„Finnische Armee bombardiert U-Boot vor Helsinki“ – sagt FOCUS

An dieser Überschrift von FOCUS Online (hier nachzulesen) ist nichts wahr – außer der Ortsangabe Helsinki.

Aber die wenig spektakuläre Wahrheit interessiert dieses Qualitätsmagazin nicht.

Was ist da in den finnischen Hoheitsgewässern wirklich passiert? Es hat „verdächtige Bewegungen“ im Wasser gegeben. Ob es ein fremdes U-Boot war, weiß niemand. Um der Besatzung des (vermuteten) U-Boots zu zeigen, daß man sie aufgespürt hat, hat man eine sogenannte „Sinkbombe“ gezündet, die keinerlei Schaden anrichtet, sondern dem Boot nur durch einen lauten Knall signalisiert, daß es entdeckt worden ist und schleunigst das Weite suchen sollte. Die finnischen Behörden sind im übrigen in ihren Stellungnahmen extrem vorsichtig.

Wie man angesichts dieser Nachrichtenlage zu der zitierten reißerischen Überschrift kommen kann, bleibt das Geheimnis von FOCUS.

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Die Fernsehkritik schreibt nur noch vom Internet ab – oder: Mausverbot für Journalisten!

Lesen Sie doch einmal die Fernsehkritiken in den Online-Ausgaben unserer Zeitungen! Da zeigt sich immer öfter ein Phänomen, das für unseren Journalismus mehr als beschämend ist. Statt uns in gutem Deutsch zu berichten, wie sie die Sendung vom Vortag gesehen haben, erzählen sie uns, was irgendwelche dummen User im Internet darüber geschrieben haben. Ein paar eigene Sätze, dann folgt eine Twitternachricht auf die andere.

Liebe Journalisten! Seid ihr eigentlich zu faul, in euren eigenen Worten eine eigene Kritik zu formulieren? Oder findet ihr wirklich, daß die meist schlichten Bemerkungen von twitternden Usern eine Bereicherung darstellen?

Mein Vorschlag: holt eure alte Schreibmaschine aus dem Keller (wenn da noch eine ist), stellt sie in einen Raum ohne Internetanschluß – und schreibt darauf eure Kritik über die Maischberger oder den letzten Tatort. Kein Geklicke mit der Maus! Einfach nur aufschreiben, was in euch beim Sehen vorgegangen ist.

Man braucht nämlich zum Verfassen einer Kritik nur ein Gehirn und ein bißchen Gewandtheit im Umgang mit der Sprache.

Was man ganz und gar nicht braucht: die dummen Sprüche spätpubertierender Internetuser. Sie wirken im (Online-)Artikel einer seriösen Zeitung einfach nur peinlich.

So, das mußte mal gesagt werden.

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Der Winkemann von Berwang – Ein kleiner Rückblick auf die Saison 2014/15

Eine seltsame, manchmal beängstigende Saison liegt hinter uns  – rätselhaft, mit herben Enttäuschungen, aber auch mit einigen Überraschungen.

Es beginnt damit, daß in Berwang selbst Mitte Dezember der Schnee fürs Skifahren noch nicht ausreicht. Der Beginn der Wintersaison wird immer wieder verschoben, und als die Sonnalmbahn endlich fährt, fehlt ausgerechnet – der Winkemann. Niemand weiß, warum. Irgendwann liest man auf der Internetseite der Zugspitzarena:

Nachdem der Winkemann aus Berwang seinen Ruhestand antrat, wurde die Tradition fortgesetzt. Und so kannst du den Winkemann den ganzen Winter lang mit etwas Glück jeden morgen sehen. Wink ihm doch zurück.

Die Tradition wurde freilich keineswegs gleich fortgesetzt. Erst am 7. Januar winkt er zum ersten Mal in diesem Winter – so spät wie noch nie. Es ist wohl ein neuer Winkemann, der Rhythmus ist ein wenig schneller als beim alten, aber immerhin: er winkt gleichmäßig und schön, und sein Auftritt kommt so zuverlässig wie bei seinem pensionierten Vorgänger.

Auch ein paar Highlights gibt es, etwa wenn er mit ein oder zwei Kollegen zusammen winkt (Synchronwinken). Und hin und wieder beteiligt sich auch, leider kaum sichtbar, hinten im Bild ein Mitarbeiter der anderen Bergstation an der Winkerei.

