Thomas Gottschalk, der Focus und eine Schwäche für Bockwürste

Manchmal denkt man wirklich: die haben sie doch nicht mehr alle! Da stellt der Focus tatsächlich einen Live-Ticker zu „Wetten, daß…? ins Netz. Für wen oder was der gut sein soll, das wissen nicht einmal die Götter. Aber wir wollen uns ein paar der journalistischen Höhenflüge ansehen:

20.29 Uhr: Gottschalk boxt Bohlen, Gottschalk springt vom Zehner, Gottschalk tunkt sich selbst in Senf.

20.54 Uhr: Nowitzki überreicht ein Trikot, ein getragenes, aber Gottschalk freut´s trotzdem, sehr sogar. Und findet dann heraus, dass auch der Riese Nowitzki im stehen pinkelt.

21.03 Uhr: Herrlich, der Spülkastenflüsterer redet über Toiletten wie Sommelier. Wette gewonnen.

21.12 Uhr: Kravitz ist ein richtiger Charmeur. Michelle Hunziker wirft gleich mal wieder ein paar Gläser um.

21.15 Uhr: Der Til findet die Jessica eine ganz tolle Kollegin und die Jessica hält den Til für einen ganz tollen Kollegen – falls Sie es noch nicht wussten.

22.43 Uhr: Das läuft alles auf Dich zu“, sagt Gottschalk. Lippert will aber nicht. Puh.

23.02 Uhr: Gottschalk hat offensichtlich eine Schwäche für Bockwürste.

Jetzt könnte man sagen: na ja, der Focus. Zum Glück gibt’s ja noch die seriöse Konkurrenz. Und was findet man auf Spiegel Online? Richtig – einen Live-Ticker zu „Wetten, daß…?“

Auch hier ein paar Beispiele:

[20:02] Ein erster Blick auf Thomas Gottschalk beim Warmup: Er trägt heute einen roten Karo-Anzug und erinnert damit stark an den Cartoon-Detektiv Nick Knatterton.

[20:35] Ist Michelle Hunziker nicht nur blendend aussehend, sondern noch dazu ehrlich herzlich?

[20:45] Gottschalk wirkt entspannt und aufgeräumt.

[20:49] Michelle Hunziker klappert beim Hantieren mit Geschirr vernehmlich auf dem Couchtisch.

[21:05] Hoho: Wie der Mann fast mit dem Kopf im Klo hängt und über fehlendes oder vorhandenes Nachblubbern philosophiert!

Zugegeben, da ist hin und wieder (nach Spiegel-Art) ein bißchen mehr Ironie dazwischengestreut als in den dämlichen Focus-Bemerkungen – aber was das ganze soll, erschließt sich mir nicht. Ein Journalist soll sich die Sendung gefälligst aufmerksam ansehen und eine ordentliche Kritik darüber schreiben. Das ist seine Aufgabe – und nicht so ein Quark.

Der Höhepunkt des Wahnsinns war übrigens vor zwei Wochen ein Live-Ticker zum abendlichen Tatort – „die Verbrecherjagd im FOCUS-Online-Ticker“, wie das Qualitäts-Magazin stolz schreibt.

Und da denkt man, man hätte im Leben schon alles gesehen.

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Über das frische Sensorium und die innere Ruhe

Schopenhauer ist, neben Kant, der größte deutsche Philosoph. Das kann man, glaube ich, mit den besten Argumenten belegen, und wer einmal begonnen hat, ihn zu lesen, kann schwerlich wieder damit aufhören. Aber man man muß schon die Werke selbst lesen, nicht das, was in den sog. „Philosophiegeschichten“ über ihn kolportiert wird. Er hat nämlich wie kein anderer darunter gelitten, daß man ihn zu Lebzeiten überhaupt nicht beachtet und danach in die falschen Schubladen gesteckt hat: er war (völlig zu Unrecht!) auf einmal der böse Geist, der stets verneint, ein Pessimist von Grund auf, der Vorläufer Nietzsches (die beiden haben in Wahrheit nichts, aber auch gar nichts gemein!) – und natürlich war er ein Weiberfeind. Ja, es ist richtig, manches, was er schreibt, würde Emma nicht abdrucken, man würde es heute als frauenfeindlich einstufen. Aber das ist nicht mehr als eine (wahrscheinlich nur biographisch erklärbare) Marotte, sie schmälert nicht sein Werk, sie hat im Grunde damit überhaupt nichts zu tun. (Ganz abgesehen davon, daß selbst diese oft ungerechten Invektiven noch viel, viel geistvoller sind als die gesamte Gender-Korrektheit der Gegenwart.)

