An der Sale hellem Strande …

Manchmal fragt man sich, wenn man eine Überschrift liest: was wollte der Dichter eigentlich damit sagen?

Das Isenburg-Zentrum, ein schon etwas in die Jahre gekommenes Einkaufszentrum in Neu-Isenburg, läßt regelmäßig eine kleine Werbezeitung in die Briefkästen werfen, auch heute wieder. Und da lese ich nun als fettgedruckte Überschrift in großen Lettern:

Auf zum Sommer Sale!

Hat hier jemand vielleicht einen chinesischen Trinkspruch von Babel Fish ins Deutsche übersetzen lassen? Oder findet der Sommer dieses Jahr, wenn’s zuviel regnet, im Sale statt?

Nein, es ist nur einer der überflüssigsten Anglizismen unserer Zeit. Was früher Sonderangebot, Schlußverkauf oder Ausverkauf hieß (oder von mir aus auch „Rabatte am laufenden Band“ o.ä.), das heißt heute überall nur noch SALE. Dabei haben wir mindestens ein Dutzend schöner, auch eleganter deutscher Wörter für solche Aktionen.

Nun gibt es in der deutschen Geschäftswelt, wie man weiß, ohnehin wenig Sprachkultur. Was die Firmen schreiben (und schreiben lassen), wirkt fast immer irgendwie bemüht, aufgebläht, gestelzt. Aber auf die Kombination „Sommer Sale“ – wohlgemerkt: nicht summer sale! – muß man erst einmal kommen.

Ich möchte wetten, daß der Texter darauf sogar noch stolz wie Oskar war …

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Die Energiewende – eine einzige Pfuscherei

Schon an Pfingsten könnten in Deutschland die Lichter ausgehen. Das fürchtet der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Die Stromnetze seien schon jetzt „an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit“. Im Winter könne es durchaus sein, daß besonders energieintensive Industriebetriebe stillgelegt werden müßten, um eine Überlastung der Stromnetze zu verhindern.

Die Kosten, die durch die Energiewende entstehen werden, sind überhaupt noch nicht abzusehen. Sie werden dramatisch sein. Der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht sagt in einem Interview in der F.A.Z. vom Dienstag:

Es ist vollkommen klar, daß die Energie- und Strompreise steigen werden. Würden die Klimaschutzziele weiter verschärft, würde das alles sehr, sehr teuer werden. Ich weiß nicht, wie damit die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Beschäftigungsstandorts Deutschland noch sichergestellt werden sollte.

Ich höre schon, wie Künast und Trittin dazu sagen: ja, der ist halt ein Interessenvertreter, der muß das so sagen. Aber leider, leider: jeder, der seinen gesunden Menschenverstand noch beisammen hat, sagt dasselbe.

Allein das frühere Abschalten der Kernkraftwerke belastet den Bundeshaushalt mit 2 Milliarden Euro im Jahr. Diese Zahl kann sich noch weiter erhöhen, wenn den energieintensiven Branchen höhere Subventionen zugeteilt werden (darüber entscheidet Brüssel). Noch viel teurer wird es, wenn Energiekonzerne, die gegen die Abschaltung klagen, vor Gericht Recht bekommen.

Diese „Energiewende“ ist ein einziges Tohuwabohu, ein Würfelspiel mit ungewissem Ausgang. Die Kanzlerin und die CDU haben, das darf, das muß man so sagen, alle guten Geister verlassen. Statt eine so gravierende Entscheidung behutsam, mit Augenmaß und Verstand durchzusetzen, statt diese fundamentale Wende Zug um Zug, also in kleinen Schritten durchzuführen, haut sie einfach nur drauf – um endlich einmal wieder von ihrem Volk geliebt zu werden? Wer so handelt, ist – nach einem einst von Björn Engholm gern benutzten Wort – mit dem Klammerbeutel gepudert. Wer die Atomkraft als „Brückentechnologie“ begreift, kann doch nicht die Brücke holterdiepolter abreißen! Sollen wir jetzt ans andere Ufer schwimmen?

