Lieb Abendland, magst ruhig sein

Mich packt jedesmal das kalte Grausen, wenn ich sehe und höre, wer hier bei uns das „christliche Abendland“ retten will.

Bevor Höcke, Storch und Petry zu seiner Rettung schreiten, sollte das Abendland besser in Würde untergehen.

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Rohkost? Das war einmal – jetzt heißt es Raw Food!

Namen sind in unserer Werbe- und Glitzerwelt keineswegs Schall und Rauch, ganz im Gegenteil: erst durch den richtigen, zum Lifestyle passenden Namen wird eine Sache sexy, wie man heute sagt.

Nehmen wir die gute alte Rohkost. Schon in meiner Kindheit in den 50er Jahren hatte sie hie und da ein paar Anhänger, die damals freilich als harmlose „Spinner“ galten. Dann wurde es still um sie. Heute feiert die Rohkost ihre Wiederauferstehung. Warum? Sie heißt jetzt Raw Food! Es ist zwar immer noch dieselbe Rohkost, aber, wie man hier nachlesen kann,

mit mehr Spaß, Kreativität und Genuss bei der Sache.

Was immer dieser sprachliche Quark bedeuten soll.

Ganz ähnlich ist es dem Apfelwein (auf gut Hessisch natürlich Ebbelwoi) ergangen, der hier im südlichen Hessen ein beliebtes Getränk ist. Als der Absatz immer mehr zurückging, führte man mit gewaltigem Werbeaufwand den Namen Äppler ein. Und schon war das Altherrengetränk für die Jugend wieder attraktiv – sexy eben.

So leicht gehen unsere jungen Mitbürger der Werbebranche auf den Leim.

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Der tschechische Kardinal Duka – wirklich ein feiner Christenmensch

Dominik Kardinal Duka, der Erzbischof von Prag, hat sich in einem Interview (hier nachzulesen) ausdrücklich hinter die flüchtlingsfeindliche und unchristliche Politik der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) gestellt.

Ein Kernsatz des frommen Mannes:

Mitgefühl und Emotion ohne vernünftiges Verhalten führen in die Hölle.

Ja, muß dann unsere Kanzlerin jetzt zur Hölle fahren? Mitsamt den Zehntausenden ehrenamtlichen Helfern, die sich um die Kriegsflüchtlinge kümmern? Oder muß nicht doch eher der tschechische Kardinal zur Hölle fahren?

Wer weiß das schon.

Tschechien, sagte der Erzbischof, verfüge „weder über genügend Lehrer noch ausreichend Dolmetscher“. Tschechien sei „nicht in der Lage, viele Flüchtlinge aufzunehmen“, betonte Duka.

Wir haben hierfür keine Tradition und auch keine Leute, die mit den Flüchtlingen kommunizieren könnten.

Ach, Tschechien kann also „nicht viele Flüchtlinge“ aufnehmen? Die Wahrheit ist: es hat keinen einzigen aufgenommen, und der fromme Mann rechtfertigt das auch noch.

Interessieren würde mich einmal, was Papst Franziskus zu einem solchen Hirten sagt.

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Kanzler Faymann zurückgetreten – kein Platz mehr für ihn im mikl-leitnerischen Österreich

Der österreichische Bundeskanzler Faymann ist zurückgetreten. Eine Überraschung ist das nicht.

Ich sehen morgens um neun immer die ZIB (die österreichische Tagesschau), und da war vom Kanzler seit langem kaum mehr die Rede – als gäbe es ihn gar nicht mehr. Das einzige Gesicht, das sich immer bereitwililg vor jede Kamera stellte, war das der unsäglichen und rabiaten Innenministerin Mikl-Leitner, die übrigens vorher als Unternehmensberaterin und Trainee für die Wirtschaft tätig war. Sie hat Österreich (wenn nicht das Abendland!) ganz im Sinne ihres ungarischen Freundes Orban mit Mauer und Stacheldraht vor den eindringenden Flüchtlingshorden gerettet und auch die Befestigung der Grenze am Brenner noch in die Wege geleitet.

Man sieht: eine echte Europäerin neuer Prägung. Ihre Ersetzung durch einen anderen Amtsträger hat am Kurs des Alpenlandes nichts geändert.

