Zur neuen Islamstudie

Die Frage ist doch: darf man eigentlich die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist? Und wenn man sieht, wie sie ist – darf man das dann auch genau so sagen?

Als Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ mit dem Kinderglauben vom gut integrierten, strebsamen und gutwilligen ausländischen Mitbürger aufräumte, gingen alle anständigen Deutschen auf die Barrikaden: Streetworker, Liberale, integrationspolitische Sprecher, Sozialpädagogen, die Grünen und die Linken und auch alle anderen Genossen, überhaupt alle, die auch weiter glauben wollten, was sie irgendwann einmal gelernt hatten, alle, die einfach nicht sehen und hören wollten, wie es an ganz normalen Schulen in Großstädten (und sogar in der Provinz) inzwischen zuging – sie alle also schrien Zeter und Mordio.

Da war plötzlich einer, der – spät genug, aber immerhin viel früher als alle Politiker zusammen! – die richtigen Fragen stellte. Das war peinlich, also konzentrierte sich die öffentliche Diskussion nicht etwa auf die richtigen Fragen, sondern auf die wenigen zweifelhaften Antworten, die Sarrazin gab. Aber es zeigte sich bald: er hatte Fragen gestellt, die vielen Menschen auf den Nägeln brannten. Die Politiker und Journalisten, die ihn anfangs in seltener Einhelligkeit mit einer Arroganz ohnegleichen geistig vernichten wollten (unvergessen Beckmanns Schmähsendung, assistiert von einer hochnäsigen Künast), gaben sich reumütig. Ja, das eine oder andere liege schon im Argen, aber das habe man lange vor Sarrazin eingesehen, und man sei auf dem besten Wege.

Und wie ist es heute?

Da gibt es eine neue Studie des Innenministers, die zu folgenden Ergebnissen kommt:

* 24 % der nicht-deutschen und 15 % der deutschen Muslime zwischen 14 und 32 Jahren müssen als „streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz“ gelten.

* Bei den Muslimen ohne deutschen Pass haben 48 Prozent „starke Separationsneigungen“.

Und sofort – genau wir damals bei Sarrazin – reagieren die Politiker nicht etwa mit praktischer Vernunft, sondern rein ideologisch, denn: ein Ergebnis, das nicht mit der eigenen Ideologie übereinstimmt, kann nicht richtig sein!

Die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger meint, durch die Studie sollten nur Schlagzeilen erzeugt werden – und während sie auf diese Weise ihre althergebrachten Reflexe äußert, sagt sie doch tatsächlich: „Wir sollten die althergebrachten Reflexe hinter uns lassen.“

Der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic, spricht von Populismus, der auf die „Spaltung der Gesellschaft“ abziele. Ursache für die Jugendgewalt (die gibt es also doch?) sei die „Chancen- und Perspektivlosigkeit“ der ausländischen Jugendlichen. Die Benachteiligung von Jugendlichen aus Einwandererfamilien auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt müsse endlich aufhören.

Die SPD meint, hier würde der Versuch gemacht, „ganze Religionsgemeinschaften dem Populismus preiszugeben“.

Und Marietta Slomka, die gestern abend den Innenminister interviewte, konnte gar nicht genug politisch korrekt sein mit ihren Fragen und Einwürfen. Da mußte sich der Innenminister praktisch dafür entschuldigen, daß in der Studie seines Hauses nicht nur die schöne neue Welt der Propaganda gezeigt wird, sondern auch die dunkle, oft archaische Mentalität, die in den Moscheen und Familien an die jungen, orientierungslosen Männer weitergegeben wird.

Mit einem Wort, die alten Reflexe der Politiker und Journalisten sind immer noch dieselben wie vor Sarrazin. Noch immer leugnen sie, wie explosiv die Lage dieser Minderheit unter den jungen männlichen Muslimen ist (und es ist eine auch zahlenmäßig starke Minderheit). Sie leben hier, aber sie fühlen sich wie in Feindesland. Sie lehnen alles ab, was für uns wichtig und teuer ist, was wir – wie etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau – erst in mühsamen geschichtlichen Prozessen erkämpft haben.

Nein, mit einer Minderheit, die uns in die Steinzeit zurückführen will, möchte ich jedenfalls nichts zu tun haben.

