Fontane

Aus einem Brief an seine Mete vom 25. Januar 1894:

Ohne einen feinen Beisatz von Selbstironie ist jeder Mensch mehr oder weniger ungenießbar. Daher gibt es so viele Ungenießbare.

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Windkraft für die Schwarzwaldklinik

Erinnern Sie sich noch an die Schwarzwaldklinik? Das war in den 80er Jahren eine der populärsten deutschen Fernsehserien. Wenn Professor Brinkmann zum Skalpell griff, schaltete fast ganz Deutschland den Fernseher ein – die Episode „Die Schuldfrage“ sahen am 17. November 1985 sage und schreibe 27,97 Millionen Zuschauer – eine heute undenkbare Einschaltquote.

Die (fiktive) Klinik lag im Glottertal im südlichen Schwarzwald. Die malerische Landschaft hat (neben den üblichen menschlichen Konflikten, wie sie in solchen Seifenopern mehr oder weniger unterhaltsam beschrieben werden) nicht wenig zum Erfolg der Serie beigetragen.

Mit der Schönheit wird es bald vorbei sein.

In Baden-Württemberg ist mit den letzten Wahlen der grüne Geist eingezogen. „Laßt hundert Blumen blühen“, forderte einst Mao Tse-tung (auch Mörder großen Stils haben ja ihre poetischen Momente!). Laßt im Ländle tausend Windräder rotieren! – das fordert, gänzlich unpoetisch und mit sachlich-ingenieurhaftem Rigorismus, die Regierung Kretschmann. Und sie fordert es nicht nur, sie wird es mit allen Mitteln durchsetzen. Wetten?

Wir haben es hier mit Grünen zu tun, die völlig denaturiert sind. Sie haben (zumindest auf der Leitungsebene) kein Gespür mehr für die Natür, für ihre Schönheit, für ihre Schutzbedürftigkeit. Ich erinnere mich noch gut an die 60er und 70er Jahre, also an die Anfangszeit der grünen Bewegung. Wenn man da von der Schönheit der Natur geredet hat, ist man aus allen Parteien heraus mit Hohngelächter überschüttet oder – bestenfalls! – milde belächelt worden. Man war ein Spinner, ein freak. Die nur noch (energie-) technologisch ausgerichteten Grünen, das ist die traurige Wahrheit, würden heute in das Gelächter einstimmen.

Es gibt diesen schönen Satz aus einem Gedicht von Günter Eich (ich habe ihn vor kurzem zitiert): „Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!“ Ich behaupte geradeheraus: die Grünen möchten es. Sie zerstören den Wald da, wo er am schönsten ist: in unseren Mittelgebirgen. Der Wald wird zum bloßen Standort von Windkraftanlagen degradiert, man zerstört ohne jede Hemmung die schönsten Sichtachsen im Gebirge, man zerstört den Trost, der von diesen Wäldern ausgeht. A thing of beauty is a joy forever? Nicht mit uns, sagen die Grünen. It will never pass into nothingness, heißt es in Keats‘ wunderschönem Gedicht von der Schönheit, aber da hat er seine Rechnung ohne die Grünen gemacht. Schönheit, Trost, Frieden – das sind Wörter, die Künast und Trittin und Genossen völlig fremd sind. Sie kommen offenbar fast allesamt aus der linken, technisch orientierten Strömung der grünen Bewegung her, mit der sie ihre Machbarkeitsphantasien, ihre Ingenieursmentalität teilen.

Und was hat das alles mit dem Glottertal zu tun?

Dort hat gerade (wie man in der heutigen F.A.Z. nachlesen kann) eine Art Probeabstimmung stattgefunden: auf die Frage, ob man auf Brombeerkopf, Scheresköpfle und Wuspeneck Windräder aufstellen soll, hat sich tatsächlich eine Mehrheit von 641 zu 521 für die Windräder ausgesprochen.

Weil es aber in den meisten Orten anders aussieht, will man den Widerstand der Bürger gegen die Verspargelung des Schwarzwalds jetzt mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen brechen: das geht von der Einrichtung von Runden Tischen bis zur gesetzlichen Erschwerung von Bürgereinsprüchen.

