Selbstverbrennungen in Tibet

Es ist eine fast unbegreifliche Art des Protests und zugleich, wie Lobsang Sangay, der politische Führer der Exiltibeter, sagt (hier nachzulesen), ein Zeichen für die „tiefe Verbitterung und Verzweiflung“ der Tibeter.

Die 20jährige Nonne Tenzin Wangmo aus dem Kloster Mamae Dechen Choekhorling nahe der Stadt Ngaba hat sich angezündet und ist bei lebendigem Leibe verbrannt.

Brennend habe sie nach religiöser Freiheit und der Heimkehr des im indischen Exil lebenden Dalai Lamas gerufen, berichtete Free Tibet unter Berufung auf exiltibetische Quellen. Andere Nonnen hätten ihre Leiche in das Kloster getragen, obwohl chinesische Sicherheitskräfte die Herausgabe gefordert hätten.

Es ist die fünfte Selbstverbrennung in der Provinz Sechuan allein in diesem Monat. Zentrum der Unruhen ist wieder das Kloster Kirti. Dort hatte sich im März dieses Jahres ein Mönch verbrannt. Daraufhin kesselten chinesische „Sicherheitskräfte“ (so nennt man dieses Pack in den deutschen Medien tatsächlich!) die Mönche ein, verprügelten sie, hetzten die Hunde auf sie und verschleppten viele von ihnen, um sie „patriotisch umzuerziehen“. Die Repressionswelle erfaßte auch die in der Nähe des Klosters liegenden Dörfer.

Seither ist es zu acht weiteren Selbstverbrennungen gekommen.

Die chinesische Parteidiktatur hat mit solchen Aktionen große Schwierigkeiten. Daß ein Mensch sein eigenes Leben opfert, um ein Fanal zu setzen für die kulturelle und religiöse Identität seines Volkes, das ist für den primitiven, von der Partei patriotisch geschulten Han-Chinesen gänzlich unfaßbar. Überhaupt erscheinen ihm ja die tibetischen Mönche wie Wesen von einem anderen Stern. Deshalb gibt ihm die Partei eine ganz einfache Erklärung: die Mönche sind verstockt und „kulturell rückständig“. Und sie sind undankbar! Da erbarmt sich die Partei ihrer, sendet ganz, ganz viele Chinesen nach Sechuan und Tibet, um ihnen Bildung, medizinische Versorgung und Wohlstand zu bringen – und sie bleiben immer noch renitent!

Dabei hätte man doch so gern aus Tibet ein einziges großes religiöses Disneyland gemacht, mit bunten Klöstern und staatstreuen Mönchen, die für die chinesischen Touristen tanzen, die Gebetstrommeln drehen und sich für ein paar Yuan fotografieren lassen – ein bißchen wie die Affen im Zirkus.

Statt dessen verbrennen sie sich! Es sind richtige Spielverderber, diese Mönche.

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Bushido und die Penner

Anders als Barroso, Merkel, Schäuble & Co. hat der Rapper Bushido – mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi – kein Verständnis für die Protestbewegung gegen die Finanzwelt.

Die Kundgebungen erinnerten ihn an eine „bescheuerte Facebook-Party“, sagte er (hier nachzulesen). Und weiter:

Wogegen demonstrieren die Penner denn?

Ja, wer das herausbekommen will, lieber Gangsta-Rapper, müßte einfach mal von seinem Verstand Gebrauch machen. Das geht, mit ein bißchen Übung – wirklich!

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Demonstrantenversteherinnen und Demonstrantenversteher, wohin man schaut!

Ist das nicht wunderbar? Unsere Kanzlerin hat nicht nur Verständnis, sie hat sogar „großes Verständnis“ für die Protestbewegung gegen die Finanzwelt. Darin drücke sich, sagt sie, ein „Gerechtigkeitsverlangen“ und eine „tiefe Sorge“ aus.

Finanzminister Schäuble nimmt die Protestbewegung auch „sehr ernst“. Die Politik müsse jetzt „überzeugend darlegen, daß sie selbst die Regeln bestimme und nicht nur von den Märkten getrieben werde.“ (Da die Politik die Regeln aber, wie inzwischen der letzte Depp gemerkt hat, nicht bestimmt, sondern von den Märkten getrieben wird wie ein Hirsch zu Zeiten der Parforcejagd, wird der Minister da so seine Schwierigkeiten haben.)

