Die Amseln singen wieder!

Jahrelang haben wir hier im Rhein-Main-Gebiet kaum mehr den Gesang einer Amsel gehört. Schuld war das tödliche Usutu-Virus, das ganze Generationen von Amseln dahingerafft hat.

Aber dieses Jahr singen sie wieder laut und kräftig, in allen Flötentönen!

Es gibt also doch noch gute Nachrichten.

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Der Youtuber und das geniale Rennpferd

Ulrich, der Held in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ (1930), unternimmt mehrere Versuche, ein bedeutender Mensch zu werden. Manches gelingt ihm, aber dann – gibt er alle Pläne auf. Warum?

Es hatte damals schon die Zeit begonnen, wo man von Genies des Fußballrasens oder des Boxrings zu sprechen anhub, aber auf mindestens zehn geniale Entdecker, Tenöre oder Schriftsteller entfiel in den Zeitungsberichten noch nicht mehr als höchstens ein genialer Centrehalf oder großer Taktiker des Tennissports. Der neue Geist fühlte sich noch nicht ganz sicher. Aber gerade da las Ulrich irgendwo, wie eine vorverwehte Sommerreife, plötzlich das Wort »das geniale Rennpferd«.

Ulrich begriff mit einemmal, in welchem unentrinnbaren Zusammenhang seine ganze Laufbahn mit diesem Genie der Rennpferde stehe. Denn das Pferd ist seit je das heilige Tier der Kavallerie gewesen, und in seiner Kasernenjugend hatte Ulrich kaum von anderem sprechen hören als von Pferden und Weibern und war dem entflohn, um ein bedeutender Mensch zu werden, und als er sich nun nach wechselvollen Anstrengungen der Höhe seiner Bestrebungen vielleicht hätte nahefühlen können, begrüßte ihn von dort das Pferd, das ihm zuvorgekommen war.

Daran habe ich mich erinnert, als vor kurzem ein bramarbasierender, großmäuliger Jüngling daranging, die politische Landschaft in unserem Land zu verändern.

Wir leben in merkwürdigen Zeiten: da sind Rennpferde genial, und einem Aufschneider gelingt es, mit einem sprachlich und inhaltlich armseligen Filmchen größtes Aufsehen zu erregen.

Daß übrigens Rezo „einfach mal Bock“ auf sowas hatte und heftig recherchierte, mag glauben, wer will. Die F.A.Z. (hier nachzulesen) hat einiges herausgefunden. Nicht alle Fragen seien bei Rezos Auftritt bei Böhmermann beantwortet worden,

zumindest nicht von dem Werbeunternehmen Ströer, zu dem die Agentur Tube One gehört, die Youtuber wie Rezo vermarktet und diesen in einer Broschüre über ihr „Social Influencer Advertising“ als Top-Influencer mit im Schnitt 210 Millionen Views pro Monat auch nennt und ausführt, wie „relevante Influencer Konzepte, die Zuschauer konsumieren möchten“, entstehen. Da spielt Youtube als Plattform eine entscheidende Rolle, Reichweite wird garantiert. Das Mindestbuchungsvolumen für Influencer-Kampagnen beträgt 15.000 Euro.

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An jedem einzelnen Sommertag sterben 5 Milliarden Insekten durch Windkraftanlagen – Zynische NABU-Reaktion

Diese Zahl hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der vergangenen Woche veröffentlicht (hier nachzulesen).

Die Reaktion der großen Naturschutzverbände bestätigt wieder einmal alle meine Befürchtungen. Solche Zahlen, so heißt es, seien „nur begrenzt relevant“:

„Es wäre völlig an den Haaren herbeigezogen, eine nennenswerte Gefährdung von Insektenpopulationen durch Windräder abzuleiten“, sagte Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Allein in deutschen Wäldern würden jährlich 400.000 Tonnen Insekten von Vögeln gefressen.

Zudem werden auch die natürlichen Insektenfresser ihrerseits durch Windkraftanlagen getötet: Deren Rotoren werden Vögeln und Fledermäusen oft zum Verhängnis.

