Die „Wahlen“ in der Ostukraine und der Genosse Mao Tse-tung

Ich kann mich nur wundern, wie man selbst im heute-journal immer wieder von „Wahlen“ in der Ostukraine spricht – ganz ohne hörbare Anführungszeichen. Es findet doch dort nicht schon deshalb eine „Wahl“ statt, weil Menschen irgendwelche Zettel in irgendwelche Urnen werfen. Um demokratische Wahlen handelt es sich nur, wenn sie frei, allgemein und geheim sind.

Eine Wahl, die von bewaffneten (und immer noch vermummten!) Banditen beaufsichtigt wird, mag ganz nach Putins Geschmack sein – aber es ist keine Wahl, sondern eine Farce, eine Schmierenkomödie.

Putin freilich hat von einem der furchtbarsten Führer des 20. Jahrhunderts gelernt: von Mao Tse-tung. Der hat in seinem Aufsatz „Probleme des Krieges und der Strategie“ (Ausgewählte Werke, II, S. 261) folgendes geschrieben:

Jeder Kommunist muß diese Wahrheit begreifen: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“

Und genau das Putin in den ostukrainischen „Volksrepubliken“ verwirklicht. Nicht eine Demokratie herrscht dort, sondern eine Banditokratie.

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Das „troja zeug“ – Ein Beispiel für digitale Demenz bei Schülern

Ein Schüler soll einen einfachen kleinen Satz aus dem Deutschen ins Lateinische übersetzen. Dazu ist er zu faul, also fragt er in einem Internetforum nach. Auf die Idee, sein Hirn einzuschalten oder ein Wörterbuch zu benutzen, kommt er gar nicht erst.

Eine der ersten Antworten lautet (alles in der Original-Orthographie der Herren Gymnasiasten):

Wir haben uns sachen ausm netz gezogen oder wenn es dass nicht gibt dann übersetzungen als buch/heft kaufen das ist auf jeden fall praktischer gibt es aber auch nur bei größeren sachen wie zB dem troja zeug

Er bekommt den Rat, den Satz zu googeln – „die ersten 3 wörter reichen meistens“.

Die Antwort des ratlosen Lateinschülers:

google spuckt auch nix aus. naja noch nen halbes jahr und ich hab mein latinum und ich glaube ich hab noch nie wirklich was selber übersetzt.

Da klingt fast ein bißchen Stolz mit. Das Entsetzen vieler Professoren über die geistige und moralische Reife der Erstsemester, die sich auf diese Weise den Zugang zur Universität ergaunert haben, kann man verstehen.

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Gauck und „Die Linke“

Natürlich regt sich die Linkspartei über den Bundespräsidenten auf.

Zurecht!

Allein schon seine Existenz und erst recht die Tatsache, daß ein Bürgerrechtler der DDR (und ein Pfarrer!) ein solches Amt bekleidet, muß die alten Genossen in Rage versetzen. Die Wahrheit ist nämlich, daß die Linken – ungeachtet der Versicherung der Treue zur Demokratie – immer noch in einer untergegangenen Welt leben. Selbst die jungen Genossen hier im Westen, die nie in der DDR gelebt haben, reden und argumentieren, als hätten sie ihr ganzes Leben dort zugebracht – oder doch wenigstens so, als seien sie treue Mitglieder der DKP und allseits gebildete sozialistische Persönlichkeiten gewesen.

Was Joachim Gauck über die (wahrscheinliche) Wahl Bodo Ramelows zum thüringischen Ministerpräsidenten sagt, ist doch milde genug (ich hätte mir eine kräftigere Wortwahl gewünscht).

Sehen wir uns die beiden beanstandeten Sätze einmal an:

Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren.

Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?

Das ist, finde ich, sehr diplomatisch ausgedrückt, aber die Linke hat verstanden, daß nur sein Amt Gauck genötigt hat, sein Unverständnis über eine solche Wahl so zurückhaltend zu formulieren. Sie erkennt natürlich den Subtext – und ist verstimmt.

In Wahrheit, seien wir einmal ehrlich, ist und bleibt die Linke ein Sammelbecken alter Genossen, und es ist kein gutes Zeichen, daß die jungen Genossen, wenn sie aus dem Munde heraus reden, von den alten kaum zu unterscheiden sind.

Es sind immer noch die verstaubten alten Sprüche aus SED- und DKP-Zeiten, und alles, was sie öffentlich sagen (und in ihr Parteiprogramm schreiben), zeigt überdeutlich, daß sie historisch unbelehrbar sind.

Gauck durfte das so nicht sagen, aber wir dürfen es. Und wir dürfen auch sagen, daß die Unterwürfigkeit der SPD, die offenbar keine Moral und keine politische Vernunft mehr kennt, wenn es gilt, an der Macht zu bleiben, mehr als beschämend ist. Von den Grünen ganz zu schweigen, die ohnehin für einen Menschen mit gesundem Menschenverstand nicht mehr wählbar sind.

