Lufthansa fliegt mit „Bio-Sprit“ – cool!

Das konnte man vor einigen Tagen in SPIEGEL Online lesen:

Jatropha heißt das Zauberwort: Aus dieser ölhaltigen Bohne lässt sich alternativer Kraftstoff gewinnen.

Viermal am Tag soll jetzt ein Airbus der Lufthansa von Frankfurt nach Hamburg fliegen, bei dem eines der Triebwerke mit einer Mischung aus herkömmlichen Kerosin und „Bio-Kerosin“ aus der Jatropha-Pflanze betrieben wird.

Ich könnte mir denken, daß Trittin und Künast begeistert sind.

Bio! Alles Bio!

Auch das alte Märchen vom zertifizierten Anbau werden sie uns jetzt wieder auftischen. Aber in Wirklichkeit handelt es sich hier, wie bei allen sog. „Energiepflanzen“ um einen Betrug im großen Stil. Es ist eine dreiste Lüge, hier überhaupt Begriffe wie „Bio“, „Öko“ oder „nachhaltig“ zu benutzen.

Für alle, wirklich alle tropischen „Energiepflanzen“ wird erst einmal gerodet – Regenwald vor allem, wertvolles, artenreiches Brachland oder auch Ackerland, auf dem jetzt noch viele Familien ihr Auskommen finden. Es wird also erst einmal zerstört, enteignet und vertrieben, damit die Industrieländer die auf den gerodeten Flächen angebauten Pflanzen dann in Triebwerken und Motoren verbrennen können. Das Anbaupotential für Jatropha curcas, so liest man es jedenfalls in der Wikipedia, soll weltweit „zirka 30 Millionen Hektar“ betragen. Jeder kann sich vorstellen, was für eine Zerstörung angerichtet werden muß, um solche Flächen in Monokulturen zu verwandeln.

Und ausgerechnet die grüne Bewegung, die sonst nicht ein und aus weiß vor lauter Sensibilität mit der Dritten Welt, klatscht hier Beifall und mahnt allenfalls eine „Zertifizierung“ an, von der alle Fachleute wissen, daß sie in den Ländern, um die es hier geht, geradezu absurd ist.

Mit den Getreide- und Rapsmonokulturen in unseren Breiten ist es nicht anders. Ich bin seit vielen Jahren mit der Kartierung von Pflanzen und Insekten beschäftigt, und ich schreibe es den deutschen Grünen hiermit ins Stammbuch: wenn der Anbau von Energiepflanzen in großflächigen Monokulturen auf dem heutigen Niveau bleibt oder gar weiter gesteigert wird, kommt es auch bei uns unausweichlich zu einem Artenschwund im großen Stil.

Worüber ich mich immer wundere: wo bleibt da eigentlich der Aufschrei der grünen Basis?

Ich weiß, daß es auf der unteren Parteiebene immer noch viele Grüne gibt, die sich engagiert und auch kenntnisreich für die Erhaltung der Natur einsetzen. Aber warum schweigen sie? Warum lassen sie ihre inkompetente Führung gewähren, für die „Energie“ zu einem Götzen, zum neuen Fetisch geworden ist? Wir haben doch nicht seit den 80er Jahren den Kampf gegen die Monokulturen geführt, um jetzt auf noch viel größeren Flächen Pflanzen für die Verbrennung in Benzinmotoren und Triebwerken anzubauen!

Noch einmal: ich weiß nicht, welcher Teufel die Grünen reitet. Ich weiß nur: mit der Politik, die sie jetzt betreiben, sind sie zu einer Gefahr für die Natur geworden – hier und überall auf der Welt.

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Der Stabilitätsanker oder: Die Moral in der Außenpolitik

Natürlich darf man es sich nicht zu leicht machen. In der Außenpolitik hat man es leider auch mit Regierungen zu tun, die wenig erfreulich sind (Regime nennt man die dann meistens). Nordkorea, Iran, Sudan, Venezuela – das sind nicht gerade willkommene Partner, aber es gibt sie nun einmal, und wir müssen uns irgendwie mit ihnen abfinden. Wir müssen sie aber nicht lieben, und wir müssen sie schon gar nicht mit Waffen versorgen.

