Guttenberg – oder: Der Blender kommt zurück

Jetzt geht es schon wieder los! Kann dieser Mensch sein Geld nicht mit ehrlicher Arbeit verdienen? Warum glaubt er nur, daß es in Deutschand ohne ihn nicht geht? Er hat sich ein summa cum laude erschlichen, er hat mit viel Glück eine Einstellung des Verfahrens erreicht, er hinterläßt in seinem Ministerium einen Scherbenhaufen – und glaubt tatsächlich, daß es mit einem neuen Styling und ein paar markigen Worten getan ist?

Ich finde, er sollte sich schämen.

Aber er scheint nichts, gar nichts zu begreifen. Er hat mit seinen Falsifikaten die ganze deutsche Wissenschaft in Verruf gebracht – und hat immer n0ch die Dreistigkeit, so zu tun, als sei alles nur ein verzeihliches Versehen gewesen?

Wenn jetzt immer mehr Stimmen in der CDU seine Rückkehr in die Politik fordern, dann zeigt das eigentlich nur eines: daß es selbst dieser „Volkspartei“ heute genügt, wenn einer frech und dreist ist – und daß es ihr mehr um die Show als um ernsthafte Politik geht.

Ein verlorener Sohn, ein reuiger Sünder ist immer willkommen. Guttenberg aber ist das genaue Gegenteil: er schlägt um sich, wütet gegen die Partei, der er „zur Zeit“ angehört, und ist so arrogant und überheblich, wie er es immer war.

Deutschland und Europa stehen vor schweren, ja existentiellen Problemen. Einen Typus von Politiker wie Guttenberg – das ist so ziemlich das letzte, was wir jetzt brauchen.

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Gulnaz – ein afghanisches Schicksal

Gulnaz ist eine junge afghanische Frau. Sie wurde vom Mann ihrer Cousine vergewaltigt. Das war vor zwei Jahren, da war sie neunzehn.

Nach dem Koran müssen vier Männer ein solches Delikt bezeugen, sonst wird die Frau vor Gericht gar nicht erst angehört. Das ist eine Gesetzeslage, von der Vergewaltiger auf der ganzen Welt nur träumen können, denn es macht ihre Verfolgung praktisch unmöglich. Der Verdacht liegt nahe, daß genau das beabsichtigt ist.

Gulnaz hatte keine Zeugen, also – wurde sie auch nicht vergewaltigt.

Das allein wäre schon furchtbar genug. Aber Gulnaz wurde schwanger und gebar ein Mädchen – von ihrem Peiniger. Jetzt waren natürlich keine Zeugen mehr nötig. Gulnaz war eine überführte Ehebrecherin. Sie wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Als sie dagegen protestierte, erhöhte man ihre Strafe auf zwölf Jahre.

Jetzt sitzt sie – zusammen mit ihrer kleinen Tochter! – im Badam-Bagh-Gefängnis in Kabul. Sie weiß, daß sie in der steinzeitlichen afghanischen Gesellschaft als unverheiratete Mutter keine Chance hat. Man hat sie schon so weit zerbrochen, daß sie bereit ist, ihren Vergewaltiger zu heiraten. Denn nur dann besteht (vielleicht!) die Möglichkeit, daß man ihr „vergibt“ und ihr Töchterchen nicht im Gefängnis aufwachsen muß.

Etwa die Hälfte der weiblichen Häftlinge in Afghanistan sitzt übrigens wegen solcher „moralischer Verbrechen“ (zina) ein. Man kann sich vorstellen, welche Schicksale sich dahinter verbergen.

Jetzt ist im Auftrag der EU ein Film über Gulnaz und ihre Leidensgenossinnen gedreht worden, aber – er darf nicht gezeigt werden. Der Druck aus der afghanischen Regierung war zu groß. Man will die Ausstrahlung um jeden Preis verhindern, nicht etwa, um die Frauen zu schützen (das ist der Vorwand), sondern aus politischen und diplomatischen Gründen. Die EU darf das, denn sie hat den Film in Auftrag gegeben und finanziert. Aber es ist eine schändliche Entscheidung, und alle Menschenrechtsorganisationen, die in Afghanistan arbeiten, sind zurecht darüber empört.

„Eine Zensur findet nicht statt“, heißt es in Artikel 5 unseres Grundgesetzes. Aber es scheint Ausnahmen zu geben.

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Georg Kreisler †

Manchmal, wenn ein Mensch stirbt, denkt man: ach, der hat noch gelebt? So ist es mir gerade mit Georg Kreisler gegangen.

