„Schlechte Bezahlung wird normal“ – aber warum?

Daß schlechte Bezahlung normal wird, wie die Frankfurter Rundschau titelt, läßt sich belegen. In dem Artikel heißt es:

Betroffen von Niedriglöhnen seien vor allem atypisch Beschäftigte. Dazu würden Teilzeit von bis zu 20 Wochenstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit und Minijobs gezählt. Fast jeder Zweite (49,8 Prozent) von ihnen habe einen Niedriglohn erhalten. Besonders ausgeprägt sei dies bei 400-Euro-Jobbern: 84,3 Prozent bekommen nur einen Niedriglohn.

Anders als uns die Regierung und die Arbeitgeberverbände weismachen wollen, sind diese Jobs ganz und gar nicht der Einstieg in den „normalen“ Arbeitsmarkt. Ganz im Gegenteil: meist befindet man sich mit ihnen auf einem Abstellgleis. Und der prozentuale Anteil der Arbeitnehmer, die für solche Billiglöhne arbeiten, ist weiter gestiegen: von 18,7 % im Jahr 2006 auf jetzt 20,6 %.

Besonders hoch ist ihr Anteil, wie man in dem Artikel liest,

unter Taxifahrern, Friseuren sowie im Reinigungsgewerbe. In Restaurants und Gaststätten, Wäschereien und chemischen Reinigungen sowie in Kino bekämen drei von vier Beschäftigten einen Niedriglohn.

Nun mag es ja sein, daß hin und wieder ein kleiner Friseursalon, der auch noch mit steigenden Mieten zu kämpfen hat, einfach nicht mehr zahlen kann. Aber die Regel ist wohl eher, daß hier Ketten und durchaus gesunde Unternehmen auf Kosten ihrer Mitarbeiter sehr viel Geld verdienen. Das geht nur, weil gerade in den betroffenen Branchen kaum jemand gewerkschaftlich organisiert ist, was von den Unternehmen brachial ausgenutzt wird. Wenn man liest, daß 87 % der Taxifahrer, 86 % der Beschäftigten in Reinigungsbetrieben und 77 % der Arbeitnehmer in Gaststätten Niedriglöhne bekommen, wird doch auf erschreckende Weise klar, daß hier Menschen in einer Weise ausgebeutet werden, die man lange für überholt gehalten hat. Mehr als eine halbe Million Vollzeitbeschäftigte verdienen so wenig, daß sie vom Staat Hartz IV benötigen. Das heißt doch auf gut Deutsch: die Unternehmen wälzen, während sie selbst gut verdienen, die Lasten auf den Staat, also auf den Steuerzahler ab. Das darf so nicht weitergehen.

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, hat kürzlich ausgerechnet, daß ein Arbeitnehmer, der einen Durchschnittslohn von 2.500 Euro bekommt, nach 35 Arbeitsjahren eine Rente erwarten kann, die in etwa der Grundsicherung entspricht. Davon kann er nicht leben und nicht sterben. Wieviel Rente, muß man da fragen, bekommt dann jemand, der das halbe Leben lang nur für Billiglöhne gearbeitet hat?

Die Rentenmodelle, die auf zusätzlichen privaten Versicherungen beruhen, sind gerade für diese Arbeitnehmer ungeeignet. Sie haben schlicht und einfach nicht das Geld übrig, die Prämien zu bezahlen. Hier muß man die Arbeitgeber, wenn sie denn von sich aus nicht einmal zu einem halbwegs moralischen Handeln bereit sind, von zwei Seiten aus in die Pflicht nehmen: durch einen gesetzlichen Mindestlohn und, obgleich das nicht leicht sein wird, durch eine höhere gewerkschaftliche Organisation in den Billiglohnbranchen.

Viele Unternehmen haben sich inzwischen daran gewöhnt, ihre Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abzuspeisen. Freiwillig werden sie damit nicht aufhören.

