Über das Heimchen

Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Heimchen am Herd.

Nein, es geht hier nicht um die gleichnamige Grille Acheta domesticus, die gern in feuchten und warmen Kellern in der heimeligen Nähe des Menschen überwintert. Es geht um ein Heimchen, das viel seltener, viel bedrohter ist – es geht um eine wirklich vom Aussterben bedrohte Art: das Heimchen am Herd.

Seit einem halben Jahrhundert führt man nun schon gegen das Heimchen am Herd einen erbarmungslosen Vernichtungsfeldzug. Die Mobilmachung begann in den 60er Jahren: da war es auf einmal ehrenrührig, wenn eine Frau, statt berufstätig zu sein, die Kinder erzog und den Haushalt versorgte. Nein, nicht nur ehrenrührig, es war nichts weniger als ein Verstoß gegen die fortschrittliche Weltordnung! Daß man verächtlich über so eine rückständige Frau sprach, war noch das Geringste. Sie war auf jeden Fall schon durch ihre bloße Existenz jedem fortschrittlichen Menschen ein Ärgernis.

Und sie ist es heute immer noch.

Aber man ist listiger geworden. Eine Frau möchte zuhause bleiben und dafür sorgen, daß aus ihren Kindern anständige Menschen werden? Aber natürlich! Warum auch nicht? Es ist zwar eine etwas abartige Vorstellung, daß sich eine Mutter den ganzen Tag nur um ihre Kinder kümmert, aber – bitte sehr: auch Minderheiten muß es geben, man muß sie halt gewähren lassen. Obwohl – so richtig verwirklichen kann sich eine Frau als Heimchen am Herd ja nicht, das steht fest. Verwirklichen kann sie sich als Friseuse oder bei Lidl an der Kasse oder wenn sie ihrem Chef den Kaffee kocht. Aber doch nicht als mater familias.

Wie ich darauf komme? Die designierte Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer, meinte heute in einem F.A.Z.-Interview:

An die Familienpolitik im Jahr 2011 haben die Menschen ganz andere Erwartungen als in den fünfziger Jahren. Das Familienbild von damals existiert nicht mehr. Wenn wir heute als Volkspartei auch von Frauen gewählt werden wollen, brauchen wir eine Politik, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt stellt und nicht das Heimchen am Herd.

Da ist es wieder, das Heimchen am Herd! Es ist offenbar das Feindbild schlechthin für die fortschrittliche Frau von heute, der Popanz, auf den man am liebsten einschlägt. Und das „Familienbild von damals“ – existiert es wirklich nicht mehr, wie Frau Kramp-Karrenbauer meint? Oder hat man es den Frauen nur ausgetrieben, weil es nicht in die feministisch-linke Ideologie paßt? Es ist doch wirklich eine in jeder Hinsicht erfüllendere Aufgabe (und da spreche ich aus eigener, langjähriger Erfahrung), liebevoll für meine Kinder zu sorgen, als zu einem Billiglohn im Supermarkt zu arbeiten!

Die Wahrheit ist eine ganz andere: seit langem haben Frauen (und Männer, wenn sie es denn wollen) gar nicht mehr die Möglichkeit, zwischen Berufstätigkeit und Kindererziehung frei zu wählen. Angesichts von Niedriglöhnen und Zeitarbeit ist es heute praktisch kaum noch möglich, eine Familie von einem einzigen Gehalt zu ernähren. Wir haben es damals noch geschafft, aber das war in den 80er Jahren, und es war auch da schon schwer genug. Die finanziellen Probleme waren oft drückend, aber ich würde es gerade so wieder machen. Ich habe mich selten so wohl gefühlt wie damals – als (männliches) Heimchen am Herd.

Selbstverwirklichung ist schön und gut, aber das Wohlergehen der Kinder war uns wichtiger.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | 1 Kommentar

Ertappte Sünder

Die Zahl der aberkannten Doktortitel unter unseren Politikern wächst und wächst. Da könnte man hübsche Psychogramme anfertigen, denn jeder dieser Politiker geht mit seiner Schuld anders um – und eine Schuld ist das Erschleichen eines akademischen Titels ja wahrhaftig.