Genau das geschieht aber im Moment – mit Saudi-Arabien. Trotz Handys, Hightech und einem fast märchenhaften Reichtum herrscht in diesem Land der Geist des Mittelalters. Und diese finstere Spielart des Islam wird seit langem in alle Länder der Welt exportiert – auch zu uns.  An der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrain hat sich Saudi-Arabien an vorderster Front beteiligt.

Das Milliardengeschäft mit 200 Leopard II-Panzern hat zurecht für Aufregung gesorgt. Aber es ist ja immer noch ein mutmaßliches Geschäft, denn obwohl jeder weiß, daß es stattgefunden hat, schweigt die Regierung dazu. Erst lange danach, wenn alles schon über die Bühne gegangen ist, sollen wir offiziell davon erfahren. Aber die Lobhudeleien der deutschen Regierung auf die saudi-arabische Regierung machen auch ohne offizielle Stellungnahme klar, daß hier alles gelaufen ist.

Thomas de Maizière, unser Verteidigungsminister, nennt Saudi-Arabien „einen der wichtigsten Stabilitätsanker in der Region“ und einen „Verbündeten des Westens“. Die Kanzlerin, die bei solchen Diskussionen, wie es ihre Art ist, lächelt und schweigt, redet auf einmal – aber nicht zum Parlament, sondern zu SAT 1: es gebe in Saudi-Arabien zwar „erhebliche Defizite im Menschenrechtsbereich“ (das ist fein ausgedrückt!), aber das Land sei „von großer strategischer Bedeutung“.

Das ist eine Einstellung, die man fast in eine mathematische Formel übersetzen könnte: je größer die strategische Bedeutung eines Landes, umso weniger kümmern wir uns um die Einhaltung der Menschenrechte. In diesem Licht erscheinen die warmen Worte von Guido Westerwelle und sein medienwirksamer Auftritt auf dem Tahrir-Platz ganz besonders scheinheilig. Wenn man der despotischen Herrscherfamilie in Saudi-Arabien modernstes Militärgerät überläßt, gleichzeitig aber keinen Finger rührt, um die Demokratiebewegung in Libyen militärisch zu unterstützen, dann ist die Grundsatzentscheidung gefallen: gegen die so unerwartet stark gewordene Gegenmacht in den arabischen Ländern, für die alten Regime. Sie müssen nur ein Lippenbekenntnis gegen den „Terrorismus“ ablegen, und schon sind sie Verbündete oder gar – Stabilitätsanker.

Auch hier sieht man wieder die dilettantische, völlig visionslose Außenpolitik von Merkel und Westerwelle, die bei neuen, unerwarteten Entwicklungen beide geradezu hilflos wirken. Da begehrt zum ersten Mal eine junge, demokratisch eingestellte Generation gegen die alten islamischen Eliten auf – und was tut man? Man gibt ein paar Lippenbekenntnisse ab, enthält sich, wenn es darauf ankommt, der Stimme und stärkt jetzt sogar eines der despotischsten Regime, weil es ein „Stabilitätsanker“ ist.

In Wirklichkeit geht es hier nicht um Stabilität und schon gar nicht um Menschenrechte, hier wird der Staat zum bloßen Vermittler von großen Wirtschaftsgeschäften degradiert. Die Außenpolitik wird zur Außenwirtschaftspolitik.

Das ist erbärmlich.

Und es ist, wenn man die Zukunft bedenkt, geradezu katastrophal, denn die Zukunft der arabischen Länder wird früher oder später in den Händen der jungen, aufmüpfigen Demokraten liegen, die überall – von Marokko bis zum Iran – unter Einsatz ihres Lebens gegen die alten Despoten kämpfen.

Diese Jugend wird einmal der neue Stabilitätsanker der arabischen Welt sein.

Sie wird es nicht vergessen, daß sich Deutschland, als es sich entscheiden mußte, auf die Seite der alten Despoten geschlagen hat.

