Jacob Appelbaum – Ein „Aktivist“ schmilzt Nannen ein

Jacob Appelbaum, 31, ist laut Wikipedia „ein US-amerikanischer Internetaktivist“. Seine Aktivitäten (die er als Aktivist vorweisen muß, sonst wäre er ja kein Aktivist!) lesen sich auf der Wikipedia-Seite so kryptisch wie vieles, was aus dem Milieu der allseits gefeierten „Internetaktivisten“ kommt.   

Auf dem 25C3 2008 hielt er zusammen mit David Molnar, Marc Stevens, Arjen Lenstra, Benne de Weger, Alexander Sotirov und Dag Arne Osvik einen Vortrag mit dem Titel MD5 considered harmful today: Creating a rogue CA Certificate, in dem er einen erfolgreichen Angriff auf das X.509-Zertifikatssystem demonstrierte. 

Auf dem 29C3 in Hamburg 2012 hielt Appelbaum die Keynote.  

Appelbaum ist Gründer des Hackerspace „Noisebridge“ aus San Francisco und ist als Fotograf tätig, sowie Repräsentant der Künstlergruppe „monochrom“. Daneben engagierte er sich bei Greenpeace, der Ruckus Society und dem Rainforest Action Network.  

Das ist übrigens ein Musterbeispiel dafür, wie in der Wikipedia Insider für Insider schreiben – zumindest in den Bereichen Informatik und Internet. Welche Bedeutung der Aktivist Appelbaum für die Menschheit hat, kann ein Laie diesem Artikel jedenfalls nicht entnehmen.

Seine aktuelle Bedeutung für die Medien bezieht Appelbaum aber aus der Meldung, er werde die Skulptur, die er letzte Woche anläßlich der Verleihung des Henri-Nannen-Preises bekommen hat, einschmelzen lassen. Was war geschehen?

Appelbaum hat angeblich erst jetzt erfahren, daß Nannen (wie ein paar Millionen andere Deutsche) den Nazis auf den Leim gegangen war. Nannen war gerade einmal zwanzig, als Hitler 1933 die Macht ergriff. Nach seiner journalistischen Ausbildung arbeitete er während des Zweiten Weltkriegs unter anderem als Kriegsberichterstatter in einer Propagandakompanie. Das alles ist seit langem bekannt, er selbst hat es nie geleugnet. Im Gegenteil, er hat es in einem Leitartikel sogar schärfer formuliert als seine Kritiker:

Ich jedenfalls habe gewußt, daß im Namen Deutschlands wehrlose Menschen vernichtet wurden, wie man Ungeziefer vernichtet. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Offiziers der deutschen Luftwaffe getragen. Ja, ich wußte es, und ich war zu feige, mich dagegen aufzulehnen.

Die Generation der heutigen Netzaktivisten konnte von klein auf in luxuriöser Freiheit schwelgen. Wieviele von ihnen damals den Mut zum Widerstand (unter Einsatz ihres Lebens!) gehabt hätten, kann man heute nicht sagen. Aber die Erfahrung spricht dafür, daß es nicht viele gewesen wären. Ich wünsche uns allen, daß wir eine solche Mutprobe bis zum Ende unseres Lebens nicht bestehen müssen.

Über die Keckheit freilich, mit der heute 20- oder 30jährige Männer, die (zum Glück!) nie in einem totalitären Staat leben mußten, über die Kriegsgeneration kurzerhand den Stab brechen, muß ich mich schon wundern. Da ist so gut wie kein geschichtliches Wissen da – und noch viel weniger Einfühlung in die Lebensumstände unter einem Regime, das mit einer perfiden und ausgeklügelten Demagogie gerade die Jugend auf seine Seite gezogen hat.

Henri Nannen hat zusammen mit Rudolf Augstein und einer Handvoll anderer Journalisten nach dem Krieg die freie Presse in unserem Land aufgebaut und zeit seines Lebens verteidigt. Seine Enkelin, Stephanie Nannen, hat das vor kurzem sehr schön beschrieben (hier nachzulesen). Das allein schon (und erst recht der ehrliche Umgang mit seinen Jugendsünden!) müßte doch genügen, um selbst einen jungen geschichtsfernen Amerikaner von peinlichen Aktionen abzuhalten.

