Das Haus der Sprache hat viele Mieter

Nehmen wir einmal eine ganz banale Überschrift, diesmal von der BZ:

Frau will mit verletzter Tochter in Klinik – Taxifahrer beleidigt sie und schmeißt sie raus!

Oder auf t-online.de über Prinz Andrew:

Queen schmeißt ihren Sohn raus.

Will man solche Sätze in einer Zeitung lesen, ob online oder gedruckt? Ich jedenfalls nicht. „Schmeißen“ ist ein Wort aus der Umgangssprache, da darf man es verwenden, da gehört es hin. In gedruckten Texten hat es nichts zu suchen, da heißt es „werfen“. (Und es gibt darüber hinaus noch eine Handvoll anderer Synonyme, deren Gebrauch im geschriebenen Deutsch möglich ist.) Aber warum schreiben die Redakteure hier „schmeißen“? Wollen sie sich etwa an einen speziellen Teil ihrer Leserschaft ranschmeißen?

Auch die Jugendsprache, die sich ja eigentlich von der Sprache der Älteren abgrenzen will, wird längst von 20- oder 30jährigen Erwachsenen gesprochen, als seien sie (zumindest sprachlich) nie erwachsen geworden, und niemand scheint sich zu wundern, wenn im Internet und in vielen Zeitungen alles „super“ oder „mega“ ist.

Aber ist das denn überhaupt schlimm? Viele Sprachwissenschaftler begleiten diesen Trend fast wohlwollend und finden, daß selbst das sogenannte „Kanakendeutsch“ noch sein Gutes hat, weil es neue „Frische“ und „Ursprünglichkeit“ in die Sprache bringe. Das ist natürlich Unfug, denn wir haben es hier nicht mit einer Bereicherung, sondern mit einer gravierenden Verarmung der Sprache zu tun.

Es geht nicht darum, daß Sprache sich verändert – das tut sie immer. Es geht darum, daß sich im Deutschen ein dramatischer Verlust an sprachlicher Differenzierung abzeichnet. Man denke nur, was allein an Synonymen verlorengeht, wenn alles Schöne nur noch „toll“ oder „super“ ist!

Ich will an einem Bild zeigen, was ich meine. Die Sprache, so stelle man sich das einmal vor, ist ein Haus mit vielen Stockwerken. Den Keller bildet die Umgangssprache, um sie muß man sich keine Sorgen machen. Sie ist vital und, salopp gesprochen, nicht totzukriegen. Die oberste Etage mit dem Penthaus – das ist die Sprache der Literatur, die gehobene Sprache der Bildung und der Wissenschaft (die letztere freilich schon mit großen Abstrichen). Dazwischen gab es früher alle nur denkbaren Übergänge. Keller und oberste Etage sind immer noch da, aber das Gedränge im Keller ist größer geworden, und unter dem Dach ist es einsam wie lange nicht mehr. Und dazwischen?

Da liegt das eigentliche Problem, da sind mittlerweile ganze Stockwerke unbewohnt. Die Abstufungen im Sprachniveau, die früher durch Elternhaus und Bildungsgang (Volksschule, Realschule, Gymnasium), aber auch durch individuelle Neigungen und Fähigkeiten überall sichtbar waren, verschwinden langsam. Die sprachliche Vielfalt wird geringer, die sprachliche Einfalt, in jeder Hinsicht, größer. Es findet eine Einebnung auf niedrigem Niveau statt, oder um es in unserem Bild auszusprechen: die Kellerbewohner arbeiten sich Etage für Etage nach oben.

Beweisen kann ich das nicht, belegen ja. Der Langsatz etwa ist längst zum Alptraum des deutschen Schülers geworden. Ein längerer Satz mit Einschiebungen, Nebensätzen, Verschachtelungen usw., dem vor hundert Jahren jedes durchschnittlich begabte Schulkind folgen konnte, wird heute zum unüberwindlichen Hindernis. Warum? Weil man den Schüler kaum noch mit solcher Sprache konfrontiert, notfalls mit dem altlinken und dummen Argument (man hört es heute tatsächlich wieder!), daß man fürs arme Arbeiterkind „Sprachbarrieren“ abbauen müsse. Das Arbeiterkind ist überhaupt eine argumentative Allzweckwaffe, mit der man heutzutage jede pädagogische Verrücktheit rechtfertigt.

