Gottesgen, Gottesteilchen und der liebe Gott im Schläfenlappen

Das ist schon merkwürdig: je säkularer die Gesellschaft wird, umso mehr redet sie von Gott.

Ein gutes Beispiel sind die aggressiven Atheisten à la Dawkins. Sie merken gar nicht, wie absurd ihr Kampf ist, denn ihre ganze Existenz gründet sich auf Gott – nur eben auf den (wie sie glauben) nicht vorhandenen Gott. Ohne ihn wären sie geistig und argumentativ – nichts.

Daß Gott nur eine Funktion des Schläfenlappens ist, meinen die besonders radikalen Atheisten (ich habe an dieser Stelle darüber berichtet). Da weiß man nun wirklich nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll.

Das gilt auch für den amerikanischen Molekularbiologen Dean Hamer. Spiritualität sei ein grundlegender Bestandteil unseres genetischen Erbes, sagt er, „ein biologischer Mechanismus wie Vogelgesang“. In seinem Buch „The God Gene“ will er das „Gottesgen“ sogar lokalisiert haben. Die Welt hat den Inhalt damals so zusammengefaßt:

Bei seinen Studien will der Forscher das erste „Gottes-Gen“ lokalisiert haben: VMAT2, bekannt dafür, daß es die Produktion so genannter Monoamine mitsteuert. Das sind Hirnbotenstoffe wie Dopamin, Serotonin oder Noradrenalin, die für gute Laune sorgen, Depressionen bescheren, Bewegungskontrolle ermöglichen. Hamer fand heraus, daß das VMAT2-Gen bei den Menschen unterschiedlich gestrickt ist, und zwar abhängig vom Ausmaß ihrer „Selbsttranszendenz“: Personen, die für Mystik empfänglich sind, zur Selbstvergessenheit neigen und sich als Teil eines großen Ganzen begreifen, haben im mittleren Abschnitt des „Gottes-Gens“ ein anderes Muster der Aminosäuren als Menschen, die zu solchen Empfindungen keinen Zugang haben.

So ist das also!

Und jetzt – die Menschheit hat darauf gewartet! – das „Gottesteilchen“. Es heißt zwar korrekt Higgs-Teilchen und ist einfach nur ein Elementarteilchen, von dessen Existenz die Teilchenphysik schon bisher ausging, ohne seine Existenz beweisen zu können, aber ein „Higgs-Teilchen“ macht natürlich nicht viel her, das klingt nach trockener Wissenschaft. Also macht man, marketingmäßig geschickt, daraus flugs ein „Gottesteilchen“, und schon ist man in aller Munde. Der Focus meint, mit dem Nachweis dieses Teilchens „ließe sich endlich erklären, warum sich Galaxien und Sterne zusammenballen, warum es Planeten gibt, letztlich auch den Menschen.“

Also ein veritables Wunder-Teilchen. Da hätte der alte Faust, lebte er noch, tatsächlich erfahren, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ – es ist das Higgs-Teilchen!

Und gar ein Gottes-Teilchen, das kann ja wirklich nicht mehr getoppt werden. Jedenfalls marketingmäßig.

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„Stromkunden haften bald für Offshore-Netz“

So lautet die Überschrift eines kleinen Artikels im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. Juli (hier nachzulesen).

Wirtschafts- und Umweltministerium haben sich nach diesem Bericht darauf geeinigt, daß für den Fall, daß die Netzanschlüsse der Offshore-„Windparks“ nicht funktionsfähig seien, die Betreiber der Windparks Anspruch auf Entschädigung für den Verlust an Gewinn und Vermögen haben. Sie beträgt 90% der vom Gesetzgeber versprochenen Einspeisegebühr. In dem Artikel heißt es weiter:

Diese Kosten werden auf die Stromkunden abgewälzt. Fachleute rechnen hier mit potentiellen jährlichen Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Der Betrag soll nach dem Willen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eigens auf der Stromrechnung ausgewiesen werden.