Die klügeren unter ihnen gehen in sich und sagen – nichts. Leider kenne ich keinen einzigen prominenten Fall, den man dieser Gruppe zurechnen könnte. Es muß nämlich niemand eine Schuld öffentlich eingestehen, und niemand muß die Sensationsgier der Presse befriedigen. Wenn er selbst mit sich ins Reine kommt, dann ist schon viel gewonnen. Man muß nur zur eigenen Schuld stehen und (nicht wenige der Delinquenten sind ja gute Katholiken) beichten und bereuen. Aber sie tun es nicht! So gut katholisch scheinen sie also dann doch nicht zu sein. Also, wie gesagt: ein Fall von Einsicht und stiller Reue ist mir nicht bekannt.

Der Normalfall sieht leider anders aus: man ist trotzig, störrisch und gibt die Schuld der ganzen Welt – nur nicht sich selbst.

Nehmen wir Veronica Saß, die Tochter von Edmund Stoiber. Die Universität Konstanz hat ihr die Doktorwürde aberkannt, weil „erhebliche Teile ihrer Arbeit“ (hier nachzulesen) schlicht und einfach abgeschrieben seien. Die Internetseite VroniPlag berichtet, daß ihre Dissertation u.a. ein „fast durchgängiges, wortwörtliches Plagiat von knapp 40 Seiten“ aufweise (Quelle siehe oben). Geht Frau Saß in sich? Keineswegs! Ihre Anwälte (heutzutage hat man ja immer gleich mehrere Anwälte) sagen, ihrer Mandantin sei nicht die Möglichkeit gegeben worden, „nach der bevorstehenden Geburt ihres Kindes persönlich vor dem Promotionsausschuss Stellung zu nehmen“. Das verstehe ich nun wirklich nicht: was hat denn die Geburt ihres Kindes mit ihrer mutmaßlichen Schwindelei in der Doktorarbeit zu tun? Wenn man der Universität Glauben schenkt, hat sie die Möglichkeit zu einer persönlichen Stellungnahme nicht angenommen, obwohl man bei der Einladung ihre Schwangerschaft berücksichtigt habe. Sie habe lediglich eine umfangreiche schriftliche Stellungnahme geschickt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz gegen sie wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung.

Auch Karl-Theodor zu Guttenberg gibt bis heute keine vorsätzliche Fälschung zu, obwohl die Universität Bayreuth, die ihm den Titel aberkannt hat, den Sachverhalt drastisch genug formuliert (der Wikipedia entnommen):

Eine von der Universität Bayreuth eingesetzte Untersuchungskommission kam nach dreimonatiger Prüfung zu dem Schluss, dass zu Guttenberg „die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht“ habe. Er habe Plagiate über die ganze Arbeit verteilt eingebaut, die Originaltexte umformuliert, den Satzbau umgestellt, Synonyme verwendet und Einzelheiten ausgelassen. Dies setze ein „bewusstes Vorgehen“ voraus, mit dem er sich die Autorschaft angemaßt habe.

Guttenberg freilich bleibt dabei: die Dissertation sei zwar „sehr fehlerhaft“, aber das sei nur seiner Mehrfachbelastung als Abgeordneter und Familienvater geschuldet. Er habe einfach den Überblick verloren.

Auch Silvana Koch-Mehrin (FDP) hat ihren Titel verloren – sie hat es, so der Dekan der Universität Heidelberg, auf 80 Textseiten auf immerhin 120 Plagiatstellen gebracht. Ist sie jetzt eine reuige Sünderin? Nichts liegt ihr ferner. Sie räumt zwar ein, daß ihre Dissertation „kein Meisterstück“ sei und auch „nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft“. Aber der Doktortitel sei ihr „in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen“ verliehen worden. Die Universität habe die vorgelegte Arbeit auch – entgegen guter wissenschaftlicher Praxis – nicht sorgfältig genug geprüft.

Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Der neueste Fall ist der des FDP-Politikers Georgios Chatzimarkakis. Ihm hat der Promotionsausschuß der Universität Bonn nachgewiesen, daß über die Hälfte des Textes seiner Dissertation von anderen Autoren stamme (hier nachzulesen). Auch Chatzimarkakis (wie könnte es anders sein!) leugnet jede Täuschungsabsicht, spricht von einem „Grenzfall“ und schreibt auf seiner Internetseite:

Dass meine damals gewählte Zitierweise heute als unzureichend angesehen wird, bedauert niemand mehr als ich.

