Der Philosoph ist wieder da!

Unbedingt vormerken: heute abend bei Anne Will spricht wieder einer der ganz großen deutschen Philosophen zu uns – Richard David Precht.

Damit wahrt er seine Chance, doch noch den Olaf-Henkel-Preis für ubiquitäre Talkshow-Präsenz zu bekommen!

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Die Legende von der starken und klugen Angie

Wenn man in diesen Tagen einen Blick in die Internetforen wirft, staunt man nicht schlecht: wer in der Causa Gauck etwas Schlechtes über unsere Kanzlerin schreibt, wird von einer großen und geradezu rabiaten Mehrheit scharf zurechtgewiesen. Ihre Fangemeinde duldet keine Kritik. Nein, schreibt man da etwa, keineswegs sei sie umgefallen, ganz im Gegenteil: es sei doch ein Zeichen von Größe, wenn sie von einer falschen Position abrücke, Einsicht zeige und am Ende das Richtige tue.

Man denkt, wenn man das liest: leben diese Menschen vielleicht in einer Art Paralleluniversum, in das man mit dem Verstand eines gewöhnlichen Sterblichen nicht eindringen kann? Oder soll da die gute alte Gattung der Hagiographie wieder zum Leben erweckt werden? Oder schreiben einfach nur Fans über das Objekt ihrer Begierde?

Nichts liegt mir ferner, als Angela Merkel zu verteufeln. Manche Seiten an ihr – wie ihre sprichwörtliche Unaufgeregtheit – finde ich sogar sympathisch, sie hebt sich dadurch oft wohltuend von dem gockelhaften Verhalten ihrer männlichen Kollegen ab (obwohl ein bißchen Aufgeregtheit, da wo sie angebracht ist, auch nicht schlecht wäre). Aber was sich am Sonntag zugetragen hat, ist ein Hauen und Stechen gewesen, das mit Stärke und Einsicht und Größe wirklich gar nichts zu tun hat.

Nur wenige Stunden, bevor sie vor der versammelten Presse Joachim Gauck vorgestellt und „bei aller Verschiedenheit“ über den grünen Klee gelobt hat, hat sie (hier nachzulesen) im CDU-Präsidium folgenden Satz gesagt:

Eines ist klar: der Gauck wird’s nicht.

Sie machte deutlich, daß sie Gauck „auf keinen Fall wolle“.

Gerade einmal fünf Stunden später ist er plötzlich auch ihr Kandidat. Dazwischen liegt nicht Einsicht, auch nicht kluge Erkenntnis, sondern die Entscheidung der FDP für Gauck. Sie fügt sich ins Unvermeidliche, weil sie nun in der Bundesversammlung keine Mehrheit mehr hat.

Das ist pragmatisch, und es ist auch überhaupt nicht ehrenrührig, aber ein Zeichen von Größe ist es nun wirklich nicht. Philipp Rösler hat die Kanzlerin – erstaunlich genug! – in die Knie gezwungen, und aus ihrer Mimik und ihrer Körpersprache konnte man deutlich ablesen: das wird sie ihm nicht verzeihen.

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Das Wort des Tages

Einen Tag, nachdem die FDP mit einem aufsehenerregenden Coup die CDU gezwungen hatte, für den Kandidaten Gauck zu stimmen, sagte FDP-Generalsekretär Döring:

Es ist schön, wenn man den Partner überzeugen kann. In diesem Stil werden wir weiter gemeinsam regieren.

Na, da wird sich Mutti aber freuen …

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Ein Brief an den wehrhaften Genossen Putin

Lieber Wladimir Wladimirowitsch,

jeder weiß, daß Du ein richtiger Mann bist, deshalb liebt Dich Dein Volk ja auch so! Und was braucht ein richtiger Mann? Erst einmal natürlich viele Menschen, die auf ihn hören. Die hast Du, darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Und wenn wirklich ein paar unverbesserliche Rowdys randalieren und in Rußland die Straßendemokratie einführen möchten, na – dann hat man so seine Möglichkeiten, sie daran zu hindern, nicht wahr?

