Antisemitismus ist „nicht mit dem Islam vereinbar“

Der Rabbiner, dem muslimische Jugendliche in Berlin das Jochbein gebrochen haben, ist kaum aus dem Krankenhaus entlassen, da meldet sich schon wieder der unsägliche (nämlich: unsäglich arrogante!) Herr Kizilkaya vom „Koordinierungsrat der Muslime“ zu Wort. Und er sagt einen Satz, bei dem einem der Atem stockt: Antisemitismus, sagt er nämlich, sei „nicht mit dem Islam vereinbar“.

Da fragt man sich wirklich: in welcher Welt lebt dieser Verbandsfunktionär? Vielleicht in einem Paralleluniversum? Jedenfalls lebt er nicht in derselben Welt, in der ich lebe. Fast in allen islamischen Ländern werden die Kinder von klein auf zum Haß auf die Juden und auf Israel erzogen. Das ist sozusagen die geistige Grundlage ihrer Existenz. An allem (auch an den eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten) sind immer die Juden und die Israeli schuld. Es ist geradezu ein Charakterzug der Muslime (und ihrer Verbandsvertreter und Lobbyisten im besonderen!), daß sie unfähig zur Selbstkritik sind.

Muslime „brauchen keine Lehrstunde“, sagt Kizilkaya. Und er fügt hinzu: wenn über Antisemitismus geredet werde, müsse auch über Islamfeindlichkeit geredet werden.

Da haben wir sie wieder: die Islamophobie! Jetzt fehlen nur noch die Kreuzzüge. Die Kreuzzüge und die Islamophobie – das ist das ganze geistige Arsenal, auf das sich die Verbandsfunktionäre beschränken. Mit diesen beiden Wörtern bestreiten sie ganze Talkshows und Kommissionssitzungen. Mehr brauchen sie nicht.

Ist das wirklich der geistige Horizont des heutigen Islam? Es wäre ein armseliges Trauerspiel, wenn es denn wirklich so wäre.

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Der charmante Philosoph und die Quote

Knapp eine Million Zuschauer soll der Philosoph Richard David Precht gestern abend gehabt haben. Und schon ist von einem „beachtlichen Start“ die Rede (hier zum Beispiel):

Richard David Precht hat mit der Premiere seines neuen Philosophie-Talks im ZDF einen respektablen Start erwischt – knapp eine Million Zuschauer sahen zu.

„Philosophie-Talk“? Wer ein solches Wort erfindet und auch noch veröffentlicht, sollte eigentlich mit Gefängnis nicht unter fünf Jahren bestraft werden – oder (eine noch härtere Strafe!): er müßte gezwungen werden, den Prechtschen Philosophie-Talk in einer Endlosschleife anzusehen. Anderer Meinung ist natürlich der ZDF-Kulturchef Peter Arens: man sehe hier, meint er tatsächlich, eine Sendung, bei der zwei Menschen um „Erkenntnis ringen“, nicht in einer lauten Debatte, sondern in „intensivem Diskurs“. Soll man über einen solchen Satz lachen oder weinen?

Im übrigen: ich wußte nicht, daß über die Qualität des Philosophierens die Zuschauerquote entscheidet. Da aber in der Sendung überhaupt nicht philosophiert wurde, muß man diesen Gedanken auch nicht weiterspinnen.

Precht hat einmal in einem Interview gesagt, er sei „in der Welt des Geistes“ und „in der Welt der Ästhetik und Vermarktung“ erfolgreich. Das eine zumindest stimmt an seinem Satz: in der Welt der Vermarktung ist er erfolgreich.

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„Precht“ oder: Bitte, bitte, lieber Sloterdijk – komm zurück!

Um Himmels willen – das soll also die Nachfolgesendung des Philosophischen Quartetts sein?

Lächerlich.

Das war kein philosophischer Diskurs, das war einfach nur glatt, seicht, oberflächlich, alles wirkte wie auswendiggelernt. Und der Bestsellerautor hatte tatsächlich, wie Walser es Sloterdijk empfohlen hatte, „den zweiten Hemdknopf geöffnet“ (oder den dritten auch?). Dazu grelle Lampen von oben, eine ständig kreisende Kamera, die Precht immer wieder überlebensgroß ins Bild brachte, als sei sie in ihn verliebt. Grüne Lichtreflexe schoben sich unaufhörlich durchs Bild, und die Beleuchter sorgten für ein fast gespenstisches Licht auf den Gesichtern. Eine peinliche Selbstinszenierung.

