„Baerbock bricht Urlaub ab“

Daß Annalena Baerbock – ganz, als wäre sie schon Kanzlerin – angesichts der Überschwemmungskatastrophe ihren Urlaub abbricht, war vielen Medien eine Schlagzeile wert. Der Hessische Rundfunk, dem die Welt gar nicht grün, nachhaltig und feministisch genug sein kann, meinte in einem Kommentar, diese Geste sei „menschlich und taktisch klug“.

Menschlich und taktisch klug! Mehr muß man über Baerbock und den Hessischen Rundfunk nicht sagen.

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Baerbock: Außenministerin unter Laschet? Und darf’s auch ein bißchen autoritärer sein?

Auf web.de macht sich Wolfram Weimer so seine Gedanken, wie ein schwarz-grünes Kabinett besetzt sein könnte. Außenministerin, meint er, würde wohl Annalena Baerbock werden.

Schon bei dem Gedanken daran wird mir ganz anders. Da stelle ich mir vor, wie sie in Gesprächen oder gar in weltpolitischen Krisen im Nahen Osten oder im Südchinesischen Meer auf Putin, Xi oder Biden trifft – sie, die sogar in der Klimadebatte, also ihrem eigensten Gebiet, Formulierungshilfe in Anspruch nehmen muß. Die Statur, deutsche Interessen in der Welt mit Augenmaß, aber auch kraftvoll zu vertreten, hat sie nun wirklich nicht.

In ihrem umstrittenen Buch, sagt Baerbock, wollte sie beschreiben, „was ich mit diesem Land machen will“. Was für ein Land das – Gott bewahre! – sein würde, läßt sich weniger am grünen Parteiprogramm, sondern viel besser an „Jetzt für morgen“, dem viel konkreteren Regierungsprogramm von Baden-Württemberg betrachten. Ich lasse einmal alles beiseite, was an geläufigen Schrecklichkeiten ohnehin von den Grünen zu erwarten ist: die weitere Zerstörung der deutschen Sprache, die Anbetung und Heiligsprechung auch der letzten sexuellen Spielart, noch mehr dumme „Geschlechtergerechtigkeit“, der quichoteske Kampf gegen einen „systemischen Rassismus“, den es in Deutschland gar nicht gibt (Diskriminierung ja, aber nichts, was auch nur im entferntesten mit dem Rassenhaß in den USA zu vergleichen ist) usw.

Ich will aber auf ein paar Dinge hinweisen, die schwarz auf weiß im Regierungsprogramm für Baden-Württemberg (hier im Wortlaut nachzulesen) stehen, die aber kaum diskutiert werden.

Die Grünen – das wissen die Jüngeren unter uns vielleicht gar nicht – waren ja wirklich einmal grün! Da haben sie sich noch um Tiere und Pflanzen, um Feuchtwiesen und naturnahe Wälder gesorgt, und sie haben couragiert gegen Monokulturen in der Forst- und Landwirtschaft gekämpft. Aber spätestens nach der „Energiewende“ war alles anders. Da wurden unter dem Beifall der „Grünen“ (die man heute wirklich nicht mehr ohne Anführungszeichen schreiben darf!) im ganzen Land bis hin zur kleinsten Parzelle subventionierte Monokulturen aus Raps, Mais und Getreide geschaffen, die das Artensterben exponentiell beschleunigt haben. Ein gedüngtes, mit Pestiziden behandeltes Maisfeld ist ein Todesacker, da lebt nichts mehr. Und das Rapsöl, eines der gesundheitlich wertvollsten Öle überhaupt, kommt nicht in die Pfanne, sondern zur Verbrennung in den Motor. Und jetzt die „Klimawende“, die von den Grünen mit brutaler Gewalt durchgesetzt werden soll, obwohl sie – Deutschland ist nur für 2% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich – nachweislich nicht den geringsten meßbaren Effekt auf das Weltklima hat. Und für diesen Nulleffekt soll Deutschland unwiderbringlich seiner letzten Schönheiten beraubt werden.

Schon jetzt findet man in unseren Mittelgebirgen oft keine Blickachse mehr, die nicht von immer größeren Windrädern (optisch und akustisch!) beeinträchtigt wird. Bis tief in die Natur hinein verfolgen den Wanderer diese Industrieanlagen und zerstören ein für allemal, was der Mensch am dringendsten braucht: unberührte Natur. Auch jene, die das heute noch als übertriebene Empfindsamkeit von Schöngeistern abtun, werden einmal merken, was dieser Verlust für sie bedeutet.