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Gotteslästerung

In einer freien Gesellschaft kann jeder glauben, was er will. Das treibt oft merkwürdige Blüten, mit denen wir leben müssen – von den skurrilen Anhängern des altrömischen Götterglaubens über Weltuntergangsprophezeihungen bis hin zu der weitverbreiteten Esoterik. (Manchmal vergißt man, aber das nur nebenbei, daß es neben diesem Humbug bei uns auch noch seriöse Kirchen gibt, die ihren Glauben nicht an Geldmacherei, sondern an die Vernunft koppeln.)

Jedenfalls käme bei uns niemand auf die Idee, jemanden zum Tode zu verurteilen, weil er Gott lästert oder ein paar verbrannte Bibelseiten in der Tasche hat.

Ganz anders im Islam. Da, wo er die absolute Macht hat, setzt er das Strafrecht ein, um die Staatsreligion einzuzäunen und zu schützen. Wovor? Vor dem freien Denken. Er setzt sich dem kritischen Denken gar nicht erst aus, er belegt den Abfall vom Islam mit schweren Strafen. Wer einmal Muslim ist, muß es für immer bleiben.

In diesem Sinne ist vor einiger Zeit auch das Strafrecht in Pakistan geändert worden. Ein junges christliches Mädchen, Rimsha Masih, nach verschiedenen Berichten 16 Jahre alt oder noch jünger und vermutlich geistig behindert, soll verbrannte Koranseiten bei sich gehabt haben. Nachdem sie schon mehrere Wochen in Haft war, sagten Mitarbeiter des Denunzianten, eines muslimischen Geistlichen, aus, daß ihr die Koranseiten untergeschoben wurden. Jetzt wurde sie auf Kaution freigelassen. Gerettet ist sie damit aber noch lange nicht.

Andere denunzierte Christen werden in diesem furchtbaren Land weniger Glück haben, wenn man es denn Glück nennen will, daß eine bloße Denunziation genügt, um verhaftet und dann für eine für pakistanische Verhältnisse hohe Geldsumme erst einmal wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden.

Das alles erinnert doch sehr an die Hexenprozesse zu Beginn der europäischen Neuzeit.

Nein, mit dieser grausamen Spielart des Islam, die sich leider ausbreitet, möchte ich nichts zu tun haben. Zum Glück können wir uns dagegen wehren, aber letztlich ist es ein Problem, das die muslimische Gemeinschaft selbst lösen muß. Solange sie diese Phänomene mit Gleichgültigkeit oder gar klammheimlicher Freude beobachtet, darf sie sich nicht wundern, daß ihr in den freien Gesellschaften Skepsis entgegenschlägt. Muslime haben in unserer Gesellschaft alle Möglichkeiten, sich von ihren primitiven und kriminellen Glaubensgenossen zu distanzieren. Sie können Leserbriefe schreiben, sie können demonstrieren, Tagungen veranstalten – sie können so viel tun.

Aber sie tun es nicht. Das (und nur das!) ist der Grund, weshalb eine weitverbreitete Abneigung gegen den Islam in unserer Gesellschaft entstanden ist. Wir warten immer noch darauf, daß die große und friedliche Mehrheit der Muslime endlich gegen ihre bösen Glaubensbrüder aufsteht und ein Zeichen setzt. Wir warten darauf, daß sie endlich auch einmal zeigt, wie sehr sie die Freiheit in unserer Gesellschaft zu schätzen weiß. Wir warten darauf, daß sie ihre Glaubensbrüder den Behörden meldet, bevor sie sich den Sprengstoffgürtel anlegen oder eine Bombe zünden.

Statt dessen kommen – vor allem von den türkischen Verbandsvertretern – immer nur die dummen Formeln von „Kreuzzug“ und „Islamophobie“. Noch richtet sich die Feindseligkeit aber gar nicht gegen den Islam, sondern in erster Linie gegen den Islamismus, der ja nicht nichts anderes ist als eine besonders infame, verbrecherische Spielart des Terrorismus. Das könnte sich freilich ändern, wenn sich die friedlichen Muslime nicht endlich lautstark (und tätig!) zu Wort melden.