Am Ende wird man sehen, ob auch Appelbaum einmal auf eine Lebensleistung zurückblicken kann, wie Henri Nannen sie sich, der Verführbarkeit in seiner Jugend zum Trotz, erkämpft hat.

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Erdogan – zu Gast bei Freunden?

Das kommt in den besten Familien vor: daß sich jemand einfach selbst einlädt.

Solche Menschen sind freilich nur selten willkommen, und wenn sie dann auch noch dafür bekannt sind, daß sie gern poltern, schimpfen und die Menschen gegeneinander aufhetzen, dann ist man froh, wenn sie wieder abresien.

Der türkische Ministerpräsident ist so ein Mensch: ohne Feingefühl und ohne Respekt, mehr Eindringling als Gast. An die Gebote von Benimm und Höflichkeit hat er sich noch nie gehalten, und er sieht sich auch heute in Köln ganz und gar nicht als Gast: „natürlich“ komme er nach Köln, sagt er: „Ich habe dort drei Millionen Staatsbürger.“

Er kommt also in sein eigenes Land, denn überall dort, wo Türken oder türkischstämmige Menschen leben – so stellt er sich das vor -, da ist Türkei. Ein Erdogan fragt dann nicht, ob er willkommen ist. Die Türkei, läßt er seinen Außenminister sagen, erwarte von ihren „deutschen Freunden“, daß keine Gegendemonstrationen gegen Erdogan stattfinden. Und Davutoglu fügt hinzu: Erdogan habe in der Vergangenheit Deutschland besucht, und er werde das auch in Zukunft tun.

Ob ihr wollt oder nicht – so kann man das nur interpretieren. Ist Erdogan also auf seine alten Tage größenwahnsinnig geworden? Leider muß man diese Frage bejahen.

Die Türkei jedenfalls, die ein großes, ein schönes und gastfreundliches Land ist, hat einen solchen lider nicht verdient.

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Das Zitat des Tages

Es stammt vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Obwohl mehrere deutsche Politiker ihn für nicht willkommen erklärt haben, kommt er morgen selbstverständlich nach Köln:

Wir gehen dorthin. Ich habe dort drei Millionen Staatsbürger, natürlich gehe ich nach Deutschland.

„Ich habe dort drei Millionen Staatsbürger“!

Ich bin übrigens ganz entschieden dafür, daß er in Köln reden darf. Aber bitte: seine Rede mitschneiden, übersetzen und sofort veröffentlichen!

Ihn reden zu lassen, das ist das Schlimmste, was man ihm antun kann.

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Die Deutschen – Aktivisten oder Bürger?

Es gehört zu einem freien, demokratischen Land, daß selbst die Dümmsten ihre Meinung frei äußern dürfen. Wer sie daran hindern möchte, ist nicht etwa klug – er hat, ganz im Gegenteil, nicht verstanden, was Demokratie ist.

Demokratie ist nicht die Herrschaft des Wahren, Schönen, Guten. Die Experimente im Lauf der Geschichte, in denen Philosophen, Dichter und andere Schöngeister Staat machen wollten, endeten meist katastrophal. Demokratie ist viel banaler: es ist ein lebendiger Prozeß der Auseinandersetzung zwischen Meinungen und Interessen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dieser Prozeß funktioniert aber nur, wenn eine gewisse Bildung vorhanden ist – und eine bürgerliche Tradition. Wenn sich die Menschen nicht als Bürger fühlen, nutzen alle Wahlen, Parlamente und Abstimmungen rein gar nichts. Bürger wird man aber nicht durch einen Beschluß oder einen revolutionären Akt. Es ist das Ende einer langen Entwicklung. Auch bei uns in Europa hat es Jahrzehnte, oft sogar Jahrhunderte gedauert, bis sich in den einzelnen Staaten bürgerliche Gesellschaften entwickelt haben.

Demokratische Fassaden leistet sich heute fast jedes Land (man denke nur an Afrika), aber erst das Vorhandensein einer Mehrheit von Bürgern, die sich für ihr Land auch verantwortlich fühlen, macht eine echte Demokratie aus.