Das Ende der Saison bleibt wieder so geheimnisvoll wie ihr Anfang. Das genaue Datum, wann der Bergbahnbetrieb endet, findet sich irgends, und so kann man erst a posteriori feststellen, daß unser Winkemann am 10. April 2015 das letzte Mal zu sehen ist. Trotz des späten Beginns war er also fast so oft im Bild wie sein Vorgänger in der Saison 2013/14, nämlich genau 59mal.

Jetzt beginnt also wieder die Zwischensaison, in der man viel Geduld aufbringen muß: der Schnee schmilzt langsam (ausapern nennt man das mit dem Fachbegriff), und es wird einige Zeit dauern, bis wir im Alpenpanorama von 3sat (immer von 7.30 bis 9 Uhr am Morgen) wieder grüne Almen sehen können.

Aber sie werden kommen!

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Die Nachtwölfe – Ночные Волки

Putins Biker, der Motorradclub „Nachtwölfe“, die russischen Hells Angels also, wollen von Moskau nach Berlin fahren, um dort am 8. Mai den Sieg über den Faschismus zu begehen. Sie sind fast nirgends willkommen: Polen hat ihnen die Durchfahrt verboten, auch Deutschland will sie nicht. Aber die von Putin unterstützten Biker kommen trotzdem. Wenn ein Putin sie unterstützt – wer sollte sie dann hindern?

Die Nachtwölfe haben nicht nur die Annektion der Krim begeistert aufgenommen, sie haben die kriminellen Aufrührer in der Ostukraine auch tatkräftig unterstützt. Da wundert es niemanden mehr, daß sie sich jetzt in Länder drängen wollen, in denen sie nicht willkommen sind. Schamgefühl darf man von solchen Menschen nicht erwarten.

Allenfalls 30 von ihnen dürfte die Einreise nach Deutschland gelingen.

Da wird die Linke (auch das ist Sozialismus 2.0!) wahrscheinlich schon einmal mit Winkelementen ihre ganz eigene Willkommenskultur unter Beweis stellen.

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Sozialismus 2.0 ?

Die Linke hat in Berlin einen Zukunftskongreß veranstaltet, obwohl es doch angesichts ihrer geistigen Verfassung viel plausibler gewesen wäre, einen Vergangenheitskongreß zu veranstalten. Ihr „Zukunftsmanifest“ nennt sich

Die kommende Demokratie: Sozialismus 2.0.

Wer immer schon mit dem historischen Sozialismus 1.0 seine Erfahrungen gesammelt hat, den kann es bei der Vorstellung eines solchen Updates nur grausen. Tröstlich aber ist, daß die Menschen zwar vergeßlich sind und immer wieder auf dieselben Bauernfänger hereinfallen, daß sie aber so strunzdumm auch nicht sind, wie die Linke glaubt. Ein bißchen Internetschpeak, ein paar flotte Kreativworkshops, das wird am Ende doch nicht reichen, um die Menschheit ein zweites Mal zu verdummen.

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Fifty Shades of Focus

Die Altherren-Riege im Qualitätsmagazin FOCUS ist besorgt.

Sie muß noch bis zum 10. Februar 2017 warten, erst dann kommt der neue „Fifty Shades“-Film in die Kinos. Aber Fragen stellen sich schon jetzt (hier nachzulesen):

Es stellt sich die Frage, ob ein neuer Drehbuchautor und ein neuer Regisseur vielleicht auch für etwas mehr und explizitere Sex-Szenen sorgen.

Bis dahin kann man den alten Herren nur den mehrfachen Besuch des (laut FOCUS) „heißersehnten SM-Erotik-Thrillers“ Fifty Shades of Grey empfehlen, der schon seit Februar in den Kinos läuft. Natürlich bietet FOCUS dafür eine kleine Handreichung:

Star-Infos und was es sonst noch über die devote Anastasia Steele und ihren dominanten Sadomaso-Milliardär Christian Grey zu wissen gibt, finden Sie hier im FOCUS-Online-News-Ticker.

Wie heißt doch gleich das Motto des Magazins? „Fakten, Fakten, Fakten, und an den Leser denken!“ Und den Leser holt man offenbar dort ab, wo er (laut FOCUS) ist: im Sumpf der Altherren-Erotik.