Es beginnt also, wie es Berthold Köhler von der F.A.Z. am Dienstag zutreffend ausgedrückt hat, eine „Reise ins Ungewisse“. Andreas Mihm schreibt in derselben Ausgabe:

Zuerst muß beantwortet werden, woher der Strom kommen soll, der unsere Gesellschaft am Leben erhält und ob er sicher und verläßlich erzeugt werden kann. Wer dies nicht garantieren kann, handelt zumindest fahrlässig, wenn er Kraftwerke ersatzlos abschaltet.

„Ohne Tausende Kilometer neuer Leitungen und Ersatzkraftwerke“, so schreibt Mihm weiter, „führt die Energiewende sicher nur zum Stromausfall.“

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Gott und die Naturwissenschaften

Seit ein paar Jahren erleben wir, angefeuert auch durch die Bücher von Richard Dawkins (Der Gotteswahn), eine Renaissance des Atheismus. Das ist an sich noch nichts Schlimmes, denn der Atheismus ist eine durchaus respektable, begründbare philosophische Position. Seine neueste Spielart freilich, die auch in Deutschland um sich greift, ist von einer geradezu peinlichen Unbedarftheit. Wenn man die Diskussionen über die Gottesfrage im 19. Jahrhundert kennt (Feuerbach, Marx), erschrickt man darüber, mit welcher holzschnittartigen Dummheit diese ehrenwerten Positionen heute vertreten werden.

Sie, die in der Religion den Ursprung allen Übels sehen, propagieren ihre Ideologie mit einer geradezu religiösen Inbrunst. Das ist denn auch das Ironische an dieser Bewegung: während die christliche Religion immer nachdenklicher wird und die Vernunft als eines der wertvollsten Gottesgeschenke erkannt hat, nimmt der „neue Atheismus“ mehr und mehr die Züge einer intoleranten, inquisitorischen Religion an. Er eifert und spricht nur noch mit Schaum vor dem Mund.

Aber lassen wir die Heiden toben!

Ich wollte zum Thema Gott und die Naturwissenschaften eigentlich nur einen wunderschönen Satz anführen, der von dem großen Naturwissenschaftler Werner Heisenberg stammt (ich habe ihn dem Buch „Licht der Welt – der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ aus dem Herder-Verlag entnommen):

Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Schöner (und präziser!) kann man es nicht ausdrücken.

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Das Urteil

Niemand weiß, was in der Nacht zum 10. Februar 2010 zwischen Jörg Kachelmann und seiner Geliebten passiert ist. Das wissen nur die beiden Beteiligten.

Sicher ist aber, daß die Staatsanwaltschaft und das Gericht alles, wirklich alles versucht haben, um einen Schuldspruch gegen Kachelmann herbeizuführen. Schon der Aufmarsch der Geliebten zeigt das. Wenn man nur deutlich machen wollte, daß er ein Schwerenöter ist, einer, der alle betrügt und auf vielen Hochzeiten tanzt, hätte man sich doch mit zwei oder drei der Geliebten bescheiden können. Aber nein! Immer neue Geliebte werden aus dem Hut gezaubert, herbeizitiert und ausführlich vernommen. Der Eindruck, den viele von diesem merkwürdigen Prozeß haben, rührt auch daher, daß hier, so scheint es jedenfalls, nicht ein Sachverhalt geklärt, sondern daß ein Mensch privat und beruflich vernichtet werden sollte.

Die Geliebten, die ihre Geschichten („Auch ich war ein Opfer von Jörg Kachelmann!“)  gewinnbringend in den Medien verkaufen, werden angehört und dürfen trotz ihrer Geschäftstüchtigkeit ihre Aussagen in den Prozeß einbringen. Das ist eine Schande.

