Ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich meinen Lesern und allen Menschen, die guten Willens sind!
Der lange Marsch des Feminismus durch die Institutionen (7): Ulrike Lembke und die Humboldt-Universität
Wenn eine Stadt eine leibhaftige Professorin mit einem Gutachten beauftragt, dann kostet das Geld, viel Geld. Und Geld ist in den meisten Kommunen knapp. Da will man wenigstens die Gewißheit haben, daß das Gutachten im gewünschten Sinne ausfällt. Die Auswahl des richtigen Gutachters ist also von größter Bedeutung.
Nehmen wir einmal Hannover, die Hauptstadt des Landes Niedersachsen. Dort war man unseliger Vorreiter für das amtlich erzwungene Gendern in Deutschland. Schon am 18. Januar 2019 erließ die Stadtverwaltung eine „Regelung für geschlechtergerechte Sprache“ – und plapperte darin (ganz im Szenejargon!) nach, was an Peinlichkeiten schon damals im Umlauf war: das Schreiben richtete sich „an Frauen und Männer und diejenigen, die sich selbst nicht als Frau oder Mann beschreiben“; die Regelung trage „der Vielzahl geschlechtlicher Identitäten Rechnung“ usw. Man sieht, daß es bereits vor Jahren eine inhaltliche Verschiebung von der (grundgesetzlich sogar verpflichtenden) Gleichberechtigung der Frau hin zu allen möglichen Schattierungen der „Transpersonen“ gab, die zwar nur einen fast nicht mehr meßbaren Anteil an der Gesamtbevölkerung haben, durch ihre lautstarke Lobby und (noch mehr) durch die offenbar unstillbare und vermutlich nur in medizinischen Studien zu erklärende Lust der Grünen an der „Vielzahl geschlechtlicher Identitäten“ ein politisches Gewicht bekommen haben, das ihnen in keiner Weise zusteht. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, daß die Grünen zumindest im ersten Jahrzehnt ihre Bestehens sogar eine ganz besonders verwerfliche „geschlechtliche Identität“, nämlich die des Pädophilen, in mehreren Parteibeschlüssen verteidigt haben (hier nachzulesen).
Der Flyer der „Regelung“ aus Hannover wurde von Maren Gehrke, der Stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, erstellt – „mit freundlicher Unterstützung von Verena Balve (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Flensburg)“. Man sieht: die Netzwerke funktionieren nicht nur bei den Professoren der Gender Studies. Eine Empfehlung, ob sie nun auf Hannoveraner oder Flensburger Mist gewachsen ist, war die Vorschrift, statt „der Ingenieur / die Ingenieurin“ müsse es nun
der*die Ingenieur*in
heißen. Die Begründung:
In solchen Fällen wird der Genderstar auch zwischen den Artikeln gesetzt, um auf die Vielfalt der Geschlechter hinzuweisen.
Narrhalla-Marsch!
Schon im März 2017 hatte Volker Epping, der Präsident der Universität zu Hannover, zusammen mit der „Leiterin Hochschulbüro für Chancenvielfalt“, Helga Gotzmann, einen „Leitfaden: Geschlechtergerechtes Formulieren von Texten“ veröffentlicht. Um einen bloßen Leitfaden handelt es sich dabei aber keineswegs, das macht Epping, ein Professor für Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht, schon in seinen Eingangsworten deutlich:
Ich bitte Sie, allen Beschäftigten Ihres Bereichs diesen Leitfaden mit der Anlage zur Kenntnis zu geben. Die Vorgaben sind für den dienstlichen Verkehr als verbindlich zu betrachten.
Das Symposium, das im Mai zum Ausscheiden der Gleichstellungsbeauftragten von der Universität Hannover veranstaltet wurde, trug übrigens den Titel „Professorinnen als Motor der Veränderung: Female Leadership im Hochschulkontext“.
Das alles war aber offenbar immer noch nicht genug. Um sich rechtlich abzusichern, hat die Stadt Hannover ein Gutachten mit folgendem Titel angefordert:
Geschlechtergerechte Amtssprache
Rechtliche Expertise zur Einschätzung der Rechtswirksamkeit von Handlungsformen der Verwaltung bei Verwendung des Gendersterns oder von geschlechtsumfassenden Formulierungen.