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Über die Einmischung der Naturwissenschaften in fremde Angelegenheiten

In einer Buchbesprechung im Feuilleton der F.A.Z. vom 7. Juli lese ich verwundert folgenden Satz:

Dass die Welt nicht so ist, wie sie der menschliche Wahrnehmungsapparat zurichtet, ist heute, in Zeiten der Hirnforschung und der evolutionären Erkenntnistheorie, eine Selbstverständlichkeit.

Heute? In Zeiten der Hirnforschung? Mit Verlaub, über die Frage, ob die Welt so ist, wie wir sie wahrnehmen, haben die Philosophen seit über zweitausend Jahren nachgedacht – mit ganz wunderbaren Ergebnissen. Eines davon ist das berühmte Höhlengleichnis, das man am besten im Original nachlesen sollte: man findet es in Platons Politeia.

Das philosophische Nachdenken über die Bedingungen und Grenzen menschlicher Erkenntnis ist ureigenes philosophisches Terrain – es führt von Platon über Kant bis zu Schopenhauer, übrigens einem der größten (und am meisten unterschätzten) Philosophen überhaupt. Was wir heute erleben, ist der Versuch der Naturwissenschaften (nicht nur der Hirnforschung!), ihre Deutungs- und Erkenntnishoheit auf Bereiche auszudehnen, zu denen sie qua Naturwissenschaft nichts, aber auch gar nicht beizutragen hat. Dann kommt es zu so abstrusen Erfindungen wie dem „Gottes-Gen“, Hawkings „Beweis“, daß Gott nicht existiert, und den zurecht sehr umstrittenen Thesen der Hirnforscher.

Im Kern geht es hier darum, daß die Naturwissenschaftler sich nur zu gern ein völlig fremdes Territorium einverleiben möchten. Ganz allgemein „als Menschen“ dürfen sie natürlich nach Herzenslust philosophieren oder über das Transzendente nachdenken – aber eben nur so, wie jeder andere Mensch auch. In allen Dingen aber, die über den engen Bereich der verifizierbaren und falsifizierbaren Wahrheiten hinausgehen, werden sie wieder zu Laien und stehen auf einer Stufe mit allen anderen Menschen. Das sind Bereiche, in die sie ihren Bonus als Naturwissenschaftler nicht mitnehmen dürfen.

Erschreckend ist freilich immer wieder, wie unbedarft die meisten Naturwissenschaftler, vor allem die jüngeren, in philosophischen und theologischen Angelegenheiten sind. Ihre Zeitrechnung beginnt in etwa vor 200 Jahren – alles, was davor war, interessiert sie nicht, das ist für sie „vorwissenschaftlich“, mythisch, wenig mehr als poetischer Krimskrams. So zwingen sie sich selbst, das Rad immer neu zu erfinden.

Natürlich gibt es, wie meistens, rühmliche Ausnahmen. Eine davon ist der Astrophysiker Harald Lesch. Er ist ein entschiedener (und sehr eloquenter!) Vertreter seiner Wissenschaft, aber seine Neugier geht weit über das Fach hinaus, und er hat überhaupt keine Scheu, mit Philosophen oder katholischen Theologen zu diskutieren. Man merkt ihm an, daß er seine Wißbegier nicht auf die Grenzen seines Fachbereichs beschränken will.

Solche Naturwissenschaftler braucht das Land! Von den anderen, die über zweitausend Jahre Philosophie verächtlich hinweggehen, haben wir mehr als genug.

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Die neue Energiepolitik zerstört nicht nur unsere schönsten Landschaften, sondern auch unsere Dörfer und Städte

Ältere Zeitgenossen erinnern sich vielleicht noch an Dieter Wieland, der als freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, vor allem in der Reihe Bauen und Bewahren, architektonische und gärtnerische Greueltaten in Bayern („Jodlerstil“, „Grün kaputt“)  angeprangert, aber auch immer wieder positive Beispiele für ein Bauen im Einklang mit kulturellen Traditionen vorgeführt hat.

Dieter Bartetzko, Jahrgang 1949, ist Architekturkritiker und Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er gehört, wie etwa auch Regina Mönch, Gerhard Stadelmaier und Heike Schmoll, zu den F.A.Z.-Redakteuren, die man immer mit Gewinn liest, weil sie sich von keinem Zeitgeschmack und keiner political correctness einlullen lassen. Sie nehmen den Zeitgeist natürlich wahr, aber sie denken gar nicht daran, ihm den eigenen Verstand, das selbständige Räsonnieren zu opfern.

