Eine „Fasten ähnliche Ernährungsform“

Das Portal heilpraxisnet.de gehört zu meinen Lieblingsseiten im Internet. Hier werden mit großem Ernst die doofsten Studien vorgestellt, und der Sprachgebrauch ist oft innovativ.

Hier zum Beispiel:

Fasten ähnliche Ernährungsform konnte chronische Darm-Entzündung heilen.

Im Text ist dann von „Fasten ähnlichen Diätzyklen“ die Rede.

Stört sich eigentlich niemand mehr an einer solchen Getrenntschreibung?

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Der langsame Niedergang der Wikipedia, dargestellt am Beitrag über den Journalisten Matthias Kamann

Weil mir der Name des Journalisten Matthias Kamann von der Welt ein paarmal im Internet begegnet ist, wollte ich in der Wikipedia mehr über ihn erfahren. Nach vier oder fünf banalen Sätzen über seinen beruflichen Werdegang mußte ich folgendes lesen:

Aus Kamanns Artikeln für die Welt geht eine klare antioppositionelle und damit regierungstreue Einstellung hervor. Die Zeitschrift Welt gehört zur Axel Springer SE. Friede Springer, die Witwe des verstorbenen Axel Springer, und Bundeskanzlerin Angela Merkel pflegen eine enge Freundschaft.

Da traut man seinen Augen nicht. Ist soviel geistige Schlichtheit möglich? Ist das jetzt das neue Niveau der Wikipedia? Und wo bleiben die Mechanismen, die einen so dummen Eintrag, der von unverhohlener politischer Einseitigkeit strotzt, verhindern könnten?

Aber sehen wir uns die goldenen Worte einmal genauer an. Kamann ist also „klar antioppositionell“. Aber gegen welche Partei der Opposition kämpft er denn, wenn das so „klar“ ist? Gegen die AfD? Gegen die Grünen? Gegen die FDP? Oder gegen alle? Wir erfahren es nicht. Wir erfahren nur, daß er antioppositionell ist „und damit“ eine „regierungstreue Einstellung“ hat.

Was aber ist eine „regierungstreue Einstellung“? Man ahnt schon: da kommt bald „die Merkel“ ins Spiel. Aber wie kommt der Autor an dieses Ziel? Er fügt ein paar scheinbar nüchterne Fakten aneinander, die den Anschein von Kausalität erwecken sollen.

„Die Zeitschrift Welt gehört zur Axel Springer SE.“
Leider falsch! Setzen, mangelhaft! Die „Welt“ ist nämlich keine Zeitschrift, sondern eine Zeitung, genauer gesagt: eine Tageszeitung. Wer diesen Unterschied nicht kennt, sollte erst einmal wieder die Schulbank drücken oder einen guten Volkshochschulkurs besuchen. Eine Zeitschrift erscheint nämlich per definitionem niemals täglich, sondern – wie es im Duden steht – „wöchentlich bis mehrmals jährlich“.

Nur daß die Zeitung zum Medienkonzern Springer gehört, ist richtig. Aber was will uns der Dichter damit sagen?

Friede Springer ist „die Witwe des verstorbenen Axel Springer“
Noch sieht man nicht, worauf der unbekannte Autor hinauswill. Ja, Axel Springer hat 1946 einen Verlag gegründet, der im Lauf der Jahre zu einem großen Medienkonzern geworden ist, und nach seinem Tod im Jahr 1985 war Friede, seine Ehefrau, „die Witwe des verstorbenen Axel Springer“.

Wir wissen aber leider immer noch nicht, was das alles mit Matthias Kamann zu tun hat. Aber jetzt kommt es:

Friede Springer und Bundeskanzlerin Angela Merkel pflegen eine enge Freundschaft.

Das ist also des Pudels Kern. Fassen wir die Logik dieses Beitrags einmal zusammen:

Kamann schreibt für die Welt.
Die Welt gehört zum Springer-Konzern.
Springer hat durch seinen Tod Frau Friede zur Witwe gemacht.
Die Witwe pflegt eine enge Freundschaft mit der Kanzlerin.
Also hat Matthias Kamann eine regierungstreue Einstellung.