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Unverschämte Eintrittspreise

Ich weiß, daß Museen Geld brauchen. Die öffentlichen Zuschüsse werden in schlechten Zeiten oft gekürzt (an der Kultur läßt sich ja besonders leicht sparen!), und wen kann man sonst noch melken? Den Besucher.

Nehmen wir einmal Frankfurt am Main. Hier gibt es eine Fülle von großartigen Museen (viele davon am sog. Museumsufer). Das Städel zum Beispiel. Da kostet der Eintritt 12 Euro. Niemand hätte gewagt, in der Zeit vor der Einführung des Euro für einen Museumseintritt 24 DM zu verlangen. Aber 12 Euro klingt ja nach viel weniger.

Das Liebighaus verlangt sogar 14 Euro – das sind, wenn man das Museum zu zweit besucht, 28 Euro, also nach alter Währung 56 DM!

Natürlich gibt es auch ein paar rühmliche Ausnahmen: das sehr sehenswerte Senckenbergmuseum zum Beispiel verlangt nur 6 Euro, das Filmmuseum 5 Euro, das Jüdische Museum gar nur 4 Euro. Aber das sind wirklich ganz große Ausnahmen.

Das Problem geht leider weit über die Museen hinaus. Überall werden zum Teil maßlose Eintrittspreise verlangt: für Konzerte, Veranstaltungen, Führungen, manchmal sogar für Tier- und Vogelstimmenwanderungen. Diese Preise mögen für einen einzelnen ärgerlich, aber noch hinnehmbar sein, aber was ist mit den Familien?

So macht man Kultur wieder zu einem Privileg der Gutverdienenden.

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Geiles Angebot bei Amazon

Von Amazon bekommt man ja immer wieder Schnäppchen angeboten. Diesmal folgendes (ohne weiteren Kommentar):

OCZ VTX4-2SAT3-128G Vertex4 128GB interne SSD (6,4cm (2,5 Zoll), SATA III.

Jetzt geht mein Traum endlich in Erfüllung, denn ein OCZ VTX4-2SAT3-128G Vertex4 128GB interne SSD (6,4cm (2,5 Zoll), SATA III wollte ich schon seit meiner Kindheit einmal besitzen!

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Unumkehrbar?

Politik lebt von der permanenten Diskussion. Es muß immer Alternativen geben. Wer keinen Plan B hat, wäre besser in die Theologie gegangen und nicht in die Politik.

Aber diese ganz simple Tatsache wird heute nicht mehr anerkannt, im System Merkel hat man damit aufgeräumt.

Plötzlich sind alle Entscheidungen – gerade die wichtigen, über die man eigentlich am gründlichsten diskutieren müßte! – „unumkehrbar“. Die Energiewende, die ständige Aufblähung der EU, die Einführung und jetzt die „Rettung“ des Euro – alles ist „unumkehrbar“ und „alternativlos“. Selbst der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, kein Freund unserer Kanzlerin, nennt den Euro – unumkehrbar.

Ist das alles wirklich so? Natürlich nicht. Wenn Frau Merkel auf ihre eigene Lebensgeschichte zurückblickt, müßte sie einsehen, daß nichts, aber auch gar nichts unumkehrbar ist. Selbst der Sozialismus, der einmal waffenstarrend die halbe Welt beherrscht hat, ist in kurzer Zeit sang- und klanglos untergegangen. Er war eben, wie alles, „umkehrbar“. Muß man wirklich noch andere Beispiele aus den letzten hundert Jahren anführen? Die Geschichte ist voll davon.

Und die dahingeschluderte, nie wirklich gründlich diskutierte „Energiewende“ soll alternativlos sein? Und der Euro, dessen Risiken als Gemeinschaftswährung offenbar nie durchdacht wurden, ist auf einmal unumkehrbar?

