Die Zahl der Windkraftanlagen in Deutschland

Weil mein inzwischen zwei Jahre alter Beitrag über die Zahl der Windkraftanlagen in Deutschland immer wieder abgerufen wird, will ich hier die neuesten Zahlen nachtragen: zum Ende des Jahres 2013 hatten wir in unserem Land

23.761 Windräder
(bürokratisch korrekt: Windkraftanlagen).

Und das sind, das füge ich auch jetzt wieder sehr zum Mißfallen der Windkraftfreunde hinzu, genau 23.761 Anlagen zuviel.

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Joe Kaeser, Putin und die Freude des Managers an der Revolution

Die Szene wird man nicht so schnell vergessen, und es ist das Verdienst des russischen Fernsehens, daß man sie auch bei uns im Originalton verfolgen durfte: da sitzt der neue Siemenschef Joe Kaeser in Moskau Putin gegenüber, der gerade die Krim annektiert hat. Und was tut der hochkarätige Vertreter der deutschen Wirtschaft? Er schmiert dem Herrn im Kreml Honig ums Maul und gratuliert ihm in geradezu peinlicher Devotheit zu den „großartigen Winterspielen“ von Sotschi.

Er tut das aus den denkbar niedrigsten Beweggründen: er will an und mit Putin Geld verdienen. Putin sei für ihn nur „ein Kunde“, sagt Kaeser hinterher, und Siemens verbinde mit Rußland (man höre und staune!) eine „Wertepartnerschaft“. Eine Wertepartnerschaft mit Putin – dieses Wort muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da Kaeser wie die meisten Manager im Lauf seiner Karriere sicher Seminare wie „Ethik und Wirtschaft“ oder „Seneca für Manager“ besucht hat, hätte er auch sagen können: non olet – Geld stinkt nicht.

Denn: was schert einen deutschen Manager das Völkerrecht? Wichtig ist nur, daß (hier ganz buchstäblich!) der Rubel rollt.

Inzwischen ist Joe Kaeser schon wieder in allen Schlagzeilen, weil er (wie es die Welt formuliert) den Siemenskonzern „mit tiefen Einschnitten in die Struktur und Tabubrüchen“ völlig umkrempeln will. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, kann sich jeder vorstellen.

Es ist interessant, daß in der Politik die großen Revolutionen, von denen noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts alles Heil ausgehen sollte, ein bißchen aus der Mode gekommen sind – man weiß inzwischen, daß ihr geschichtlicher Nutzen in keinem Verhältnis zur Zahl der Opfer steht. Die Französische Revolution etwa hat zwar das ancien régime beseitigt, aber um welchen Preis: ganz Frankreich hat sie in Blut gebadet. Mit der russischen Oktoberrevolution verhält es sich genauso. Natürlich wird man Revolutionen auch in der Zukunft nicht ganz vermeiden können: dem Menschen wohnt offenbar ein unausrottbarer Hang zur Gewalttätigkeit inne. Aber daß Mißstände behutsam, also auf dem Weg der Reform, viel gründlicher behoben werden können, hat sich doch hier und dort herumgesprochen.

Es gibt freilich ein Feld, auf dem die Revolution immer noch erste Wahl ist: die Wirtschaft. Ein neuer Chef, das weiß fast jeder aus eigener Erfahrung, stülpt erst einmal alles um – und dabei geht es keineswegs um rationale, in der Sache begründete Änderungen, wie uns die Wirtschaftswissenschaft weismachen will. Es ist ein Vorgang, der – wie es scheint – aus lange zurückliegenden Stadien der Evolution herrührt, so wie ein Löwe, wenn er sich mit einer Löwin zusammentut, erst einmal deren Junge totbeißt. Kaum etwas ist so archaisch wie dieses gewaltsame Auslöschen aller Spuren, die der Vorgänger hinterlassen hat. Dieses Verhalten ist ganz und gar nicht konservativ, es hält nicht am Bewährten fest, während es das weniger Gute korrigiert. Das wäre ja vernünftig – nein, hier soll nichts mehr an den erinnern, der zuvor da war. So ist man mit römischen Kaisern umgegangen: nicht nur ihre Köpfe wurden von den Münzen getilgt, auch die bloße Erinnerung an sie sollte gelöscht werden.

Die scheinbar rationale Welt des Wirtschaftens erweist sich, wenn man auch nur ein bißchen an der Oberfläche kratzt, als eines der letzten Felder, auf denen Männer noch völlig ungestraft ihren archaischen Trieben nachgehen können.