Der Auftrag erging an die Professorin Ulrike Lembke, die an der Humboldt-Universität zu Berlin Öffentliches Recht lehrt und zugleich Mitglied des dortigen Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien ist. Nach ihrem Zweiten Staatsexamen lehrte Lembke laut Wikipedia
bis 2015 als Juniorprofessorin für Öffentliches Recht und Legal Gender Studies an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg, von 2017 bis 2018 als Professorin für Gender im Recht an der FernUniversität in Hagen und seit 2018 als Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Rechtliche Geschlechterstudien, insbesondere Intersektionalität und Postkategorialität, Gewalt im Geschlechterverhältnis, Antidiskriminierungsrecht und Rechtssoziologie.
Muß man da noch rätseln, wie das Gutachten ausgefallen ist? Die Stadt Hannover bekommt aber nicht nur, wofür sie gezahlt hat, sondern noch viel mehr: der staatliche Zwang zum Gendern, so die „Expertise“ der Gutachterin, ist nicht nur mit dem Grundgesetz vereinbar, das Gendern geht vielmehr als Pflicht unmittelbar aus dem Gleichberechtigungsgebot des Grundgesetzes (Art.3 GG) hervor. Dabei fällt auf, daß der sprachwissenschaftliche Sachverstand der Autorin eher bescheiden ist. Als handele es sich bei ihrer Arbeit um ein feministisches Pamphlet und nicht um ein juristisches Gutachten, macht sie aus dem „generischen Maskulinum“ flugs ein „pseudo-generisches Maskulinum“ (dieses Wort taucht 123 mal in ihrem Gutachten auf!), sie schreibt, fast wie einst die 68er, im Stil des Geschlechterkampfs von einer „Perpetuierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse durch Fortsetzung eines vorgefundenen Zustandes“, sie wirft den Verwaltungen, die noch nicht gendern, Pflichtvergessenheit vor, weil sie „in grober Verletzung rechtsstaatlicher Grundsätze davon ausgehen, ihre gesetzlichen Bindungen vernachlässigen zu können“, und der Rat für deutsche Rechtschreibung, der sich („vorübergehend“, wie Lembke hofft) gegen den Genderstern entschieden hat, wird geradezu beschimpft: seine Schlußfolgerungen seien „unbrauchbar“, zur „Regelung geschlechtergerechter Amts- und Rechtssprache“ habe er gar keine Kompetenz. Und weiter:
Aus rechtlicher Sicht ist die Verwendung geschlechtergerechter Amtssprache inklusive des Gendersterns keine Irregularität, sondern für hoheitliches Sprachhandeln und damit die Verwaltung insgesamt im demokratischen Rechtsstaat unverzichtbar.
Natürlich kommt auch hier wieder die ideologische Formulierung von der „sprachlichen Unsichtbarmachung“ der Frauen ins Spiel, und auch die Definition des Gleichberechtigungsgebots als „ein zu Gunsten von Frauen wirkendes, antipatriarchales
Verbot, von der gesellschaftlich dominanten Gruppe der Männer unterdrückt zu
werden“ zeigt, wie in dieser „Expertise“ – man könnte beinahe in Lembkescher Manier von einer Pseudo-Expertise sprechen – die Grenze zwischen juristischer Argumentation und feministischer Agitation verschwimmt. Vieles an diesem Gutachten läßt sich, wie es Reinhard Bingener in der F.A.Z. ausdrückt, „mit dem Streben nach einer wertneutralen Sprache in der Wissenschaft schwerlich vereinbaren“.
Lembke ist übrigens seit letztem Jahr auch Richterin am Landesverfassungsgericht Berlin. Vorgeschlagen wurde sie für dieses Amt von der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Ihre Mitstreiterin an der Humboldt-Universität, Susanne Baer (Lembke kann sie in den Fußnoten gar nicht oft genug zitieren), schaffte es auf Vorschlag von SPD und den Grünen sogar in den Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts (siehe unten).
Verglichen mit diesen immer dichter werdenden feministischen Netzwerken wirken die „männlichen Seilschaften“ geradezu kümmerlich.
Die bisher erschienen Folgen der kleinen Reihe „Der lange Marsch des Feminismus durch die Institutionen“ finden Sie hier:
Kathrin Kunkel-Razum, Chefin der DUDEN-Redaktion
Katja Thorwarth und die Frankfurter Rundschau
Nina George und das PEN-Zentrum Deutschland
Lena Hornstein und wetter.com
Susanne Baer und das Bundesverfassungsgericht
Johanna Rahner, das Rumgesumse und die katholische Kirche
Unnütze Klöster und zeitraubende Feiertage
Auch wenn einige Leser des Buchs schon überdrüssig sein mögen, muß ich hier doch ein weiteres Zitat aus Egon Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit anführen.