Auch das gehört zum System Merkel, daß man es sich so leicht macht. Die Kanzlerin trifft eine Entscheidung, kennzeichnet sie als unumkehrbar – und das wars dann. Sie fürchtet sich vor jeder echten Diskussion, und je wichtiger eine Frage ist, desto weniger läßt sie diskutieren. Das beginnt in den Gremien der CDU und endet in der Breite der Gesellschaft. Wer das Merkelsche Diktat unterlaufen und einen offenen Diskurs beginnen will, trifft auf Verachtung und persönliche Verleumdung. So ist es Sarrazin mit seinem Buch Europa braucht den Euro nicht ergangen oder Gertrud Höhler mit ihrem Buch Die Patin, und auch Josef Schlarmann, der das Kanzleramt mit dem Zarenhof verglichen hat, hat keine Chance gegen das Kartell der Macht. Was sachlich begründet ist (und deshalb gefälligst auch sachlich widerlegt werden muß!), wird fast ausschließlich ad personam abgetan: Sarrazin ist sowieso eine Unperson, da muß man auf nichts mehr eingehen, „die Höhler“ will sich natürlich nur aus privaten Gründen an der Kanzlerin rächen, und Schlarmann war schon immer ein „Querulant“.

Es hat eine gewisse innere Logik: wo alles unumkehrbar ist, muß der Kritiker zum Narren werden. Wer an dieser dummen Politik, die alles ohne jede Diskussion zementieren will, auch nur kratzt, wird persönlich herabgesetzt – nein, natürlich nicht von der Kanzlerin, dafür hat man ja einen Kauder oder einen Pofalla.

Jetzt könnte man natürlich sagen: soll die CDU doch sehen, wo sie bleibt, wenn sie das mit sich machen läßt. Aber das wäre zu kurz gedacht. Einmal ist die CDU immer noch die stärkste Partei im Land, und wenn die Meinungsvielfalt in einer solchen Volkspartei stärker schrumpft als selbst unter Kohl, dann sollte das ein Alarmzeichen sein. Zum anderen hat diese omertá in der CDU Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft.

Wenn alles, was die Kanzlerin dekretiert, unumkehrbar ist, dann erübrigt sich jede Diskussion. Wenn alles alternativlos ist, wie soll dann ein großer gesellschaftlicher Diskurs zustandekommen? Und wie nötig hätten wir ihn!

Die Energiewende ist ein geradezu desaströses Beispiel für dieses Abwürgen jeder Diskussion: alle Parteien im Bundestag stimmen ihr zu, die gegenüber der Windkraft kritische Opposition – immerhin etwa ein Fünftel der Bevölkerung, mit wachsender Tendenz – hat keinen einzigen Abgeordneten, erst recht keine Partei, von der sie sich vertreten fühlen kann. Wer trotzdem dagegen auftritt, den trifft die volle Wucht des Gesetzes: Bürger- und Widerspruchsrechte werden drastisch beschnitten, Landes- und Gemeindeparlamente versuchen, den Widerstand gegen die Windkraftanlagen im Keim zu ersticken. Eine Grundsatzdiskussion findet nicht mehr statt. Die Energiewende ist eben – wie alles im System Merkel – alternativlos.

Ist sie das wirklich? Natürlich nicht. Wir haben Kohlekraftwerke mit den besten Filtersystemen der Welt, und auch die Atomkraftwerke, die hier weder durch Erdbeben noch durch einen Tsunami gefährdet sind, könnten noch ein paar Jahrzehnte in Betrieb bleiben, bis man eine wirklich effektive und naturverträgliche Energie gefunden hat.

The answer, my friend, is blowing in the wind, hat Bob Dylan einmal gesungen. Aber die Windenergie wird niemals das energetische Rückgrat einer Industriegesellschaft sein können, da bin ich sicher. Viele glauben es, aber sie werden irgendwann eines besseren belehrt werden.