PS:  Im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen liest sich das natürlich anders, da gibt es, was die großen Wirtschaftsführer angeht, noch die gute alte Hagiographie, die ansonsten nicht einmal mehr in der katholischen Kirche beliebt ist.

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Zählen Sie doch einmal Schmetterlinge!

Grüner ZipfelfalterDer Winter war mild, und im April war es dieses Jahr an manchen Tagen fast schon sommerlich warm. Ein vielversprechendes Schmetterlingsjahr also!

Schmetterlinge (auf dem Bild links der Grüne Zipfelfalter, am vergangenen Sonntag an einem sonnigen Wegrand entdeckt)  haben viele Freunde, es sind „fliegende Edelsteine“, über die sich jeder freut. Aber sie sind wie viele andere Tiere bedroht: vor allem durch den Verlust an Lebensräumen. Da ist es wichtig, daß man regelmäßig eine Bestandsaufnahme macht. Welche Arten sind im Rückgang begriffen, welche können sich an die neue, vom Menschen geschaffene Umwelt anpassen?

Hier kann jeder, der Freude an der Natur hat, als ehrenamtlicher Mitarbeiter seinen kleinen Beitrag leisten. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sucht immer Naturfreunde, die sich langfristig an der Schmetterlingszählung in Deutschland beteiligen. Dazu muß man kein Schmetterlingsspezialist sein – wenn man Freude an der Natur hat und der schönen Sache von April bis September eine Stunde pro Woche opfert, kann man dazu beitragen, die Veränderungen der Fauna in der näheren Umgebung zu registrieren.

Man sucht sich eine Wegstrecke von ca. 200 m (oder mehr) und begeht diese Strecke einmal pro Woche. Dabei notiert man die Schmetterlingsarten und ihre genau Zahl in einem Erfassungsbogen. Man muß dabei bestimmte Regeln einhalten, aber die sind nicht schwer. Man bekommt eine genaue Anleitung und jede erdenkliche Hilfe. Die Daten kann man am Ende bequem online an das UFZ übertragen.

Angst vor dem Bestimmen der Schmetterlingsarten muß man nicht haben. Hier gilt die Devise „learning by doing“. Ein gutes Bestimmungsbuch (empfohlen wird Settele, Die Tagfalter Deutschlands aus dem Ulmer-Verlag) reicht, eine Kamera ist natürlich von Vorteil, damit man die Falter zuhause in Ruhe bestimmen oder sich von Experten Hilfe holen kann.

Carterocephalus palaemon - Gelbwürfeliger DickkopffalterIch bin jetzt im vierten Jahr dabei und lerne jedes Jahr dazu. Mein „Transekt“ (so nennt man die Wegstrecke, die man über die Saison hinweg beobachtet) birgt zwar keine großen Raritäten (das kann man im Rhein-Main-Gebiet auch nicht erwarten), aber es ist spannend zu sehen, wie sich etwa das Wetter oder Veränderungen der Umgebung auf die Zahl der Schmetterlinge auswirken. Und dann findet man doch immer einmal wieder Falter, die man noch nie gesehen hat – wie vorgestern, als sich auf meinem Fahrrad ein Gelbwürfeliger Dickkopffalter (Bild oben) niedergelassen hat.

Falls Sie Interesse haben, können Sie sich ja einmal ganz unverbindlich die Internetseite Tagfalter-Monitoring des Helmholtz-Zentrums ansehen. Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen: man tut etwas Gutes – und es macht auch noch Spaß!

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Die Familientragödie und der Straßenverkehr

In Berlin, berichtet die Berliner Morgenpost (hier nachzulesen), habe ein Mann allem Anschein nach seine Lebensgefährtin und deren Kind ermordet und sich dann von einem Hochhaus zu Tode gestürzt. Aber, so fügt das Blatt hinzu:

Dies hat jedoch keine Auswirkungen auf den Straßenverkehr.

Na, dann is ja gut.

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Der Frankfurter Goetheturm und die Windkraft

P1150711Windkraft hat es auf dem 43 m hohen Goetheturm in Frankfurt schon  immer gegeben: die Kraft des Windes nämlich, von der man auf der obersten Plattform oft zerzaust wird. Jetzt sieht man von dort oben leider auch Windkraftanlagen – gottlob nur in weiter Entfernung am Horizont (Bild rechts).