Daß man auf diese Weise die Schüler permanent unterfordert, daß man ihre Intelligenz einschläfert, daß man ihnen die Möglichkeit nimmt, die (oft ganz andere!) deutsche Sprache der letzten zwei oder drei Jahrhunderte kennenzulernen – das rächt sich heute schon. Und wenn dann manche dieser Schüler, denen man nie die Neugier auf Neues und Schwieriges eingepflanzt hat, selber Lehrer werden, wird sich das Problem noch verschärfen.

Zum Abschluß noch ein kleines Beispiel aus dem Kellergeschoß, diesmal vom Stern, über eine abgesagte Geburtstagsfeier für Prinz Andrew:

Wie der Daily Mirror berichtet, hat die Queen die Sause abgeblasen und auf ein Familienessen heruntergedampft.

Man sieht: hier ist ein Meister der jounalistischen Formulierkunst am Werke.

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Die schlimme Kindheit des Christian Stöcker und die Zumutungen der Moderne

Christian Stöcker, so beschreibt ihn die Wikipedia,

ist ein deutscher Journalist, Autor und Professor für Digitale Kommunikation an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Ist das nicht wundersam, was es alles für akademische Titel gibt? Und dann hat er auch noch in München Kulturkritik studiert. Das würde mich einmal interessieren, wie man das macht, Kulturkritik studieren, noch dazu an einer Theaterakademie. Aber egal. In seiner SPIEGEL-Kolumne zieht er jedenfalls nicht gegen die Kultur vom Leder, sondern gegen die Windkraftgegner:

Ihr klagt unsere Zukunft kaputt
Deutschland könnte im Zukunftsmarkt Windkraft ein Superstar werden. Leider scheitert das an Bürokratie, Naturschützern – und an Leuten, die erwarten, von den Zumutungen der Moderne verschont zu werden.

Das klingt schon ein bißchen böse, aber das Leben hat dem kleinen Christian auch übel mitgespielt. Die ersten 13 Jahre verbrachte er zwischen einer vierspurigen Straße und einer Bahntrasse, heute fristet er sein Leben in der Nähe einer sechsspurigen Autobahn, und dazu noch in einer Einflugschneise des Hamburger Flughafens. Aber, so schreibt er tapfer:

Ich beklage mich nicht!

Denn „als Städter muss man mit ästhetischen und akustischen Zumutungen leben“. Und wenn er das alles klaglos hinnimmt, dann sollen sich die anderen wegen ein paar Windrädern nicht so haben. Diese „organisierten Freunde des Landlebens ohne ästhetische Störungen“ sind ihm von Herzen zuwider, denn eigentlich sind sie ja Schmarotzer:

Die einen müssen mit den Zumutungen der modernen Welt leben, die anderen nehmen zwar deren Vorteile für sich in Anspruch, möchten aber von Belästigungen bitte schön ausgenommen werden.

Und das geht gar nicht.

In diesem Zusammenhang: wir haben uns doch sehr gewundert, daß beim Parteitag der Grünen in Bielefeld auf dem riesigen Hintergundbild nur ein unberührter Wald zu sehen war. Warum denn keine einzige „hochwertige Windkraftanlage“ (Stöcker), obwohl das doch so „schöne Maschinen“ (Kretschmann) sind?

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Hurra! Der Kampf gegen das Automobil hat begonnen!

Maschinenstürmer hat es immer gegeben – früher allerdings, man denke an die „Spinning Jenny“ Ende des 18. Jahrhunderts, eher während der Einführung neuer Technologien, weil die Handwerker und Arbeiter (meistens zurecht!) Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes hatten. Der deutsche Maschinenstürmer von heute aber kämpft gegen eine bewährte Technologie, die immer besser (und auch umweltfreundlicher) geworden ist und hunderttausende Arbeitsplätze sichert.

Warum tut er das? Weil es offenbar im deutschen Wesen liegt, das Gute bis zum Absurden zu führen.

Jetzt retten die Deutschen also das Klima. Wie sie das machen sollen, obwohl sie nur für 2% der weltweiten CO2-Emission verantwortlich sind, weiß niemand. Aber was macht man als Ideologe, wenn man diese 2% nicht widerlegen kann? Der Journalist Toralf Staud zeigt es uns: man eiert herum und bringt alles auf die Wagschale, was auf keine Wagschale gehört: moralische Verpflichtungen, eine verschwurbelte Logik, sogar das Völkerrecht, und wenn das alles nicht überzeugt, biegt man sich die (ohnehin immer biegsame!) Statistik zurecht:

Auch wenn also der deutsche Treibhausgas-Ausstoß nur zwei Prozent der Weltemissionen ausmacht, so ist dies doch – im Ranking der Verursacherstaaten – bereits der siebtgrößte Einzelanteil überhaupt. Und jemand aus der Top Ten der Verursacher soll keine Pflicht zum Mittun haben?