Was, fragt Friedell, bedeutet die Reformation für die europäische Kultur? Die Antwort fällt anders aus als in den meisten Handbüchern:
Sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Versuch, Leben, Denken und Glauben der Menschheit zu säkulasieren. Seit ihr und mit ihr kommt etwas flach Praktisches, profan Nützliches, langweilig Sachliches, etwas Düsteres, Nüchternes, Zweckmäßiges in alle Betätigungen. Sie negiert prinzipiell und zielbewußt aus platt kurzsichtigem Rationalismus eine Reihe von höheren Lebensformen, die bisher aus der Religiosität geflossen waren und allerdings vom Standpunkt einer niederen utilitarischen Logik kaum zu rechtfertigen sind: die „unfruchtbare“ Askese, nicht bloß die weltflüchtige und weltfeindliche, sondern auch ihre erhabenste Gestalt: die weltfreie; das „widernatürliche“ Zölibat; die „sinnlosen“ Wallfahrten; die „überflüssige“ Pracht der Zeremonien; die „unnützen“ Klöster; den „törichten“ Karneval; die „zeitraubenden“ Feiertage; die „abergläubische“ Anrufung der Heiligen, die als freundliche Beistände, gleichsam als Unterbeamte Gottes, den ganzen Alltag licht und hilfreich begleitet hatten; die „ungerechtfertigte“ Armenpflege, die gibt, um zu geben, ohne viel nach „Würdigkeit“ und „Notwendigkeit“ zu fragen. Alle Kindlichkeit weicht aus dem Dasein; das Leben wird logisch, geordnet, gerecht und tüchtig, mit einem Wort: unerträglich.
Ich, für mein Teil, habe den Protestantismus noch nie besser beschrieben gefunden als in diesen Worten.
Friedell schloß seine monumentale Kulturgeschichte übrigens 1931 ab. Sieben Jahre später stürzte sich der Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie in den Tod, als zwei SA-Männer sein Haus betraten.
Gemischter Salat auf arte
Zu dem Dokumentarfilm „Pornotropic – Heiße Küste“, der heute abend auf arte läuft (es geht um den gleichnamigen Roman von Marguerite Duras aus dem Jahr 1950), liest man in einer Programmzeitschrift:
Die Dokumentation bietet eine neue Lektüre des Buchs und zeigt, wie eng die Rassen- und Klassenfrage mit Idealen von Körper, Gender und Sexualität verknüpft ist.
Na, da haben wir den Salat – nämlich einen gemischten Salat, in dem alles kunterbunt zusammengerührt ist, was dem fortschrittlichen Dokumentarfilmer von heute am Herzen liegt. Die Vergangenheit interessiert uns nämlich nur, soweit sie die Ideologien der Gegenwart bestätigt – ansonsten: gar nicht.
„Nachhaltiger Anbau von Fisch und Gemüse“ – Beispiele für das Dummwort des Jahres
Am Freitag lief im HR-Fernsehen die Dokumentation
Nachhaltig unterwegs auf Teneriffa.
„Nachhaltig unterwegs“? Was soll das heißen? Benutzt eigentlich noch irgendein Mensch seinen Verstand? Oder plappern jetzt TV-Journalisten – ohne Einschaltung des Gehirns – jedes Wort nach, das der Zeitgeist hervorbringt? Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn Annalena Baerbock demnächst nicht nur eine feministische und klimaneutrale, sondern auch eine nachhaltige Außenpolitik betreiben würde.
Wörtermüll!
Auf der Suche nach der HR-Dokumentation in der ARD-Mediathek mußte ich mich übrigens durch eine wahre Flut von „nachhaltigen“ Filmen quälen. Wohlgemerkt, das sind nur die Filme und Filmchen, die in der ARD-Mediathek vorgehalten werden – und es sind längst nicht alle, die man dort findet. Ich habe nach hundert Einträgen aufgegeben.
Warnung! Die folgende Aufzählung kann bei Liebhabern der deutschen Sprache und bei Menschen, die sich noch ihres eigenen Verstandes bedienen, zu Übelkeit, Brechreiz und depressiven Stimmungen führen.
Alles wird nachhaltig
Weihnachten in nachhaltig („heute feiern wir nachhaltig“)
Wie nachhaltig leben?
