Trimmels allerletzter Fall oder: 14>3

Das folgende Fundstück möchte ich unbedingt mit meinen Lesern teilen. Es gibt da nämlich eine Seite, die sich „BücherTreff.de“ nennt. Eine Suche nach dem Schriftsteller und Drehbuchautor Friedhelm Werremeier hat mich zufällig auf diesen Treff geführt (hier anzuschauen). Werremeier hat in den 60er Jahren für den neugeschaffenen Tatort die Figur des Kommissars Paul Trimmel erfunden, und ältere Menschen werden sich noch gut an die legendären Folgen von damals erinnern, Richter in Weiß zum Beispiel (auf der Seite falsch als Weiss geschrieben), Trimmel hält ein Plädoyer oder Trimmels letzter Fall. Nicht alle von Werremeiers Kriminalromanen sind verfilmt worden, aber alle 14 sind hier immerhin korrekt aufgeführt worden. Es gibt inzwischen übrigens noch andere, zum Teil bessere Seiten, die Bücher „in der richtigen Reihenfolge“ ordnen – eine nützliche Sache.

Aber dann! Denn jetzt greifen Statistik und Mathematik an:

Über eine Zeitspanne von 41 Jahren erschienen Fortsetzungen der Reihenfolge in Intervallen von durchschnittlich 3,2 Jahren. Nimmt man diesen Verlauf als Grundlage, hätte eine Fortsetzung mit Buch 15 in 2012 erscheinen müssen. Dies war nicht der Fall. Schlagwort Zeit: Schon 14 Jahre ist der hypothetische Veröffentlichungstermin vergangen. Überdies haben wir keine Ankündigung eines neuen Bandes erhalten. Einen Lichtblick gibt wenigstens die bisher größte Stagnation von 27 Jahren. Sie ergab sich nach der Publikation von Buch 13 beim Warten auf Teil 14 „Trimmels letzter Fall“. Setzt man den zeitlichen Abstand als Basis voraus, sollte der kalkulatorische Erscheinungstermin zu einem 15. Band der Reihenfolge in 2036 liegen.

Der Leser verstummt vor soviel mathematischer Raffinesse. Den nächsten „Trimmel“ können wir womöglich erst 2036 – also sogar noch nach dem Verbot von Benzinern und Dieselautos! – kaufen. Unerträglich, diese ewig lange Wartezeit.

Im Faktencheck folgt dann ein auf den ersten Blick rätselhafter Satz:

Das Konzept, eine Buchreihe als Trilogie zu veröffentlichen, gebrauchen unzählige Autoren.

Na ja, vielleicht nicht unzählige – aber was hat eine Trilogie mit den 14 (!) Trimmel-Büchern zu tun? Der Autor verrät es uns:

In der Reihe wurden bislang 14 und damit mehr als drei Teile veröffentlicht.

Er hätte da zwar auch – angesichts seiner Begeisterung für die Mathematik – 14>3 schreiben können. Aber die Frage bleibt: was will er uns damit sagen? Wir wissen es nicht. Aber er läßt nicht locker:

Uns erreichte bisher keine verbindliche Ankündigung zu einem 15. Teil.
Du weißt mehr? Melde dich!

Na gut, ich melde mich – auch wenn Du mich duzt, obwohl wir uns gar nicht kennen. Ich weiß nämlich wirklich ein bißchen mehr als Du, lieber Administrator! Wenn Du von Werremeier selbst wissen willst, warum er nicht pflichtgemäß alle 3,2 Jahre einen neuen Trimmel veröffentlicht, mußt Du ihn halt besuchen. Ob Du von ihm allerdings eine „verbindliche Ankündigung“ erhalten wirst, halte ich für fraglich. Aber mach Dich ruhig auf den Weg!

Werremeier liegt auf dem Friedhof von Bad Bevensen begraben – seit dem November 2019.

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