Deshalb ist das immer stärkere Auftreten von sog. „Aktivisten“, wie man sie gerade in unserem Land beobachtet, eine bedrohliche Entwicklung. Aktivisten sind keine Bürger. Sie übernehmen auch keine Verantwortung für ihr Land. Sie sind Getriebene einer Ideologie, und wer nicht für sie ist, der ist gegen sie – und wird niedergebrüllt und zum Schweigen gebracht. Aktivisten haben kein Interesse an irgendeiner Art von Diskurs. Sie diskutieren nicht mit dem Gegner, sie schreien ihn nieder. Aktivisten kennen auch keine Selbstzweifel, weil sie sich immer und überall im Besitz der Wahrheit wähnen.

Gegner der Aktivisten kann fast jeder sein: Sarrazin, die AfD, Steinmeier, vermeintliche Homophobe.

Ein Beispiel. Da veranstaltet ein Fachverband des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche in Kassel einen Kongreß zum Thema „Sexualethik und Seelsorge“. Es kommt das Gerücht auf, daß zwei der Referenten Homosexualität nicht als „natürliche Veranlagung“, sondern als behandlungsbedürftige Störung betrachten. Die Veranstalter dementieren, aber das hilft ihnen nicht: die Demonstranten sind schon im Anmarsch. 

Sie wollen nicht diskutieren – sie wissen ja schon alles! Aber selbst wenn sie recht hätten und die Referenten die absurdesten Theorien vortragen würden: so etwas muß man in einer Demokratie ertragen. Ein Bürger erträgt das auch, ein Aktivist nicht. Der Aktivist maßt sich das Recht an, allein zu entscheiden, wer reden darf und wer nicht.

Deshalb ist der Aktivist nicht, wie er vielleicht glaubt, ein Förderer der Demokratie, er ist, wenn man ihn gewähren läßt, ihr Totengräber.

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Die evangelische Kirche und die Kraft des Zentrifugalen

Wer gedacht hat, daß sich das Zeitalter des Zentrifugalen in der evangelischen Kirche dem Ende entgegenneigen würde, sieht sich inzwischen eines Schlechteren belehrt. Daß man das Zentrum über der Peripherie vernachlässigt: das ist immer noch typisch evangelisch.

Was will ich damit sagen? Es ist im Grunde ganz einfach: alles das, was Kirche in ihrem Wesen ausmacht, was ins innerste Herz des einzelnen Menschen und der Welt zielt, also Evangelium und Verkündigung, die Fragen von Leben, Tod und Auferstehung, oder, um es in einem einzigen Wort zusammenzufassen: die Frage nach Gott (der in den Predigten immer öfter nur noch als der gute Gott erscheint und so verniedlicht, bagatellisiert und ein bißchen verkitscht wird), der harte Kern der Religion also, das Zentrum der Kirche, das alles tritt immer mehr in den Hintergrund. Man spricht von einer Wohlfühlkirche, und leider ist das nicht falsch. Wenn die Kirche nur noch über die Ränder spricht und darüber das Zentrum vernachlässigt, dann ist es etwas faul in ihr.

Protestanten, vor allem die Pfarrerinnen, haben viele Themen, die ihnen, wie es scheint, ans Herz gewachsen sind: Sozialarbeit, Feminismus, Asylpolitik usw. (sogar Schminkkurse gibt es schon). Alles schön und gut – aber dazu brauche ich keine Kirche. Im Mittelpunkt müssen doch die harten Themen stehen, nicht der weiche Rand. Wann erlebt man schon einmal eine Predigt, bei der man das Wort tua res agitur wirklich spürt? Statt dessen gibt es ein bißchen Lebensberatung, ein bißchen moralische Mahnung, ein bißchen Erbauung, und man hat nicht selten das Gefühl, daß der Pfarrer (meistens ist es ja eine Pfarrerin) meint, er habe Mummelgreise vor sich.

Kann man mit solchen Predigten die Menschen wirklich anrühren? Nie und nimmer.

Aber die evangelische Kirche macht munter so weiter. Jetzt hat sie in Hannover – man höre und staune – ein „Studienzentrum für Genderfragen“ eröffnet. Offenbar kann es nicht genug Feminismus, nicht genug Gender in der Kirche geben. Reicht es denn nicht, daß man die grauenhafte „Bibel in gerechter Sprache“ mitfinanziert hat?

Die evangelische Kirche ist heutzutage das letzte Refugium, in dem die Vertreter der Gendertheorie noch unbeschränkt schalten und walten dürfen. Überall sonst müssen sie sich kritischen Fragen stellen, aber hier genießen sie bis in die höchsten Stellen hinein Narrenfreiheit. Das liegt auch daran, daß es immer mehr Pfarrerinnen gibt, und daß offenbar viele von ihnen aus einem bestimmten feministischen Milieu kommen. Sie können ihre Neigungen in der Kirche ausleben – und sie machen die Genderfrage, also ein kirchliches Randthema, immer öfter zum Mittelpunkt ihrer Verkündigung.

Die Eröffnung des Studienzentrums für Genderfragen wurde natürlich gehörig gefeiert. Die Studienleiterin für Wissenschaftliche Theologie sagte bei einem Festmahl (hier nachzulesen):

Geschlechterbewusste Theologie steht für eine Kultur der Wertschätzung in unserer Kirche, die Unterschiede hoch achtet und gleichzeitig darauf schaut, was uns verbindet.

Ein „Atlas zur Gleichstellung in der Evangelischen Kirche“ sei in Vorbereitung. Das Zentrum werde außerdem, so die Drohung,

genderrelevante Modelle, Erfahrungen und Praxisbeispiele aus Kirche und Gesellschaft entsprechend aufbereiten, damit sie in der Kirche genutzt werden können.

Der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, ist natürlich voll des Lobes über alles Genderige, aber er weiß auch, daß nicht alle Gläubigen (er nennt sie „Adressaten“) davon begeistert sind. Deshalb gibt es demnächst eine Personal- und Finanzspritze:

Eine besondere Herausforderung stellt sich mit der Aufgabe, die erarbeiteten Inhalte an die Adressaten zu bringen und die dafür geeignete Kommunikationsform zu finden. Damit diese Aufgabe gut gelingen kann, hat der Rat beschlossen, im Bereich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit noch zusätzliche Personalressourcen zur Verfügung zu stellen.

Und so tanzt die evangelische Kirche weiter auf den Rändern – und hinterläßt eine Brache genau dort, wo sorgfältiger Ackerbau am wichtigsten wäre. Die ganze Gender-Mode ist nämlich, um mit dem Prediger im Buch Kohelet zu sprechen – nur Windhauch.

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Steinmeier ein Kriegstreiber? Neues aus dem Tollhaus der „Antifaschisten“

Ich bin gestern durch Zufall auf eine Internetseite mit dem seltsamen Namen „Kriegsberichterstattung“ gestoßen, die sich – wie sie behauptet – den „Kampf gegen Krieg und Kriegspropaganda“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Ich habe ja schon allerhand Fragwürdiges im Internet gelesen, aber selten habe ich soviel hanebüchenen Unsinn auf einer einzigen Seite entdeckt wie hier.

Es läuft – kurz gesagt – alles darauf hinaus, daß NATO und EU, überhaupt der ganze Westen, nur aus Kriegstreibern besteht, die unaufhörlich das arme Rußland und auch die ganze übrige Welt bedrohen. Der Westen „gefährdet den Frieden in Europa“, Steinmeier ist „USA-hörig“ und unterliegt dem „westlichen Größenwahn“, und er hat alle „Massenkriege der NATO in den vergangenen 15 Jahren“ mitgetragen.

Den traurigen Höhepunkt der Seite bildet die angebliche Aussage einer „25jährigen Studentin aus Hannover“:

Mir hängt der Westen mit seiner Kriegstreiberei aus dem Hals heraus. Erst Irak, dann Afghanistan, dann 50.000 durch die NATO Ermordete in Libyen – ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Die NATO wird zu Recht von immer mehr Menschen als Nordatlantische Terrororganisation bezeichnet. Das ist kein Verteidigungsbündnis, sondern seit Jahren ein Kriegsbündnis.

Meine Meinung dazu: wir haben in Deutschland ein Gesundheitswesen, das immer noch ein Vorbild für die ganze Welt ist. Und es gibt überall in unserem Land gute Psychotherapeuten – sie kennen sich auch in Fällen eines vollständigen Realitätsverlusts bestens aus. Ich bin deshalb sicher, daß sie auch der „25jährigen Studentin aus Hannover“ helfen können. 

PS:  Steinmeier hat sich, als man ihn in Berlin als „Kriegstreiber“ beschimpft hat, zu einer wütenden Antwort hinreißen lassen. Das ist zwar verständlich, aber es gibt diesen „Demonstranten“ eine Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen.

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Die Rußlandfreunde im Internet

Das Internet ist anonym. Im Internet kann man jede Dummheit verbreiten. Wenn man aber liest, was deutsche User in den Diskussionsforen zur Zeit über Putin und den Westen schreiben, könnte man denken, die alte DDR sei wiederauferstanden. Lesen Sie einfach einmal die „Lesermeinungen“ zu einem beliebigen Zeitungsartikel, z.B. hier.

Kindliche Einfalt statt geistiger Größe. Aber nein – Einfalt kann man das eigentlich nicht nennen: es ist biedere, an geistiger Armut kaum zu ertragende Propaganda für die neue Sowjetunion à la Putin. Da haben sich, so scheint mir, die alten DDR-Genossen, die in der Linken (leider, leider!) aus taktischen Gründen nicht so reden dürfen, wie sie möchten, mit den Neonazis zusammengetan, denn es gibt, damit muß man sich wohl abfinden, eine beträchtliche Schnittmenge zwischen diesen Lagern. Da hat man endlich den starken Mann im Osten, der es den Amis mal so richtig zeigt – und schon kommt bei schlichteren Gemütern überall im Land Freude auf.

Der Begriff der „digitalen Demenz“, den Manfred Spitzer geprägt hat, trifft da ins Schwarze.

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Der linksfaschistische Pöbel und die AfD

Die Alternative für Deutschland (AfD) kann seit Monaten keinen ungestörten Wahlkampf mehr machen. Ihre Vertreter werden nicht nur auf ihren Infoständen tätlich angegriffen, auch größere Veranstaltungen werden so lange gestört, bis sie abgebrochen werden müssen – so vor kurzem in Frankfurt am Main.

Schuld an diesem Zustand sind anonyme (oft vermummte) Aktivisten, Autonome und selbsternannte Antifaschisten. Sie wollen allein darüber entscheiden, wer sich in unserem Land zur Wahl stellen darf und wer nicht. Und die AfD soll buchstäblich mundtot gemacht werden. Genau so, wie seit langem, vor allem in Berlin, jede Veranstaltung mit Thilo Sarrazin brachial verhindert wird („Halt’s Maul, Sarrazin!“), so darf jetzt auch die AfD nicht mehr zu Wort kommen. „Zu Wort kommen“ – das ist der richtige Ausdruck, und wenn man die Zahl der Angriffe und Behinderungen sieht, müßte eine Wahl, die auf so ungerechte Art, mit so massiven Behinderungen zustandegekommen ist, eigentlich für ungültig erklärt werden.

Woher nehmen sich diese „Aktivisten“, deren geistiger Rahmen – na, sagen wir: eher bescheiden ist, das Recht, eine Partei als „faschistisch“, „rechtsradikal“ oder „rechtspopulistisch“ zu diffamieren? Hätten sie Argumente, sie könnten in unserer freien Gesellschaft jedes dieser Argumente vorbringen – und sie würden auch gehört werden. Aber sie haben keine Argumente.

Sie haben nur ihre Fäuste. Und Holzlatten (wie jetzt in Frankfurt).

Damit gleichen sie in verblüffender Weise den Banden in der Ost-Ukraine, die nicht etwa die politische Auseinandersetzung suchen, sondern in wirren Reden alles, was sie nicht wollen (oder nicht verstehen!), als das Werk von „faschistischen Rassisten“ abtun. Es sind politische Wirrköpfe, wenn sie denn überhaupt irgendein politisches Ziel haben. Eher, so scheint mir, wollen sie den Krawall um des Krawalls willen, denn selbst in der primitivsten geistigen Auseinandersetzung würden sie, glaube ich, das Nachsehen haben.

Die Polizei, das hat man auch gestern in Frankfurt wieder gesehen, verhilft der AfD nicht zu ihrem demokratischen Recht. Sie hat die massiven Angriffe auf Infostände, die Zerstörung fast aller Wahkplakate, die Störung fast aller Veranstaltungen nicht verhindert. Hans-Olaf Henkel zum Beispiel („Heil Henkel!“ stand auf den Plakaten der sogenannten „Antifaschisten“) konnte in Frankfurt nur wenige Minuten reden.

Die AfD sollte schon jetzt über eine Verfassungsbeschwerde nachdenken, denn hier wird eine Partei, die rechtmäßig zur Europawahl zugelassen ist, bewußt, systematisch und gewaltsam daran gehindert, im Wahlkampf ihre Position darzustellen.