Wir werden, so steht es im Regierungsprogramm für Baden-Württemberg,

ein Flächenziel für Windkraft- und Freiflächenphotovoltaikanlagen in Höhe von zwei Prozent der Landesfläche festlegen, neue Windkraftstandorte im Staatswald und auf Landesflächen ausweisen […]

Viele Menschen wollen das nicht, und sie haben in hunderten Fällen erfolgreich gegen diesen Wahnsinn geklagt. Aber wenn man die Menschen nicht überzeugen kann, dann zwingt man sie zu ihrem Glück – das ist gute alte Grünen-Tradition. Wenn Baerbock, Habeck und Co. die Politik in Deutschland bestimmen, wird die Genehmigung für Windkraftanlagen „schlanker“ werden, die Rechte der Anwohner sollen beschnitten, Einspruchsmöglichkeiten aufgehoben und die Mindestabstände zu bebauten Gelände immer weiter reduziert werden. Sogar in Landschafts- und Naturschutzgebieten dürfen schon jetzt nach einem vom Zeitgeist inspirierten Urteil des OVG Lüneburg Windkraftanlagen gebaut werden, wenn ein „öffentliches Interesse“ (Klimawandel!) besteht.

Wir werden, heißt es im Programm weiter,

Photovoltaikprojekte entlang von Autobahnen und Zugstrecken starten […] Das Potenzial von Agri-Photovoltaik, gerade bei den Sonderkulturen wie Obst- und Weinbau, muss für eine erfolgreiche Energiewende ausgeschöpft werden. Wir werden deswegen weitere Pilotanlagen über verschiedenen Kulturen unterstützen.

Wenn man das liest, fällt einem nur ein einziges Wort ein: Barbarei. Weinberge gehören zu den ältesten Kulturlandschaften unseres Landes, doch selbst vor deren Verschandelung schrecken die Grünen nicht zurück. Wer seinen Blick heute noch über grüne Weinreben gleiten läßt, wird dann vor lauter Photovoltaik kein Grün mehr sehen. Und warum nicht auch Streuobstwiesen überbauen? Wenn’s dem vermeintlichen Klimaschutz dient, sind wir zu jeder Schandtat bereit.

Die Grünen haben jedes Gefühl für Schönheit, Kultur und Geschichte verloren. Oder hatten sie das noch nie? Sie haben jedenfalls ihre Anfänge und ihre ureigenen Ziele verraten, sie sind – wie die Chefetagen der Naturschutzverbände – nur noch Lobbyisten der Windkraft- und Photovoltaik-Industrie, mit der es übrigens immer mehr personelle Verquickungen gibt.

Noch ein Beispiel gefällig?

Wir werden eine Solarpflicht für alle neuen Gebäude festschreiben.

Auch das ist eine Barbarei sondergleichen. Viele Dörfer und viele kleine Städte, gerade hier in Hessen, haben noch ein wunderschönes Ensemble aus roten oder grauen Dächern. „A thing of beauty is a joy forever“, heißt es in einem Gedicht von John Keats, und Schönheit, liebe Grüne, ist kein Luxus, dessen man sich einfach so entledigt. Schönheit, Ruhe, unberührte Natur – das alles ist lebensnotwendig für den Menschen, heute mehr denn je. Das wirft man nicht weg, nur weil uns irgendwelche Aktivisten und Kanzlerkandidatinnen unter Zeitdruck setzen wollen. Nein, je größer und wichtiger die Aufgaben sind, umso gründlicher und umfassender muß man darüber nachdenken. Sonst geht es uns wie mit der Kanzlerin, die uns mit ihrer sinnlosen Schnellabschaltung der Kernkraftwerke eine wichtige Option für eine klimafreundliche Stromerzeugung aus der Hand gerissen hat.

Ich kann nur dringend davon abraten, die Grünen zu wählen. Und wenn Sie doch dazu neigen sollten, dann lesen Sie wenigstens deren Partei- und Regierungsprogramme aufmerksam durch, damit Sie sehen, was da (auch finanziell!) auf Sie zukommt.