Und Faymann, der als Kanzler doch die Richtlinien der Politik bestimmt? Er ist schon lange verstummt. Daß er jetzt zurückgetreten ist, fällt kaum mehr auf.

Am besten schließt sich jetzt Österreich wieder mit Ungarn zu einem neuen „Österreich-Ungarn“ zusammen, dem sich dann nicht nur die ganze Visegrad-Gruppe, sondern auch das Seehofersche Bayern anschließen kann. Das alles sind wahrhaftig keine Freimaurer, aber doch immerhin Maurer: nachdem es 1989 gelungen ist – gleichsam im Zuge eines historischen Wunders – die trennenden Mauern in Europa niederzureißen, baut diese neue Generation  von „Europäern“ überall an neuen Mauern und igelt sich ein.

Auch wenn man das wahrscheinlich nicht verhindern kann: seine Abscheu darüber ausdrücken darf man.

Und das tue ich hiermit.

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Hallo, Berlin! Aufwachen!

In der Türkei sind zwei unliebsame Journalisten mit fadenscheinigen Begründungen zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Der Ermordung durch einen Nationalisten aus Sivas, einer Stadt, die auf der ganzen Welt durch das „Massaker von Sivas“ berüchtigt ist, sind die Journalisten kurz vor der Urteilsverkündung nur knapp entgangen.

Berlin aber schweigt. Es wird immer deutlicher, daß die deutsche Regierung nicht nur erpreßbar geworden ist, sondern tatsächlich erpreßt wird.

Einen anderen Grund für ihr Schweigen zu den unverfrorenen Verletzungen der Menschenrechte durch das Erdogan-Regimes gibt es nicht.

Das feige Schweigen in Berlin und den anderen europäischen Hauptstädten – ist das nicht der Beweis für all das, was Papst Franziskus über die „unfruchtbare Großmutter“ Europa gesagt hat? Da muß man dann aber auch nicht zu Preisverleihungen mit (peinlichen) Sonntagsreden in den Vatikan fahren und sich (wie Merkel) vom Papst „beeindruckt und ermutigt“ zeigen.

Nein, auf Europa kann man im Moment nicht stolz sein.

Und auf das hilflose Taktieren der Berliner Regierung schon gar nicht.

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„Machtkampf“ in Ankara?

So steht es in fast allen Zeitungen. Aber das ist sprachlicher Unfug: einen „Machtkampf“ kann es nur dann geben, wenn die, die gegeneinander um die Macht kämpfen, auch annähernd gleich stark sind, so daß der Ausgang ungewiß ist.

Das kann man angesichts der faktischen Allmacht des Sultans nun wirklich nicht sagen. Auch der devote Ton, in dem Davutoglu seinen Rücktritt bekanntgegeben hat, verbietet es, hier allen Ernstes von einem „Machtkampf“ zu reden.

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Der allmächtige Sultan

Für Erdogan war Davutoglu immer nur ein Handlanger (so wie Medwedew für Putin). Wenn ein Handlanger zu aufmüpfig wird, gibt man ihm einen Fußtritt.

Jetzt ist also Erdogan der Allmacht noch näher gekommen. Über ihm steht nur noch der Prophet, unter ihm das Volk, das ihm die Hand küssen und ihn wiederwählen darf.

Oppositionelle Politiker, Polizisten, Staatsanwälte, Richter, Journalisten, die ihm gefährlich werden könnten, hat er längst unter fadenscheinigen Gründen ins Gefängnis geworfen.

Jetzt möchte ich aber doch einmal etwas aus dem Munde der Kanzlerin hören – und nicht etwa wieder nur: daß es sich hier um „die inneren Angelegenheiten der Türkei“ handelt. Wenn der Herrscher eines NATO-Mitglieds jeden ins Gefängnis wirft, der Widerworte sagt und den muslimischen Putin gibt, dann ist das keine innere Angelegenheit seines Landes.

Welche Menschrechte, welche Freiheiten kann man denn zusammen mit einem solchen Mann verteidigen?

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Merkel und Böhmermann – wer hat da wen filetiert?