Ist das nicht fein ausgedrückt? „Meine damals gewählte Zitierweise“ – da kann man ihm doch keinen Strick daraus drehen. Sind doch alles Kinkerlitzchen!

Als jetzt herauskam, daß der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag der SPD angehört, war es übrigens Chatzimarkakis, der den Enthüllungen „parteipolitisches und kommerzielles Interesse“ unterstellte.

Alle diese Fälle, so unterschiedlich sie sonst auch sein mögen, haben eine Gemeinsamkeit: die hartnäckige Weigerung der Betroffenen, ihre Verfehlung einzugestehen. Diese Unfähigkeit, sich der Wahrheit öffentlich zu stellen, ist offenbar unabhängig von Alter, Geschlecht und Parteizugehörigkeit. Man beschäftigt ganze Stäbe von Anwälten, wo doch ein einziges aufrichtiges Wort genügt hätte, die Sympathie der Menschen zurückzugewinnen.

Die Gründe für dieses Verhalten liegen aber vielleicht noch tiefer. Sie könnten auch mit der fortschreitenden Säkularisierung unserer Gesellschaft zu tun haben, die mit Begriffen wie „Schuld“, „Reue“ und „Sühne“ nur mehr wenig anfangen kann. Für einen Christen sind das vertraute Wörter. In der katholischen Liturgie etwa gehört das allgemeine Schuldbekenntnis – mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa – zu den Gebeten der Heiligen Messe, und was man als persönliche Schuld auf sich geladen hat, kann man dem Beichtvater schildern. Das mag in vielen Fällen nur noch ein bloßes Herunterbeten sein, aber wie ernst er ein solches Sakrament nimmt, liegt ja immer beim einzelnen Gläubigen.

Der moderne, aufgeklärte Mensch braucht so etwas natürlich nicht mehr. Er muß sich ja auch vor keiner höheren Instanz mehr verantworten. Was könnte ihn also noch hindern, fröhlich zu schummeln und dann alles zu leugnen?

Übrigens gibt es schon neue Kandidaten. Nach einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit soll der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann in seiner Dissertation „die Sorgfaltspflicht verletzt und im großen Stil gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen“ haben. Althusmann ist pikanterweise auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz.  Und – man hätte es sich denken können – er weist alle Vorwürfe zurück.

Auch gegen den sächsischen Kultusminister Roland Wöller sind Plagiatsvorwürfe erhoben worden. Die seien aber schon im Jahr 2008 ausgeräumt worden – sagt Roland Wöller.

Veröffentlicht unter Christentum, Politik | Schreib einen Kommentar

Gäfgen

Nein – kein Wort über diesen Mann. Es wäre eine Vergeudung von Zeit – und Speicherplatz.

Veröffentlicht unter Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Auch Greenpeace ist für die „Energiewende“

Immer mehr Naturschutzverbände berauschen sich an den „erneuerbaren Energien“ und vergessen darüber ihr eigentliches Ziel: den Schutz der Natur. Wenn es einen Zielkonflikt gibt, und der ist schon jetzt, etwa bei den sog. „Energiepflanzen“, weltweit an Dramatik kaum mehr zu überbieten, entscheidet man sich nicht mehr für die Natur, sondern für die Energie. Es ist eine Art kollektiver Trunkenheit, die immer mehr Parteien, Verbände, Vereine und gesellschaftliche Gruppen erfaßt. Und es ist eine sehr deutsche Bewegung!

Auch Greenpeace Deutschland wollte da nicht abseits stehen: bei einer Aktion „in vielen deutschen Innenstädten“ wurde für jede Stimme für die Windkraft ein süßes kleines Papierwindrad aufgestellt. Ist das nicht allerliebst? Greenpeace weiß auch genau, wieviele Arbeitsplätze durch die erneuerbaren Energien geschaffen werden: „bis zu einer Million“.  Das wird freilich nicht einmal ausreichen, um auch nur einen Teil der Arbeitsplätze zu ersetzen, die durch Abwanderung und Firmenpleiten wegen der stark erhöhten Energiepreise erst einmal vernichtet werden. Aber was soll’s! Man muß ein Märchen nur immer und immer wieder erzählen, und irgendwann glaubt es (fast) jeder.