Er hat ein biblisches Alter erreicht – 89 Jahre ist er geworden. Seine Lieder, liest man in der Wikipedia, seien oft makaber gewesen. Ach woher. Nicht die Lieder, das Leben selbst ist makaber!

Das Lied vom Taubenvergiften kennt jeder. Er selbst hat es für überschätzt gehalten und später gar nicht mehr gesungen. Mir gefällt am besten sein „Wien ohne Wiener“:

Wie schön wäre Wien ohne Wiener,
So schön wie a schlafende Frau!
Der Stadtpark wär sicher viel grüner,
Und die Donau wär endlich so blau!

Und dann dieser wunderbare Schluß, den man natürlich unbedingt hören muß (auf Youtube findet man einiges):

Wie schön wäre Wien ohne Wiener,
Nur einmal möcht ich es so sehn!
Und schreite ich sodann
Den Kahlenberg hinan
Und bleib oben voll Seligkeit stehn
Und seh dann aus der Fearn
Mein liabes leeres Wean –
Werd ich sagen: „Sehng’s, jetzt is‘ da schön!“

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Guter Rat aus Ankara

Es ist wahr – was Polizei und Verfassungsschutz sich bei der Aufklärung der Zwickauer Terrorzelle geleistet haben, ist geradezu katastrophal. Es ist unfaßbar, daß eine kleine Gruppe von Mördern so lange unentdeckt bleiben konnte.

Das ist die eine Seite der Geschichte – und wer der deutschen Sprache mächtig ist, wird überall lesen können, wie intensiv gerade diese Fehler bei uns diskutiert werden. Ich bin sicher, daß auch der letzte Mitwisser und Helfer dieser Bande bald seiner gerechten Strafe zugeführt werden wird.

Eine andere Sache sind die schrillen Töne aus Ankara. Man hat ja förmlich schon darauf gewartet! Wir sollen also, sagt der türkische Ministerpräsident, „die mögliche Verwicklung staatlicher Stellen unter die Lupe nehmen“.

Aber was heißt hier „Verwicklung“? Will er damit sagen, daß staatliche Stellen an den Morden beteiligt waren?

Der Ministerpräsident deutet an, daß es bei uns einen ähnlichen Staat im Staat geben könnte, wie er ihn in seiner Heimat in Gestalt der Verschwörer von Ergenekon gefunden haben will. Dieses Gespenst von einer Verschwörung – so sieht es jedenfalls die ganze Welt außerhalb der Türkei – ist freilich nichts anderes als ein Vorwand, um alles, was dem Ministerpräsidenten und seiner Partei im Wege steht, mit Hilfe von willfährigen Richtern und Staatsanwälten beiseitezuräumen.

Wir hier in Deutschland sollten uns, so Erdogan, „bei der Aufarbeitung des Rechts-Terrors ein Beispiel an der Türkei nehmen“.

Würden Sie es uns sehr übelnehmen, Herr Ministerpräsident, wenn wir diesen Rat ausschlagen? An den freundlichen Menschen in der Türkei wollen wir uns gern ein Beispiel nehmen – von ihnen können wir wirklich etwas lernen. Aber vom politischen System in der Türkei?

Nein.

Wir sind hier nämlich mit unserer kleinen Demokratie ganz zufrieden. Sie ist nicht perfekt, aber gegen das türkische Modell möchten wir sie nun wirklich nicht eintauschen.

Das sehen sicher auch die meisten unserer türkischen und türkischstämmigen Mitbürger so – sonst wären sie ja wohl nicht zu uns gekommen, nicht wahr?

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Bravo, Prinz Philip!

Zwischen dem Prinzgemahl der englischen Königin, Prinz Philip, und einem Vertreter der „erneuerbaren Energien“ ist es, wie man gestern in der F.A.Z. lesen konnte, auf einem Empfang in London zu einem interessanten Meinungsaustausch gekommen.

Prinz Philip sagte, Windparks an Land seien „völlig nutzlos, vollständig von Fördermitteln abhängig und eine absolute Schande“ – im Original:

Absolutely useless, completely reliant on subsidies and an absolute disgrace.

Als der Vertreter der Firma Infinergy bemerkte, daß die Windkraft doch rentabel sei, fragte ihn der Prinzgemahl, ob er an Märchen glaube.

Der gab aber nicht so schnell auf und bot Prinz Philip an, auch auf dessen Ländereien Windräder aufzustellen.

Die Antwort:

Bleiben Sie von meinem Grund und Boden weg, junger Mann!