Armes Thüringen!

PS:  Daß Ralf Stegner den Bundespräsidenten kritisiert, ehrt ihn – nein, nicht Stegner, es ehrt Joachim Gauck. Von Stegner womöglich gelobt zu werden, das hätte der Bundespräsident wirklich nicht verdient.

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Stolz, schwul zu sein?

Tim Cook ist seit über drei Jahren der Chef von Apple, und er hat sich jetzt mit diesen Worten geoutet:

Ich bin stolz, schwul zu sein, und ich sehe es als eines der größten Geschenke an, die Gott mir gegeben hat.

Stolz, schwul zu sein? Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Ich bin jedenfalls nicht stolz darauf, heterosexuell zu sein – ich bin es einfach. Wie könnte ich auf etwas, das mir die Natur zugeteilt hat, stolz sein? Ich kann mich darüber freuen (oder auch nicht), aber darauf stolz sein? Nein.

Stolz kann man doch nur auf eine Leistung sein, die man erbracht hat!

Sonst könnte ich auch stolz darauf sein, ein Linkshänder oder ein Weißer oder wer weiß was zu sein.

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„10,5 Jahre Haft“

FOCUS Online ist eine Seite so richtig nach dem Herzen des Sprachkritikers. Deshalb muß ich sie heute schon zum zweiten Mal rühmen.

Da liest man nämlich, der „Autobahnschütze“ sei

zu 10,5 Jahren Haft verurteilt

worden. Hat man das im Deutschen je gehört – „10,5 Jahre Haft“? Zehn Jahre und sechs Monate: das wäre die übliche Schreibweise gewesen. Warum der namenlose FOCUS-Journalist daraus eine Dezimalzahl gemacht hat, bleibt unbekannt. Platzprobleme können es in der Online-Ausgabe ja nicht gewesen sein.

Wahrscheinlich war es nichts anderes als der Drang zum Sprachschöpferischen.

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„Alarm über der Baltischen See“?

Das liest man heute auf FOCUS Online – auch vom „Baltischen Meer“ ist die Rede.

Deshalb eine kleine geographische Handreichung für die Kollegen: dieses Gewässer heißt im deutschen Sprachgebrauch seit jeher Ostsee. Nur die Römer haben es Mare Balticum genannt, und auf englisch heißt es Baltic Sea. Aber deutsch ist und bleibt es die Ostsee.

Basta!

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„Mit mir wird es keine PKW-Maut geben“

Das sagte die Kanzlerin letztes Jahr klipp und klar.

Sie hat gelogen.

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Oettingers furchtloser Ritt mitten hinein ins Neuland

Günther Oettinger, der designierte EU-Kommissar fürs Digitale, ist offiziell noch gar nicht im Amt, und schon geht er unerschrocken daran, eines der schwierigsten Probleme der digitalen Welt zu lösen: das Urheberrecht im Zeiten der unendlichen Reproduzierbarkeit von Dateien.

Ich habe vor einiger Zeit über dieses Problem geschrieben (hier nachzulesen) und bin schon damals zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Lösung fast unmöglich ist. Sie wäre selbst bei gutem Willen auf beiden Seiten – also bei den Internetnutzern auf der einen und den Autoren und ihren Vertretern auf der anderen Seite – nur schwer möglich, aber dieser gute Wille ist weder hüben noch drüben vorhanden, die Zeichen stehen seit vielen Jahren auf Konfrontation.

Oettinger kümmert das alles wenig: in einem guten Jahr (!) will er schon einen fertigen Gesetzentwurf vorlegen, der das Urheberrecht in Europa harmonisiert. Sein Zauberwort heißt: Urheberrechtsabgabe. Wer geistiges Eigentum online nutzt, so faßt es der Spiegel zusammen, der soll dafür auch zahlen. Das läuft auf eine Pauschalgebühr für alle hinaus, also eine Art Internet-Maut.

Oettinger, so könnte man es auch ausdrücken, gibt jetzt den Dobrindt.

Beide sind einander ja auch intellektuell ebenbürtig.

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Die „Affäre Nuhr“ ist in Wirklichkeit eine „Affäre Islam“

Was darf Satire? Das ist eine alte Frage, die niemand endgültig beantworten kann. Man kann wunderbar darüber streiten, aber an einem Ort sollte man nicht darüber streiten: vor Gericht. Wenn man nämlich anfängt, Humoristen, Satiriker, Kabarettisten vor Gericht zu zerren, muß man sich um die Demokratie Sorgen machen.