Und es sind ja diese (schon verbal!) gewalttätigen jungen Muslime, die das Verhältnis zwischen dem Islam und unserem Land vergiftet haben. Statt jetzt wieder die ganze Schuld der deutschen Gesellschaft zuzuschieben, sollten sich die Muslime, die der friedlichen und integrierten Mehrheit angehören, vielleicht in einer stillen Stunde schon einmal fragen, warum so viele ihrer Kinder archaischen Einstellungen anhängen.

Diese Einstellungen sind ihnen ja nicht aus der Luft zugeflogen.

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Schon wieder ein Philosoph!

Deutschland ist ein gesegnetes Land – es ist gesegnet mit Philosophen! Wer gedacht hat, daß die Geschichte der deutschen Philosophie mit Schopenhauer, allenfalls mit Heidegger oder Adorno endet, sieht sich getäuscht. Sobald er den Fernseher einschaltet, sieht er – Philosophen! Früher haben sie gedacht und geschrieben, heute reden sie. Aber vor allem scheinen sie darauf zu bestehen, als Philosophen bezeichnet zu werden.

Nehmen wir einmal Richard David Precht. Er hat ein paar halbwegs amüsante Bücher geschrieben, jetzt tingelt er durch die Talkshows, weiß zu jedem Thema etwas zu sagen, und sobald er spricht, wird unten eingeblendet: „Richard David Precht, Philosoph“. Auch Michael Schmidt-Salomon, im Hauptberuf eigentlich Atheist, wird nicht nur in der Wikipedia als „deutscher Philosoph“ bezeichnet. Damit nicht genug.

Heute abend geht es ab 20.15 Uhr in 3sat um das Essen. Und wer erzählt uns da etwas? Richtig – ein Philosoph! Aber diesmal – oh wie schade! – ist es nicht Richard David Precht, sondern: Harald Lemke.

Lemke – war das nicht der mit dem Schweinderl? Der mit der Ratesendung „Was bin ich?“ Nein, ich sehe grade, der ist ja schon vor über 20 Jahren gestorben. Außerdem hieß er Lembke. Der Philosoph von heute abend hat wirklich Philosophie studiert (ich auch, aber das nur nebenbei) und lehrt u.a. in Salzburg – ja, was? Gastrosophie! Ist das die Philosophie des Magens, wie es die griechischen Wörter nahelegen? Das wäre mir nicht unsympathisch. Er leitet auch eine „Forschungsstelle Praktische Philosophie des Essens“, was – ehrlich gesagt – etwas wundersam klingt. Außerdem ist er Mitglied im Deutschen Netzwerk für Ernährungsethik, was fast noch wundersamer ist.

Man könnte sagen: er west an der Schnittstelle zwischen Philosophie und Ernährung. Auf jeden Fall eine weitere Bereicherung der philosophischen Flora in Deutschland!

Und ich verspreche meinen Lesern: ich werde auch weiter nach neuen Philosophen Ausschau halten, egal wie und worüber sie philosophieren. Und selbst wenn sie überhaupt nicht philosophieren und nur so tun, als ob sie es täten, werde ich treulich über sie berichten.

Jawohl!

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Das waren noch Zeiten!

Goethe veröffentlichte den folgenden Vers in seiner Sammlung „Sprichwörtlich“ (Ausgabe letzter Hand, 1827):

Wer Ohren hat, soll hören;
Wer Geld hat, soll’s verzehren.

Da können die Banker und Anleger von heute nur müde lächeln: sie schaufeln Geld nur, um daraus noch mehr Geld zu machen.

Verzehren? Nein danke.

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Euro = Europa ?

Man mag es nicht mehr hören: die Redenschreiber legen der Kanzlerin den immergleichen Satz in den Mund, auch vor zwei Tagen hat sie ihn wieder – zum zehnten oder zum hundertsten Mal? – hinausposaunt:

Europa scheitert, wenn der Euro scheitert. Europa gewinnt, wenn der Euro gewinnt.

Kann man sich so viel kindliche Einfalt vorstellen? Herr im Himmel – besteht denn die ganze Welt nur noch aus angehäuftem Geld? Besteht der Wert eines Landes nur noch in seiner Währung? Müssen erst, wie gestern, Menschen wie der Altkanzler Kohl kommen, um der Pfarrerstochter aus der Uckermark zu sagen, daß Europa ein bißchen mehr ist als der Euro? Daß die Drachme zum Beispiel ein Geschichte hat, die weit, weit über den Horizont eines BWL-Studenten oder eines Hedgefonds-Managers hinausreicht?