Mit Werbung hat das natürlich rein gar nichts zu tun.

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Der Sultan eiert herum

Erdogan bedauert das Los der Armenier, die „unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren haben“.

Schon wieder eine Lüge, denn der Krieg war keineswegs der Grund für den osmanischen Völkermord an den Armeniern, der Krieg war nur die willkommene Kulisse. Im Rausch des Krieges überall in Europa und in Vorderasien, so dachten sich die Jungtürken, würde die Weltöffentlichkeit nicht so genau hinschauen, wenn man ein kleines christliches Volk massakrierte. Es ist vor allem Pater Lepsius zu verdanken, daß diese Rechnung nicht aufging.

Angesichts der unvorstellbaren Brutalität, mit der die Auslöschung des armenischen Volkes geplant und durchgeführt wurde, ist es mehr als zynisch, wenn Erdogan nur von „traurigen Ereignissen“ spricht. Und ausgesprochen beschämend ist wieder einmal die Rolle unserer türkischen Islamverbände: statt wenigstens hier in Deutschland endlich die historische Wahrheit auszusprechen und sich beim armenischen Volk zu entschuldigen, starten sie eine Protestkampagne gegen die Resolution des Deutschen Bundestages.

Diese Verbände, aber das weiß man ja seit langem, sind nur Marionetten der türkischen Regierung.

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Ministerin gesucht: jung, weiblich usw.

So könnte eine Stellenanzeige aussehen, wenn irgendwo in Europa ein neues Kabinett gebildet wird:

Ministerin gesucht. Voraussetzung: jung, weiblich, attraktiv, möglichst mit Migrationshintergrund.

So eine Anzeige findet sich natürlich in keiner Zeitung, denn attraktive Kandidatinnen sucht man im Umfeld der eigenen Partei.

Mit durchaus zweifelhaftem Ergebnis.

Nehmen wir einmal die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, die der französische Premierminister Valls letztes Jahr in sein Kabinett geholt hat. Die aus  Marokko stammende Ministerin hat zwei große Ziele: die Abschaffung der Prostitution  (viel Erfolg damit!) und die Abschaffung der Eliten. Die Abschaffung der Prostitution wird ihr sowenig gelingen wie den USA einst das Alkoholverbot in der Zeit der Prohibition. Deshalb stürzt sich Najat Vallaud-Belkacem jetzt erst einmal in den Kampf gegen das „elitäre“ französische Schulsystem.

Aber Eliten, chère Madame le Ministre, braucht jeder Staat, und zwar auf allen sozialen Ebenen. Das Mißtrauen gegen die Eliten und alles „Elitäre“ ist leider ein fester Bestandteil fast aller linken Ideologien. Das war schon in nuce bei Marx und Engels so (bitte nachlesen!), und es zieht sich durch die ganze Geschichte der sozialistischen Länder. Wer aus der Intelligenz kam, wurde dort immer kritisch beobachtet: man mißtraute dem Geist (und nicht einmal zu unrecht). Gebildete – wirklich gebildete – Eltern zu haben, war für Kinder im Sozialismus kein Zuckerschlecken und ihrer Karriere denkbar schädlich. Und man bezahlte Lehrer, Ärzte usw. ausgesprochen schlecht. Da, wo die linken Regime (wie in Rußland und Kambodscha) zu Schurkenstaaten wurden, massakrierte man immer zuerst die „Intelligenz“.

In Frankreich und anderen Ländern macht man das natürlich subtiler, da gibt man vor, für die Chancengleichheit zu kämpfen. Ein edles Unterfangen, nicht wahr? Aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man unter dem fortschrittlichen Zuckerguß auch hier nur das alte sozialistische Mißtrauen gegen den Geist.

Es ist weiter nichts als verkappter (und sehr verstaubter) Proletarismus.

