Die Dankerei an der Kasse

Jeder kennt es – es ist die ganz normale Konversation an der Supermarktkasse:

„Brauchen Sie den Kassenbon?“
„Nein, nein, danke!“
„Danke für den Einkauf, und einen schönen Abend noch!“
„Danke, Ihnen auch!“
„Danke!“

Hat das nicht fast schon etwas Skurriles? Am Ende weiß man oft gar nicht mehr, wer da eigentlich wem wofür dankt – so oft wird in kürzester Zeit hin- und zurückgedankt. Die Dialoge im Absurden Theater, bei „Warten auf Godot“ etwa, sind kaum befremdlicher.

Andererseits: wer da sorgfältig und bedächtig und immer nur mit gutem Grund danken würde, hätte einen schweren Stand. Hinter einem stehen schließlich schon die nächsten Kunden an der Kasse, sie haben es eilig, auch sie wollen möglichst schnell in den Genuß der Dankerei kommen.

Wir wollen sie nicht aufhalten.

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Kirchenaustritte

Es wird niemanden wundern, daß die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche im letzten Jahr stark gestiegen ist. Obwohl sich die meisten Mißbrauchsfälle nicht in der Kirche ereignen, sondern in der Familie, im Sportverein und in Internaten, nimmt man solche Fälle der Kirche – zurecht! – ganz besonders übel. So etwas darf einfach nicht sein, hier wird ein Vertrauensverhältnis zerstört, das kaum wieder zu kitten ist. Es kommt noch hinzu, daß die Behandlung  solcher Fälle durch die Kirchenadministration erschreckend war: statt sich um die Opfer zu kümmern und die Täter anzuzeigen, hat man in vielen Fällen versucht, die betroffenen Priester aus der Schußlinie zu nehmen und alles zu vertuschen. Die Priester wurden versetzt und konnten so oft weitere Kinder mißbrauchen. Die fromme Erwartung, daß sie nach der Versetzung von ihrem Tun ablassen würden, muß man (günstigensfalls!) als naiv und fahrlässig bezeichnen.

Das ist die eine Seite der Sache.

Die andere ist, daß Benedikt XVI. schon auf die irischen Mißstände schnell und mit geradezu unvatikanischer Direktheit reagiert hat. Er hat die Mißbrauchsfälle zur Chefsache gemacht und dafür gesorgt, daß auch die deutschen Vorschriften weiter verschärft wurden. Ein Täter in der Kirche hat jetzt, sobald ein Verdacht gegen ihn auftaucht, keine Chance mehr, sich der Justiz zu entziehen.

Trotzdem kann ich die vielen Kirchenaustritte nicht ganz verstehen.

Die Motive sind ja recht vielschichtig: das reicht vom Einsparen der Kirchensteuer bis hin zu den Fällen, wo einem Menschen im Lauf des Lebens einfach der Glaube abhandengekommen ist. Auch der primitive, aber forsch und gebieterisch auftretende Atheismus, wie er aus England zu uns gekommen ist, wird ein übriges tun.

Aber austreten, weil es das Böse auch innerhalb der Kirche gibt?

Die Menschen innerhalb der Kirche sind doch nicht anders als die außerhalb der Kirche! Es sind Menschen, und da ist – im Guten wie im Bösen – buchstäblich alles möglich. Natürlich ist es nicht schön, daß es unter den Christen auch Heuchelei, Mißgunst und sogar schlimme Verbrechen gibt, aber alles andere wäre – ein Wunder. Im übrigen glaubt man als Christ ja nicht an den Menschen, sondern an den lieben Gott.

Aber man sollte sich keine Illusionen machen: auch wenn die Aufarbeitung der Mißbrauchsfälle konsequent fortgeführt wird, könnte es Jahre dauern, bis sich die katholische Kirche wieder halbwegs konsolidiert hat.