Textilwende – Wie werden Klamotten nachhaltiger?
München nachhaltig
Wie nachhaltig sind Naturwälder?
So kann man eine Bestattung nachhaltig machen
Wie nachhaltig ist Bambus?
Unverpackt und nachhaltig
Nachhaltig und sturmerprobt
Wie nachhaltig sind Hochschulen?
Die Nachhaltige
Wie geht nachhaltiger Winterurlaub?
Nachhaltig oder Greenwashing?
Weihnachtskarpfen – nachhaltig und fangfrisch
Nachhaltig: Recyclingmesser aus Plastik
So begrünst du dein Zuhause nachhaltig
Nachhaltig Geld verdienen
Surfermode: nachhaltig und praktisch
Nachhaltig gärtnern – so geht’s
Der einzige nachhaltig Lebende
Nachhaltiges Kochen in der Großkantine
Ein Regenschirm, der nachhaltig produziert ist
Nachhaltig und sicher Dämmen (sic!)
Permakultur – eine nachhaltige Philosophie
Nachhaltig leben: Bescheiße ich mich selbst?
Nachhaltiges Wohnen in der Studienzeit
Nachhaltig düngen mit Schafwolle
Nachhaltiges Kopenhagen
Weihnachtsgeschenke nachhaltig verpacken
nachhaltig! Unverpackt-Bus
Nachhaltige Klamotten
Eine nachhaltige Familie
Nachhaltige Fischerei
Obst und Gemüse – nachhaltig und gesund
Nachhaltige Umweltverschmutzung
Holz – Gemütlich, heimisch, nachhaltig
Nachhaltige Schreinerei
Biosphärenreservat Schaalsee: Regional und nachhaltig
Nachhaltige Weihnachtsbraten
Nachhaltig reisen – Die Zukunft des Tourismus
Nachhaltige Kühlung
Veganer Käse – so nachhaltig ist er wirklich
Nachhaltiges Trockenobst
Es geht auch anders – Selbstbestimmt und nachhaltig leben
Nachhaltig leben – wie kann das im Alltag klappen?
Grüne Geldanlage? nachhaltig investieren
Nachhaltige Mode
Gespräch: Gartenpflege – nachhaltig und durchdacht
Nachhaltiger Online-Konsum
Klamottenkonsum: Nachhaltig shoppen – so geht’s!
Nachhaltiger Anbau
Altpapier-Recycling: wie umweltfreundlich und nachhaltig ist es?
Nachhaltige Sportfesttage
Nero Holzkohle? Nachhaltig Grillen (sic!)
Bundestag: Nachhaltig leben und konsumieren
Nachhaltig Aufräumen (sic!) – kinderleicht gemacht
Das Achental – Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft
Nachhaltiger Blütenzauber
Herbstdeko basteln? kreativ und nachhaltig
Nachhaltiger Kürbisanbau
Weihnachtsbäume ökologisch und nachhaltig kaufen
Wirtschaft: nachhaltiger Konsum
Unverpackt – nachhaltig leben ohne Plastik
Nachhaltige Städteplanung
Im Gespräch – Nachhaltiger Schnittblumenanbau
Nachhaltige Kaffee-Manufaktur
„Mymarini“ – Nachhaltige Bademode
Nachhaltige Anreise in den Urlaub
Wie kann nachhaltiges Bauen aussehen?
Nachhaltige Kosmetikpads nähen
Drei Pullover – welcher ist am nachhaltigsten?
Nachhaltige Stoffwindeln im Abo
Der FC Augsburg will nachhaltiger werden
Nachhaltiger Wiederaufbau im Ahrtal
Wie gelingt eine nachhaltige Wasserversorgung?
Nachhaltige, vegane Schuhe
Müll vermeiden: Wie nachhaltig sind Öko-Verpackungen?
Nachhaltig in jeder Beziehung: Landwirt und Metzger in einer Person
Click & Smile – Wie Online-Shopping nachhaltig wird
Streit um Radweg durch Bienwald – umweltschädlich oder nachhaltig?
Nachhaltiger Weinbau in Worms
Trend Menstruationstasse – So nachhaltig ist die Tampon-Revolution
Nachhaltig schenken – CO2-neutrale Weihnachtsgeschenke
Die Konsum-Aussteiger: nachhaltig und achtsam leben
Nachhaltig bauen in Steyerberg
Faire Turnschuhe – wie gehen Sneakers nachhaltig?
Deutscher Bundestag: Nachhaltige Arbeitsmarktpolitik
Nachhaltige Schwämme aus Luffa-Gurken
Perspektiven für nachhaltige Verkehrslösungen
Wie wichtig ist der Kirche nachhaltige Landwirtschaft?
Wie das Lieferkettengesetz den Bremer Handel nachhaltiger machen soll
Boomerang-Taschen: nachhaltige Einkaufsbeutel
Nachhaltige Plastik-Blumen aus Unterfranken
Wir lieben Beauty – vegan & nachhaltig
GreenHaus: Nachhaltige Möbel aus Göttingen
So investieren nachhaltige Banken in die Zukunft
„Öko-Bestattung“: Nachhaltige Särge und Urnen
Nachhaltige Produktion: Slow Fashion
Ideen für nachhaltigen Sport aus Erfurt
Nachhaltiger Anbau von Fisch und Gemüse.
Uff! Das war eine harte Arbeit – aber mit dem „nachhaltigen Anbau von Fisch“ soll die Aufzählung ein Ende haben. Ich will die Geduld meiner Leser nicht weiter auf die Probe stellen. Demnächst mehr über die Frage, wo das Wort nachhaltig noch sinnvoll eingesetzt werden kann!
Das Weib als Weltübel und reizvoller Schädling
Warnung! Das weiter unten angeführte Zitat ist dazu geeignet, zarte Gemüter zu verletzen und die seelische Wohlbefinden vor allem von Frauen erheblich zu gefährden!
Im Jahr 1486 erschien in Speyer in lateinischer Sprache der Hexenhammer (Malleus maleficarum) des deutschen Dominikanermönchs Heinrich Kramer. Er faßte alles zusammen, was man damals über Hexen zu wissen glaubte, und gab damit den Hexenverbrennungen eine „wissenschaftliche“ Grundlage. Daß viel öfter Frauen als Männer sich der schwarzen Künste bedienten, erklärt Kramer mit dem Wesen des Weibes:
Was ist denn das Weib anderes als eine Vernichtung der Freundschaft, eine unentfliehbare Strafe, ein notwendiges Unglück, eine natürliche Versuchung, ein begehrenswertes Unheil, eine häusliche Gefahr, ein reizvoller Schädling, ein Weltübel, mit schöner Farbe bestrichen?
Das Zitat habe ich in Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit (München 1927) entdeckt. Friedell selbst bemerkt, sicher zurecht, daß es sich bei der „tiefen Angst des Mannes vor seiner geheimnisvollen Gefährtin“ nur um ein religiös verkleidetes, sexuelles Problem handelt.
Es soll ja bis zum heutigen Tage eine Weltreligion geben, bei der die Angst vor der weiblichen Sexualität so groß ist, daß man die Frauen ins Haus oder in ein kerkerähnliches, blickdichtes Kleidungsstück einschließt.
Das Kabinett Scholz: Hauptsache Frau!
Die Außen- und Sicherheitspolitik wird in den nächsten Jahren vor enormen Herausforderungen stehen. Rußland und China betreiben eine immer aggressivere und auf militärische Expansion zielende Politik, und selbst in der EU haben sich autoritäre Regierungen etabliert, die hinter einer demokratischen Fassade immer schamloser die freie Presse und die unabhängige Justiz ausschalten.
Wenn man da bestehen und die Interessen unseres Landes und des freien Westens wirksam und kraftvoll vertreten will, braucht es Politiker mit Statur und großer Erfahrung. Das Schicksal unseres Landes in diesen Zeiten in die Hände von Leichtgewichten wie Annalena Baerbock und Christine Lambrecht zu legen – nach dem Motto „Hauptsache Frau!“ – kann Deutschland teuer zu stehen kommen.
Von Karl Lauterbach gar nicht zu reden.
Ein schlesischer Dichter an die Dumm- und Vielschwätzer im Internet
Friedrich von Logau (1605-55) hat in seinem Leben über 3.500 Epigramme veröffentlicht. Man kann darin trefflich stöbern – und findet zum Beispiel dieses:
Viel gedencken, wenig reden und nicht leichtlich schreiben
Kan viel Händel, viel Beschwerden, viel Gefahr vertreiben.
Sensationelle Enthüllung – Kai Karotte ist ein Hetero!