Schon jetzt können Familien mit geringem Einkommen ihre Stromrechnung kaum noch bezahlen – bald wird es Normalverdienern genauso gehen. Das wird für alle, die kein Hartz IV bekommen und auch nicht zu den Wohlhabenden zählen, sehr, sehr bitter werden.

Dankesbriefe für diesen gigantischen Pfusch, den man „Energiewende“ nennt, sind zu richten an:

Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin.

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Der „Singzwang der Hymne“ und der Ströbelismus

Diese Überschrift war gestern im Lokalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen:

Grüne gegen Singzwang der Hymne.

Jetzt verstehe ich ja, daß man den sprachlichen Ausdruck in einer Überschrift stark komprimieren muß, aber aus dem Zwang, der auf die Fußballer ausgeübt werden soll, damit sie die Nationalhymne singen, kann nun in der deutschen Sprache wirklich nicht ein „Singzwang der Hymne“ werden. Der Genitiv bedeutet, daß die Hymne selbst zum Singen gezwungen werden soll, was natürlich – Käse ist.

Nur noch kurz zum Inhalt des Artikels. Die Grünen, leider bis in die Wolle links statt grün gefärbt, sind gegen nationale Symbole jeder Art – das ist halt ihre Ideologie. Man könnte es (nach ihrem radikalsten Vertreter) Ströbelismus nennen. Die Dummheit dieser Haltung liegt – ich habe vor ein paar Tagen schon darüber geschrieben – vor allem darin, daß gerade Schwarz-Rot-Gold für die demokratischen Traditionen in Deutschland steht. Aber lassen wir das – mit Ideologen kann man nicht diskutieren.

Was ich nur nicht verstehe: warum singen die nicht mit, die nicht mitsingen? Daß sie niemand dazu zwingen kann und will, ist selbstverständlich. Sie müssen sich dafür auch nicht rechtfertigen – das wäre ja noch schöner. Aber warum springt man, wenn man wie Özil sogar einen Bambi für Integration bekommen hat, nicht über diese kleine Hürde?

Ich verstehe es nicht.

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Das Ende von Timbuktu?

Was ist ein UNESCO-Titel wert? Nichts, wie man sieht. Er steht nur auf dem Papier. Wenn keine Truppen da sind, die dieses Weltkulturerbe notfalls auch militärisch schützen, dann schrumpft der Titel zu einem bloßen Marketinginstrument. Jeder, der barbarisch genug ist, kann dann hingehen und die „Schätze der Welt“ zerstören.

Die Scharia-Kämpfer im Norden Malis sind schon ans Werk gegangen. Unter den Augen der fassunglosen Bevölkerung zerstören sie die alten Mausoleen der Stadt, inzwischen haben sie begonnen, die Sidi-Yahya-Moschee zu einzureißen. Man mag sich nicht vorstellen, was aus den vielen uralten und unersetzlichen Manuskripten wird, die bis heute im Besitz der Familien von Timbuktu sind. Jetzt höre ich schon manche sagen: wenn die Muslime in Timbuktu muslimische Moscheen und Manuskripte zerstören – sollen sie doch! Aber da möchte ich doch an das Motto dieses Blogs erinnern:

Gegen die Barbarei!

Da darf man nun wirklich keinen Unterschied mehr machen: wer uralte Denkmäler, Gräber und Gotteshäuser zerstört, dem muß man die Axt aus der Hand schlagen, und zwar so schnell wie möglich. Und wenn sich ein französischer „Experte“ mit dem Ratschlag zu Wort meldet, man müsse erst einmal abwarten, auf keinen Fall dürfe man militärisch gegen diese maghrebinischen Taliban vorgehen, vielmehr müsse man das Gespräch mit ihnen suchen, dann kann ich mich nur wundern. Jeder weiß doch inzwischen (und ganz ohne CT oder andere bildgebende Verfahren!), was in den Köpfen dieser Barbaren vor sich geht. Sie verachten jede Kultur, die nicht mit ihrer Scharia vereinbar ist, und wie die afghanischen Taliban im Tal der Buddha-Statuen hinterlassen sie eine Spur der Zerstörung.