Zum Beispiel dieses Märchen (es stammt nicht von den Brüdern Grimm, sondern von Andree Böhling, dem „Energie-Experten“ von Greenpeace):

Die Energiewende ist ein Innovationsmotor für den Standort Deutschland und wird einem neuen Wirtschaftswunder gleichkommen. Der Bedarf an Zukunftstechnologien nimmt weltweit zu, und Deutschland ist hier Vorreiter. Diesen Weg müssen wir nur konsequent weitergehen.

Da möchte man, leicht abgewandelt, ein garstiges altes Lied anstimmen:

Denn heute verspargeln wir Deutschland,
und morgen die ganze Welt.

Die Wahrheit ist leider, daß die Windkraft-Industrie immer stärker von Fonds-Gesellschaften und „Heuschrecken“ dominiert wird, die es nur auf die hohen Subventionen und die lukrativen Abschreibungsmöglichkeiten abgesehen haben. Sobald alles abgegriffen ist, was ihnen der deutsche Steuerzahler – das sind übrigens wir! – in den Rachen geworfen hat, werden sie das Weite suchen.

Und wir? Wir können dann die Scherben dieser Politik zusammenklauben.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Abwanderung wegen der „Energiewende“?

Der Chemiekonzern Bayer hat angekündigt, daß er bei höheren Energiekosten, wie sie die „Energiewende“ mit sich bringen wird, seine Produktion in ein Land mit niedrigeren Energiekosten verlegen will. Das sagte der Unternehmenschef Marijn Dekkers der Wirtschaftswoche (hier nachzulesen).

Jetzt kann man natürlich darüber streiten, wie „patriotisch“ eine solche Drohung ist. Aber – seien wir ehrlich – patriotisch waren große internationale Konzerne doch noch nie. Das weiß jedes Kind – nur unsere Regierung weiß es nicht. In ihrer amateurhaften Art hat sie eine „“Energiewende“ zusammengestümpert, ohne die finanziellen Folgen ernsthaft zu kalkulieren. Auch Daimler-Chef Zetsche spricht von einem „Beschluß ohne Kenntnis der Folgewirkungen“.

Natürlich wird man Bayer (und alle, die ähnliche Überlegungen anstellen) nicht einfach gehen lassen. Die großen Unternehmen werden also nicht unerhebliche Ausgleichszahlungen bekommen, damit sie bleiben – aber nicht aus der Privatschatulle von Merkel, Rösler und Westerwelle, nein – wir, die Steuerzahler, werden das alles bezahlen.

Ich habe es schon oft gesagt, und ich sage es noch einmal: diese „Energiewende“ wird uns alle teuer zu stehen kommen. Und wenn demnächst wieder – wie es die Prognosen vorhersagen – Rot-Grün an der Macht ist? Dann wird es eher noch schlimmer werden.

Es ist auf unabsehbare Zeit keine politische Alternative da, die dem gesunden Menschenverstand noch eine Chance gibt.

Eine traurige Situation.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Politik | Schreib einen Kommentar

Helgoland ist gerettet!

So jubelt jedenfalls das Hamburger Abendblatt (hier nachzulesen). Der Tourismus auf Helgoland geht zurück, die Bevölkerung schrumpft – aber damit ist jetzt Schluß! Denn Hilfe naht von offshore. Die großen Monster-„Windparks“ sollen zu einem rechten Segen für die Insel werden, denn sie bringen – sage und schreibe! – 150 Arbeitsplätze. Meint jedenfalls der „Inselbürgermeister Jörg Singer“. Und er glaubt sogar (denn der Glaube versetzt Berge!), daß der eine oder andere der Ingenieure einen sollichen Gefallen an der Insel findet, daß er sich mit seiner Familie dort auf Dauer niederläßt. Auf jeden Fall wird Helgoland zur Betriebsbasis für die Wartung der Windräder. Und noch ein weiteres Geschäftsfeld tut sich auf: Bootstouren zum Windpark! Wer möchte da nicht teilnehmen:

Zu sehen wird es einiges geben. Schließlich handelt es sich um gigantische Anlagen mit Rotoren von bis zu 126 Meter Durchmesser, die sich in bis zu hundert Meter Höhe drehen.

Coole Teile, gell?

„Damit arbeiten wir Helgoländer aktiv an der Energiewende mit“, freut sich der Inselbürgermeister. Und die Windkraft-Lobbyisten, die sich zur Zeit vermehren wie die – na ja, sagen wir: es werden jedenfalls täglich mehr von ihnen, die Windkraft-Lobbyisten also können sich vor Freude nicht mehr einkriegen.