Wer jetzt immer noch nicht weiß, wie der Hase läuft, sollte einmal die von Wikipedia dokumentierte „Diskussion“ über den Artikel lesen. Dort findet man folgende Beiträge über Matthias Kamann:

Seine Artikel und twitter-Einträge, insbesondere zur AfD, zeichnen sich durch Polemik, Überzeichnungen und Agitation aus.

Das ist in der Tat richtig. Die Arbeit von Herrn Kamann besteht komplett aus Propaganda und Hetze gegen die Alternative für Deutschland. Sie werden es nicht schaffen, einen Artikel von ihm mit einer positiven Überschrift über die AfD zu finden.

Ich habe noch vor ein paar Jahren an verschiedenen Artikeln der Wikipedia mitgearbeitet, aber das habe ich bald wieder aufgegeben. Da wird man von Bürschchen belehrt und zurechtgewiesen, die vom Inhalt der Artikel keine Ahnung haben und mit jugendlicher Arroganz ihre Meinung durchsetzen. Das muß man sich nicht antun.

Gegen AfD-Propaganda in der Wikipedia haben sie offenbar nichts einzuwenden.

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AKK macht einen Witz

Und der geht so (hier nachzulesen):

Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.

Ein lahmer Witz, sicher. Da hätte man sich eine bessere Pointe gewünscht. Aber rechtfertigt das einen Shitstorm, der bis in die seriösen Tageszeitungen hinein Wellen schlägt?

Ein absurdes Theaterstück, ausgelöst von Menschen, die sich in einem fort empören, weil sie einfach nicht erwachsen werden wollen. Auf Twitter und Facebook warten sie förmlich auf solche Anlässe, denn ein Tag ohne Empörung ist für sie ein verlorener Tag.

Auch hier sieht man, wie perfekt die Lobbyarbeit der Schwulenverbände (LGBT usw.) und ihres politischen Arms (Grüne, Linke, SPD) funktioniert. Über alles darf man inzwischen Witze machen: über die Kirche und den Papst zum Beispiel (das geht immer!), über den Altersunterschied bei den Macrons, über „die Merkel“ sowieso – nur über zwei Gruppen auf keinen Fall: Muslime und Menschen, die nicht heterosexuell sind.

Beide Gruppen nehmen sich selbst so ernst, daß sie auch keinen Spaß ertragen, der von außen kommt. Wer einen der (meist wirklich geschmacklosen) Schwulenwitze macht, hat es immerhin noch gut: ihn trifft nur der Aufschrei der User samt Shitstorm. Wer über Muslime lacht, verliert unter Umständen sein Leben.

Humorlosigkeit ist übrigens auch typisch für Populisten jeder Couleur. Ein Musterbeispiel dafür ist die AfD. Wer einmal eine Bundestagssitzung miterlebt und das hämische Dauergrinsen von Weidel und Gauland in der ersten Reihe gesehen hat, weiß, daß der Humor in dieser Fraktion keine Heimstatt hat. Häme ist nämlich das Gegenteil von Humor.

Im übrigen: ein derber, oft auch geschmackloser Witz, wie er zur Fastnacht gehört, ist keineswegs gleich eine Diskriminierung, auf die man mit der großen Minderheiten- und Betroffenheitskeule reagieren muß!

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„Schüler und Studentinnen“

Ja, so steht es wirklich in der Online-Ausgabe der Zeit:

In Deutschland versammeln sich derzeit jeden Freitag unter dem Motto Fridays for Future in zahlreichen Städten Schüler und Studentinnen während der Unterrichtszeit, um gegen ausbleibende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren.

Schüler und Studentinnen? Also keine Schülerinnen? Keine Studenten?

Da fragt man sich schon, wie eine Wochenzeitung wie die Zeit dazu kommt, sich an der Verhunzung der deutschen Sprache durch die aggressive Genderlobby zu beteiligen.