Die Menschen haben oft ein viel feineres Gespür für Recht und Unrecht als die Juristen, die – blind wie Justitia – nur nach ihrem Gesetzbuch urteilen. Wenn sie in ihrer großen Mehrheit für Kachelmann Partei ergeifen, dann heißt das doch um Himmels willen nicht, daß sie – wie es schon wieder von bestimmter Seite angedeutet wird – einen Vergewaltiger schützen wollen! Es ist gerade umgekehrt: sie sehen, wie in seltener Einseitigkeit Alice Schwarzer, Opferverbände und Frauenrechtlerinnen Kachelmann schon deshalb vorverurteilt haben, weil er ein Mann ist. Für diese Frauen mit ihrem einfachen Weltbild steht fest: der Mann ist der Täter, die Frau ist das Opfer. So ist das, und so soll es bleiben.

Ich möchte eigentlich nur eines noch zu bedenken geben. Diese Staatsanwälte, diese Richter haben wirklich alles versucht, um Kachelmann zu überführen. Gerade deshalb sind die Vorwürfe von (im weitesten Sinne) feministischer Seite auch so absurd – die gesamte Rechtsautorität war ja von vornherein auf ihrer Seite! Das Gericht, die Staatsanwälte, sie alle wollten doch offensichtlich, daß er schuldig war.

Wenn es ihnen dennoch – trotz modernster Methoden der Spurensicherung und mit einem Aufmarsch von Gutachtern und Psychologen fast ohne Ende – nicht gelungen ist, Kachelmann zu überführen, dann sollten selbst diese Mitbürgerinnen sich vielleicht einmal in einer stillen Stunde folgende Frage stellen:

Könnte es nicht sein, daß Kachelmann, obwohl er, was natürlich entschieden gegen ihn spricht, ein Mann ist, könnte es nicht trotzdem sein, daß er – unschuldig ist?

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Über die Weisheit des Alters

Wird der Mensch, wenn er älter wird, auch weiser? Schön wärs ja. An mir selbst habe ich Weisheit jedenfalls noch nicht entdecken können.

Aber dafür etwas anderes: eine viel, viel größere Freiheit, die Dinge beim Namen zu nennen. Was für ein Geschenk des Alters, wenn man einen Idioten auch Idiot nennen darf! Wenn man jünger ist, muß man hundert Rücksichten nehmen, das alles ist im Alter wie weggeweht.

Schade nur, daß so wenige Menschen von dieser Freiheit Gebrauch machen. Vielen hat man es abgewöhnt, freimütig zu sein. Sie lernen es auch im Alter nicht mehr.

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Das Milliarden-Geschäft mit der Windkraft

Sind Sie schon einmal von einem aggressiven Bettler verfolgt worden? Fast jeder hat das irgendwann einmal erlebt: der Bettler verlangt „einen Euro“, und wenn man ihn nicht hergibt und einfach weitergeht, läuft er einem hinterher, schimpft und flucht und droht und läßt nicht locker. Das ist lästig, und natürlich ist es eigentlich auch nicht erlaubt, aber es passiert ständig, in jeder größeren Stadt.

Neuerdings geschieht so etwas in den besten Kreisen. Die „Bettler“, das sind die kleinen und großen Energiekonzerne, und mit einem Euro geben sie sich nicht zufrieden. Sie betteln genauso aggressiv und hartnäckig wie der Mann auf dem Kudamm in Berlin oder auf der Zeil in Frankfurt.

Natürlich sind es nicht nur die Energiekonzerne. Osram zum Beispiel, das erfährt man heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), steht blendend da: im vorigen Geschäftsjahr hat das Unternehmen 569 Mill. Euro Gewinn erzielt. Trotzdem werden jetzt 100 Mill. Euro Steuergelder in die sog. Photonik gesteckt, und wer profitiert davon, neben ein paar anderen Großkonzernen? Richtig, Osram. Es geht zu wie auf dem Kudamm – es wird gebettelt, gedroht, gejammert, bis die Knete kommt. Und die Knete kommt von uns, vom Steuerzahler.