Der nordrhein-westfälische Oppositionsführer Karl-Josef Laumann (CDU) hat auch „großes Verständnis für die Proteste“.

Und selbst EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte drohend: „Der Finanzsektor muß verstehen, dass er ein Mindestmaß von ethischen Normen respektieren muß.“ Das ist immerhin das Eingeständnis, daß der „Finanzsektor“ zur Zeit nicht einmal ein ethisches Mindestmaß einhält.

Jedenfalls sehe ich schon im Geiste, wie beim nächsten Aktionstag der Occupy-Bewegung in Deutschland das gesamte Kabinett an der Spitze der Demonstranten mitmarschiert, mit Barroso in der Mitte, am linken Flügel flankiert von Gabriel, Ernst und Lafontaine.

Und Ströbele natürlich – im Laufschritt vorneweg:

Hopp, hopp, hopp,
Atomraketen stopp!

Ach nein, Entschuldigung! – da bin ich jetzt doch tatsächlich in die 70er Jahre geraten. Das passiert mir leider öfter. Immer wenn ich Ströbele reden höre, denke ich mir: der ist noch in der Siebzigern, und nur eine verunglückte Zeitreise hat ihn in die Gegenwart verschlagen.

Dann möchte man ihn am liebsten bei der Hand nehmen und sagen: ach, guter Mann, was ist Euch da nur Schlimmes widerfahren! Ihr seid unversehens im 21. Jahrhundert gelandet, aber mit Eurem Kopf seid Ihr noch ganz, ganz tief in der Vergangenheit!

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Die Monster-Trassen kommen!

Die Kommunen, so steht es heute in der Online-Ausgabe des Spiegel, wollen die „Stromriesen ausbooten“. Das klingt auf den ersten Blick gut, denn das outsourcing und die ganzen Privatisierungen im kommunalen Bereich haben sich fast durchweg als teure Irrwege herausgestellt, die jetzt – zum Teil mit hohen Kosten – rückgängig gemacht werden müssen. Sie waren eher ideologisch bedingt, denn sie sollten uns zeigen, daß man in der Privatwirtschaft rationaler und effektiver arbeitet als in den als bürokratisch denunzierten staatlichen Unternehmen. Was dabei herausgekommen ist, kann jeder nachfühlen, der etwa die Bahn von heute mit der guten alten Bundesbahn oder die Deutsche Post AG mit der guten, alten Bundespost vergleicht. Die (damals natürlich vorhandenen) Schwerfälligkeiten der großen Staatsbetriebe hätte man auch beheben können, ohne die Unternehmen zu zerschlagen und die Kunden einem katastrophalen privatwirtschaftlichen Wildwuchs (Mehdorn!) auszuliefern.

Jetzt also wollen die Kommunen die Stromversorgung selbst in die Hand nehmen. Die acht größten deutschen Stadtwerke haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen und wollen in den nächsten zehn Jahren – man höre und staune! – zehn Milliardem Euro in den Bau von Kraftwerken und Stromtrassen investieren. Da wundert man sich schon bißchen: fast jedes Jahr bekommen wir Post von unserem lokalen kommunalen Energieversorger, daß er – leider, leider! – wegen der gestiegenen Kosten die Tarife erhöhen muß. Aber er scheint trotzdem zusammen mit den Kollegen ein paar Milliarden für Investitionen flüssig zu haben.

Thomas Prauße, der Chef der Stadtwerke Leipzig, nennt die Stoßrichtung des Bündnisses:

Ein großer Teil des Zehn-Milliarden-Investitionspakets solle in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen und dabei hauptsächlich in Windkraft, sagte Prauße.

Es ist so, wie ich es schon mehrfach geschrieben habe: die Entscheidung für die Windkraft als Rückgrat unserer Energieversorgung ist längst gefallen. Anleger, Unternehmen, Kommunen investieren fast nur noch in Windräder, die gesamte Forschung zu wirklich überzeugenden Alternativen zur Atomkraft wird es deshalb in der Zukunft nur noch auf Sparflamme geben, weil die gesamten vorhandenen Mittel in die Windkraft gehen. Das hat mit Fukushima wirklich gar nichts, mit der Gier nach Subventionen und riesigen, vom Steuerzahler garantierten Gewinnspannen aber sehr viel zu tun.