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Die neue Lust an der Rohheit

Jeder kennt die Merkwürdigkeit, daß ein verurteilter Mörder auf manche Frauen eine sonderbare Anziehungskraft ausübt. Sie schicken ihm Liebesbriefe ins Gefängnis und können nicht von ihm lassen. Wie kommt das? Ist das nicht wider alle Vernunft?

Ja, es ist wider alle Vernunft. Aber die Vernunft ist die jüngste und zugleich die schwächste Triebkraft im Menschen. Vieles, was aus der Tiefe der Seele kommt, ist viel vitaler, kraftvoller – und pfeift auf die Vernunft.

Insbesondere nach längeren Phasen des friedlich genossenen Wohlstands meldet sich das wilde Tier, das unter der dünnen Haut der Zivilisation lauert und auf seine Stunde wartet.

Der Homo sapiens, der seinem Artnamen sapiens („klug“, „weise“) oft wenig Ehre macht, scheint längere Friedenszeiten nicht zu ertragen. Ein paar Jahrzehnte in Frieden und Wohlstand hält er aus, aber dann überkommt ihn eine wachsende Unruhe.

Immer nur Frieden, das reicht ihm nicht mehr. Langeweile peinigt ihn. A bisserl Krieg wär nicht schlecht, hat man früher gesagt – und ist in den Weltkrieg gezogen. Wenn es den Menschen zu lange zu gut geht, werden sie krank: eine schwere Form epidemischer Langeweile ergreift sie und verlangt nach Taten – und oft auch nach roher Gewalt.

Ich zitiere ja immer einmal wieder aus den Kommentaren der „User“ im Internet. Wer wollte bestreiten, daß die sprachliche Verrohung ein bis dahin unvorstellbares Ausmaß angenommen hat? Und die sich da zu Wort melden und ihre Rohheit, ihren Haß, ihre Dummheit hinausspeien, das sind nicht etwa Menschen, denen es wirklich schlecht geht, es sind auch nicht die „besorgten Bürger“, die es nur in der verlogenen Mythologie der AfD gibt. Nein, es sind kranke, gelangweilte Menschen, infiziert von der Sehnsucht nach Rohheit, nach dem Dunkel, das unter der dünnen Schicht von Humanität und Mitmenschlichkeit lauert. Was da nach außen drängt, ist, um es mit einem alten, freilich von der modernen Theologie nicht mehr gern gehörten Wort zu bezeichnen: das Böse.

Die seichte Theologie unserer Zeit will davon nichts mehr wissen, sie berauscht sich (besuchen Sie einmal einen evangelischen Gottesdienst!) immerfort am „guten Gott“, der ihr gar nicht gütig genug sein kann. Das Böse ist genauso aus ihr verschwunden wie die Hölle – und die Todsünden, die man, um nur ja keinen zu erschrecken, zu Hauptsünden herabgestuft hat.

Aber aus der Wirklichkeit ist das Böse ganz und gar nicht verschwunden, und die Wahrscheinlichkeit, daß es einmal aus ihr verschwinden wird, ist nicht gerade groß.

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„Linksverseuchte Deppen“ und „hirnlose Drohnen“ – auf Youtube tummelt sich der Bodensatz der Gesellschaft

Jeder Mensch, der noch nicht völlig verroht ist, erschrickt, wenn er liest, wie auf Facebook und in den Kommentaren zu Zeitungsartikeln unter dem Schutz der Anonymität gehetzt und gepöbelt wird.

Aber fast noch schlimmer geht es auf Youtube zu. Da tummeln sich eben nicht nur die jungen Damen, die aus Beauty-Tips für schlichte Gemüter ein Geschäftsmodell gemacht haben, da geht es – verbal – zu wie in der Gosse. Und sie alle, die keinen einzigen fehlerfreien deutschen Satz schreiben können, fühlen sich imstande, das Abendland zu retten.

Ein paar Beispiele gefällig? So gepflegt reden die AfD-Anhänger auf Youtube über den politischen Gegner:

Da stehen die Bettnaesser und die schwulen Wixxer, von den Altparteien, von der Kirche und den Gewerkschaften bezahlte Dummköpfe !

