Künast

Hat jemand die neue Folge der Deutschland-Safari von Broder und Abdel-Samad gesehen? Sehr kurzweilig (auch wenn man nicht mit allem übereinstimmt). Das „Gespräch“ mit Renate Künast war irgendwie bizarr. Sie wirkte müde, wie abwesend, und hatte Broder nichts entgegenzusetzen als Worthülsen.

Übrigens weiß ich jetzt, was mich an ihr schon immer so gestört hat: sie ist völlig humorlos! Und Menschen ohne Humor kann ich nun mal nicht leiden.

Auf ihrer eigenen Internetseite sagt sie über sich (in der dritten Person):

Renate Künast hat viele Gesichter: Mal rollt sie auf Skates durch das Brandenburger Tor, ein andermal steht sie mitten im Blumenfeld oder am Rednerpult im Deutschen Bundestag. Ein genauer Blick lohnt sich auf jeden Fall. Lernen Sie Frau Künast kennen.

Ach, danke, aber das muß nicht sein.

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Die Ukraine – auf dem Weg zum Schurkenstaat?

Wer ein korruptes, autoritäres Regime beseitigen will, muß konsequent sein. Eine freie Presse ist eine der wichtigsten Voraussetzungen – und natürlich eine unabhängige Justiz. Die „Orange Revolution“ von 2004 hat es – auch wegen persönlicher Streitereien – nicht geschafft, Pressefreiheit und eine unabhängige Justiz durchzusetzen und damit die Demokratisierung des Landes unumkehrbar zu machen. Auch die Bildung scheint nicht sehr vorangekommen zu sein – und Bildung ist eine ganz wesentliche Voraussetzung für eine auf Dauer angelegte Demokratie. Nicht umsonst stützen sich viele autoritäre Regime auf die ungebildete Landbevölkerung, die für ihre demagogischen Einflüsterungen empänglich ist. Leute wie Putin, Erdogan oder Ahmadineshad hätten in den Städten mit ihren gebildeten Schichten nicht die geringste Chance.

Jetzt ist also Julia Timoschenko mit einer fadenscheinigen Begründung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Es war ein politischer Schauprozeß, dessen Urteil von vornherein feststand. Der Richter, Rodion Kirejew, ist gerade einmal 31 Jahre alt und noch in der Probezeit. Man hat ihn auf Frau Timoschenko angesetzt, weil von ihm keine unliebsame Überraschung zu erwarten war. Er hat, wie vorherzusehen, mit seinem Urteilsspruch den Antrag der Staatsanwaltschaft (und die Erwartung seines Präsidenten) brav erfüllt. Daß er nichts als eine „Marionette“ war, wie Julia Timoschenko ihm während des Prozesses immer wieder vorwarf, scheint angesichts des Urteils nicht ganz unwahrscheinlich zu sein.

Präsident Janukowitsch versucht seit seinem Amtsantritt, Justiz und Presse zu disziplinieren. Kritische Journalisten werden unter Druck gesetzt und tätlich angegriffen, oder sie verschwinden einfach – wie letztes Jahr Wasili Klimentjew, der Chefredakteur der Wochenzeitung Novy Stil, die sich immer wieder mit der Korruption in den höchsten Kreisen beschäftigt hat. So entsteht ein Klima der Angst, in dem konkrete Drohungen nicht mehr nötig sind. Jeder weiß auch so, was ihm passieren kann, wenn er unbotmäßig ist.

Leider findet Europa auch in dieser Frage keine gemeinsame Position. Einige Länder wollen offenbar – man faßt es kaum – trotz des Schauprozesses gegen Julia Timoschenko an dem geplanten Assoziierungsabkommen mit der Ukraine festhalten, allenfalls über eine Verzögerung wird nachgedacht. Dabei braucht man doch nur einmal die Schlagzeilen vor dem letzten Osteuropa-Gipfel wiederzulesen, um sich die Wirkung solcher „Drohungen“ klarzumachen:

Die EU knöpft sich Janukowitsch vor,

schrieben damals die Salzburger Nachrichten – und die Welt präzisierte:

Kanzlerin Merkel will sich Janukowitsch vorknöpfen.

