Putin spielt mit dem Feuer

Es ist eine Grunderfahrung der europäischen Geschichte: ein Regime, das im Innern autoritär und aggressiv verfährt, wird sich früher oder später auch nach außen autoritär und aggressiv verhalten. Das trifft auch auf das heutige Rußland zu.

Putin ist weiß Gott kein Demokrat. Seine Gerichte urteilen, wie er es will, die unabhängige Presse und die unabhängigen Fernsehsender hat er mittlerweile fast vollständig ausgeschaltet. Er kann in Rußland, übrigens auch mit dem Beistand der orthodoxen Kirche, schalten und walten, wie er mag. Wer ihm nicht genehm ist oder gar gegen ihn demonstriert, muß inzwischen mit mehrjähriger Lagerhaft rechnen.

Putin ist ein Despot geworden.

Jetzt prüft er nach Pressemeldungen die „Einsatzbereitschaft“ seiner Streitkräfte an der Grenze zur Ukraine. Es scheint, als warte er nur auf „Hilferufe“ der russischstämmigen Bevölkerung, um dann Teile der Ukraine gewaltsam heim ins russische Reich zu holen. Das alles hat er schon einmal gemacht: mit dem kleinen Georgien, dem er einen Teil seines Staatsgebiets einfach weggenommen hat. Die internationale Öffentlichkeit hat es damals hingenommen, auch weil sich die georgische Staatsführung nicht gerade geschickt verhalten hat. Die Nachsicht der Welt hat Putin vielleicht als Freibrief für künftige militärische Abenteuer mißverstanden.

Jetzt zündelt er wieder, weil er den Zerfall der Sowjetunion rückgängig machen möchte. Bis auf die baltischen Staaten, die gottlob fest in den Westen integriert sind, wird auch in der Zukunft kein Staat, der einmal zur Sowjetunion gehört hat, vor seinem Streben nach der alten Herrlichkeit gefeit sein. Dabei setzt er alle Mittel ein, die ihm zur Verfügung stehen: die Verweigerung von Krediten, Gaspreiserhöhungen, militärische Drohungen jeder Art.

So führt er Rußland, das selbst unter Jelzin, verglichen mit dem heutigen Zustand, noch ein Hort der Demokratie war, zurück in eine Autokratie, die schlimmer und gefährlicher ist als die der einstigen Zaren. Der Westen sollte ihm klarmachen, daß er es hier nicht mit einer kleinen Kaukasusrepublik zu tun hat.

Putin müssen Grenzen gesetzt werden.

Das eilige Verbot des Russischen als Amstsprache durch das ukrainische Parlament war gerade deshalb eine Dummheit ersten Ranges. Wer einem Putin solche Vorwände liefert, muß sich über die Folgen nicht wundern. Warum, um Himmels willen, soll man in Dörfern, deren Mehrheit schon immer Russisch als Muttersprache gesprochen hat, die russische Sprache verbieten? Das ist einfach nur eine dumme Schikane. Wenn man die Ukraine in ihren heutigen Grenzen erhalten will, muß man auch den Mut haben, auf die Menschen in Charkow, Donezk und auf der Krim zuzugehen. Sie sind mit ihrer Sprache und ihrer Kultur auch ein Teil der ukrainischen Geschichte.

Es wäre verhängnisvoll, wenn man jetzt den ukrainischen Nationalisten das Feld überlassen würde.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Auch Merkels Experten sagen: die Energiewende ist ein einziger Pfusch!

Heute bekommt die Kanzlerin ungeliebten Besuch: der von ihr selbst eingesetzte Expertenrat zur Förderung der „erneuerbaren Energien“ übergibt ihr sein Gutachten.

Es ist vernichtend ausgefallen.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), heißt es darin, sei „weder ein kosteneffizientes Instrument für den Klimaschutz, noch entfalte es eine messbare Innovationswirkung“:

Das EEG sorgt … nicht für mehr Klimaschutz, es macht ihn aber deutlich teurer.