Der Erfolg ist zweifelhaft. Und auch im Glottertal wird man einmal begreifen, was man mit einem solchen Beschluß den künftigen Generationen angetan hat.

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Schreiben wie Freud, Nietzsche, Kant …

Auf der Internetseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet sich ein wahres Kleinod. Unter dem Titel „Ich schreibe wie …“ können Sie einen beliebigen Text eingeben (am besten natürlich Ihren eigenen!), und dann erfahren Sie, mit welchem Schriftsteller Sie stilistisch vergleichbar sind.  So etwas reizt natürlich zu einem Selbstversuch!

Um es kurz zu machen: die Ergebnisse sind meist etwas zu schmeichelhaft – manchmal aber auch nicht.

Ich habe so an die zehn Blogeinträge meines giftgrünen Tagebuchs eingegeben – und weiß jetzt, daß ich wie Nietzsche, Freud, Kant und Goethe (!) schreibe, aber auch wie – Franziska zu Reventlow (der Beitrag über das „Heimchen am Herd“).

So selbstverliebt bin ich freilich nicht, daß ich das alles für bare Münze nehme, aber es ist eine schöne Spielerei.

Falls Sie es einmal selbst ausprobieren wollen: klicken Sie einfach hier.

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Spielsüchtige

Wann hat das Unglück in der Finanzwelt angefangen?

Als aus seriösen Bankiers fast über Nacht – Banker geworden sind.

Das ist viel mehr als nur ein semantischer Unterschied. Es ist vor allem ein moralischer Niedergang: an die Stelle vernünftigen, verantwortungsbewußten Wirtschaftens ist die pure, hemmungslose Gier getreten. Viele dieser Akteure sind im Grunde Spielsüchtige, die eigentlich in psychiatrische Behandlung gehörten – aber sie spielen nicht mit ihrem eigenen Geld, sondern mit unserem.

Es ist so ein Milieu entstanden, in dem übrigens fast alle Todsünden (heute nennt man sie unnötig beschönigend Hauptsünden) überreich vertreten sind.

Es wäre an der Zeit, diesen Niedergang einmal genau nachzuverfolgen und auch in seinen psychologischen und moralischen Dimensionen zu beschreiben.

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Eine Teenagerin!

Ja, die Liebe zu einer Teenagerin, so schreibt doch allen Ernstes euronews in seinen Online-Nachrichten (hier nachzulesen), die Liebe zu einer Teenagerin habe Christian von Boetticher die politischen Ämter gekostet.

Eine Teenagerin!

Ja, seid ihr bei euronews eigentlich noch ganz gescheit? Glaubt ihr, man darf (oder muß) an jedes Wort ein -in anhängen, wenn es sich um ein weibliches Wesen handelt? Die deutsche Sprache hat immer noch Regeln, und es hätte doch nicht viel Zeit gekostet, im großen Wahrig oder im Duden nachzuschlagen.

Am besten schafft ihr euch erst einmal das Buch Die deutsche Sprache für Dummies an.

Allerdings – ich weiß nicht, ob es so ein Buch überhaupt gibt. Falls nicht, müßte es (bitte, bitte!) unbedingt jemand schreiben, damit die Redaktioninnen und Redaktionen von Senderinnen und Sendern wie dem euren von ihrem Analphabetismus befreit werden.

Teenagerin – da lachen wirklich die Hühnerinnen und Hühner!

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Rettet den Wald – vor den Kapitalanlegern!

„Rettet den Wald!“ – das ist ein bis heute unvergessenes und immer noch aktuelles Buch, das Horst Stern 1979 zusammen mit einigen Mitautoren veröffentlicht hat. Fast alles, was ich über die tieferen Zusammenhänge des Waldes und der Forstwirtschaft heute weiß, stammt aus diesem Buch.