Besonders leid tut es mir dabei um Benedikt XVI. – er wird jetzt, ohne daß er etwas dafür kann, in diesen Strudel hineingezogen. Dabei ist er für die Kirche ein Glücksfall, wie man ihn selten findet: nicht weil er ein „deutscher“ Papst ist, sondern weil er – schärfer als je ein Papst zuvor – der Vernunft im Verhältnis zum Glauben größtes Gewicht einräumt. Das alte credo quia absurdum ist damit endgültig ad acta gelegt.

Aber die Tragweite dieser Revolution im (schon immer spannungsreichen) Verhältnis von Glaube und Vernunft – und um nichts anderes handelt es sich hier! – werden wohl erst die kommenden Generation verstehen.

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Hatun Sürücü – oder: Über das Verdienst, ermordet zu werden

Es kommt selten vor, daß eine Fernsehdokumentation so klug, so erhellend und zugleich so berührend ist. Daß man sie erst kurz vor Mitternacht gesendet hat, ist eine Schande – aber man hat sich daran gewöhnt: bei ARD und ZDF muß man lange aufbleiben, wenn man wirklich gute Sendungen sehen will.

„Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü“ schildert das Schicksal der kurdischstämmigen Hatun Sürücü, die am 7. Februar 2005 von ihrem Bruder mit drei Kopfschüssen getötet wurde. Ihr „Lebenswandel“ (so nennt es der Bruder des Mörders in fast akzentfreiem Deutsch) hatte Schande über die Familie gebracht, also mußte sie sterben. Das Gericht war von Anfang an der Überzeugung, daß die Hinrichtung ein Familienbeschluß war – man hat, wie es in mehreren ähnlichen Fällen war, den jüngsten Bruder zum Vollstrecker bestimmt, weil er die geringste Strafe zu erwarten hat. Die (auch christlich begründete!) Milde unseres Rechtsstaats mit jungen Menschen wird von diesen im archaischen Denken verhafteten Tätern mit kühler Berechnung ausgenutzt.

Die Dokumentation war gerade deshalb so brilliant, weil sie die Familie des Täters zum Reden gebracht hat. Die älteren Brüder des Mörders, gegen die es einen internationalen Haftbefehl gibt, leben unbehelligt in Istanbul. Sie stehen offenbar unter dem Schutz des türkischen Staates. Wenn man Mutlu, einen von ihnen, reden hört und ihm dabei in die Augen schaut, erstarrt man förmlich: die Kälte, die von diesem Mann ausgeht, ist kaum zu ertragen. Die Steinigung von „unzüchtigen“ Frauen billigt er, auch auf Nachfragen, sie ist für ihn ein göttliches Gesetz.

Der Mörder selbst, der jüngste der Brüder, hat sich schon ein bißchen an die deutschen Verhältnisse angepaßt, man merkt ihm an, daß er von seinem Verteidiger gelernt hat, wie man sich benehmen muß. Aber auch er ist weit davon entfernt, seine Schuld wirklich einzugestehen und zu bereuen. Auf die sehr direkten Fragen der Journalisten nach Schuld und Reue hat er keine überzeugenden Antworten, er verstummt oft für Sekunden, so als müsse er überlegen: was antworte ich jetzt am besten, damit es mir nicht schadet?

Wir wollen an dieser Stelle die Autoren nicht vergessen, die für dieses kleine dokumentarische Meisterwerk verantwortlich sind: Matthias Deiß und Jo Goll vom rbb. Ihre Namen sollte man sich merken.

Seit ein oder zwei Jahren gibt es übrigens Forderungen, in Berlin eine Straße nach Hatun Sürücü zu benennen.

Die neue baden-württembergische Ministerin für Integration, Bilkay Öney, war damals noch „migrationspolitische Sprecherin“ der Berliner Grünen. Sie, die auch heute jede Gelegenheit nutzt, um die „Islamophobie“ der Deutschen anzuprangern, hat die Forderungen nach einer Hatun-Sürücü-Straße kühl zurückgewiesen: das einzige Verdienst der jungen Frau sei es, „durch ihre Brüder ermordet worden zu sein“. Das reiche nicht.

Da bin ich aber, liebe Frau Minister, ganz anderer Ansicht.