Da hat er aber Angst bekommen, der Janukowitsch! Deshalb hat er jetzt gleich seine einzige ernsthafte Konkurrentin für sieben Jahre ins Gefängnis geschickt – danach darf sie noch einmal drei Jahre kein öffentliches Amt annehmen, und sie muß 140 Millionen Euro Strafe zahlen. Der Präsident hat also zehn Jahre Zeit, um die Ukraine nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Und wer weiß – vielleicht stirbt Julia Timoschenko im Gefängnis überraschend an einer Lebensmittelvergiftung?

The shortest way with the dissenters könnte man das, in Anlehnung an das berühmte Pamphlet von Daniel Defoe, nennen.

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Neues aus Kairo

Die ägyptische Militär-Staatsanwaltschaft, das berichtet soeben die Zeit in ihrer Online-Ausgabe,  hat am Montag

19 Christen und zwei Muslime

in Untersuchungshaft genommen. Sie wirft ihnen „Zerstörung öffentlichen Eigentums und Angriffe auf die Armee“ vor. Der Fahrer des gepanzerten Fahrzeugs, ein Angehöriger dieser Armee, der mindestens zehn Christen überrollt und ermordet hat, ist offenbar noch auf freiem Fuß. Er wird es wohl auch bleiben.

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Jagdszenen am Nil

In Kairo haben am Sonntag einige tausend christliche Kopten friedlich dagegen protestiert, daß immer wieder Kirchen von Muslimen angegriffen und niedergebrannt werden. Die ägyptischen „Sicherheitskräfte“ sehen in vielen Fällen dem Treiben des Mobs tatenlos zu.

Während ihrer Demonstration wurden die Kopten erst von bezahlten muslimischen Schlägertrupps, dann massiv von ägyptischen Soldaten angegriffen. Unter den Toten sind fast nur Christen.

Das alles ist durch viele Zeugenaussagen belegt. Aber das ägyptische Fernsehen verbreitet die ganze Nacht (und noch den ganzen Morgen hindurch!) die Falschmeldung, daß die Gewalt von den Kopten ausgegangen sei. Es hetzt die Ägypter gegen die christliche Minderheit auf, spricht von muslimischen „Märtyrern“ und wiederholt immer wieder die Meldung, die Kopten hätten auf Muslime geschossen. Das alles kann man u.a. auf der englischsprachigen Seite von Al Jazeera nachlesen.

Eines sieht man hier ganz klar: eine „Revolution“, die das wichtigste und wirkungsvollste Medium, das Fernsehen, in den alten Händen läßt, hat schon halb verloren. Das Staatsfernsehen war nie unabhängig, es war immer ein Instrument des Regimes, und nach diesem Gesetz handelt es auch jetzt noch.

Die alten, durch und durch korrupten Schichten sind ja nicht zusammen mit Mubarak verschwunden. Sie wollen ihre Macht behalten, und das geht am besten, wenn man Muslime und Christen aufeinanderhetzt. So werden die Christen, die im übrigen schon in Ägypten waren, als an den Islam noch gar nicht zu denken war, wieder einmal aus niedrigsten Beweggründen instrumentalisiert. Sie mußten schon immer den Sündenbock abgeben.

Freilich unterschätzen die ägyptischen Militärs die Macht der Bilder: die Aufnahmen des gepanzerten Militärfahrzeugs, das Jagd auf einzelne flüchtende Christen machte und dann absichtlich in die Menge fuhr und viele Menschen dabei zermalmte – diese Bilder sind nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Ich jedenfalls werde keinen Urlaub mehr in einem Land verbringen, in dem Jagd auf Christen gemacht wird.

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Günther Oettinger

Sie kennen doch Günther Oettinger?

Fünf Jahre lang war er Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und seine politische Kreativität hat er immer wieder bewiesen.

