Wir sollten einen alten Brauch wieder einführen: daß nicht mehr die verfeindeten Länder oder Parteien gegeneinander kämpfen, sondern ihre Anführer im fairen Zweikampf.
Also: in der Ukraine am besten Vitali Klitschko gegen Viktor Janukowitsch.
Wir sollten einen alten Brauch wieder einführen: daß nicht mehr die verfeindeten Länder oder Parteien gegeneinander kämpfen, sondern ihre Anführer im fairen Zweikampf.
Also: in der Ukraine am besten Vitali Klitschko gegen Viktor Janukowitsch.
Das hat gerade noch geklappt – zwei Wochen, ehe der Winkemann von Berwang wieder winkt (im Alpenpanorama von 3sat, immer morgens gegen 8.33 Uhr) – ist der Defekt behoben: die Kamera schwenkt wieder, wie es sich gehört, vom Tal zur Bergstation und zurück.
Am 14. Dezember kann sie also beginnen: die Saison des Winkemanns!
Iuvat vivere, hätte Franz-Josef Strauß, der große Lateiner vor dem Herrn, in einer solchen Situation gerufen: es ist wieder eine Lust zu leben!
Ich möchte die Stimmung, die sich unter den neuen Bündnispartnern ausbreitet, mit dem schönen, alten Wort strotzen beschreiben. Alles strotzt auf einmal: Gabriel strotzt vor Kraft und Selbstbewußtsein, Seehofer strotzt vor Begeisterung über die eigene historische Größe, und Manuela Schwesig strotzt vor Freude darüber, daß im Koalitionsvertrag endlich die Geschlechtergerechtigkeit festgeschrieben ist.
Auch die Kanzlerin strotzt, aber mehr im Stillen.
Wenn ein Mensch strotzt, dann darf man ihn nicht stören. Deshalb war es sehr ungezogen von Marietta Slomka, Sigmar Gabriel beim Strotzen zu stören.
So etwas tut man einfach nicht.
Nein, es sind natürlich nicht „die“ User, die so über sie schreiben, aber fast die Hälfte derer, die Artikel der Online-Ausgaben unserer Zeitungen kommentieren, redet so.
Nur ein paar Beispiele (Beschimpfungen wie „schmallippiger Kühlschrank“, die selbst bei seriösen Zeitungen oft stundenlang stehenbleiben, habe ich natürlich weggelassen):
Fernsehbeamtin
geht mir mit ihrer Art zu interviewen schon seit längerer Zeit auf den Wecker
verbeißt sich in ein Thema
ein Desaster
hat sich selbst aber als einseitige CDSU-Sympatisantin entlarvt
peinlicher Auftritt
unsauberer Journalismus
diese selbstverliebte Dame
die Journalistin schien angefressen
überheblich, arrogant und nicht zu ertragen
hat einfach nur dämliche Behauptungen aufgestellt
hat antwortzerstörend dazwischen gefaucht
die sich mehr als Showstar denn als Journalistin aufführt
diese ZDF-Tante als Journalistin zu bezeichnen, ist echter Unsinn
wollte sich profilieren
alles, was rot oder grün ist kann sie nicht leiden
absolut untragbar
gehört zurück ins Büro bzw. besser auf Nachschulung
nur noch peinlich
eine Lachnummer
diese Frau, endlich hat ihr Gabriel mal die Meinung gesagt
anmaßende Journalistin, die ihren Job lediglich den ZDF-Gremien verdankt
da wird der Intendant mal ein ernsthaftes Wort mit Frau Slomka sprechen müssen.
Über einen Mann hätten die User wahrscheinlich ein bißchen anders gesprochen als über „diese Dame“. Wetten?
„Let me have men about me that are fat“, läßt Shakespeare seinen Caesar sagen, denn dünne Männer kommen ihm gefährlicher vor – Cassius etwa. Über ihn meint Caesar: „He thinks too much; such men are dangerous.“
Sind also fat men wirklich gemütlicher und leichter zu handhaben? Wer gestern abend das Interview von Marietta Slomka mit Sigmar Gabriel im heute-journal gesehen hat, könnte da ins Grübeln kommen.