Hatun Sürücü war das Beispiel für eine gelungene Integration. Sie war eine Deutsche geworden, und zwar nicht nur auf dem Papier wie ihre Brüder, sondern in ihrem ganzen Denken und Handeln. Sie hat sich die Freiheit genommen, über ihr Leben selbst zu bestimmen. Dafür haben übrigens auch deutsche Frauen lange kämpfen müssen – wirkliche Emanzipation wird einem nie geschenkt, sie muß immer erkämpft werden. Hatun Sürücü hat dafür mit ihrem Leben bezahlt. Sie hat bis zuletzt versucht, von Behörden, Polizei und Richtern Hilfe zu bekommen – vergebens.

Es ist also nicht ein bloßes Symbol, wenn man in Berlin einer Straße ihren Namen gibt – es wäre eine kleine Wiedergutmachung, leider post mortem. Aber nicht einmal das will man ihr gönnen.

Ich fordere:

BENENNT EINE STRASSE IN BERLIN NACH HATUN SÜRÜCÜ!

Und nicht ein kleines Gäßchen oder eine Eisenbahnunterführung – nein: benennt nach ihr eine der großen Straßen in Kreuzberg oder Neukölln! Macht es, auch wenn zehn oder hundert Integrationsministerinnen und Migrationsbeauftragte widersprechen.

Ihr seid es Hatun Sürücü schuldig.

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Der Mörder – und seine Instrumentalisierung

Attentäter? Amokläufer? Terrorist? Nein – Anders Behring Breivik, der wohl mehr als siebzig Menschen kaltblütig ermordet hat, ist nichts von alledem. Er gehört in eine ganz andere Kategorie. Seine nächsten Verwandten sind die kalten Vollstrecker des Marxismus, gegen die er angeblich kämpft. Der einzelne Mensch war ihnen nichts, die „Idee“ alles.

Aus diesem Holz ist offenbar, bei allen Unterschieden (solche Vergleiche hinken ja immer), auch Breivik geschnitzt. Insofern ist er ein ganz moderner Mensch, denn wenn es auch den Mord schon seit den mythischen Anfängen der Menschheit gegeben hat (Kain und Abel!), so ist die Tötung von Menschen für eine abstrakte „Sache“, wie es scheint, erst seit der Französischen Revolution modern geworden.

Aufgeblüht aber ist sie im 20. Jahrhundert.

In den Medien liest man jetzt viel über eine christliche Motivation des norwegischen Mörders. Man plappert so einfach nach, was er in seiner abstrusen Rechtfertigungsschrift zusammengeschmiert hat, aber alles, was er sagt – und erst recht, was er getan hat! – steht in einem Gegensatz zum christlichen Glauben, wie er größer nicht sein kann. Das hat auch Peter Frey, der Chefredakteur des ZDF, gestern in einem Kommentar zurecht angemerkt.

Frey hat aber auch gefordert, und damit beginnt schon die politische Instrumentalisierung dieses unfaßbaren Verbrechens, daß wir alle uns jetzt entschlossen zur „bunten Gesellschaft“, zur Einwanderungsgesellschaft bekennen müßten. Das heißt aber doch, im Klartext: ein norwegischer Wirrkopf soll darüber entscheiden, wie wir hier in Deutschland diskutieren.

Die neue baden-württembergische Ministerin für Integration, Bilkay Öney (SPD), schlägt in dieselbe Kerbe und stellt leichter Hand eine Verbindung des Mörders zu unserem Land her: es  sei kein Geheimnis, daß „Islamophopie ein Thema in Deutschland“ ist. Es wird nicht lange dauern, bis auch die Islamverbände warnend den Zeigefinger heben: da seht ihr, was dabei herauskommt, wenn ihr weiter so islamophob seid! Nachdem so viele islamisch sozialisierte Monster mit ihren ruchlosen Selbstmordattentaten die Welt in Atem gehalten haben, hat man jetzt – endlich, endlich! – einen blonden, blauäugigen „Christen“, der dazu noch mit seinem „Kreuzzug“ alle Klischees der islamischen Szene bedient. Aber die Hoffnung, daß jetzt die Diskussion über Islam und Christentum, über Einwanderung und Integration mit dem Hinweis auf Breivik abgewürgt werden kann, wird sich nicht erfüllen.