* 1989 wollte er das Motorradfahren auf öffentlichen Straßen „aus Sicherheitsgründen“ verbieten lassen.

* 2005 verblüffte er die Öffentlichkeit mit der Forderung, man solle in der deutschen Arbeitswelt nur noch englisch reden. Und die deutsche Sprache? Sie ist, so Oettinger in einem Interview mit dem SWR, nur noch „die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“

* 2006 plante er den Verkauf von unersetzlichen mittelalterlichen Handschriften aus den Beständen der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zugunsten des Hauses Baden. Die Fachwelt sprach von einem „beispiellosen Akt der Barbarei“ (alles nachzulesen im Oettinger-Artikel der Wikipedia).

Seit dem vergangenen Jahr ist Oettinger EU-Kommissar für Energiefragen. In seine Zuständigkeit fällt auch die Förderung von sog. Biosprit, also der großflächige Anbau von „Energiepflanzen“, die dann als ökologisches Schmankerl in unseren Motoren verbrannt werden.

Inzwischen kennt man die verheerenden Auswirkungen dieser Politik (ich habe schon mehrfach darüber berichtet). Ein immer größerer Anteil der weltweit angebauten Pflanzen wird nicht mehr verzehrt, sondern in Motoren verbrannt. Da die bestehenden Flächen für den Energiehunger der Industrie- und Schwellenländer nicht ausreichen, rodet man bedenkenlos Regenwälder in einem kaum glaublichen Ausmaß (oft von korrupten Regimen toleriert).

Die Begründung der Politik für ihre katastrophale Fehlentscheidung bleibt die ominöse CO2-Bilanz, das Mantra der ergrünten Politiker aller Länder. Jedes Möbelhaus, jeder Supermarkt will heute klimaneutral sein – natürlich zertifiziert klimaneutral. Wo aber die CO2-Bilanz zum Jargon der Marketing-Abteilungen wird, ist es mehr als angebracht, die Auswirkungen der Energiepflanzen auf die CO2-Bilanz einmal unter die Lupe zu nehmen.

Das Fraunhofer-Institut in Kassel ist in einem Gutachten zu dem Schluß gekommen, daß die CO2-Bilanz von Bio-Kraftstoffen noch viel schlechter ist als die von fossilem Diesel. Prof. Jürgen Schmidt forderte, „die Förderung von Biokraftstoffen komplett einzustellen“. Das Gutachten wurde daraufhin so zusammengestrichen und verändert, daß die wissenschaftlichen Autoren es nicht mehr als ihre eigene Arbeit anerkannten. Auch diese Vorgänge fallen in die Zuständigkeit von Günther Oettinger, der sich freilich dazu nicht äußern wollte.

Jetzt schlagen 168 Wissenschaftler aus aller Welt Alarm, unter ihnen ein Nobelpreisträger und der für erneuerbare Energien zuständige Cheftechniker der Weltbank. Biosprit sei eben nicht klimaneutral, sagen sie, weil man die dramatischen Veränderungen in der Landnutzung nicht in die Berechnungen einbezeieht:

A policy that implicitly or explicitly assigns a value of zero is clearly not supported by the science.

Und weiter heißt es in dem Aufruf:

Wenn für die Nahrungsmittelproduktion genutzte Landflächen umgewandelt werden, um darauf Agrosprit-Pflanzen anzubauen, dehnt sich die Landwirtschaft an anderen Orten weiter aus. Dies führt häufig zu neuer Entwaldung und der Zerstörung natürlicher Ökosysteme … Es handelt sich dabei nicht um eine zukünftige Entwicklung, sondern dies findet bereits jetzt statt.

Um einen Anteil von 10% erneuerbarer Energien zu erreichen, müßten – so die Wissenschaftler – Millionen Hektar Ackerland mit Energiepflanzen bebaut werden. Die Folgen wären katastrophal: steigende Lebensmittelpreise durch die Verknappung der Anbaufläche, weitere Abholzung von Wäldern auf der ganzen Welt. Von CO2-Einsparungen könne da keine Rede sein.