Und was braucht ein richtiger Mann noch? Natürlich eine Waffe! Oder – noch besser – gleich mehrere! Oder, am allerbesten: ganz, ganz, ganz viele Waffen! Deshalb, lieber Wladimir Wladimirowitsch, habe ich vollstes Verständnis dafür, daß Du Dir jetzt für 600 Billionen Rubelchen schöne U-Boote kaufen willst und Panzer und Flugzeuge und Interkontinentalraketen. Ich sehe es schon vor mir, wie die dann bei der nächsten Parade auf dem Roten Platz in der Sonne glänzen werden!

Ein Mann freut sich doch immer über solche Spielzeuge. Außerdem hast Du ganz richtig erkannt, daß die Nato darauf aus ist, Dein geliebtes Rußland zu erobern. Wer auch sonst? Friedliebende Länder wie der Iran, Syrien oder Nordkorea würden Dich niemals angreifen. Mit denen hast Du ja auch die besten Beziehungen, nicht wahr?

Aber der Westen! Der Westen ist und bleibt imperialistisch – das hast Du schon in der Parteischule gelernt, also muß es stimmen. Der Westen, das weiß jedes Kind, denkt Tag und Nacht an nichts anderes, als sich die heilige russische Erde unter den Nagel zu reißen.

Ach ja, eines wollte ich Dir noch sagen, Wladimir Wladimirowitsch: um die Rentner und Armen in Deinem Land mußt Du Dich nicht sorgen. Sie haben ja die Suppenküchen, und wenn sie ein paar Rubel brauchen, setzen sie sich halt auf die Straße und verkaufen ihren Kohl oder betteln ein bißchen. Hauptsache, Du hast Deine schönen, glänzenden Panzer und kannst Mütterchen Rußland vor dem bösen Westen beschützen!

Dein Lupulus
aus dem feindlichen Ausland.

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Mondlandschaften (2)

Kanada hat nicht nur große Teile seiner Urwälder hemmungslos zerstört, es hat sich auch kürzlich ohne viel Federlesens aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet.

Dazu paßt eine Meldung, über die verschiedene Naturschutzorganisationen in letzter Zeit berichtet haben. Es geht um die sog. „Teersande“ (auch Ölsand genannt). Dabei handelt es sich, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, um

ein Gemenge aus Ton, Silikaten, Wasser, Rohöl und weiteren unterschiedlich zusammengesetzten Kohlenwasserstoffen, die meist eine Vorstufe (Bitumen, Kerogen u.a.) von Erdöl sind.

Teersand wird im Tagebau abgebaut, und um aus den Sanden Erdöl zu gewinnen, werden ungeheure Mengen an Wasser und Energie benötigt. Die größten Vorkommen liegen in der kanadischen Provinz Alberta, die inzwischen fast vollständig einer Mondlandschaft gleicht. Das Abbaugebiet dieser Provinz hat inzwischen die Größe von England überschritten. Das Foto unten habe ich der Wikipedia entnommen, es zeigt einen Ausschnitt des Tagebaus von Syncrude Canada Ltd.

Bilder dieser grauenhaften Zerstörung einer ganzen Provinz können Sie unter anderem hier betrachten. Auch Google liefert Ihnen hier jede Menge von Bildern. Falls Sie immer noch glauben, daß Kanada aus unendlichen Weiten unberührter Natur besteht, empfehlen ich Ihnen dringend einen Blick auf diese fast unfaßbare Zerstörung eines der schönsten Länder der gemäßigten Zonen.

Die Bilder erinnern an die ersten Fotos von der Rückseite des Mondes.

Übrigens hat die EU-Kommission aufgrund dieser großflächigen Zerstörungen in Kanada angeregt, den Import von Teersand zu erschweren. Der Umweltausschuß des Deutschen Bundestages (!) hat diesen Vorschlag vor zehn Tagen zurückgewiesen.

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Mondlandschaften (1)

In den kolumbianischen Anden breitet sich auf Hunderten von Quadratkilometern immer mehr ein wahre Mondlandschaft aus – das berichtete die kolumbianische Anwältin Maria del Pilar Silvar auf einer Konferenz in Berlin. Gerade da also, wo die großen Flüsse des Landes entspringen, reihen sich immer mehr Bergwerke der internationalen Konzerne aneinander. Diese Konzerne haben begreiflicherweise nicht das geringste Interesse, die Natur in Kolumbien zu schützen.

Im kolumbianischen Tiefland sieht es fast noch schlimmer aus. Dort sind – gerade für den europäischen Markt, also für uns! – Hunderttausende Hektar Regenwald gerodet worden, um Platz zu machen für Palmöl-Plantagen.

In Peru, das bisher auf dem Palmölmarkt keine große Rolle gespielt hat, gibt es Pläne, insgesamt 4,3 Millionen Hektar Wald durch Palmöl-Plantagen zu ersetzen (hier nachzulesen).

Ermuntert zu diesem Raubbau an ihrer Natur werden die beiden Länder durch ein Freihandelsabkommen mit der EU, das am 29. Februar 2012 vom EU-Parlament ratifiziert werden soll. Es garantiert die zollfreie Einfuhr von Palmöl in die Europäische Union – und wird ein gewaltiger wirtschaftlicher Anreiz für Waldrodungen und weitere Monokulturen in diesen Ländern sein.

Ich werde das Abstimmungsverhalten im Europäischen Parlament genau beobachten und an dieser Stelle an meine Leser weitergeben. Vor allem interessiert mich, wie sich die grünen Abgeordneten verhalten werden. Falls Sie einem der Abgeordneten eine Mail in dieser Sache schreiben wollen – hier finden Sie eine Liste aller deutschen Europa-Abgeordneten mit ihren Mail- und Internet-Adressen.

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Gauck !

Das Laufband während des Polizeirufs (er spielte übrigens in Gaucks Geburtsstadt Rostock!) war eindeutig: Gauck wird der nächste Bundespräsident. Was aber den Sinneswandel bei der Kanzlerin bewirkt hat, weiß niemand. Wahrscheinlich war es nur die Einsicht, daß sie einen anderen Kandidaten nicht hätte durchbringen können, denn nachdem sich auch die FDP für Gauck ausgesprochen hatte, war die Mehrheit in der Bundesversammlung vollends dahin.

Die vom Blatt abgelesenen lobenden Worte für Gauck standen in einem seltsamen Kontrast zum Gesichtsausdruck der Kanzlerin. Besonders als Gauck erwähnte, es habe ihm bei seiner Entscheidung geholfen, daß Angela Merkel „Hochachtung und Zuneigung“ für ihn empfinde, sah sie ausgesprochen sauertöpfisch und unglücklich aus.

Angela Merkel hat ja schon viele atemberaubende Wendungen hinter sich, aber bisher hatte sie dabei immer das Heft in der Hand. Sie war die Herrin des Verfahrens. Diesmal wurde ihr der Gang der Dinge diktiert, und das merkte man ihr deutlich an.

Deshalb teile ich auch nicht die Auffassung von Ulrich Wickert, daß es ein starker Auftritt der Kanzlerin war. In Wahrheit hat sie bis zur allerletzten Minute versucht, Gauck zu verhindern, und erst als sie mit der FDP auch den letzten Verbündeten verloren hatte, fügte sie sich ins Unvermeidliche.

Aber: Schwamm drüber! Die Entscheidung war gut, gleichgültig, wie sie letztlich zustandegekommen ist. Ich bin sicher, daß wir einen guten, einen würdigen Bundespräsidenten bekommen werden.

Nur die Linke lehnt ihn ab – kein Wunder! Gauck verkörpert das schlechte Gewissen dieser Partei, und er wird sie auch in der Zukunft daran erinnern, daß viele in ihren Reihen der DDR bis zum bitteren Ende die Treue gehalten haben. Gaucks Lebensgeschichte muß eine Partei, die ihre dunkle Vergangenheit nie wirklich aufgearbeitet hat, immer aufs neue beschämen.

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Gauck ?

Joachim Gauck wäre für das Amt des Bundespräsidenten fast so etwas wie eine Idealbesetzung. Er führt, was die Beliebtheit in der Bevölkerung angeht, mit weitem Abstand, er ist klug, unabhängig und integer, die SPD ist für ihn, die Grünen auch, und jetzt hat sich auch die FDP für ihn ausgesprochen.

Nur die CDU lehnt ihn strikt ab – mit vorgeschobenen Gründen.

Er sei „an der Basis der CDU nicht vermittelbar“ und seine „Fixierung auf das Freiheits-Thema“ sei eindimensional.

Etwas Dümmeres hat man, mit Verlaub, lange nicht mehr gehört.

In Wirklichkeit will Mutti einfach keinen Präsidenten neben sich haben, der ihr geistig, sprachlich und moralisch überlegen ist. Da verhält sie sich nicht anders als männliche Führungskräfte in der Wirtschaft, die auch nur Durchschnitt um sich dulden.