Die Kanzlerin, so drückt es der selbsternannte, aber nur mäßig begabte „Satiriker“ Böhmermann aus, habe ihn filetiert. Was will der Dichter damit sagen?

Filetieren bedeutet nach dem Duden (hier nachzulesen)

Filets aus dem Fleisch von Schlachttieren, Fisch, Geflügel oder Wild herauslösen.

Kokettiert Böhmermann damit, daß er zu einem „Schlachttier“ geworden ist? Aber welche Filets hätte dann die Kanzlerin aus ihm herausgelöst?

Es gibt laut Duden noch eine zweite Bedeutung, die freilich noch unzutreffender ist:

Profitable Bereiche aus dem Unternehmen herauslösen und gewinnbringend weiterverkaufen.

Wir werden also nie erfahren, warum sich Böhmermann „filetiert“ fühlt. So unpräzise sollte sich jedenfalls ein Satiriker, dessen einziges Werkzeug ja das Wort ist, niemals ausdrücken.

Die Wahrheit ist viel einfacher: Böhmermann hat ein erbärmlich schlechtes, zotiges Gedicht ohne Pointe, ohne Verstand und ohne die für einen Satiriker doch geradezu lebenswichtige Treffsicherheit veröffentlicht. Auch wenn sich seine Kollegen jetzt reflexhaft mit ihm solidarisieren: mt diesem Machwerk hat er der Sache einen denkbar schlechten Dienst erwiesen. Er hat nämlich Erdogan nicht als Despoten, als Unterdrücker der Freiheit dargestellt – nein: er hat den Menschen Erdogan verunglimpft. Ein Dieter Hildebrandt zum Beispiel hätte so etwas nie gemacht.

Insofern paßt Böhmermann viel eher zu den „Comedians“, die in den Privatsendern ihr Unwesen treiben, als in die Tradition des politischen Kabaretts.

„Schlachtopfer“ gibt es unter den türkischen Journalisten und Kabarettisten genug, sie riskieren langjährige Haftstrafen. Böhmermann riskiert, auch wenn ihn die Kanzlerin angeblich filetiert hat, gar nichts (allenfalls eine geringe Geldtrafe).

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Gehört die AfD zu Deutschland?

Auch diese Frage muß ja wohl erlaubt sein.

Ob nur die Muslime zu Deutschland gehören, oder der Islam selbst, oder nur der aufgeklärte Islam, oder ob es den gar nicht gibt, oder ob er überhaupt wünschenswert ist – denkt eigentlich irgendjemand, der solche Sprechblasen absondert, einmal darüber nach, was zum Beispiel „gehören“ heißt?

Das Ganze ist doch am Ende eher ein Problem der Semantik als eines der Politik. Aber dazu müßte man etwas von der Sprache verstehen.

Ich habe inzwischen einige Reden des feinen Herrn Höcke gesehen, und da sage ich ganz klar: er „gehört“ zwar zu Deutschland, aber von seinem ganzen Rededuktus her „gehört“ er (jedenfalls erscheint mir das so) eher in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Ins 21. Jahrhundert „gehört“ er bestimmt nicht.

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Für Gerechtigkeit protestieren?

Das Neue Deutschland, das ja meistens ziemlich alt aussieht, bläht wieder einmal auch noch die kleinste Zusammenkunft von linken „Demonstranten“ zu einer machtvollen Kundgebung auf (alte DDR- und DKP-Tradition). In der thüringischen Hauptstadt Erfurt war es ein Häuflein der Hundert (hier nachzulesen):

Bereits am Vormittag waren laut »Thüringer Allgemeine« hundert Menschen einem Aufruf des DGB zur 1.Mai-Demonstration gefolgt, die für soziale Gerechtigkeit protestierte, gleichzeitig aber auch ein Zeichen gegen rechtsradikale Tendenzen in Thüringen sein sollte.

„Für soziale Gerechtigkeit protestieren“?

Man sieht, daß das Neue Deutschland inzwischen auch ein ganz neues Deutsch eingeführt hat, denn – höre, Neues Deutschland! – „protestieren“ kann man nicht für etwas, sondern nur gegen etwas.

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