Aber, lieber Herr Staudt, das alles ändert nichts an dem einzigen harten Faktum in dieser Sache, und das sind die 2%. Keine Hysterie, keine moralische Keule, die in den Medien geschwungen wird, kann an dieser Zahl etwas ändern. Dabei liegt gerade in ihr eine große Chance: eben weil wir eigentlich nichts tun können, um den globalen Ausstoß von Treibhausgasen wesentlich zu reduzieren, haben wir die Möglichkeit, vernünftig und in Ruhe darüber nachzudenken, was zu tun ist. Vernünftig und in Ruhe – und nicht mit hysterischer Schnappatmung. Man braucht dazu nämlich keine Erweckungsbewegung und keinen Kinderkreuzzug, man braucht dazu nur seinen Verstand.

Dessen Gebrauch sei besonders empfohlen, wenn es um das Auto geht. Auch da hat die Dämonisierung schon begonnen, bis hin zu der beliebten „Gewalt gegen Sachen“ in Gestalt von Beschädigungen und Brandstiftungen, natürlich aus den edelsten Beweggründen.

Es wird bald alles erlaubt sein, um das Klima zu retten, schon jetzt wird jeder im Netz niedergebrüllt, der das Für und Wider der Klimapolitik vernünftig diskutieren will oder gar – bewahre! – an der kleinen Greta zweifelt.

Das ist eine der schlimmsten Entwicklungen in unserem Land: je gravierender eine Entscheidung ist, umso weniger wird in der Gesellschaft vorher darüber diskutiert. Die katastrophale Entscheidung für die Windkraft ist praktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit gefallen. Zur Rettung der bad banks sind Milliarden geflossen, ohne daß je eine öffentliche Diskussion darüber stattgefunden hätte. Daß gleichgeschlechtliche Beziehungen – entgegen dem Wortlaut und dem Geist des Grundgesetzes – auf einmal als „Ehe“ gelten, wird einfach durchgewinkt, es ist nicht einmal das Bundesverfassungsgericht angerufen worden, um die Rechtmäßigkeit dieses Gesetzes zu klären. Mit einem Wort: während um die kleinsten Dinge eifrig gestritten wird, werden die großen Fragen des Landes wie einst von der Obrigkeit entschieden. Daß die demokratischen Wege dabei formal eingehalten werden, ist selbstverständlich, aber das ersetzt nicht die lebendige Diskussion vor der Entscheidung.

Ein Ende der falschen Weichenstellungen ist nicht in Sicht, denn jetzt hat – wider alle Vernunft – die ökologische Heiligsprechung des Elektroautos begonnen. Und das obwohl ein solches Auto „erst nach 219.000 Kilometern besser für das Klima“ ist (das schreiben nicht „Klimaleugner“ oder rechte Gruppen, sondern die unverdächtige FAZ). Und wieder wird künftigen Generationen, denen nämlich, die um 2030 oder später leben, von den Grünen und den dümmeren Teilen von SPD und CDU schon heute vorgeschrieben, daß sie sich gefälligst der ökologisch mehr als fragwürdigen (und natürlich wieder einmal alternativlosen) Elektromobilität zu bedienen haben.

Für Argumente ist da kein Platz mehr. Als Beispiel möge eine im Internet entdeckte Diskussion dienen, die von den Anbetern der Elektromobilität und totalitären Autogegnern beherrscht wurde. Eigentlich, das war der Tenor, brauche man überhaupt kein Auto, es genüge der öffentliche Nahverkehr, dazu ein bißchen Carsharing.

„Die eigene Mobilität ist eine Organisationsaufgabe“, es gehe auch ohne Auto, meinte ein User. Den möchte ich einmal sehen, wenn er älter wird und chronisch krank und auf Carsharing oder Taxis angewiesen ist. Ich habe dieses Jahr wegen einer akuten Augenkrankheit und zwei Operationen geschätzte vierzig Mal zwischen Wohnung, Augenarzt und Uniklinik hin und herpendeln müssen, und ich mag mir nicht ausmalen, welche „Organisationsaufgabe“ ich da ohne Auto hätte auf mich nehmen müssen.