Der mitteleuropäische Wald ist tatsächlich einzigartig. „Nachhaltigkeit“ ist heute ein Modewort, noch dazu eines, das meistens völlig falsch und sinnentstellend gebraucht oder zum leeren Marketingargument mißbraucht wird. Alles soll auf einmal nachhaltig sein. Einen als „nachhaltig“ zertifizierten Regenwald, wie es uns z.B. Holzkonzerne, Importeure  und diverse Aktivisten weismachen wollen, gibt es nicht. Regenwald läßt sich nicht bewirtschaften, man kann ihn nur erhalten (so wie er ist) – oder zerstören. Aber der Wald in den gemäßigten Breiten kann durchaus nachhaltig bewirtschaftet werden, ja – die Bewirtschaftung, wenn sie klug betrieben wird, ist geradezu eine Voraussetzung dafür, daß er so ist, wie wir alle ihn uns wünschen. Ohne die Forstwirtschaft, wie sie in Europa seit zwei, drei Jahrhunderten betrieben wird, gäbe es ihn nicht.

Das Klischee vom guten Wald und dem bösen Förster, das von einigen nicht ganz gescheiten Zeitgenossen immer einmal wieder aufgebracht wird, ist nur – dummes Zeug. Ohne die Forstwirtschaft hätten wir in Mitteleuropa – von wenigen Sonderstandorten wie Felsen, Mooren und Sanddünen abgesehen – fast überall einen extrem artenarmen Buchenwald, denn unter dem Kronendach der Bäume kann sich, von den Frühblühern abgesehen, keine nennenswerte Krautschicht entwickeln. Natürlich hätten wir, wenn der Mensch nicht mehr eingreift, auch keine Wege mehr im Wald. Das wäre dann das Endstadium der natürlichen Entwicklung, die sog. Klimaxvegetation. (Übrigens ist es außerhalb des Waldes nicht viel anders, auch in den offenen, baumlosen Vegetationseinheiten wäre der Artenreichtum sehr schnell verschwunden, wenn es den Menschen nicht mehr gäbe.)

Der Wald sieht sich jetzt freilich einer Bedrohung ausgesetzt, die so nicht zu erwarten war: er wird offenbar zum Spekulationsobjekt der Finanzwelt. Anleger, die genug haben von den Turbulenzen auf dem Aktienmarkt, wenden sich zunehmend solideren Anlagen zu: Edelmetallen wie dem Gold etwa und jetzt auch – dem deutschen Wald.

Im Finanzteil der F.A.Z. vom Samstag (hier nachzulesen) erfährt man, daß der osteuropäische Wald und der in Übersee schon länger ein Objekt der Anleger ist. So können sich deutsche Anleger u.a. an Sandelholzplantagen in Australien und an Plantagen in Lateinamerika beteiligen. „Nachhaltigkeitsfonds“ nennt man das hin und wieder im Internet. Das Emissionshaus Aquila etwa bietet eine Beteiligung am „Amata-Projekt“ an – dabei gehe es darum, schreibt die F.A.Z., „durch nachhaltige Forstwirtschaft den brasilianischen Regenwald zu erhalten“. Für dieses – biologisch nicht mögliche – Unterfangen winkt eine jährliche Rendite zwischen 10 und 35 Prozent! Aber – leider, leider! – kann man den Regenwald nur erhalten, indem man ihn nicht antastet. Was man als „nachhaltig bewirtschaftet“ an seine Stelle setzt, ist eben kein Regenwald mehr, sondern (im günstigsten Fall!) Ersatzvegetation, mit einem Bruchteil der Artenvielfalt, die im ursprünglichen Regenwald vorhanden war.

Es wird Jahrhunderte dauern, bis wieder ein echter Regenwald entsteht – viele Forscher sind sogar der Ansicht, daß auch unter besten Bedingungen (und von denen ist man in Indonesien, Brasilien usw. weit entfernt) auf solchen Flächen überhaupt kein Regenwald mehr entstehen wird.

Jetzt ist also der deutsche Wald an der Reihe. Die Anleger spekulieren darauf, daß immer mehr Kommunen aus schierem Geldmangel ihren Wald verkaufen müssen. Ist das (aus Sicht der Anleger) zu optimistisch gedacht? Keineswegs!