Was sagt dazu Energie-Kommissar Oettinger? Nichts. Und unsere Grünen? Da hört man nur dröhnendes Schweigen.

Falls Sie eine kurze Zusammenfassung der Studie lesen oder eine Mail an Oettinger schreiben wollen, gehen Sie am besten auf die Internetseite der Organisation Rettet den Regenwald. Den Aufruf selbst (in englischer Sprache) finden Sie im Wortlaut, zusammen mit allen Unterzeichnern, hier.

Noch eine kurze Warnung: über diesen Aufruf dürfen Sie zwar innerhalb Ihrer Familie in deutscher Sprache diskutieren, aber nicht an Ihrem Arbeitsplatz, denn da wird ja nach der lex oettingeriana nur noch englisch geredet. Aber keine Sorge: rechts oben auf dieser Seite (unter der Überschrift Translate this blog) haben Sie Möglichkeit, den Artikel mit einem Mausklick ins Englische zu übersetzen. Das Sprachniveau der Übersetzung entspricht in etwa dem Englisch, wie es Oettinger selbst in seiner berühmten Rede an der New Yorker Columbia University im Dezember 2009 verwendet hat. Dieses Kabinettstück englischer Prosa mit seiner wundervollen Aussprache wird zwar auf youtube immer wieder gelöscht, aber mit etwas Glück kann man es anderswo noch finden. Sie wissen ja: das Internet vergißt nichts.

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Der Trend geht zum Dummbuch

Die deutschen Verleger sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Die Leidenschaft zum guten Buch ist vielen von ihnen abhandengekommen, der Trend geht überall zum Dummbuch, zum schnellen Gewinn.

Lust an Schrott statt Lust an Qualität!

Ein Indiz dafür sind die Buchveröffentlichungen von sog. Prominenten. Schauspieler, Geräteturner, Tennisspieler, Dschungelcamper, Models, Volksmusikanten – da wird offenbar gar nicht mehr lektoriert, da wird jedes Manuskript blind angenommen. Hauptsache, man kennt den Namen. Das meiste davon ist mehr als peinlich, aber was soll’s? Non olet – Geld stinkt nicht.

Dann schickt man die „Schriftsteller“ auf die Talkshow-Tour. Da halten die Moderatoren dann brav den „Roman“ eines Schauspielers oder die „Autobiographie“ des jungen Turners in die Kamera – und machen sich so zu Eseln. Kein „Comedian“ ist heutzutage zu blöd, um ein Buch zu schreiben – aber das eigentlich Ärgerliche ist, daß die Verleger diesen Mist auch noch drucken.

Ich hoffe nur, daß sie sich – wenigstens in einer stillen Stunde – dafür schämen.

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Ein schönes Nietzsche-Denkmal

Auf dem Holzmarkt in Naumburg haben wir durch Zufall dieses schöne Nietzsche-Denkmal entdeckt:

Es stammt von dem Bildhauer Heinrich Apel und wurde 2007 feierlich enthüllt. Das Denkmal zeigt den alten Philosophen auf einem Stuhl sitzend, ein Buch in der Hand – und neben ihm eine junge Frau, die keck die Hände in die Hüften stemmt und, so scheint es jedenfalls, ein ernstes Wort mit dem Philosophen redet.

Unwillkürlich denkt man da an das überall zitierte Nietzsche-Wort „Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht“ – aber dieser Satz steht so nirgends. Er findet sich, etwas abgewandelt, in Nietzsches „Also sprach Zarathustra“, aber nicht Zarathustra spricht ihn, und schon gar nicht Nietzsche selbst, sondern ein „altes Weiblein“. Dieses Weiblein fordert Zarathustra auf, auch einmal etwas über die Frauen zu sagen, und als er das getan hat („alles am Weibe ist ein Rätsel“ usw.), sagt das „Weiblein“ zu Zarathustra:

Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!

Das ist natürlich vielfach interpretierbar, und ich werde mich hüten, als Laie in die philosophischen Diskussionen einzugreifen. Aber das Denkmal ist so anregend, weil es zeigt, daß sich die Philosophie vor dem Leben – hier in Gestalt der jungen Frau – verantworten muß.