Ich habe heute, eher zufällig, einen Abschnitt aus seiner Schrift „Vom Unterschiede der Lebensalter“ herausgegriffen. Man kann darin sehr schön sehen, wie er schreibt und philosophiert. Sein Hauptwerk – Die Welt als Wille und Vorstellung – ist natürlich strenger in der Anlage, und man tut gut daran, es mindestens zweimal zu lesen. Aber das ist eben auch das Zeichen wirklicher Philosophie: daß sie nicht seicht dahinplätschert wie manches, was heute, fast frevlerisch, Philosophie genannt wird, obwohl es doch nur seichteste Ratgeberliteratur ist.

Also – hier ist eine kleine Bemerkung über die Jugend und das Alter:

Die Jugend ist die Zeit der Unruhe; das Alter die der Ruhe: schon hieraus ließe sich auf ihr beiderseitiges Wohlbehagen schließen. Das Kind streckt seine Hände begehrlich aus, ins Weite, nach Allem, was es da so bunt und vielgestaltet vor sich sieht: denn es wird dadurch gereizt; weil sein Sensorium noch so frisch und jung ist. Das Selbe tritt, mit größerer Energie, beim Jüngling ein. Auch er wird gereizt von der bunten Welt und ihren vielfältigen Gestalten: sofort macht seine Phantasie mehr daraus, als die Welt je verleihen kann. Daher ist er voll Begehrlichkeit und Sehnsucht ins’s Unbestimmte: diese nehmen ihm die Ruhe, ohne welche kein Glück ist. Im Alter hingegen hat sich das Alles gelegt; theils weil das Blut kühler und die Reizbarkeit des Sensoriums minder geworden ist; theils weil Erfahrung über den Werth der Dinge und den Gehalt der Genüsse aufgeklärt hat, endlich auch weil man nunmehr tausend Chimären allmälig losgeworden ist, welche früher die freie und reine Ansicht der Dinge verdeckten und entstellten; so daß man jetzt Alles richtiger und klärer erkennt und es nimmt für Das, was es ist. Durch dies Alles ist demnach Ruhe herbeigeführt worden: diese aber ist ein großer Bestandtheil des Glücks; wenn nicht gar die Hauptsache.

Ist das nicht schön? Man sieht schon, daß es bei Schopenhauer nie um bloß abstrakte Begriffe geht – alles ist immer auf das Menschliche, die conditio humana bezogen. Und noch etwas muß man wissen: Schopenhauer hat als einer der ersten westlichen Philosophen die Tiefe der buddhistischen Religion und überhaupt des fernöstlichen Geisteslebens erkannt und in sein philosophisches System eingearbeitet.

Vielleicht habe ich ja jetzt dem einen oder anderen ein wenig Appetit gemacht. Man kann übrigens die wunderbare sechsbändige Schopenhauer-Gesamtausgabe von Ludger Lütkehaus beim Zweitausendeins-Verlag für ganze 49,90 Euro kaufen. Sie entspricht bis zum letzten Komma dem Willen des Philosophen – und vielleicht ist sie auch bei Ihnen bald so zerlesen wie mein eigenes Exemplar.

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Resozialisierung mißlungen!

Peter Maffay, der dem Rapper Bushido eine zweite Chance geben wollte, hat seine Zusammenarbeit mit ihm eingestellt.

In einem Interview mit der Bildzeitung sagte er:

Es war ein Versuch, der leider nicht zu dem Ergebnis geführt hat, das wir uns alle gewünscht haben.

Da geht auseinander, was nie zusammengehört hat. Ein Wolf, der Kreide frißt und auf harmlos macht, bleibt eben doch immer ein Wolf.

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Ich wollt, ich wär ein Fernsehkoch

Also, wenn ich mal groß bin, möchte ich unbedingt Fernsehkoch werden. Was hat man da für ein Leben! Mit der Küche in einem Restaurant kann man das nicht vergleichen, das ist harte Arbeit, das Essen muß schnell zum Gast, sonst kommt er nicht wieder. Aber im Studio sitzt ein Publikum, das sich auch für ein Stück trocken Brot zu Begeisterungsstürmen hinreißen läßt.