Ein schönes Beispiel dafür ist der große Artikel „Zieht euch warm an“,  den Bartetzko vor einigen Tagen im Feuilleton der F.A.Z. veröffentlicht hat. Bartetzko kämpft schon seit langem mit unermüdlichem Eifer und mit großem Fachwissen gegen die Barbarei in der Architektur. Heute muß er, ernüchtert, aber nicht resigniert, feststellen, daß in Frankfurt, aber auch in vielen anderen Städten, viele kostbare Bausubstanz gerade durch die neue Energiepolitik zerstört wird. Es sind „Verheerungen“, wie er es nennt.

Weil es billiger ist, dämmt man nicht von innen her, man klebt die Dämmplatten einfach außen an die Fassaden und zerstört so unwiderbringlich die alten baulichen Strukturen. Das Bild eines Hauses in Eisenach veranschaulicht diese Barbarei auf schreckliche Weise: links sieht man die noch ungedämmte Fassade, lange nicht renoviert, aber doch erkennbar in ihrer alten Schönheit, rechts gedämmt, glatt, von allen Erkern und Vorbauten befreit, langweilig und verhunzt. Es ist ein Schicksal, das vielen Häusern in Deutschland bevorsteht, denn viel Geld wird jetzt für die Wärmedämmung zur Verfügung gestellt, und daß dieses Geld auch abgerufen wird, daran besteht leider kein Zweifel.

Häuser können sich nicht wehren. Aber wir können es!

Wir müssen nicht dem Sirenengesang der Öko- und Energiediktatoren folgen, die immerfort wispern:

Rettet das Klima! Rettet die Welt! Alles andere ist völlig unwichtig – Kultur, Natur, Architektur – scheiß drauf! Nur noch die Energiepolitik, nur noch die CO2-Bilanz zählt!

Ich bitte für diese Wortwahl übrigens nicht um Entschuldigung.

Aber, um wieder auf die Wärmedämmung zurückzukommen: überall in Deutschland werden jetzt Gelder für die „energetische Sanierung“ ausgeschüttet, also dämmt man bald, was das Zeug hält, zerstört, was noch unversehrt ist und setzt selbst im Kern intakter architektonischer Ensembles grauenhafte Solarmodule auf die Dächer. Man denke nur an die gottlob vom Gericht aufgehobene Solarsatzung der alten und schönen Stadt Marburg!

Im Namen der Nachhaltigkeit und des ökologischen Umbaus unserer Städte wird schöne alte Architektur nachhaltig zerstört. Eines der neueren Opfer ist das Kolpinghaus in Frankfurt – aber auch die „Neue Altstadt“der 50er Jahre wird jetzt „energetisch aufgerüstet“:

Nichts an den ertüchtigten Häusern erinnert noch an die vorherigen feingliedrigen Strukturen: Die gedämmten Hauskörper balancieren über ihren schmalen Sockeln wie Akrobaten mit Elefantiasis, Fenster und Eingänge haben mit dreifach breiten Laibungen Schießschartencharakter angenommen, die alten grazilen Balkonbrüstungen ersetzen neue – so plump und massiv, als müssten sie Mörsergeschosse abwehren.

Diese „Dämm-Orgien“ werden weitergehen, sie werden sogar- dank der Merkelschen Geldausschüttung – förmlich explodieren. So wie unsere schönen Mittelgebirge vor lauter aggressiv in den Himmel ragenden Windkraftanlagen bald nicht mehr wiederzuerkennen sein werden, so werden auch die Dörfer und Städte ihre markanten alten Häuser verlieren.

Am Ende seines Artikels zitiert Bartetzko den grünen Oberbürgermeister von Tübingen.

„Wir dämmen wie die Weltmeister“, erklärte kürzlich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, „ja, wir verschandeln unseren Bestand ganz bewusst mit Wärmeverbundsystemen.“ Er könnte furchtbar recht behalten.

Die Grünen haben sich nicht nur von der Liebe zu Natur verabschiedet – auch die Schönheit alter Häuser, und wir haben nach den Luftangriffen im Krieg und dem fast noch verheerenderen „Wiederaufbau“ in den 50er und 60er Jahren wirklich nicht mehr viele! – auch die architektonische Schönheit dieser Häuser also ist den Grünen völlig schnuppe.

So wie die FDP nur noch ein Thema hat (Steuererleichterung!), so haben auch die Grünen nur noch ein einziges Thema: Energie! Auf dem Altar dieses Götzen wird alles geopfert: Wälder, ganze Regionen, Landschaften, und jetzt auch wunderbare alte Häuser. Wenn es nicht den „erneuerbaren Energien“ dient – weg damit! Ist doch alles nur alter Plunder!

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Otto von Habsburg

Otto von Habsburg ist tot. Auch wenn er, wie jeder Mensch, dem ein so langes und reiches Leben vergönnt war, sicher nicht alles recht gesehen und recht getan hat, war er auf jeden Fall eines: ein großer Mensch und Europäer.

Was mir immer besonders an ihm gefiel, war seine Vielsprachigkeit: er war wirklich noch polyglott, was man heute kaum noch von irgendeinem Menschen sagen kann. Sieben Sprachen soll er fließend beherrscht haben: deutsch, ungarisch, kroatisch, englisch, spanisch, französisch – und lateinisch. Er hat im Europäischen Parlament auch ohne die Simultandolmetscher fast jeden Redebeitrag verstanden. Vor allem mit seiner fließenden Beherrschung des Lateinischen soll er übrigens die Protokollführer hin und wieder zur Verzweiflung gebracht haben.

Wenn er eine Rede vor diesem Hohen Haus (ohne Vorwarnung!) in lateinischer Sprache hielt, dann war das auch eine symbolische Handlung: es war ein kraftvoller Beleg, daß es in Europa eben nicht nur um Agrarsubventionen und Investitionsanreize geht. Europa – das ist viel mehr, es ist ein Kontinent mit einer großen Tradition, in die griechische Kultur, römisches Recht, römische Ingenieurskunst und die christliche Religion (und noch manches andere) eingeflossen und zu einem breiten Strom geworden sind.

Leider sind diese lateinischen Reden (vielleicht war es auch nur eine, manche sagen aber, er habe des öfteren lateinisch geredet), nirgendwo dokumentiert – schlicht und einfach, weil die Protokollführer kein Wort verstanden haben.

Auch im Internet findet man leider nicht viele Hinweise darauf: nur daß Otto von Habsburg (hier nachzulesen) „mit einem italienischen Professor und einem Mitglied der Fraktion der Grünen … im Parlament sogar Stegreif-Debatten auf Latein“ führte. Wie gern wüßte ich Näheres darüber! Aber es ist wohl nichts davon erhalten.

Jedenfalls ist mir ein solcher Mann – gerade in einer Zeit, die von Politikern wie Westerwelle, Gabriel, Wowereit und Künast beherrscht wird – lieb und teuer.

Möge er in Frieden ruhen.

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Schwule, Lesben – und ein Erzbischof

Berlin hat einen neuen Erzbischof. Er heißt Rainer Maria Woelki und ist vom Kölner Stadtanzeiger, kaum daß er ernannt war, als „Problem-Bischof“ bezeichnet worden. Fortschrittliche Politiker aller Parteien erklären, wie besorgt sie seinetwegen sind.

Der Grund: Woelki hat, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs schreibt, „offenbar ein Problem mit Homosexuellen“. Die katholische Kirche sei „schlecht beraten“, so einen Menschen „in die Hauptstadt zu schicken.“  Und der kirchenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Josef Winkler, sagte dem Tagesspiegel, es werde sich unter anderem am Umgang mit dem Thema Homosexualität entscheiden, ob Woelki als Bischof in der Hauptstadt bestehen könne.