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Die Abschaffung des Mittelaters durch den Rektor der Universität von Leicester oder: Sex und Diversität statt Chaucer und Beowulf

Noch vor wenigen Jahren war die Universität von Leicester stolz darauf, die Gebeine Richards III. (1452-1485) entdeckt zu haben. Jetzt hat sie das komplette Mittelalter aus dem Lehrplan für Literatur gestrichen.

Treibende Kraft dieser Demontage ist der 1966 in Sri Lanka geborene Rektor der Universität, Nishan Canagarajah. Seine Fachgebiete sind (hier nachzulesen)

electronics and information sciences
digital signal processing
multimedia signal processing
image segmentation and texture classification.

Außerdem war er technischer Berater verschiedener Weltfirmen und Institutionen wie Sony, Toshiba und der BBC. Mit den Geisteswissenschaften verbindet ihn offenbar gar nichts. Sein Jahresgehalt beläuft sich auf umgerechnet 300.000 Euro.

Sein Kahlschlag könnte an der Universität 145 Professoren und anderen Beschäftigten den Job kosten. Das, so Canagarajah, sei nötig, damit die Universität „auch weiterhin Exzellenz abliefern kann“. Dazu müsse erst einmal der ganze Lehrplan „dekolonialisiert“ werden. Er solle, wie man hier erfährt, „aufregend innovativ“ werden:

Eine chronologische Literaturgeschichte, eine Auswahl von Modulen über Rasse, Ethnie, Sexualität und Diversität“.

In der „chronologischen Literaturgeschichte“ darf dann freilich die englische Literatur vor dem Jahr 1500 nicht mehr gelehrt werden, weder vom Epos Beowulf noch von den Canterbury Tales des „father of English poetry“, Geoffrey Chaucer, werden die Studenten dann noch etwas hören. Auch die Forschung zu Marlowe, Milton und Donne wird nach den Plänen des Rektors an den Rand gedrängt. Shakespeare wird gerade noch geduldet – der Rest ist Schweigen.

Führend ist Leicester unter seinem Rektor dann nur noch in der politischen Korrektheit. So wurde letztes Jahr der Internationale Frauentag in International Womxn’s Day (mit x statt e) umbenannt, „um den Tag für die Transgender-Community freundlicher zu gestalten“. Der Universität von Leicester bleibt also, selbst wenn sie die seriösen Studiengänge zusammenstreicht, immerhin noch der Ruf, Britain’s most ‘woke’ university zu sein.

Wir gratulieren!

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„Wegen ihren Zukunftsplänen“

Auf bunte.de liest man in übergroßen Buchstaben diese Schlagzeile über den Schauspieler Sky du Mont:

Anruf bei Ex-Frau Mirja – wegen ihren Zukunftsplänen!

So ein Deutsch hätte man früher nicht einmal einem Volontär durchgehen lassen.

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„Pre-Rezo-Zeit“

Ja, so hat es die Welt-Journalistin Franziska Zimmerer kürzlich getwittert: die CDU sei mit ihrer neuen Wahlkampagne „in die Pre-Rezo-Zeit“ zurückgefallen.

Für sie wird der blauhaarige Youtuber und Selbstvermarkter Rezo mit seinem peinlichen Filmchen „Die Zerstörung der CDU“ zum Angelpunkt einer neuen Zeitrechnung.

Wir leben also im Jahr 2 nach Rezo, und Jesus ist im Jahr 1986 vor Rezo gekreuzigt worden.

Der Wikipedia ist Leben und Werk Rezo des Großen übrigens einen seitenlangen Beitrag von fast 10.000 Wörtern wert, mehr als sie Heinrich Böll (knapp 8.000 Wörter) oder Hans-Dietrich Genscher (nicht einmal 6.000 Wörter) gönnt.

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Es gibt keine „Schwarzfahrer“ mehr – Neues aus dem linksgrünen Narrenhaus

Nach Berlin hat nun auch die Münchner Verkehrsgesellschaft das Wort „schwarzfahren“ von allen Plakaten und Aufklebern im Stadtgebiet entfernt – als „Maßnahme für eine zeitgemäßere Kommunikation“ (hier nachzulesen). Auch die Berliner Verkehrsbetriebe verwenden es nicht mehr – „um nicht in Rassismus-Verdacht zu geraten“.