Das alles wird natürlich nur funktionieren, wenn erstens das ganze Land mit Windrädern zugebaut wird – und zweitens gewaltige Stromtrassen durch die Republik geführt werden. Die Trassen sollen, wenn sich die Windkraft auf große Offshore-Anlagen konzentriert, eine Breite von bis zu einem Kilometer haben. Da kann sich jeder ausmalen, wie unser schönes Land einmal aussehen wird.

Der für die Energie zuständige EU-Kommissar Oettinger in Brüssel will dafür sorgen, daß das Genehmigungsverfahren für die neuen Trassen jeweils innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden kann. Ich bin sicher, daß man dann auch die rechtlichen Einspruchsmöglichkeiten der Bürger noch weiter reduzieren wird.

Die Windkraft soll auf Teufel komm raus durchgesetzt werden, und zwar mit dem Geld der Steuerzahler (also mit unserem Geld!), das man in Form von milliardenschweren Subventionen an eine unsichere Energieform verschleudert, statt es in die Forschung für wirklich überzeugende und sichere Formen der Energiegewinnung zu leiten.

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Eine Überschrift in der F.A.Z.

So lautet eine Überschrift in der heutigen Ausgabe der F.A.Z. zur Protestbewegung gegen die Finanzwelt:

Eine Protestbewegung formiert sich – ihre Sündenböcke sind die Banken.

Nein, liebe F.A.Z. – so ist es gerade nicht! Die Banken sind die Täter, nicht die Sündenböcke. Als Sündenböcke werfen sie uns Griechenland und ein halbes Dutzend andere Länder vor die Füße, damit wir über sie herfallen. So hätten sie es gern.

Statt über die eigentlich Schuldigen in der heruntergekommenen Finanzwelt sollen wir nur noch über die betrügerischen Griechen, die faulen Italiener usw. reden. Leider – man muß nur die Kommentare im Internet lesen – fallen viele Menschen auf diese Demagogie herein. Aber die Occupy Wall Street-Bewegung (die übrigens dringend ein internationales Motto bräuchte!) zeigt, daß doch viele Menschen erkannt haben, wo die wirklichen Täter sitzen.

Das Gewicht der neuen Bewegung erkennt man übrigens auch daran, daß nun auch schon die ersten Politiker (wie z.B. Gabriel) versuchen, sich bei ihr anzubiedern.

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Deutsch lernen, Frau Lübbert!

Wir haben in Deutschland nur eine Handvoll von bedeutenden Wochenzeitungen, Nachrichtenmagazinen und überregionalen Tageszeitungen. Den Stern zähle ich, wenn auch mit leichtem Bauchgrimmen, dazu. Aber auch im Stern wird mit der Sprache immer schludriger umgegangen.

Da schreibt zum Beispiel Sophie Lübbert in einer Fernsehkritik über die Sendung „Schlag den Raab!“ (hier nachzulesen):

Ganze fünf Stunden benötigt die Show für 14 Spiele …

Ein Anfängerfehler, den man nicht einmal einem Volontär durchgehen lassen sollte – denn „ganze fünf Stunden“ bedeutet (und zwar ohne Wenn und Aber): eigentlich hat man erwartet, daß die Sendung zehn oder fünfzehn Stunden dauert, sie dauert dann aber nur fünf Stunden.

Ich habe über diese verbreitete Unsitte schon einmal einen Beitrag geschrieben – und auch dieser wird nicht der letzte sein. Wenn es um die deutsche Sprache geht, bin ich eben pingelig. Und genauso pingelig, finde ich, sollte auch jeder Journalist sein. Er hat doch eine Verantwortung für die Sprache, in der er schreibt!

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„Stoppt die Gier!“

Das war eines der vielen Plakate, die Demonstranten gestern bei ihren Protesten gegen die gewissenlose Finanzwelt trugen.