Mit einem Wort: da war alles nur vorgegaukelt, es war eine Show. Nichts war echt, nichts war Philosophie. Alles war eigentlich noch viel schlimmer, als ich es erwartet hatte.

Ein Bestsellerautor mag Precht sein, ein Philosoph wird er nie werden.

Lieber Peter Sloterdijk, lieber Rüdiger Safranski, es war so schön, euch beim Formulieren eurer langen und klugen Sätze zuzuhören, und es ist ein Jammer, daß man euch jetzt zwar noch lesen, aber nicht mehr hören kann. Ihr habt eine Lücke hinterlassen, die kaum zu schließen ist.

Von Precht schon gar nicht.

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Apple gegen den Rest der Welt

In den USA gibt es, mehr als in den meisten anderen Ländern, die Neigung, die eigene Wirtschaft notfalls durch Gesetze vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen.

Das zeigt sich auch wieder im Fall Apple. Diesmal ist es das Patentrecht, mit dem man Samsung (und demnächst sicher auch andere Hersteller) in die Knie zwingen will. Sogar die Rundung der Ecken hatte Apple patentieren lassen.

Aber eine andere Sache ist – jenseits der patentrechtlichen Diskussion, die ich nicht beurteilen kann – wirklich bedenklich: das Verfahren fand in San Jose statt, also nur wenige Kilometer vom Apple-Firmensitz entfernt, wo viele Menschen von Apple abhängig sind, und die Entscheidung hat zum ersten Mal überhaupt nicht ein Richter, sondern eine Jury gefällt.

Das hat schon ein Gschmäckle.

Übrigens: ich hätte mir das iPhone von Apple nie leisten können, aber ein koreanisches Smartphone schon. Deshalb drücke ich Samsung ganz fest die Daumen, daß es die rechtliche Auseinandersetzung am Ende doch noch gewinnt.

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Lebe wohl, kleine Glühbirne!

Du hast öffentliches Ärgernis erregt, kleine Glühbirne – vor allem bei den Moralaposteln in Brüssel. Ja, schämst du dich denn gar nicht? Glühst einfach vor dich hin, zwar mit einem sanften, angenehmen Licht, aber ohne allerhöchstes Plazet der europäischen Scharfrichter? Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen.

Das hast du davon!

So, und jetzt wird einmal Tacheles geredet.

Bin ich ein mündiger Staatsbürger oder nicht?

Ich lasse mich immer gern überzeugen – mit Argumenten. Aber ich lasse mich nicht von irgendwelchen hochbezahlten bürokratischen Hanseln entmündigen. Als die Brüsseler Bürokraten noch gar nicht an Energiesparlampen dachten, hatten wir schon mehrere Räume damit ausgerüstet. Aber es gibt Zimmer, in denen wir ein warmes Licht haben möchten (im Wohnzimmer zum Beispiel), und es gibt Zimmer, in denen man nicht fünf Minuten warten möchte, bis die Glühbirnen ihre maximale Helligkeit erreicht haben. Ich sehe nicht ein, daß mir ein Energiekommissar Oettinger (oder einer seiner Vorgänger) vorschreiben darf, welche Glühbirne ich in welche Fassung schraube. Da hört der Spaß wirklich auf.

Vor allem handelt es sich hier um eine sehr selektive Moral. Man straft nur Produkte ab, wo wenig Widerstand zu erwarten ist. Das Rauchen wird immer mehr eingedämmt – aber warum steht nicht auf jedem Neuwagen „Autofahren kann tödlich sein“? Warum weisen alkoholische Getränke keinen Warnhinweis auf? Warum ist der Kerosinverbrauch in Flugzeugen fast überall steuerfrei?

Warum ist die Massentierhaltung in Deutschland fast überall noch an der Tagesordnung? Gegen einzelne Tierhalter, die ein Tier nicht artgerecht halten, wird sofort mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgegangen, aber die Massentierhaltung kommt dank guter Lobbyarbeit immer noch fast ungeschoren davon.