Aber selbst darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht darum, daß im System Merkel mit Begriffen wie „alternativlos“ und „unumkehrbar“ jede Diskussion über die großen Fragen unserer Gesellschaft abgewürgt wird.

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Wladimir Wladimirowitsch Putin – die Mutter aller Kraniche

Was hat so ein russischer Präsident nicht alles zu tun! Immer wieder muß er seinen gestählten Körper zeigen, er muß Tiger betäuben, russischen Eisbären Sender anlegen, alte Amphoren aus dem Wasser holen, Walen Gewebeproben entnehmen, böse Mädchen bestrafen – und jetzt rettet er auch noch seltene Kraniche! Mit einem „motorisierten Lenkdrachen“ soll er sie ein Stück begleitet haben, damit sie ihren Weg in den Süden finden. Beim ersten Versuch ist dem als Kranich verkleideten Putin nur ein einziger Vogel gefolgt, am Ende sollen es zwei gewesen sein. Alle anderen haben wohl gemerkt, daß da nicht ein Kranich vor ihnen fliegt, sondern – Wladimir Wladimirowitsch  Putin. Da sind sie lieber am Boden geblieben.

Das kann man verstehen.

PS: Ich könnte mir denken, daß Putin seinen Lenkdrachen behält und demnächst damit in Moskau die Zusammenrottungen von Putingegnern aus der Luft beobachtet. Das wär ein Spaß – der Präsident ganz oben, das gemeine, vom feindlichen Ausland bezahlte, undankbare Volk tief unter ihm!

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Merkel bettelt um das Vertrauen der Finanzmärkte

Es ist zum Verzweifeln: die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gibt nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank über die Staatsanleihen folgendes zu Protokoll (hier nachzulesen):

Nur durch weitere Reformanstregungen könne das Vertrauen der Märkte in die Gemeinschaftswährung wieder hergestellt werden.

Der Kotau einer freigewählten Regierungschefin vor den durch nichts legitimierten Finanzmärkten, die von der reinen Gier nach Profit getrieben sind und und inzwischen nicht nur Anleger und Unternehmen, sondern ganze Länder ruiniert haben, ist mehr als beschämend.

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„Vive le Québec libre!“

Wer schon älter ist, erinnert sich vielleicht noch an den skandalösen Auftritt des französischen Präsidenten de Gaulle im Jahr 1967, als er vor 100.00 Menschen in Montreal „Vive le Québec libre!“ rief und damit die Spannungen zwischen der englischsprachigen Mehrheit in Kanada und der französischsprachigen Provinz Québec anheizte. Als ob es in Kanada damals Unterdrückung und Folterkeller gegeben hätte!

Aber diese Lust, sich abzuspalten und einen eigenen Staat zu gründen, grassiert auch heute. Das Kosovo ist als Staat kaum überlebensfähig, aber da kann man den Wunsch nach Selbstbestimmung – nach den fürchterlichen Greueltaten der Serben – noch verstehen. Auch die Abspaltung des Südsudan, der lange unter den mörderischen Angriffen des muslimischen Nordens gelitten hat, kann man nachvollziehen.

Aber Québec? Jetzt hat, ein halbes Jahrhundert nach de Gaulles Brandstiftung, Pauline Marois die Provinzwahlen in Québec gewonnen. Sie will aus ihrer Provinz einen unabhängigen Staat machen. Welche Lunte sie damit an das friedliche Miteinander in Kanada legt, kann man auch an dem (offenbar englischsprachigen) Attentäter sehen, der am Dienstag während ihrer Siegesrede um sich schoß und einen Menschen tödlich traf. Von Irland und vom Baskenland mit seinen Mörderbanden wollen wir gar nicht erst reden.

Und selbst der Freistaat Bayern soll jetzt eine selbständige und unabhängige Republik werden. Das fordert jedenfalls Wilfried Scharnagl in seinem neuen Buch Bayern kann es auch allein (ich habe es noch nicht gelesen). Oder soll Bayern etwa – wie in der guten alten Zeit – wieder ein Königreich werden? Das Haus Wittelsbach gibt es ja noch.