Wir wohnen zum Beispiel in einer kleinen Stadt im Rhein-Main-Gebiet, die immer noch viele schöne Wälder besitzt. Aber sie ist in großer Geldnot – und es gibt ein Kiesunternehmen, das dringend nach neuen Flächen für die Auskiesung sucht. Der Besitzer der Kiesgrube hat über viele Jahre hinweg  vorgesorgt: er ist als Sponsor aufgetreten, hat persönliche Beziehungen zu den Parteien geknüpft, und er ist in allen Vereinen präsent. Die Arbeit an seinem Netzwerk hat sich gelohnt: die Stadt hat ihm an die 8o Hektar schönen Bannwalds zur Auskiesung übertragen. Ein Referendum wurde von der Stadt mit juristischen Winkelzügen verhindert.

So geht es in vielen Städten und Gemeinden zu. Aus akutem Geldmangel wird privatisiert und verkauft, was das Zeug hält – auch das Tafelsilber, und dazu zählt ja der Wald wahrhaftig. Nils Weber, Geschäftsführer der Deutschen Forst Invest GmbH in München, jubelt: immer mehr Kommunen seien bereit, „sich von Flächen zu trennen“. Was im Westen freilich nur schleppend funktioniert, weil der Wald dort „emotional so hoch besetzt ist“, geht in den neuen Bundesländern offenbar viel einfacher. Noch einfacher allerdings funktionieren diese „Waldfonds“ etwa in Rumänien, wo ein Emissionshaus schon 11.000 Hektar Wald aufgekauft hat.

Darf ich ein ehrliches Wort sagen?

Mir können diese ganzen Emissionshäuser und Forst Invest GmbHs gestohlen bleiben!  Schon in der Bankenkrise hat sich vor Jahren gezeigt, daß die Finanzwelt eine vollständig ethikfreie Zone ist. Hier gibt es nur eines: sein Geld so anlegen, daß es in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Gewinn abwirft. Das soll ein Lebensinhalt sein? Mein Gott, wie armselig.

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

So beginnt ein Gedicht von Günter Eich. Ich möchte es jedenfalls nicht. Aber auf die gesamte Finanzwelt verzichte ich liebend gern.

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Nicht nur die Ölpalme – auch die Akazie!

Indonesien war schon immer ein hot spot der Regenwaldvernichtung. Erst hat man die tropischen Wälder auf den indonesischen Inseln wegen des wertvollen Tropenholzes vernichtet (und das mit einer Brutalität und Hemmungslosigkeit, die auf der Welt ihresgleichen sucht), danach, um Anbauflächen für die Ölpalme zu bekommen. Jetzt meldet der Verein Rettet den Regenwald, daß neuerdings auf Sumatra Regenwald gerodet wird, um an seiner Stelle Akazienplantagen für die Papierherstellung anzulegen.

Dem Konzern APRIL mit Sitz in Singapur gehört über seine Tochterfirma PT RAPP auf Sumatra die größte Papiermühle der Welt. Dieses Papier wird unter dem Markennamen PaperOne auch in Deutschand vertrieben, zum Beispiel von der Fa. Papier Union, die laut Wikipedia „einer der Branchenführer im deutschen Papierhandel“ ist. Im Internet wird es u.a. unter dem Spruch „Erstklassiges Officepapier zum Niedrigpreis“ beworben.

In einer Stellungnahme hat die Papier Union im Jahr 2008 tatsächlich behauptet, das indonesische Unternehmen forste auf Sumatra „jährlich ca. 35.000 bis 50.000 Hektar Plantagenwaldfläche neu auf“, damit leiste es „einen wesentlichen Beitrag zur Wiederbewaldung Sumatras und zu einer positiveren CO2-Bilanz.“

Wer auch nur ein bißchen etwas von der Biologie der tropischen Regenwälder versteht, wendet sich angesichts einer solchen Marketingnachricht mit Grausen. Wenn ein Regenwald einmal vernichtet ist, kann man ihn in seiner ursprünglichen Form nicht wieder herstellen – niemals! Man kann mit großem Aufwand an Zeit und Geld einen bewirtschafteten Wald an seine Stelle setzen, aber das wird – wie auch die Versuche in Costa Rica gezeigt haben – niemals der artenreiche Urwald sein, der vorher da war.

Alle Einzelheiten können Sie übrigens hier nachlesen (auch ein Formular für eine Protestmail findet sich auf der Seite).