Der Anstieg über die 196 Stufen lohnt sich immer. Man hat einen herrlichen Blick in alle Himmelsrichtungen, bis zum Taunus und zum Spessart hinüber, und die Skyline von Frankfurt sieht man nirgends schöner als vom Goetheturm aus.

P1150704Vier Jahre lang war der Turm geschlossen, weil vieles an dem alten Holzbau repariert und ersetzt werden mußte (er stammt aus dem Jahr 1931). Seit gut einer Woche ist er nun wieder geöffnet. Wenn man sich oben sattgesehen hat, kann man direkt am Fuß des Turms in der Goetheruh einkehren – die Preise sind allerdings für ein Ausflugslokal ein bißchen zu hoch.

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Goethe über Italien – ganz schön bissig!

Ein Fundstück aus dem vierten Venezianischen Epigramm von 1790:

Das ist Italien, das ich verließ. Noch stäuben die
Wege,
Noch ist der Fremde geprellt, stell er sich, wie er auch
will.
Deutsche Redlichkeit suchst du in allen Winkeln
vergebens;
Leben und Weben ist hier, aber nicht Ordnung und
Zucht;
Jeder sorgt nur für sich, mißtrauet dem andern, ist
eitel,
Und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich.

Aber: „das Land ist schön“, heißt es (zurecht!) im gleichen Epigramm.

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Nicht auszudenken …

… wenn im Jahr 1989 nicht Michail Gorbatschow, sondern Putin an der Spitze Rußlands gestanden hätte.

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Genug Ukraine!

Geht es Ihnen auch so? Ich mag von der Ukraine nichts mehr hören und sehen. Im ersten Drittel der Nachrichtensendungen geht es nur noch um die ukrainischen Angelegenheiten, und es ist wenig Erfreuliches dabei.

Lehren kann man freilich jetzt schon ziehen (wenn es auch keine allzu originellen Erkenntnisse sind):

Es ist gar nicht so schwer, einen Staat in den Abgrund zu treiben, wenn einer wie Putin das will. Die Demokratie ist langsam, alles muß erst beraten und beschlossen werden. Das gehört zu ihrem Wesen, und es braucht seine Zeit. Einer wie Putin hat das alles nicht nötig. Er handelt einfach. Er braucht auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen – und er nimmt auf niemanden und nichts Rücksicht.

Das einzig Gute an dieser Geschichte ist, daß man nun genau weiß, mit wem man es bei Putin zu tun hat. Die Gelegenheit, weitere Grenzen zu verändern, darf er nicht bekommen.

Ansonsten ist alles gesagt, und ich werde mich wieder anderen Themen zuwenden.

Es gibt ja nicht nur die Ukraine!

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Russische Lügenpropaganda wie zu Sowjetzeiten

Der russische Propaganda-Apparat, mit dem großmäuligen Dimitri Konstantinowitsch Kiseljow (Jahrgang 1954) an der Spitze, kommt jetzt richtig in Fahrt. Die Berufung dieses begnadeten Hetzers im Dezember letzten Jahres hätte für den Westen ein Weckruf sein müssen: daß Putin ausgerechnet ihn an die Spitze von „Rußland heute“ gesetzt und damit zum obersten Propagandachef Rußlands gemacht hat, war ein sicheres Zeichen dafür, daß der Präsident da schon längst entschlossen war, die alte Sowjetunion wieder zum Leben zu erwecken: eine Sowjetunion ohne Kommunisten – nur mit Putin.

Was braucht man zu einem solchen Vorhaben?

Erst einmal muß man die zarten demokratischen Strukturen, die seit 1990 gewachsen waren, vollständig ausrotten. Dieser Prozeß ist abgeschlossen. Alle wichtigen Medien sind in Putins Hand, die Gerichte sprechen Recht, wie der Präsident es will, und auf die wenigen Demonstranten, die es noch wagen, gegen ihn auf die Straße zu gehen, kommen Prügel und oft vernichtende Geldstrafen zu. Die demokratischen Institutionen, die es nach Zarenreich und Stalinismus ohnehin schwer hatten, hat Putin zu Potemkinschen Fassaden gemacht.

Und was braucht man noch? Einen Propaganda-Apparat, der vor keiner, auch nicht der dümmsten Lüge zurückschreckt. Diese Aufgabe hat Kiseljow übernommen, den man einen russischen Karl Eduard von Schnitzler nennen könnte. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein paar seiner Äußerungen gesammelt, die übrigen findet man an vielen Stellen im Internet.