Und weiter:

Aus beiden Gründen ergibt sich deshalb keine Rechtfertigung für eine Fortführung des EEG.

Leider ist es viel zu spät, die verheerenden Folgen dieses Pfusch-Gesetzes noch zu verhindern, denn die schon zugesagten Subventionen aus Steuermitteln sind für zwei Jahrzehnte garantiert. Die Kanzlerin hat also unsere Steuergelder (und zwar in atemberaubender Höhe!) zum Fenster hinausgeworfen – und zwar für nichts, wie ihr die eigenen Experten jetzt schriftlich bestätigen.

Dabei ist der Rat der Experten durch ihren Auftrag ohnehin auf das EEG begrenzt – was außerhalb dieses Rahmens liegt, haben sie nicht untersucht. Die beste Möglichkeit, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, wäre es aber, den Gordischen Knoten mit einem einzigen Hieb zu durchtrennen, also: die Mißgeburt, die wir euphemistisch als „Energiewende“ bezeichnen, rückgängig zu machen und den (besseren!) Status quo ante wiederherzustellen. Alles nämlich, was sich an Erwartungen und Versprechungen an diese Wende geknüpft hat, ist falsch: Ökologie und Nachhaltigkeit, Umkehr des Klimawandels, Innovationsschub usw. – das alles wird durch die Energiewende niemals kommen. Es verhält sich mit dieser Wende wie mit den ach so ökologischen, klimafreundlichen Energiesparlampen: außen hui, innen pfui. In unserer Gutmütigkeit, in unserem Verlangen, der Natur näher zu sein, haben wir uns von Merkel & Co. einen Bären aufbinden lassen. Allein schon der Abbau der (in allen Windkraftanlagen vorhandenen) Seltenen Erden in China mit seiner großflächigen Vergiftung von Boden und Trinkwasser sollte uns zeigen, daß wir unser gutes „ökologisches“ Gefühl auf Kosten anderer Länder erzeugen. Und natürlich auch auf Kosten unseres eigenen schönen Landes, das wir mit Windrädern und Monstertrassen für alle Zeit verschandeln.

Nicht nur die Ausführung der „Energiewende“ ist also ein grandioser Pfusch, nein: die ganze Energiewende selbst hält nichts von dem, was sie verspricht. Sie ist von Anfang bis Ende ein einziges Lügengebäude. Man muß in die Zeit des Humanismus zurückgehen und allen Bürgern zurufen: Sapere aude! Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!

Ein wohlig-grünes Gefühl ist eine schöne Sache. Aber wenn dieses Gefühl nur auf Lüge und Selbsttäuschung beruht, sollte man das Korrektiv des kritischen Verstandes einschalten. Die Politiker selbst (Merkel inklusive) werden das von sich aus nie tun, denn als Politiker zuzugeben, daß die eigene Entscheidung nicht nur falsch war, sondern zu geradezu verheerenden Folgen führt, käme einem politischen Selbstmord gleich.

Nutzen wir also endlich unseren Verstand! Er ist allemal verläßlicher als ein noch so wohliges Behagen im Bauch.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Natur, Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Ein kleines Selbstzitat mag erlaubt sein

Vor etwa anderthalb Jahren, am 30. Oktober 2012, habe ich an dieser Stelle einen Beitrag über ganz besonders dumme User-Meinungen zu Julia Timoschenko veröffentlicht.

Er endete so:

Aber auch wenn ich schon etwas älter bin, möchte ich auf jeden Fall noch erleben, daß der feine Herr Janukowitsch in genau die Zelle gesteckt wird, in der jetzt Julia Timoschenko sitzt.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß dieser Wunsch so schnell Wirklichkeit werden könnte. Doch Janukowitsch ist in der Ukraine zur Fahndung ausgeschrieben, und wenn ihn seine russischen Gönner nicht aufnehmen, wird er tatsächlich bald einsitzen.