Zur Demo nur gehirngewaschene Kinder und Ökofaschisten anwesend, wie armselig!

LINKSFASCHISTEN in den Gewändern der Altparteien und Lügner. Ja nehmt euch dieser Messerstecher und Sozialbetrüger an und reiht sie in eure Brüllaffenkommandos sofort ein, aber mit euren Bürgschaften und Geld und produziert MISCHLINGE!!!

Strukturen von Linke, Grüne und Antifa zerschlagen!

Geht lieber wieder kippen am Bahnhof schnorren. Bin AfD Mitglied dazu noch nicht mal Deutscher und Moslem . Ihr linksverseuchten Deppen befasst euch mal mehr mit der Realität und eurer langsam kommenden Enteignung.

Die Antifa sind nur hirnlose Drohnen, geschickt von SPD, Linken und Grünen.

Antifa ist ein dummes Pack die von links-grün versifften Parteien nur benutzt werden. Der Verfassungsschutz schaut zu. Unglaublich. Nur noch Afd.

Ein gewisser Rolf K. drückt sich besonders gewählt aus:

Diese dreckigen,feigen Antifa-Gewalttäter-Ratten habe keine Argumente und sie sind bei einem IQ unter 65. Was sind denn das für Wahnsinnige Aggressive Brüllaffen. Asoziale Schwach Hirne, die sind einfach Geisteskranke irre. Eine Schande für alle Menschen! Darum haben die nur feige Gewalt weil Mann gegen Mann würden diese feigen Hass-Menschen immer den kürzeren ziehen und die wissen das auch diese Jämmerlichen Kreaturen . Darum haben die nur Hass und feige Gewalt. In jeder normalen Gesellschaft würden die für immer weggesperrt. Weil die immer nur Ausrasten und andere Menschen angreifen. Und die System-Parteien freuen sich nicht nur, sie geben das meiner Meinung nach feige in Auftrag. Diese dreckigen Bolschewiki!! Dazu gehören alle diese Monster, auch die System-Parteien und die System-Medien, feige Bolschewiki.

Ich habe noch überlegt, ob ich solchem Auswurf auch noch eine zweite Plattform geben soll, aber es gibt (auch in meinem Bekanntenkreis) viele Menschen, die ein naives Bild von der AfD und ihren Anhängern haben, und denen sollte man unbedingt immer wieder vorführen, in welche Gesellschaft sie sich mit ihrer Wahlentscheidung begeben.

Wer noch einen Funken Anstand und Moral hat, kann nicht AfD wählen.

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Über die aufrührerische Gefährlichkeit der uigurischen Sprachwissenschaft

Letztes Jahr ist der uigurische Sprachwissenschaftler Mutällip Sidiq Qahiri von den chinesischen „Sicherheitsbehörden“ (siehe unten) festgenommen worden. Erst jetzt wurde gegen ihn Anklage erhoben. Der Vorwurf:

Propaganda zur Spaltung des Staates mit Hilfe von Forschung.

Das ist einmal etwas ganz Neues – wann hat man von einem solchen Delikt je gehört? Über manches hat man sich schon wundern müssen: daß Staaten einen unliebsamen Mitbürger in der eigenen Botschaft zerstückeln lassen zum Beispiel; daß ein bekennender Mörder von seinem Volk zum Präsidenten gewählt wird; daß sich ein Mann, der angeblich der mächtigste der Welt ist, wie ein trotziges Kleinkind aufführt.

Aber eine Linguistik, die staatsgefährdend ist?

Vielleicht liegt dem ja das Verlangen vieler dummer Regime zugrunde: sie wollen, daß ihr Staat reinrassig wird. So hält es Erdogan mit seinem Türkentum, so will es Orbán mit seinen Ungarn, und so möchten wohl auch die Chinesen, daß es im Reich der Mitte bald nur noch Han-Chinesen gibt. Und träumen nicht auch die Anhänger der AfD von einem Land, in dem nur noch reinrassige Bio-Deutsche leben, alle blond und blauäugig und nicht von ekler Umvolkung bedroht?

