Und das ist (überhaupt nicht) gut so …

Als (West-) Berlin noch einen Viermächtestatus hatte, war das Grundgesetz dort nicht anwendbar. Heute ist es die deutsche Hauptstadt, und unser Grundgesetz ist selbstverständlich auch in Berlin geltendes Verfassungsrecht.

In diesem Grundgesetz steht in Artikel 6 ganz unmißverständlich:

1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Das muß man sich in Erinnerung rufen, wenn man liest, was zur Zeit in Berlin vor sich geht. „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, hat einst Hildegard Knef gesungen – aber der Koffer, um den es hier geht, hat einen ganz speziellen Inhalt (alles hier nachzulesen).

Es ist ein Koffer, der den Berliner Grundschülern endlich beibringen soll, daß die normale Familie out ist. Das Lernziel der fortschrittlichen Pädagogen heißt: „Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“. Ein Bilderbuch aus dem Koffer drückt es so aus:

Vor langer, langer Zeit sahen die meisten Familien in Büchern so aus: ein Papa, eine Mama, ein kleiner Junge, ein kleines Mädchen.

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: die ganz normale Familie, so will man es den Berliner Grundschülern jetzt einreden, so will man es in ihre kleinen Gehirne förmlich einhämmern, diese ganz normale Familie hat es „vor langer, langer Zeit“ einmal gegeben. Das war wohl die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, als der Brontosaurus noch auf den unendlichen Weiten der Steppe graste. Da mußte also „ein kleiner Junge“, da mußte „ein kleines Mädchen“ tatsächlich noch mit einem Papa und einer Mama zusammenleben! Wie furchtbar. Und wie gut, daß Onkel Wowereit (und bald auch Tante Künast!) den Kleinen ein „vielfältigeres Bild von Familie“ vermitteln werden.

Was ist also eine fortschrittliche Familie? Natürlich gibt es sie noch, die altmodischen Kleinfamilien, aber ein Maßstab ist das nun wirklich nicht mehr. Deshalb ist es geradezu skandalös, schimpft Frau Kempe-Schälicke von der schon genannten Initiative „Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“, daß unsere Schulbücher immer nur „mitteleuropäische Familien im Vater-Mutter-Kind-Schema“ abbildeten. Ja, wo kämen wir da auch hin, wenn in mitteleuropäischen Schulbüchern mitteleuropäische Familien dargestellt würden! In Berlin, das schließe ich aus dem Inhalt dieses Koffers, der die Grundschüler über

lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Lebensweisen

aufklären soll, in Berlin also sind fast alle Menschen lesbisch oder schwul. Garantiert!

Manche sind auch transgender, aber was das jetzt genau ist, muß ich mir bei Gelegenheit einmal von einem Berliner Grundschüler erklären lassen.

Natürlich gibt es auch Probleme, wenn fast alle Berliner lesbisch oder schwul sind. Aber da hilft ein anderes Buch weiter, das sich auch in dem Koffer befindet:

Weil aber zwei Frauen keine Kinder bekommen können, haben sie Stefan gefragt. Stefan ist schwul.

Warum jetzt ausgerechnet der schwule Stefan das Problem lösen soll, leuchtet mir nicht so ganz ein, aber wenn auch Stefan es nicht schafft, hilft nur noch der Arzt, und der tut dann „den Samen in Mamas Bauch“.

Eines ist also völlig klar: der Berliner, wenn er nicht transgender ist, ist wenigstens lesbisch oder schwul!

Schön finde ich auch eine Handreichung für die Berliner Schulen aus dem Jahr 2006: da sollen Schüler (unter anderem schon in der Sekundarstufe I) pantomimisch die Begriffe „Sado-Maso“ und „Orgasmus“ darstellen. Außerdem lernen sie, wie man ein lesbisches oder schwules Wochenende plant. Ist das nicht wunderbar? Hier wird der alte Spruch wirklich noch beherzigt: non scholae, sed vitae discimus!

Die Initiative, zu der dieser Koffer gehört, ist übrigens im April 2009 von allen (!) Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses beschlossen worden.