Sit transit gloria mundi!

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Pfui Teufel – wie rassistisch wir sind! Vor allem gegen Lesben, Schwule, Transsexuelle!

Der Europarat hat Deutschland wieder einmal gerügt. Wir tun nicht genug gegen den Rassismus in unserem Land!

Es muß schön sein, in so einer europäischen Behörde zu sitzen: da ist man immer behäbig auf der Seite der Guten und kann es den Nationalstaaten einmal so richtig zeigen.

Deutschland ist nämlich, so lernen wir es aus dem neuesten Prüfbericht einer „Expertenkommission“ des Europarats, ein Hort des Rassismus. Es geht Schlag auf Schlag: die NPD, keine Sozialleistungen für alle (!) ohne Ansehen der Person, Ausweiskontrollen ohne Verdachtsgründe, die NSU-Morde, und natürlich: Thilo Sarrazin, das Gesicht des deutschen Rassismus schlechthin. Ach, das Wichtigste hätte ich fast vergessen: Lesben, Schwule, Transsexuelle!

Jetzt ist ja der Rassismus, wenn ich des Deutschen noch mächtig bin, eine Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Rasse. Aber bilden denn Lesben und Schwule jetzt eine eigene Rassse? Da bin ich wohl in meinem Wissen noch nicht so weit fortgeschritten wie die Expertenkommission des Europarats.

Aber betrachten wir die Sache einmal ernsthaft. Die vielen wunderbaren Menschen in den Institutionen, von der UNO über Brüssel bis hinunter zum Diskriminierungsbeauftragten von Hintertupfingen, entdecken auf einmal überall Diskriminierung und Rassismus. Wie gaht das an?

Natürlich gibt es in Deutschland, wie in fast allen Ländern der Welt, auch wirklichen Rassismus. Es gibt den Antisemitismus geistig armer Dumpfbacken, und es gibt, nicht nur in den neuen Bundesländern, die heimliche Neigung zum Negerklatschen. Aber dieser echte Rassismus, zu dem man unbedingt auch den Antisemitismus vieler islamischer Neubürger rechnen muß, hat bei uns die gesamte öffentliche Meinung gegen sich – und alle Organe des Rechtsstaats. Selbst die NSU-Morde, die vom Europarat gegen uns angeführt werden, sind ein denkbar schlechtes Beispiel: denn die dritte Gewalt hat, wenn auch reichlich spät, bewiesen, daß sie selbst so fürchterliche Taten auf rechtsstaatliche Art und Weise und mit der gebotenen Gründlichkeit aufarbeiten kann.

Und Thilo Sarrazin? Er hat Themen aufgegriffen, die von den Medien und der politischen Klasse aus schlechten Gründen viele Jahre lang tabuisiert worden sind. Sein Buch war ein Stich ins Wespennest. Ein Rassist ist er nun wirklich nicht.

Es gibt nämlich auch, das sollte man festhalten, einen dümmlichen Antirassismus, der dem Rassismus an geistiger Schlichtheit nicht nachsteht. Dieser politisch korrekte Antirassismus, der vor allem linke und grüne Hirne benebelt, schustert sich im Kopf eine honigsüße Realität zusammen, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat. Da ist die Welt von allerliebsten Flüchtlingen bevölkert, allesamt hochbegabt und arbeitswillig, und so lieb und gut, daß es fast nicht auszuhalten ist. Dieser süßliche und durch und durch korrekte Antirassismus ähnelt ein bißchen dem Philosemitismus, der in Deutschland (natürlich aus verständlichen historischen Gründen!) schon immer gang und gäbe war. Aber jeder gewendete Ismus dieser Art beruht auf einem Menschenbild, das nicht von dieser Welt ist. Und vor allem: man tut den Menschen unrecht, wenn man sie diskriminiert, aber man tut ihnen auch unrecht, wenn man sie ins Engelhafte überhöht und unter Naturschutz stellt.