Wenn man sie läßt!

Hier muß, gegen den Rat dubioser Experten, sofort eingegriffen werden. In der Hauptstadt von Mali, Bamako, wächst der Zorn über die selbsternannten „Gotteskrieger“ im Norden, die einen so wichtigen Teil der Kultur ihres Landes für immer vernichten. Viele wollen auf eigene Faust gegen Timbuktu ziehen, um die Barbaren zu vertreiben. Aber sie hätten vermutlich kaum Chancen, gegen die mit libyschen Waffen hochgerüsteten Kämpfer zu bestehen.

Die Kolonialmacht Frankreich hätte die Möglichkeiten dazu, sie könnte zumindest die Waffen und die Logistik für die Befreiung des Nordens liefern. Ob aber der politisch korrekte Hollande so etwas erwägt, ist mehr als fraglich. Auch die UNO wird außer ein paar Resolutionen nichts zustandebringen. Und wo bleiben die muslimischen Länder? Was tun sie gegen die Zerstörung ihres eigenen kulturellen Erbes?

Offenbar nichts. Da müßte man schon einige Überlegungen  anschließen, was Kultur im Islam überhaupt für einen Stellenwert hat. Groß kann er, fürchte ich, nicht sein.

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Nur noch Sport und Wiederholungen im deutschen Fernsehen!

Die spinnen, die Intendanten! Diesen Stoßseufzer könnte man unaufhörlich ausstoßen, wenn  man das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender betrachtet. Nehmen wir den gestrigen Sonntagnachmittag: da schafft die ARD gerade noch den Presseclub und den Wochenspiegel, ab 13.15 Uhr gibt es nur noch Sport – bis 19.05 Uhr! Ich habe nun wirklich nichts gegen Sport, aber hier ist jedes Maß verlorengegangen. Wer einen von den beiden Tagen des Wochenendes fast komplett mit Sportberichterstattung füllt, sollte einmal seine geistige Gesundheit von einem guten Arzt überprüfen lassen (da könnte man sogar eine Dokusoap daraus machen: „Der große Intendanten-Psychocheck“).

Natürlich gibt es Sportereignisse, die man übertragen muß: Europa- und Weltmeisterschaften im Fußball, die Olympischen Spiele, auch die Leichtathletik und Wimbledon können spannend sein. Aber es muß doch alles ein vernünftiges Maß haben. Was hat zum Beispiel das „Deutsche Tourenwagen Masters“ zur besten Sendezeit am Sonntagnachmittag im Fernsehen zu suchen, wenn man alle guten Dokumentationen um Mitternacht sendet? Die Intendanten und Programmdirektoren machen ein billiges, populistisches Programm, und sie setzen eindeutige Prioritäten: für den Sport bricht man jedes Programmschema, die Kultur kann sehen, wo sie bleibt. Man sollte wirklich einmal einen dieser allmächtigen Herren (eine Dame ist ja auch dabei) vor Gericht zitieren, um – wenn nötig bis zur letzten Instanz – klären zu lassen, ob hier nicht die gesetzliche Verpflichtung der öffentlich-rechtlichen Sender zu einer ausgewogenen Berichterstattung überhaupt noch gewährleistet ist.

Im Winter wird stundenlang jeder Skilauf, jedes Springen, jeder Biathlonwettbewerb übertragen, im Fußball inzwischen sogar drittrangige Freundschafts- und Abschiedsspiele. Auf die Spiele folgen dann stundenlange „Analysen“ und „Interviews“, oft an der Grenze des Schwachsinns. Weil die Sportereignisse – vor allem wegen der finanziellen Interessen der Verbände (oder wäre Habgier der bessere Ausdruck?) – immer häufiger werden und der Sportbetrieb vielleicht gerade noch an den drei Weihnachtstagen ruht, gibt es auch im Fernsehen keine Ruhezeiten mehr. Wenn kein Wintersport stattfindet, überträgt man eben stundenlang Hallenfußball oder Tennis oder Beachvolleyball von der südlichen Halbkugel. Da wird Sport gesendet, bis der Arzt kommt.