Endlich! – endlich kommt die Protestwelle gegen die moralisch heruntergekommene, verantwortunglose Banker- und Anlegerwelt in Gang. Mit einer gezielten Pressemeldung oder einer Herabstufung stürzen sie Firmen, ja ganze Staaten ins Unglück, ohne die Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Sie sind berauscht von ihrer Macht – und genau diese Macht muß man ihnen nehmen. Die Regierungen tun es nicht, sie tasten die wahren Schuldigen nicht an – im Gegenteil! Sie bieten uns nur Prügelknaben an. Schlagt die Griechen! rufen sie, oder: haut die Italiener! Gleichzeitig geben sie den Banken praktisch einen Blankoscheck. So haben die G-20-Staaten gerade verlangt, man müsse „sicherstellen, daß Banken angemessen mit Kapital versehen werden und ausreichenden Zugang zu Finanzierungsmitteln haben“. Das heißt auf gut Deutsch: egal wie verantwortungslos diese „Banker“ handeln, wie hemmungslos sie ihre Gier ausleben (mit dem Geld ihrer Kunden!), sie bekommen eine staatliche Garantie, daß notfalls der Steuerzahler für ihre Eskapaden einspringt.

Da ist es richtig erfrischend, daß die Menschen jetzt auf die Straße gehen und gegen die real killers, gegen die Wall Street und die Ableger in den anderen Ländern protestieren. Occupy Wall Street – das war der Schlachtruf eines kleinen Häufleins von Menschen, die den Kampf mit diesem offenbar völlig amoralischen, von Allmachtsphantasien berauschten Menschenschlag in der Finanzwelt aufnehmen wollten. Der New Yorker Bürgermeister ließ viele von ihnen in Handschellen abführen. Aber die Bewegung hat sich fast explosionsartig ausgebreitet – weil sie einen Nerv getroffen hat. Die Menschen haben die Nase voll von diesen Bürschchen aus den Eliteuniversitäten, für die das Schicksal von Millionen Menschen nur eine Art Monopoly- oder Computerspiel ist.

Etwa 40.000 sind gestern in Deutschland auf die Straße gegangen, in Lissabon 50.000, in Rom 200.000. Überall auf der Welt haben die Menschen gegen die Finanzspekulanten protestiert: in den USA natürlich, aber auch in Hongkong, Manila, Tokio, Seoul und Sydney.

So viele Handschellen hat nicht einmal das New York Police Department, daß es die Bewegung damit noch stoppen könnte.

„Eine wirkliche Massenbewegung ist dies noch nicht“, schreibt Carsten Volkery vom Spiegel und fügt zynisch hinzu: „99 Prozent blieben zu Hause.“

Dabei sollte man doch meinen, daß auch ein Spiegel-Redakteur rechnen kann. Wenn am 17. September – also vor grade einmal vier Wochen! – ein kleines Häuflein von Demonstranten, von der Öffentlichkeit kaum beachtet, zur Wall Street gezogen ist und heute, einen Monat später, daraus Hunderttausende auf allen Kontinenten geworden sind, dann muß man schon die Wirklichkeit durch eine ganz besondere (verspiegelte?) Brille sehen, um zu solchen Schlagzeilen zu kommen.

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Ein Türke bleibt immer ein Türke – auch wenn er Deutscher ist!

So sieht das offenbar der türkische Ministerpräsident Erdogan. Schon seit Jahren beansprucht er die Oberhoheit über alles, was türkisch war, ist oder sein wird. Auch sein jüngster Coup, von dem die heutige Ausgabe der F.A.Z. berichtet, bekräftigt diesen Anspruch.

Auslandstürken, die z.B. deutsche Staatsbürger geworden sind und dafür die türkische Staatsangehörigkeit aufgeben mußten, sollen rechtlich mit türkischen Bürgern gleichgestellt werden. Die sog. blaue Karte wird deshalb aufgewertet, um – so der stellvertretende Ministerpräsident Bozdag –  den früheren türkischen Bürgern die enge Anbindung „an ihr „Heimatland“ zu erleichtern. So wird die in Deutschland aus guten Gründen verbotene doppelte Staatsangehörigkeit durch die Hintertür wieder eingeführt.

Die F.A.Z. fügt erläuternd hinzu:

Das Heimatland eines Türken ist nach parteiübergreifend vorherrschender Interpretation in Ankara immer die Türkei.

Das ist, gelinde gesagt, eine seltsame Auslegung des internationalen Rechts. Es wird schließlich niemand gezwungen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen – aber wenn er es tut, dann ist er ein Deutscher. So einfach ist das.