Wir alle sind einfach nur Menschen. Ob wir nun Asylbewerber, Klempner, Chefärzte oder Gemüsehändler sind, das sagt alles über unseren moralischen Status herzlich wenig aus. Ob wir homo- oder heterosexuell sind: das ist nur ein Windhauch. Wenn wir von der Mehrheit diskriminiert werden, dann ist das schlimm genug – aber es macht uns noch lange nicht zu besseren Menschen.

Deutschland – da bin ich mit unserem Bundespräsidenten einig – ist ein gutes Land. Es ist hin und wieder fast ein bißchen zu gut, zu eifrig, zu streberhaft, es will oft ganz besonders glänzen in seiner moralischen Güte, aber – seien wir einmal ehrlich – es gibt Schlimmeres. Wir haben dieses Schlimme in unserer Geschichte oft genug erlebt.

Wenn man dann liest, wie sich hin und wieder die Vereinten Nationen, die EU und so manche Organisationen über uns beschweren (ich denke nur an den Foltervorwurf durch Amnesty International!), kann man nur den Kopf schütteln.

Es gibt überall auf der Welt so viel wirklichen Rassismus, und es gibt überall auf der Welt so viel wirkliche Diskriminierung – deren solltet ihr euch annehmen, liebe Experten des Europarats, statt hier in Deutschland etwas in den Krümeln zu suchen.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Der lustige Genosse Medwedew – nein, was haben wir gelacht!

Der russische Regierungschef hat wirklich Humor. Das glauben Sie nicht? Na, dann lesen Sie mal:

Falls sich Leute, die in schwarzen Masken und mit Kalaschnikow-Sturmgewehren durch Kiew schlendern, als Regierung bezeichnen, so wird die Arbeit mit einem solchen Kabinett sehr schwierig sein.

Hab ich zu viel versprochen? Ist doch ein lustiger Geselle, der Medwedew! Und besonders in der Ukraine wird man über seinen Humor aus vollem Halse gelacht haben.

Da haben am Donnerstag nämlich wirkliche „Leute in schwarzen Masken“ mit wirklichen Sturmgewehren auf wirkliche Menschen geschossen und mindestens 80 von ihnen mit gezielten Schüssen ermordet. Viele von ihnen sind mit ihren Gesichtern auf heimlich aufgenommenen Filmen zu sehen. Man wird sie fangen und vor Gericht stellen, und dann schauen wir einmal, ob sie nicht russische Ausbilder oder Kommandeure gehabt haben. Das wird spannend – auch für dich, Genosse Medwedew.

Vielleicht wird dir dann nämlich das Lachen im Halse steckenbleiben.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Mußt nicht traurig sein, Genosse Putin!

Jetzt hast du die Ukraine erst einmal verloren, das stimmt. Aber deine subtropischen Winterspiele in Sotschi – die kann dir keiner mehr nehmen! Selbst der neue deutsche IOC-Präsident hat dir nur Honig ums Maul geschmiert. Also: Kopf hoch!

Und seien wir mal ehrlich, Wladimir Wladimirowitsch: in der ukrainischen Angelegenheit hast du wirklich einen ganz schönen Bockmist gebaut. Hast bis zum letzten Stündchen auf den Janukowitsch gesetzt, der wirklich kein geistiges Schwergewicht ist. Und dann hast du dich auch noch wie ein gewöhnlicher Straßenräuber verhalten, der möglichst viel aus dem Land herauspressen will: Liebe zu Rußland vor allem, und blinden Gehorsam: alles gegen deine Rubel. Das haben die Menschen in der Ukraine überhaupt nicht gemocht. Die Russen im Donezk-Becken vielleicht, die saugen die Korruption mit der Muttermilch ein. Aber im Lemberg und Kiew, da warst du untendurch.

Und wirst es noch lange sein.

