Ströbele

Man kann ja nichts dagegen tun: manche Menschen mag man einfach nicht. Da hilft kein Raisonnieren und kein guter Wille. Natürlich versucht man, als halbwegs vernunftbegabter Mensch, die Gründe zu erforschen, aber auch das hilft nicht immer.

Mir geht es so mit Hans-Christian Ströbele.

Es mag sein, daß er privat ein ganz wunderbarer, netter, sympathischer Mensch ist – aber sowie er öffentlich den Mund aufmacht, wächst in mir der Groll. Da ist ein Mensch mehr als siebzig Jahre auf der Welt, und er ist immer noch derselbe Kopf, der er schon in jungen Jahren war. Es sind also nicht einmal so sehr seine Ansichten, die mich stören, sondern: daß er sie schon lange nicht mehr an der Wirklichkeit mißt. Dabei ist die Wirklichkeit doch das einzigen Kriterium, um eine Aussage zu verifizieren.

Das gilt freilich nicht für Ideologien, und für die linke Ideologie am allerwenigsten.

Schon im kurzen Ströbele-Artikel der Wikipedia findet man Unliebsames, Merkwürdiges und Abstruses zuhauf – ich will es hier gar nicht wiedergeben, wer will, mag es an Ort und Stelle nachlesen. Daß er während der Rede des Papstes im September demonstrativ den Saal verlassen hat, daran wird man sich noch erinnern. Daß er jetzt zusammen mit der Linken Joachim Gauck als Verteidiger des Finanzkapitalismus und als Feind der kleinen Leute verunglimpft, paßt ins Bild. Das ist eben die alte Fraktion des Landes Absurdistan, zu der sich auch Jutta Ditfurth gesellt hat (die geradezu alberne Argumente gegen Gauck ins Spiel bringt) und Gesine Lötzsch und die Altgenossen der DKP und der SED – und überhaupt alle, die, anders als Oskar Matzerath, irgendwann nicht das Wachsen, sondern das Denken eingestellt haben.

Ströbele also bleibt sich treu – so könnte man es mit viel, mit wirklich sehr viel Wohlwollen ausdrücken. Man könnte aber auch sagen: er ist, wie viele Altlinke, nicht mehr fähig (und nicht mehr willens!), seine Gedanken an der Wirklichkeit zu überprüfen. Und damit ist er eine Person, die man englisch pathetic nennen würde, also: im Grunde ein armer, ein bedauernswerter Mensch, der sich – nur um sein altes Bild von der Welt zu retten – selbst um die aufregenden Abenteuer des freien Denkens bringt.

Ich jedenfalls möchte um keinen Preis der Welt mit ihm tauschen.

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