„Mir doch egal, ob das ZDF wartet“, hatte er schon vor dem Interview unter dem Gejohle seiner Anhänger in Hofheim ausgerufen.
Als Marietta Slomka dann ganz sachlich feststellte, daß es Verfassungsrechtler gebe, die an der Rechtmäßigkeit der SPD-Mitgliederbefragung Zweifel hätten (einer von ihnen ist zum Beispiel der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart) und ihn um seine Meinung dazu bat, da reichte das schon, um den dicken, aber offenbar sehr dünnhäutigen Gabriel völlig aus der Fassung zu bringen. Statt seine Gegenauffassung ruhig zu vertreten, fing er an zu schimpfen, ließ Frau Slomka kaum mehr zu Wort kommen und benahm sich überhaupt wie die Polterer Strauß und Kohl in ihren schlimmsten Zeiten. „Quatsch“ und „Blödsinn“ sei das alles, sagte er, und wollte das Interview sogar von sich aus abbrechen: „Tun Sie mir einen Gefallen: lassen Sie uns den Quatsch beenden.“
In seiner Rage merkte er offenbar gar nicht mehr, daß Marietta Slomka Wissenschaftler nur zitierte, was ja wohl das gute Recht eines Journalisten ist. Gabriel – und das ist sein selbstverständliches Recht in einem Interview – hätte die Argumente des Juristen in jeder denkbaren Form widerlegen können, aber statt dessen polterte er von Anfang los und versuchte, die gestandene Journalistin Slomka gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen. Und vor allem: wie ein kleiner, nicht sehr kluger Monarch ging er auf sie persönlich („das ist völlig falsch, was Sie sagen!“) und auf ihren Sender herablassend und gereizt los:
Es ist nicht das erste Mal, dass Sie in Interviews mit Sozialdemokraten nichts anderes versuchen, als uns das Wort im Mund umzudrehen.
Dieser Mann, der offenbar nicht fähig ist, Argumente ruhig und sachlich zu widerlegen, wird also unser Vizekanzler werden. Seine dummen Allüren sind schon da, ehe er das Amt überhaupt hat – das läßt nichts Gutes ahnen.
Viele meinen ja, diese Dünnhäutigkeit des Vizekanzlerkandidaten käme aus der Unsicherheit, ob die SPD-Basis dem Koalitionsvertrag zustimmen würde. Wer aber diesen Vertrag auch nur flüchtig durchgeblättert hat, wird mir zustimmen, daß dieser Grund völlig auscheidet. Die SPD hat die Union nämlich über den Tisch gezogen, der Vertrag atmet – von ein paar Lieblingsthemen der Union wie der PKW-Maut abgesehen – den Geist der sozialdemokratischen 70er Jahre (auch mit dem ganzen linken, soziologischen Kauderwelsch, das im 21. Jahrhundert einfach nur noch peinlich wirkt).
Nein, es ist gerade dieser Verhandlungserfolg, der dem Kandidaten zu Kopfe gestiegen ist. Daher kommt seine Arroganz, und deshalb sind ihm die Fragen einer unabhängigen Journalistin in einem unabhängigen Sender so unangenehm. Was er offenbar will, ist eine Art Hofberichterstattung. Dann soll er sich aber bitte nur noch von den Hauspostillen seiner Partei interviewen lassen.
Das heute-journal, das möchte ich am Ende noch anmerken, ist eine der besten Nachrichtensendungen in unserem Land – alle seine Moderatoren und Redakteure eingeschlossen. Sie haben es wirklich nicht nötig, sich von einem Parteipolitiker wie Gabriel anpöbeln zu lassen.
Frau Slomka hat gut daran getan, sich von ihm nicht einschüchtern zu lassen.
In der gestrigen Ausgabe hat der F.A.Z.-Feuilletonredakteur Christian Geyer eine (nicht gerade originelle) Art von Greisenbeschimpfung über alte Menschen am Steuer veröffentlicht. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er sich am Vortag über einen bedächtig dahinfahrenden Menschen im vorgerückten Alter geärgert. Es ist eben alles eine Sache der Perspektive.