Das Beispiel Helgoland unterstreicht, dass die Offshore-Windenergie ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung für die Inseln im 21. Jahrhundert ist.

Das sagt Jörg Kuhbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Offshore-Windenergie (hier nachzulesen). Es ist ja auch wirklich gigantisch: 150 (in Worten: einhundertundfünfzig) Arbeitsplätze! Das hat man lange nicht mehr erlebt. Schon nächstes Jahr wird Eon mit dem Bau des Windparks beginnen.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Eon wird nach neuesten Pressemitteilungen gleichzeitig überall auf der Welt „bis zu 10.000 Stellen“ abbauen (hier nachzulesen). Das macht die 150 Stellen auf Helgoland natürlich noch bedeutender.

Und noch etwas: Blackstone, eine US-Investmentgesellschaft – man spricht da ja seit einiger Zeit von „Heuschrecken“ – wird sich mit 2,5 Milliarden Euro an dem Projekt beteiligen und dazu noch einen zweiten „Windpark“ westlich von Sylt finanzieren. Solche Investoren denken, wie man weiß, nicht langfristig (und schon gar nicht „nachhaltig“) – sie wollen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aus den Projekten herauspressen, dann verschwinden sie wieder.

Wie man angesichts solcher Fakten (und solcher Investoren) das ganze windige Öko-Geschwätz von Grünen, SPD und Merkel noch glauben kann, bleibt mir ein Rätsel. Hier wird eine ganze Nation für dumm verkauft – aber noch scheint sie es nicht begriffen zu haben.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Politik, Windkraftanlagen | 2 Kommentare

Deutschland, grünes Vaterland

Der römische Kaiser Caligula, so wird erzählt, wollte sein geliebtes Pferd Incitatus zum Konsul ernennen. Die Grünen, da bin ich sicher, könnten im Moment einen beliebigen Ackergaul zum Spitzenkandidaten küren – und würden trotzdem sicher über die 20 % kommen.

Aber warum?

Der einzige Grund, der mir einfällt, ist die unfaßbare Schwäche der schwarz-gelben Koalition. Die FDP besteht aus einer Riege von perfekt gekleideten jungen Männern ohne jeden politischen Instinkt (und einer schon etwas älteren Dame, die – nicht ganz überzeugend – das liberale Gewissen gibt). Und die CDU? Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, denaturiert, beliebig, ein bloßes Sammelbecken für die jeweils aktuellen Stimmungen, sie ist ein bißchen grün, ein bißchen links, ein bißchen konservativ (aber nicht zuviel!), ein bißchen Uckermark, ein bißchen Hauptstadt, ein bißchen von allem – aber ohne Rückgrat, ohne Linie, ohne Konturen.

Und sie wirft bereitwillig alles über Bord, was für die kommenden Wahlen hinderlich wäre, ihre Überzeugungen, ihre Tradition, ihre Geschichte. „Kanzlerwahlverein“ war die CDU ja schon immer, von Adenauer bis Kohl, aber zu einer gestaltlosen Masse ist sie erst unter Merkel geworden.

Das also – und sonst nichts! – erklärt den sonst völlig unerklärlichen Anstieg von Rot-Grün in der Gunst der Wähler. Die SPD hat (außer Peer Steinbrück) nicht einen einzigen begabten Politiker, die Grünen strotzen, wenn man ihre Führungsriege betrachtet, vor Arroganz und selbstverliebter Überheblichkeit. Sie haben auch nur noch ein einziges Thema – Energie! -, und die Liebe zur Natur und der dazugehörige Sachverstand sind ihnen seit langem abhanden gekommen.

Und diese beiden – also Rot-Grün – sollen Deutschland regieren? Das möge der liebe Gott verhüten, da kämen wir nämlich vom Regen in die Traufe! Biosprit (Naturzerstörung durch immer mehr Rapsmonokulturen), tausende Windräder und gigantische Schneisen in der Landschaft für Stromleitungen, völlig überflüssige Schulexperimente (siehe Hamburg, NRW, Baden-Württemberg) usw. usf.