Scharnagls Vorschlag ist wohl nicht so ganz ernst gemeint, er ist ein eher bizarres, aber doch auch irgendwie interessantes Gedankenspiel. Ansonsten liegt auf diesen separatistischen Bestrebungen kein Segen. Oft schüren die Separatisten sehr geschickt den Haß zwischen den Bevölkerungsgruppen. Zu den Friedfertigen, Versöhnlichen gehören sie fast nie. Es ist eben viel einfacher, die Menschen zu Haß und Gewalt anzustacheln, als Gegensätze (und Menschen!) miteinander zu versöhnen.

Da wäre, wenn man den Auftrag der Bergpredigt – „Selig sind die Friedensstifter“ – ernst nimmt, noch viel zu tun. Aber vielleicht entdeckt man ja demnächst ein „Haß-Gen“ in der menschlichen DNA. Da es schon ein Gottes-Gen, ein Haarausfall-Gen und noch tausend andere Gene gibt, würde sich darüber wohl niemand wundern.

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Ein Axtmörder als gefeierter Staatsheld

Totschläger, Mörder und Amokläufer gibt es in allen Gesellschaften der Welt. Normalerweise werden sie gesucht, verhaftet und eingesperrt.

Aber nicht allen widerfährt dieses Schicksal.

Ramil Safarow zum Beispiel ist ein Glückskind. Er nahm 2004 als aserbaidschanischer Offizier an einem Nato-Seminar in Budapest teil. Auch Offiziere aus Armenien, dem alten Feindesland, waren anwesend. Safarow ging also in einen Supermarkt, kaufte eine Axt und tötete den friedlich schlafenden armenischen Leutnant Gurgen Margaryan mit 16 Axthieben. Dessen Kopf wurde dabei fast vollständig abgetrennt. Es hatte keinen Streit gegeben, auch eine Frau war nicht im Spiel. Es genügte, daß das Opfer ein christlicher Armenier war. Schon ein Jahr später wurde der feige Mörder von einer aserbaidschanischen Partei zum „Mann des  Jahres 2005“ gewählt. Der Vorsitzende dieser Partei sagte (hier nachzulesen):

Es ist mir vollkommen egal, wie er den armenischen Offizier getötet hat. Wichtig ist, daß es jetzt einen ‚Gurgen‘ [gemeint ist Armenier] weniger gibt, und je mehr Aserbaidschaner Armenier töten werden, desto weniger werden sie.

Natürlich wurde der Mörder von den ungarischen Behörden verhaftet und erst einmal ins Gefängnis gesteckt. Aber dann ereignete sich Wundersames. Trotz des Urteils (lebenslänglich mit frühestmöglicher Freilassung im Jahr 2036) wurde er soeben nach nur acht Jahren von Ungarn nach Aserbaidschan überstellt. Der ungarische Ministerpräsident Orbán hatte sich in Verhandlungen mit der Regierung in Baku persönlich dafür engagiert, bestand allerdings darauf, daß Aserbaidschan den Mörder bis 2036 einsitzen läßt. Angeblich wurde das auch schriftlich zugesichert.

Nun muß man wissen, daß es Ungarn wirtschaftlich sehr schlecht geht. Vor einiger Zeit, als China dem Land großzügige Hilfe zusagte, hatte Orbán schon großmäulig den ewigen Wohlstand ausgerufen, aber daraus wurde offenbar nicht viel. Jetzt setzt er seine Hoffnungen auf Aserbaidschan, und die Überstellung des Axtmörders sollte dabei wohl eine Art door opener werden. Aserbaidschan ist reich an Öl, und Orbáns Hoffnung war wohl, daß die Regierung in Baku ungarische Staatsanleihen kauft.