Daß junge Männer zwischen 18 und 28 die größte Gefahr im Straßenverkehr darstellen, könnte ihm jeder Statistiker erklären, aber gegen die, lieber Herr Geyer, kommt man nicht an, gell? Das versuchen wir gar nicht erst. Aber die Alten, die kann man von Arzt zu Arzt schicken, und am besten geben sie ihren Lappen gleich freiwillig ab. Was es heißt, nach all den gesundheitlichen Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt, auch noch auf die letzte Mobilität zu verzichten, das können Sie sich mit Ihren 53 Jahren offenbar noch nicht vorstellen.
Aber keine Angst – das alles wird auch auf Sie zukommen.
Mir jedenfalls wird eher übel, wenn ich die jungen Herren am Steuer sehe, mit dröhnenden Boxen, die selbst bei geschlossenen Fenstern noch die Umgebung zum Vibrieren bringen, mit Handy und Zigarette in der Hand und quietschenden Bremsen vor der roten Ampel. Und ich empfinde auch keine Freude, wenn ich an die vielen toten jungen Menschen denke, die Woche für Woche nachts auf der Heimfahrt von der Disco den jungen (noch ganz unvergreisten!) Autofahrern zum Opfer fallen.
Geradezu absurd wird Geyers Artikel, wenn der Autor seine Angst vor der „lobbyistisch vermachteten Debatte über einen Führerschein-Check für Senioren“ bekennt. Eine Lobby für Senioren? Ach, schön wär’s ja – aber so etwas gibt es leider nicht. Und mit ein paar unfreundlichen Leserbriefen wird ein F.A.Z.-Redakteur doch wohl umgehen können.
So malt der Herr Redakteur das Zerrbild des „halsstarrigen Rentners“ (so wörtlich!), unterstützt vom Verkehrsminister, der sich „dumm stellt“, und dem bösen ADAC, der „auf Freiwilligkeit setzt“. Alle unterstützen sie auch noch den gefährlichen Greis, der einen Unfall nach dem anderen baut! Nur der Herr Feuilletonredakteur, der traut sich, die Wahrheit zu sagen – denn nicht in vino, sondern im Feuilleton liegt die Wahrheit.
Warum freilich das Feuilleton der F.A.Z. einem so einseitigen und ganz offensichtlich aus persönlicher Animosität heraus geschriebenen Meinungsbeitrag Platz auf der ersten Seite einräumt, erschließt sich mir nicht.
So beginnt eine Filmkritik von Philipp Holstein in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post:
Ridley Scotts mit Spannung erwarteter Krimi „The Counselor“ ist gespickt mit großen Namen. Und dennoch: Der Film ist vollends missglückt.
Holstein hat, ehe er Feuilletonredakteur der Rheinischen Post wurde, unter anderem Germanistik studiert. Dann hätte ihm eigentlich der Fehler mit dem Wörtchen „vollends“ nicht unterlaufen dürfen.
Was er mit seinem Satz meinte, ist klar: der Film ist seiner Ansicht nach völlig bzw. vollständig mißglückt. Aber das schreibt er nicht. Wohl in der Absicht, sich besonders gewählt auszudrücken, verwendet er das seltener gebraucht Wort „vollends“ – und setzt es völlig (nicht vollends!) falsch ein.
Sehen wir uns einmal an, wie das unscheinbare Wort im Universalwörterbuch des Duden (2006) definiert wird:
(im Hinblick auf einen Rest, etw. noch Verbliebenes) völlig; ganz u. gar.
Wichtig ist dabei, was einschränkend in der Klammer steht: das Wort entspricht zwar unserem „völlig“, aber eben nur „im Hinblick „auf einen Rest“!
Im Duden findet man genügend Beispiele, die das anschaulich illustrieren. Etwas „vollends zerstören“ bedeutet: es ist schon fast ganz zerstört und wird jetzt „vollends“ zerstört, also bis zum letzten Rest, bis zum Ende. Der Saal hatte sich „vollends geleert“ bedeutet: der Saal ist schon fast leer, jetzt leert er sich bis auf den letzten Platz. Vollends zufrieden sein, heißt: man ist ohnehin schon sehr zufrieden, erst jetzt aber ist man vollends, also vollständig zufrieden.