Ich danke jedenfalls dem Himmel, daß es noch kleine, bezahlbare Autos gibt, die mit Benzin fahren und überall schnell betankt werden können.

PS: Ich rede von „Klimahysterie“, weil es sie gibt. Ich werde auch weiter davon reden. Und ich werde auch in Zukunft nach Kräften gegen die politische Korrektheit kämpfen. Daß die AfD beide Themen nach populistischer Manier für sich usurpiert hat, tut nichts dazu. Diese Partei stellt für mich (man kann das in meinen früheren Beiträgen nachlesen) die größte Gefahr für die Demokratie in meinem Land dar, und ich denke gar nicht daran, auf Themen nur deshalb zu verzichten, weil linke oder rechte Ideologen das gerne sähen. Das nur zur Klarstellung, weil in bestimmten politischen Milieus allein schon der Gebrauch von bestimmten Wörtern wüste Beschimpfungen zur Folge hat. Ich habe es mir jedenfalls vor langer Zeit angewöhnt, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen, und kann diese Entscheidung nur zur Nachahmung empfehlen.

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Die Windkraftlobby kann nur siegen, wenn sie den Naturschutz und die Demokratie außer Kraft setzt

Ich habe das an dieser Stelle schon vor langer Zeit geschrieben: der Ausbau der Windkraft wird nur gelingen, wenn man langfristig den Naturschutz und die demokratischen Mitwirkungsrechte der Bürger beschneidet oder ganz außer Kraft setzt. Einen „naturverträglichen Ausbau der Windkraft“, wie ihn der NABU wider besseres Wissen fordert, kann es nicht geben.

Auch die Durchsetzung des E-Autos wird auf demokratischem Weg nicht gelingen, weil die übergroße Mehrheit der Bevölkerung weiß, daß es sich hier um nichts weniger als einen Betrug handelt. Statt die Autos mit Benzin- und Dieselmotoren weiter zu verbessern, setzt man auf eine unausgereifte Technologie, die dem Klima – allein schon durch die Produktion und Entsorgung der Batterien – mehr schadet als das herkömmliche Auto und gleichzeitig der Volkswirtschaft einen unermeßlichen Schaden zufügt. Und wieder einmal hört die Merkel-CDU eher auf die Energie- und Klima-Eiferer als auf die eigene Vernunft. Da halte ich es mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr, der vor einiger Zeit sinngemäß gesagt hat, der Klimawandel sei zwar ein ernstes Problem, aber es helfe ja nicht, wenn man darüber den Verstand verliere:

Die Chemiebranche ist den Bach runter. Die Energiewirtschaft wickeln wir gerade ab. Atomausstieg, Kohleausstieg, jetzt stehen nur noch ein paar Windräder rum. Die Banken haben sich selbst zerschossen. Nun sind wir auch noch dabei, unsere Autoindustrie zu vernichten.

Ich fürchte, unser Wohlstand basiert zu einem nicht geringen Teil auf der Autoindustrie. Doch das Auto ist der Volksfeind Nr. 1. Wir vernichten gerade alles, was irgendwie unseren Sozialstaat bezahlen könnte.

Aber es wird ja nicht nur die Volkswirtschaft zerstört. Es sollen vor allem unsere vorbildlichen Naturschutzgesetze eingeschränkt werden – und zwar aus denkbar niedrigen Beweggründen: weil sie der Windkraftindustrie im Wege sind. Die Grünen, die großen Naturschutzverbände und die Windkraftindustrie sind längst, auch durch Austausch des Personals, zu einem „grün-industriellen Komplex“ verschmolzen, ähnlich dem „militärisch-industriellen Komplex“ vergangener Zeiten. Jetzt gilt es, die Natur, die Pflanzen, Tiere und Landschaften, unsere ganze Umwelt, vor diesem gefräßigen Komplex zu schützen, der – während er vorgibt, Natur und Klima zu bewahren – im Auftrag einer dummen Ideologie nur allem schadet und alles gefährdet.

Je größer ein Problem ist (und der Klimawandel ist ohne Zweifel eine globale Herausforderung), umso besonnener muß man handeln. Wer nur mit zwei Prozent an der Verursachung des Klimawandels beteiligt ist, kann sich nun wirklich die Zeit nehmen, gründlich über alles nachzudenken, statt in hektische und dumme Betriebsamkeit zu verfallen.