PS:  Die satirische heute-show habe ich eigentlich immer gern gesehen – es war intelligente Unterhaltung, gleich weit entfernt von dämlichen Blödelshows und biederem Kabarett. Seit ein paar Monaten aber, so scheint mir, wird die Sendung politisch immer korrekter, sie kämpft gegen angeblich „populistische“ Parteien, denunziert die AfD (als ob man nicht am Rand aller Parteien obskure Mitglieder finden könnte!), man ist selbstverständlich begeistert von der Conchita Wurst (ich bin es nicht), man macht sich über die „Herdprämie“ lustig und ist überhaupt für alles, was links und fortschrittlich ist.

Da kann ich ja gleich die taz abonnieren!

Nachtrag Juli 2018:  Dieser Beitrag handelt noch von der guten, alten „Lucke-AfD“, die damals gute Chancen hatte, eine echte konservative Alternative zur Merkel-CDU zu werden. Das ist lange her. Mit dieser Partei hat die immer schneller nach Rechtsaußen abdriftenden neue AfD (Gaulands „Vogelschiß“-Partei) nichts mehr gemein.

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Rußland und China – ziemlich beste Freunde?

Natürlich greift Rußland nach jedem Strohhalm – es ist international isoliert, und das ist kein schönes Gefühl (auch wenn man so tut, als berühre es einen nicht). Daher ist Putins Besuch in China nichts als ein peinliches, leicht durchschaubares Rufen: seht her, die Chinesen wenigstens mögen mich!

Aber ganz so einfach ist es nicht. China steht selbst am Pranger, weil es im Innern eine Parteidiktatur geblieben ist und nach außen, vor allem im ostasiastischen Raum, aber auch in Afrika und anderen Teilen der Welt, seine Interessen mit soviel Aggressivität vertritt, daß es den betroffenen Völkern allmählich reicht.

Bedeutet das jetzt, daß sich Rußland und China gegen den Rest der Welt verbünden und zu einer globalen Gefahr werden könnten? Viele glauben das, aber nichts ist von der Wirklichkeit weiter entfernt. Rußland mag – auf niedrigstem Niveau! – so etwas wie Autarkie anstreben (manches, was Putin in letzter Zeit gesagt hat, deutet darauf hin), aber selbst auf einem Niveau, das noch unter dem der einstigen Sowjetunion liegt, wird das rohstoffreiche, aber wirtschaftlich darniederliegende Rußland auf Geschäftsbeziehungen zum Westen nicht verzichten können. Diese wechselseitige Abhängigkeit in den Zeiten der Globalisierung ist, wenn man so will, auch friedenstiftend – freilich: vor Amokläufen (und Putins ukrainisches Abenteuer ist ein Amoklauf!) schützt auch sie nicht. Aber eines ist zumindest beruhigend: selbst wenn Rußland seine Geschäfte mit China verzehnfacht und endlose Gas- und Öl-Pipelines nach Osten baut: die Idee einer Autarkie ist und bleibt eine Illusion.

Das gilt noch viel mehr für China. Es ist durch seine Wirtschaft so mit der ganzen Welt verflochten, daß selbst eine kleine Einschränkung in der Außenwirtschaft das Land in eine tiefe Krise führen würde. Das weiß China sehr gut. Deshalb wird es für Putin in Peking warme Worte und ein paar Dutzend Abkommen geben – aber mehr nicht.

Wir müssen vor Rußland und China wirklich keine Angst haben – selbst wenn sie näher aneinanderrücken. Der Westen ist wirtschaftlich stark, und er hat etwas, was weder Rußland noch China in absehbarer Zeit haben werden: demokratische Verhältnisse.

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Ja, wer pfeifft denn da?

Es ist der Nachrichtensender N24, und folgendes findet man fett als Überschrift auf seiner Internetseite zur Ukraine:

Wladimir Putin pfeifft seineTruppen zurück.

N24, das ist offensichtlich, pfeifft auch auf die Rechtschreibung.

Übrigens ist der Satz auch inhaltlich falsch, denn Putin hat wieder einmal nur die Manöver an der Grenze für beendet erklärt. Von den zigtausend Soldaten, die dort auf den Befehl zum Einmarsch warten und nicht an den Manövern beteiligt sind, war bei ihm nie die Rede.

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