Die Angst vor den Fremden, so scheint es, ist tief in die Hirne geistig schlichter Menschen eingebrannt.

PS: Über den Gebrauch der Wörter „Sicherheitskräfte“ und „Obhut“ habe ich an dieser Stelle schon einmal geschrieben.

Es geht nicht an, eine Polizei, die im Dienste des Rechtsstaats steht, sprachlich mit dem gleichen Wort zu bezeichnen wie die bewaffneten Kräfte unter dem Befehl eines Diktators. Die einen schützen den Bürger vor dem Verbrechen und sind dabei streng an die bestehenden, demokratisch zustandegekommenen Gesetze gebunden. Die anderen schützen den Diktator und sein unrechtmäßiges Regime gegen das eigene Volk.

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„Pädagogisch neue Wege“ in Hessen – oder: Erbarmen, die Grünen kommen!

Sie können es nicht lassen. Immer wenn die Grünen irgendwo an der Macht beteiligt sind, wollen sie als erstes an den Schulen herumpfuschen.

In Hessen waren sie bisher Juniorpartner der CDU, aber bei den letzten Wahlen sind sie so stark geworden, daß sie ihre Forderungen gegenüber einer schwachen, prinzipienlosen Bouffier-CDU leicht durchsetzen können.

Für die Schulen bedeutet das nichts Gutes. Ihnen soll es jetzt nach und nach bis zur Jahrgangsstufe 8 (!) freigestellt werden, ob sie ihre Schüler benoten oder statt der Noten schriftliche Beurteilungen abgeben. Damit aber nicht genug: im Koalitionsvertrag ist vereinbart worden, daß den Schulen

Abweichungen bei der Unterrichtsorganisation und -gestaltung

erlaubt werden. „Pädagogisch neue Wege“ (wie es euphemistisch heißt) sollen überall möglich werden.

Seit den 60er Jahren sind ganze Generationen von Schülern durch immer neue Experimente am Lernen eher gehindert als gefördert worden. Man hat sozusagen Experimente am lebenden Kind durchgeführt: ich denke nur an ständige Neuaufteilungen im Fächerkomplex Sozialkunde, Geschichte und Geographie, an die überstürzte Übernahme neuer Grammatikmodelle von den Universitäten, und auch an die Mengenlehre, die damals Schüler und Eltern zur Verzweiflung gebracht hat.

Von den Änderungen in den sozialen Formen des Lernens, denen ein Schüler im Laufe seiner Schulkarriere unterworfen war, will ich gar nicht erst reden.

Die Grünen haben dieses Staffelholz bei ihrer Gründung aufgenommen und geben es nicht mehr her. Schulpolitik ist Ländersache, und wo auch immer Grüne an einer Landesregierung beteiligt sind, läßt man die Schulen nicht mehr in Ruhe. Dabei sind doch gerade Ruhe und Kontinuität für die pädagogische Arbeit unabdingbar. Ein Kind soll reifen, und das geht einfach nicht, wenn politische Parteien mit ihren jeweiligen Ideologien den Schulen dauern ins Handwerk pfuschen.

In Hessen jedenfalls muß man mit dem Schlimmsten rechnen. Die Eltern sollten bereit sein, durch ihren Einspruch wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

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„Hej Greta“ – oder: Lasset das Kindlein zu mir kommen!

Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) hat der „Klima-Aktivistin“ Greta aus dem fernen Schweden einen Brief geschrieben. Sogar in schwedischer Sprache!

„Hej Greta“, so beginnt Spies, um sich dann erst einmal vorzustellen: „Jag heter Thomas“. Er stehe einer

weltoffenen, solidarischen Stadt in der Mitte Deutschlands

vor („en rättfram, solidarisk stad“). Greta sei nicht nur für die Jugend ein Vorbild, sondern „für alle, die sich für Menschlichkeit und eine Welt, in der es sich zu leben lohnt, einsetzen“.

Wir wollen in diesem Jahr damit anfangen, zuerst mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen, die gerade ihre Stimme für den Klimaschutz erheben. Mit ihnen und später mit allen Marburgern wollen wir beraten, was jeder Bürger, was aber auch die Stadt tun kann, um in dieser wichtigen Frage weiterzukommen.