Blinder Eifer schadet nur.

PS: Und die Autos haben dann Batterien, wie Dieter Nuhr nur ganz leicht überspitzt sagt,

die man nirgends laden kann und schon bei der Produktion so viel CO2 ausstoßen, dass man den Diesel noch gut acht Jahre hätte fahren können. Aber Batterien sind bestimmt vegan und glutenfrei.

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Ganze elf Liter Alkohol

Ein sprachlicher Fehler, der offenbar nicht auszurotten ist, auch wenn man sich die Finger wundschreibt, z.B. hier (auf n-tv.de):

Ganze elf Liter Alkohol werden in Deutschland jährlich pro Person konsumiert. Die OECD schlägt Alarm.

Das Wort „ganze“ vor einer Zahl bedeutet im Deutschen (und zwar ohne jede Ausnahme!) „nur“, „gerade einmal“, „nicht mehr als“. Wenn wir den obigen Satz so nehmen, wie er da steht, hieße das: die OECD beklagt sich darüber, daß die Deutschen „nur elf Liter Alkohol“ im Jahr trinken, es wäre ihr lieber oder sie hätte zumindest erwartet, die Deutschen tränken viel mehr.

Wer noch dudengläubig ist, mag es auch dort nachlesen:

„ganze“
nicht mehr als
Gebrauch: umgangssprachlich
Grammatik: in Verbindung mit einer Kardinalzahl
Beispiel: „das Buch hat ganze fünf Euro gekostet“.

Wie kann es sein, daß so ein dummer Fehler immer häufiger selbst auf gedruckten Seiten auftaucht (vom Internet ganz zu schweigen)? Kann es sein, daß wir jetzt schon eine Generation von Journalisten und Deutschlehrern haben, die selbst nicht mehr viel liest – oder nur noch Romane, in denen die Sprache, sagen wir: keine sooo große Rolle spielt? Ich bin Abi-Jahrgang 1968, und wir haben bis zum Abitur (Pflicht-) Texte von der althochdeutschen Zeit, etwa vom Hildebrandslied, bis in die Gegenwart gelesen. Ja, wir haben sie noch wirklich gelesen, wir haben nicht aus dem Internet (das es damals natürlich noch nicht gab, gottlob!) Zusammenfassungen und Textinterpretationen zusammengeklaut und als eigene Leistung ausgegeben. Daß man heute – bis in den seriösen Journalismus hinein – so viele sprachliche Fehler macht, liegt gewiss auch daran, daß zwar viel gelesen wird, aber doch vor allem viel Seichtes oder (wegen des Zeitdrucks) schludrig Übersetztes. Wer nämlich querbeet durch die Jahrhunderte liest, wird nicht nur mit aufregenden Fundstücken und einer differenzierten Weltsicht belohnt, er lernt auch, sozusagen im Vorbeilesen, sprachliche Dummheiten zu vermeiden.

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Schon mal was von Demokratie gehört, liebe Aktivisten?

Was macht man als Aktivist, wenn die Bürger partout selber entscheiden möchten, ob sie fliegen oder Fleisch essen wollen? Man zwingt sie zu ihrem Glück. Gestern haben sog. „Klimaaktivisten“ unter dem Motto „Am Boden bleiben!“ den Flughafen Tegel blockiert. Das war keine Demonstration, auch keine „symbolische Aktion“, sondern Landfriedensbruch.

Solche Aktivisten zwingen anderen Bürgern ihre Meinung auf, obgleich sie in keiner Weise demokratisch legitimiert sind. Immer mehr von ihnen glauben offenbar, daß sie allein die Tugend, den volonté générale verkörpern. So etwas hat es schon einmal gegeben – nicht nur in Frankreich nach 1789. Die Folgen kennt man.

Da könnte ja jede Gruppe, die sich in demokratischen Wahlen nicht durchsetzen kann, nachträglich versuchen, ihre Ziele durch Blockaden, „Gewalt gegen Sachen“ usw. zu erzwingen. Das ist mit unserer Demokratie nicht vereinbar, vor allem hat es mit der vom Grundgesetz in Art. 8 garantierten Versammlungsfreiheit nichts zu tun. Wer die Menschen nicht in Wahlen überzeugen kann, hat das Recht, gestützt auf das Grundrecht der Rede- und Pressefreiheit eine Meinungsänderung in der Bevölkerung herbeizuführen. Das Recht, Andersdenkende zu ihrem vermeintlichen Glück zu zwingen, hat er nicht.