Aber, im Ernst: wir leben in einer Welt, in der nicht nur Jugendliche, sondern schon Kinder lange vor der Pubertät so sexualisiert sind, wie es das noch nie vorher gegeben hat. Gerade Lehrer schlagen immer öfter Alarm, wenn sie sehen, daß schon Zehnjährige auf dem Schulhof pornographische Filme tauschen oder aufs Handy laden. Wer in einer solchen Situation schon in der Grundschule (und bald auch im Kindergarten!) über „Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen“ reden will, sollte sich in einer stillen Stunde einmal fragen, ob er noch ganz bei Trost ist.

Im Grundschulalter, das war unter seriösen Pädagogen und Psychologen eigentlich immer ein Konsens, sollte man in solchen Dingen nur auf das antworten, was die Kinder selbst fragen. Sie sollen selbst bestimmen, was sie wissen wollen.

In Wowereits Berlin geht es um etwas ganz anderes. Hier soll auf Biegen und Brechen eine links-grüne, mal wieder „ganz fortschrittliche“ Lebensweise durchgesetzt werden, und zwar ohne jede Rücksicht auf das Kindeswohl. Die traditionelle Familie – ein ausgesprochenes Erfolgsmodell, das einem Kind überhaupt erst Geborgenheit und damit einen guten Start ins Leben gibt – ist plötzlich nur noch ein Modell unter vielen, sie wird planmäßig denunziert, kleingemacht, als altmodisch hingestellt. Natürlich kann auch eine traditionelle Familie scheitern – aber das können schwule und lesbische Beziehungen auch (und wahrscheinlich sogar noch häufiger).

Eines jedenfalls lasse ich mir nun wirklich von niemandem erzählen (und von Onkel Wowereit schon gar nicht): daß man Grundschüler in die Welt der „sexuellen Vielfalt“ einweisen muß. Wenn selbst der bildungspolitische Sprecher der Berliner CDU, Sascha Steuer, meint, der Inhalt dieses gruseligen Köfferchens sei „kindgerecht“, dann sieht man, was aus der Merkelschen CDU geworden ist.

Hier ist noch einmal unser Grundgesetz – als Handreichung für die Berliner Politiker (bitte mit in den Koffer legen!):

1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

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Brief an den Genossen Xi Jinping

Lieber Genosse Xi Jinping,

gerade lese ich, daß Du als kommender großer Steuermann in China das Tibet-Problem endlich lösen willst. Da hast Du Dir viel vorgenommen! Aber Du hast den Schlüssel zu allem gefunden, das ist löblich. „“Der Schlüssel zur Lösung aller Probleme Tibets“, so hast Du gesagt, „liegt in seiner beschleunigten Entwicklung.“ Die „sozialistische Modernisierung“ Tibets müsse vorangetrieben werden, dann werde schon alles gut. Und gegen die „Sabotage- und Spaltungsversuche der Dalai-Lama-Clique und der ausländischen Feinde“ habe man ja die Polizei und die Volksbefreiungsarmee. (Übrigens ein irgendwie unlogischer Name, denn das Volk ist doch schon befreit, oder? Aber vielleicht muß es ja immer und immer wieder befreit werden.)

Ich darf Dir, lieber Genosse Xi Jinping, doch einen kleinen Rat geben? Was Du versuchst, haben in Rußland die Genossen Lenin und Stalin lange vor Dir ausprobiert. Sie haben ihr Land dermaßen entwickelt und modernisiert, daß beinahe nichts von ihm übriggeblieben ist. Ein paar Millionen Menschen sind dabei verhungert, aber so ist es nun einmal – wo gehobelt wird, fallen Späne.

Die rückständigen Mönche in Tibet, die sich in ihrer dumpfen Unwissenheit nicht so gern von Dir modernisieren lassen möchten, wirst Du schon zur Raison bringen. Das wirst Du sicher genauso wie damals machen, als Deine „Sicherheitskräfte“ ein lustiges Möncheverprügeln veranstaltet haben. Erinnerst Du Dich? Natürlich, ein bißchen peinlich ist es schon, daß der Film über diese Jagdszenen auch zum westlichen Klassenfeind gelangt ist. Da sieht man nämlich, wie die Sicherheitskräfte mit großen Stöcken auf die unbewaffneten, flüchtenden Mönche einschlagen, bis sie sich nicht mehr rühren. Aber egal, die hätten ja bei der Entwicklung und Modernisierung eh nur gestört.