Ach, eine Bitte hab ich noch, Wladimir Wladimirowitsch: kannst du dich nicht von deinem Außenminister Lawrow trennen? Der benimmt sich nämlich, obwohl er doch der Herr über deine Diplomaten ist, nicht etwa diplomatisch, sondern wie ein Elefant im Porzellanladen. Gerade hat er dem Westen „Erpressung“ der Ukraine vorgeworfen, während doch du selbst, Genosse Putin, wie ein gewöhnlicher Krimineller die Ukraine zur Raison bringen wolltest – in etwa so: entweder ihr spurt, ihr Ukrainer, oder es gibt keinen müden Rubel für euch!

Na ja, war nicht sehr geschickt, dein Versuch, aber das weißt du ja selbst.

Aber eines wird dir bleiben, Genosse Putin: die Winterspiele in Sotschi. Wenn du schon die aufsässigen Ukrainer nicht in deine Botmäßigkeit hast zurückbringen können, dann scheint doch jetzt für lange Zeit ein bißchen olympischer Glanz auf dein Gemüt.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

„Ein Sturm entfacht“, schreibt Anne Peters in der Rheinischen Post

Gestern sind die Server von WhatsApp stundenlang nicht erreichbar gewesen, und natürlich gab es wieder einen Shitstorm der zornigen User. Das soll uns hier aber nicht interessieren. Interessant ist eher, was Anne Peters von RP Online dazu schreibt:

Auf Twitter entfachte ein Shitstorm.

Ja – deutsche Sprak, swäre Sprak. „Entfachen“ ist ein transitives Verb, es kann nicht leben ohne ein Objekt. Ich kann also ein Feuer entfachen, oder jemand kann in mir eine Leidenschaft entfachen. Aber ein objektloses Dasein fristen – das geht (bei diesem Wort) gar nicht.

Frau Peters, die sich gewählt ausdrücken wollte, meinte wohl: „Auf Twitter entflammte ein Shitstorm.“ Aber der Satz steht immer noch falsch auf der Seite. Und bleibt da wohl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Also, in mir entfacht so etwas zugleich Zorn und Traurigkeit, weil die Sprache – vor allem bei unseren Online-Journalisten – immer schludriger wird. Traurig ist das, weil vor allem junge Menschen (leider!) ihre Informationen eher aus dem Internet als aus einer gedruckten Zeitung beziehen. Sie bringen sich so um eines der schönsten Vergnügen, die das Leben bietet: regelmäßig morgens in der Tageszeitung zu blättern, die interessanten Artikel zu lesen – und dann bestens informiert zu sein.

Aber gerade deshalb, weil das Internet auch als Informationsquelle immer wichtiger wird, müssen Online-Journalisten, wenn sie ihre Verantwortung für die Sprache wahrnehmen, ganz besonders auf ihre Worte achten.

PS: Der Artikel ist inzwischen (Sonntag, 11.45 Uhr) nicht mehr auffindbar, was aber sicher nicht an seiner Sprache, sondern an einer aktualisierten Version liegen dürfte.

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Die ukrainische Revolution

Was gerade in der Ukraine passiert, hat es in Europa lange nicht mehr gegeben: da entschließt sich ein Volk, seinen Blutsauger loszuwerden und läßt sich auch von Scharfschützen keine Angst mehr einjagen. Im Gegenteil: die hemmungslose Gewalt des Regimes hat die Entschlossenheit der Ukrainer, ihr korruptes Regime loszuwerden, nur noch beflügelt.

Inzwischen ist Janukowitsch in den Osten des Landes geflüchtet. In Lemberg und Kiew hat das Volk praktisch die Regierungsgewalt übernommen, das Parlament ist, fast über Nacht, zu einem revolutionären Parlament geworden und hat Janukowitsch abgesetzt. Die Vertreter des Volkes sitzen jetzt an den Schaltstellen der Macht, Julia Timoschenko, die ärgste Widersacherin des Präsidenten, ist frei. Die Polizei ist geschlossen zur neuen Macht übergelaufen.