Jetzt mag mancher sagen: das sind doch Haarspaltereien. Keineswegs! Es sind Feinheiten, die noch vor ein paar Jahrzehnten jedem Abiturienten geläufig waren, es sind die subtilen Dinge, die eine Sprache erst zu einem sensiblen Instrument machen.
Warum ist diese Kenntnis – wie man sieht: sogar bei ausgebildeten Germanisten! – verlorengegangen? Es liegt, da bin ich sicher: am Lesen. Heute liest man zu wenig, und vor allem: die falschen Texte. Man war früher schon als Abiturient und erst recht als akademisch gebildeter Mensch viel erfahrener in seiner Lektüre. Literatur von Walther von der Vogelweide bis Hermann Hesse war da noch Pflicht. Wer natürlich nur noch (mehr schlecht als recht ins Deutsche übersetzte!) Thriller à la Dan Brown oder gar Fantasy-Romane liest, darf sich nicht wundern, daß sprachliches Feingefühl gar nicht erst aufkommt.
Das Sprachgefühl wird so immer geringer, und dann verschwindet es – vollends.
Ach, wie schön, daß die Moral überall auf dem Vormarsch ist! Jetzt geht es endlich den Prostituierten und ihren Freiern an den Kragen.
„Ein Mensch ist keine Ware“, donnert Frau Schwarzer, die mit dem Kampf gegen die Prostitution ihr Lebens- oder besser gesagt: ihr Altersthema gefunden hat. Natürlich finden sich immer Prominente, die einen solchen Aufruf mit ihrer Unterschrift bekräftigen, damit das Gute über das Böse siegt. Aber es ist nicht immer alles so, wie es den Anschein hat, und je verbissener jemand für das Gute kämpft, umso mißtrauischer sollte man werden.
Erst einmal: die Frau als Ware. Da fällt mir eine Stelle in Musils Mann ohne Eigenschaften ein, in der der Autor über Leona folgendes schreibt:
Freilich, wenn man es durchaus Prostitution nennen will, wenn ein Mensch nicht, wie es üblich ist, seine ganze Person für Geld hergibt, sondern nur seinen Körper, so betrieb Leona gelegentlich Prostitution.
„So wird“, fährt Musil fort,
das, was den Laien als Ausschweifung erfreut, zu einem Beruf, der voll Logik, Sachlichkeit und Standesgesetzen ist. Gerade Prostitution ist ja eine Angelegenheit, bei der es einen großen Unterschied macht, ob man sie von oben sieht oder von unten betrachtet.
Alice Schwarzer, das ist kaum zu bestreiten, betrachtet Prostituierte und Freier von oben. Sie spricht über sie, sie spricht für sie, sie spricht an ihrer Stelle. Jede Prostituierte ist für sie ein Opfer, das nicht selbst sprechen kann. Jede Prostituierte braucht deshalb einen Vormund, der die gesellschaftliche Moral vertritt, und der beste und klügste aller Vormünder für alle Prostituierten der Welt ist natürlich – Alice Schwarzer.
Das Schlimme an ihrer plakativen Argumentation – einer Art Agitprop für die höhere sexuelle Moral – ist nämlich, daß sie nicht mehr differenziert. Daß auch nur eine einzige Prostituierte ihre Arbeit freiwillig machen könnte, schließt sie vollständig und unerbittlich aus. Da duldet sie keinen Widerspruch. Da können ihr noch so viele Frauen das Gegenteil sagen, sie bleibt dabei: Prostituierte sind immer und überall Opfer. Deshalb (und das ist die gefährliche Seite einer solchen Argumentation) gibt es für sie auch nur eine Konsequenz: die vollständige und bedingungslose Abschaffung der Prostitution in allen ihren Facetten.