Kennen Sie „wmn“? Nein? Dann sind Sie vermutlich wie ich Mitglied der großen Mehrheitsbevölkerung. „Wmn“ (vermutlich durch Schrumpfung aus woman oder women gebildet) ist ein Versuch der Funke Mediengruppe, mit jungen Frauen und ein bißchen Pseudofeminismus Geld zu verdienen. Aber hören wir einmal, wie sich wmn selbst beschreibt:
Wir behandeln aktuelle Themen zu Lifestyle, Sex & Liebe, Beauty & Gesundheit, Business & Job, sowie Familie & Partnerschaft. Wir stehen für (Selbst-)Bewusstsein, Emanzipation und Selbstverwirklichung. Bei den wichtigsten Entscheidungen im Leben wollen wir jungen Frauen zur Seite stehen. Wir stellen Fragen. Wir sind offen und mutig. Wir stehen zu unserem Wort. Wir wollen kein Schwarzweiß. Wir suchen die richtige Balance. Wir wollen lernen. Wir lieben uns so, wie wir sind. wir sind wmn.
Also: ich bin nicht wmn, ich bin nur mn. Aber selbst ich wmn wäre, würde ich mich für diesen Funke’schen Marketing- und Werbe-Jargon richtig schämen. Und erst recht für den Artikel der wmn-„Redakteurin“ Mona Schäffer:
Aldi-Möhrenfamilie: Der Discounter hat eine Chance zur Integration verpasst.
Ja, was war denn da los? Schon seit längerem bevölkern seltsame Karotten jeden Aldi-Prospekt. Sie heißen Kai und Karla Karotte und haben drei Kinder: Michel, Mia und Merle. Daß es sich um ziemlich bescheuerte Maskottchen handelt, sieht man auf den ersten Blick. Aufgrund einer zunehmenden Infantilität unter Erwachsenen kann es aber durchaus sein, daß die munteren Möhren auf freudige Zustimmung stoßen und bald ihre eigene Fangemeinde haben. Auch Mona Schäffer gibt zu, daß es sich hier um „eine wirklich niedliche Familie“ handelt.
Aber dann legt die Redakteurin los:
Ein traditionelles Elternhaus mit einem Papa und einer Mama. Dazu drei glückliche und wohlerzogene Kinder. Doch ist das eigentlich noch zeitgemäß?
Eine Frage, die sich bei ihr eigentlich von selbst beantwortet, aber weil ja womöglich nicht jede wmn-Leserin den geistigen Höhenflügen der wmn-Redaktion folgen kann, wird Mona Schäffer deutlicher:
Traditionelle Rollenbilder einer „klassischen“ Familie gehören nach Ansicht vieler Menschen aus den jüngeren Generationen in die Vergangenheit. Heute wissen wir darum, dass es ganz normal ist, dass Ehen zwischen zwei Elternteilen scheitern können.
Ach ja, wirklich? Wer hätte das gedacht! Wie gut, daß es die Funke Mediengruppe gibt!
Wer jetzt aber meint, das sei alles nur so dahergesagt, den überrascht die Redakteurin mit knallharter philologischer Beweisführung und einem Ausflug in die deutsche Grammatik:
Eine Ehe zwischen Kai und Karla deutet auf eine heterosexuelle Beziehung hin. Das sehen wir nicht nur an den traditionell männlichen (Kai) und weiblichen (Karla) Namen. Wir sehen es auch an den Pronomen „sie“ und „er“, die Aldi zur Beschreibung der Familie nutzt.
Wie wahr! Aber – was will uns die Redakteurin damit eigentlich sagen?
Queere Menschen machen einen Anteil von gut 15% der Gesamtbevölkerung aus. Das ist beinahe jeder sechste Mensch. Meiner Meinung nach Grund genug, um sie auch mal in den Vordergrund zu stellen.
Stimmt, denn sie stehen ja sonst nirgendwo im Vordergrund! Queere Menschen bevölkern zwar seit Jahren jeden Krimi, jede Talkshow, jede Nachrichtensendung, aber das reicht noch lange nicht. Denken Sie einmal nach: wann haben Sie zum letzten Mal einen Tatort oder einen Polizeiruf ohne schwules oder lesbisches Paar gesehen? Eben. Und wenn nicht queer, dann wenigstens mit Migrationshintergund. Farbige Frauen sind im Krimi zur Zeit besonders beliebt. Wenn ein alter weißer Fernsehkommissar oder sein Assistent abtritt, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit durch eine Frau mit Migrationshintergrund ersetzt. Das alles hat rein gar nichts mit Gendergerechtigkeit oder „Sichtbarkeit“ zu tun. Es ist einfach nur peinlich, weil es aufgesetzt wirkt und nichts anderes ist als ein Kotau vor den mächtigen einschlägigen Lobbygruppen. Ich vermute übrigens, daß Drehbücher (oder Theaterstücke) ohne „LGBTI-Personen“ bzw. ohne Menschen mit Migrationshintergrund heutzutage gar nicht mehr angenommen werden. Die Autoren sich diesem Druck offenbar schon gebeugt.
Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß es einen Schauspieler etwa befriedigt, wenn er weiß, daß er seine Rolle nur wegen seiner Hautfarbe bekommen hat.
Aber zurück zu unserer Redakteurin. Die edle Einfalt ihres Artikels ist natürlich auch den Lesern aufgefallen. Die Redaktion meldet mit gekonnter Untertreibung, daß es „einige Leser:innenmails, Instagram-Nachrichten und Twitter-Comments“ gegeben habe. Drei davon werden zitiert, die Absender („Die Namen wurden von mir geändert“) heißen Emil, Samuel und Janosch. Merkwürdig – alles Männernamen, und das in einer Zeitschrift für junge Frauen!
Aus einem der Leser:innenmails möchte ich am Ende noch ein paar Sätze zitieren, weil sie zeigen, auf welch hohem Niveau sich auch die Leser:innen von wmn artikulieren:
Zwei verheiratete Bisexuelle in einer monogamen Beziehung und meinetwegen auch mit Kindern, können weiterhin Bisexuell sein. Oder sind Asexuell, oder Pansexuell oder Omnisexuell. Klar ist das nicht „in your face“- lesbisch oder schwul, jedoch inklusiv im Biplusumbrella, absolut queer.
Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.
Ein verwerfliches Urteil des Bundesverfassungsgerichts
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die schweren Einschränkungen der Grundrechte „in der äußersten Gefahrenlage der Pandemie“ rückwirkend für verfassungsgemäß erklärt hat, ist eines der schlimmeren Urteile, die das BVG in den letzten Jahrzehnten gefällt hat. Es ist in meinen Augen deshalb so gefährlich, weil es künftigen Regierungen einen Freibrief ausstellt, denn wenn sich der Gesetzgeber „wegen Unwägbarkeiten der wissenschaftlichen Erkenntnislage“ kein sicheres Bild der Lage machen kann, so steht es in der Urteilsbegründung, dann
genügt es […], wenn er sich an einer sachgerechten und vertretbaren Beurteilung der ihm verfügbaren Informationen und Erkenntnismöglichkeiten orientiert.
Damit kann das Parlament künftig Grundrechte jedenfalls dann nach Herzenslust beschränken, wenn es wenigstens eine bestimmte Fraktion der Wissenschaft auf seiner Seite hat. Es muß offenbar nicht einmal a posteriori in Studien prüfen lassen, ob die Maßnahmen überhaupt wirksam waren, etwa die Beschränkungen bei Sportveranstaltungen im Freien, beim Aufenthalt im Restaurant oder beim Feuerwerk an Silvester. Die vielen Bundesligaspiele mit Zehntausenden von Zuschauern haben in den letzten Monaten offenbar kaum zu Ansteckungen geführt, auch nicht die Restaurantbesuche. Und gibt es belastbare Studien, daß sich die Menschen beim Einkaufen infizieren? Wenn der Staat aber die Wirksamkeit seiner Maßnahmen nicht einmal im nachhinein prüfen lassen muß, dann kann er ja buchstäblich tun und lassen, was er will.
Und an das Bundesverfassungsgericht wird sich nach diesem Urteil – schon aus Mangel an Erfolgsaussicht – kaum mehr jemand wenden, etwa wenn es demnächst um die Impfpflicht geht.
PS: Ich bin selbst vollständig geimpft und empfehle jedem dringend, sich auch impfen zu lassen. Aber eine Impf-Pflicht ist nicht mit dem Grundgesetz und einem liberalen Rechtsstaat vereinbar. Wenn dann auch noch Verstöße gegen die Impfpflicht mit Strafen von mehreren tausend Euro geahndet werden, wird der von Juristen gemachte feinsinnige Unterschied zwischen einer (angeblich verfassungsgemäßen) Impfpflicht und einem (verfassungswidrigen) Impfzwang vollends absurd.