Es ist – wie bei der Glühlampe – eine bloße Symbolpolitik. Seht nur her, wir tun euch doch etwas Gutes, rufen uns die Brüsseler Bürokraten zu, während sie uns in Wirklichkeit zu unmündigen kleinen Kindern machen, denen man vorschreiben kann, was sie noch essen und wo sie noch rauchen dürfen – und welche Glühbirne ihnen leuchten darf.

Mit dem Europa, an das Adenauer, Robert Schuman, Jean Monnet und Carlo Schmid dachten, hat diese monströse, demokratisch kaum beherrschbare Bürokratie nichts zu tun.

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Prügel für den Rabbiner

Arabischstämmige Jugendliche haben in Wowereits Berlin einen Rabbiner zusammengeschlagen und sogar seine kleine Tochter mit dem Tod bedroht. Dazu haben sie, wenn man den Polizeibericht richtig deutet, auch beleidigende und obszöne Beschimpfungen ausgestoßen.

Diese arabischen Jugendgangs terrorisieren seit Jahren die Stadt. Jetzt haben sie einen Rabbiner zusammengeschlagen, da ist die internationale Aufmerksamkeit natürlich groß. Aber diese kleinen Monster terrorisieren, vor allem, wenn sie die Mehrheit in den Schulklassen haben, ihre deutschen Mitschüler („Kartoffeln“, „Schlampen“) schon lange, ohne daß die Behörden den Lehrern ernsthaft zur Seite stehen. Wer das Buch der Jugendrichterin Kirsten Heisig gelesen hat, kennt das Problem. Es sind erschütternde Fälle.

Die muslimischen Väter und Mütter waschen ihre Hände in Unschuld, aber die Brutalität, der strohdumme machismo und der von klein auf in ihre Köpfe gehämmerte Haß auf Israel (das natürlich an allem Leid in der Welt schuld ist!) – wo, liebe muslimische Eltern, kommt das alles her? Diese Jugendlichen sind doch nicht als kleine Totschläger auf die Welt gekommen. Den arabisch- und auch vielen der türkischstämmigen Jugendlichen werden offenbar nie Grenzen gesetzt: nicht von Vater und Mutter, nicht von der Schule, und auch nicht, wenn sie straffällig geworden sind, von den Gerichten. Wenn Wowereit durch seinen Kiez geht, sieht er das alles nicht, da gibt es für ihn offenbar nur die bunte Berliner Spaßgesellschaft. Die Wirklichkeit in den Problembezirken, die Angst der deutschen Schüler zum Beispiel in den mehrheitlich türkisch-arabischen Schulklassen, das alles ist ihm völlig wurscht. Unwissenheit kann er aber spätestens seit dem Buch von Frau Heisig und den gut dokumentierten Fällen aus den Berliner Schulen nicht vorschützen.

Da sollte er sich die Krokodilstränen über den Angriff auf den Rabbiner auch sparen.

Wann ist man denn in Berlin je gegen die rassistischen Aggressionen dieser muslimischen Jugendlichen entschlossen vorgegangen? Warum hat sich wohl Kirsten Heisig am Ende immer einsamer gefühlt? Weil aus einer Ideologie heraus über alle Konflikte die zuckersüße Soße des Multikulturalismus geschüttet wurde, statt endlich auch einmal die arabischen und türkischen Eltern dieser Täter in die Pflicht zu nehmen.

Was haben sie denn getan, um ihre Kinder zu friedlichen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu erziehen? Darauf müssen sie eine Antwort geben.

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Der, die, das Prozent

Auf der Seite von Focus online liest man über die neuen Honorare unserer Ärzte:

Statt um elf soll ihr Honorar nur um knapp einen Prozent steigen.

Um „einen Prozent“ werden die Honorare mit Sicherheit nicht steigen, sondern um „ein Prozent“. Prozent ist ein Neutrum, es heißt „das Prozent“.

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Friedenseiche in Rostock abgesägt – eine revolutionäre Tat ersten Ranges!