Also: der Meuchelmörder trifft in seiner Heimat ein – und was geschieht? Wird er gleich ins Gefängnis gesteckt?  Weit gefehlt! Er wird von der aserbaidschanischen Regierung als „Held“ begrüßt, zum Major befördert, er erhält dazu noch amtlicherseits eine schöne Wohnung – und rückwirkend seinen Sold für die acht Jahre, die er im ungarischen Gefängnis zugebracht hat. Wer einen armenischen Christen heimtückisch im Schlaf abschlachtet, kann ja nur ein guter Mensch sein. Ein guter Muslim auf jeden Fall!

Nur ein Wort noch zu Aserbaidschan und Armenien. Es gibt Völker, die durch einen unerforschlichen Ratschluß der Geschichte immer wieder zu Schlachtopfern werden. Die Juden gehören dazu, sie vor allem – aber die Armenier auch. Ihre grausame Verfolgung durch die Jungtürken während des Ersten Weltkriegs prägt sie bis auf den heutigen Tag. Wie in Israel hat sich auch im nun endlich unabhängigen Armenien die geschichtliche Überzeugung durchgesetzt, daß man nie mehr Schlachtopfer sein will. Die Armenier haben deshalb die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Enklave Bergkarabach, die isoliert mitten im aserbaidschanischen Territorium liegt, erobert und wollen sie trotz verschiedener UN-Resolutionen nicht wieder hergeben.

Ich verstehe das, und die Welt, die dem türkischen Völkermord an den Armeniern einfach zugeschaut hat, sollte verstehen, daß dieses Land, das – wie Israel – von muslimischen Staaten umgeben ist, das Recht hat, seine Existenz auch militärisch zu sichern. Niemand will immerfort Pogromen ausgesetzt sein.

Und Armenien, das wollen wir auch nicht vergessen, ist das erste christliche Land der Welt. Dort wurde 301 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Da war an Mohammed noch nicht zu denken.

PS: Wenn Sie einmal einen guten historischen Roman über den Völkermord an den Armeniern lesen wollen, dann sollten Sie unbedingt zu Franz Werfels Die vierzig Tage des Musa Dagh greifen. Aber was heißt gut! Es ist einer der besten historischen Romane, die je geschrieben wurden. Und er wurde mit einer so warmen Anteilnahme am Schicksal des armenischen Volkes geschrieben, daß dieses kleine, verfolgte, immer wieder unterdrückte und geteilte Volk Werfel bis heute als seinen Landsmann honoris causa begreift.

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Eins ist sicher: die Rente!

Wer sein Leben lang – also über 45 Jahre – mit einem durchschnittlichen Gehalt gearbeitet hat und dann, wenn er sich endlich seine Wünsche erfüllen möchte, nicht einmal 1.200 Euro im Monat bekommt, fühlt sich zurecht betrogen – auch von Norbert Blüms Zitat (siehe Titel). Wenn man dann auch noch 750 Euro davon an den Vermieter zahlen muß (und das für eine frühere Sozialwohnung, also nicht gerade eine Luxuswohnung!), dann bleibt über das bloße Überleben hinaus kaum etwas übrig.

Das ist eine Schande.

Und es ist auch eine Schande, daß jetzt auch noch 70jährige Zeitungen austragen und im Supermarkt Regale einräumen müssen. Wenn man die Meldungen der letzten Tage liest, bekommt man freilich einen anderen Eindruck. Unsere Senioren, liest man da, fit und gesund wie nie, möchten doch arbeiten. Sie wollen ihre Erfahrungen weitergeben, ihren Lebensabend sinnvoll verbringen usw. So wird der wahre Zustand verfälscht, es wird gelogen, daß sich die Balken biegen.

Denn hier werden zwei Dinge durcheinandergebracht, die nichts miteinander zu tun haben (und das ist durchaus so gewollt).

Natürlich gibt es Rentner, die ihr Leben lang in einem Beruf gearbeitet haben, der sie ausgefüllt und befriedigt hat. Das wünscht man jedem Menschen, aber jeder weiß doch: die Regel ist das nicht.