Ich jedenfalls lasse mir von einem Mörder nicht vorschreiben, wie und worüber ich diskutieren darf.

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Naturschützer für Windkraftanlagen?

Für mich ist das ein Widerspruch in sich. Wer als Verband oder Verein die Natur schützen will, kann nicht dafür sein, die schönsten Waldlandschaften (und wir sind gerade in Hessen und Bayern noch mit ihnen gesegnet!) durch aggressiv in den Himmel ragende Masten zu zerstören. Das ist keine bloß ästhetische Frage – das hätten die Befürworter gern! -, das ist eine Frage des Überlebens dieser schönen Wälder als Ort der Erholung (auch für das Auge), als wertvolles, ja unschätzbares Ensemble, und damit auch als kulturelles Erbe. So wie ein einziges Hochhaus eine schöne alte Stadt für immer zerstören kann, so wird auch der Mittelgebirgswald durch zwei oder drei dieser furchtbaren Windräder auf unabsehbare Zeit geschädigt und zum bloßen „Standort“ für technische Anlagen degradiert. Haben wir denn nicht schon genug Natur zerstört und durch Bebauung, Autobahnen, ICE-Trassen denaturiert? Die großen zusammenhängenden Waldgebiete in den Mittelgebirgen sind die letzten großflächigen Refugien der Natur in Deutschland. Wer sie antastet, versündigt sich.

Ich empfinde es deshalb als besonders schmerzhaft, wenn jetzt nach und nach immer mehr Naturschutzverbände einknicken und die Windkraftanlagen hinnehmen, als seien sie ein uns beschiedenes Schicksal, das wir – wie in einer griechischen Tragödie – hinnehmen müßten. Nein, es sind nicht die Schicksalsgöttinnen, die uns diese Windräder aufdrängen, es ist ein ganz simples, nur noch auf Machterhalt zielendes Kalkül der Kanzlerin, und es ist eine in Beton zementierte Ideologie von Trittin, Künast und Genossen, die sich nur noch für die Energiegewinnung, aber für die Natur fast gar nicht mehr interessieren.

Die Aschaffenburger Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) dient sich jetzt der herrschenden Stimmung im Lande an und will sich an der ordentlichen Verteilung der Windkraftanlagen im Spessart aktiv beteiligen. (Nachzulesen im Lokalteil der heutigen F.A.Z.)

Man greift sich an den Kopf! Ausgerechnet im Spessart?

Der Naturpark Spessart im hessisch-bayerischen Grenzgebiet umfaßt 170.000 Hektar auf der bayerischen und noch einmal 74.000 Hektar auf der hessischen Seite. Tagelang kann man hier durch Wälder, Felder und Moore wandern. Und dieses Kleinod soll jetzt, unter aktiver Mitarbeit von „Naturschützern“, verspargelt werden?

Aber sehen wir uns einmal die Begründung an, die der Bund Naturschutz dafür gibt. Ein bißchen verschämt, aber doch trotzig sagt er: es muß halt sein. Noch sei der Spessart eine Tabuzone für die Windkraft, aber das „werde nicht zu halten sein“. (Warum eigentlich nicht?) Die Energiewende sei, so formuliert es der BN im schönsten Managerjargon, „eine große Herausforderung“, man müsse sich ihr stellen. Und man wolle nicht abwarten und taktieren, sondern „an regionalen Energiekonzepten konstruktiv mitarbeiten“. Die Windenergie habe „ausreichendes Potential, um Kohle und Kernergie zu ersetzen“.

Da könnte man, wie im Märchen, sagen: wer’s glaubt, bezahlt einen Taler.