Nicht jeder Philosoph ist davon erbaut, und auch Nietzsche runzelt offenbar die Stirn.

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Wir dürfen Liu Xiaobo nicht vergessen!

Heute haben drei mutige Frauen aus Liberia und dem Jemen den Friedensnobelpreis erhalten. Es ist eine gute Entscheidung. Aber wir wollen darüber Liu Xiaobo, den Friedensnobelpreisträger des vergangenen Jahres, nicht vergessen.

Liu Xiaobo ist vom chinesischen Unrechtsstaat zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er angeblich „zur Untergrabung der Staatsgewalt“ aufgerufen hat.In Wahrheit hat er nur von seinem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht.

Natürlich durfte er den Preis nicht entgegennehmen, auch seiner Frau wurde die Ausreise untersagt. Viel schlimmer noch: Frau Liu Xia lebt, wie man in der heutigen F.A.Z. nachlesen kann, seither „völlig isoliert in ihrer Wohnung eingesperrt“. Die Sippenhaft gehört seit jeher zu den übelsten Bräuchen der chinesischen Parteidiktatur.

Ein Staat aber, der seiner Bevölkerung nicht einmal die einfachsten Menschenrechte gewährt, den darf man – nein: den muß man als Schurkenstaat bezeichnen.

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Eine Reise nach Naumburg

Gestern haben wir eine Reise nach Naumburg unternommen, vor allem natürlich wegen der großen Ausstellung über den Naumburger Meister, der die berühmten Stifterfiguren im Naumburger Dom geschaffen hat. Das schon einmal vorneweg: die Ausstellung ist großartig, und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte unbedingt hinfahren (sie ist noch bis zum 2. November geöffnet).

Auf dem Weg dorthin mußten wir freilich erleben, wie für die „Energiewende“ immer größere Teile der schönen Mittelgebirge in Hessen und Thüringen durch Windräder verschandelt werden. Es wird tatsächlich von Jahr zu Jahr schlimmer! Ja, es  stimmt, auch die Wartburg sieht man von der Autobahn aus in der Ferne, aber prägend sind jetzt andere bellevues:


Da kauert sich, unweit von Eisenach, ein kleines Dörfchen, von alten Bäumen eingesäumt, in eine Mulde, und darüber – immer in Sicht- und Hörweite! – die nackte Barbarei: ein sog. „Windpark“.

Wahrscheinlich spielen sie unten im Dorf ein Abzählspiel: ein Windrad für Tante Künast, ein Windrad für Onkel Trittin, ein Windrad für Tante Claudia, dann noch eins für Wowi, eines für Landesvater Kretschmann, eins für den Erzengel Gabriel, und ein besonders großes für Mutti …

Aber im Ernst: wie um Himmels willen können Menschen so etwas mit sich machen lassen? Was ich sehe, wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, oder wenn ich abends mit dem Hund noch einen Spaziergang mache, das ist doch nicht etwas Zufälliges, Fremdes, bloß Äußerliches, das nichts mit mir zu tun hat – nein, es ist ein Teil von mir, von meinem Alltag, und ein ganz wichtiger noch dazu!

Es ist im Grunde genau wie in der Architektur: wenn ich in einer Stadt lebe und nur von häßlichen Hochhäusern umgeben bin oder vom Waschbeton der 70er Jahre, dann werde ich krank – und zwar nicht nur „ästhetisch“, nein: ich leide darunter körperlich (seelisch sowieso).

Solche Bilder der grünen Barbarei haben uns leider auf der ganzen Fahrt nach Naumburg begleitet. In Sachsen-Anhalt tauchte gar mit einem Mal ein riesiger, frisch gepflügter Acker auf (von den Ausmaßen einer alten LPG!), und mitten darauf standen unzählige Windräder. Dieser „Park“ reichte buchstäblich von Horizont zu Horizont.