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Über das Tier im Christentum

Gerade für einen Christen muß es ein immerwährendes Ärgernis sein, wie sich seine Kirche den Tieren gegenüber verhält. Es ist dies – historisch gesehen – ein Teil des jüdischen, also alttestamentlichen Erbes, aber heute, gut 2000 Jahre nach Christi Geburt, ist die herablassende Einstellung zum Tier durch nichts mehr zu rechtfertigen.

Ein Beispiel dafür mag eine Stelle aus dem katholischen Katechismus von 1993 sein. Dort heißt es:

Tiere, Pflanzen und leblose Wesen sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit von gestern, heute und morgen bestimmt.

Von Natur aus? Was heißt das? Wie kann man so eine Hypothese begründen?

Dann kommen ein paar Sätze, die auf den ersten Blick wie eine Einschränkung wirken: die Herrschaft des Menschen über die Tiere sei nicht absolut, die „Ehrfurcht vor der Unversehrtheit der Schöpung“ müsse gewahrt werden, man dürfe sie nicht „nutzlos“ leiden lassen usw. Natürlich fehlt auch nicht der Hinweis auf die beiden Heiligen, Franz von Assisi und Philipp Neri, die aber – was nicht im Katechismus steht – mit ihrer Liebe zu den tierischen Mitgeschöpfen in der Kirche ziemlich allein dastehen.

Aber dann! Dann liest man nämlich in Art. 2418 zwei Sätze über die Tiere, die wie ein Fallbeil klingen:

Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.

Im deutschen Kompendium dazu heißt es 2005 kurz und bündig: „übertriebene Liebe zu Tieren … ist zu meiden“.

Mir hat der Atem gestockt, als ich diese Sätze im katholischen Katechismus das erste Mal gelesen habe.  Wenn man ganz offen so viel menschliche Überheblichkeit und Arroganz zeigt, sollte man auch nicht von „Bewahrung der Schöpfung“ reden. Ein paar Fußnoten mit Hinweisen auf die biblische Schöpfungsgeschichte können nichts wiedergutmachen, was solche Sätze anrichten. Und vor allem sollte man sich dann auch nicht wundern, daß sich so viele junge Menschen dem Buddhismus zuwenden, der in seiner Einstellung zum Tier viel konsequenter (und ehrlicher!) ist.

Das anthropozentrische Weltbild ist ein bedenkliches Erbe, das die Christen vom jüdischen Glauben übernommen haben. Ein Jesuswort, das diese Überheblichkeit aus christlicher Sicht rechtfertigen würde, kenne ich nicht.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar Zitate von Arthur Schopenhauer in die Diskussion einführen, der  – man wird es schon gemerkt haben – mein Lieblingsphilosoph ist. Es gibt unter den Philosophen keinen größeren, energischeren und eloquenteren Fürsprecher für die Tiere als ihn.

Die vermeinte Rechtlosigkeit der Thiere, der Wahn, daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener Moral heißt, daß es gegen Thiere keine Pflichten gebe, ist geradezu eine empörende Rohheit und Barbarei des Occidents, deren Quelle im Judenthum liegt. In der Philosophie beruht sie auf der aller Evidenz zum Trotz angenommenen gänzlichen Verschiedenheit zwischen Mensch und Thier.

Schopenhauer hat zeitlebens alles in sich aufgesaugt, was zu seiner Zeit von den alten asiatischen Religionen nach Europa gedrungen ist. Auch die neuen Erkenntnisse der Naturwissenschaften hat er sofort in seine Schriften aufgenommen. Sehen wir uns einmal an, was er zum Verhältnis von Mensch und Tier zu sagen hat:

Man muß wahrlich an allen Sinnen blind, oder vom foetor Judaicus total chloroformirt seyn, um nicht zu erkennen, daß das Wesentliche und Hauptsächliche im Thiere und im Menschen das Selbe ist, und daß was Beide unterscheidet, nicht im Primären, im inneren Wesen, im Kern beider Erscheinungen liegt, sondern allein im Sekundären, im Intellekt, im Grad der Erkenntnißkraft … Daß die Moral des Christenthums die Thiere nicht berücksichtigt, ist ein Mangel derselben, den es besser ist einzugestehen, als zu perpetuieren … Mitleid mit Thieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Thiere grausam ist, könne kein guter Mensch seyn.

