Beispiel, und Erdogan macht (Referendum inklusive) nichts anderes.

Wie kommt es auf einmal zu einer solchen Häufung von Demagogen überall auf der Welt? Ich weiß es nicht. Irgendwie liegt das in der Luft, erklären kann man es nicht – allenfalls mit einem psychologisch-philosophischen „so ist der Mensch nun einmal“, das freilich auch nicht viel Erhellung bringt.

Die Literatur bietet, wenn schon keine erschöpfende Erklärung, so doch farbige Beispiele genug, und eines davon, auf das ich in diesem Zusammenhang immer gern hinweise, sind die Reden von Brutus und Mark Anton in Shakespeares Julius Caesar. Nach der Ermordung des Tyrannen erklärt Brutus – durch und durch ein Römer – dem Volk sachlich und nüchtern seine Beweggründe. Die Menschen scheinen es zu verstehen. Aber dann kommt Mark Anton. Er redet demagogisch und emotional, und jeder seiner Lobsprüche auf Brutus („and Brutus is an honorouble man“) ist vergiftet. Immer boshafter wird sein gehässiges Lob im Lauf der Rede.

Und jetzt frage ich meine Leser: wer wird am Ende die Römer für sich gewinnen? Man weiß es, auch wenn man das Stück nie gesehen hat.

Veröffentlicht unter Christentum, Philosophie, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Putins Gegner Nawalny ist wieder einmal festgenommen worden

Ob er wieder Holz gestohlen hat, der alte Holzdieb?

Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar