Aus dem Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 24. Oktober 2011:
Anleger bekommen wieder Risikoappetit!
Da hätten wir doch schon einen aussichtsreichen Bewerber für das Unwort des Jahres …
Aus dem Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 24. Oktober 2011:
Anleger bekommen wieder Risikoappetit!
Da hätten wir doch schon einen aussichtsreichen Bewerber für das Unwort des Jahres …
Die Revolutionen in der arabischen Welt haben Türen aufgestoßen, das wenigstens steht fest. Wer aber am Ende durch diese Türen treten wird, weiß niemand. Buchstäblich alles ist möglich – von brutaler islamistischer Gewaltherrschaft bis zu halbwegs ordentlichen Demokratien.
Jetzt hat der Übergangsrat in Libyen die Einführung der Scharia angekündigt. War es deshalb falsch, daß der Westen zugunsten der libyschen Zivilbevölkerung in die Kämpfe eingegriffen hat? Natürlich nicht. Ganz abgesehen davon, daß es die Scharia in strengeren und laxeren Spielarten gibt: es ist ja überhaupt noch nicht entschieden, in welche Richtung das Land einmal gehen wird. Diese Offenheit der Entwicklung, die ja immer und überall ein Kennzeichen von Geschichte ist, muß man – auch wenn es manchmal schwerfällt! – aushalten. Wohin die Reise in Tunesien, Libyen und Ägypten geht, müssen zuallererst die Völker selbst entscheiden. Aber natürlich werden wir sehr genau beobachten, was dort vor sich geht.
Richtschnur müssen dabei die Menschenrechte sein. Während im Islam meist zwischen den Rechten von Muslimen und Nicht-Muslimen (und von Männern und Frauen!) streng unterschieden wird, kennen wir bei uns im Westen – gottlob – echte Menschenrechte, also Rechte, die jeder Mensch von Geburt an hat. Es sind unalienable rights, wie es in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten heißt – unveräußerliche Rechte. Daran werden sich auch die neuen Regierungen im Maghreb messen lassen müssen.
Während der kriegerischen Auseinandersetzungen haben sich beide Seiten einiges an Greueltaten zu Schulden kommen lassen, davon zeugen die Massengräber, die man jetzt gefunden hat. Das war freilich, auch wenn das zynisch klingen mag, nicht anders zu erwarten. Bürgerkriege werden immer besonders grausam geführt. Auch mit der Hinrichtung des Diktators (denn nichts anderes war es!) hat man wohl rechnen müssen.
Bedenklicher ist schon, daß der Übergangsrat immer noch versucht, diese Hinrichtung zu vertuschen und als zufälligen Tod im „Kreuzfeuer“ hinzustellen. Eine ehrliche Aufarbeitung aller Umstände wäre, auch weil der Westen durch seine aktive Teilnahme an den Kämpfen für die Rebellen Partei ergriffen hat, die entschieden bessere Wahl gewesen.
Man wird also den weiteren Gang der Dinge im nördlichen Afrika im Auge behalten müssen. So ganz ohne Einfluß ist der Westen dabei nicht – ohne die Flugverbotszone und die Luftunterstützung hätten die Rebellen gegen das bis an die Zähne bewaffnete Ghaddafi-Regime keine Chance gehabt.
Die aktuellste Zahl, die ich gefunden habe, stammt aus dem Jahr 2010.
Da waren es 21.585 Windräder (bürokratisch korrekt: „Windkraftanlagen“).
Das sind genau 21.585 Windräder zu viel.
Nachtrag: Bis Ende 2013 erhöhte sich die Zahl der Anlagen auf 23.875. Im ersten Halbjahr 2014 sind an Land 650 Windräder dazugekommen, das wären dann insgesamt mindestens 24.525 Anlagen.
Die deutsche Band Rammstein spielt keinen Kuschelrock. Immer wieder hat man ihr rechtsextremistische und gewaltverherrlichende Tendenzen vorgeworfen, ihr letztes Album – „Liebe ist für alle da“ – wurde auf Antrag des Familienministeriums vorübergehend indiziert, weil es das Quälen von Menschen nach dessen Ansicht positiv darstelle. (Die rechtliche Auseinandersetzung dauert noch an.)
Ausgerechnet diese Band wollte am Totensonntag in München ein Konzert veranstalten. Das ist ihr untersagt worden.
„Absolute Willkür“ sei das, meint der Veranstalter. Man glaubt, nicht richtig zu hören. Willkür? Sie können ihre Konzerte schließlich an 360 oder 362 Tagen im Jahr abhalten, aber das reicht ihnen offenbar nicht, nein – auch die letzten Tabus müssen gebrochen werden. Jeder will überall und zu jeder Zeit machen dürfen, wozu er gerade Lust verspürt. Wenn einem – buchstäblich! – nichts mehr heilig ist, hat das sogar eine gewisse Logik. Es ist die absolute Herrschaft des Lustprinzips.