Es tut mir leid, wenn ich da ein bißchen grob werde, aber ich kann das Geschwafel über das Europa der Banken und Währungshüter nicht mehr hören. Nach dem Krieg hat man – mit Männern wie Schumacher, Adenauer und Carlo Schmid bis hin zu Willy Brandt und mit Frauen wie Hildegard Hamm-Brücher – etwas ganz anderes aufbauen wollen: ein Europa, das seine Geschichte und Kultur ehrt und achtet. Vieles hat man nach der Barbarei des Nationalsozialismus mühsam neu säen müssen, und es hat Kraft und erzieherische Energie gekostet, an die alte, fast untergegangene Kultur anzuschließen. Und da darf jetzt eine Bundeskanzlerin kommen und immer aufs neue sagen, als wäre es ihr Mantra, daß Europa scheitert, wenn der Euro scheitert?

Und das läßt sich die CDU, die nach dem Krieg doch viel zum echten, zum guten, zum kulturellen Europa beigetragen hat, tatsächlich bieten? Darf die Kanzlerin jetzt jeden Unsinn erzählen, ohne daß ihr jemand widerspricht?

Kann ihr nicht jemand einmal ein historisches oder kulturgeschichtliches Privatissimum geben, oder wenigstens ein Briefing, wie man das heute nennt – damit sie endlich begreift, was Europa wirklich ist? Nämlich das: ein kultureller Raum, der seit ein paar tausend Jahren für eine geistige Überraschung nach der anderen gesorgt hat. Dieses alte Europa mit seiner Kultur wird noch lebendig sein, wenn sich niemand mehr an das ganze absurde Theater aus Hedgefonds, Anlageberatern, Ratingagenturen und Währungshütern erinnern wird.

Europa hat weiß Gott genug Grund zu einem Selbstbewußtsein jenseits der Ökonomie.

Da schwadronieren unsere Ökonomen vom „unaufhaltsamen Aufstieg Asiens“ (und meinen ein China, das seine Wirtschaft vor allem auf der rücksichtlosen Ausbeutung der eigenen Bevölkerung aufbaut), und sie loben die „Schwellenstaaten“ (also Länder wie Indonesien und Brasilien, die ihre Natur hemmunglos zerstören und ihren wirtschaftlichen Fortschritt auf Kosten der künftigen Generationen vermehren).

Das sollen unsere Vorbilder sein? Dem sollen wir nacheifern? So sollen wir auch werden – nur weil es so im Wirtschaftsteil der Zeitungen steht?

Nein, unsere Kanzlerin hat von Europa, vom wahren Europa, nichts begriffen, wenn sie sein Überleben mit einer Währung verknüpft.

Thomas von Aquin, Petrarca, Erasmus, Luther, Kopernikus, Goethe, Schopenhauer – das ist Europa.

Aber – um Himmels willen – doch nicht der Euro!

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Attentat auf Putin!

Ach was, Attentat – gleich mehrere waren es, sozusagen Attentate am laufenden Band, und das auf den geliebten Führer des russischen Volkes, Wladimir Wladimirowitsch Putin! Gut, also drei von ihnen, über die das Staatsfernsehen gestern berichtet hat, sind nicht mehr ganz taufrisch, sie sollen 2001, 2008 und 2009 stattgefunden haben, und offenbar so im Stillen, daß bis gestern niemand etwas von ihnen bemerkt hat. Dafür ist das vierte brandaktuell und brisant, obwohl – na ja, stattgefunden hat es ja eigentlich auch nicht, aber es war geplant. Jawohl, geplant war es, und die Geheimdienste von Rußland und der Ukraine haben es aufgedeckt – und sogar schon Verdächtige verhaftet. Gute Arbeit!

Ach ja, der ukrainische Geheimdienst, das ist übrigens der des Präsidenten Janukowitsch, der seine lästige Konkurrentin, Julia Timoschenko, gerade für ein paar Jährchen ins Gefängnis gesteckt hat, um sie für immer loszuwerden.

Auf jeden Fall ist es gut für den Genossen Wladimir Wladimirowitsch Putin, daß diese fürchterlichen Attentatspläne gerade jetzt ans Licht gekommen sind. Da sehen die russischen Menschen doch, was sie an ihm haben. Nicht auszudenken, wenn es ihn nicht mehr gäbe!

Deshalb wird Wladimir Wladimirowitsch auch die nächsten Wahlen gewinnen. Wie es in Tom Paxtons Folksong aus den 60er Jahren so schön heißt:

Our leaders are the finest men,
And we elect them again and again.

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Aufruhr in Afghanistan

In den Wörterbüchern der wichtigsten afghanischen Sprachen, wie z.B. Pashtu und Dari, scheinen einige Wörter vollständig zu fehlen. Da kann man blättern, so lange man will – man wird sie nicht finden.

Es sind Wörter wie Ruhe, Gelassenheit, Nächstenliebe.

Dagegen soll es für die Wörter Zorn, Haß und Empörung Hunderte von Synonymen in allen Schattierungen geben.

Das habe ich mir sagen lassen, ich glaube aber nicht, daß es stimmt.

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Windkraft – für das Klima und gegen die Natur?

Es gibt immer wieder Konflikte, die im Grunde unlösbar sind. So etwas stört den Menschen, weil er gern für alles eine Lösung hätte. Aber solche Konflikte sind ein Teil unseres Alltags – und auch ein Teil unserer geistigen Existenz. Die Griechen, denen wir soviel zu verdanken haben, kennen dafür den Begriff des Tragischen. Der tragische Held hat zwar mehrere Möglichkeiten, den Konflikt zu bewältigen, aber alle Wege, gleichgültig, für welchen er sich entscheidet, führen ins Unglück.

Auf den ersten Blick stehen wir jetzt vor einer ähnlichen Aufgabe. Um den Klimawandel wenigstens halbwegs in den Griff zu bekommen, das erzählt uns jedenfalls tout le monde, von der Kanzlerin und den Grünen über die Naturschutzverbände bis hinunter zum letzten Lobbyisten, müssen wir die gesamte Energiebasis so schnell wie möglich auf die erneuerbaren Energien umstellen. In der Praxis heißt das: auf die Windkraft, denn alles andere bringt in einem Industrieland wie Deutschland Energienmengen, die fast vernachlässigbar sind.

Unsere Naturschutzverbände – und das ist für mich eine der großen Enttäuschungen der letzten Jahre – haben sich ohne viel Federlesens auf die Seite, wie sie zumindest glauben, des Klimaschutzes gestellt. Und sie spielen die Folgen, die das für den Schutz der Natur hat, systematisch herunter. Warum tun sie das?

Auch in der Forstverwaltung ist es ähnlich. Ein Abteilungsleiter im Hessischen Forstministerium bekennt ungerührt, er habe keine Probleme mit den Windrädern. Auch da verdient man nämlich an der Verpachtung der Standorte – cherchez l’argent heißt es heute überall, nicht mehr cherchez la femme. Auf der unteren Ebene, wo man sich solche Abgehobenheit nicht leisten kann, sieht es mit der Meinungsbildung schon ganz anders aus.

Jetzt beginnt endlich, wenn auch erst zaghaft, die lange politisch zugedeckte Diskussion innerhalb der Naturschutzverbände. Der BUND hält offenbar den drastischen Ausbau der Windenergie für völlig naturschutzneutral. In Rheinland-Pfalz haben BUND und Nabu sogar den forcierten Ausbau der Windenergie ausdrücklich begrüßt (eine Erklärung, für die sie sich meines Erachtens schämen sollten). Diesen Ausbau gebe es halt nicht „zum ökologischen Nulltarif“ – er ist, sagen die beiden Verbände (hier nachzulesen),

notwendig, verlangt der ohnehin geschundenen Natur aber viel ab.

Der vielfache Tod von zerschmetterten Weißstörchen, Schwarzmilanen, Rotmilanen, Uhus und Fischadlern, von den Fledermäusen ganz zu schweigen, erscheint da nur noch als Kollateralschaden.

Ich sehe da – und hoffentlich habe ich unrecht! – bei den Naturschutzverbänden eine ähnliche Entwicklung wie bei den Grünen (vielleicht auch gefördert durch personelle Verquickungen): sie sehen die Dinge nur noch aus großer Entfernung und in einem Rahmen, der so groß und weit ist, daß ein paar tote Vögel nun wirklich keine Rolle mehr spielen. Für den Klimaschutz muß eben auch die Natur Opfer bringen, nicht wahr?

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), das sei zur Ehrenrettung zumindest dieses Verbandes noch angemerkt, denkt da immerhin ein bißchen differenzierter. Ihr Arbeitskreis Wiesbaden/Rheingau-Taunus hält es für befremdlich, daß

gestern noch heftig verteidigte Natur- und Kulturräume heute zu Windindustriegebieten werden sollen.

Es ist eben hier wie überall: auf der unteren Ebene sind Menschen, die sich sehr genau auskennen und auch noch ein Gespür für die Natur und ihre Probleme haben, aber je höher man in einer Organisation (oder einem Verband oder einem Unternehmen) aufsteigt, umso leichter kann man einen Kollateralschaden wie eine tote Großtrappe oder tote Fledermäuse einfach beiseiteschieben. Es geht ja um Höheres und Größeres!

Ich kann nur hoffen, daß auch bei BUND, Nabu und den übrigen Verbänden von unten her die dringend notwendige Diskussion über die Windkraft einsetzt.

Bevor es zu spät ist.

Denn die Windkraftlobby schwimmt im Moment dank der Subventionierung durch den Steuerzahler förmlich in Geld – sie hat so viel davon, daß sie es mit vollen Händen an Bauern, Vereine und Gemeinden weitergeben kann, um an „Standorte“ für ihre Windräder zu kommen.

Diesem Geldsegen kann man im Moment leider nur eines entgegensetzen – Argumente.

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Green City – and many schtupid wörds

Ich stamme aus einer Zeit, als ein Hausmeister noch ein Hausmeister war – und kein Facility Manager. Und ein kleiner Buchhalter oder ein Kundenberater wurden damals noch nicht hohltönend zum Account Manager gemacht. Inzwischen läßt die zwanghafte Anglisierung aller Lebensbereiche gottlob etwas nach, leider aber am wenigsten in der Wirtschaft und bei den Berufsbezeichnungen, wo sie sich am lächerlichsten anhört.

In einer Werbebeilage der F.A.Z. vom Freitag hat sich u.a. ein gewisser Dr. Dallmann verewigt, und der nennt sich allen Ernstes

Geschäftsführer FWTM und Cluster Green City Freiburg.

Immerhin: die Wörter Geschäftsführer und Freiburg habe ich verstanden.

Die Beilage heißt übrigens Green City – aber was, so darf man doch wahl fragen, hat eine Green City, was eine Grüne Stadt nicht hat? Auf den Inhalt dieses Werbeblättchens will ich gar nicht eingehen, es ist der übliche Marketing-Käse über Nachhaltigkeit, Passivhäuser, Ressourcen-Schonung und erneuerbare Energie. Aber die Sprache ist von beeindruckender Scheußlichkeit – vor allem durch die ständige Kombinbation von deutschen und englischen Wörtern.

Da gibt es z.B.

ein EcoCommercial Building Programm (wenn schon englisch, warum dann nicht Program?)

die Climatic-Wand-Technologie (auch hier: warum nicht Technology?) 

eine Haus mit einer Wohn-Ess-Situation (innovativ – ein Haus, in dem man nicht nur wohnen, sondern auch essen kann, und zwar in einer Art-Déco inspirierten Küche!)

ein weiteres Haus, das Smart Home heißt

eine Straßenbeleuchtung, die sich Eco StreetLine nennt

ein Green Mobility-Netz – und so weiter, und so fort.

Welcher Deutschlehrer, das würde mich einmal interessieren, hat solche Sprachkünstler durchs Abitur gebracht? Und welche Busines School hat sie dann auch noch bestärkt, ein so grottenschlechtes Deutsch zu schreiben?

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Von Menschen und Tieren

Die wirkliche, also sinnliche Begegnung mit wildlebenden Tieren wird in unserer Zivilisation immer seltener. Ich hatte in meiner Jugend über viele Jahre hinweg ein Terrarium, und ich habe jeden Sommer darin Feld- und Erdmäuse, Spitzmäuse und Zauneidechsen gehalten – und natürlich nach ein paar Wochen wieder freigelassen. Meine Liebe zur Natur rührt auch aus diesen Anfängen. Es ist nämlich nicht dasselbe, ob man eine Spitzmaus im Fernsehen sieht, oder ob man sie daheim in natura beobachtet, füttert und wieder in die Natur entläßt.

Heutzutage würden solche Beobachtungen schon an den Naturschutzgesetzen scheitern, die es nicht mehr zulassen, daß man Wildtiere der Natur „entnimmt“ (selbst wenn man sie nur kurze Zeit beobachten möchte). Ein kompliziertes Gesetzeswerk in Bund und Ländern sorgt dafür, daß auch in diesem Feld alles reguliert und (meistens) verboten ist.