Nun ist es aber doch so, daß bei uns die sexuelle Orientierung eines Menschen (von wenigen Bereichen abgesehen) kaum mehr eine Rolle spielt. Von einer Diskriminierung,  wie man sie etwa aus den muslimischen Ländern kennt, kann man bei uns nun wirklich nicht mehr reden – und das ist gut so. Es sollte aber auch nicht dahin kommen, daß man eine bestimmte Szenekultur mögen muß, nur weil sie in Berlin gerade angesagt ist – oder gar, daß man einen Erzbischof nur noch an seiner Einstellung zur Homosexualität mißt. Das wäre absurd.

Wenn zwei Männer oder zwei Frauen zusammenleben, dann sollen sie alle Rechte haben, die sich aus einer solchen Partnerschaft ergeben. Aber ist das dann auch eine Ehe? Ich meine nicht. Ein wenig sorgfältig sollte man mit der Sprache schon umgehen, Wörter haben nun einmal eine bestimmte Bedeutung. Wer eine Ehe eingeht, will in der Regel auch eine Familie gründen. Sonst könnte man ja auch einfach zusammenleben. Auch Kant definiert die Ehe als „die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften“.

Es ist doch keine Diskriminierung von Schwulen und Lesben, wenn man den Begriff Ehe so definiert wie Kant, also als Verbindung eines Mannes mit einer Frau. Das – und nur das! – ist nun einmal eine Ehe. Wenn Menschen andere Beziehungen eingehen, sollen sie jedes Recht dazu haben, und unter keinen Umständen wird man sie deshalb diskrimieren dürfen. Aber eine Ehe ist das dann nicht.

Der neue Bischof soll gesagt haben, daß homosexuelle Beziehungen gegen die „Schöpfungsordnung“ verstoßen. Darüber kann man streiten, wie über fast alles. Ich selbst wäre gegen eine so enge und apodiktische Definition, denn die Schöpfung beschränkt sich keinesfalls auf einen mainstream, auf das „Normale“, sie ist einfallsreich, vielfältig und läßt vieles zu.

Über diesen Reichtum der Schöpfung sollten wir als Christen eigentlich froh sein.

Aber eine Ehe – dabei bleibe ich – ist eine Verbindung eines Mannes mit einer Frau.

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Offener Brief der europäischen Regierungen an ihre Völker

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Europäerinnen und Europäer,

hiermit danken wir ab und legen das Schicksal der europäischen Länder in die Hände der Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s. Sie werden ab sofort über alle finanziellen Angelegenheiten Europas allein entscheiden. Da sie das in den letzten Jahren aber ohnehin getan haben, werden Sie die Änderung kaum bemerken.

Unsere Gemeinschaft heißt von nun an

Europäische Union der Ratingagenturen
samt der von ihnen abhängigen staatlichen Gebilde
(früher auch Demokratien genannt).

Das Nähere regelt ein Gesetz.

Also, wir sind dann mal weg …

Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und wie wir sonst noch alle heißen.

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Subversiver Applaus für Lukaschenko

In Minsk und anderen Städten Weißrußlands gehen fröhliche Menschen durch die Städte und klatschen dabei in die Hände. So zeigen sie, was sie von ihrem Diktator halten. Soziale Netzwerke im Internet spielen dabei eine große Rolle, wie bei den ersten Demonstrationen im Maghreb – und vorher im Iran, wo die Menschen nachts von den Dächern ihrer Häuser so laut ihr subversives, strafrechtlich nicht faßbares Allah u akbar riefen, daß es dem kleinen Mann, der seine Macht nur noch mit einer Wahlfälschung erhalten konnte, in den Ohren dröhnte.

Lukaschenko ist tatsächlich, wie er überall genannt wird, „Europas letzter Diktator“, ein kleiner Möchtegern-Stalin, der – man kann es in der Wikipedia nachlesen – zu seinen Lieblingsländern Nordkorea, Sudan, Libyen und Venezuela zählt. Gegen seine Gegner geht er mit dem ganzen Arsenal kommunistischer Diktaturen vor: das reicht von Wahlfälschungen über willkürliche Verhaftungen von Oppositionellen bis hin zur Ermordung von Journalisten (die natürlich nie aufgeklärt wird).