Der Anteil der Rentner, die aus freien Stücken weiterarbeiten, weil sie schon immer einen Beruf hatten, der ihnen Spaß gemacht hat, ist sehr klein. Die meisten Rentner müssen arbeiten, weil die Rente nicht zum Leben reicht, und die Jobs, die sie machen, sind alles andere als spaßig. Wer zum Beispiel schon einmal Prospekte oder kostenlose Zeitungen ausgetragen hat, weiß, daß man da für Hungerlöhne schuftet. Viele machen das nur, weil sie den erniedrigenden Gang zum Arbeitsamt vermeiden wollen. Die große Masse der Rentner, die schon jetzt aus purer Not für Billiglöhne arbeiten, hat mit den gutverdienenden Rentner und Pensionären, die aus Freude an der Arbeit weitermachen, nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Im Jahr 2030, so liest man, wird ein Arbeitnehmer, der 35 Jahre lang bei einem Gehalt von 2.500 Euro werktätig war, gerade mal auf die durch Hartz 4 garantierte Grundsicherung kommen. Wie soll er da seine Miete zahlen? Wie  soll er da seinen Kindern und Enkeln noch etwas zukommen lassen? Wie soll er in den Zoo oder ein Museum  gehen oder gar Urlaub machen können?

Ja, aber die Alterspyramide!

Die ist auf einmal an allem schuld. Zuviele von uns werden einfach zu alt. Das will man uns jedenfalls einreden, aber die Wahrheit ist: wenn es in unserer Gesellschaft nicht so viele Schmarotzer gäbe, wenn die Manager, die Banker, die Politiker, die Fußballer, die Großverdiener aus dem Showbusiness auch nur auf einen Teil ihrer außer Rand und Band geratenen Einkommen verzichten würden, müßten Rentner, die ein Leben lang gearbeitet haben, nicht Zeitungen austragen oder Supermarktparkplätze fegen, um ihre Miete zahlen zu können.

Wenn ein Fußballer wie jetzt Martinez für 40 Millionen Euro den Verein wechselt, dann ist die Grenze zur Obszönität überschritten. Die Alterspyramide verändert sich, natürlich, aber es ist letztlich die Einkommensverteilung, die Arme immer ärmer und Reiche immer reicher macht. Wir haben es hier mit einer maßlosen Gier zu tun, die keine Schranken, keine Pietät und kein Gewissen mehr kennt.

Ich glaube überhaupt nicht daran, daß die Alterspyramide schuld an allem Ungemach ist. Sie ist so ungünstig, weil die jungen Frauen partout keine Kinder haben möchten. Die Karriere steht an erster Stelle, Partnerschaft und Kinder kommen weit dahinter. Das kann (und wird!) sich wieder ändern. Aber selbst unter so ungünstigen demographischen Bedingungen, wie wir sie heute haben, könnten in einem so reichen Land wie Deutschland alle Menschen gut leben – und ihren Lebensabend in Würde zubringen.

Die Demütigung von alten Menschen, die ein Leben lang gearbeitet und (übrigens auch für die Jungen!) in die Versicherungkassen eingezahlt haben, ist – ich sage es noch einmal – eine Schande für unsere Gesellschaft. Wenn eine kleine Gruppe in Saus und Braus lebt und sich – wenn überhaupt – allenfalls vor einer Daten-CD aus der Schweiz fürchtet, während viele alte Menschen nicht mehr wissen, wie sie ein Geburtstagsgeschenk für ihre Enkel bezahlen können, dann ist etwas faul im Staate Deutschland.

Auf die Demographie und die Alterspyramide kann man nicht alles schieben. Hier geht es  – auch wenn die Wirtschaftliberalen à la Rösler jetzt aufschreien – letztlich um die soziale Gerechtigkeit. Es ist genug Geld für alle da – die ungerechte Verteilung ist das Problem.

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