Und dann kommt die ewige alte Leier, gegen die doch gerade der Naturschutz seit den 70er Jahren so energisch gekämpft hat: die Energiewende sei nun einmal beschlossen, man müsse jetzt das Schlimmste verhindern, die Eingriffe in die Landschaft „möglichst gering halten“, die Naturschutzgebiete und „alte Buchenwaldbestände“ ausnehmen usw. Alles in allem: ein einziges Lavieren und Herumeiern – und ein erbärmlicher Kotau vor der politischen Macht, der Stimmung im Land und der Windkraftlobby.

Aber dafür brauche ich keine Naturschutzorganisation.

Die Proteste gegen dieses Einknicken werden kommen, das sehen diese „Naturschützer“ selbst. Sie wissen, wie ihr stellvertretender Vorsitzender sagt, daß man sich „mit diesem Schritt nicht nur Freunde schaffen wird“. Nicht nur Freunde?

Die regionale CSU fordert übrigens den „Bau von 2000 Drei-Megawatt-Windrädern“, ganz unverblümt, geradlinig und ohne jedes Lavieren. Aber auch sie wird sich über die „Windkraft“ noch wundern, die ihr aus der eigenen Partei bald entgegenwehen wird.

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Check

Ein Check ist nach dem Großen Wahrig eine „Prüfung“ oder „Kontrolluntersuchung“.

Daß man sich beim Arzt durchchecken läßt, ist schon vor längerer Zeit in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen – obwohl auch dieses Wort eigentlich ziemlich überflüssig ist, denn dabei läßt man sich einfach nur gründlich untersuchen.

Seit einiger Zeit ufert die Sache mit dem Check als Substantiv aber aus – vor allem im Fernsehen.

Den Anfang hat, jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung, Frank Plasberg mit seinem Faktencheck in „Hart aber fair“ gemacht. Dabei werden, präziser kann man es nicht sagen, Fakten – oder besser: Aussagen – auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Aber braucht man für so etwas ein neues Wort? Faktencheck in diesem Sinn ist doch (neben dem subjektiven Kommentar) die Aufgabe von Journalismus schlechthin! Dinge überprüfen, sehen, ob sie wirklich stimmen – das ist schlicht und einfach: Journalismus. Inzwischen wird aber überall gefaktencheckt, daß einem der Kopf brummt: der WWF macht einen, weil er angegriffen wird, die Berliner Morgenpost, weil sie Sarrazins Thesen nicht so doll findet, der Spiegel macht einen zur Migration, der Verkehrsclub Deutschland zum E10-Benzin, die Financial Times über Griechenland usw. usf. Auch ein Blog nennt sich natürlich so, und daß man bei der Urlaubsplanung erst einmal den holidaycheck anderer Urlauber durchliest, ist eine Selbstverständlichkeit geworden.

Wie es in einer Mediengesellschaft wohl nicht anders sein kann: wenn einer mit einem Wort anfängt, wird es bald aufgegriffen, und bald wird überall gecheckt, was das Zeug hält.

Der WDR, von dem ja auch Plasberg herkommt, tut sich da besonders hervor:

Christa S. aus Wermelskirchen ist verzweifelt. Die 45-Jährige lebt mit dreien ihrer fünf Kinder in einer 85-Quadratmeter-Wohnung. Doch trotz Jobs reicht das Geld nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Was kann man da nur machen? Yvonne Willicks, die beim WDR inzwischen zum ubiquitären Hans Dampf in allen Gassen geworden ist (oder muß man gendermäßig korrekt „Hanna Dampf“ sagen?), Yvonne Willicks also weiß, was zu tun ist – sie macht natürlich einen Haushaltscheck!

Mit einigem Schrecken habe ich jetzt gesehen: selbst 3sat springt auf diesen Zug auf und nimmt einen Museumscheck ins Programm. Der Sender setzt noch eins drauf und lädt zur Diskussion in einem Forum ein: „Checken Sie mit!“

Muß das alles wirklich sein?

Das einzig Tröstliche ist, daß solche im Grunde völlig überflüssigen und nichtssagenden Wörter meist wieder verschwinden – hoffentlich zeitnah!