Aber wen soll man denn dann wählen? Das ist die Frage, vor der ich mich fürchte. Ich weiß es nämlich nicht. Eine kleine Hoffnung gibt es: daß die CDU zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Aber diese Hoffnung ist – auch wenn Erwin Teufel endlich redet (hier nachzulesen) – nicht sehr groß.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Merken Sie sich diesen Namen – Ties Rabe!

Fangen wir ganz unverfänglich an: Ties Rabe, 1960 in Hamburg geboren, Sozialdemokrat, war seit 2008 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Er hat Religion, Deutsch und Geschichte studiert, war Redakteur und Gymnasiallehrer – und jetzt will er an den Grundschulen die Schreibschrift abschaffen.

Ja, Sie haben richtig gelesen: die Hamburger Schüler sollen von jetzt an, falls ihre Schule das möchte, nur noch in Druckbuchstaben schreiben. Die Abschaffung der Schreibschrift, das berichtet Heike Schmoll in der gestrigen Ausgabe der F.A.Z. (hier nachzulesen), „scheint ihm ein besonderes Anliegen zu sein“.

Ties Rabe kann das durchsetzen, wenn ihm niemand auf die Finger klopft, denn Ties Rabe ist Bildungssenator der Freien und Hansestadt Hamburg. Was ihn antreibt, die Hamburger Schüler zu Schreib-Analphabeten zu machen, weiß niemand. Jedenfalls hat er schon als Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft die verbindliche Einführung der Druckschrift anstelle der Schreibschrift gefordert. Er selbst hat das Schreiben ja wohl noch gelernt – daß das Schreiben aber eine Kulturtechnik ist, eine Fertigkeit, die seit Jahrhunderten alle Schüler auf der Welt lernen, daß es auch etwas ganz Individuelles ist, ein Produkt der persönlichen Reifung (denn jede Schrift ist anders, und doch kann jeder sie lesen!), das hat ihm offenbar niemand beigebracht.

Wie kommt es, frage ich mich, daß ein solcher Mensch Bildungssensator in Hamburg wird? Ist das die „Bestenauslese“ innerhalb der SPD?

Als er noch einfacher Abgeordneter war, hat der damalige Senat seinen Antrag übrigens zurückgewiesen.

Der völlige Verzicht auf das systematische Erlernen einer verbundenen Schreibschrift in der Grundschule ist mit Blick auf das Ziel einer flüssigen Handschrift und eines angemessenen Schreibtempos abzulehnen.

Jetzt ist Rabe Bildungssenator und geht ans Werk. Die Grundschulen sollen jetzt (wie es in acht Zeilen gut versteckt im neuen Bildungsplan heißt) selbst entscheiden, ob die Kinder die Schreibschrift oder eine primitive Druckschrift lernen. Da kann man es ja in der Zukunft auch den Schulen überlassen, ob sie den Kindern Lesen und Rechnen beibringen. Vielleicht ein vereinfachtes Rechnen? Nur noch Addition und Subtraktion? Nur noch mit den Fingern rechnen? Oder nur noch 13 Buchstaben lernen, statt sie mit völlig überflüssigen 26 Buchstaben zu belasten?

Vielleicht reicht es ja auch, wenn sie den Namen TIES RABE buchstabieren können?

Im übrigen, so Rabe auf seiner Internetseite, seien nur „Krawallos und Kommentatoren“ gegen ihn. Ja, das ist schon unangenehm, daß die Hamburger Journalisten über seine Pläne inzwischen ausführlich berichtet haben. Krawallos und Kommentatoren (die Bezeichnung Journalisten gönnt er ihnen nicht) – das klingt schon ein bißchen nach Putin und Lukaschenko, gell?

Die „meisten Wissenschaftler und Pädagogen“, so Rabe, erwarteten von der Abschaffung der Schreibschrift eine „Erleichterung“. Da möchte ich aber jetzt jeden einzelnen Namen von ihm hören! Diese „Wissenschaftler und Pädagogen“ möchte ich sehen, die einen so haarsträubenden Unsinn gutheißen. Das von ihm gegen alle Vernunft propagierte Schreiben in Druckschrift nennt Rabe auf seiner Internetseite übrigens, fast ein wenig verschämt, „eine zweite Schreibschrift“.