Schon zwei Tage nach ihrer Pflanzung ist die symbolische Friedenseiche in Rostock-Lichtenhagen abgesägt worden. Diesmal waren es sog. Linksaktivisten – sie nennen sich „AG Aktivistischer Fuchsschwanz“ und sind genauso dumm wie die Extremisten auf der anderen Seite. Beide ersetzen das Denken durch vorgefertigte ideologische Reflexe.

Warum wurde die Eiche abgesägt? Es gibt, wie bei allen revolutionären Heldentaten, ein „Bekennerschreiben“. Die Eiche, sagen diese „Aktivisten“, sei als

Symbol für Deutschtümelei und Militarismus … für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht.

Eine Buche oder eine Linde hätten sie also nicht gefällt? Oder hätte man, angesichts der Ereignisse von 1992, den Aktivisten zuliebe einen Baum mit Migrationshintergrund pflanzen sollen, einen Ginkgo vielleicht?

Das ist so dumm, daß es wehtut. In der wilhelminischen Zeit mag es ein bißchen Brimborium um die „deutsche Eiche“ gegeben haben. Aber wer verbindet heute noch mit der Eiche „Deutschtümelei“? Nein, das ist ein ganz und gar absurdes Theater.

Aber es paßt zu diesen „Aktivisten“. Das ist übrigens ein sehr merkwürdiges Wort. Was ist eigentlich ein Aktivist? Einer, der politisch aktiv ist? Das sind viele, ohne daß man sie deshalb als Aktivisten bezeichnen würde. Ein Aktivist, sagt der Große Wahrig, ist ein „politisch tatkräftiger Mensch“, ein „zielbewusst Handelnder“. Das Duden Universalwörterbuch definiert ihn so: „bes. politisch aktiver Mensch, zielstrebig Handelnder“. Beide Definitionen also fast gleich – und gleich unscharf.

„Politisch tatkräftig“? Da könnte man ja auch die Kanzlerin als „Aktivistin“ bezeichnen. „Politisch aktiv“ oder „zielstrebig handelnd“? Das alles trifft den Punkt nun wirklich nicht.

Der entscheidende Punkt ist, daß ein Aktivist lieber handelt als denkt, genauer gesagt: daß er handelt und erst dann – wenn überhaupt! – nachdenkt. Und das zweite, was ihn auszeichnet, ist die Lust an der Grenzüberschreitung vom Legalen zum Illegalen. Der Aktivist fühlt sich nur dann richtig wohl, wenn er es der Obrigkeit mal so richtig gezeigt hat. Wenn er eine amtlicherseits gepflanzte Eiche fällt, fühlt er Glücksströme in seinem Körper. Dann möchte er am liebsten um den gefällten Baum tanzen. Seht her, würde er am liebsten rufen, seht her, was ich für ein Kerl bin. Ich, der Aktivist, habe hier und heute die deutsche Eiche gefällt!

Was sieht man da auch? Sehr gescheit ist ein Aktivist in der Regel nicht.

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Ein türkischer Minister, die religiöse Toleranz und die Beschneidung von Knaben in einer Komikernation

Die Türkei hat tatsächlich – auch wenn sie ihn sicher so schnell nicht brauchen wird – einen Europaminister. Er heißt Egemen Bagis, und er ist im Moment sehr, sehr ungehalten. Es geht – natürlich! – um das Kölner Urteil zur Beschneidung von jüdischen und muslimischen Jungen.

Die Rechtslage ist schwierig, weil in diesem Fall gleich mehrere wichtige Grundrechte betroffen sind. Das Kölner Landgericht hat entschieden, daß es sich bei einer Beschneidung ohne medizinische Indikation um eine Körperverletzung handelt. Das ist gut begründbar, aber natürlich könnte ein anderes Gericht auch zu einer anderen Gewichtung kommen. Letztlich wird, da es hier um fundamentale Grundrechte geht, wieder einmal das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen.