Und er spricht – höchst modern! – vom seltsamen Begriff einer „bloß zum Nutzen und Ergötzen der Menschen ins Daseyn gekommenen Thierwelt“, in dessen Folge man in Europa „die Thiere ganz als Sachen behandelt“.

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Nur das vielleicht noch: eine Umkehr, wie sie die christlichen Kirchen gern von ihren Schäflein fordern, sollten sie hier schleunigst an sich selbst vollziehen. Falls der furchtbare Absatz im katholischen Katechismus noch immer gültig ist, muß er entfernt werden. Ihn stützt, wie gesagt, kein Jesuswort, er ist unnötig, ärgerlich und entspricht eher dem jüdischen als dem christlichen Glauben. Seine Wurzeln sind jüdisch-archaisch, nicht christlich.

Wer immer ihn so formuliert hat, sollte sich schämen.

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Die Philosophie ist tot?

Gerade gelesen, im ersten Kapitel von Stephen Hawkings Buch The Grand Design – es geht um die alten Fragen der Menschheit: was die Welt im Innersten zusammenhält, wo der Mensch herkommt und wo er hingeht:

Traditionally these are questions for philosophy, but philosophy is dead. Philosophy has not kept up with modern developments in science, particularly physics. Scientists have become the bearers of the torch of discovery in our quest for knowledge.

Nun mag es ja sein, daß nicht alle Philosophen in die Feinheiten der Quantentheorie eingedrungen sind, aber viel eklatanter scheint mir – und das ist vielfach belegbar – die Unkenntnis der Naturwissenschaftler über die Philosophen zu sein. Das liegt auch daran, daß viele Naturwissenschaftler über ihren engen trial and error-Horizont, über das Verifizieren und Falsifizieren nie hinausdenken. Anders als die Philosophen haben sie es nie gelernt, hermeneutisch zu denken und einen philosophischen Diskurs zu führen.

Daß ausgerechnet die Physiker die Fackelträger bei der Suche nach der Wahrheit seien, scheint mir daher eher ein Zeichen ihrer Selbstüberschätzung zu sein.

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Baschar al-Assad macht Syrien zum Schlachthaus

Baschar al-Assad, der syrische Präsident, läßt alles niedermetzeln, was gegen ihn ist. Jeden Tag kommen neue Berichte, daß seine Truppen mit Panzern und Scharfschützen gegen die eigene Bevölkerung vorgehen.

Die demokratischen Länder der Welt protestieren energisch (und natürlich zurecht) gegen dieses ungeheure Massaker eines Despoten. Selbst einigen muslimischen Ländern ist dieser Glaubensgenosse jetzt peinlich geworden: Saudi-Arabien distanziert sich von ihm, auch Kuwait und Bahrain, selbst Assads alter Kumpel Erdogan will erst einmal nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Ganz anders sieht es mit den sog. „Schwellenländern“ aus. Sie gehören ohnehin mit zum Schlimmsten, was unserer Erde widerfahren kann – nirgendwo wird die Natur von den herrschenden Schichten so rücksichtlos ausgeplündert wie in diesen Ländern. Drei von ihnen haben jetzt eine Delegation nach Syrien geschickt, um sich „ein Bild von der Lage dort zu verschaffen“: Südafrika, Indien und Brasilien. Aber eigentlich war die Reise gar nicht nötig: der südafrikanische Vizepräsident Kgalema Motlanthe hat gleich klargestellt, daß sein Land keine Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen Syrien mittragen wird.

Stattdessen unterstütze Südafrika – man höre und staune! – die «Reformbemühungen» des Assad-Regimes.

Wundern darf man sich darüber nicht, denn das Südafrika von heute ist nicht mehr das Land von Nelson Mandela. Mandelas Nachfolger unterstützen zum Beispiel seit Jahren den verbrecherischen Kurs des Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe, der es in wenigen Jahren geschafft hat, mit seinem „schwarzen“ Rassismus aus einem blühenden Land ein Armenhaus zu machen. Da darf man sich nicht wundern, daß auch der Schlächter von Syrien von ihnen kein böses Wort hören wird.

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