Ach ja, eines möchte ich Dir, lieber Genose Xi, doch noch sagen. Du und Deine Partei, Ihr gehört, mit Verlaub, in das Gruselkabinett der Geschichte (oder sollte ich besser sagen: auf den Misthaufen der Geschichte?). Daß es Euch im Jahr 2011 immer noch gibt, daß Ihr bis auf den heutigen Tag ein so großes und altes Kulturvolk mit Euren primitiven Phrasen regieren könnt, grenzt an ein Wunder. Aber auch Wunder haben einmal ein Ende. Auch Seifenblasen platzen – man muß nur entschlossen in sie hineinstechen.

Und Tibet, lieber Genosse Xi Jinping, könnt Ihr modernisieren und entwickeln, so lange Ihr wollt. Aber dann, wenn Euch die Geschichte fortgeweht hat, wird man in Lhasa und überall im Land Fenster und Türen öffnen.

Und man wird wieder frei atmen.

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Allmachtsphantasien in der Finanzwelt

Die inzwischen fast täglichen Meldungen und „Herabstufungen“ der sog. Ratingagenturen haben längst die Grenze des Erträglichen überschritten. Auch immer mehr Politiker fordern inzwischen, daß die „Macht der Ratingagenturen gebrochen“ werden muß. Nur – sie tun es nicht! Ganz im Gegenteil: wie das Kaninchen auf die Schlange, so starren sie ängstlich auf die nächste Herabstufung, die ihnen von  Fitch, Moody’s oder Standard & Poor’s übermittelt wird.

Sie lassen sich weiter von der Finanzwelt demütigen, kriechen zu Kreuze, nehmen alles geduldig hin. Dabei sind sie doch gewählte Politiker, sie haben von uns ein Mandat bekommen, und sie müßten stolz darauf sein. Kein Banker, kein Mitarbeiter einer Ratingagentur, kein Anlageberater ist je von irgendjemand legitimiert worden, sie alle bedienen nur wirtschaftliche Interessen, über die man im übrigen meist wenig weiß. Ein Politiker muß sich vor solchen Interessenvertretern doch nicht verstecken! Die moralische Autorität selbst des letzten Hinterbänklers liegt meilenweit über der dieser Gewinnemacher, Spekulanten und Finanzjongleure.

Aber die Politiker, soweit sie nicht einfach Angst (und eine nicht unbegründete Angst!) vor der Macht der Finanzwelt haben, empfinden vielleicht gleichzeitig auch so etwas wie eine uneingestandene, klammheimliche Bewunderung für diese Männer, die so viel mächtiger sind als sie selbst. Während sie sich um Wahlkreise und Rechtsvorschriften und jeden Kleinkram kümmern müssen, können die Finanzjongleure schalten und walten, wie sie wollen. Niemand hat sie legitimiert, also sind sie auch niemandem verantwortlich. Wenn sie ganze Firmen (und damit vielleicht Hunderttausende von Arbeitnehmern) ins Unglück stürzen – was ist dabei? Sie haften für nichts, sie erstatten nichts, für sie gilt keine Moral. Sie sind so frei, wie es kein demokratischer Politiker je sein kann.

Und diese Freiheit ist in der Finanzwelt die Quelle von ungeheuren Allmachtsphantasien geworden. Es ist Macht ohne Verantwortung, man kann tun und lassen, was man will, ohne für irgendetwas haftbar gemacht zu werden. Mit einer einzigen Pressemeldung können sie ganze Länder ins Unglück stürzen – und sie können es nicht nur, sie tun es. Griechenland, Irland, Portugal, ein paar Herabstufungen, und schon zittert ganz Europa. Man braucht kein Psychologe zu sein, um sich vorzustellen, was da in den Köpfen vor sich geht. Über die Ethik in der Finanzwelt hat man vielleicht einmal am Beginn der Karriere in einem Seminar gesprochen, danach nicht mehr. Wozu auch? Die Ethik wäre nur lästig, hinderlich. Markt ohne Moral, so heißt denn auch das Buch von Susanne Schmidt, der Tochter von Helmut und Loki Schmidt, die als Investment-Analystin viele Jahre ein Teil des Systems war.