Deutschland ist ein Einwanderungsland, so hört man es vor allem aus der grünen und der linken Ecke. Aber wenn das wirklich so ist, dann haben die Eingewanderten ein neues Heimatland gefunden. Natürlich sind sie, wie alle Auswanderer, noch in vielfacher Weise mit ihrer alten Heimat verbunden – aber sie haben sich freiwillig für eine neue entschieden. Dann müssen sie auch ihren Kindern und Enkeln den Weg bahnen, hier wirklich Wurzeln zu schlagen. Kinder müssen wissen, wo sie hingehören.

In allen echten Einwanderungsländern wie Australien oder Kanada ist das kein Problem, da ist meist schon die zweite Generation vollständig integriert. Warum sollte das bei uns nicht möglich sein?

Wenn freilich jemand von außen den hier eingebürgerten Türken immer wieder einredet: „Ihr seid Türken, und ihr bleibt Türken!“ – dann haben wir ein Problem.

Niemand kann auf Dauer mit einer gespaltenen Identität leben, ohne Schaden zu nehmen.

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Die angeblich so „natürliche“ Windkraft – lauter Lügen!

Natürlich hat es die Windkraftlobby nicht an die große Glocke gehängt – aber in Zusammenhang mit der künstlichen Verknappung der sog. Seltenen Erden durch die chinesische Regierung ist es jetzt trotzdem ans Licht gekommen: beim Bau von Windkraftanlagen werden große Mengen dieser seltenen Erden benötigt. Jede Windturbine, so kann man hier nachlesen,

benötigt mehrere hundert Kilo der Elemente Neodym und Dysprosium. […] Aber auch weitere Metalle der Gruppe “Seltene Erden” werden in grossen Mengen verwendet.

Im Wirtschaftsteil der Zeit wurde die notwendige Menge pro Windrad mit 300 kg beziffert (hier nachzulesen). Für ein Hybrid-Auto werden immerhin noch ca. 20 kg gebraucht.

Diese Seltenen Erden werden bisher fast nur in China abgebaut (95% soll der chinesische Anteil zur Zeit betragen) – unter Bedingungen, die als menschenunwürdig zu bezeichnen noch stark untertrieben wäre. Die lange Kette tödlicher Bergwerksunglücke in China kennt jeder aus den Nachrichten, sie reißt nicht ab. Die Gewinnung dieser Erden (es sind eigentlich Metalle) gilt als besonders „schmutzig“ und umweltschädlich. Beim Herauslösen von Neodym etwa werden, wie man hier nachlesen kann, Chemikalien eingesetzt, die einen toxischen Schlamm hinterlassen. Er gelangt auch ins Grundwasser. Außerdem soll beim Abbau von Neodym Uran freigesetzt werden.

Man müßte einmal untersuchen, wieviele Menschen in China im Jahr sterben, damit wir in Europa unseren Traum von „erneuerbarer Energie“ weiterträumen können.

Das Schweigen der Grünen zur dunklen Kehrseite dieser „ökologischen“ Energie ist skandalös. Hier scheint sich allmählich eine Art „grün-industrieller Komplex“ herauszubilden, an dem grüne Politiker, Energielobbyisten und Energiekonzerne eine verhängnisvolle Verbindung eingehen. Ein aktuelles Indiz dafür ist der Wechsel der grünen Bundestagsabgeordneten Christine Scheel in den Vorstand des Darmstädter Energieunternehmens HSE. Da ist eine kritische Aufarbeitung von grünen (besser: scheingrünen!) Inhalten nicht mehr zu erwarten.

Energiesparlampen, Hybrid-Autos, Windkraftanlagen – das alles kann man nur befürworten, wenn man die Augen ganz fest vor der Wirklichkeit verschließt.

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EU-Erweiterungen – oder: Big is beautiful

Die Europäische Union (EU) war im Prinzip eine gute Sache – bis man sie ohne Sinn und Verstand aufgebläht hat. Jahrzehntelang hat man die Zahl der Mitgliedsstaaten nur behutsam und mit Augenmaß vergrößert: zu den sieben Gründungsstaaten, die 1957 die Römischen Verträge unterzeichneten, traten 1973 Großbritannien, Irland und Dänemark hinzu, 1981 folgte Griechenland, 1986 Spanien und Portugal, 1995 Schweden, Finnland und Österreich. Schon an den langen Zeiträumen bis zur jeweils nächsten Erweiterung kann man erkennen, daß bis in die 90er Jahre hinein wohlüberlegt gehandelt wurde.