Kann Dummheit Sünde sein? Oh ja! Mir wird jedenfalls angst und bange, wenn ich sehe, wie gerade große Unternehmen vor kleinen, lautstarken, medial hochgepuschten Lobbygrüppchen (LGBT, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland) auf die Knie gehen. Wieviel peinliche Unbedarftheit, wieviel vorauseilender Gehorsam gehört dazu, solche in der Sache völlig unbegründeten Positionen einzunehmen!

„Schwarzfahren“ hat natürlich nicht das geringste mit der Hautfarbe zu tun, dazu hätten ein paar Minuten Nachschlagen in einem guten Herkunftswörterbuch genügt.

Es gibt nämlich das alte, noch im 19. Jahrhundert bei Grillparzer belegte Wort „Schwärzer“, das einen Schmuggler bezeichnete oder – wie man früher sagte – einen „Schleichhändler“. Das Wort kommt vermutlich wie viele andere aus dem Rotwelschen, der Gaunersprache, die einst unter Bettlern und beim fahrenden Volk verbreitet war. Einer, der Tabak geschmuggelt hat, war ein „Tobacksschwarzer“, die Verben schwarzen oder schwerzen bedeuteten also soviel wie schmuggeln. Swerze war die Nacht, deshalb geht es bei den heutigen Wörtern Schwarzmarkt, Schwarzfahrer oder Schwarzarbeit immer um illegale Handlungen, die man zumindest früher im Dunkel der Nacht ausführte.

Was große Unternehmen wie Audi oder die Verkehrsbetriebe in München oder Berlin dazu bringt, sich bei kleinen Lobbygruppen anzubiedern, weiß ich nicht. Es ist mir auch ziemlich gleichgültig. Belehrbar sind sie ohnehin nicht. Aber vielleicht kann man ja den einen oder anderen Bewohner des Narrenhauses doch dazu bringen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Auch ein Narrenhaus hat ja eine Tür, durch die man hinaus ins Freie tritt, und es hat Fenster, die man öffnen kann, um frische Luft ins Dumpfe zu lassen.

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„Gemeine rächte Hetze“ in der taz? „Es ist vorbei, Baerbock!“

Merkwürdiges ereignet sich gerade in der deutschen Medienlandschaft. Da fordert eine gewisse Silke Mertins ausgerechnet in der taz, dem Zentralorgan des linksgrünen Lagers, unter der Überschrift „Es ist vorbei, Baerbock!“ Annalena Baerbock auf, von ihrer Kandidatur zurückzutreten und Robert Habeck das Feld zu überlassen. Sie sei „zu jung, zu unerfahren und politisch zu unreif“. Treffender kann man es eigentlich nicht sagen, aber viele taz-Leser empören sich darüber. Der Blogger Don Alphonso zum Beispiel wittert, so wörtlich, „gemeine, rächte Hetze in der Schmutzkampagne gegen Baerbock“. Und eine Leserin schreibt (hier in der Original-Orthographie wiedergegeben):

die alten weißem männer versuchen mit einer schmutzkampagne gegen die person baerbock ihre macht zu sichern. da sie inhaltlich keine antwort auf bestehende fragen habe, ist die strategie die person, die für antworten steht, als unglaubwürdig darzustellen. es wäre naive bis dumm zu glauben, dies würde bei einem anderen kandidaten anders werden. die einzige chance, den alten weißen männern ihre macht streitig zu machen, ist sie inhaltlich zu stellen und da verlange ich von den medien aufzuhören, nur über personen anstelle von inhalten zu berichten. es ist eine schande, dass auch die taz sich nicht zu schade ist bei diesem spiel mitzumachen.

Da klingt schon die (durchaus begründete!) Ahnung mit, daß es nichts wird mit der grünen Kanzlerschaft – nur liegt der Grund dafür nicht bei den mythischen „alten weißen Männern“ (übrigens einer der dümmsten urban legends der letzten Jahrzehnte), sondern bei einer ehrgeizigen, aber naiven und politisch unerfahrenen Frau, die nicht einmal ihre „innere Motivation“ in eigenen Worten ausdrücken kann. Einer „rächten Hetze“ bedurfte es da gar nicht.

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Schorle – was ist das eigentlich?

Jetzt, wo man endlich wieder einkehren und im Biergarten ein Kaltgetränk zu sich nehmen darf, ist die „Schorle“ wieder (buchstäblich) in aller Munde. Aber was ist eine Schorle – und wo kommt das Wort her?