Wer wie Alice Schwarzer keinen Unterschied mehr macht zwischen „normalen“ Prostituierten auf der einen und Zwangsprostituierten, die aus Bulgarien und Rumänien herangekarrt und unter Gewaltanwendung ins Milieu gedrängt werden, auf der anderen Seite, der betrachtet die Welt eben wirklich von ganz, ganz oben – und muß scheitern, auch wenn noch so viele prominente Namen den Aufruf schmücken.
Es kommt nämlich gerade darauf an, auf diesem Unterschied zu bestehen, damit der Gegner eben nicht ganz allgemein „die Prostitution“ oder „der Freier“ ist, sondern: der Kriminelle, der Zuhälter, der Profiteur.
Letztlich geht es auch hier darum, ob man sich von der „reinen“, also von jeder Praxis abgehobenen und bloß moralischen Vernunft leiten läßt, oder von der „praktischen“ Vernunft, die am Ende immer die bessere Alternative ist.
Wer das „älteste Gewerbe der Welt“, das schon in Ephesos und Pompeji (und sicher lange davor) geblüht hat, allen Ernstes per Gesetz verbieten will, wird vielleicht durch Einschüchterung kurzfristig einen kleinen Erfolg haben, aber auf lange Sicht wird er scheitern – so wie auch das totale Alkoholverbot in den Vereinigten Staaten (1919-33) kläglich gescheitert ist und nur zu einem kräftigen Anstieg der Kriminalität geführt hat.
In Werbebeilagen kann man oft interessante Blicke ins wirkliche Leben werfen.
Da ist zum Beispiel der Herr Hamidi. Er hat in einem großen Einkaufscenter in Frankfurt einen Laden aufgemacht – ach, „Laden“ ist untertrieben, es ist (alle Zitate wörtlich) ein „hochwertiger Shop“, ein „Multi-Brand-Store“, der nur „hochwertige Designerkleidung“ anbietet. Besonders stolz ist der Herr Hamidi (neben „angesagten Taschen“ für die Dame) auf seine „ausgefallenen Schuhe für den Herrn“:
Bei uns bekommt der Kunde Schuhe aus Python- oder Känguruhleder schon ab 220 Euro.
Das ist natürlich ganz wunderbar, aber weiß der Herr Hamidi, daß die Pythonhäute aus Indonesien kommen? Weiß er, daß Indonesien, was den Raubbau an der Natur betrifft, zu den schlimmsten Ländern der Welt gehört? Weiß er, daß man die Pythons und Warane bei lebendigem Leibe häutet, damit die Damen und Herren in Deutschlands angesagte Taschen bekommen?
Ich habe darüber vor längerer Zeit geschrieben – Sie können den Artikel hier nachlesen.
Eine „Kirche mit offenen Türen“ solle die Kirche sein, sagt Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium:
Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein. Eines der konkreten Zeichen dieser Öffnung ist es, überall Kirchen mit offenen Türen zu haben. So stößt einer, wenn er einer Eingebung des Geistes folgen will und näherkommt, weil er Gott sucht, nicht auf die Kälte einer verschlossenen Tür.
Die „offene Tür“ ist also nicht nur metaphorisch gemeint. Das betrifft auch ein ärgerliches Phänomen italienischer Kirchen, dem wir zum ersten Mal vor vielen Jahren in Venedig begegnet sind: wenn man die Tür zum Gotteshaus öffnet, stößt man nicht selten auf – ein Kassenhäuschen.
Das Betreten der Kirche kostet Eintritt – bis zu 7 Euro. Die sollen natürlich nur die Touristen zahlen, wer zum Beten kommt, ist davon befreit. Und wie unterscheidet die Frau an der Kasse, wer nur besichtigen und wer beten will?
Nein, wer auf eine solche Idee gekommen ist, sollte sich schämen. Eine Kirche der „offenen Türen“, wie sie Franziskus fordert, will er jedenfalls nicht. Hier wird schon am Eingang aussortiert.
Die italienische Bischofskonferenz soll im vergangenen Jahr beschlossen haben, die Eintrittsgebühren in ihren Kirchen wieder abzuschaffen. Man kann nur hoffen, daß das auch überall befolgt wird.