Und dann der ganze billige Schrott, der vor allem die Dritten Programme überschwemmt. Sogenannte Rankingshows (à la „Die beliebtesten Hausschweinrassen der Nordrhein-Westfalen“) mit Filmschnipseln und völlig sinnfreien Kommentaren von C-Prominenten. Kochshows bis zum Abwinken, mit immer noch steigender Tendenz. Volksmusikanten, die auch noch die schönsten Alpenlandschaften heimsuchen und so tun, als sängen sie dort. Boulevardsendungen, von Modepüppchen à la RTL2 moderiert.

Und dann Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen, den ganzen Sommer lang! Dokumentarfilme kommen zum Teil noch aus den 90er Jahren und werden zwischen den Dritten Programmen hin- und hergereicht, bis man halbe Sendungen auswendig kennt.

Das ist wirklich ein Niedergang, der durch nichts entschuldigt werden kann – auch nicht durch die Konkurrenz der Privaten. Gerade weil die Privatsender immer öfter nur noch an die niedersten Instinkte der Zuschauer appellieren („bringste Zoten, kriegste Quoten!“), wäre es doch die selbstverständliche Pflicht der gebührenfinanzierten Sender, durch Qualität zu überzeugen. Sie tun es nicht – im Gegenteil. Auch wenn es immer noch guten, überzeugenden Journalismus bei ARD und ZDF gibt, er wird fast erdrückt durch die Billigkeit des übrigen Programms.

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Jean-Jacques Rousseau

Wer vor ein paar Tagen in arte den schönen Film über Rousseau gesehen hat, mag Lust bekommen haben, ein bißchen in Rousseaus Werken zu stöbern. Schauen wir einmal, was er in seinem Gesellschaftsvertrag über die Demokratie geschrieben hat, die er sich offenbar nur als direkte (nicht als repräsentative!) Demokratie vorstellen kann.

Wenn man das Wort in der ganzen Strenge seiner Bedeutung nimmt, so hat es noch nie eine wahre Demokratie gegeben und wird es auch nie geben. Es verstößt gegen die natürliche Ordnung, daß die größere Zahl regiere und die kleinere regiert werde. Es ist nicht denkbar, daß das Volk unaufhörlich versammelt bleibe, um sich den Regierungsgeschäften zu widmen, und es ist leicht ersichtlich, daß es hierzu keine Ausschlüsse einsetzen kann, ohne die Form der Verwaltung zu ändern.

Und er fügt hinzu:

Wie viele schwer zu vereinigende Dinge setzt diese Regierungsform überhaupt voraus! Erstens einen sehr kleinen Staat, in dem das Volk leicht zu versammeln ist und jeder Bürger genügende Gelegenheit hat, alle anderen kennenzulernen; zweitens eine große Einfachheit der Sitten, die keine Veranlassung zu vielen schwierigen Arbeiten und Verhandlungen gibt, sodann fast vollkommene Gleichheit in bezug auf Stand und Vermögen, ohne die auch die Gleichheit der Rechte und der Macht keinen langen Bestand haben könnte; endlich wenig oder gar keinen Luxus, denn der Luxus ist entweder die Folge des Reichtums oder macht ihn nötig; er verdirbt nicht nur den Reichen, sondern auch den Armen, jenen durch den Besitz, diesen durch die Lüsternheit.

Sehr aktuell ist bis heute dieser Satz:

Nichts ist gefährlicher, als der Einfluß der Privatinteressen in den öffentlichen Angelegenheiten.

„Schließlich will ich noch bemerken“, sagt Rousseau,

daß keine Regierung in so hohem Grade Bürgerkriegen und inneren Erschütterungen ausgesetzt ist als die demokratische oder Volksregierung, weil keine andere so heftig und so unaufhörlich nach Veränderung der Form strebt und keine mehr Wachsamkeit und Mut zur Aufrechterhaltung ihrer bestehenden Form verlangt. Namentlich in dieser Verfassung muß sich der Staatsbürger mit Kraft und Ausdauer waffnen und jeden Tag seines Lebens im Grunde seiner Seele nachsprechen, was ein edler Woiwode auf dem polnischen Reichstage sagte: Malo periculosam vitam quam quietum servitium. (Ich ziehe eine gefahrvolle Freiheit einer ruhigen Knechtschaft vor.)

Gäbe es ein Volk von Göttern, so würde es sich demokratisch regieren. Eine so vollkommene Regierung paßt für Menschen nicht.

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Meine Gottesbeweise

Die christliche Geschichte, vor allem die des Mittelalters, ist voller Gottesbeweise. Viele von ihnen kennt heute niemand mehr, aber einige (etwa der des Anselm von Canterbury) sind zumindest unter Gebildeten noch bekannt. Sie haben freilich alle etwas Sophistisches, es wird nur aus Begriffen deduziert, und am Ende ist auch Gott nur ein Begriff.

Mit einem Wort: es ist wenig Fleisch an den Knochen.

Überhaupt ist ja schon das Wort „Gottesbeweis“ selbst leicht unverfroren. Wenn es nämlich einen Gott gibt, der alles erschaffen oder doch zumindest – als primum movens – den Grund für alles gelegt hat, wie kann dann ein kleines Menschlein auf die Idee kommen, es könne allein durch seinen Verstand die Existenz (oder Nicht-Existenz) Gottes „beweisen“?

Es gibt schon Hinweise, Hindeutungen, aber die sind immer eher subjektiv und hängen mehr mit der Lebenserfahrung als mit logischen Konstruktionen zusammen.

Mein erster Gottesbeweis:

Es sind nur vier Zeilen. Geschrieben wurden sie im Dezember 1944 in einem Gestapo-Gefängnis – von Dietrich Bonhoeffer. Es war ein Weihnachtsgruß im Angesicht des Todes an seine Verlobte und an die Familie:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Das Gedicht ist viel länger, aber es sind diese vier Zeilen, die man nicht mehr aus dem Sinn bekommt. Wenn einem Menschen solche Zeilen – den Tod vor Augen – möglich sind, dann kann man eigentlich nicht mehr zweifeln.

Mein zweiter Gottesbeweis:

Die Musik! Nein, nicht nur die Kirchenmusik – aber die natürlich auch. Das ist nun ein Feld, auf dem die katholische Kirche klar und deutlich im Hintertreffen ist. Sie hat nichts, was sich mit den protestantischen Kirchenliedern messen kann. Leider ist es so, daß man im evangelischen Gottesdienst (außer an hohen Feiertagen) fast nur noch die faden und melodisch dünnen modernen Lieder singt – oder gleich amerikanische Gospels. Die Anbiederung an den Zeitgeist ist leider seit einem halben Jahrhundert ein durch und durch protestantisches Phänomen. Aber das ist nicht unser Thema.

Die Musik – schon für Schopenhauer war sie eine Möglichkeit, die sonst unübersteigbare Mauer zwischen der sinnlichen und der transzendenten Welt wenigstens für einen Moment zu übersteigen. Sie bringt keinen Vorteil im survival of the fittest, auch die hartnäckigsten Darwinisten beißen sich an ihr die Zähne aus. Und es ist ja nicht nur die Musik. Es ist auch Goethes Über allen Gipfeln ist Ruh, es sind die Chagall-Fenster von St. Stephan in Mainz, es sind die romanischen und gotischen Kathedralen – jedes vollkommene Kunstwerk ist ein Gottesbeweis!

Mein dritter Gottesbeweis:

Der ist am schwersten zu erklären, vielleicht gar nicht. Es ist einfach die persönliche Gewißheit, daß er da ist. Diese Gewißheit ist eine merkwürdige Mischung aus Gefühl und Verstand, und oft ist es so, daß man gar nicht glücklich über sie ist. Man wächst ja in einer durch und durch säkularen Welt auf, in der die Wissenschaft die eigentliche Gottheit ist. Erst wenn man älter wird, merkt man, wie unbefriedigend die Erklärungen der Wissenschaft sind. Dann kommt man zur Philosophie – und zur Religion. Aber nicht zu einer naiven Feld-, Wald- und Wiesenreligion, nicht zu einem schönen Himmel, den man sich erfindet, um die Angst vor dem Tod zu verlieren. Das wäre mir zu billig, gegen solche Illusionen bin ich einigermaßen gefeit.

Dann kann es vorkommen, daß man sich, fast wider Willen, zu diesem christlichen Glauben hingezogen fühlt, auch weil er – anders als die alten Gesetzes- und Buchreligionen – eine fast unglaubliche moralische Schönheit und Radikalität hat. Jesus mag Jude gewesen sein, aber die im Neuen Testament überlieferten Jesusworte kommen zu uns wie aus einer anderen Welt.

Letztlich gibt es aber keinen anderen Gottesbeweis als den Glauben selbst. Der Theologe Heinz Zahrnt hat das zu einem Satz verdichtet, über den man eigentlich nicht mehr hinausgehen kann:

Ich glaube Jesus seinen Gott.

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Müssen Muslime denn immerfort empört sein?

Natürlich nicht. Und sie sind es ja auch gar nicht.

Immerfort empört, und zwar schon bei dem geringsten und lächerlichsten Anlaß, sind die berufsmäßigen Muslime, vor allem die Verbandsvertreter, die der türkischen Religionsbehörde (DITIB usw.) nahestehen. Sie tun so, als seien sie von Feinden umzingelt, alle wollen ihnen nur Böses. Und ganz Deutschland ist natürlich islamophob (das ist eines ihrer Lieblingsworte). Eine Phobie ist freilich eine ernste psychische Störung, während das Mißtrauen gegen den Terror, der nun schon seit Jahrzehnten überall auf der Welt im Namen des Islam ausgeübt wird, eine wohlbegründete, also rationale Angst ist. Die bloß semantische Erledigung des Problems – „wer so etwas tut, ist kein Muslim“ – dient da allenfalls zur Selbstrechtfertigung. Es muß auch unter Muslimen endlich eine Diskussion darüber beginnen, ob der Terrorismus, der ja aus ihrer Mitte kommt, nicht doch – zumindest teilweise – vom archaischen Charakter ihrer Religion abzuleiten ist. Eine reife Einstellung zur Wirklichkeit, für die auch das Christentum lange, sehr lange gebraucht hat, ist nämlich immer auch daran zu erkennen, daß man bei kritischen Vorwürfen nicht blind zurückschießt, sondern – und das muß nicht öffentlich geschehen, es kann auch im stillen Kämmerlein stattfinden – in sich geht. In sich gehen, das heißt: in sich hineinschauen, selbstkritisch sein, statt immer und immer wieder reflexhaft „die Deutschen“, „die Christen“, „die Islamfeindlichkeit“ für alles verantwortlich zu machen.

Warum schreibe ich das?

Der niedersächsische Innenminister hat gerade eine Broschüre an Jugendämter und Lehrer verteilen lassen, in der er in einer Art Katalog Merkmale beschreibt, an denen man (vielleicht!) sich radikalisierende junge Muslime erkennen kann, die auf dem Weg in den Terror sind. Das ist nicht nur sein gutes Recht, das ist sogar seine Pflicht, wenn er Schaden von seinem Land abwenden will. Man kann natürlich darüber streiten, wie gewichtig einzelne Punkte dieses Katalogs sind, aber daß es für die Sicherheit unseres Landes von größter Wichtigkeit ist, potentielle Täter zu entdecken, bevor sie losschlagen, kann man doch nicht leugnen.