Wie in der Sowjetzeit hämmert man jetzt den Menschen ein:

daß das russische Volk unvergleichlich und groß und immer siegreich ist

daß in Kiew Faschisten und Nazis und Verbrecher an der Macht sind, die vom Westen gesteuert und bezahlt werden

daß die russischsprachigen Menschen auf der Krim vom großen Führer Wladimir Wladimirowitsch Putin im letzten Moment vor der Ausrottung durch die Kiewer Faschisten bewahrt wurden

daß man in der Ukraine schon Konzentrationslager errichtet, in die man die russischsprachigen Menschen der Ost-Ukraine bei Wasser und Brot einsperren wird

daß gestern ukrainische Kampfhubschrauber aus der Luft auf friedliche Demonstranten geschossen haben,

und daß man nur laut und lange genug „Rossija, Rossija!“ schreien muß, weil dann alles, alles gut wird.

Und so weiter, und so weiter. Mit dieser Greuelpropaganda will man auch noch das letzte Großmütterchen aus dem beschaulichen Lehnstuhl zerren, damit es gegen die „Kiewer Faschisten“ kämpft – leider, wie man den Fernsehbildern entnehmen kann, mit einigem Erfolg.

Auf die Dummheit der Menschen ist eben immer Verlaß.

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Putins Kriegszug – ein Angriff auf alle europäischen Werte

Die faschistischen Banden, die in immer mehr Städten der Ost-Ukraine ein Terrorregime errichten, haben nach zahlreichen Geiselnahmen jetzt auch einen ukrainischen Hubschrauber abgeschossen. Es ist höchste Zeit, daß die ukrainische Regierung mit allen polizeilichen und militärischen Mitteln gegen die von Putin unterstützten Aufständischen vorgeht. Keine Regierung der Welt kann es sich bieten lassen, daß vom Nachbarland ausgestattete Kriminelle kurzerhand einen Teil ihres Staatsgebiets besetzen.

Wann auch immer in einem Land ein Machtvakuum entsteht, zieht das Vakuum nicht kluge, besonnene Menschen an, sondern den Bodensatz: Marodeure, selbsternannte Befehlshaber und einfache Kriminelle. So ist es auch in der Ost-Ukraine.

Und jeder weiß, wer hinter ihnen steht. Es ist Wladimir Wladimirowitsch Putin.

Er hat die Verantwortung für alles, was jetzt geschieht. Die Europäer wollen lavieren: sie möchten sich durch die Krise mogeln, aber das geht nicht mehr. Steinmeier verhandelt und verhandelt – und Putin schafft Tatsachen. Steinmeier, seien wir ehrlich, ist immer noch der alte Schröder-Mann. Niemand bezweifelt seine Redlichkeit, aber er läßt sich von einer typisch europäischen Beschwichtigungspolitik leiten, die angesichts des Kriegsherrn im Kreml, der sich jeder Hemmung entledigt hat, die Krise nur verschärfen kann. Putin hat ein feines Gespür dafür, was er sich leisten kann – und wenn er sich die Aufhebung der europäischen Grenzen, wie er glaubt, leisten kann, dann hebt er sie eben auf. Hier käme es auf schnelle und robuste Signale an, auf Sanktionen, die ihm wehtun, aber Europa ist offenbar – anders als die USA – zu einer entschlossenen Verteidigung seiner Freiheit und der völkerrechtlich garantierten Grenzen nicht fähig.

Putin aber, das sollte endlich auch Merkel einmal klar aussprechen, ist von jetzt an für alle Verbrechen persönlich verantwortlich, die von der Soldateska in der Ost-Ukraine verübt werden. Mit diesen marodierenden Kriminellen, die Putins Propagandaabteilung immer noch als „friedliche Demonstranten“ bezeichnet (seltsame Demonstranten mit Boden-Luft-Raketen und modernsten Waffen!), mit diesen Kriminellen kann man sich nicht an einen „runden Tisch“ setzen, wie es die Putinversteher jetzt fordern.

Erst muß das Gewaltmonopol des Staates gegen die aufständischen Geiselnehmer durchgesetzt werden – dann kann (und muß) man über die Zukunft dieses Teils der Ukraine verhandeln.

Und eines sollte man immer bedenken: Putin geht es darum, die für Ende Mai angesetzten freien Wahlen in der Ukraine mit allen Mitteln zu verhindern. Deshalb will er mithilfe der ukrainischen Banditen das Land destabilisieren und notfalls in den Abgrund treiben.

Das muß verhindert werden.

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