Am liebsten wäre ich ja Fernsehkoch beim ZDF, zum Beispiel in der Küchenschlacht. Da müssen drei, vier arme Würstchen in kurzer Zeit ein Menü kochen, und während ihnen der Schweiß auf der Stirn steht, kann ich herumstolzieren und süffisante Bemerkungen über sie machen. Das macht wirklich Spaß! Am Ende tröste ich sie natürlich, man ist ja kein Unmensch.

Ab und zu stürze ich auf eine Kamera zu, um den Zuschauern etwas von meinem profunden Wissen abzugeben. Etwa so: „Versuchen Sie doch einmal, die Banane zu schälen, bevor Sie sie verzehren. Sie werden erstaunt sein, wie anders sie dann schmeckt!“ Und dann tobt das Publikum im Saal ganz toll, weil es wieder etwas von mir gelernt hat.

Überhaupt – das Publikum! Es ist ja so dankbar für alles. Ich koste zum Beispiel an einem der Menüs, runzle ein paar Sekunden die Stirn und murmele dann: „Nicht schlecht.“ Und schon trampelt und johlt das Publikum im Saal, als ob gerade Florian Silbereisen zur Tür hereingekommen wäre. Sie hängen mir an den Lippen, sie vergöttern mich.

Sehen Sie: deshalb möchte ich Fernsehkoch werden, wenn ich einmal groß bin.

Aber im Ernst: hängen Ihnen diese Kochshows auch so zum Halse heraus wir mir? Damals bei Alfredissimo ging es ja noch zivilisiert zu, Alfred Biolek war schon immer ein gebildeter, freundlicher, unaufdringlicher Mensch. Er war eben noch Gastgeber und hatte Gäste.

Dann kamen Kerners Köche, und aus dem Gespräch in der Küche wurde – eine Show. Die ersten Sendungen waren erträglich, da haben die Köche noch gekocht. Das Kochen ist inzwischen fast zur Nebensache geworden, in erster Linie will man das Saalpublikum zum Johlen, Lachen, Stampfen bringen. Es genügt dazu völlig, dem Gericht einen besonders blumigen Namen zu geben, sagen wir

Crepinette von Taube und Wachtel mit Trüffeljus und Petersilie.

Und schon tobt das Publikum. Es ist ja sooo dankbar! Und je kleiner sich das Publikum macht, je mehr es zu den fast vergöttlichten Sterneköchen aufschaut, desto eitler und pfauenhafter werden die. Sie sind inzwischen überall, niemand entkommt ihnen mehr. In jedem Supermarkt, selbst bei einigen Discountern bieten sie ihre Produktlinien an. Und wenn Sie, nichts Böses ahnend, eine Buchhandlung betreten, stolpern Sie garantiert über einen Tisch, auf dem – meterhoch aufgetürmt – die Fernsehköche ihr Unwesen treiben. Sie müssen ihre Kochbücher fast im Minutentakt schreiben! Überall grinsen sie einem entgegen: Lichter, der immer das Kaschperl gibt, der ruhige Johann Lafer, der es faustdick hinter den Ohren hat, die leicht frivole Sarah Wiener – jeder von ihnen ist inzwischen zu einem Schauspieler geworden, der einen Koch spielt,  sie haben eine Rolle, eine persona, und diese Rolle spielen sie für das bescheidene Publikum. Es ist Marketing auf höchstem Niveau.

Müssen Köche so sein? Nein. Ich empfehle meinen Lesern die Sendung Wir in Bayern, die an jedem Werktag um 15.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen läuft. Da wird auch gekocht (und zwar gut!), aber keiner der Köche macht eine Show daraus. Deshalb ist es so unterhaltsam, ihnen bei ihrer Arbeit zuzusehen.

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Lieber Mutti als Gutti!

Ich bin, wie man nachlesen kann, wirklich kein Freund unserer Kanzlerin. Ich halte ihre Energiepolitik für katastrophal, und ihre Wirtschaftspolitik ist in meinen Augen nicht mehr als ein blindes Herumwurschteln.

Aber sie ist mir immer noch hundertmal lieber als dieser Freiherr aus dem Oberfränkischen, der offenbar wirklich glaubt, daß nur an ihm die deutsche Politik genesen kann. Auf die eigene Partei einzudreschen, die in der Plagiatsaffäre viel zu rücksichtsvoll mit ihm umgegangen ist, ist ja schon dreist genug. Aber daß er jetzt auch noch die Universität Bayreuth angreift, deren Ruf noch auf lange Zeit unter dieser Affäre leiden wird, ist an Frechheit kaum mehr zu überbieten.

Die Universität Bayreuth sei immer „parteiisch“ gewesen, meint er. Und das stimmt sogar. Sie hat – ein bißchen spät zwar, aber immerhin – sie hat doch noch Partei ergriffen: für die wissenschaftliche Redlichkeit und gegen einen, der sich mit fremden Federn schmücken wollte.

Mit seiner Arroganz und einer fast schon tragischen Fehleinschätzung der eigenen Wichtigkeit hat er sich jetzt sein politisches Grab geschaufelt.

Er wird in der deutschen Politik keine Rolle mehr spielen.

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Richard David Precht

Richard David Precht, so steht es in der Wikipedia, ist „ein deutscher Philosoph“. Das ist nichts Geringes, denn damit stünde er auf Augenhöhe mit Kant, Hegel und Schopenhauer! Freilich heißt es dann ein paar Zeilen weiter, er sei

ein Publizist, der vor allem als Autor erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher zu philosophischen Themen bekannt geworden ist.

Das kommt der Wahrheit schon ein bißchen näher. Mit der Bezeichnung „Philosoph“ sollte man überhaupt sehr, sehr sparsam umgehen. Nicht jeder Professor, der an der Universität Philosophie lehrt, ist ein Philosoph – im Gegenteil: nur die wenigsten von ihnen sind es. Und es hat wirklich große Philosophen gegeben, die nie an einer Universität unterrichtet haben. Schopenhauer ist einer von ihnen. Nach einem kurzen, gescheiterten Versuch einer akademischen Karriere hat er nie wieder einen Hörsaal betreten. Und das war eine gute Entscheidung. Mit einem Erbe ausgestattet, das er klug zusammenhielt, konnte er jetzt – sozusagen als Privatier – wirklich philosophieren, und so ist ein philosophisches Werk entstanden, das seinesgleichen sucht.

Wer „Bücher zu philosophischen Themen“ schreibt, ist noch lange kein Philosoph. Im übrigen scheint mir Precht eher im Begriff zu sein, der neue Hans-Olaf Henkel zu werden. Er tingelt durch die Talkshows und handelt jedes Thema ab, zu dem man ihn befragt. Schon deshalb ist er natürlich ein gefragter Gast. Ob er sich freilich darüber freuen kann, wenn als Berufsbezeichnung „Philosoph“ eingeblendet wird, weiß ich nicht. Mir selbst wäre es eher peinlich.

Also, kurz und bündig zusammengefaßt: nur wer in die Tiefe (und nicht bloß in die Breite!) geht, ist ein Philosoph.

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Für das Baby de Luxe

Gerade im Internet auf der Suche nach einer Wickelmatte entdeckt:

Die farblich abgestimmten Change Mats sind die ideale Ergänzung zu unseren Goober Baby Change Purses und Tote Bags.

Schön, daß man passend dazu die „Designer-Windeltaschen von Goober Baby und Ju-Ju-Be“ bekommt“. Wer will, kann übrigens auch gleich eine „Green to Grow Babyflasche“, den „SwaddleMe von Kiddopotamus“ oder einen „RingSling“ mitbestellen. Sogar Lätzchen gibt’s:

Der preisgekrönte Banda Bib ist ein stylisches Sabber-Lätzchen im Halstuch-Look.

Nur – Tote Bags? Das klingt irgendwie unangenehm.

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Der Tatort „Ein ganz normaler Fall“

War das wirklich nötig? Soviele hölzerne Belehrungen, so viel Schulfunk?

Da fällt dem Aaron sein Käppchen herunter, und es entsteht folgender Dialog:

Batic: „Dir ist da grad dein Käppchen heruntergefallen.“
Aaron: „Das ist meine Kippa.“
Batic: „Kippa?“

Wir alle wissen, daß hier nicht etwa Aaron dem Kommissar erklärt, was eine Kippa ist, sondern – die Drehbuchautoren erklären es dem Zuschauer.

Und so geht es weiter. Wie z.B. macht man dem Publikum begreiflich, was ein Schames ist? In der Schulfunkvariante geht das so:

Aaron: „Aaron ist der Schames vom Rebbe.“
Batic: „Der Schames, das is ja’n Ding. Der Schames, das ist doch der, der …“
Aaron: „Der Assistent vom Rabbiner, ja.“

So, jetzt hat es auch der letzte Zuschauer begriffen.