Die Wikipedia hat die modernen Zeiten übrigens verschlafen und bietet als Wortbedeutung nur „eine Aktion beim Poker“, ein „anderes Wort für Scheck“ und eine „heftige Körperberührung bei verschiedenen Sportarten“ an. Na ja, die haben’s halt noch nicht gecheckt …

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Nach den Lügen erste kleine Wahrheiten

Am Anfang der Energiewende haben sich die Balken gebogen, so viel hat man gelogen. Sonne und Wind schicken keine Rechnung, hieß es da, als habe man nicht erwachsene Wähler, sondern Kleinkinder vor sich. Später sollten die Energiepreise „kaum merklich“ steigen. Dann war von ein oder zwei Cent pro Kilowattstunde die Rede.

Jetzt, da die Entscheidung gefallen ist, kommt man wenigstens ein Stückchen mit der Wahrheit heraus: mittelfristig könne der Strompreis „um bis zu 5 Cent steigen“ (hier nachzulesen). Das ist immer noch gelogen, denn diese 5 Cent werden niemals reichen, so groß wie die nötigen Investitionen allein bei den Stromleitungen sein werden.

Die Bundeskanzlerin lobte die Energiewende als „einzigartige Chance“ für ihre Partei – da hat sie, fast ein bißchen unfreiwillig, das wahre Motiv genannt: es geht um die CDU, die sie mit einem frischgrünen Anstrich aus dem Tief holen will. Et pereat mundus – selbst wenn dabei die bisher sichere Energiebasis von privaten Haushalten, Gewerbe und Industrie zerstört und durch eine ziemlich windige Angelegenheit ersetzt wird. Niemand glaubt im Ernst, daß man mit Windrädern (und erst recht nicht mit Sonnenenergie!) die Stromversorgung eines Industrielandes wie Deutschland sicher und zuverlässig gewährleisten kann.

Hier wird mit der Zukunft des Landes gespielt (man könnte, mehr zugespitzt, auch sagen: hier wird die Zukunft der Landes verspielt).

Ich habe es schon mehrfach gesagt: wenn man die gesamte Energiebasis eines Landes umbauen will, braucht man einen minutiösen Plan, und man muß langsam, Schritt für Schritt vorgehen. Und vor allem: man darf bestehende Kraftwerke nur dann stillegen, wenn ein adäquater, sicherer Ersatz für sie da ist.

Das ist nicht der Fall.

Der einzige Gewinner ist die Windkraftlobby, die dürfen jetzt weiter (und vermehrt) ihr bißchen Energie zu überteuerten Preisen in die Netze einspeisen. Das alles wird uns – ich sage es noch einmal – teuer, sehr teuer zu stehen kommen. Und durch die politische Entscheidung für die Windenergie wird die Forschung über wirklich zukunftsträchtige Energieformen fast zum Stillstand kommen.

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Der moralische Niedergang der Republikanischen Partei

Das Bild, das die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten zur Zeit bietet, treibt einem die Schamröte ins Gesicht.

Sie war auch in den vergangenen Jahren nicht zimperlich. Wer etwas älter ist, erinnert sich noch an die orgiastischen Bälle der Superreichen nach dem Wahlsieg Reagans 1981, die nichts anderes waren als eine einzige hemmungslose Anbetung des Mammons. Heute – im Zeitalter der unsäglichen Sarah Palin und der Tea Party-Bewegung – hat diese Partei, gerade auch mit ihren hämischen und niederträchtigen Angriffen auf Obama, einen Grad des moralischen Niedergangs erreicht, der schwer zu begreifen ist.

Selbst in einer so ernsten Staatskrise, wie sie jetzt ausgebrochen ist, haben die Republikaner jedem Patriotismus, jedem vernünftigen Kompromiß abgeschworen. Sie sind eigentlich so „unamerikanisch“, so unpatriotisch,  wie man nur sein kann – und selbst vor dem Amt des Präsidenten, das eigentlich allen Amerikanern heilig ist, haben sie keinen Respekt mehr.  Die republikanische Häme über Obama übersteigt nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sie ist einfach nur erbärmlich.

Den Pöbel, das sieht man jetzt, gibt es eben nicht nur in der Unterschicht.

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Europa = Euro ?