Und Rammstein ist kein Einzelfall.
Die Inhaber von Geschäften und Einkaufszentren möchten am liebsten jeden Sonntag im Jahr zum verkaufsoffenen Sonntag machen. Die Schausteller wollen Zuckerwatte und Lebkuchen auch im Juli verkaufen und die Fahrgeschäfte das ganze Jahr in Bewegung halten. Die Gier wird immer größer, die Hemmung vor dem, was historisch gewachsen ist, der Respekt vor den kulturellen und religiösen Traditionen immer kleiner.
Der Gesetzgeber hat leider schon viele Schleusen geöffnet, er ist der Habgier der Geschäftemacher viel zu weit entgegengekommen. Das hat bei vielen die Hoffnung genährt, jetzt auch die letzten Bastionen schleifen zu können.
Es ist gut, daß Rammstein am Totensonntag nicht spielen darf. Nun sollte man darangehen, auch die vielen verkaufsoffenen Sonntage, die längst zum Wildwuchs geworden sind, bis auf wenige Ausnahmen wieder zu verbieten.
Seit September (da waren die Freibäder noch auf!) quellen die Supermärkte über von Lebkuchen, Spekulatius, Marzipanstollen und Adventskalendern.
Kauft das eigentlich jemand? Also bei uns kaum. Warum macht man das dann? Und warum gibt es das ganze Jahr bunte Ostereier?
Vielleicht weil die Marktleiter und die Regionalleiter und die Herren in den Vorstandsetagen einfach – einen Haschmich haben?
Könnte ja sein.
Jedenfalls fällt mir keine andere Erklärung ein.
Birstein ist eine Gemeinde im Vogelsberg. Sie hat, wenn man alle Ortsteile zusammenzählt, gut 6.000 Einwohner. Auf ihrer Internetseite nennt sie sich „Perle des Vogelsberges“.
Aber Birstein hat ein Problem, und dieses Problem hat einen Namen: Alexander Prinz von Isenburg.
Er besitzt in der Gemarkung 3500 Hektar (!) Grundbesitz, und er hat sich entschlossen, auf fürstlichem Grund und Boden 18 Windräder aufzustellen. Die Gemeinde freilich findet, daß schon mehr als genug davon den Vogelsberg verschandeln – nach Zeitungsberichten stehen 74% der mittelhessischen Windräder im Vogelsberg, allein elf sind es in der Gemeinde Birstein. Acht neue will die Gemeinde noch zulassen, mehr nicht. Damit ist der Fürst nicht zufrieden. Und dann geschehen seltsame Dinge. Wie die Frankfurter Rundschau schon im vergangenen Jahr berichtet hat (hier nachzulesen), schlägt der Fürst zurück – so kräftig, daß sich Bürgermeister Gottlieb erpreßt fühlt, weil
der Erbprinz jüngst über 40 Jahre einvernehmlich geregelte Verträge zur Pflege des Schlossparks sowie der Nutzung eines Abenteuerspielplatzes und zweier Vereinsheime gekündigt habe. Gleiches gilt für Wanderwege, die über Fürstenbesitz führen.
Inzwischen sind alle Verhandlungen gescheitert. Der Schloßherr ist offenbar sehr ungehalten über seine verstockten Untertanen und will keine Kompromisse mehr eingehen. Was ihn bei seinen Plänen antreibt, ob es der zusätzliche Obolus ist oder die Liebe zur Windkraft, weiß niemand.
Aber der Gemeinde wünsche ich auf jeden Fall viel Glück und Erfolg in ihrem Kampf gegen die Windräder!
Ich habe volles Verständnis dafür, daß die Türkei die Täter (und auch die Hintermänner) der blutigen kurdischen Angriffe sucht und zur Verantwortung zieht.
Aber ein Politiker – und erst recht ein Staatspräsident! – sollte trotz seines verständlichen Zorns mit seinen Worten sorgfältig umgehen.
Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül soll, wenn die Agenturmeldungen stimmen, den Angreifern eine „fürchterliche Rache“ geschworen haben. Das ist nicht gerade eine zivilisierte Sprache. Wer so redet, riskiert zugleich eine neue Spirale der Gewalt.
Auch die Tatsache, daß der türkische Staat die Kurden über Jahrzehnte schikaniert, den Gebrauch ihrer Sprache unter Strafe gestellt und sie so der PKK erst in die Arme getrieben hat, sollte die Regierung zu etwas mehr Mäßigung anhalten.
Die Hollywood-Schauspielerin Susan Sarandon, laut Wikipedia „in einer streng katholischen Familie“ aufgewachsen, hat dem Papst ein Buch geschickt. Damit keine Mißverständnisse aufkommen, fügte sie hinzu:
Dem davor, nicht dem Nazi, den wir gerade haben.
Im Original:
The last one, not this Nazi one we have now.
Dieser Satz fiel in einem Interview während eines Film-Festivals, bei der auch ein Redakteur von Newsday anwesend war (hier nachzulesen):
Der Filmkritiker der Zeitung, Rafer Guzman, bestätigte am Montag entsprechende Äußerungen. Guzman war anwesend als Sarandon am Wochenende beim Hamptons International Film Festival von ihrem Schauspieler-Kollegen Bob Balaban interviewt wurde.
Als dieser die provokante Aussage abschwächen wollte, habe die Oscarpreisträgerin – die auch als Polit-Aktivistin bekannt ist – den Satz bei Gelächter aus dem Publikum noch einmal wiederholt.
Sie hat auch die Gelegenheit verstreichen lassen, am Tag danach von ihrer beleidigenden und absurden Äußerung abzurücken. Es scheint ihr also ernst damit zu sein.
Nun muß auch eine gute Schauspielerin nicht unbedingt geistig begabt oder gar historisch gebildet sein. Aber es gibt doch Grenzen, die ein Mensch mit guter Kinderstube nicht überschreiten sollte.
Fast noch bedenklicher als der Satz der Schauspielerin scheint mir die Reaktion der Zuschauer – wie um alles in der Welt kann man auf so einen dummen Spruch mit „Gelächter“ reagieren?
Wir sollten aber auch einmal vor der eigenen Türe kehren: wenn man nämlich die Kommentare der taz-Leser zum oben verlinkten Artikel liest, wird einem speiübel. Soviel Dummheit und Arroganz im Schutz der Anonymität, soviel pubertäres Johlen und Grinsen über den Papst („Hitlerjunge“, „Verbrecher“, „Haßprediger“, „Godfather einer mafiosen Vereinigung“ usw.) – da zeigt sich wieder die schwarze Seite des Internets, die mir mit den Jahren immer unerträglicher wird: man kann alles ungefiltert sagen, auch wenn man geistig nur bescheiden ausgestattet ist, und je dümmer man ist, umso lauter schreit man im Netz.
Ich weiß nicht, ob die taz-Redakteure so etwas wie „klammheimliche Freude“ empfinden, wenn sie diese Kommentare lesen, aber sie haben, wenn ich mich nicht irre, eine direkte rechtliche Verantwortung auch für das, was in ihrem Gästebuch steht. Wenn einer dieser Leser schreibt, daß mit Benedikt „ein Verbrecher Papst geworden“ ist, dann verstehe ich nicht, warum so ein Kommentar immer noch nicht gelöscht worden ist.
Nach der zuständigen UN-Organisation, der FAO (Food and Agriculture Organization), werden Wälder so definiert:
Landflächen größer als 0,5 Hektar, die mit Bäumen bewachsen sind, die mindestens 5 Meter hoch werden können. Und mindestens 10 Prozent des Bodens müssen durch Baumkronen überschirmt sein.
Das klingt ganz wissenschaftlich-neutral, aber die Sache hat einen Haken. Denn mithilfe dieser Definition werden auch riesige Monokulturen, solange sie aus Bäumen bestehen, als Wald eingestuft. In Brasilien zum Beispiel wird immer mehr natürlicher Wald gerodet und durch Eukalyptus-Plantagen für die Produktion von Zellstoff und Papier, vor allem für Hygienepapiere, ersetzt. Diese endlosen Plantagen sind, nach der Definiton der Vereinten Nationen, Wälder, obwohl sie mit einem natürlichen Wald nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. So kommt man zu geschönten Statistiken, die das Bild von der Zerstörung der Wälder verfälschen.
Auf der Internetseite der Organisation Rettet den Regenwald können Sie mehr darüber lesen.
Am Donnerstag sollte der ukrainische Präsident Janukowitsch zu Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit der EU nach Brüssel kommen.
Jetzt ist er ausgeladen worden – in letzter Minute und völlig zurecht.
Solche Gäste brauchen wir nicht. Janukowitsch hat nicht nur seine Konkurrentin Julia Timoschenko in einem Schauprozeß nach sowjetischer Manier zu sieben Jahren Haft verurteilen lassen, er hat sogar neue Beschuldigungen gegen sie erhoben, um sie endgültig loszuwerden, falls das erste Urteil revidiert wird.
Man kann nur für das ukrainische Volk hoffen, daß es sich von diesem Präsidenten möglichst schnell wieder befreit.