Gottlob war diese Szenerie vergessen, als wir uns Naumburg näherten, das schön zwischen Hügeln und kleinen, verwunschenen Dörfern liegt. Nach der Abfahrt von der Autobahn haben wir kein einziges Windrad mehr gesehen.

Naumburg selbst ist eine schöne, vom Krieg weitgehend verschonte Kleinstadt.  Auf dem Platz vor dem Dom blühen noch im Oktober roter und weißer Oleander, überhaupt hat das Städtchen mit seinen schönen altdeutschen Häusern gleichzeitig an vielen Stellen ein fast mediterranes Flair.

Und dann erst die Ausstellung! Wenn man, wie wir, das Glück hat, von einem sachkundigen (und humorvollen!) Historiker durch die vielen, vielen Ausstellungsräume im Schlößchen am Markt und im Dom geführt zu werden, wird der Besuch, selbst wenn man schon ein bißchen Vorwissen hat, zu einem ganz besonderem Vergnügen. Deshalb soll unser Führer hier auch namentlich genannt werden: Wieland Führ war sein Name, und nicht eine Minute der anderhalb Stunden langen Führung war langweilig.

Daß mit der weltberühmten Uta von Naumburg gar nicht die historische Uta gemeint sein kann, auch das haben wir bei dieser Führung gelernt, denn die steinerne Figur trägt eine Königskrone, und die historische Uta war nur eine Markgräfin – niemand hätte es damals gewagt, sie mit königlichen Insignien darzustellen. Uta ist also nicht Uta – aber wer ist sie dann? Ist etwa die so freundlich lächelnde Reglindis die wahre Uta?

Es ist ein spannendes, fast kriminalistisches Spiel, das die Historiker hier spielen, und es macht einfach Spaß, dabei zu sein, selbst wenn man bei der Spurensuche nur Laie und Zaungast ist.

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Das Veto der Schande

Rußland und China, beide mit besten Beziehungen zu Schurkenstaaten auf der ganzen Welt, helfen jetzt auch dem syrischen Regime dabei, die Opposition im Land auszulöschen. Die syrischen Mordbanden (denn als Armee darf man sie nun wirklich nicht bezeichnen) ziehen von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und schießen auf jeden, der friedlich gegen die Assad-Diktatur protestiert. Rußland setzt seine Waffengeschäfte mit diesem völlig desavouierten Regime demonstrativ fort.

Die russische Begründung für das Veto sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Wenn die Gesetze von Präsident Assad nicht perfekt sind, sollten wir darüber reden. Aber Sanktionen sind der falsche Weg.

Das sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin – ein Name, den man sich merken sollte. Vor allem das syrische Volk, das sein Leben einsetzt, um die Diktatur der Assad-Familie loszuwerden, wird sich diesen Namen merken. Wer eines solchen Zynismus fähig ist, sollte wissen, daß er sich eines Tages dafür wird verantworten müssen.

Die Genossen Putin und Wen Jiabao sind die eigentlichen Urheber dieser schändlichen Entscheidung – und beide haben niedrige Beweggründe für ihr Tun. Putin will weiter seine Waffen an Syrien liefern (so wie er ja auch mit dem iranischen Regime gute Geschäfte macht), und die chinesische Partei hat panische Angst davor, daß auch sie bald auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.

Und die sog. „Schwellenländer“ (Indien, Südafrika, Brasilien) haben sich wieder einmal durch ihre feige Enthaltung auf die Seite eines Regimes geschlagen, das von den Dächern auf unbewaffnete Demonstranten schießen läßt.

Schande über sie alle!

Die US-Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, machte ihrem verständlichen Zorn Luft (hier nachzulesen). Moskau und Peking hätten mit ihrem Veto „einen brutalen Diktator gedeckt“, sagte sie zurecht. Beide würden sich dafür vor dem syrischen Volk verantworten müssen. Und der syrische Menschenrechtler Ibrahim Yusuf nannte das Scheitern der UN-Resolution eine „Lizenz für das Regime, weiter zu töten“.

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