Die „Vereinbarung“ zwischen Janukowitsch und den drei europäischen Außenministern ist damit in gewisser Weise schon wieder obsolet geworden. War sie darum überflüssig? Ganz und gar nicht! Die Hartnäckigkeit, mit der Steinmeier, Fabius und Sikorski den immer ratloser wirkenden Janukowitsch bedrängt haben, verdient größte Anerkennung. Und es ist auch bezeichnend, daß nicht irgendein EU-Funktionär das erreicht hat, sondern drei Außenminister, die in eigener Verantwortung die schwere Mission auf sich genommen haben. Europa, das zeigt sich auch hier wieder, lebt eben nicht durch seine bürokratischen Organe, sondern allein durch die Kultur und Traditionen (und den Mut!) seiner Vaterländer. Ein Europa der Vaterländer im friedlichen Austausch und im kulturellen  Miteinander – das ist das Europa, das ich mir wünsche. Die EU kann mir, mit Verlaub, den Buckel herunterrutschen.

Was Steinmeier und seine Kollegen erreicht haben, hat die Flucht des Präsidenten und die Machtergreifung des Volkes im Westen der Ukraine erst möglich gemacht. Die Menschen auf dem Maidan, die Klitschko und die anderen deswegen ausgebuht haben, werden das, glaube ich, verstehen, sobald die erste Enttäuschung gewichen ist. Nicht auszudenken, was dieser Präsident noch an Unheil angerichtet hätte, wäre er nicht durch den Mut des ukrainischen Volkes und die Überzeugungsarbeit der europäischen Außenminister in die Schranken gewiesen worden.

Gewonnen ist freilich noch nichts. Putin und sein Geheimdienst werden alles tun, um die Ukraine wieder zu einem Vasallen von Mütterchen Rußland zu machen. Es hängt jetzt viel vom Geschick der europäischen Staaten und von der Klugheit der Ukrainer ab.

Drücken wir dem Land die Daumen!

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Genosse Putin läßt scharf schießen

Nein, einen Beweis dafür wird es erst einmal nicht geben – aber die Hinweise, vor allem vom ukrainischer Seite, verdichten sich, daß russische Soldaten und „Spezialisten“ schon lange in der Ukraine sind und sich jetzt aktiv an der Niederschlagung des Volksaufstandes beteiligen. Man kann nur hoffen, daß einige der Scharfschützen, die von Dächern und Fenstern aus auf Zivilisten schießen, gefaßt werden, damit man ihre Identität feststellen kann.

Der infamste Kriegshetzer ist im Moment der Genosse Putin. Während die „Jugend der Welt“ in Sotschi unter seinen Augen fröhliche Spiele treibt, fordert er in immer dreisteren Worten die Ausmerzung jedes Widerstandes gegen seinen Freund Janukowitsch. Der solle sofort „die Ordnung wiederherstellen“. Und wie immer droht und lockt er zugleich: seinen Genossen Medwedew läßt er erklären, daß Rußland „nur mit effektiven Regierungen zusammenarbeiten“ könne. Das heißt: die nächsten Rubel gibt’s nur, wenn der Aufstand gegen Janukowitsch niedergeschlagen ist.

Schon die Wortwahl des ukrainischen Innenministers zeigt, daß er Putin gehorchen wird. Seine Scharfschützen haben auf dem Maidan allein heute an die hundert Zivilisten ermordet. Man wird die Mörder, da bin ich sicher, zur Rechenschaft ziehen, samt ihren Befehlshabern bis hinauf zum Präsidenten. Nicht heute, und auch nicht morgen, aber sie werden nicht davonkommen. Und den Genossen Putin, den „lupenreinen Demokraten“ (Schröder), sollte man nicht etwa in eine Lösung einbeziehen, sondern ächten.

Denn nicht nur der ist ein Mörder, der die Waffe abfeuert. Ein Mörder ist auch, wer andere durch Druck und Lockungen zum Morden ermuntert.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Janukowitsch – oder: die Hure und ihr Zuhälter

Der Janukowitsch ist viel mehr als nur der Janukowitsch.