Nach dem Duden handelt es sich bei der Schorle um ein

Getränk aus mit Mineralwasser gemischtem Wein oder [Apfel]saft.

Als Beispiele nennt er

(landschaftlich) saure Schorle (mit Mineralwasser verdünnter Wein oder Apfelsaft)
(landschaftlich) süße Schorle (mit Limonade gemischter Wein oder Apfelsaft).

Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der Mischgetränke, die man zur Zeit im Biergarten bestellen kann. Gehen wir einmal die beliebtesten dieser Getränke durch.

Mischgetränke mit Wein
Weinschorle ist eine Mischung aus Wein und Mineralwasser. Man kann den Wein aber auch süß (mit Zitronenlimonade) oder sauer (mit saurem Mineralwasser) trinken.

Mischgetränke mit Apfelwein
Wer – vor allem in Hessen – den Apfelwein nicht pur trinken will, mischt ihn mit Limonade, dann wird er ein Süßgespritzter, oder mit Mineralwasser, dann ist es ein Sauergespritzter.

Mischgetränke mit Bier
Die sind ebenfalls sehr beliebt, bei ihnen spricht man aber nicht von Schorle. Viele Namen sind nur regional verbreitet, andere kennt man inzwischen fast überall. Zum Beispiel Radler (Bier und Limonade), Diesel (Bier und Cola) oder Russ (Weizenbier und Zitronenlimonade).

Aber woher kommt jetzt das Wort Schorle?

Der heutige Online-Duden hält sich da heraus und sagt kurz und bündig: „Herkunft ungeklärt“. Im Etymologie-Duden ist es 1989 noch wortreicher zugegangen:

Laut Duden-Herkunftswörterbuch ist das Wort Schorlemorle eine seit dem 18. Jahrhundert zuerst als Schurlemurle in Niederbayern bezeugte Bezeichnung für ein Mischgetränk aus Wein und Mineralwasser. Die Herkunft des Wortes ist ungewiss; es handelt sich vielleicht um eine sprachspielerische Bildung, ähnlich wie die schon für das 16. Jahrhundert bezeugten Bezeichnungen für Bier scormorrium in Münster und Murlepuff in Straßburg. Das in Süddeutschland seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Schurimuri („aufgeregter, hektischer Mensch“) und das ältere niederdeutsche Schurrmurr („Mischmasch“) könnten damit verwandt sein.

Im „Kluge“, dem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache, heißt es:

Schorlemorle f./n., heute meist Schorle f. (18. Jh.). Bezeugt in verschiedenen Abwandlungen. Zugrunde liegt wohl mundartliches (wobd.) schuren (’sprudeln‘) mit Anpassungen nach allen Seiten.

Das Kleine Konversationslexikon von Brockhaus (1906) definiert das Getränk so:

Schorlemorle (Schurlemurle), Getränk aus Weißwein, Selterswasser, Zucker und Zitrone.

Also, halten wir fest: schon um 1740 nannte man in Franken ein Mischgetränk aus Wein und Mineralwasser „Schurlemurle“. Daraus ist wohl erst Schorlemorle und dann das heutige Wort „Schorle“ entstanden.

PS: Wer den Band „Reklame – Produktwerbung im Plakat 1890-1918“ (DB 104) der leider schon lange eingestellten Digitalen Bibliothek besitzt, findet dort ein Reklameplakat aus dem Jahr 1918, auf dem zu sehen ist, wie eine elegante Dame ihre Schorle schlürft. Der Text lautet: „Wein-Schorle – HERGESTELLT AUS PRIMA PFÄLZER WEISSWEIN“. Auch in einer Dichtung von Max Dauthendey (Bänkelsang vom Balzer auf der Balz, München 1904) wird der „Schorle Morle“ erwähnt. Und im „Fachbuch für Kellner“ (Leipzig 1962) heißt es zur Schorle: „Sie wird aus Weiß- oder Rotwein mit Selterswasser hergestellt und dann als Schorle weiß oder Schorle rot an den warmen Sommertagen als erfrischendes Getränk von unseren Gästen gern getrunken.“

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Annalena Baerbock: „Kein Sachbuch oder so …“

So langsam kommen mir Zweifel, ob Frau Baerbock überhaupt versteht, worum es in der Diskussion über ihr neues Buch geht. Sie hat darin, wenn die Presseberichte stimmen, ganze Absätze aus verschiedenen Quellen wörtlich oder fast wörtlich übernommen, ohne sie zu kennzeichnen. Bei einer wissenschatlichen Arbeit wäre das ein grobes Vergehen, das auch Folgen gehabt hätte. In einem Sachbuch, noch dazu, wenn es von einem Politiker stammt, nimmt man so etwas nicht ganz so ernst. Um ein Plagiat im rechtlichen Sinne handelt es sich also nicht. Aber Baerbock bestreitet mit einer merkwürdigen Formulierung, daß sie überhaupt ein Sachbuch geschrieben hat.

Ich hab kein Sachbuch oder so geschrieben, sondern das, was ich mit diesem Land machen will.

Wenn es kein Sachbuch ist, was ist es dann? Und wenn sie damit, wie sie sagt, „ihre persönlichen Ziele und ihre innere Motivation“ darstellen wollte, warum dann von anderen abschreiben? Wenn sie uns ihre „innere Motivation“ vorstellen will, dann soll sie das gefälligst auch in ihren eigenen Worten tun.

Oder kann sie das vielleicht gar nicht?

Gehört sie zu der Generation, die „im Internet recherchiert“, statt sich eigene Gedanken zu machen? Es geht hier doch nicht um Rechtliches, es geht um Ehrlichkeit und Anstand. Und es geht auch um Kompetenz und Lebenserfahrung. Wer in einer Bundestagsdebatte sagt, die SPD habe in den 60er Jahren „die Soziale Marktwirtschaft auf den Weg gebracht“, hätte vielleicht noch ein bißchen intensiver in einem guten Buch (oder notfalls im Internet) recherchieren sollen. Völkerrecht ist eben doch nicht alles.

Eine Politikerin, die ihr angeblich ganz „persönliches“ Buch aus (wie sie selbst sagt) „öffentlichen Quellen“ zusammenschustert, mag ja eine gerade noch akzepteble Parteichefin sein, aber – deutsche Kanzlerin? Wenn man bedenkt, was an internationalen Konflikten auf Deutschland, Europa und die Welt zukommt, von den zunehmend autoritären Staaten innerhalb der EU über das aggressive Rußland bis hin zu einem China, das sich offen zu seinen Welteroberungsplänen bekennt, dann graust es mich, ehrlich gesagt, wenn ich mir eine Annalena Baerbock als Kanzlerin meines Landes vorstelle.

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Menschen weiblichen Geschlechts

Ja, so steht es im Wikipedia-Artikel „Frau“:

Dieser Artikel behandelt Menschen weiblichen Geschlechts.

Ach, was waren das für schöne Zeiten, damals, als es noch Männer und Frauen gab – die Jüngeren werden sich daran gar nicht mehr erinnern. Heute verliebt sich ein Mensch männlichen Geschlechts in einen Menschen weiblichen Geschlechts – aber selbst das ist ja schon überholt. Ich bin eben immer noch viel zu heteronormativ.

Sie wissen nicht, was das ist? Die Wikipedia, die von Tag zu Tag jünger, weiblicher und fortschrittlicher wird, erklärt es Ihnen ganz genau:

Heteronormativität bezeichnet eine Weltanschauung, welche die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Zugrunde liegt eine binäre Geschlechterordnung, in welcher das anatomische/biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung gleichgesetzt wird. Das heteronormative Geschlechtermodell geht von einer dualen Einteilung in Mann und Frau aus, wobei es als selbstverständlich angesehen wird, dass eine heterosexuelle Entwicklung vorgesehen ist und damit der „normalen“ Verhaltensweise entspricht – andere Aspekte der menschlichen Sexualität werden oftmals pathologisiert. Damit können Homophobie und andere Formen der sozialen Menschenfeindlichkeit einhergehen.

Das waren mal wieder ein paar Zeilen aus dem feministischen Narrenhaus, in dem die Wikipedia mittlerweile viele Zimmer belegt (es werden täglich mehr).

Übrigens: gibt es denn keine Frauen mehr, die öffentlich dagegen protestieren, zu einem „Menschen weiblichen Geschlechts“ degradiert zu werden? Ist die Frauenpower jetzt zu einer „Power von menstruierenden Personen“ geworden? Und sind Frauen heute nicht Manns genug, sich gegen diesen pseudoakademischen Unfug zu wehren?

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