Nach der Einführung der sog. Neuen Rechtschreibung, die in kürzester Zeit zu einem völligen Zusammenbruch der Orthographie in Deutschland geführt hat (man betrachte ein beliebiges Schreibheft eines Schülers oder ein beliebiges Forum im Internet!), erlaubt man jetzt einem sozialdemokratischen Bildungssenator, die nächste Barbarei durchzusetzen.

Eine solche „Erleichterung“ brauchen wir nun wirklich nicht. Ganz im Gegenteil: wer dauernd vom „Standort Deutschland“ redet und die Klagen der Betriebe über die ständig sinkende Bildung der Lehrstellenbewerber anführt, sollte sich schämen, die Anforderungen an die Schüler noch weiter – bis ins Bodenlose! – zu senken, um ihnen das Leben zu „erleichtern“.

Ich kann nur hoffen, daß die Hamburger diesem Spuk ein Ende machen. Sie haben ja schon einmal in einem Referendum bewiesen, daß sie mehr gesunden Menschenverstand haben als alle ihre Senatoren zusammen.

Veröffentlicht unter Politik, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Heiden, überall Heiden!

Vierzig Jahre lang hat die SED versucht, die Religion in ihrem Staatsgebiet auszurotten. Die Mittel waren selten subtil, meistens hat sie dazu die geballte Macht des Staates eingesetzt. Der Atheismus war Teil der marxistisch-leninistischen Weltanschauung, er hat die Menschen von der Wiege bis zur Bahre begleitet, und daß die Pfaffen dem Volk nur Opium verabreichen, war eine ausgemachte Sache.

Aber so ganz erfolgreich waren sie am Ende doch nicht. Gerade die „Pfaffen“ waren es ja, die zum harten Kern der Montagsdemonstrationen wurden, um sie hat sich das Volk geschart, und mit ihnen hat es gesiegt. Und doch – dieser täglich eingebleute, oft erschreckend primitive Atheismus hat sich in den neuen Bundesländern als zäh und langlebig erwiesen.

Ein Beispiel ist die Jugendweihe, die zwar eine lange Geschichte hat, aber doch in der DDR in erster Linie dazu da war, die religiösen Feiern zurückzudrängen und zu ersetzen. Wer nicht teilnahm, mußte mit schweren persönlichen Konsequenzen rechnen. Vor diesem Hintergrund bleibt es rätselhaft, daß diese so gründlich desavouierte Institution immer noch am Leben ist. Noch zehn Jahre nach der Wende sollen in den neuen Bundesländern bis zu 40 % der Jugendlichen an der Jugendweihe teilgenommen haben. Organisiert werden diese Feiern, wenn man den Wikipedia glauben darf, von Vereinen und „freigeistigen, freidenkerischen und humanistischen Organisationen“, oder – sagen wie es einmal pointiert – von Sekten. Denn auch der Atheismus ist ja nichts anderes als eine Religion, und auch er hat ein buntes Spektrum von (oft skurrilen!) Sekten.  Daß die den Begriff des Humanismus für ihre hausbackene Freidenkerei usurpieren, ist freilich schon ein bißchen unverfroren.

Wie bin ich jetzt überhaupt auf dieses Thema gekommen? Ach ja – ich habe gestern in der F.A.Z. gelesen, daß in den Bäderstädten von Mecklenburg-Vorpommern die Kaufleute zu Wutbürgern werden. Und warum? Dazu muß man ein wenig ausholen: gleich nach der Wende wurde in 149 Ferienorten des Landes der Sonntag praktisch abgeschafft, die Läden durften dort an 49 (!) Sonntagen im Jahr geöffnet werden. Nachdem die beiden Kirchen gegen diesen Akt von kultureller Barbarei zurecht (und wahrscheinlich viel zu spät) Klage eingereicht haben, hat man sich im letzten Jahr zusammengesetzt und einen Kompromiß ausgearbeitet, der ein paar Änderungen in der Vor- und Nachsaison vorsieht. Schon diese Einschränkung ist auf den energischen Widerstand der Gewerbetreibenden gest0ßen. Die Besitzerin eines Einzelhandelgeschäfts in Boltenhagen klagt:

Ich bin auf die Sonntage angewiesen, auch auf die im Herbst und im Frühjahr. Wissen Sie, wie hoch die Miete für mein Geschäft ist? Das muß erst einmal erwirtschaftet werden.