Er verkörpert einen Typus von Herrscher, wie er gerade in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion fast zur Regel geworden ist: nicht sehr intelligent, aber bauernschlau und (was den eigenen Vorteil anlangt) von erstaunlicher Raffinesse, ein Familienmensch, der selbst durch und durch korrupt ist und alles in seinem Umfeld korrumpiert. Die Erfahrungen seiner Jugend haben ihn geprägt: da war er ein kleiner Krimineller, und sicher war es damals schon sein sehnlichster Wunsch, einmal ein richtig großer Krimineller zu werden.

Er hat es geschafft.

Seine Familie und die Schutzbefohlenen haben in kürzester Zeit einen unvorstellbaren Reichtum zusammengerafft. Kaum wiedergewählt, hat er alles vernichtet, was ihm hätte gefährlich werden können: die Oppositionsführer im Gefängnis, die Presse mundtot oder doch zumindest eingeschüchtert, die Justiz gehorcht ihm aufs Wort.

Wohlig saß er schon im gemachten Nest, der Janukowitsch, und dachte wohl, er habe die Zeit angehalten und alles, alles ginge jetzt immer so weiter. Und genau da zeigt es sich, daß die Bauernschläue doch nur eine sehr niedrige Form der Intelligenz ist. Denn der Mensch will immer ein freier Mensch sein. Da kannst du tausend Feinde ins Gefängnis stecken, und kaum sitzen sie im Loch, schon kommen zehntausend neue und strecken dem Herrscher ihre Fäuste entgegen. Was macht da einer wie der Janukowitsch?

Erst einmal muß man sagen: einer wie der Janukowitsch braucht einen Beschützer. So wie die Hure ihren Zuhälter hat, so hat ein Janukowitsch seinen Putin. Jetzt, wo ich das hinschreibe, merke ich erst, wie treffend dieser Vergleich ist. Denn: so ein Zuhälter hat ja immer Zuckerbrot und Peitsche zur Hand. Einmal spielt er den zärtlichen Liebhaber, dem nichts über das Wohl seines fleißigen Schützlings geht, dann – wenn sie nicht spurt – setzt es eine Tracht Prügel. Der Zuhälter sitzt immer am längeren Hebel. Seine Methoden sind vielfältig, er ist erfinderisch. Dem Zuhälter geht es um mehr als nur um das Geld, das sein Pferdchen verdient – es geht ihm vor allem um die Macht. Und diese Macht kostet er aus!

Da haben wir doch den ganzen Putin in einer einzigen Metapher: einmal lockt er mit seinen Milliarden (aber nur, wenn der Janukowitsch hübsch brav ist und sich keinen neuen Beschützer aussucht!), dann wieder schmollt er und zieht seine Versprechen zurück, und nur wenn er spurt, der Janukowitsch, überweist er ihm wieder ein paar Milliarden.

Aber der Janukowitsch hat ein Problem, und das ist das undankbare ukrainische Volk. Statt ihm zu huldigen, erhebt es sich gegen ihn. Was tun?

Einer wie der Janukowitsch ist ja kein blutrünstiger Diktator, er versucht zu lavieren. Er läßt sogar ein Parlament wählen! Gewalt stört ihn nur in seiner Lebensplanung, denn im Grunde will er doch nur zwei Dinge: die Macht behalten und weiter Geld raffen. Wenn man ihm beides gewährt, gibt er den jovialen Landesvater. Wenn aber das Volk aufbegehrt und er nicht mehr weiter weiß, hört er auf seinen großen Beschützer.

Aber der hat leicht reden. Moskau brennt ja nicht. Kiew brennt.

Also: wenn einer in so einer Situation ist wie jetzt der Janukowitsch, dem das Haus über seinem Kopf zusammenstürzt, dann kann man fast ein bißchen Mitleid mit ihm haben.

Aber nur fast.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar