Jetzt ist Schluß mit Mademoiselle!

Kennen Sie Roselyne Bachelot? Oder hätte ich sagen sollen – Mademoiselle Bachelot? Um Himmels willen, nur nicht! Einzig und allein „Madame Bachelot“ ist die Anrede in korrektem Französisch. Sie ist nämlich verheiratet und hat einen Sohn.

Und überhaupt – mademoiselles wird es bald sowieso nicht mehr geben. Und genau dafür will unsere Madame Bachelot sorgen.

Sie ist „Ministerin für Solidarität und sozialen Zusammenhalt“. Das klingt irgendwie wohlig und heimelig. Aber in Wahrheit ist sie eine radikale Feministin. Und wie fast alle heutigen Feministinnen will sie die Welt der Geschlechter verändern, indem sie – die Sprache verändert. Das ist verständlich, denn die Sprache kann sich nicht wehren. Wenn man gegen die Niedriglöhne von Verkäuferinnen und Friseusen kämpft, hat man es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Aber die Sprache verändern? Das ist eine leichte Übung. Die Sprache verkrüppelt man mit einem Federstrich. Bachelots Kolleginnen und Kollegen diesseits des Rheins haben es vor Jahren vorgemacht: mit der sog. „Neuen Rechtschreibung“ ist es ihnen in kürzester Zeit gelungen, das geschriebene Deutsch so zu verändern, daß es nicht mehr wiederzuerkennen war. Jeder schreibt heute, wie er will – es herrscht Anarchie. Es ist also der seltene Fall eingetreten, daß in Deutschland brave Beamte – sozusagen auf dem Dienstweg – die Anarchie eingeführt haben.

Aber kehren wir zu Mademoiselle – oh pardon, zu Madame Bachelot zurück. Sie will die Anrede „Mademoiselle“ aus allen amtlichen Formularen in Frankreich streichen lassen. Die Anrede sei eine „sexistische Diskriminierung“.

Schließlich sind Männer auch nicht darüber auskunftspflichtig, ob sie noch unverheiratet sind.

Die Unterscheidung sei außerdem ein Eingriff ins weibliche Privatleben. Damit hat sie, wie man gestern in der F.A.Z. nachlesen konnte, eine Kampagne der Feministinnenvereinigung Chiennes de garde („Wachhündinnen“) aufgegriffen.

Die „gendergerechte Sprache“ hat sich ja auch bei uns durchgesetzt – vor allem bei denen, die viel von Gender, aber wenig von Sprache verstehen. Wer etwa seine Landsleute mit „Liebe Nordrhein-Westfälinnen und Nordrhein-Westfalen!“ anredet, mag einiges für die Gendergerechtigkeit getan haben, aber Sprachgefühl hat er (oder besser: sie?) nicht, und von Sprache versteht er wirklich gar nichts.

Ich gebe es unumwunden zu: am Anfang – das ist lange her – hatte es tatsächlich Witz und sogar einen gewissen Erkenntniswert, als Frauen untersuchten, wie der „patriarchalische Charakter“ der Gesellschaft auch unsere Sprache prägt. Ich denke da zum Beispiel an den schönen Satz

Als Gott den Mann schuf, übte sie noch.

So etwas hat esprit, es ist ein Bonmot, das wirklich erkenntnisfördernd ist.

Aber dann!

Dann ist die plumpe und ideologische Genderisierung der Sprache, also ihre Umgestaltung und Verhunzung, abgesunken bis zum letzten Dorfbürgermeister. Wo gibt es noch einen Schuldirektor, der seine Zöglinge mit „Liebe Schüler!“ anredet? Nein, er wird – oft wider besseres Wissen – „Liebe Schülerinnen und Schüler!“ sagen. In dem Wort „Schüler“ sind freilich seit Jahrhunderten beide Geschlechter zusammengefaßt, aber was zählen Jahrhunderte eines organischen Wachstums der Sprache? Nichts. Im Wort „Bürger“ sind immer schon Männer und Frauen inbegriffen, aber der Verwaltungsbeamte, der Ortsvorsteher, der Bürgermeisterkandidat, alle sagen „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!“

Warum machen sie das? Weil sie Angst haben, daß sich vielleicht eine genderorientierte Frau über sie beschweren könnte? Weil sie vom Wesen ihrer eigenen Sprache nichts verstehen?

Der absolute Höhe- oder besser Tiefpunkt des Gender-Wahnsinns in Deutschland war sicher die „Bibel in gerechter Sprache“. Sie ist nicht nur in einem geradezu erbärmlich schlechten Deutsch geschrieben, nein – sie verfälscht den Text auch in einem Ausmaß, wie man das bei deutschen Bibelübersetzungen vorher noch nie erlebt hat. Sie will gar nicht mehr das Original so wiedergeben, wie es gemeint war, sie will nur den eigenen, als modern empfundenen Gender-Sinn über den ursprünglichen Text stülpen.

Das ist nichts anderes als die Diktatur der modernen (Gender-) Interpretation über den historischen Text, also eine grobe Verfälschung.

Es stellt sich hier – genau wie bei der Abschaffung der Mademoiselle – die Frage, ob die Sprecher einer Muttersprache es sich bieten lassen, von Ideologinnen und Ideologen auf diese Weise bevormundet zu werden.

Aber nicht einmal Madame Bachelot kann diktatorisch über den tatsächlichen Sprachgebrauch ihrer Landsleute bestimmen. Sie mag ihre Amtsformulare drucken, wie sie will, aber wie die Franzosen wirklich reden, liegt – Gott sei Dank! – nicht in ihrer Macht.

Auch die „Bibel in gerechter Sprache“ wird weder die Lutherbibel noch die Einheitsübersetzung verdrängen. Dazu hat sie nun wirklich nicht das Format. Allenfalls als Kuriosum mag sie vielleicht noch eine Zeitlang ihr Dasein fristen.

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Kurtaxe – jetzt auch in Bad Berlin

Erholungs- und Badeorte an der Nordseeküste verlangen von ihren Besuchern oft eine Kurtaxe. Jetzt hat auch unsere Hauptstadt, Bad Berlin, die Kurtaxe eingeführt. Anders, so Wowereit, könnten die vielen Kurbetriebe, Kurpromenaden und Kurparks der Hauptstadt langfristig nicht gesichert werden.

Sie heißt übrigens City Tax, weil das so schön hauptstädtisch klingt.

Wowereit weiter:

Wir wollen, daß Berlin reicher wird, aber sexy bleibt.

PS:  Das letzte Zitat stammt wirklich von Wowereit!

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Offshore-„Windparks“ – kaum noch zu finanzieren?

Die Pfeiler und die Rotoren mag man noch – wenn auch mit großen Schwierigkeiten – aufbauen können. Aber wie sieht es mit der Anbindung an das Stromnetz aus?

Ach, das wird schon irgendwie gehen, hat sich die Bundesregierung wohl gedacht – und unverdrossen weitergemerkelt. Aber jetzt hat sie Post vom Stromnetzbetreiber Tennet bekommen, der für die Anbindung aller deutschen Offshore-Anlagen an das Stromnetz zuständig ist. Die Errichtung von Anschlüssen sei in der bisherigen Form nicht länger möglich, schreibt das Unternehmen.

Wegen der „ständig steigenden Zahl von Anschlusspetenten“ stießen alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Ressourcen (hier nachzulesen):

Außerdem scheint das Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten bei der Finanzierung der kostspieligen Anschlüsse der Windparks an das Netz am Festland zu haben. „Hinzu kommen massive Probleme bei der Beschaffung des notwendigen Kapitals“, schreibt das Unternehmen.

Wieder einmal ein Beispiel für das dilettantische Herumpfuschen, das die Merkelsche „Energiewende“ von Anfang an begleitet hat.

Die Grünen freilich wissen, wo es lang geht: man solle den Auftrag einfach neu ausschreiben. Ihre energiepolitische Sprecherin Ingrid Nestle lapidar:

Wenn Tennet den Offshore-Ausbau nicht schultern kann, müssen andere ran.

Soviel zu der Kategorie „Von den Kleinsten für die Kleinsten“.

Die Milchmädchenrechnungen dieser Partei, die der Wirklichkeit der Welt nur Beachtung schenkt, solange sie mit der eigenen Ideologie übereinstimmt, sind nicht leicht zu ertragen.

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Chinesen unter Palmen

China hat Menschen im Überfluß, und es macht davon rücksichtslos Gebrauch – im eigenen Haus und in der globalen Ausdehnung seiner Macht.

Die Strategie ist aus Tibet bekannt. Man siedelt dort immer mehr Han-Chinesen an, bis endlich die Tibeter selbst zur Minderheit im eigenen Land werden. Gleichzeitig baut man ein paar Schulen und Krankenhäuser, eine Eisenbahnstrecke, eine Straße, und schon steht man als Wohltäter da, der nur das Beste will. Im Fall Tibet ist diese Strategie bekannt, sie ist leicht zu durchschauen. Die Welt betrachtet die Unterdrückung der tibetischen Kultur, nicht zuletzt dank der unermüdlichen Aufklärungsarbeit des Dalai Lama, zurecht als ein besonders schändliches Kapitel chinesischer Machtpolitik.

Dabei hat man aus dem Auge verloren, daß China längst überall in der Dritten Welt auf die gleiche Art vorgeht. Ein typisches Beispiel war gestern abend in Claus Klebers Film „Militärs an der Klimafront“ zu sehen. Wer denkt schon, wenn er von Tonga und der Südsee hört, an China? Aber auch dort haben sie schon einen Fuß in der Tür, denn in der Südsee locken Rohstoffe. Also schicken sie fleißige Arbeitsbrigaden nach Tonga, die dort ein paar Regierungsgebäude reparieren, eine Straße ausbessern – und schon werden sie zu heimlichen Kolonialherren. Wenn die Regierung Entscheidungen trifft, sitzen Chinesen mit am Tisch, auch der Kleinhandel ist längst fest in chinesischer Hand. In der Südsee, wohlgemerkt!

In den Interviews, die Kleber mit den einheimischen Politikern geführt hat, spürt man schon eine nervöse Zurückhaltung, wenn nicht gar Angst, offen über diese Invasion zu sprechen.

Sie tun so viel Gutes – da muß man doch dankbar sein!

Aber man könnte ein altes Wort abwandeln: Timeo Sinenses, et dona ferentes – ich fürchte die Chinesen, selbst wenn – oder besser: erst recht, wenn sie Geschenke bringen!

Während in unseren Internetforen immer noch stumpfsinnig auf den amerikanischen Imperialismus und „die Amis“ geschimpft wird, nimmt sich China ein Land nach dem anderen vor, bringt Geschenke – und wartet nur auf den Moment, an dem es dafür die Rechnung präsentieren kann.

China ist schon jetzt die große Kolonialmacht des 21. Jahrhunderts. Man sollte diesem aggressiven Staat, der seine Macht mit großer Konsequenz auf alle Kontinente ausdehnt, endlich auf die Finger sehen. Die betroffenen Länder in der Dritten Welt, dafür steht das Beispiel Tonga, durchschauen die chinesische Politik nicht – und wenn sie endlich merken, was China wirklich will, ist es schon zu spät.

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Die Ökostromlüge

Mit dem unsäglichen Satz des niedersächsischen Ministerpräsidenten McAllister hat alles angefangen: „Wind, Sonne und Wasser schicken keine Rechnung.“ Der Umstieg auf die „erneuerbaren Energien“, das sollte damit suggeriert werden, ist praktisch zum Nulltarif zu haben. Allenfalls minimale Preiserhöhungen werde es geben.

Inzwischen liest man in immer kürzeren Abständen Schlagzeilen wie diese (in der Online-Ausgabe der Welt):

Verbraucher müssen für Ökostrom mehr zahlen.
Kanzlerin Angela Merkel hatte noch im Sommer Preissteigerungen ausgeschlossen. Doch die Netzbetreiber rechnen mit deutlichen Mehrkosten für erneuerbare Energien.

Die Stromkunden zahlen für die „erneuerbaren Energien“ dieses Jahr 14 Milliarden Euro, im Jahr 2013 werden es 17,1 Milliarden und 2016 schon 19 Milliarden Euro sein. Über 10 Milliarden davon entfallen – man höre und staune! – auf die Einspeisevergütung für Solarstrom, also für eine Energie, die in unseren Breiten nie eine große Rolle spielen wird.

Da könnte man das Geld eigentlich gleich zum Fenster hinauswerfen.

Die Regierung verschweigt uns bis heute, wie teuer die Energiewende für den Stromkunden am Ende sein wird – vermutlich nicht einmal, weil sie ihr Wissen für sich behalten möchte, sondern weil sie es selbst nicht weiß. Sie fällt mit der Umstellung auf  die Windenergie eine Entscheidung von größter Tragweite, ohne die geringste Ahnung zu haben, was einmal daraus werden wird. Nichts an dieser Umstellung ist wirklich kalkulierbar – nur eines ist sicher: daß die Strompreise drastisch steigen werden.

Die Zeche werden wir bezahlen.

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Der größte Windpark der Welt

Er heißt „London Array“ und befindet sich 24 km östlich der Küsten von Essex und Kent. Wenn er fertig ist, sollen dort einmal 175 Windräder stehen. Für 80 von ihnen stehen die Pfeiler schon, im Dezember sollen die ersten Rotorblätter montiert werden. Näheres dazu findet man in einem langen Artikel der gestrigen F.A.Z.-Beilage „Technik und Motor“.

Das Wasser ist dort nur 20 m tief, und trotzdem gibt es an allen Ecken und Enden Probleme. Die Hubschiffe, die man zum Aufstellen der Türme braucht, graben sich tief in den Meeresboden. Eines von ihnen, die in China gebaute „Adventure“ (sie kann drei Fundamente gleichzeitig transportieren), hat schon einen Stromtotalausfall hinter sich. Die Windkraftbetreiber zahlen für sie 230.000 Euro (!) am Tag. Es wird aber noch ein zweites chinesisches Schiff benötigt, wenn man den „Windpark“ fristgerecht fertigstellen will. Also auch hier macht man sich, bei aller „Ökologie“, von der nicht gerade als ökologisch verschrienen chinesischen Wirtschaft abhängig.

Auch die deutschen Betreiber von Offshore-Anlagen (hier sind die Wassertiefen viel größer als vor der englischen Küste) liegen nach dem Bericht der F.A.Z. weit hinter ihren Plänen zurück. Beim dänischen Windpark „Horns Rev 1“ mußten wegen der aggressiven Seeluft fast alle Getriebe und Generatoren ausgetauscht werden. Auch die Kabel zum Stromnetz haben sich als „überdurchschnittlich störanfällig“ erwiesen.

„Macht nichts, so könnte man sagen“, meint Georg Küffner am Ende seines Artikels.

Die Leitungen für den Transport des Ökostroms müssen ja ebenfalls noch gebaut werden.

Aber wie sagt unsere Kanzlerin:

Wir verzagen nicht. Wir jammern nicht. Wir nörgeln nicht.

Das muß sie auch nicht, denn wir bezahlen diesen hochsubventionierten Wahnsinn mit unseren Steuergeldern.

„Wir haben keine Wahl“,  sagt die Kanzlerin.

Doch, die haben wir. Im September 2013. Dann wird ein neuer Bundestag gewählt.

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Worte der Vorsitzenden Angela

Ich weiß immer noch nicht, welcher Redenschreiber für unsere Kanzlerin arbeitet – aber sehen wir uns einmal ein paar Kernsätze aus ihrer Leipziger Rede an:

Der Kompaß gilt weiter.

Wenn wir Erfolg hatten, dann haben wir es immer anders gemacht.

Wir müssen weg vom Denken, das kein Morgen kennt.

Wir haben keine Wahl.

Wir leben in Zeiten epochaler Veränderungen.

Wir verzagen nicht. Wir jammern nicht. Wir nörgeln nicht.

Es ist Zeit für einen Durchbruch zu einem neuen Europa.

Wir haben unser Ziel erreicht.

Es ist keine leichte Aufgabe, ein neues Europa zu schaffen.

Ah, jetzt weiß ich, wer ihre Reden schreibt! Natürlich – sie hat doch 2006 engen Kontakt zu unserer Nationalmannschaft gepflegt – erinnern Sie sich? Und was haben die in der Kabine immer gesungen? „Dieser Weg wird kein leichter sein …“ Sehen Sie? Xavier Naidoo schreibt ihre Reden, eindeutig.

Jemand mit gesundem Menschenverstand könnte auf solche Sätze auch gar nicht kommen. Nein, es ist Xavier Naidoo.

Auf der anderen Seite: dieses Stakkato – „wir verzagen nicht, wir jammern nicht, wir nörgeln nicht“ – also, mir kommt da eine Idee, die sich auf den ersten Blick vielleicht gewagt anhört, aber gibt es da nicht einen Rapper, frisch preisgekrönt, dem Burda bescheinigt hat, daß er „Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker“ ist? Ob er …?

Aber egal, auch wenn er es nicht ist – einen schönen Rap könnte man aus den Sätzen machen, oder?

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Islamophobie

Was ist ein Popanz? Der Große Wahrig definiert ihn als „Schreckgespenst“, und damit ist schon gesagt, daß es ihn gar nicht gibt. Man erfindet ihn zu einem einzigen Zweck – daß man nämlich, sobald man ihn erfunden hat, auf ihn eindreschen kann.

So ein Popanz ist die Islamophobie.

Kaum jemand hat je auf den Islam eingedroschen, solange er nur eine Religion war. Im Gegenteil: gerade in Deutschland hat es immer ein ausgesprochen freundliches, wenn nicht sogar romantisch verklärtes Verhältnis zu den islamischen Kulturen gegeben. Das hat sich erst geändert, als der Islam – mit Khomenei und seinem mörderischen Gottesstaat – zu einer aggressiven politischen Ideologie mutiert ist. Seither sind fast alle terroristischen Akte auf der Welt von islamisch geprägten Tätern verübt worden. Das (und keineswegs eine Islamophobie!) ist der Grund für das Mißtrauen und die Ablehnung, die heute Muslimen vielfach widerfährt.

Es kommt noch etwas hinzu. Die übergroße Mehrheit der Muslime, die in den europäischen Ländern leben, lehnt den Terrorismus zwar ab, aber obwohl sie wie alle anderen Bürger die Rede-, Presse- und Demonstrationsfreiheit genießen, machen sie kaum davon Gebrauch, um sich von den terroristischen und archaischen islamischen Gruppierungen in ihrer Religion zu distanzieren. Ich kann mich in den letzten Jahrzehnten nur an eine einzige Demonstration in Frankfurt erinnern, als ein kleines Häuflein von Türken gegen einen Terroranschlag demonstrierte. Ich war damals so begeistert, daß ich mich heute noch daran erinnere.

Es wäre so einfach, die Herzen der Mitmenschen zu gewinnen, wenn man auch einmal öffentlich zeigen würde, daß man diese Greueltaten verabscheut. Dazu braucht man keine Verbände, keine Vereine und erst recht keine Ditib – man braucht dazu nicht einmal viel Mut.

Man müßte es nur tun!

Und man sollte auch mit der Polizei zusammenarbeiten, wenn man beobachtet, wie jemand auf dem Weg in der Terrorismus ist. Gerade in kleineren Moscheen erkennt man doch sehr schnell solche Veränderungen im Verhalten, in der Kleidung, erst recht, wenn es Reisen z.B. nach Pakisten gibt. Die meisten Täter, die man in Deutschland in den letzten Jahren gefaßt hat, haben vorher regelmäßig Moscheen besucht – aber wann, frage ich, sind sie aufgrund von Hinweisen ihrer muslimischen Glaubensbrüder festgenommen worden?  Kaum einmal. Da wäre einiger Nachholbedarf an einem mea culpa, und man könnte, mit ein wenig Nachdenklichkeit und Selbstkritik, viele Sympathien gewinnen.

Statt dessen holen die muslimischen Verbände bei jeder, aber wirklich jeder Gelegenheit die große Islamophobie-Keule heraus – auch jetzt wieder nach der Aufdeckung der Terrorgruppe in Zwickau.

Aber eine Islamophobie, so wie sie diese Vereinigungen verstehen, gibt es gar nicht – sie ist nur ein Popanz der Islamverbände, die offenbar ein Interesse daran haben, die Muslime immerfort zu Opfern zu machen. Das Wort suggeriert nämlich eine krankhafte Angriffslust, einen Haß auf den Islam als Religion. Aber die Abneigung richtet sich nicht gegen die Religion an sich, sondern gegen das archaische Weltbild eines Teils der Gläubigen – und mit diesem Weltbild, aus dem sich der muslimische Terrorismus speist, möchte auch ich nichts zu tun haben. Es ist ein Weltbild, das sogar noch weit hinter das (übrigens gar nicht so dunkle!) europäische Mittelalter zurückgeht. Wenn wir uns gegen dieses von Grund auf illiberale Weltbild wehren, sind wir nicht islamophob, sondern vernünftig im besten Sinne des Wortes.

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Weinen verboten!

„Schluß mit den Tränen“, fordert der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler. „Die Taschentücher wegstecken!“

Aber um die FDP, so wie sie heute ist, vergießt niemand mehr eine Träne. Traurig ums Herz wird einem nur, wenn man sich erinnert, wie die FDP einmal war. Sie war – von Heuß bis Genscher – eine wichtige, eine eigentlich unverzichtbare Säule unserer Parteienlandschaft. Mit Möllemann und Kinkel hat ihr Niedergang begonnen, mit Westerwelle und Rösler hat sie ihren Tiefpunkt erreicht. Den politischen Verlust, der damit einhergeht, konnte man kürzlich erleben, als Hildegard Hamm-Brücher (zusammen mit Margarete Mitscherlich) bei Beckmann zu Gast war. Mit ihren 90 Jahren stellt sie immer noch mühelos alles in den Schatten, was in der FDP heute so kreucht und fleucht.

Die FDP ist zu einer reinen Wirtschafts- und Klientelpartei verkommen, der wirkliche Liberalismus hat in ihre keine Heimat mehr. Da ist man denn doch versucht, zum Taschentuch zu greifen – aber man darf ja nicht.

Weinen verboten.

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Die Verklärung des Bushido – aufgeführt durch das Haus Burda im Jahr des Herrn 2011

Natürlich war der Bambi für Bushido auch ein Marketing-Gag. Wer will denn diese langweiligen Galas im Grunde noch sehen, diese grauenhaften Abendkleider auf dem roten Teppich, die Selbstdarstellung oft drittklassiger Sternchen, die peinlichen Dankesreden? Da ist wohl jemand im Hause Burda auf die Idee gekommen, das Interesse mit einer kleinen Provokation aufzupeppen – und es hat ja auch funktioniert. Mit 6 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 20,5 % war die Bambi-Übertragung erfolgreich wie lange nicht mehr. Die Farce um das geläuterte „Ghettokind“ und seine „zweite Chance“ war ein voller Erfolg.

Reschpekt, Herr Burda – well done indeed!

Apropos Burda: da wollen wir doch noch zwei Zitate anführen, die bemerkenswert sind und offenbar aus der Chefetage des Hauses stammen (hier nachzulesen):

Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps – ob es einem gefällt oder nicht.

Von dem lustigen Genitiv „des Raps“ – Raps ist für mich eine Ölfrucht! – einmal abgesehen: in mir sträubt sich alles dagegen, das schmutzige Milieu, aus dem die Texte dieses Künstlers stammen (und das er finanziell erfolgreich ausbeutet), mit Wörtern wie „Musik“, „Kunstform“ oder „Stilmittel“ in Verbindung zu bringen. Und dann auch noch „Tabubruch“! Ach jehchen – das macht doch seit Jahren jede Provinzbühne: überall wird – natürlich nur als Stilmittel! – coram publico uriniert, masturbiert, kopuliert. Wo ist denn da noch ein Tabu, das der Groß-Rapper brechen kann?

Aber wir wollen auch das zweite Zitat aus dem Hause Burda noch anhören:

Bushido leiht seine Stimme jungen Menschen, die im medialen Diskurs häufig überhört wurden.

Die „jungen Menschen“ – damit ist wohl das gewalttätige, vulgäre Milieu von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gemeint sein, denen man auf unseren Plätzen und in der U-Bahn besser nicht begegnen möchte. Ich gehe davon aus, daß es  auch Hubert Burda nicht danach gelüstet, mit einem dieser „jungen Menschen“ nachts in den öffentlichen Verkehrsmitteln in einen Diskurs zu treten. Sie haben nämlich mit dem feuilletonistischen Jargon aus dem Hause Burda nichts am Hut.

Und überhört werden sie in den Medien? Hat man bei Burda die letzten Jahre verschlafen? Nein, überhört werden sie nun wirklich nicht – sie machen sich ja selbst unüberhörbar (und unübersehbar), und spätestens seit Thilo Sarrazin, Kirsten Heisig und Heinz Buschkowsky diskutiert das ganze Land über sie.

Aber es diskutiert endlich über diese Jugendlichen, wie sie wirklich sind, nicht über ein feuilletonistisch verklärtes, mit viel germanistischem Jargon aufgehübschtes Zerrbild. Die Sozialpädagogen und street worker haben mit ihrer Verharmlosung genug Unheil angerichtet.

So, das war mein letztes Wort zu Rappern im allgemeinen und Bushido im besonderen. Die Geschichte ist für mich – wie sagt man heute? – „auserzählt“.

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