In den Chefetagen der Naturschutzverbände, das merkt jeder unvoreingenommene Beobachter, sitzen „Politiker“ und Lobbyisten der Windenergie. In den letzten Wochen, ja Monaten, haben etwa beim NABU Aufrufe zur Europawahl die gesamte Informationsarbeit beherrscht. Auch wenn politischer Druck auf Parteien und Parlamente manchmal nötig ist, so ist die einseitige Bevorzugung der Windenergie und die zynische Verharmlosung von deren „Kollateralschäden“ für die Tierwelt (und das von Naturschützern!) nicht zu rechtfertigen.

Aber man muß auch hier einen Unterschied machen zwischen der Führungsebene, die fast nur noch politisch argumentiert, und den vielen, vielen Mitgliedern und Anhängern der Verbände, die tagaus, tagein eine ganz wunderbare (und unverzichtbare!) Arbeit für die Tier- und Pflanzenwelt leisten.

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Hat Ronaldo schon einmal auf seinem Popo gesessen?

Ich habe das WM-Spiel unserer Frauen gegen China heute zum Teil beim Essenmachen in der Küche im Radio gehört – und nach wenigen Minuten abgeschaltet.

Der (männliche) Reporter von hr-info war kaum zu ertragen: Quasseln ohne Atemholen, Regelerklärungen wie für Kleinkinder, dazu küchenpsychologische Beurteilung der Spielerinnen („ist eigentlich nicht extrovertiert, feiert aber auch gern mit Freunden zusammen“), und als er dann noch von einer verletzten Spielerin sagte, sie säße schon wieder „auf dem Popo“, hat’s mir gereicht.

Jetzt möchte ich schon einmal wissen, ob je ein Sportreporter von Ronaldo oder einem anderen männlichen Spieler gesagt hat, er säße schon wieder auf seinem Popo.

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Bekenntnisnation ?

Jetzt sollen wir also eine „Bekenntnisnation“ werden. Das empfiehlt uns jedenfalls Tobias Hans (CDU), der Ministerpräsident des Saarlandes.

Seine Definition ist seltsam genug, denn so Hans, der Begriff erlaube

eine positive Identifikation für alle Menschen in unserem Land.

Also, mir genügt es völlig, in einem Land zu leben, das liberal und demokratisch ist. Und wenn man dann noch die Haßprediger, die eine Hälfte der Bevölkerung gegen die andere aufhetzen, einigermaßen im Zaum hält, dann ist das doch genug. Da braucht es keine verschwurbelten Wortneubildungen.

Bekenntnisse gehören im übrigen in den Bereich des Glaubens und nicht in die Politik.

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Was will Jeff Bezos in Saudi-Arabien?

Jeff Bezos, so kann man heute lesen, hat sich in Manhattan ein „Luxus-Domizil“ für 80 Millionen Dollar gekauft.

Dabei habe er doch schon, heißt es, Häuser in Beverly Hills, Washington und Medina.

Medina?

Das Rätsel löst sich schnell auf – es ist nicht Medina, Saudi Arabia, sondern Medina, Washington.

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Macht Reisen klug?

Mancher glaubt ja, daß Reisen das Wissen und die Erfahrung vermehrt und den Menschen klüger und besser macht. Dagegen spricht ein literarisches Fundstück aus dem 16. Jahrhundert, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten will:

Oft fliegt die Gans hin übers Meer,
kommt doch als Gans nur wieder her.

Autor ist der katholische Pfarrer Wolfgang Schmeltzl (geb. um 1505), der diesen Vers in seiner Schrift „Ein Lobspruch der Stadt Wien in Österreich“ 1548 veröffentlicht hat.

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Caesar und das Leben nach dem Tode

Ich lese gerade ein interessantes Büchlein über die römischen Götter (R.M. Ogilvie, The Romans and their Gods, London 1969). Dabei bin ich auf eine Stelle bei Sallust gestoßen, die ich noch nicht kannte.

Sie findet sich in seiner Schrift über die Verschwörung des Catilina (De Catilinae coniuratione, 51,20) und lautet im lateinischen Original so:

De poena possum equidem dicere id quod res habet, in luctu atque miseriis mortem aerumnarum requiem, non cruciatum esse; eam cuncta mortalium mala dissolvere; ultra neque curae neque gaudio locum esse.