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Griechenland – ein Entwicklungsland?

„Die Griechenland-Helfer“, so schreibt heute Ralph Bollmann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „erkennen die Dimension des Problems“:

Sie haben ein Entwicklungsland vor sich.

An diesem Satz ist so ziemlich alles falsch. Schon das Wort „Griechenland-Helfer“! Diese Griechenlandhelfer (Merkel, Juncker usw.) helfen doch nicht Griechenland, sie helfen nur sich selbst. Und sie helfen den Anlegern und den Banken und Märkten und vielleicht dem Euro.

Helfen sie auch Griechenland? Wirklich nicht. Griechenland – das könnte ihnen ein Student der Volkswirtschaft im ersten Semester sagen – stoßen sie mit ihrer wahnsinnigen Totsparpolitik endgültig in den Abgrund.

Haben sie ein „Entwicklungsland“ vor sich? Ja!

Aber sie selbst haben es erst dazu gemacht.

Griechenland war, seit ich es kenne (und das sind jetzt bald vierzig Jahre), bei Gott kein Entwicklungsland. Es war immer ein wunderbares Land, in dem übrigens fast alle Menschen hart arbeiten mußten, um zu überleben – viel härter als die meisten Deutschen (die sich für solche Arbeiten sog. Gastarbeiter ins Land geholt haben). Natürlich gab und gibt es auch in Griechenland eine kleine Schicht von Drohnen, aber die gibt es in jedem Land. Muß ich jetzt erwähnen, daß auch bei uns von den obersten Repräsentanten des Staates bis hinunter zum letzten Schwarzarbeiter fast jeder mitnimmt, was er kriegen kann? Sind wir wirklich in einer moralischen Position, um über ein Land wie Griechenland den Stab zu brechen?

Noch einmal: unsere Regierungen haben Griechenland erst zu einem Entwicklungsland mit Suppenküchen, Bettlern und Obdachlosen gemacht. Sie haben damit eine große Schuld auf sich geladen.

Und wir? Wir können, wie damals Goethe bei der Kanonade von Valmy, sagen: wir sind dabeigewesen.

Aber stolz sein können wir darauf nicht. Wirklich nicht.

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Der Iran zündelt weiter

Der Iran, hatte ich vor einiger Zeit geschrieben, ist das gefährlichste Land der Welt. Das Regime in Teheran tut alles, um dieses Urteil immer wieder zu bestätigen.

Jetzt haben wieder zwei iranische Kriegsschiffe den Suezkanal passiert, um den Anrainerstaaten des Mittelmeers eine „Friedensbotschaft“ zu bringen – so nannte es zynisch ein iranischer Marinekommandant.

Nun haben ja auch die alten Griechen immer wieder ihre liebe Not mit persischen Flotten gehabt, die ihre „Friedensbotschaft“ auch damals schon ins Mittelmeer tragen wollten. Dabei war, auch das sollte man wissen, das alte Perserreich unter den Achämeniden – verglichen mit dem heutigen brutalen „Gottesstaat“ – geradezu ein Hort der Toleranz.

Aber die Kultur, das ist leider so, kann sich ihrer Sache nie sicher sein, sie ist immer bedroht von der Barbarei. Nichts ist selbstverständlich, und wie Freiheit und Demokratie, so ist auch die Kultur immer aufs neue gefährdet. Kultur allein schützt nicht vor Staaten, die voller Haß und Dummheit sind, deshalb muß sie – leider – auch wehrhaft sein.

Ahmadineshad ist ein Brandstifter. Zur Zerstörung des Staates Israel wäre ihm fast jedes Mittel recht – in diesem Zusammenhang muß man auch die Drohgebärde mit den beiden Kriegsschiffen sehen. Man sollte sie nicht aus den Augen lassen.

Natürlich gilt die Geste diesmal vor allem seinem Freund Assad, deshalb sind die Schiffe auch im syrischen Hafen Tartus vor Anker gegangen. Dort hat übrigens Rußland einen großen Stützpunkt für seine Kriegsmarine.

Rußland, Syrien und der Iran also vereint in trauter Dreisamkeit!

Aber keine Sorge: auch die Bluts-Brüder Assad und Ahmadineshad wird früher oder später ihr verdientes Schicksal ereilen. Nicht einmal ein Putin wird ihnen da noch helfen können.

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