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Winterstern

Den Weihnachtsstern kennt jeder, auch wenn er erst spät zu einem Weihnachtssymbol geworden ist. Seit er dieses Jahr im ALDI als „Winterstern“ verkauft wird, hat sich an dieser Namensgebung eine Diskussion entzündet, auch weil (leider!) nicht zu leugnen ist, daß an vielen Orten in der Gesellschaft christliche Namensbezüge aus Dummheit, Angst oder „Weltoffenheit“ durch absurde Wortneuschöpfungen ersetzt werden.

Interessant ist, daß ALDI selbst diese Namensgebung so verteidigt:

Bei dem Winterstern handelt es sich nicht um den klassischen roten Weihnachtsstern (den wir übrigens auch noch als Busch anbieten werden), sondern um eine Abwandlung.

Zunächst einmal: „Abwandlung“ ist kein Begriff aus der Botanik. Dort gibt es innerhalb einer Art nur „Unterarten“ und „Varietäten“. Bei züchterisch bearbeiteten Pflanzen (und das ist der Weihnachtsstern natürlich) spricht man von „Sorten“. Eine Sorte, die sich „Winterstern“ nennt, ist mir nicht bekannt. Auf dieser Seite findet man die gängigsten Sorten aufgelistet, ein Winterstern ist nicht dabei.

Ich vermute, daß es sich hier um einen (eher im Marketing entstandenen) Gärtnernamen handelt – die sind oft recht phantasievoll und haben mit der botanisch korrekten Namensgebung wenig zu tun.

Interessieren würde es mich aber schon, wie ALDI zu diesem merkwürdigen Verkaufsnamen gekommen ist.

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Die glücklichen Deutschen und ihre Liebe zum Weltuntergang

Das sind zwei Überschriften in der heutigen F.A.Z. auf Seite 8:

Die Deutschen sind zufrieden wie selten.

Die Deutschen leben immer länger.

Das können natürlich nur Fake News der Mainstream-Medien sein. Also stampfen die „Patrioten“ mit ihren Füßchen auf und machen ihr Land so schlecht, wie sie es haben wollen. Nur ein paar Auszüge aus den Kommentaren:

Die letzten 10 Jahre waren die Aussichten nie so schlecht wie heute. Ich bin bei solch unverfrorener Dreistigkeit der mitspielenden „Institute“ und Medien so unbeschreiblich wütend, dass mir vor Ohnmacht die Schimpfwörter fehlen.

Wer hat was bezahlt für so eine Umfrage? Mit was sollte man zufrieden sein?

Es gibt zum Glück auch Kritiker gegen solche Glücksforschungen.

Wurden denn nur Hartz-4-Empfänger gefragt?
[Antwort eines anderen Patrioten:] Hahahahaha, sehr gut erkannt!

Was bitte soll einem denn hier verkauft werden? Dope für die Bürger bevor es talabwärts geht? Und das wird es. In meinem Umfeld nur noch jammern ob der Zustände.

Was sieht man aus diesen haarsträubenden Reaktionen? Daß es in Deutschland zwei Unterarten der Gattung Homo sapiens gibt: einmal die ssp. sapiens, die ihre Lebensumstände mit denen der restlichen Welt vergleicht und dankbar und zufrieden ist, und dann die ssp. irascibilis (gelegentlich auch als ssp. exosus bezeichnet), deren einzige Freude darin besteht, alles Gute schlechtzumachen.

Welche der beiden Unterarten die längere Lebenserwartung hat, liegt wohl auf der Hand.

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Das Erzbistum Köln und die MondayMotivation

Das twitterte gestern das Erzbistum Köln:

https://twitter.com/Erzbistum_Koeln/status/1191263057596555265?s=19

Man sollte doch denken, daß die katholische Kirche andere Sorgen hätte.

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Sie wird tot ermordet – und das in einem Nachtclubs!

Der TV Guide unseres Fernsehers lieferte für den Thriller „Zerbrochen – Ein Fall für Dr. Abel“ (gestern auf SAT1) folgende Inhaltsbeschreibung:

In einem Berliner Nachtclubs wird eine junge Frau tot ermordet. Es folgt ein weiterer und die Kinder von Rechtsmediziner Dr. Fred Abel verschwinden.

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