Aber dann! Unter Kanzler Schröder wurden 2004 auf einen Schlag gleich zehn neue Staaten in die EU aufgenommen (Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn, die Slowakei, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, dazu noch Malta und Zypern). Zehn auf einen Streich! Es liegt auf der Hand, daß man da nicht mehr von Augenmaß und Behutsamkeit sprechen kann – da sollte um jeden Preis und so schnell wie möglich das ganze Osteuropa in die EU einbezogen werden. Man hat diese Staaten, die eine ganz andere Geschichte und Kultur haben, nicht langsam an Europa herangeführt, sondern ohne viel Federlesens aufgenommen. Irgendwie wird es schon gehen, hat man wohl gedacht (wenn man überhaupt nachgedacht hat). Daß unter Merkel auch noch Bulgarien und Rumänien mit ihren zum Teil korrupten Strukturen hereingebeten wurden, kann niemanden mehr verwundern.

Die unbedachte Erweiterung – unter dem Motto: möglichst viele neue Staaten in möglichst kurzer Zeit! oder: big is beautiful – war der große Sündenfall der Europäischen Union. Fast alle Probleme, an denen die EU heute leidet, gehen darauf zurück. Nicht daß einzelne Länder über ihre Verhältnisse gelebt haben, bereitet uns heute Schwierigkeiten, sondern die strukturelle Unfähigkeit, in einer so großen und dazu heterogenen Gemeinschaft zu vernünftigen Entscheidungen zu kommen.

Das ist nicht anders als im ganz normalen Leben. Da, wo sieben oder zehn Leute an einem Tisch sitzen, die sich kennen und miteinander vertraut sind, läßt sich fast jedes Problem lösen. Wenn es (wie heute in der EU) siebenundzwanzig sind, braucht man schon einen Konferenzsaal, und es bilden sich kleine Grüppchen, die gegen andere Gruppen agitieren, und es entstehen die kleinen und großen Animositäten und Feindseligkeiten, die das Klima vergiften. Es ist tatsächlich immer auch eine Frage der Zahl!

Angesichts dieser Probleme ist es mehr als fahrlässig, daß man der Türkei auch heute noch Hoffnungen macht, Vollmitglied der EU zu werden. Und es ist nicht weniger fahrlässig, daß die EU-Kommissare mit der Erweiterung munter fortfahren: Kroatien wird noch im Dezember aufgenommen, Serbien und Montenegro sollen bald folgen. Auch Albanien, das Kosovo und Bosnien-Hercegovina drängen in die EU.

Die Empfehlung für Serbien wird mit den „politischen und wirtschaftlichen Fortschritten des Landes“ begründet. Solche Fortschritte sind schön für das Land (und auch für seine Nachbarn), aber wollen wir jetzt jedes Land, das solche Fortschritte macht, in die EU aufnehmen? Das ist eine Logik, die mir nicht einleuchtet. Serbien und Montenegro mögen heute ein bißchen berechenbarer und friedlicher sein als vor zehn Jahren – aber wie wird es morgen oder übermorgen aussehen? Die Vorstellung, daß sich in diesen Ländern demokratische Strukturen entwickeln, nur weil sie EU-Mitglieder sind, scheint mir mehr als naiv.

Unter der rot-grünen Regierung sind alle europäischen Schleusen geöffnet worden. Das war tatsächlich der Sündenfall. Denn jetzt traut sich keine Regierung mehr, einem Land, wenn es nur ein bisserl demokratisch ist, den Zutritt zu verwehren – das wäre ja diskriminierend. Die Probleme in Europa werden dadurch immer größer werden, das Risiko steigt mit jedem Land, das leichtfertig aufgenommen wird.

Eigentlich wäre es eine Selbstverständlichkeit gewesen, die Völker Europas erst einmal zu fragen, ob sie diese amöbenhafte Erweiterung, das Ausufern und Ausfransen des „alten“ Europa an seinen Rändern auch wollen. Das hat man nicht getan – weil man wußte, wie eine solche Befragung ausgehen würde.

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