Und schon beginnt wieder das Geschrei – ein „Klima der Angst“ entstünde, sagt Avni Altiner vom Moscheeverband Schura, und (natürlich!) wird wieder einmal die „Islamfeindlichkeit“ geschürt. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden wir auch wieder das dumme Wort vom „Kreuzzug gegen den Islam“ hören.

Aber das Klima der Angst ist wirklich da, es muß gar nicht geschürt werden. Die Angst wäre im übrigen bei weitem nicht so groß, wenn es handfeste Anzeichen dafür gäbe, daß die Muslime selbst ihre Glaubensgenossen beobachten und bei einem Anfangsverdacht, daß einer von ihnen in den Terrorismus abgleitet, die deutschen Behörden verständigen würden. Das findet aber so gut wie nie statt.

In Deutschland wirklich angekommen ist man aber nur, wenn man sich wenigstens so weit mit dem Land, in dem man lebt, identifiziert, daß man mithilft, Gefahren von ihm abzuwenden.

Sonst lebt man gar nicht in Deutschland, sondern – im Islam. Dann darf man sich auch nicht wundern, daß unter der Mehrheitsbevölkerung ein latentes Mißtrauen bestehen bleibt.

Wenn der Katalog des niedersächsischen Innenministers so schlecht ist – ja, dann macht doch einen besseren! Und arbeitet endlich mit den deutschen Sicherheitskräften zusammen, um dieses Land vor den – real vorhandenen! – Gefahren zu schützen, die ihm von islamischen Terroristen drohen.

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Schade ist es schon – aber im Sport geht es doch immer um Gewinnen und Verlieren. Ich glaube, das Wichtigste, was man durch den Sport (und vielleicht nur durch den Sport!) lernen kann, ist gerade das – das Verlieren in Würde.

Die Welt geht nicht unter, auch wenn man noch so traurig ist.

Und daß unsere Mannschaft nicht vor dem autoritären Herrscher der Ukraine spielen muß (womöglich mit der Kanzlerin an seiner Seite), ist wenigstens ein kleiner Trost, auch wenn es den Spielern und den meisten Fans vermutlich gleich gewesen wäre.

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Die ersten Kühe – und eine Winkefamilie in Berwang

Endlich – heute morgen habe ich im Alpenpanorama (auf 3sat von 7.30 bis 9 Uhr) die ersten Kühe entdeckt! Das wurde aber auch Zeit.

Und in Berwang, genau da, wo im Winter der freundliche Winkemann steht, war doch tatsächlich kurz nach acht eine dreiköpfige winkende Familie zu sehen. Ein Novum! Berwang wird, das steht fest,  immer mehr zu einem Platz, wo sich die Winkenden aller Länder treffen. Aber: das Original bleibt natürlich das Original!

Was gibt es sonst noch Neues im Alpenpanorama? Grün ist jetzt gottlob die vorherrschende Farbe, nur auf Höhen weit über 2000 Metern (und natürlich im Gletscherbereich) ist es noch weiß. Die Liechtensteinklamm ist jetzt wieder jeden Morgen in schönen Live-Aufnahmen zu sehen. Und in Wien ist schon die Riesenleinwand am Rathaus montiert, wo die Wiener bei Einbruch der Dunkelheit zusammenströmen, um sich (open air und kostenlos!) Musikfilme anzusehen.

Nicht ganz zufrieden bin ich mit dem Abschluß der Halbstundensegmente des Alpenpanoramas. Früher war am Ende – sozusagen als Kontrast zu den Bergen – immer ein Stück Mittelmeer zu sehen: Almunecar oder Cambrils in Spanien, dann verschiedene Orte an der kroatischen Küste. Jetzt bildet Genf den Abschluß, aber das ist keine gute Wahl. Durch die umliegenden Berge bleibt die Stadt selbst bei unbedecktem Himmel in ein verwaschenes Grau gehüllt (die graue Stadt am grauen See!) und bildet so einen eher unangenehmen Kontrast zu den Bergen davor.

Aber ich bin sicher, daß man das bei 3sat bald einsehen wird.

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