Es wäre uns eine enorm große Hilfe, wenn Du dich bereit erklären würdest, uns zu besuchen.

Jetzt möchte ich nur einmal wissen, auf was für geheimnisvolle Weise der Besuch der kleinen Greta eine so „enorm große Hilfe“ für die Marburgerinnen und Marburger sein kann.

Aber der Brief des Oberbürgermeisters hat nicht nur einen besonders hohen Einschleimungsfaktor, er bringt auch knallharte Fakten:

Mehr als die Hälfte der Menschen hier sind Kinder, Schüler*innen oder Studierende und viele haben sich deinem Schulstreik für das Klima angeschlossen.

Wir mögen es miteinander zu diskutieren, zu protestieren und wir sind eine weltoffene, solidarische Stadt, die Geflüchtete mit offenen Armen willkommen heißt.

Und nicht zu vergessen:

Wir haben viele alte Häuser, ein Schloss auf einem Berg und im Tal einen Fluss, der Lahn heißt.

Na ja, so redet man eben mit einem Kind.

PS: Statt „Kinder, Schüler*innen oder Studierende“ heißt es im Originalbrief übrigens nur „barn, elever eller studenter“. Man sieht, wie weit Schweden da auch sprachpolitisch hinter dem fortschrittlichen Marburger Magistrat zurückbleibt.

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Lieben Sie Schmetterlinge?

Den Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) werden Sie vielleicht schon in den nächsten Tagen fliegen sehen. Er überwintert als Imago, also nicht als Ei, Raupe oder Puppe, sondern als fertiger Falter. Deshalb ist er oft schon an warmen, sonnigen Februartagen unterwegs. Erst sind es nur die (gelben) Männchen, zwei Wochen später fliegen die grünlich-weißen Weibchen aus.

Wenn Sie an Schmetterlingen und überhaupt an der Natur ihre Freude haben, kann ich Ihnen eine Mitarbeit am „Tagfalter-Monitoring“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung nur wärmstens empfehlen. Sie brauchen dazu kein großer Schmetterlingskenner zu sein, aber natürlich schadet es nicht, die häufigeren Falter wie Pfauenauge, Kleiner Fuchs oder Waldbrettspiel schon zu kennen. Alles andere lernen Sie wie von selbst dazu – learning by doing.

Die einzige Aufgabe, die man übernimmt, besteht darin, sich als Zähler anzumelden, eine Wegstrecke auszusuchen, die man von April bis September einmal in der Woche besucht (das ist das sog. „Transekt“), und dann alle Falter auf einem Formblatt zu notieren und die Funde (am besten online) weiterzugeben. Das Transekt sollte natürlich zu Fuß oder mit dem Rad leicht erreichbar sein.

Meine Strecke besteht aus einem 250 m langen Weg, den ich in fünf Teilstrecken à 50 m eingeteilt habe. Jede Woche einmal gehe ich das Transekt ganz langsam ab und notiere dabei (nach den genauen Vorgaben) alle Tagfalter, die mir dabei begegnen. Bestimmte Bedingungen, was Temperatur, Wind usw. betrifft, müssen dabei erfüllt sein. Manchmal ist es ein, zwei Wochen lang einfach zu kühl oder zu windig, dann kann man eben nicht zählen. Auch daß man hin und wieder einmal wegen eines Urlaubs oder aus persönlichen Gründen nicht in das Transekt kommt, ist nicht weiter schlimm.

Gerade in einer Zeit, in der es immer weniger Insekten gibt, kommt es darauf an, die Entwicklung der einzelnen Arten genau zu beobachten. „Schmetterlingszähler“ werden deshalb dringend gesucht, und ich kann Ihnen versichern: das ist nicht nur eine wertvolle Arbeit, es macht auch großen Spaß!

Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, dann besuchen Sie doch einmal diese Internetseite:

http://www.tagfalter-monitoring.de/.

Dort finden sie alles, was Sie wissen müssen.

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