Eine gewisse Bauernschläue, wie sie alle Diktatoren zum Erhalt ihrer Macht brauchen, kann man ihm nicht absprechen, auch Humor scheint er, wenn auch in bescheidenem Maße, zu besitzen. Als er die Führer der Opposition unter Arrest stellte, meinte er in einem Interview: „Wir schützen die Führer, sonst erschießen sie sich noch gegenseitig.“ So etwas kommt vor allem bei den – na, sagen wir: bildungsfernen Schichten auf dem Land an, die ihm bis heute die Treue halten.

Eines aber haben alle Diktatoren gemeinsam: es sind im Grunde eitle und dumme Menschen. Sie ertragen es nicht, wenn ihnen jemand geistig überlegen ist, und was sie geradezu toben und wüten läßt: wenn sich die Untertanen über sie lustig machen. Deshalb kann der Diktator auf die jungen Leute, die händeklatschend durch Minsk spazieren, nur auf die gleiche Art reagieren wie Ahmadinedschad im Iran: verprügeln, festnehmen, vor Gericht stellen.

Es wird beiden nicht helfen, denn die Tage eines Diktators, über den man lacht, sind gezählt.

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Saudi-Arabien bekommt schwere Panzer, das libysche Volk nur warme Worte

Die deutsche Außenpolitik ist – man hätte es sich bei einem Minister Westerwelle und einer Kanzlerin Merkel eigentlich denken können – zu einer Spielwiese von Amateuren geworden. Es ist ein Bild des Jammers, und das Bild wird noch düsterer, wenn man sich die Reihe der deutschen Außenminister seit Adenauer ansieht: von Brentano über Brandt, Scheel und Genscher bis zu Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier. Keiner von ihnen, Klaus Kinkel vielleicht ausgenommen, war so schwach, so prinzipienlos wie Guido Westerwelle.

In dieses Bild paßt eine Entscheidung, die – nach einer Information des SPIEGEL – soeben gefallen ist: Saudi-Arabien soll zum ersten Mal schwere Panzer von Deutschland bekommen. Es ist die Rede von 200 (!) Leopard II-Panzern, also von einem Milliardengeschäft für die deutsche Rüstungsindustrie.

Saudi-Arabien ist nicht nur eines der rückständigsten, illiberalsten Länder der Welt, es übt mit seiner salafitischen Spielart des Islam auch einen verhängnisvollen Einfluß auf die Entwicklung dieser Religion in vielen anderen Ländern aus. Auf Gotteslästerung und Abfall vom Glauben steht die Todesstrafe, die öffentlich mit dem Schwert vollstreckt wird. Bei der Verfolgung von Christen steht das Land nach Nordkorea und dem Iran auf dem dritten Platz.

Ein solches Land, eine der letzten absolutistischen Monarchien, bekommt Panzer – aber für die islamischen Völker, die gegen ihre Despoten aufbegehren, hat Westerwelle nur warme Worte übrig. Die schändliche Stimmenthaltung der Regierung Merkel zu Libyen in der UNO paßt in dieses Bild.

Es ist eine amateurhafte, in ihrer Wirkung desaströse Außenpolitik.

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Palmölplantagen jetzt auch in Kamerun

Wie die Organisation Rettet den Regenwald e.V. meldet (hier nachzulesen), wollen amerikanische Spekulanten im südwestlichen Kamerun eine Palmölplantage von 72.000 Hektar errichten. Dafür wird Regenwald gerodet, und 45.000 Menschen verlieren ihre Existenz. Sie werden mit Jobs in der Plantage getröstet, die schlecht bezahlt und nur von kurzer Dauer sind.

Diese „Energiepflanzen“, von denen unsere Grünen immer noch schwärmen, werden zur eigentlichen Pest des 21. Jahrhunderts. Kein Tropenholzkonzern hat einen solchen Schaden angerichtet, hat so viel Regenwald vernichtet, wie es jetzt die großen Palmölkonzerne tun. Wer angesichts dieser kriminellen Energie auf „Zertifizierungen“ vetraut (wie es z.B. Bärbel Höhn und Renate Künast immer wieder sagen) ist eigentlich schon nicht mehr naiv.

So dumm kann man doch überhaupt nicht sein!

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