Und noch etwas sollte man berücksichtigen: Geschmacklosigkeiten bestraft man nicht in einem Prozeß, man bestraft sie durch Verachtung – zum Beispiel, indem man an solchen Stellen nicht applaudiert. Wir haben ja inzwischen eine ganze Generation von Comedians unter uns, die kaum etwas anderes kann außer eben: geschmacklos sein. Das Niveau ihrer Witze geht meistens über das eines 12jährigen Klassenclowns nicht hinaus, es ist nur ein dummes Blödeln, ein Herumalbern, ein Wühlen unterhalb der Gürtellinie, und daß man damit ganze Hallen füllen kann, gehört zu den großen Geheimnissen der Gegenwart.

Satirische Geschmacklosigkeiten über den christlichen Glauben gibt es (in Wort und Bild) seit langem wie Sand am Meer (man denke nur an das unsägliche Titanic-Titelbild über Papst Benedikt vor zwei Jahren). Fast niemand regt sich mehr darüber auf, und das hat auch sein Gutes, denn Aufmerksamkeit und „Skandal“ (und natürlich mehr verkaufte Auflage!) ist alles, was solche Provokateure wollen, und die größte Strafe, die ihnen widerfahren kann, ist: Mißachtung und Stillschweigen.

Stell dir vor, einer will auf Biegen und Brechen provozieren – und keiner beachtet ihn. Das ist die Höchststrafe!

In einer freien Gesellschaft hat man eben auch die Freiheit, geschmacklos zu sein. Man darf ungestraft dummes Zeug reden. Das ist nicht immer schön, es ist auch oft ungerecht, und manchmal tut es richtig weh. Aber wer das nicht erträgt, ist noch nicht in der Gegenwart angekommen – so wie der Herr Toka aus Osnabrück. Vom Todesurteil gegen Salman Rushdie über die üblen Mordversuche an den dänischen Karikaturisten bis zur Klage gegen Dieter Nuhr – da fließt unter Muslimen ein breiter Strom, der jedes Lachen, jede Satire gegen die eigene Religion, ja sogar gegen die haarsträubendsten Auswüchse und Verbrechen dieser Religion unter Strafe stellen will. Vom Prozessieren bis zur Todesdrohung: jedes Mittel ist ihnen recht, um dem Islam eine Sonderstellung zu verschaffen. Über alles und jeden darf man lachen – aber nicht über den Islam.

Manche Kabarettisten haben die Schere schon im Kopf, und die Sorge um die eigene körperliche Unversehrtheit ist ja nicht ganz unbegründet. Dagegen kann man letztlich nur angehen, indem man die Schere schleunigst entfernt – und mit dem Islam genauso umgeht wie mit allen anderen Religionen.

Der Islam ist ja am Ende nichts anderes als eben: nur eine von vielen Religionen. Einen Anspruch auf Sonderbehandlung, auf eine ganz besondere Rücksichtnahme gegenüber den anderen Religionen hat er nicht.

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Unterbelichtete Männer und tolle Frauen bei Günther Jauch

Es stimmt ja: Günther Jauch ist in letzter Zeit bei vielen Themen überfordert. Aber die Fernsehkritik, die heute die Spiegel-Redakteurin Hannah Pilarczyk über seine Sendung abliefert (hier nachzulesen), ist auf eine andere Art genauso ärgerlich. Sie ist nämlich ein abschreckendes Beispiel für feministischen Journalismus im schlechten Sinne des Wortes.

Sehen wir uns einmal ihre Wortwahl an – streng geschlechtsspezifisch. Beginnen wir mit den Männern.

Günther Jauch werden folgende Eigenschaften zur Last gelegt:

unterbelichtet
wie ein schrulliger Onkel, der kurz aus seinem Hobbykeller herausgekommen ist
schwurbelte etwas
hat sein eigenes Thema nicht durchstiegen
reaktionär
Onkel Jauch

Ranga Yogeshwar kommt nicht besser weg:

steuert den Gruselfaktor bei
beschwor immer wieder das Unnatürliche und Ungewisse des Eingriffs
in gefährlicher Nähe zu Positionen von Sibylle Lewitscharoff und ihrem Ekel vor künstlich gezeugten Kindern

Wie anders dagegen die weiblichen Diskussionsteilnehmer:

die klugen Frauen in der Runde
nüchtern
gut informiert
offen, ohne peinlich intim zu werden
die tolle Elisabeth Niejahr
ein echter Punktsieg.

Also: Frauen sind nüchtern und gut informiert, Männer sind unterbelichtet und schwurbeln, sobald sie den Hobbykeller verlassen. Ob Frau Pilarczyk diese Art von Journalismus damals bei der taz gelernt hat?

PS:  Wer über Jauchs Talkshow eine ganz andere Meinung hören will, lese die TV-Kritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (hier) – übrigens auch von einer Frau geschrieben.

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