Zur Causa Erdogan: das Zitat des Tages

In Deutschland tut sich Erstaunliches: manche der Islamverbände rücken tatsächlich von Ministerpräsident Erdogan ab. Das mag für uns Deutsche, gerade angesichts dessen bizarrer Rede vor den Opfern von Soma fast eine Selbstverständlichkeit sein, aber für türkische Verbände kommt das einem starken Erdbeben gleich. Auf gut deutsch heißt das: dieses Verhalten Erdogans war so weit außerhalb jeder Gesittung, jedes Anstands, daß sich selbst brave Islamverbände, die sonst alles verteidigen, was der büyük lider, der große Führer, sagt, diesmal von ihm distanzieren müssen. Und mehr noch: einige von ihnen warnen Erdogan sogar, bei seinem Besuch in Köln am kommenden Samstag die Menschen in Deutschland gegeneinander aufzuhetzen. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland etwa, Gökay Sofuoglu, sagte:

Ich habe die Hoffnung, daß er nicht weiter polarisiert und uns keinen Scherbenhaufen hinterläßt.

Erdogan, so viel kann man mit Gewißheit sagen, wird diese Warnungen in den Wind schlagen. Die (eigentlich sehr moderaten) Ermahnungen unseres Bundespräsidenten haben ihn schon fuchsteufelswild gemacht, und Überschriften wie in der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung („Erdogan nicht willkommen“) lassen ihn sicher noch galliger werden.

Jetzt wollen wir aber endlich zum Zitat des Tages kommen: denn nicht alle Verbände wenden sich gegen Erdogan – er hat auch Anhänger, die ihm treu ergeben sind, come what may. Dazu gehört die „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“, die Erdogans AKP nahesteht. Deren Vorsitzender, Süleyman Celik, sagte, als er auf Erdogans Verhalten nach dem Unglück von Soma gefragt wurde:

Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe das nicht verfolgt.

Also: wer das nicht zum Zitat des Tages macht, ist selber schuld.

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Warum Martin Schulz für mich nicht wählbar ist

In der Brüsseler Politikerriege, die eher vom Typ Oettinger geprägt ist als von klugen Politikern, gehört Martin Schulz zu den sympathischeren, jedenfalls zu den klügeren Menschen. Aber wählbar ist er für mich jetzt nicht mehr.

Ich gehöre zu der großen Zahl von Unentschlossenen. Ich weiß auch jetzt, eine gute Woche vor den Europawahlen, noch immer nicht, wen ich wählen soll. Ich wünsche mir nämlich ein Europa der Tradition, des Geistes, der Kultur. Ich will nicht das primitive Europa des Geldes, wie es unsere Kanzlerin immer beschwört: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ Da wird alles weggeschnitten, was wirklich gut ist an diesem Europa: seine Vielfalt, seine ganz verschiedenen kulturellen und geschichtlichen Traditionen, die nach so vielen Kriegen endlich zu einem friedlichen Wettstreit gefunden haben. Das letzte, was Europa braucht, ist staatliche Einheit über die Köpfe der Menschen hinweg. Im Gegenteil! Jedes Land soll seine Souveränität, seine Freiheit uneingeschränkt behalten.

Ist das ein Hindernis zu einem friedlichen Europa? Überhaupt nicht! Die Menschen sind glücklicher, zufriedener, wenn alle Instanzen, die über ihr Schicksal entscheiden, in ihrer Nähe liegen. So soll es bleiben – oder, wo man diese Nähe, zum Beispiel durch die europäischen Gerichtshöfe, geschmälert hat, wieder werden. Wir brauchen hier keine Zentrale, die alles lenkt und leitet. Man kann friedlich und gut nachbarschaftlich miteinander leben ohne zentrale Instanzen: das hat Europa nach dem Krieg bewiesen.

Aber welche Partei teilt eine solche Auffassung? Am ehesten noch die Alternative für Deutschland (AfD). Sie setzt sich – zurecht! – für eine „Rückgabe von Kompetenzen an die einzelnen Länder“ ein, „für mehr direkte Demokratie und eine stärkere Beteiligung der Bürger an wichtigen Entscheidungen“ und „für ein Vetorecht der nationalen Parlamente gegen Entwürfe von Gesetzgebungsakten der EU-Organe“. Das wäre ein guter Anfang.

Auch andere Programmpunkte sprechen mir aus dem Herzen: die strikte Ablehnung des EU-Beitritts der Türkei etwa, oder die Ablehnung des ökologisch und für den Schutz der Verbraucher geradezu verheerenden Freihandelsabkommens mit den USA. Auch die Forderung, daß nur in Deutschland lebende Kinder Kindergeld erhalten dürfen, ist richtig und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Daß es immer noch kein Einwanderungsrecht nach kanadischem oder australischem Vorbild gibt, wo die Immigration nach den Bedürfnissen des Einwanderungslandes kanalisiert wird, ist skandalös, wird aber nur von der AfD thematisiert. Auch die Rückkehr „zu den bewährten Diplom-, Staatsexamens- und Magisterstudiengängen“ ist überfällig. Eine besondere Freude bereitet mir, daß im AfD-Programm dem lächerlichen gender mainstreaming eine eindeutige Abfuhr erteilt wird.

Daß im übrigen Aktivisten und Autonome, also die linken Betonköpfe, nicht mit Argumenten, sondern mit brutaler Gewalt gegen jeden Wahlkampfauftritt der AfD vorgehen, zeigt, was Andersdenkende in einem von ihnen beherrschten Land zu erwarten hätten.

Aber: wie heißt es so schön? Lasset die Heiden toben!

Und Martin Schulz? Er hat sich jetzt, kurz vor den Wahlen, in einer Fernsehdebatte gegen Kreuze im öffentlichen Raum ausgesprochen. Und er hat, ein wenig nebulös, hinzugefügt, es gebe in Europa „das Risiko einer sehr konservativen Bewegung zurück“. Dagegen müsse man im Sinne der Anti-Diskriminierung kämpfen.

Welcher Teufel ihn da geritten hat, weiß ich nicht. Sitzt er jetzt etwa auch im Beirat der unsäglichen Giordano-Bruno-Stiftung? Will er aus Deutschland ein zweites Frankreich mit seinem starren und geschichtsvergessenen Laizismus machen? Taktisch klug ist ein solches Statement kurz vor den Wahlen nicht, also war es ihm wohl ein Herzensanliegen. Wenn das aber so ist, dann mögen ihn andere wählen.

Ich nicht.

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Erdogan – ein Politiker außer Rand und Band

So etwas hat die Welt lange nicht mehr erlebt: einen Ministerpräsidenten, der die Opfer eines Grubenunglücks erst verhöhnt („so etwas kommt halt vor“) und dann mit Tränengas und Wasserwerfern auseinandertreibt. Kein Wunder, daß ihm die F.A.Z. in ihrem heutigen Kommentar „Cäsarenwahn“ zuschreibt.

Hat Erdogan den Verstand verloren? Fast scheint es so.

Offenbar gibt es in seiner engeren Umgebung niemanden mehr, der ihn aus seinen Allmachtsphantasien herausreißen kann. Wenn dann einer seiner engsten Berater auch noch auf einen am Boden liegenden Demonstranten eintritt, kann man sich vorstellen, daß hier die ganze Regierung langsam, aber sicher den Bezug zur Realität verliert.

Es ist bezeichnend, daß selbst manche der türkischen Islamverbände in Deutschland voller Angst auf den bevorstehenden Besuch Erdogans in unserem Land blicken. Wir sollten dem türkischen Ministerpräsidenten jedenfalls nicht erlauben, auch hier die Menschen gegeneinander aufzuhetzen und den Herrn der Welt zu geben.

Er ist es nicht.

Er ist nur einer von vielen Politikern (man denke an Mugabe u.a.), die mit ihrem Altersstarrsinn allen Kredit verspielen, den sie (meist nur in den Augen ihrer Anhänger) vorher angehäuft haben.

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Erdogan ohrfeigt die Ausgeburt Israels

Sensibilität ist nicht seine Stärke. Das ist noch die höflichste Aussage, die man über den türkischen Ministerpräsidenten machen kann.

Den Angehörigen der verschütteten Bergleute in Soma hatte er gerade ins Gesicht gesagt, so ein Unglück sei doch in einem Bergwerk völlig normal. Die Angehörigen waren, zu Erdogans Erstaunen, über solchen Trost wenig erbaut. Sie traten mit Fäusten und Füßen auf die Limousine des Ministerpräsidenten ein, der sich vor ihnen in einen Supermarkt retten mußte – eine Schmach für einen so selbstbewußten türkischen Mann. Und dann rief ein Mädchen, das gerade vom Tod seines Vaters erfahren hatte, vor dem Supermarkt: „Was hat der Mörder meines Vaters hier zu suchen?“ Schon setzte es (so berichten es jedenfalls übereinstimmend alle Medien) vom Landesvater eine kräftige Ohrfeige. Einen Bergmann hat Erdogan ebenfalls tätlich angegriffen und als „Ausgeburt Israels“ beschimpft.

Erdogans enger Berater Yusuf Yerkel hat bei der gleichen Gelegenheit voller Wut auf einem schon am Boden liegenden Demonstranten eingetreten.

Da diese Bilder übers Internet verbreitet worden sind, wird Erdogans Blockade des Internets wohl noch drastischer werden.

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Knüpft sie auf – sie ist eine Christin!

Die 27jährige Mariam Jahia Ibrahim Ishak ist von ihrer Mutter, die selbst Christin ist, christlich erzogen worden. Der Vater ist Muslim.

Das Pech der jungen Frau: sie lebt im Sudan. Ein Gericht in Khartoum hat sie jetzt wegen „Gotteslästerung“ zum Tod durch Erhängen verurteilt, wenn sie dem christlichen Glauben nicht abschwört. Sie ist im achten Monat schwanger und befindet sich mit ihrem 20 Monate alten Sohn (!) im Gefängnis.

Hier haben wir einen weiteren Beweis für die Friedfertigkeit und Toleranz des Islam.

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Erdogan tröstet die Hinterbliebenen des Grubenunglücks – auf eine sehr spezielle Art

Die Türken wollten ihren Ohren nicht trauen, als sich der türkische Ministerpräsident nach dem verheerenden Grubenunglück in Soma zu Wort meldete.

So etwas könne doch „überall auf der Welt“ passieren, sagte er. So etwas gehöre zum Bergbau. Und weiter (hier nachzulesen):

Um die Normalität solcher Unglücke zu unterstreichen zählte Erdoğan Grubenunglücke in Frankreich, China und Indien auf. Bei England ging er ins Detail: „Wenn wir in die Geschichte gehen, sind in England 204 Menschen im Jahr 1862 gestorben. 361 Menschen im Jahr 1866. Wieder in England 290 Menschen im Jahr 1894.“  Zuletzt nannte er ein Unglück bei dem 1963 in Japan 458 Menschen gestorben waren. „In solchen Minen passieren immer wieder solche Unfälle.“

Da hat er wohl seine Mitarbeiter erst einmal googeln lassen.

Liebe Freunde in der Türkei: diesen Ministerpräsidenten habt ihr vor kurzem mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Also: bitte nicht beschweren! Er wird in seiner Amtszeit, da bin ich sicher, noch ganz andere Sachen sagen – und tun. Wer sollte ihn daran hindern? Die Presse und die (früher) unabhängige Justiz, die ihm in den Arm fallen könnten, hat er längst eingeschüchtert oder ausgeschaltet. Jetzt ist er nur noch von Hofschranzen umgeben, und niemand sagt ihm mehr, daß sein „Trost“ noch verheerender ist als das Unglück selbst.

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„Mein Ende gehört mir“ – Die „Humanisten“ und die Sterbehilfe

In einem Gastbeitrag in der F.A.Z. (hier nachzulesen) hat Ingrid Matthäus-Maier, und zwar ausdrücklich im Namen der „humanistischen Organisationen“, für die sie spricht, gegen ein Verbot der Sterbehilfe argumentiert.

Nun ist dieses Thema kontrovers – und wird es bleiben, so lange es Menschen gibt. Nicht jeder hat das Glück, am Ende mit einem „gnädigen Tod“ aus dem Leben zu gehen. Was tun, wenn die Schmerzen unerträglich werden? Da muß man zuallererst, finde ich, die Palliativmedizin, die in Deutschland viele Jahre lang sehr restriktiv gehandhabt wurde, stärker als bisher in die Behandlung einbinden. Aber natürlich kann auch sie nicht alles gut und sanft machen. Bleibt dann nur noch der Freitod?

Was mich am meisten an dem Beitrag von Matthäus-Maier stört, ist sein Titel: „Mein Ende gehört mir“. Er erinnert (natürlich beabsichtigt!) an die Kampagnen gegen die Abtreibung, die in den 70er Jahren, von Alice Schwarzer und ihrer Emma angefeuert, unter dem dummen Slogan „Mein Bauch gehört mir!“ liefen.

Der Bauch vielleicht – aber auch das Kind, das in ihm heranwächst? „Gehört“ das auch mir? Darf ich es „wegmachen“ (so nannte man das damals), wenn es mir im Weg steht? Ich will die existentiellen (und auch die strafrechtlichen) Fragen, die damals viele Frauen erschüttert haben, nicht verniedlichen. Aber Geburt und Tod: das sind nun einmal ganz elementare, tief in die menschliche Existenz hinabreichende Vorgänge, und mir wird es, je älter ich werde, immer unerträglicher, wenn man mit ihnen leichtfertig und in einem plakativen, sloganhaften Ton umgeht.

„Mein Bauch gehört mir“ – dieses Wort treibt die Säkularität und den Individualismus in unserer Gesellschaft auf die Spitze. Über Leben und Tod kann die werdende Mutter ganz allein entscheiden. „Mein Bauch gehört mir!“ Da hat ihr niemand dreinzureden – nicht der liebe Gott, nicht die Ethik – und schon gar nicht der Staatsanwalt. Dieses dumme Wort macht die großen, elementaren Dinge rund um Zeugung, Schwangerschaft und den Beginn des Lebens klein und billig. In vielen osteuropäischen Ländern wurde die Abtreibung zur normalen Verhütungsmethode: der kleine Eingriff danach. Viele Frauen haben erst Jahre nach der Abtreibung gemerkt, daß die Welt so einfach nicht ist, wie es damals in der Emma gestanden hat. Sie haben oft lange unter ihrer Entscheidung gelitten.

Jetzt also: „Mein Ende gehört mir“. Wieder so ein dummes Wort, und wieder ist es geprägt von der Arroganz des Individuums, das selbstherrlich, ja allmächtig das Schicksal selbst in die Hand nehmen will. So wie die Mutter autonom über Leben und Tod des in ihr heranwachsenden Kindes entscheiden darf, so soll der Suizident (so nennt ihn die Juristin Matthäus-Maier tatsächlich) am Ende auch bestimmen können, daß ein Arzt ihm beim Selbstmord behilflich ist. In einer idealen Welt mit lauter freien, mündigen und guten Menschen mag man über ein solches Vorgehen diskutieren – aber so ist die Welt nicht, und so sind auch die Menschen nicht. Da mögen Erben sein, denen das Sterben nicht schnell genug geht, oder Angehörige, denen alles zuviel wird. Wer soll da wirklich entscheiden, ob ein solcher Wunsch aus freien Stücken kommt? Der Arzt? Er soll heilen oder die Schmerzen stillen: das kann und darf er. Töten darf er nicht.

Was Frau Matthäus-Maier schreibt, ist sicher nicht leichtfertig dahergesagt. Sie bezieht sich auch auf das Schicksal ihres Vaters, der vor seinem Tod lange gelitten hat. Und doch merkt man, daß hinter allem auch ein bestimmtes Weltbild steht: eine Vergötterung des freien, niemandem mehr verantwortlichen Individuums in einer gottlosen Welt ohne jede religio, also ohne Bindung an eine Instanz außerhalb seiner selbst.

Matthäus-Maier spricht von „Menschenrechtsorganisationen“, denen sie ihre Stimme leiht. Das ist ein großes Wort. Wenn man diese Gruppen aber näher betrachtet, so wie sie in dem Beitrag aufgeführt werden:

die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS),
die Humanistische Union,
der Humanistische Verband Deutschlands
und die Giordano-Bruno-Stiftung,

dann sieht man, daß es sich hier in erster Linie um atheistische Kampforganisationen handelt, deren Hauptzweck nicht der Humanismus ist (was soll das überhaupt sein?), sondern der Kampf gegen die Religion. Die Humanistische Union nennt sich selbst „antiklerikal und antikonfessionell“. Der Humanistische Verband Deutschlands will eine „organisierte nichtreligiöse Alternative zu den christlichen Kirchen oder anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften“ sein. Die Giordano-Bruno-Stiftung schließlich, deren Beirat Frau Matthäus-Maier angehört, ist eine besonders seichte atheistische Vereinigung, die leider an die großen Diskussionen zwischen Christentum und Atheismus in keiner Weise anschließen kann. Giordano Bruno, dessen Namen die Stiftung vereinnahmt, kann sich dagegen nicht mehr wehren.

Für geradezu unverschämt halte ich übrigens die Bezeichnung „humanistisch“, mit denen solche Gruppen suggerieren, daß Menschlichkeit immer nur gegen die Religion durchgesetzt werden kann. So ein schlichtes Weltbild kennt man sonst nur noch aus der guten alten DDR, die viel über ihren „Humanismus“ schwadroniert hat.

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Putin erkennt die Wahl von Conchita Wurst als „rechtmäßig“ an

Das hat Putin seinen Sprecher überraschend mitteilen lassen. Man respektiere den Wunsch der Menschen, sagte er.  Putin selbst wolle sich aber erst „nach einer Analyse des Ergebnisses“ dazu äußern.

Moment – ich sehe gerade: da habe ich etwas durcheinandergebracht. Es ist das Ergebnis des „Referendums“ in der Ost-Ukraine, das Putin anerkannt hat. Eine Wahlfarce also, bei der es keine Wählerlisten, dafür aber bewaffnete Banden mit Sturmgewehren, gläserne Urnen und ein vorbestelltes Ergebnis gibt – das ist eine Wahl ganz nach dem Geschmack des „lupenreinen Demokraten“ Putin.

Die Wahl der Wurst wird dagegen von Putins Rußland ein bißchen anders aufgenommen. Seht her, sagt etwa der Vizeregierungschef Dimitri Rogosin – Sie erinnern sich, das ist der hochkarätige „Politiker“, der vor ein paar Tagen mit einem Kampfbomber wiederkommen wollte, weil ihm Rumänien keine Überflugrechte gewährt hat, seht her, sagt also Rogosin, sicher unter dem Jubel aller Popen bis hinauf zum Patriarchen: so etwas wie die Wurst, ein „Mädchen mit Bart“, das wird eure Zukunft sein, wenn ihr unbedingt zum Westen gehören wollt! Und der großmäuligste Vertreter von Neurußland, Wladimir Schirinowski, sieht schon „das Ende Europas“ gekommen. Wenn Österreich immer noch von Rußland besetzt wäre, hätte es so etwas wie die Wurst nicht gegeben, sagte er.

Und unterm Adolf auch nicht, gell, Wladimir?

Na, ein paar Jährchen wart ihr ja auch ziemlich beste Freunde, Nazideutschland und Stalinrußland. War das am Ende doch eine „Wertegemeinschaft“?

Übrigens: wenn ich wählen müßte zwischen Conchita Wurst und einem Putin, der – kein Mädchen, kein Bart! – mit nacktem Oberkörper über die russische Steppe reitet, ich würde mich nicht für Putin entscheiden.

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Die Zahl der Windkraftanlagen in Europa (Stand 2015)

Bitte beachten:
Der Artikel, so wie Sie ihn hier sehen, ist veraltet. Die aktualisierte Version finden Sie hier.

Vor anderthalb Jahren habe ich schon einmal versucht, einen Überblick über die Zahl der Windkraftanlagen in den einzelnen europäischen Ländern zu geben. Das war schon damals nicht leicht, und man muß auch heute lange recherchieren, bis man an aktuelle Zahlen kommt. Die Leistung (in GW oder MW) findet man schon eher, aber die Zahl der Windräder muß man mühsam zusammensuchen. Inzwischen ist meine Liste aber, wie ich glaube, einigermaßen aktuell. Sie ist zugleich eine kleine Handreichung für alle, die ein Urlaubsland suchen, in dem sie nicht an jeder Ecke diesen häßlichen Industrieanlagen begegnen.

Die EU erzeugt insgesamt 128,8 GW – davon 120 GW onshore und ca. 8 GW offshore. Europa ist mit noch vor Asien der Kontinent mit der größten Windenergieproduktion. Zum Vergleich: China erzeugt mit seiner Windkraft eine Leistung von 114 GW, die USA 65 GW, Indien 22 GW, Brasilien 6 GW. In Afrika drehen sich fast gar keine Windräder.

Innerhalb Europas steht jetzt Deutschland an der Spitze der Länder, gefolgt von Spanien, Großbritannien und Italien.

Die Zahl von neuerrichteten Windkraftanlagen ist übrigens 2013 in vielen europäischen Ländern zurückgegangen.

Eine Deutschlandkarte, auf der die Windkraftanlagen eingezeichnet sind, finden Sie hier.

Die Gesamtleistung der Kontinente im einzelnen:

Europa        138,4 GW
Afrika              4,1 GW
Amerika       93,6 GW
Asien             79,8 GW
Ozeanien        5,2 GW

weltweit      321,1 GW

Albanien:
Leistung im Jahr 2013: 42 MW (325 Windräder).

Belgien:
Zahl der Windräder: 684 über das ganze Land verteilt, 183 offshore (Stand Januar 2014). Gesamtleistung: 2.228 MW (2015).

Bosnien und Herzegowina:
Offenbar noch kein einziges Windrad.

Bulgarien:
Leistung 2015: 691,2 MW. Es gibt 44 Windparks mit ca. 320 Windrädern (Stand Ende 2013). Das Land setzt vor allem auf die Wasserkraft.  

Dänemark:
Das Land ist einer der führenden Hersteller von Windkraftanlagen (49.000 Anlagen in aller Welt). Bei der installierten Leistung pro Kopf der Bevölkerung führt Dänemark mit großem Abstand vor allen anderen europäischen Ländern. Der Anteil der Windenergie an der Gesamtenergierzeugung liegt bei 25%. Insgesamt werden im Land über 1.500 (meist kleine) Windparks mit zusammen über 5.500 Windrädern betrieben. Leistung: 5.063 MW (2015).

Deutschland:
26.772 Windräder mit 45 MW Leistung (Ende 2015). Der Anteil der Windenergie an der Gesamtenergieerzeugung soll bei ca. 9% liegen.

Estland:
Gerade einmal 134 Windräder (Stand: Ende 2013), Leistung 2015: 303 MW. Die “erneuerbaren Energien” (vor allem Windkraft und Biomasse) decken 15% des Energiebedarfs. Das Land, so schreibt die Windkraftlobby, verfügt wegen der starken Winde vom Meer her über ein “enormes Potential”. Armes Estland.

Färöer:
Nicht einmal diese Inseln bleiben verschont. 10 Windräder. Die Gesamtleistung ist inzwischen auf 18,3 MW (Ende 2014) gestiegen.

Finnland:
Das Land deckt ca. 25% seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien. Daneben setzt es auch auf die Kernkraft. 241 Windräder (Ende 2013), Leistung 1.000 MW (2015).

Frankreich:
784 Windparks (Ende 2013) mit insgesamt 5.261 Windrädern. Leistung 2015: 10.358 MW.

Griechenland:
Im März 2014: 139 Windparks mit insgesamt 1.028 Windkraftanlagen. Die Leistung der installierten Anlagen beträgt 2.151 MW (2015). Die meisten Windräder befinden sich auf dem Festland.

Großbritannien:
599 Windparks mit insgesamt 5.449 Windrädern (Anfang 2014), Leistung Ende 2015: 13.602 MW Leistung. Onshore 4.374 Anlagen mit 7.181 MW und offshore 1.075 Anlagen mit 3.653 MW (jeweils Anfang 2014).

Irland:
Hier befinden sich die meisten Windräder an der Westküste. Belegt ist eine Zahl von 1.326 Windrädern (Ende 2013) und eine Leistung von insgesamt ca. 2.486 MW (2015).

Island:
2 Windkraftanlagen. Leistung Ende 2014: 3 MW.

Italien:
Insgesamt 355 Windparks mit zusammen 6.702 Windrädern (Ende 2013) und einer Leistung von 8.957 MW (Ende 2014). Die meisten Windkraftanlagen stehen in Sizilien (1.937), Apulien (1.110) und Kampanien (857).

Kosovo:
Offenbar noch keine Windkraftanlagen. „Geplant sind Installationen zum Bezug von 150 MW Windenergie“, sagte Vizeminister Hasani.

Kroatien:
Im Dezember 2013 gab es hier 11 Windparks mit zusammen 135 Windrädern. Die Leistung 2015: 422 MW.

Lettland:
50 Windkraftanlagen mit insgesamt 61,8 MW Leistung.

Liechtenstein:
Offenbar noch keine Windräder. Liechtenstein setzt (zurecht!) vor allem auf das Energiesparen.

Litauen:
Nach dem Stand von 2013 gibt es hier 54 Windparks mit insgesamt 103 Windrädern. Die Leistung beträgt 2015 424 MW.

Luxemburg:
Selbst das kleine Luxemburg hat inzwischen 14 Windparks mit 48 Windrädern. Die Leistung beträgt 58 MW (Stand: Ende 2014).

Malta:
Offenbar kein einziges Windrad.

Mazedonien:
Die Leistung Ende 2014: nur 3 MW.

Monaco:
Keine Angaben über Windkraftanlagen.

Niederlande:
Hier sollen die meisten Windräder Teil von Offshore-Anlagen sein. Insgesamt werden in den Niederlanden 2.304 Windkraftanlagen (in 439 Windparks) betrieben. Leistung 2015: 3.431 MW.

Norwegen:
389 Windkraftanlagen in 31 Windparks. Gesamtleistung 2015: 837 MW. Norwegen setzt vor allem auf die Wasserkraft.

Österreich:
1.119 Windräder (Ende 2015), 2.409 MW. Die meisten Anlagen stehen in Niederösterreich (602) und im Burgenland (412). St. Pölten brüstet sich, mit seinen 15 Windrädern die “Windhauptstadt Österreichs” zu sein. Na bravo.

Polen:
1.468 Windkraftanlagen (2014) in 173 Windparks. Leistung 2015: 5.100 MW.

Portugal:
2.473 Windräder. Gesamtleistung 2015: 5.079 MW. Im Jahr 2010 wurden 45% des Stroms aus erneuerbaren Energien (vor allem Wind und Wasser) gewonnen.

Rumänien:
Die 871 Windräder stehen vor allem im Osten des Landes (Dobrudscha, Moldawien). Leistung 2015: 2.975 MW. Der inzwischen ans Netz gegangene „größte Windpark Europas“ (240 Windräder mit zusammen 600 MW Leistung) ist da offenbar noch nicht mitgerechnet. Er steht im Landkreis Constanta am Schwarzen Meer.

Rußland:
Insgesamt nur 34 Windräder mit insgesamt 15,4 MW (Stand 2015). Da kann man nur hoffen, daß Putin, der eben sein Herz für militärische Eroberungen entdeckt hat, nicht irgendwann auch noch die Windenergie erobert.

Schweden:
6.024 MW Leistung durch Windenergie (2015). Zahl der Windräder: 2.318 (in 817 Windparks).

Schweiz:
Das Land hat inzwischen 55 Windkraftanlagen. In der Nähe von Andermatt und im Wallis befinden sich – sicher zur großen Freude der Bergwanderer! – auf über 2000 m zwei der höchstgelegenen Windanlagen Europas. Die Leistung im gesamten Land liegt (Gott sei Dank!) insgesamt bei nur bescheidenen 60 MW.

Serbien:
Lange ohne Windkraftanlagen vorhanden. Inwischen (2015) 9,9 MW.

Slowakei:
5 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3 MW.

Slowenien:
Nur 2 Windkraftanlagen mit zusammen 4,6 KW. Da kann man also noch einen unbeeinträchtigten Urlaub verbringen!

Spanien:
Derzeit werden in Spanien in 984 Windparks insgesamt 20.159 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 23.025 MW betrieben. Die meisten von ihnen stehen in Castilla y Leon (4.323), Galizien (4.047) und Castilla-La Mancha (3.083).

Tschechien:
206 Windräder in 66 Windparks (2014). Gesamtleistung Ende 2014: 281,5 MW.

Türkei:
65 Windparks mit zusammen 1.558 Windkraftanlagen. Gesamtleistung 2015: 4.694 MW.

Ukraine:
Insgesamt (einschließlich der von Putin widerrechtlich annektierten Krim) werden in der Ukraine 345 Windkraftanlagen betrieben. Gesamtleistung 2015: 514 MW.

Ungarn:
257 Windräder in 38 Windparks. Leistung: insgesamt 330 MW.

Vatikanstaat:
Nicht eine einzige Windkraftanlage – schon deshalb lohnt sich ein Besuch! (Es gibt aber noch ein paar tausend andere Gründe, Rom und den Vatikan zu besuchen.)

Weißrußland:
Nur 3 Windräder mit zusammen 3,4 MW Gesamtleistung. Heftige Winde blasen hoffentlich auch bald dem Diktator Lukaschenko ins Gesicht.

Zypern:
92 Windräder in 6 Windparks mit einer Gesamtleistung von 157 MW.

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Der/die/das Wurst hat gewonnen

Nein, das Abendland geht jetzt nicht gleich unter, das Abendland hat schon ganz andere Katastrophen überstanden. Aber daß die Verwandlung eines Liedwettbewerbs in eine freak show so viel Zustimmung erhält, sollte schon einmal kulturpsychologisch untersucht werden. Wenn die Ränder allmählich zum Zentrum gemacht werden, ist das allemal bedenklich – im doppelten Sinne des Wortes: das Phänomen muß bedacht, also gründlich untersucht werden, und es zeigt zugleich, daß sich in den westlichen Gesellschaften eine Tendenz zum Grotesken und Randständigen und zu einer Ästhetik des Häßlichen verstärkt, die tatsächlich auch im anderen Sinn bedenklich ist, weil sie auf einen Verlust der kulturellen Mitte und damit auf einen Abschied von den kulturellen Traditionen unserer Geschichte hinausläuft.

Daß auch dabei wieder die erfolgreiche Lobbyarbeit der Lesben- und Schwulenverbände für “schwule, lesbische, transgender und intersexuelle Kultur (Musik, bildende Kunst, Literatur, Filmschaffen, Theater und neue Medien)” eine Rolle spielt (so etwas soll ja demnächst in Baden-Württemberg an den Schulen gelehrt werden), beweist zum Beispiel die Reaktion des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz auf den Sieg der Wurst (hier nachzulesen):

 Sie überzeugte nicht nur mit ihrer tollen Stimme, sondern setzte auch ein Zeichen für Toleranz und Akzeptanz … Werte, die – gerade in dieser Zeit – noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Der österreichische Standard schreibt:

Österreich gewann. Eine Community gewann. Eine Haltung gewann. Europa gewann.

Und natürlich darf hier auch Focus Online nicht fehlen:

Conchita Wurst gab ein Statement gegen Unterdrückung ab und musikalisches Talent setzte sich gegen Beliebigkeit durch.

Unterdrückung? Das ist geradezu absurd, wenn man an die Länder in Osteuropa, Afrika und Arabien denkt, in denen Homosexuelle wirklich unterdrückt werden. Sie werden es nach dem bizarren Auftritt eher noch schwerer haben.

Aber der Focus kann’s nicht lassen und schreibt voll revolutionärer Romantik, wie man sie ihm nicht zugetraut hätte:

Und aus ganz Europa schallte Zustimmung zurück: Nicht nur von den homosexuellen ESC-Fans, sondern von allen Unterdrückten, Kämpfern und Andersartigen.

Unterdrückte? Kämpfer? Andersartige? Da fehlen ja nur noch die Außerirdischen!

Offenbar ist der Herr Redakteur – er heißt Maximilian Kloes – in einer Zeitmaschine in den 60er Jahren gelandet und berichtet live aus der Vergangenheit. Drücken wir ihm (und uns!) die Daumen, daß er dort auch bleibt und nimmermehr zurückkommt.

Auch die Reaktion der anderen Medien zeigt, daß es hier weniger um Musik als um die erfolgreiche Lobbyarbeit der Schwulenverbände geht. In diesem Punkt braucht es keine Gleichschaltung mehr: die meisten Zeitungen und Fernsehsender folgen schon jetzt blind dem, was sie für das fortschrittliche Gebot der Stunde halten. Sie belegen damit (leider!) die Thesen über die ideologisch „linksliberale“ Ausrichtung fast aller deutschen Medien, die Thilo Sarrazin in seinem lesenswerten Buch „Der Tugendterror“ herausgearbeitet hat.

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