Aber – wie so oft – schlägt auch hier die gute Absicht ins unerwünschte Gegenteil um. Praktisch ist es so, daß ich wildlebende Tiere, weil sie fast alle unter Schutz stehen, kaum noch zu Gesicht bekomme. Das hat aber Folgen, vor allem für unsere Kinder. Man schützt doch nur das, was man liebt – und liebenlernen kann nur, was man mit seinen Sinnen wahrnimmt. Wenn man die ganze Natur unter eine große Naturschutzglocke stellt, dann mag das auf den ersten Blick schön und gut sein, aber man baut dadurch auch einen hohen Zaun auf zwischen dem Menschen und der Natur. Es ist, wie so oft, ein Sieg der Moral über die praktische Vernunft.

Und genau darum geht es auch in der Diskussion über die zoologischen Gärten. Radikale Tierschützer möchten am liebsten alle Zoos der Welt sofort schließen. In ihrem fundamentalistischen Weltbild haben wir es da mit leidenden Gefängnisinsassen zu tun, an deren Qualen wir uns auch noch erfreuen. Solche Meinungen spiegeln einen Zustand wieder, den man heute in kaum einen Zoo noch finden wird.

Und was dabei völlig vergessen wird, ist die so wichtige sinnliche Begegnung von Kindern mit Tieren. Mit dem einfachen „Ach, wie süß!“ kann eine lebenslange Liebe zur Natur beginnen. Es wird dann zu einem Schlüsselerlebnis, das durch nichts zu ersetzen ist.

Moralischer Rigorismus hilft auch auf diesem Gebiet eigentlich nur denen, die moralisch rigoros sind – er steigert ihr Selbstgefühl. In der Praxis haben die Zoos vermutlich mehr zum Schutz der Natur beigetragen als alle Tierschutzorganisationen zusammen.

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Ströbele

Man kann ja nichts dagegen tun: manche Menschen mag man einfach nicht. Da hilft kein Raisonnieren und kein guter Wille. Natürlich versucht man, als halbwegs vernunftbegabter Mensch, die Gründe zu erforschen, aber auch das hilft nicht immer.

Mir geht es so mit Hans-Christian Ströbele.

Es mag sein, daß er privat ein ganz wunderbarer, netter, sympathischer Mensch ist – aber sowie er öffentlich den Mund aufmacht, wächst in mir der Groll. Da ist ein Mensch mehr als siebzig Jahre auf der Welt, und er ist immer noch derselbe Kopf, der er schon in jungen Jahren war. Es sind also nicht einmal so sehr seine Ansichten, die mich stören, sondern: daß er sie schon lange nicht mehr an der Wirklichkeit mißt. Dabei ist die Wirklichkeit doch das einzigen Kriterium, um eine Aussage zu verifizieren.

Das gilt freilich nicht für Ideologien, und für die linke Ideologie am allerwenigsten.

Schon im kurzen Ströbele-Artikel der Wikipedia findet man Unliebsames, Merkwürdiges und Abstruses zuhauf – ich will es hier gar nicht wiedergeben, wer will, mag es an Ort und Stelle nachlesen. Daß er während der Rede des Papstes im September demonstrativ den Saal verlassen hat, daran wird man sich noch erinnern. Daß er jetzt zusammen mit der Linken Joachim Gauck als Verteidiger des Finanzkapitalismus und als Feind der kleinen Leute verunglimpft, paßt ins Bild. Das ist eben die alte Fraktion des Landes Absurdistan, zu der sich auch Jutta Ditfurth gesellt hat (die geradezu alberne Argumente gegen Gauck ins Spiel bringt) und Gesine Lötzsch und die Altgenossen der DKP und der SED – und überhaupt alle, die, anders als Oskar Matzerath, irgendwann nicht das Wachsen, sondern das Denken eingestellt haben.

Ströbele also bleibt sich treu – so könnte man es mit viel, mit wirklich sehr viel Wohlwollen ausdrücken. Man könnte aber auch sagen: er ist, wie viele Altlinke, nicht mehr fähig (und nicht mehr willens!), seine Gedanken an der Wirklichkeit zu überprüfen. Und damit ist er eine Person, die man englisch pathetic nennen würde, also: im Grunde ein armer, ein bedauernswerter Mensch, der sich – nur um sein altes Bild von der Welt zu retten – selbst um die aufregenden Abenteuer des freien Denkens bringt.

Ich jedenfalls möchte um keinen Preis der Welt mit ihm tauschen.

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