Ein anderes Beispiel: die sog. „Elektromobilität“. Obwohl das Elektroauto wahrhaftig kein „Öko-Auto“ ist (dieses Märchen ist längst widerlegt), wollen die Hersteller von der grünen Stimmung im Land profitieren. Und wie der Bettler in der Fußgängerzone drohen sie: sollte kein Geld vom Bund fließen, wird uns womöglich Frankreich zuvorkommen – oder, noch schlimmer, China! Also: 1,5 Milliarden Euro Subventionen müßten es schon sein, meint der Cheflobbyist von der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann. Dafür gehen wir aber auch in eine rosige Zukunft: 30.000 neue Arbeitplätze würden dafür geschaffen. Toll.

Besonders große Hoffnungen machen sich jetzt die kleinen und mittleren Energiekonzerne. Die Förderung der sog. „erneuerbaren Energie“ hat sich, wie die gewiß nicht wirtschaftsfeindliche FAS schreibt, zu einem „schwarzen Loch“ entwickelt. „Hohe Milliardenbeträge“ werden, geschickt gelenkt, in die Naturstrombranche gelenkt. Der staatlich garantierte Strompreis bei Windkraftanlagen stimmt die Unternehmen „hoffnungsfroh“.

Mit Zuckerbrot und Peitsche bringen die professionellen Lobbyisten den Staat dazu, immer mehr Steuergelder in eine Energie zu stecken, die weder sicher noch natürlich noch ökologisch ist. Solange die Menschen noch glauben, daß hier wirklich etwas Schönes und Gutes geschieht, haben sie ein leichtes Spiel.

Wie heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung?

Die Industrie hat alle Hemmungen abgelegt. Jedes Argument ist ihr recht, um an Subventionen zu kommen. Arbeitsplätze, Ökologie, oder einfach Zukunft. Alles soll der Staat mitfinanzieren. So holt sich ein Wirtschaftszweig nach dem anderen Staatsgeld ab. Vor allem Großunternehmen haben die Subventionsbeschaffung professionalisiert, indem sie politische Modethemen besetzen.

Und im Moment gibt es eigentlich nur ein einziges Modethema: die „Energiewende“. Sie wird uns teuer zu stehen kommen.

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Der Wahnsinn mit den Stromtrassen

Etwas Ungeheuerliches bahnt sich an in diesem Land, und niemand scheint es zu bemerken.

Für die überstürzte und dilettantische Einführung der „erneuerbaren Energien“ sollen neue Stromtrassen gebaut werden, die „bis zu einem Kilometer“ breit sind  – so stand es gestern im Wirtschaftsteil der F.A.Z. Das mögen sich die einmal ausmalen, die jetzt begeistert, fast berauscht vom Energiewandel sind. Der Flächenverbrauch für diesen Unsinn wird gewaltig sein. Wälder, artenreiches Brachland, Grünland wird vernichtet werden im Namen einer verlogenen Nachhaltigkeit. Die Bundesnetzagentur soll das alles koordinieren, dazu wird sie zu einer großen Behörde aufgebläht. Die Zusatzkosten „in dreistelliger Millionenhöhe“ werden auf den Strompreis umgelegt.

Als Begründung für die gigantischen neuen Stromtrassen wird auf die Energieumstellung und – man höre und staune! – auf den „wachsenden Anteil der Stromimporte“ verwiesen. Wie bitte? Ich denke, die Umstellung auf die erneuerbaren Energien ist problemlos möglich? Warum rechnet man dann mit so großen Stromimporten, daß man deshalb die Trassen erweitern muß?

Hier wird gepfuscht und geschwindelt, was das Zeug hält.

Und weil die Bürger, sobald der grüne Rausch verflogen ist, das vielleicht dann doch nicht so gut finden werden, sorgt man schon vor. Die Raumordnungsverfahren zur Genehmigung der Trassen werden so beschleunigt, daß man sie innerhalb von sechs Monaten durchpeitschen kann. Die Einspruchsmöglichkeiten der Bürger sollen stark beschnitten werden. Sie dürfen dann zwar noch an der „Antragskonferenz“ teilnehmen, aber klagen können sie nur noch in einem sehr beschränkten Maß. Sobald ein „vordringlicher Bedarf“ festgestellt wird, ist sogar nur noch das Bundesverwaltungsgericht als einzige Instanz zuständig!

Hier wird in einem dramatischen Hauruck-Verfahren der Rechtsstaat beschnitten, damit die Bürger sich gegen die Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt nicht mehr wehren können. Die Windkraftlobby ist offenbar schon so mächtig, daß alle, aber auch alle nach ihrer Pfeife tanzen – die Kanzlerin, die CDU (wo sind eigentlich die Konservativen in der CDU, haben sie sich in Luft aufgelöst?), die Grünen und die SPD sowieso.

Jetzt bin ich nur gespannt, ob die Grünen gegen diese Beschneidung von Bürgerrechten auch so vehement auf die Barrikaden gehen werden wie in Stuttgart!

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Ein Prösterchen mit dem Schlächter

Ratko Mladic, der „vermeintliche“ (so muß man das aus rechtlichen Gründen immer noch ausdrücken) Massenmörder von Srebrenica, ist gefaßt worden. Das ist eine gute Nachricht. Und es ist ein Signal, das die Massenmörder von heute warnt: wer auch immer solche Verbrechen begeht, wird nach dem Abschluß eines rechtsstaatlichen Verfahrens den Rest seines Lebens in einer Zelle verbringen.  Sicher nicht gleich, manchmal dauert es erbärmlich lange, bis es so weit ist. Aber jedem wird irgendwann der Prozeß gemacht werden – das ist die Botschaft, die von diesem Tag ausgeht.

Die Festnahme erinnert aber auch an einen der Tiefpunkte der europäischen Moral – und an ein Foto, das dieses Debakel symbolisieren wird für alle Zeit. Es zeigt Mladic und Thomas Karremans, den holländischen Chef der UNO-Blauhelme, die für den Schutz der Einwohner von Srebrenica sorgen sollten, bei einem gemütlichen Umtrunk am 12. Juli 1995, mit dem Glas in der Hand. Da hatten die Deportationen und die Selektionen der männlichen Bewohner schon begonnen. Zwei Tage später war alles Leben in Srebrenica ausgelöscht.

Es mag sein, daß die Blauhelme keine Möglichkeit hatten, den Massenmord zu verhindern. Aber mit Mladic auch noch anzustoßen, dazu hätte sie keine Macht der Welt zwingen können.

Es ist eines der obszönsten Bilder der letzten Jahrzehnte.

PS: Im Jahr 2006 wurden 500 der holländischen Blauhelme von ihrem Verteidigungsminister feierlich geehrt, weil sie in Srebrenica einen „außerordentlich schwierigen Auftrag“ hatten und „jahrelang falschen Anschuldigungen ausgesetzt“ gewesen seien. Angehörige der Ermordeten sprachen von „Genozid-Orden“.

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Künast oder: die Liebe zur Monokultur

Sicher haben viele vor ein paar Tagen den Dokumentarfilm „Die Biosprit-Lüge“ gesehen. Er zeigt in erschütternden Bildern, wie sich die von den Grünen angefachte Begeisterung für „Energiepflanzen“ (Ölpalme, Zuckerrohr, Jatropha u.a.) dort auswirkt, wo sie angepflanzt werden. Der Film ist zwei Jahre alt, die Lage ist seither noch viel, viel schlimmer geworden. Die grüne Idee, Pflanzen für die Energiegewinnung anzubauen, hat global zu einer Naturzerstörung geführt, die ohnegleichen ist. Und diese Zerstörung geht immer noch weiter, ja sie beschleunigt sich noch.

Da möchte man doch meinen, daß die Grünen zu ihrer Mitschuld stehen und sich wenigstens zu einem pater peccavi aufraffen. Aber keine Spur  davon – trotzig und ohne jede Nachdenklichkeit bleiben sie bei ihren ideologisch verfestigten Auffassungen. Trittin etwa fällt zum Biosprit nur ein, daß seine Einführung (als E10) schlecht organisiert war. Und er ist sich nicht zu schade, dem deutschen Autofahrer das brasilianische Beispiel lobend vor Augen zu führen:

Der deutsche Autofahrer steht plötzlich mit Schaudern vor der Zapfsäule mit E10 – und weiß nicht einmal, dass die Autofahrer in Brasilien seit Jahren mit 25 Prozent Ethanol fahren.

Die Grünen applaudieren also, wenn ein Land Monokulturen (Zuckerrohr, Ölpalmen) in einem gigantischen Ausmaß anlegt? Es ist unfaßbar.

Aber ehe wir voreilig urteilen, wollen wir hören, was Frau Künast zu diesem Thema sagt. Sie hat sich schon als Landwirtschaftsministerin vehement für den Biosprit eingesetzt und den Bauern versprochen, sie würden durch den Anbau von Energiepflanzen „die Ölscheichs von morgen“. Ist ihr das heute peinlich?  Ganz und gar nicht! In einem Interview mit der Badischen Zeitung vom 11. März 2011 bekräftigt sie sogar die alte liebgewordene Idee. Wie ein Mantra betet sie die alten, längst widerlegten Sätze immer und immer wieder nach: daß „nachwachsende Rohstoffe“ (auch so ein Unwort!)

als Energielieferanten immer wichtiger werden,

daß damit „ein neues Geschäftsfeld für Bauern“ entsteht usw. Das ist ein Zynismus, der angesichts der massenhaften Vetreibung von Kleinbauern in Asien, Afrika und Südamerika kaum mehr zu überbieten ist.

Die grüne Vorstellung von den „Energiepflanzen“ mag einmal eine sympathische Idee gewesen sein. Inzwischen klebt an ihr Blut. Man kann es nicht mehr abwaschen. Aber man kann, wie man sieht, die Augen davor verschließen.

Die Liebe zur Natur (wie ich es ganz altmodisch nenne) hat bei den Grünen keine Heimat mehr. Sie mag an der Basis als Antriebskraft noch da sein, aber in der Politik ihrer Führung hat ein dramatischer und verhängnisvoller Paradigmenwechsel stattgefunden – weg von der lebendigen Natur, hin zu einem nur noch technisch und ökonomisch geprägten Naturverständnis. Auch deshalb ist die Energiefrage bei den Grünen zum Fetisch geworden. Sie kennen fast nichts anderes  mehr.

Am Anfang der grünen Bewegung in Deutschland war der Kampf gegen die Monokulturen in Land- und Forstwirtschaft eines der wichtigsten Motive für das politische Engagement. Monokulturen (etwa artenarme Fichtenwälder, große, maschinengerechte Getreideflächen ohne Hecken usw.) verlangen einen hohen Pestizideinsatz und reduzieren die Artenvielfalt auf ein Minimum.

Und heute? Überall auf der Welt entstehen Monokulturen schlimmster Art – aber jetzt unter dem lebhaften Beifall der Grünen! Wie konnte es soweit kommen? Wie ist der Niedergang der grünen Bewegung in Deutschland zu erklären?

Ich weiß es nicht. Die heutige Führung der Grünen jedenfalls kommt, wie man auch an den Lebensläufen von Künast und Trittin sieht, eher aus der linken, durch die Sozialwissenschaft geprägten Ecke. Da ist – was die Bewahrung der natürlichen Vielfalt betrifft – wenig zu erwarten.

Von der Liebe zur Natur ganz zu schweigen.

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Die Energiewende des Grauens

Sie ist noch gar nicht da, die endgültige Energiewende – und schon gibt es erhebliche Probleme durch das Abschalten der Atomkraftwerke. Die Sicherheitsreserven für die Stromversorgung sind aufgebraucht. Wenn es im kommenden Winter kalt wird, kann es zu einem „großflächigen Stromausfall“ kommen. Sogar die Sprecherin von Umweltminister Röttgen, für den die Energiewende ja „schöpfungsethisch fundiert“ ist, muß zugeben, daß es „keine leichte Situation“ ist. Man sehe, so wird sie in der heutigen F.A.Z. zitiert, die Versorgungslage „als schwierig an“.

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