So hat man im Lauf der Jahre jedes Maß verloren und muß über die Folgen des eigenen Tuns nicht mehr nachdenken.

Viele meinen, es ginge hier nur um einen wirtschaftlichen Konflikt zwischen den meist in den USA beheimateten Ratingagenturen auf der einen und den europäischen Ländern auf der anderen Seite, also um die Kluft zwischen der neuen Welt und dem alten Europa. Aber warum greifen diese Agenturen dann immer heftiger ihr eigenes Land an und setzen es unter Druck? Heute hat Moody’s, wie man in der F.A.Z. nachlesen kann, die USA aufgefordert,

die Obergrenze bei der Staatsverschuldung abzuschaffen, um Investoren nicht zu verunsichern.

Schon vorher hatte die Agentur den Vereinigten Staaten mit einer Aberkennung der bisherigen Bestnote gedroht. Es geht also nicht um wirtschaftliche Konflikte zwischen Ländern oder Kontinenten, es geht um viel mehr. Es geht, kurz gesagt, um eine Art Entscheidungsschlacht zwischen demokratisch legitimierter staatlicher Autorität und einer völlig außer Rand und Band geratenen Finanzwelt, die keine Grenzen, keinen Anstand und keine Moral mehr kennt.

Diese Schlacht ist nocht nicht entschieden. Aber mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, daß man diese von ihrer Macht betrunkenen, international vernetzten Finanzmanager noch in die Schranken weisen kann.

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Herzlichen Glückwunsch, Japan!

Ein packendes Endspiel, mit zwei ganz verschiedenen Mannschaften, die aber beide auf ihre Art großartig gespielt haben. Das geschundene Japan, das in jüngster Zeit von verheerenden Katastrophen heimgesucht worden ist, kann sicher jeden Anlaß zu Freude gut gebrauchen. Ich gratuliere! (Und hoffe, daß die Schriftzeichen richtig sind …)

おめでとう御座います

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Da ist man sprachlos

Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, der die Universität Heidelberg wegen zahlreicher Plagiate den Doktortitel aberkannt hat, möchte ihren Titel zurückhaben. Deshalb hat sie gegen den Beschluß der Universität Einspruch erhoben.

Der Dekan hatte erklärt, daß sich auf 80 Textseiten ihrer Dissertation rund 120 Stellen befänden, die man als Plagiate ansehen müsse.

Nun ist es natürlich das gute Recht von Frau Koch-Mehrin, gegen einen solchen Beschluß Einspruch zu erheben und notfalls sogar vor dem Verwaltungsgericht dagegen zu klagen. Aber es ist eine ganz andere Sache, wie man diesen Einspruch moralisch beurteilt – und wieviel Mangel an politischem Gespür sich darin ausdrückt. Frau Koch-Mehrin hat von Anfang an versucht, den Spieß umzudrehen und der Universität die Schuld an allem zu geben, was – angesichts der öffentlich zugänglichen Plagiatsnachweise – geradezu unverfroren ist.

Was sie mit einem so dreisten Verhalten im ohnehin gespannten Verhältnis zwischen dem Volk und der politischen Klasse anrichtet, scheint ihr vollkommen gleichgültig zu sein.

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„Lufthansa tankt Regenwald“

So schreibt, völlig zurecht, die Organisation Rettet den Regenwald e.V. zu den Plänen der Lufthansa, dem normalen Kerosin versuchsweise sog. „Bio-Kerosin“ beizumischen. Man ist es fast leid, immer wieder darauf hinzuweisen, daß für diese sog. „Energiepflanzen“, von unseren Grünen leidenschaftlich gefördert, überall Regenwald, artenreiche Brachen und auch Äcker, die viele Familien ernähren, vernichtet werden. Das auch noch zu fördern, ist ein Verbrechen an der Natur. Die Lufthansa nennt die Verbrennung dieser Pflanzen in ihren Maschinen (es soll sich um Jatropha handeln) burnFAIR, aber fair ist daran wirklich gar nichts. Auch der Lufthansa-Slogan „Mit Pure Sky® in eine umweltfreundliche Zukunft“ ist nichts anderes als ein billiger Slogan.

Es ist reines Marketing – sonst nichts.

Und das wird auch noch, wie man hier nachlesen kann, vom Bundeswirtschaftsminister mit Steuergeldern in Höhe von 2,5 Mill. Euro gefördert.

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Noch einmal zur Merkelschen Außenpolitik

Die Bundeskanzlerin reist durch Afrika. Wen hat sie auf den schwarzen Kontinent mitgenommen?

Bei der Stippvisite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Kenia, Angola und Nigeria geht es zum großen Teil um wirtschaftliche Belange. Nicht ohne Grund hat die Kanzlerin eine Reihe von deutschen Unternehmern und Managern mit dabei. Vertreter von Daimler, Lufthansa, Deutsche Bank, Bilfinger Berger und eine Reihe weiterer Unternehmen stehen Spalier, wenn die Regierungschefin auftritt.

Ich habe es schon anläßlich der Panzerlieferung an Saudi-Arabien gesagt und wiederhole es jetzt: die visionslose deutsche Außenpolitik ist zur bloßen Außenwirtschaftspolitik verkommen. Menschenrechte? Geschenkt! Ökologie? Geschenkt! Jetzt geht es nur noch darum, die afrikanischen Märkte für die deutsche Wirtschaft zu öffnen. Mit Hilfe der Kanzlerin wollen die deutschen Unternehmen „in den Boom-Regionen des Kontinents Marktanteile zurückerobern“, so Ulrich Reitz auf heute.de (von ihm stammt auch das längere Zitat oben).

Boom-Regionen und Marktanteile – das ist das wahre Gesicht dieser Politik. Was sagte die Kanzlerin soeben ihren angolanischen Gastgebern?

Wir würden Ihnen auch gerne bei Ihren Verteidigungsanstrengungen helfen, zum Beispiel bei der Ertüchtigung der Marine … Das alles sind einige konkrete Projekte, für die wir uns einsetzen und die wir hier während unseres Aufenthaltes auch gerne zur Sprache bringen möchten.

„Wir würden Ihnen gerne bei Ihren Verteidigungsanstrengungen helfen“ – ist das nicht schön ausgedrückt? Deutschland möchte also Angola helfen, seine Marine zu ertüchtigen. Helfen, ertüchtigen, sich einsetzen – alles viel zu schön, um wahr zu sein. Hier wird mit Worten beschönigt, daß es einem die Schamröte ins Gesicht treibt. Da sind einem fast die Chinesen lieber, die ohne jedes moralische Brimborium die afrikanischen Staaten einfach nur ausbeuten.

Und die Kanzlerin? Es ist schon merkwürdig, daß es CDU-Kanzlern immer wieder gelingt, alle Konkurrenten aus dem Weg zu räumen und so die ganze Partei im Würgegriff zu halten. Kohl hat das mit leichter Hand geschafft, und „Kohls Mädchen“ macht es ihm jetzt nach. Die Konservativen in der CDU haben, solange sie im Amt ist, keine Chance.

Die Rumpel- und Wackelpolitik ohne Profil und Verstand wird weitergehen.

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Die Hüpfburg

Es gibt ja viele Scheußlichkeiten im Land, über die man sich aufregen kann, aber eine der größten ist sicher die Hüpfburg.

Man kann ihr kaum entkommen: wenn ein Baumarkt sein siebenjähriges Jubiläum begeht, ein neuer Supermarkt öffnet, wenn die Freiwillige Feuerwehr feiert – immer wird eine Hüpfburg aufgestellt. Meistens müssen die Muttis energisch werden („Nun hüpf doch endlich, Kevin!“ – „Muß ich wirklich, Mami?“), aber ich habe auch schon Hüpfburgen mit echten, tatsächlich hüpfenden Kindern gesehen. Wenn der Marktleiter extra eine Hüpfburg anmietet, ist das ja auch das Mindeste, was man verlangen kann!

Seinen Anruf bei der Firma XYZ stelle ich mir so vor:

„Hören Sie, wir machen da am Samstag eine kleine Marketingaktion, da brauchen wir noch was für die Kinder.“

„Ah ja. Wieviel wollen Sie denn ausgeben?“

„Wenig, ganz wenig. Eigentlich fast nichts.“

„Dann bleibt nur die Hüpfburg.“

„Gut, wir nehmen die Hüpfburg.“

Nun mag es noch angehen, daß dieses häßliche Dings irgendwo im Gewerbegebiet steht, aber es ist längst auch in die schönsten Biotope eingedrungen. Man findet es in Parks zwischen alten Bäumen, an Bergstationen in den Alpen, und überall wirkt es scheußlich, billig und wie eine Verhöhnung der Kinder, die gefälligst darauf hüpfen sollen.

Es ist ein Symbol dafür, wie man  Kinder abspeisen möchte: mit aufgeblasener Plastik für eine Handvoll Euro.

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Herzlichen Glückwunsch!

Wir gratulieren RTL zur (gefühlten) zweitausendsten Sendung über eines der wirklich brennenden Themen unserer Zeit: den Mietnomaden!

In der kryptozoologischen Bedeutung dürfte der Mietnomade inzwischen noch vor dem Yeti und dem Bigfoot liegen. Da wird für Vera Int-Veen (früher „Vera am Mittag“, heute der „Engel für Vermieter“) sicher bald der Deutsche Fernsehpreis winken …

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Gaddafi zum letzten

Muammar al-Gaddafi droht damit, als Vergeltung für die NATO-Angriffe auf sein Land (und er betrachtet Libyen ganz buchstäblich als „sein“ Land!) den Terror nach Europa zu tragen. Das ist heute nur noch die übliche Großmäuligkeit, denn er dürfte dazu wohl kaum mehr die Möglichkeit dazu haben.

Aber ein anderer Satz aus der gleichen, als „wirr“ bezeichneten Ansprache ist interessanter. Gaddafi fordert nämlich, daß Sizilien und Andalusien, die über Jahrhunderte arabisch gewesen seien, wieder Teil der arabischen Welt werden müßten.  Nun war die arabische Eroberung von Andalusien und erst recht von Sizilien in historischen Maßstäben nichts weiter als ein Intermezzo. Interessant ist aber die logische Bedingung einer solchen Forderung: sie lautet, kurz gesagt, daß vor der islamischen Eroberung nichts war, und daß ein Land, das einmal muslimisch war, es unter allen Umständen wieder werden muß. Besonders pikant bei einer so – sagen wir: intellektuell bescheidenen Argumentation ist, daß die „Kreuzzügler“ des Mittelalters, die ja immer im Zentrum der muslimischen Diskussionskultur stehen, auf diese Weise von der Gegenseite ihre Rechtfertigung erfahren. Denn so wie Gaddafi (und beileibe nicht nur er!) sagt, was einmal muslimisch war, muß wieder muslimisch werden, so können die Kreuzritter selbstverständlich mit dem gleichen Recht sagen: was einmal christlich war, muß wieder christlich werden.

Einen Unterschied macht das nur, wenn man die eigene Religion absolut setzt und eine Diskussion darüber (oder gar einen Abfall von ihr) mit dem Tod bedroht. Davon ist das Christentum schon vor Jahrhunderten abgekommen, während es im Islam in vielen Ländern noch gängige Praxis ist.

Sizilien übrigens war schon, als an den Islam noch nicht zu denken war, als Magna Graecia zusammen mit Teilen des südlichen Italien eine griechische Kolonie. Aber niemand in Griechenland würde auch nur daran denken, sich die Insel wieder einzuverleiben, nur weil sie irgendwann einmal griechisch war.

Genau das ist der Unterschied zwischen Kultur und Barbarei.

So, das war – versprochen! – der letzte Tagebucheintrag in meinem Blog, der sich mit Muammar al-Gaddafi beschäftigt. Ob er demnächst zum „Märtyrer“ wird oder seinen Lebensabend in einem Schurkenstaat verbringt, ist mir gleich. Ich werde kein Byte mehr an ihn verschwenden.

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