Mit Elite meine ich natürlich nicht den Geldadel, also die unansehnliche Melange aus Managern, reichgewordenen „Promis“, Sportmillionären und Emporkömmlingen – ich meine damit die echte Elite, die Frauen und Männer aus Wissenschaft und Kunst, aber auch die vielen Menschen, die zum Beispiel ein altes Handwerk am Leben erhalten oder in einem der Orchideenfächer (etwa der Hethitologie) forschen – was beides, wie Madame le Ministre sagen würde, die Chancengleichheit um kein Jota voranbringt. Sie macht deshalb mit ihrer geplanten Mittelstufenreform auch der deutschen Sprache den Garaus, denn, so sagt sie: die zweisprachigen Klassen an den französischen Schulen seien elitär und würden „nur von wohlhabenden Familien genutzt“ („ces classes sont trop élitistes et ne profiteraient alors qu’aux familles plus aisées“). Wie man freilich das Deutschangebot demokratisieren will, indem man es erst einmal stark einschränkt, das wissen nur die Götter.

Natürlich hält die Ministerin – auch das schlechte linke Tradition – wenig von der lateinischen und der altgriechischen Sprache: alles zu elitär, alles nur für wohlhabende Familien. Jetzt, nachdem ein Sturm der Entrüstung über sie hereingebrochen ist, läßt sie ausrichten, sie liebe die deutsche Sprache doch!

Aber das muß sie gar nicht. Sie muß nur begreifen, daß etwa die deutsch-französische Aussöhnung nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht so viele junge Franzosen Deutsch, wenn nicht so viele junge Deutsche Französisch gelernt hätten. Und sie sollte begreifen, daß man Kindern nicht alles aus dem Weg räumen darf, was schwierig und „elitär“ ist.

Kinder brauchen Herausforderungen, Ziele auch ganz in der Ferne. Die Hoffnung, einmal zur geistigen Elite seines Landes zu gehören, ist so ein Ziel. Und ein sehr respektables dazu.

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Steinmeier – Der Leisetreter und der Völkermord

Es stimmt ja: der Begriff des Völkermords wird immer öfter und vielfach zu voreilig verwendet. Er ist zu einem Kampfbegriff geworden. Das ist gerade deshalb schade, weil dadurch die wirklichen Völkermorde in ihrer Furchtbarkeit relativiert werden.

Ein Ausrottungsfeldzug, bei dem es sich eindeutig um einen Völkermord gehandelt hat (also um den Versuch, ein ganzes Volk auszurotten), war der von langer Hand geplante und 1915 mit größter Brutalität durchgeführte Genozid an den Armeniern durch die osmanische Regierung. Es gibt keinen einzigen Historiker außerhalb der Türkei, der dem widersprechen würde. Aber es gibt in unserem Land Politiker, die aus Rücksicht auf den NATO-Partner Türkei (man könnte aber auch sagen: aus Feigheit) diese historisch vielfach belegte Tatsache nicht aussprechen. Dazu gehören leider auch die Regierung Merkel und der allseits beliebte Außenminister Steinmeier.

Steinmeier vermeidet im Zusammenhang mit den Armeniern den Begriff Völkermord wie der Teufel das Weihwasser. Dabei mag eine Rolle spielen, daß es neben dem türkischen auch ein deutsches Schuldeingeständnis geben müßte, denn das Kaiserreich, das im Krieg mit den Osmanen verbündet war, hat (obwohl es 1915 detaillierte Kenntnisse über die Vorgänge hatte!) nicht einmal den Versuch gemacht, die Greueltaten zu verhindern.

Im Gegenteil: der damalige Reichskanzler Bethmann Hollweg schrieb in einem Vermerk (hier nachzulesen):

Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zugrunde gehen oder nicht.

Diese Mitschuld immerhin hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2005 förmlich festgestellt. Die „unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches“ wurde in einer von allen Fraktionen gebilligten gemeinsamen Erlärung bedauert – freilich ohne von einem Völkermord zu reden: nur von „Vertreibungen und Massakern“ ist die Rede.

Und heute, zehn Jahre später, hört man vom deutschen Außenminister diesen unsäglichen Satz:

Verantwortung heißt eben, Verantwortlichkeit nicht auf einen einzigen Begriff zu reduzieren.

Selten, das muß ich gestehen, hat jemand seine eigene Leisetreterei, seine eigene Feigheit so verschwurbelt kaschieren wollen. Und was heißt eigentlich „reduzieren“? Wenn ich einen Mord Mord nenne (oder einen Außenminister Außenminister), dann stelle ich nur fest, was ist. Ich reduziere gar nichts!