In der deutschen Übersetzung (nach Sämtliche Schriften, Phaidon-Verlag 1990):

Zum Thema Strafe kann ich nur sagen, wie es in Wirklichkeit ist, daß nämlich bei Trauer und Elend der Tod ein Ausruhen von den Mühseligkeiten, keine Marter ist, er setzt allen Leiden der Menschen ein Ende. Danach existiert weder Sorge noch Freude.

Es geht darum, ob man Catilina und seine Mitverschwörer mit dem Tod bestrafen sollte, und Caesar, so zitiert ihn jedenfalls Sallust, scheint davon wenig zu halten. Der Tod sei ja das Ende der Schmerzen, und nach ihm gebe es weder Sorgen noch Freuden.

Neque curae neque gaudio locum esse!

Man wundert sich, wie wenig interessiert die Römer an den „letzten Dingen“ waren. Was kommt nach dem Tod? Die Frage stellen sie gar nicht. Als philosophisches und theologisches Problem haben erst die Christen das Leben nach dem Tode nach Rom gebracht.

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Machen wir’s der Greta nach!

Erst waren es nur Fridays for Future, jetzt will sie ein ganzes Jahr nicht zur Schule gehen, die Greta. Mal sehen, ob ihr die deutschen Schulkameraden auch darin nachfolgen.

Greta Thunberg meint es immerhin ernst, die Schüler hierzulande nicht annähernd, da bin ich sicher. Und die Politiker, die sich einschleimen und sie anbeten wie einst das Kindlein im Stall von Bethlehem, erst recht nicht.

Ist das nicht furchtbar, wie bei uns alles übertrieben wird? Man muß die Welt retten, darunter geht es nicht. Es ist ein hysterischer Idealismus, der immer eine peinliche Note hat.

In solchen Situationen habe ich früher den britischen common sense gelobt, aber damit ist es ja auch nicht mehr weit her.

PS: Greta Thunberg fliegt natürlich nicht mit dem Flugzeug zu den Konferenzen auf dem amerikanischen Kontinent – wg. CO2. Statt dessen will sie mit dem Schiff fahren. Das ist natürlich viel ökologischer! Man sieht: die ganze Welt ist ein Narrenhaus.

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Männliche Seilschaften? Lang, lang ist’s her!

Ein Gespenst geht um in Europa (und auch anderswo in der Welt): daß nämlich Männer gut vernetzt seien und mit ihren Seilschaften alle wichtigen Machtpositionen unter sich aufteilten. Das hört man immer noch aus feministischen Kreisen und in einem bestimmten politischen Milieu, obwohl diese Behauptung nur noch der Verschleierung der Wahrheit dient.

Still und anfangs kaum bemerkt, haben sich die Verhältnisse praktisch umgekehrt. Wenn man von ein paar Rückzugsorten männlicher Dominanz absieht, den Vorstandsetagen großer Unternehmen etwa, werden Frauen heute in vielen Bereichen des Lebens Männern vorgezogen: durch Quotenregelungen, die Frauen unabhängig von ihrer Qualifikation bevorzugen, durch administrative Vorschriften, durch offenen oder verdeckten Druck und durch politische Unterstützung aus dem grünen und linken Milieu.

Das Ergebnis sieht man überall. In vielen Bereichen sind (aus unterschiedlichen Gründen) Männer kaum noch vertreten: Pfarrerinnen, Kindergärtnerinnen, Tierärztinnen und Grundschullehrerinnen sind fast unter sich. In der Politik werden (wenn man man von der AfD absieht) die inzwischen gut vernetzten Frauen auf vielen Ebenen männlichen Kandidaten vorgezogen: wenn sie jung und attraktiv sind und einen Migrationshintegrumd haben – um so besser. An den Universitäten schanzen sich Frauen Professuren im Bereich der unwissenschaftlichen Gendertheorie zu.

So wie die Bevorzugung von Männern bei gleicher Qualifikation gegen den Art. 3 des Grundgesetzes („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“) verstößt, so verhält es sich auch bei der Bevorzugung von Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts, die von Grünen und Linken auf breiter Front ganz unverhohlen durchgesetzt wird. Das ist (wie auch die sog. „Ehe für alle“) mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, aber da der Zeitgeist leider auch unser Bundesverfassungsgericht erreicht hat, besteht wenig Hoffnung, daß der Wesensgehalt von Art. 3 GG noch zu retten ist.

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