Unsere Kanzlerin hat wieder einmal das Schicksal Europas vom Euro abhängig gemacht:

Europa ist ohne den Euro nicht mehr denkbar.

Im vergangenen Jahr hat sie bei der Verleihung des Karlspreises an den polnischen Ministerpräsidenten ganz ähnlich argumentiert: der Euro, sagte sie damals, stehe für die europäische Idee.

Scheitert der Euro, dann scheitert nicht nur das Geld, dann scheitert mehr, dann scheitert Europa, dann scheitert die Idee der europäischen Einigung.

Liebe Frau Merkel! Vielleicht ist es noch nicht bis in die Uckermark durchgedrungen – es hat unser altes Europa schon viele tausend Jahre gegeben, ehe man den Euro eingeführt hat, und es wird Europa immer noch geben, wenn schon lange niemand mehr weiß, was ein Euro ist. Ganz im Gegenteil: wer wie ich schon etwas länger auf der Welt ist, kann sich noch gut daran erinnern, daß das europäische Gemeinschaftsgefühl etwa in den 50er Jahren viel stärker, viel intensiver war als heute – obwohl wir damals noch mit Franc, Drachmen, Lire und D-Mark bezahlt haben.

Europa auf seine Währung und die Finanzen zu reduzieren, ist schon ein bißchen armselig, nicht wahr?

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Neues von der Biodiesel-Front

Ich habe schon einige Male über die verheerenden Folgen des Anbaus von sog. „Energiepflanzen“ berichtet. Damit wir in unseren Motoren und Triebwerken zur Freude aller Pseudo-Grünen die „reine Natur“ verbrennen können, wird in ungeheurem Ausmaß Regenwald vernichtet, aber auch artenreiches Brachland, dazu – nachdem man die Bauern vertrieben hat – immer mehr Ackerland. Es ist ein Geschäft, mit dem die Palmölkonzerne gigantische Gewinne machen.

Leider gibt es darüber immer wieder Neues zu berichten (alles hier nachzulesen).

Im Nordosten Kenias zum Beispiel, im Delta des Tana-Flusses, werden jetzt 25.000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben, damit dort zur Energiegewinnung Zuckerrohr angebaut werden kann.

Auch in Peru führen die höheren Beimischungsquoten für den sog. Bio-Sprit in Deutschland und anderen Ländern dazu, daß im Amazonasbecken Regenwald abgeholzt wird – nachdem sich einheimische Konzerne mit zum Teil dubiosen Methoden Landrechte gesichert haben.

Aber kehren wir auch einmal vor unser eigenen Haustür! In Deutschland wurden im vergangenen Jahr auf einer Fläche von 2,1 Millionen Hektar Monokulturen für diesen (fälschlich so genannten) „Biosprit“ angebaut – das sind 18 % des deutschen Ackerlandes!

Höre ich da einen Aufschrei von Künast und Trittin? Ich höre nichts.

Laboruntersuchungen von Umweltschützern in neun EU-Ländern haben ergeben, daß der „Bio-Diesel“ zu 38 % aus Palmöl und zu 28 % aus Sojaöl besteht.

Prof. Jürgen Schmidt vom Fraunhofer-Institut (IWES) in Kassel fordert denn auch, „die Förderung von Biokraftstoffen komplett einzustellen“. Die CO2-Bilanz dieser Kraftstoffe ist im übrigen noch schlechter als die von fossilem Diesel: Palmöl setzt 105 g CO2 pro Megajoule Energie frei, Soja 103 g, Raps 95 g – und fossiler Diesel nur 84 g.

Ein entsprechendes Gutachten des Fraunhofer-Instituts ist nach einem Bericht von „report München“ (2010) durch Streichungen verfälscht worden. Es wurden so viele Seiten entfernt, daß die Wissenschaftler zu dem Schluß kamen: „Dieser Bericht gibt nicht die Sichtweise des Fraunhofer-Instituts wieder.“ Der zuständige EU-Kommissar Oettinger wollte sich in der Sendung dazu nicht äußern (hier nachzulesen).

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