Es müsse „über den Tag des Gedenkens hinausgedacht werden“, sagte Steinmeier, deshalb gehe man nicht „den einfachen Weg.“

Aber: eine Wahrheit aussprechen, die Dinge beim Namen nennen, das ist nun wirklich nicht „der einfache Weg“. Das hat auch Papst Franziskus erfahren müssen, der anders als Steinmeier von einem Völkermord gesprochen hat. Der großspurige Sultan im fernen Ankara hat ihn daraufhin unflätig beschimpft,  denn eine unabhängige Wahrheit gibt es für ihn nicht: wer auch immer die weiße Weste des Türkentums befleckt, bekommt seinen Zorn zu spüren.

Es sind in dieser Woche besonders die Kanzlerin und ihr Außenminister, die mit allen Mitteln versuchen, in der Stellungnahme des Bundestags das Wort „Völkermord“ zu verhindern. Viele Bundestagsabgeordnete von CDU und SPD sind darüber entsetzt und wollen sich als freigewählte Parlamentarier nicht von der Regierung vorschreiben lassen, wie sie sich am Freitag entscheiden werden. Aber sie sagen das nur hinter vorgehaltener Hand. Man darf gespannt sein.

Ein Argument gegen das Aussprechen des „V-Wortes“ ist besonders absurd: Deutschland solle sich aufgrund seiner eigenen Geschichte mit vorschnellen Urteilen über andere Völker zurückhalten. Das Gegenteil ist der Fall: gerade weil Deutschland an einem der schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts schuldhaft beteiligt war (und diese Schuld, wenn auch mit Verspätung und nicht immer mit der wünschenswerten Konsequenz, doch gründlich aufgearbeitet hat), ist es ganz besonders aufgerufen, in solchen Dingen klar und eindeutig zu reden.

Wir haben es (nicht immer ganz freiwillig!) gelernt, unsere Geschichte mit all in ihren Höhen und Tiefen zu akzeptieren. Diese schmerzhafte Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit steht der Türkei noch bevor.

PS:  Wer einen historischen Roman über den Völkermord an den Armeniern lesen möchte, dem empfehle ich Franz Werfels 1933 erschienenen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“. Es ist einer der besten historischen Romane, die je geschrieben wurden, und man kann sich bei der Lektüre ganz wunderbar von dem Schund erholen, der heutzutage unter dem Label „historischer Roman“ oft verbreitet wird.

PS 2:  Gerade wird die Nachricht verbreitet, daß die Große Koalition den Entwurf geändert hat und für die osmanischen Greueltaten nun doch den Begriff „Völkermord“ verwendet. Das ist auf jeden Fall ein Sieg des Parlaments über die Exekutive – und eine schwere Niederlage für Merkel und Steinmeier. Aber keine Sorge: die beiden bleiben trotzdem ganz vorn in der Wählergunst, was (wie ich es gern ausdrücke) zu den großen Geheimnissen der Geschichte gehört.

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China verurteilt Gao Yu zu sieben Jahren Gefängnis

Sie hat schon einmal sechs Jahre im Gefängnis gesessen: die 71jährige Journalistin Gao Yu (ich habe hier über sie berichtet). Jetzt ist sie wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen“ noch einmal zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ob sie die Entlassung im Jahr 2022 noch erleben wird, weiß niemand.

Die Hoffnungen, daß die wirtschaftliche Öffnung in der „Volksrepublik“ China auch zu einer politischen Öffnung führen würde, waren von Anfang an eitel. Es ist gerade umgekehrt: um die rigide, historisch überholte Parteidiktatur nicht zu gefährden, hat China eine Art Manchesterkapitalismus eingeführt, der vielen ein bißchen Wohlstand, noch viel mehr Menschen aber, zum Beispiel den vielen Millionen Wanderarbeitern, nur Elend brachte. Kein kapitalistisches Land der Welt ist je mit seinen „Arbeitern und Bauern“ so brutal umgegangen wie China.

Die neue Parteiführung unter Xi Jinping ist dabei, alle zarten Pflänzchen, die auch nur entfernt an Demokratie erinnern, ein für allemal auszurotten. Der Weg geht zurück zu Mao Tse-tung, der – zusammen mit Hitler und Stalin – zu den großen Verbrechern des vergangenen Jahrhunderts gehört.

Ein gutes Omen ist das nicht.

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