Eines stimmt an dieser Aussage: die Vermieter von gewerblichen Immobilien werden mit ihren Mieterhöhungen immer dreister. Sie sind die Hauptschuldigen dafür, daß die Innenstädte fast ausschließlich von finanziell leistungsfähigen Ketten dominiert werden. Aber sollen wir für sie jetzt auch noch den Sonntag opfern, weil kleinere Geschäfte sonst nicht über die Runden kommen?

Im übrigen ist unsere Verfassung hier eindeutig. In Art. 140 bestimmt sie, daß der Art. 139 der Weimarer Verfassung Bestandteil des Grundgesetzes ist. Er lautet:

Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Nun mag es für viele Menschen eine seelische Erhebung bedeuten, wenn die Kasse klingelt, aber die Väter des Grundgesetzes, das im übrigen eine der besten Verfassungen der Welt ist, haben es so ganz bestimmt nicht gemeint.

Die katholische Kirche hat jetzt – zurecht! – auch gegen diesen faulen Kompromiß bei der Sonntagsöffnung Klage eingereicht. Das ist ihr gutes Recht – und ich wünsche ihr allen Erfolg. Die Einzelhändler in den Badeorten aber, für die das, was man den „heiligen Sonntag“ nennt, offenbar genauso wurscht ist wie unser Grundgesetz, schnauben vor Wut. Von Haß ist die Rede, vom Kirchenaustritt, und überhaupt: die Kirchen seien „mittelalterlich“.

Ach, wenn unsere Kirchen doch noch viel öfter so mittelalterlich wären, statt sich stromlinienförmig an jeden dummen Trend anzupassen! Es ist nämlich nicht ihre Aufgabe, Geschäftemachern beim Geschäftemachen und Händlern beim Handeln zu helfen. Das mögen andere tun. Und auch Frau B. aus Boltenhagen wird einmal merken, daß es in ihrem Leben (und erst recht in ihrem Sterben) Wichtigeres gibt als das Klingeln der Kasse.

Veröffentlicht unter Christentum, Politik | Schreib einen Kommentar

Wann ist ein Mord ein Mord?

Eine Frage, die es in sich hat, denn sie ist nur dann einfach zu beantworten, wenn man im juristischen Deutungsrahmen bleibt. Aber gerade das will ich hier nicht. Mir geht es um etwas anderes.

Wer einen Menschen tötet, um etwa an dessen Geld zu kommen, ist ein Mörder. Wer – wie Breivik – mehr als siebzig Menschen tötet, ist auch ein Mörder – natürlich! Wer aber in kurzer Zeit mehr als tausend Menschen töten läßt, ist nicht etwa ein Mörder, sondern – der Präsident von Syrien. Und die gedungenen Mörder, die für ihn diese Arbeit erledigen, nennt man dann nicht gedungene Mörder, sondern: Soldaten.

Den „einfachen“ Mörder trifft die volle Härte des Gesetzes. Wer aber eine gewisse Zahl an Morden überschreitet, der ist und bleibt Präsident, Staatschef, Ministerpräsident. Es scheint also eine arithmetische Schwelle zu geben, die man nur überschreiten muß – und schon ist man kein Mörder mehr.

Die bekannten Serienmörder des 20. Jahrhunderts haben es meist nicht einmal auf ein Dutzend Morde gebracht. Wenn man das mit den Mullahs im Iran, mit Mugabe, Duvalier, Pinochet, Bokassa oder Videla vergleicht, wirkt es unbedeutend, fast nicht erwähnenswert. Um eine Lizenz zum Morden im großen Stil zu bekommen, muß man in die Politik gehen.

Das war in der Geschichte der Menschheit immer so. Und die Mörder großen Stils waren unter den Herrschern der Welt wohl gelitten, man hat sie zu Staatsbesuchen empfangen und Verträge mit ihnen geschlossen. Auch Gaddafi, mit dem es nun gottlob zu Ende geht, hat noch vor kurzem in Italien und Frankreich und anderswo sein Zelt aufschlagen dürfen. Berlusconi, der heute gegen ihn kämpft, hat ihn – das Bild ist um die Welt gegangen – geherzt und geküßt. Viele haben seine blutige Hand geschüttelt, viele haben gute Geschäfte mit ihm gemacht.

Heute gibt es internationale Haftbefehle gegen einige wenige dieser Staatsmänner mit der Lizenz zum Töten. Das ist nicht viel – aber immerhin: es ist ein Anfang.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar