Die Maulhelden von der CSU

Es ist sicher kein Zufall, daß in letzter Zeit CSU-Politiker mit markigen Worten über Griechenland herfallen. Erst ist es Söder, der an dem Land „ein Exempel statuieren“ will, dann schlägt der CSU-Generalsekretär Dobrindt – hat eigentlich irgendjemand den Namen vorher schon einmal gehört? – in die gleiche Kerbe. Der Seehofer Horst hält sich zurück, aber daß er der spiritus rector dieser Kampagne ist, dürfte klar sein.

Auf wen schlägt man ein, wenn sonst gar nichts mehr hilft? Natürlich auf die Griechen!

Das ist ein bißchen billig, aber es paßt zum Seehofer Horst. Das Florett hat noch nie zum Arsenal der CSU gehört.

Was tut man auch nicht alles, wenn die Oppositionsrolle droht.

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Wer tanzt, wird geköpft

Das Köpfen ist eine gute alte muslimische Tradition. Im osmanischen Reich, mit dem ich mich lange beschäftigt habe, gab es dafür sogar einen speziellen Dolch. Auch das Handwerkliche dieser Verrichtung wurde immer weiter verfeinert. Übung macht den Meister!

Immerhin beschränkte sich das Köpfen damals zum großen Teil auf kriegerische Auseinandersetzungen. Die Taliban aber haben jetzt in der afghanischen Provinz Helmand 17 Zivilisten enthauptet, weil sie – man höre und staune! – bei einer Feier Musik gemacht und getanzt haben.

Da fehlen einem die Worte.

Aber es gehört ja auch zur Tradition dieser Krieger, daß sie, als sie in Afghanistan noch an der Macht waren, den Frauen das Lachen verboten haben. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, diese Gotteskrieger, die aus einer anderen Zeit und aus einer anderen Welt zu kommen scheinen, einfach – auszulachen?

Daß man mit der Waffe gegen sie kämpft, das nehmen sie gern hin, der Krieg ist ihre Heimat. Aber von den Frauen ausgelacht zu werden mit ihrem ganzen dummen Männlichkeitsgetue – das ertragen sie nicht.

Niemals!

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Kleiner Mann ganz groß – Die halbe Welt zu Gast bei Ahmadineshad?

Die Naivität der Wutbürger im Netz begreife ich kaum noch, sie ärgert mich jedenfalls ungemein. Ich frage mich, wieviel historisches, politisches und sozialkundliches Bewußtsein da an den Schulen vermittelt worden ist. Viel kann es nicht sein.

Wie kann man denn allen Ernstes behaupten, daß die sog. blockfreien Staaten, die sich gerade beim iranischen Brandstifter treffen, „knapp die Hälfte der Weltbevölkerung“ vertreten? Wieviele Prozent der nordkoreanischen Bevölkerung vertritt der „Parlamentspräsident“, den Kim Jong-un nach Teheran schickt? Wieviele Prozent der syrischen Bevölkerung repräsentieren die beiden „ranghohen Regierungsmitglieder“, die Assad dort einfliegen läßt? Und Raul Castro, der auch nach Teheran kommt – wieviele Stimmen würde er bekommen, wenn es in Kuba freie Wahlen gäbe? Und wie ist es mit autoritären Chavez?

Und so weiter, und so weiter. Eine wunderbare Konferenz ist das.

Wer tatsächlich meint, daß es da um einen Kampf David gegen Goliath gehe, also um den gerechten Zorn der armen und ausgebeuteten kleinen Nationen gegen die bösen Großmächte, der sollte sich die feinen Vertreter dieser Staaten einmal ansehen.

Von Ahmadineshad selbst ganz zu schweigen.

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Hat Gertrud Höhler doch recht?

Mein erster Eindruck, als ich den Vorabdruck von Höhlers Buch „Die Patin“ in der F.A.Z. las, war zwiespältig. In vielem sprach sie mir aus dem Herzen, aber dann waren wieder diese Übertreibungen, Zuspitzungen, die fast beleidigend waren. So kommt man, dachte ich damals, dem „System Merkel“ eben nicht bei. Wer sie so dämonisiert, macht sie nur mächtiger. Nein, sie war Kohls Lehrmädchen, sie hat lange geschwiegen und zugeschaut und gelernt, aber als ihre Zeit gekommen war, hat sie – wenn man es so dramatisch ausdrücken will – zugeschlagen.

Ihren Meister hat sie dabei längst übertroffen.

Wie gesagt, vieles an Höhlers Urteilen klingt übertrieben und weist der Kanzlerin, die von einer Mehrheit in der Bevölkerung als starke, aber auch als unaufgeregte und ausgleichende Politikerin gesehen wird, zu Unrecht einen fast diabolischen Charakter zu.

Und doch – etwas stimmt an Höhlers Einschätzung.

Erstens ist es der chamäleonhafte Farbwechsel der Kanzlerin. Auch nach vielen Jahren kann man bei ihr kein festes geistiges Fundament erkennen, keinen Kompaß, der ihr (und uns!) die Richtung weist. Egal ob es um Familien-, Energie- oder Europapolitik geht, sie wechselt ihre Meinungen oft abrupt, ohne die Partei erst diskutieren zu lassen. Das ist nicht gut für die CDU, es ist aber auch nicht gut für die Demokratie. Bei dieser Kanzlerin wirkt alles irgendwie beliebig, deshalb kommt es kaum mehr zu großen Grundsatzdiskussionen, die aber – auch in unserer Zeit – von enormer Wichtigkeit sind. Seit dem Bestehen der Bundesrepublik hat es in unserem Land immer wieder solche Diskussionen gegeben, etwa zur Wiederbewaffnung und zum KPD-Verbot, zur Bildungsreform oder zu den Ostverträgen. Diese großen und wichtigen gesellschaftlichen Diskussionen, an denen sich immer auch Schriftsteller und Intellektuelle  beteiligt haben, sind schon unter Kohl und erst recht unter Merkel fast ganz verschwunden. Beide Kanzler wirken fast erdrückend auf den öffentlich Diskurs, an dem sie offenbar (anders als etwa Willy Brandt) überhaupt kein Interesse haben.

Zweitens besteht Merkels Europapolitik offenbar in einer amateurhaften Flickschusterei. Erst soll Griechenland keinen Cent von uns bekommen, dann gewährt man dem Land Milliardenkredite. Erst will man es loswerden, dann soll es doch bleiben, dann will man es (vielleicht) doch loswerden – das ist alles ohne Sinn und Verstand. Entscheidungen werden von einem Tag auf den andern gefällt und wieder umgestoßen, und wie bei der noch viel unbegreiflicheren Energiepolitik bleibt die Bevölkerung, die doch in beiden Fällen am Ende die Zeche zahlen wird, genauso ungefragt wie die CDU.

Noch schlimmer und gefährlicher aber ist ein Plan der Kanzlerin, den jetzt der SPIEGEL ans Licht gebracht hat. Noch in diesem Jahr soll in Brüssel der Termin für einen sog. „Konvent“ festgelegt werden, der dann „ein neues rechtliches Fundament für die EU“ ausarbeiten soll. Ziel ist es, durch einen neuen Zentralismus praktisch die Hoheit der einzelnen europäischen Parlamente über ihren eigenen Etat – also eines der wichtigsten und vornehmsten Rechte des Parlaments! – auszuhebeln.

Dadurch könnte beispielsweise der Europäische Gerichtshof das Recht erhalten, die Haushalte der Mitgliedsländer zu überwachen und Defizitsünder zu bestrafen.

Ein freigewähltes Parlament, das unter der Kuratel eines Gerichtshofs steht? Schon der Gedanke ist ungeheuerlich, aber er zeigt auch (und deshalb muß man Frau Höhler doch in vielem recht geben!), daß die Kanzlerin von einer bestürzenden Geschichtslosigkeit ist. Das politische Europa soll administrativ herbeigemauschelt werden, an den Völkern vorbei, die – da bin ich sicher – in ihrer übergroßen Mehrheit nicht bereit sein werden, ihre Souveränität an den Moloch EU abzugeben. Warum auch?

Eines steht aber fest: hier soll die Souveränität der Parlamente von oben beschnitten werden – so kann niemals ein freies, selbstbewußtes, auf seine Geschichte und Kultur stolzes Europa entstehen.

Auf die Merkelsche Weise wird nur eine weitere bürokratische Mißgeburt, ein neues juristisches Monstrum zustandekommen, und der Zorn der Bürger, die ungefragt weitere Rechte abgeben müssen, wird eher noch größer werden. Man kann den Bürgern Europa doch nicht amtlicherseits aufoktroyieren!

Frau Merkel hat für das wirkliche Europa, das untrennbar mit seiner Geschichte, seiner Kultur, seinen vielen Sprachen und auch seinen Unterschieden verbunden ist (Martin Walser hat es vor ein paar Tagen sehr schön beschrieben), sie hat – man muß es leider sagen – für dieses Europa nicht das geringste Gespür, ganz anders als ihr Ziehvater Helmut Kohl. Die Entmachtung der Parlamente, die sie sich wohl als eine Art freiwillige Selbstbeschneidung vorstellt, hat nur ein einziges Ziel: sie soll die Euro-Krise ein für allemal beenden. Wenn die Kanzlerin an Europa denkt, geht es nämlich immer nur um die Wirtschaft und die Finanzmärkte. Aus dieser Einstellung rührt auch ihr Mantra her:

Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.

Es ist der dümmste Satz, den ich je aus dem Munde eines Bundeskanzlers gehört habe.

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Die deutsche Sprache ist in der Türkei entstanden ???

Wie ich den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan kenne, wird er sich über die folgenden Überschriften der deutschen Presse weidlich gefreut haben:

Deutsch stammt aus der Türkei (SPIEGEL)
Die Deutsche Sprache kommt aus Anatolien (Tagesspiegel)
Die deutsche Sprache ist gebürtige Türkin (Stern)
Deutsch hat Ursprung in der Türkei (n-tv)
Jetzt sind wir plötzlich alle Türken (Blick)

Immer wieder muß man sich an den Kopf greifen, wenn man liest, was für einen Unsinn manche Journalisten schreiben, um zu irgendwelchen reißerischen Überschriften zu kommen – besonders wenn es auf Biegen und Brechen mit der „bunten Republik Deutschland“ zusammenhängen soll.

Die deutsche Sprache ist in der Türkei entstanden? Das ist hanebüchener Unsinn.

Die deutsche Sprache ist Teil einer großen Sprachfamilie, die aus 418 Sprachen besteht. Früher hat man sie nach ihren östlichsten und westlichsten Teilsprachen indogermanisch genannt hat, inzwischen hat sich der Name indoeuropäisch eingebürgert. Alle diese Sprachen – vom altindischen Sanskrit bis zu den keltischen Sprachen der westlichsten Teile Europas – sind miteinander verwandt. Sie haben einen gemeinsamen Ursprung. Wo dieser Ursprung zu suchen ist, bleibt umstritten. Bisher hat man meist die Steppengebiete um das Kaspische Meer als Ausgangspunkt vermutet. Die neue Hypothese ist, daß die Sprache vor etwa 9.000 Jahren in Anatolien ihren Ausgang genommen hat. Von da aus, sagen die Forscher aus Auckland in der Zeitschrift Science, habe sich das Indoeuropäische zusammen mit der Landwirtschaft nach West und Ost ausgebreitet und sei dann ein paar Jahrtausende später in die Unterfamilien und einzelnen Sprachen zerfallen.

Das ist eine interessante Hypothese, aber es ist eben nur eine Hypothese. Wie man von da zu den reißerischen Überschriften à la „Deutsch entstand in der Türkei“ kommen kann, ist schwer zu fassen. Die Türkei gibt es erst seit 1923. Selbst wenn man das Osmanische Reich noch unter den Begriff Türkei subsumiert, käme man allenfalls bis ins Jahr 1300 nach Christi Geburt. Und selbst wenn man dann auch noch die Seldschuken einbezöge, wäre man noch weit von der Antike und noch unendlich viel weiter von den Ursprüngen des Indoeuropäischen entfernt.

Die Vorfahren der heutigen Türken waren sibirische Stämme, die erst vor etwa tausend Jahren nach Anatolien eingedrungen sind. Ihre Sprache ist nicht indoeuropäisch, sie gehört zum türkischen Zweig der altaischen Sprachfamilie. Sie haben mit den indoeuropäischen Völkern, die sie erobert haben, nichts zu tun.

Selbst wenn die Hypothese der Forscher stimmt, ist das Indoeuropäische also nicht in der Türkei, sondern in Anatolien entstanden. Türken, auch wenn man das Wort sehr großzügig definiert, sind nach Anatolien erst 8.000 oder 9.000 Jahre später gekommen.

Natürlich wäre es schön, wenn die „heutige Türkei“ auch auf ihre vortürkische Geschichte stolz wäre, die ja unendlich viel reicher ist als die türkische. Aber wenn es in der Türkei auch viele engagierte Archäologen gibt: so manche archäologische Stätten von unschätzbarem Wert werden doch allenfalls am Leben gehalten, weil sie Touristen anziehen. Die Bedeutung, die man etwa dem römisch-griechischen Erbe wirklich zumißt, kann man an der Überflutung der Stadt Zeugma, einem „zweiten Pompeji“, ablesen, die im Jahr 2000 trotz einheimischer und internationaler Proteste beim Bau eines Staudamms geflutet wurde.

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Den Bauern geht’s besser, der Natur schlechter

Bauern bauen Monokulturen an – das läßt sich wohl nicht ändern. Aber man kann trotzdem viel tun: schon eine Hecke, die man stehen läßt, ein ungespritzter Feldrand oder ein kleinflächiger Anbau wirken oft Wunder. Ich habe es dieses Jahr selbst beobachten können. Für das Tagfalter-Monitoring bin ich einmal in der Woche auf „meiner“ Strecke unterwegs und zähle dort die Schmetterlinge. Der Weg grenzt an einen Acker. Letztes Jahr war darauf Raps angebaut mit einem etwa 60 cm breiten Unkrautsaum am Rand: ein kleines Blütenmeer. Ich habe im Lauf des Jahres drei Schmetterlingsarten entdeckt, die ich vorher nie gesehen hatte. Dieses Jahr war es Weizen, aber praktisch ohne Saum. Das Ergebnis: alle Arten, die auf solche Säume angewiesen sind (auf das Wilde Stiefmütterchen zum Beispiel), waren verschwunden. Nicht nur die Zahl der Arten, auch die Zahl der Individuen war deprimierend gering.

Von den überalterten Naturschutzverbänden und den Grünen kommen, was die Landwirtschaft betrifft, kaum noch Impulse – die kümmern sich mehr um die Windkraftmonster und die Energiewende. Und der Deutsche Bauernverband hatte für Ökologie und Natur seit jeher nur eines: ein müdes Lächeln. So kommt es, daß zum Beispiel der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in unserem schönen Nachbarland Österreich bei 15,9 % liegt, in Deutschland nur bei kümmerlichen 5,4 %. Wenn man liest, was zum Beispiel der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes so alles sagt, versteht man, warum Deutschland hier einfach nicht vorankommt.

„Effizienz kommt vor Hofladenromantik“ ist so ein Spruch. Da verwundert es nicht, daß er auch den Anbau von Energiepflanzen befürwortet. Alle Argumente, die inzwischen zurecht auf die globale Naturzerstörung durch Ölpalme, Mais, Raps usw. hinweisen, wischt er vom Tisch: das sei ihm „unverständlich“. Die Bauern, so zitiert ihn die F.A.Z. heute, „könnten beides, genügend Nahrung und Energiepflanzen herstellen“. Also, wer das kann, der kann vielleicht auch auf dem Wasser wandeln und Tode auferwecken. Wunder über Wunder.

Etwa 300.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Deutschland, und viele von ihnen, vor allem die großen, sind die wahren Nutznießer von Merkels Energiewende. In dem Artikel „Deutsche Bauern ernten gut und kassieren“ im Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom Donnerstag (hier nachzulesen) heißt es:

Im vergangenen Jahr hatten allein die deutschen Biomassekraftwerke, darunter rund 8.000 Biogasanlagen, EEG-Vergütungen von rund 4,5 Milliarden Euro erhalten. Landwirte betreiben die Biogasanlagen oft selbst, ebenso sind sie an Wind- und Solarparks beteiligt – sei es nur als Landverpachter. Mehr als die Hälfte ihres Einkommens erhalten Bauern in Form von Direktzahlungen der EU.

Unter diesen Bedingungen ist an Ökologie in der deutschen Landwirtschaft nicht zu denken. Der Rubel rollt – da nimmt man, was man an Subventionen kriegen kann.

Man lebt ja nur einmal!

Und die Natur? Je mehr Monokulturen es gibt, umso mehr Düngemittel und Pestizide müssen eingesetzt werden. Mit der Einstellung der heutigen Landwirtschaft und ihres Präsidenten gehen wir weit hinter die Erkenntnisse der 80er Jahre zurück. Der Deutsche Bauernverband könnte ja – theoretisch! – auch zu seinen Mitgliedern sagen: wir wollen die österreichische Quote von 15,9 % auch in Deutschland erreichen! Er könnte Landwirten helfen, die auf ökologischen Landbau umstellen wollen. Statt dessen betreibt er primitive Lobbyarbeit für die konventionelle Landwirtschaft und lehnt nicht einmal die Gentechnik grundsätzlich ab, die hier niemand will und braucht.

Es soll einfach nur mehr Knete geben – und Merkel macht’s mit Milliardensubventionen möglich.

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Über die „Homo-Ehe“ und die „Wut im Netz“

Genauso heißt ein Artikel in der furchtbar liberalen und fortschrittlichen Süddeutschen Zeitung:

Streit um Homo-Ehe
Reiches Ehe-Äußerungen sorgen im Netz für Wut

Was ist passiert? Katherina Reiche (39), verheiratet, drei Kinder, die vor zehn Jahren fast Familienministerin im Bayern geworden wäre, hat Unfaßbares von sich gegeben:

„Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.“ Nur weil die Ehe von Mann und Frau „für einige an Bedeutung verloren hat, dürfen wir sie als Lebensentwurf nicht grundsätzlich in Frage stellen“. Die Union müsse „ganz klar sagen, dass sie auf Familie, Kinder, Ehe setzt“. Die Gesellschaft werde nicht von kleinen Gruppen zusammengehalten, sondern von der stabilen Mitte, sagte die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.

Wer heute eine solche Selbstverständlichkeit ausspricht, bekommt die „Wut im Netz“ zu spüren. Ehe und Familie stehen zwar nach unserer Verfassung „unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“, aber im „Netz“ hilft das nichts. Die User finden so etwas überhaupt nicht gut. Sie werden dann sehr, sehr zornig – übrigens eine Eigenschaft, die sie mit vielen Muslimen teilen.

Aber, liebe User, bitte nicht vergessen: Wut macht dumm.

Katherina Reiche hat etwas ganz Selbstverständliches gesagt: eine Familie besteht aus einem Mann, einer Frau und (möglichst auch) Kindern. Das ist das Fundament jeder Gesellschaft. Und dafür wird sie jetzt von den Wutbürgern von Facebook mit einem Shitstorm bestraft? Ja, seid ihr eigentlich noch ganz gescheit, ihr User? Get a life, sagt man in Amerika oft zu solchen Menschen, aber die Hoffnung, daß sie sich ändern, ist gering.

Ich bin strikt gegen jede Diskriminierung von Minderheiten (und war es immer), aber ich bin genauso strikt gegen die Diskrimierung von Mehrheiten durch Minderheiten. Soll ich mich etwa schämen, weil ich nicht homosexuell bin?

Fast könnte man diesen Eindruck haben.

Noch einmal: was Katherina Reiche gesagt hat, ist eine Selbstverständlichkeit. Daß aber diese Selbstverständlichkeit mit solcher Empörung und Wut aufgenommen wird, ist nicht gerade ein Zeichen für eine gesunde Diskussionskultur.

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Die Walsersche Unschärfe

Um es gleich zu sagen: ich bin kein großer Freund von Martin Walser. Das mag ungerecht sein gegenüber einem großen Schriftsteller, aber hier geht es eben um ein Mögen oder Nicht-Mögen. Da spielt vieles hinein an Zuneigung, Abneigung, Chemie – aber auch an seiner Verwendung der Sprache. Und das ist vielleicht der Hauptgrund für meine Abneigung. Wenn ich einen seiner Aufsätze lese, frage ich mich am Ende oft: was wollte der Dichter eigentlich damit sagen? Und es ist genau das, was ich bei einem Schriftsteller ebenso unerträglich finde wie im ganz normalen Feuilleton. Ich will doch wenigstens wissen, was mir in dem Artikel gesagt werden soll! Einen Text, zu dessen Verständnis ich Entschlüsselungslogarithmen brauche, tue ich mir nicht an. Das alles beziehe ich wohlgemerkt nur auf Sachartikel. In der Literatur verhält es sich anders: sie haben, wenn sie echte Literatur sind, immer Tiefe, also Ebenen, Schichten, sie sind durch einmaliges Lesen nicht vollständig zu erfassen.

Martin Walser hat in der F.A.Z. vom 20. August (hier nachzulesen) eine Lanze für Europa gebrochen, und zwar für das geistige Europa, das ohne die Griechen nicht einmal denkbar ist. Wo wären wir heute – selbst im 21. Jahrhundert – ohne die Griechen? Kümmerlich ginge es zu bei uns ohne Aischylos, Sophokles und Euripides, ohne Sokrates und Plato und Aristoteles, ohne Hippokrates und die Vorsokratiker der ionischen Küste. Mit Walsers Artikel, der auch die griechischen Spätfolgen bis Hölderlin und Nietzsche beschreibt, bin ich vollständig einverstanden.

ABER …

Aber da ist wieder diese unbegreifliche Walsersche Unschärfe, die alles miteinander vermengt, was gar nicht zusammengehört. Denn auch Walser bindet in einer fast irrationalen Weise den europäischen Geist an die europäische Währung.

Hören wir ihn selbst:

Meine Zustimmung hat nur der, der die europäische Union auch als Währungseinheit will. Es gibt den Euro. Er ist mehr als eine Währung. Er ist ein Medium der Kommunikation beziehungsweise eine Sprache, die in Europa jeder versteht.

Niemand wird leugnen, daß die gemeinsame europäische Währung schön und bequem ist. Aber die Frage ist doch: ist sie notwendig? Für das geistige Europa, über das Walser im Fortgang seiner Gedanken dann redet, sicher nicht. Nirgends in seinem Artikel begründet er den notwendigen Zusammenhang von gemeinsamer Währung und gemeinsamer Kultur. Er sagt einfach: es ist so! Auch das ist so eine Walsersche Unschärfe, wie ich sie nicht mag. Was, um Himmels willen, haben Schäuble und der Euro mit Hölderlin und Nietzsche zu tun? Ich habe es selbst nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden.

Wir sollten uns, finde ich, die so ungeheure Wichtigkeit des Euro weder von den Finanzmärkten noch von den jungen Abgängern der wirtschaftlichen „Elite“-Hochschulen einreden lassen. Es wäre schön, wenn man den Euro erhalten könnte, schon aus purer Bequemlichkeit beim Reisen, aber mit dem geistigen Europa, mit der Kultur und Geschichte unseres alten Kontinents hat er wenig zu tun.

Martin Walser zum Trotz.

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Der altlinke Ströbele und das „Spionageschiff“

Da soll sich ein deutsches Schiff im Mittelmeer aufhalten und mit seinen elektronischen Geräten die Truppenbewegungen des blutigen Diktators Assad verfolgen.

Was ist daran schlimm? Nichts. Im Gegenteil: es ist dringend notwendig, alles zu verfolgen, was dieser Assad, der zu seinen Interviews immer nur im feinsten englischen Zwirn kommt, seinem Volk antut. Das ist auch für einen zukünftigen Kriegsverbrecherprozeß von großer Bedeutung. Und anders als Sadam Hussein verfügt Assad – das hat sein Regime vor kurzem selbst eingestanden – wirklich über ein gewaltiges Arsenal an chemischen Kampfstoffen. Die Gefahr, daß er sie im Notfall auch einsetzt, besteht immerhin, und man hätte große Lust, die erstaunlich vielen strohdummen USA-Gegner, die sich in den Internetforen auf Assads Seite schlagen, genau dorthin zu schicken, wenn es losgeht.

Einer meiner besonderen Freunde war ja schon immer der Abgeordnete Ströbele. Bei ihm kann man sicher sein, daß er wie ein Linker aus den 70er Jahren reagiert – egal was auf der Welt passiert. Statt sich zu freuen, daß ein deutsches Schiff an der Dokumentation der syrischen Kriegsverbrechen teilnimmt, unterstellt er eher seinem eigenen Land Verstöße gegen das Völkerrecht. Er will sogar das Parlamentarische Kontrollgremium „zeitnah“ zu einer Sondersitzung einberufen, wenn er nichts Näheres erfährt.

Gell, Herr Ströbele, den linken Pawlowschen Reflex kann man einfach nicht abschalten. Er sitzt einfach zu tief!

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Gotteslästerung in Deutschland?

Der russische Außenminister Lawrow hat die internationale Kritik an der Verurteilung der Punkgruppe Pussy Riot zurückgewiesen. Auch in Deutschland werde Gotteslästerung streng bestraft, sagte er.

Lieber Genosse Lawrow, jetzt nenne mir einmal Urteile, mit deren Hilfe deutsche Gotteslästerer für zwei Jahre ins Straflager gekommen sind! Da wirst du lange suchen müssen und trotzdem nicht fündig werden. Überhaupt willst du uns weismachen, es ginge hier um die Verunglimpfung der Religion – aber das glaubst du selbst nicht, da bin ich sicher. Hier hat keine Gotteslästerung stattgefunden, sondern eine Putinlästerung, und deshalb ist dein Präsident so stinkig. Auf Putinlästerung können gar nicht genug Jahre Arbeitslager stehen, nicht wahr, Genosse Lawrow? Also bitte – vergleiche nicht den russischen Rechtssumpf mit unserem Rechtsstaat. Auf den sind wir hier nämlich wirklich stolz, und zwar zurecht.

Sag das auch bei Gelegenheit deinem eitlen Präsidenten. Und sage ihm auch ein altes deutsches Sprichwort: Hochmut kommt vor dem Fall. Das gilt übrigens auch für den Patriarchen Kirill mit seiner 30.000-Euro-Luxusuhr am Handgelenk.

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