Ich habe schon einmal gesagt, daß ich in dieser Frage zwiegespalten bin. Juden und Muslime sind – aus ihrer Sicht zurecht – über das Urteil empört. Aber sie sollten es auch als Chance verstehen, über diesen alten (um nicht zu sagen: archaischen) Brauch ganz neu nachzudenken. Warum um alles in der Welt hängt die Identität von zwei Weltreligionen an einem Stückchen Vorhaut? Und nur an den männlichen Nachkommen? Es ist, wie es ist, hört man da. Und weil es eben so geschrieben steht. Ach, mein Gott, was steht nicht alles geschrieben! Die Steinigung unkeuscher Ehefrauen, Auge um Auge, die Vernichtung des Feindes. Nein, das Kölner Urteil ist auch eine Chance: es bietet die Möglichkeit, einmal ganz neu über Altgewohntes nachzudenken. Manche Eltern, selbst in Israel, lassen ihre Kinder nicht mehr beschneiden. Aber sie haben es schwer – die Eltern, und erst recht die Kinder.

Im Kölner Fall ging es um eine Beschneidung mit schweren gesundheitlichen Folgen für das Kind. Das kann man nicht einfach als hinzunehmenden Kollateralschaden abtun. Und es ist das Urteil eines unabhängigen Gerichts. Wer von der Kanzlerin ein „Machtwort“ zugunsten der freien Religionsausübung verlangt, sollte erst einmal nachschlagen, was ein Rechtsstaat ist. Gottlob sind bei uns Rechtssprechung und Exekutive streng voneinander getrennt, aber gegen jedes Urteil kann Berufung eingelegt werden – bis zur allerletzten Instanz. Das wird sicher auch geschehen. Und selbst wenn man unterliegt – der Bundestag kann die Gesetze, notfalls sogar die Verfassung ändern, wenn die Beschneidung denn wirklich so wichtig ist.

Jetzt aber zurück zum türkischen Minister Egemen Bagis. Der verwendet eine belehrende, fast überhebliche Sprache, wie man es bei türkischen Ministern gewöhnt ist. Was sagt er aber konkret?

Erst einmal sagt er „mit Verwunderung, daß die ungestörte Religionsausübung in Deutschland nicht mehr gewährleistet“ sei. Da bin ich jetzt aber meinerseits sehr verwundert. In der Türkei zum Beispiel ist nur die islamische Religionsausübung gewährleistet. Christen werden dort in ihrer Religionsausübung nach Herzenslust behindert und diskriminiert, während in Deutschland die Zahl der Moscheen für türkische und türkischstämmige Muslime schon unüberschaubar geworden ist. Der Satz des Herrn Bagis ist also schlicht eine Unverfrorenheit.

Das Kölner Urteil, sagt der Minister weiter, zeuge „von großer kultureller und historischer Ignoranz“. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Die Sorgfalt, mit der das Gericht die konkurrierenden Grundrechte abgewogen hat, zeugt von einer Unabhängigkeit, wie man sie sich von türkischen Gerichten wünschen würde.

Das Beschneidungsgebot sei „unverhandelbar“, sagt Bagis, der übrigens – wie man in der Wikipedia nachlesen kann – den Völkermord an den Armeniern energisch leugnet.

NEIN!

In einem islamischen Gottesstaat mag das so sein, aber in einem Rechtsstaat ist immer alles verhandelbar. Hier geht es nur um die Verfassung und das geltende Recht, um sonst nichts.

Aber Bagis wird noch deutlicher und auch – wenn ich das so drastisch formulieren darf – noch ein bißchen unverschämter. Deutschland, sagt er, müsse

„auf dem Gebiet kultureller und religiöser Toleranz“ ein Vorbild sein. Andernfalls habe Merkel recht mit ihrer Warnung, daß Deutschland bei einem Verbot der Beschneidung eine „Komikernation“ werde.

Dieses Wort von der „Komikernation“ war schon aus dem Munde der Kanzlerin eine sprachliche Entgleisung. Wenn es aber vom Minister eines Landes drohend wiederholt wird, in dem die nichtislamischen Religionen in ständiger Bedrängnis leben, in dem Christen keine Kirchen bauen dürfen und um jede Kleinigkeit betteln müssen, dann ist das – ich sage es noch einmal – eine Unverfrorenheit.

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Senioren bessern Rentner auf

Gerade auf Focus gefunden:

Senioren müssen ihre Rentner aufbessern.

Aber warum? Und wie geht das ???

PS: Die Überschrift ist inzwischen korrigiert worden.

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