Ja, manchmal wünscht man sich, solche Royals auch in Deutschland zu haben. Unserem Bundespräsidenten kämen so respektlose Wahrheiten nicht über die Lippen.

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China und die USA

Der amerikanische Präsident hat lange, sehr lange gebraucht, ehe er auf die chinesische Expansion in der Dritten Welt reagiert hat. Jetzt – endlich! – fängt er damit an.

China hat sich inzwischen daran gewöhnt, daß es die sog. Entwicklungsländer nach Herzenslust ausplündern kann. Es spannt zum Beispiel in Afrika für seine Zwecke die übelsten Regime ein, aber es wickelt auch – wie im Fall Tonga – mit Geschenken und Versprechungen eher naive Regierungen um den Finger. Das Ziel ist immer das gleiche: China braucht für seine Wirtschaft Rohstoffe, und es bringt die armen Länder dazu, ihre Rohstoffe exklusiv für China auszubeuten und die Natur zugunsten gewaltiger Plantagen und Monokulturen – auch hier exklusiv für den chinesischen Gebrauch – zu zerstören. Der Nutzen, den die scheinbar beschenkten Länder davon haben, währt nicht lange, aber die ökologischen Schäden werden auch in Jahrzehnten noch spürbar sein.

Warum kann sich China so ein hemmungslos ausbeuterischen Vorgehen leisten? Weil es eben keine Demokratie, sondern bis auf den heutigen Tag nichts anderes als eine gewöhnliche Parteidiktatur ist. In einer Demokratie gibt es ein Wahlvolk, das den Herrschenden auf die Finger schaut und sie notfalls abwählen kann, es gibt eine freie Presse, die Skandale aufdecken und Schuldige benennen kann. Und es gibt unabhängige Gerichte, vor denen sich nicht zuletzt die Regierenden, wenn sie Dreck am Stecken haben, zurecht fürchten.

Das alles gibt es in China nicht.

Deshalb freue ich mich, daß Obama endlich erkennt, wie groß die chinesische Gefahr ist. Die Militärausgaben des chinesischen Regimes explodieren förmlich, sie steigen von Jahr zu Jahr in einem Ausmaß, das man sich kaum vorstellen kann. Kein Parlament, keine freie öffentliche Diskussion, kein Gericht schränkt die Macht des Regimes ein. Auch wenn deutsche Sinologen und Museumsdirektoren weiter ihr geschöntes Bild von China verbreiten – die sicher vorhandenen kleinen Fortschritte, die China (immer gegen den Willen der allmächtigen Partei!) macht, sind kaum geeignet, die politische und militärische Expansion einzudämmen, auch weil die Partei es versteht den im Land weit verbreiteten Chauvinismus geschickt für ihre Strategie  zu mißbrauchen.

Solange also in China noch keine wirkliche Demokratie herrscht, müssen die USA (und natürlich auch die anderen demokratischen Länder) der chinesischen Expansion entgegentreten. Es ist bezeichnend, wie aggressiv China allein schon auf den Ausbau der australischen Stadt Darwin zu einem US-Stützpunkt reagiert hat. Dabei sollen dort selbst nach sechs Jahren ganze 2.500 Soldaten stationiert sein.

Ich habe gewiß keine Illusionen über die amerikanische Politik. Ich kenne die Verbrechen, die von Amerikanern in Vietnam, aber auch im sog. Vorhof des Landes, also in der Karibik und anderswo, begangen wurden. Aber ich sehe auch, daß die Amerikaner solchem Treiben immer selbst ein Ende gesetzt haben – weil sie funktionierende demokratische Institutionen und eine freie Presse haben. Ja, es hat manchmal lange gedauert, oft sogar unerträglich lange, aber am Ende waren es doch immer die Amerikaner selbst, die ihre Regierung zu einer Änderung ihrer Politik gezwungen haben.

Davon kann das chinesische Volk erst einmal nur träumen.

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Strompreisgeschenke für die Industrie – das wollte die Regierung offenbar geheimhalten

Ich habe es schon vor Monaten prophezeit: wenn es um die gigantischen Kosten für die „Energiewende“ geht, werden am Ende die Privathaushalte die Zeche zahlen.

Und  genauso ist es eingetroffen.

Die sog. „energieintensiven Unternehmen“ (also die Strom-Großverbraucher!) sind schon jetzt von der EEG-Umlage befreit. Nun hat ihnen die Regierung Merkel ein weiteres Milliardengeschenk gemacht. Wer im Jahr mehr als zehn Gigawattstunden verbraucht, soll auch von den Gebühren für die Stromnetze verschont werden. Das ist, wie der Stern hier schreibt, selbst Fachleuten erst jetzt aufgefallen. Diese Unternehmen, die dann Strom nach Herzenslust verbrauchen können, sparen damit insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Diese Maßnahme ist, wie der Stern schreibt, in letzter Minute in die Energiewendegesetze eingefügt worden, und offenbar hat es bis auf den heutigen Tag kein einziger Journalist auch nur bemerkt.

Und wer – das frage ich meine intelligenten Leser – kommt jetzt für die riesigen Einnahmeverluste auf, die durch die Steuergeschenke an die energieintensiven Unternehmen entstehen?

Richtig!

Das sind wir – die ganz normalen Haushalte. Und ich bin schon gespannt, wie die Menschen reagieren werden, wenn sie merken, welches Kuckucksei ihnen die Regierung (mitsamt praktisch allen deutschen Parteien und Fraktionen!) da ins Nest gelegt hat.

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Über die Habgier der „hasardierenden Spekulanten“

Dieses hübsche Zitat habe ich in den „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“ von Friedrich Engels entdeckt:

Die ewige Schwankung der Preise, wie sie durch das Konkurrenzverhältnis geschaffen wird, entzieht dem Handel vollends die letzte Spur von Sittlichkeit. Von Wert ist keine Rede mehr; dasselbe System, das auf den Wert soviel Gewicht zu legen scheint, das der Abstraktion des Wertes im Gelde die Ehre einer besondern Existenz gibt – dies selbe System zerstört durch die Konkurrenz allen inhärenten Wert und verändert das Wertverhältnis aller Dinge gegeneinander täglich und stündlich.

Wo bleibt in diesem Strudel die Möglichkeit eines auf sittlicher Grundlage beruhenden Austausches? In diesem fortwährenden Auf und Ab muß jeder suchen, den günstigsten Augenblick zum Kauf und Verkauf zu treffen, jeder muß Spekulant werden, d.h. ernten, wo er nicht gesäet hat, durch den Verlust anderer sich bereichern, auf das Unglück andrer kalkulieren oder den Zufall für sich gewinnen lassen.

Der Spekulant rechnet immer auf Unglücksfälle, besonders auf Mißernten, er benutzt alles, wie z.B. seinerzeit den Brand von New York, und der Kulminationspunkt der Unsittlichkeit ist die Börsenspekulation in Fonds, wodurch die Geschichte und in ihr die Menschheit zum Mittel herabgesetzt wird, um die Habgier des kalkulierenden oder hasardierenden Spekulanten zu befriedigen.

Man sollte vielleich doch ab und zu wieder zu Marx und Engels greifen – womöglich war ihr analytischer Verstand größer, als man heute meint.

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Häutungen – exklusiv für Gucci, Cartier & Co.

Wenn Sie auf die Internetseiten des italienischen Modehauses Gucci gehen, stoßen Sie unter anderem auf die Mittlere Boston-Tasche „Soho“. Sie kostet 2.500 Euro und besteht laut Beschreibung aus

traubenfarbenem Pythonleder in verschiedenen Nuancen mit naturbrauner Lederpaspel.

Die Abendtasche „Sienna“ aus sandfarbenem Pythonleder bekommen Sie schon für 960 Euro.

Bei Cartier gibt es einen Gürtel aus Pythonleder für 480 Euro, einen anderen aus schwarzem Krokoleder für 1.000 Euro. Der Gürtel aus Nil-Krokoleder kostet allerdings 1.400 Euro. Für eine Tasche aus Straußenleder müßten Sie 11.500 Euro ausgeben, das kleine Modell aus schwarzem Alligatorleder kostet Sie 13.100 Euro.

Die Firma Martin Mohrmann bietet sogar einen „schmalen, feinen Gürtel aus Waranleder“ für nur 235 Euro an.

So, jetzt wollen wir einmal innehalten. Ich habe nämlich nicht die Absicht, Ihnen die Luxus-Accessoires der großen Modehäuser schmackhaft zu machen.

Im Gegenteil.

Diese Taschen und Gürtel sind nämlich schon das Ende der Geschichte. Ich will Ihnen einmal erzählen, wie die Geschichte anfängt. Sie fängt, wie viele grausame Geschichten, in Indonesien an – in einer großen Lagerhalle, in der sich im Lauf der Tage immer mehr zugebundene Säcke ansammeln. Es ist Leben in den blauen Säcken, sie sind voll von gefesselten, oft verletzten Bindenwaranen. Wenn genug Säcke beisammen sind, wird die Halle zum Schlachthaus.

Man gibt den Echsen einen Hieb auf den Kopf, dann zieht man ihnen bei lebendigem Leib die Haut ab. Den Pythons ergeht es nicht besser. Dieses dampfende Schlachthaus ist der Ursprung der modischen Accessoires, die man trägt, wenn man viel, sehr viel Geld hat.

Damit Sie einmal die Dimension dieses Geschäfts sehen (hier nachzulesen):

Allein im Jahr 2010 exportierte Indonesien 157.500 Netzpython- und 413.100 Waranhäute. In Europa verarbeiten Luxus-Mode-Marken wie Gucci, Hermès, Cartier und Bally die Häute zu Uhrenarmbändern, Schuhen und Taschen.

Und so sieht er aus, der Bindenwaran, noch ungehäutet, fotografiert von Olexandr Topchylo für die Wikipedia:

BindenwaranWären Sie imstande, diesen Prachtkerl bei lebendigem Leibe zu häuten, damit unsere Luxusfrauen ein modisches Accessoire bekommen? Sie können bei einigen der betroffenen Modehäuser protestieren – ein entsprechendes Formular finden Sie auf der Seite der Organisation Rettet den Regenwald e.V.

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Anstoß am Totensonntag

Morgen spielt in der 2. Bundesliga Eintracht Frankfurt gegen Alemannia Aachen. Anstoß wird um 13.30 Uhr sein.

Aber morgen ist Totensonntag – und am Totensonntag sind in Hessen alle „öffentlichen sportlichen Veranstaltungen gewerblicher Art“ verboten.

Das allein wäre noch kein Grund, einen Artikel zu schreiben. Verstöße gegen das Feiertagsgesetz sind ja leider nicht selten. Außerdem hat sich die Eintracht entschuldigt, und sie wird auch das fällige Bußgeld zahlen.

Erwähnenswert ist aber, was ihr Sprecher zur Begründung des Malheurs anführt:

Die Deutsche Fußball Liga und wir haben das schlichtweg übersehen. Uns tut das leid, und wir wollen uns auch nicht mit der Kirche oder so anlegen.

Mit der „Kirche oder so“ – eine interessante Formulierung. Aber daß sie allesamt den Totensonntag „schlichtweg übersehen“ haben, halte ich sogar für glaubhaft. Von Ostern und Weihnachten einmal abgesehen, nimmt man die christlichen Feiertage, die einmal Fix- und Höhepunkte des Jahres waren, kaum noch wahr. Wer es nicht weiß, daß morgen Totensonntag ist, wird zum Beispiel beim Fernsehen kaum etwas davon spüren.

Im ARD-Programm etwa findet man morgen nicht eine einzige Sendung (!) dazu – es sei denn, man liest den Titel des Tatorts, „Der Tote im Nachtzug“, als kryptische Anspielung. Das ZDF überträgt, wie jeden Sonntag, einen Gottesdienst, darüber hinaus gibt es – nichts. Auf Arte: nichts. Auf 3sat: nichts. In den Dritten Programmen: nichts. Auf RTL, SAT1 und allen übrigen Privatsendern: nichts.

Mit einem Wort: medial gibt es den Totensonntag gar nicht mehr, nicht in den großen Publikumssendern, und auch nicht in den kleinen (und leider schon lange nicht mehr feinen!) Kultur- und Spartensendern, die genug Sendeplatz dafür hätten.

Da kommen vermutlich gleich die üblichen Rechtfertigungen: wir müssen auf die veränderten Sehgewohnheiten des Publikums Rücksicht nehmen, die Gesellschaft ist eben säkular geworden usw. Ja, das ist sie – aber warum? Auch weil die Kirchen gar nicht mehr den Versuch machen, ihren Glauben so zu verkünden, daß er auch wahrgenommen wird, weil sie, allen voran die Protestanten, innerlich selbst säkular (und fast beliebig!) geworden sind. Gerade in diesen Tagen erinnert man sich daran, wie die evangelische Kirche vor Jahren den Buß- und Bettag für ein Linsengericht verkauft hat. Das Verlangen nach Spiritualität wird immer größer, aber die Kirchen schauen seelenruhig zu, wie die Menschen diese Spiritualität im Buddhismus und in esoterischen Zirkeln suchen.

Da darf man sich nicht wundern, daß im Bayerischen Fernsehen der Totensonntag mit dem Italowestern Töte, Amigo! gekrönt wird.

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