Oder das: Leitmayr erzählt seinem Kollegen, daß er nie in Dachau war. Dachau? Damit der Zuschauer etwas mit dem Wort „Dachau“ anfangen kann, lassen die Drehbuchschreber Batic nachfragen:

In der KZ-Gedenkstätte?

Ach so, stimmt ja – Dachau war ein Konzentrationslager!

Und so gehen Batic und Leitmayr wie die Kinder mit großen Augen durch die Welt der jüdischen Eingeborenen und wundern sich über ihre seltsamen Sitten und Gebräuche. Nichts ist beiläufig, alles wird ausgesprochen und dem Zuschauer gut vorgekaut erklärt: vom koscheren Kuchen bis zum deutsch-jüdischen Verhältnis – es wird nichts ausgelassen.

Und am Schluß holt Leitmayr seinen Besuch in Dachau nach – Sie wissen ja: in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Dieser Tatort ist wirklich politisch korrekt bis zur letzten Sekunde.

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In der Sache Michael Schmidt-Salomon gegen Benedikt XVI.

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist, wenn man ihrer Selbstdarstellung folgt, eine „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“. Wenn man freilich liest, wie schlicht und holzschnittartig ihr Sprecher, Michael Schmidt-Salomon, argumentiert, denkt man eher an Aufkläricht als an Aufklärung. Aber nein – selbst das, was man in den großen geistigen Debatten des 18. Jahrhunderts herabsetzend als Aufkläricht bezeichnet hat, ist nicht einmal halb so seicht wie die Äußerungen dieser Gesellschaft, die sich nun wirklich völlig zu Unrecht mit dem Namen von Giordano Bruno schmückt.

Er kann sich nicht mehr wehren.

Der pensionierte Professor für Rechts- und Sozialphilosophie der Universität Mainz, Norbert Hoerster, hat die Stiftung und ihren Beirat jetzt verlassen. In einem Artikel in der Samstagausgabe der F.A.Z. – er ist online leider nur kostenpflichtig herunterzuladen – begründet er seinen Schritt. Ich will nur ein paar der Zitate anführen, die ihn dazu bewogen haben.

Papst Benedikt, so der große Aufklärer und Humanist Schmidt-Salomon, gehöre „vor ein Internationales Gericht“. Er habe einen „verheerenden Einfluß auf die Weltpolitik“. Überhaupt sei der ganze Vatikan ein „Schurkenstaat“.

Und was ist der Papst noch?

Ein Mann, der Abermillionen von Menschen weltweit zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Todesfolge anstiftet.

Immerhin hat Schmidt-Salomon herausgefunden, wodurch sich der Mensch von den Tieren (auch von den übrigen Primaten) unterscheidet:

Der Mensch ist der Affe, der am allerbesten nachäffen kann.

Und dieses Nachäffen, so Schmidt-Salomon, ist die

Grundvoraussetzung aller menschlichen Kulturleistungen.

Hätten Sie’s gewußt? Sagen wir es doch so: nicht nur Affen, auch Menschen stoßen hin und wieder sichtbar an die Grenzen ihres Verstandes. Und das ist für den Leser immer ein sehr, sehr trauriges Spektakel.

Was ich aber nicht verstehe: wie denkende, vernünftige Menschen (etwa der Schopenhauer-Herausgeber Ludger Lütkehaus) einem Verein weiter angehören können, der nicht etwa klug für den Atheismus, sondern voller Haß (und deshalb ohne Sinn und Verstand) gegen die Religionen argumentiert -wenn man denn Aussagen wie die oben zitierten noch unter dem Begriff „Argument“ subsumieren will.

Allein die geschmacklosen „Aktionen“ während des Papstbesuchs – früher hätte man von Happenings gesprochen – müßten eigentlich jeden vernünftigen Menschen zum Verlassen dieser Stiftung bewegen. Da soll eine prügelnde Nonne als Puppe die Kirche darstellen, da werden „religionsfreie Zonen“ eingerichtet, und Christi Himmelfahrt wird (ach, was sind wir wieder provokativ!) durch einen „Evolutionstag“ ersetzt.

Die Evolutionstheorie ist überhaupt so etwas wie die Bibel dieser merkwürdigen Sekte. Daß die Theorie ihren eigenen Feiertag bekommen soll, ist nicht gerade wahrscheinlich, aber, so kann man es auf der Internetseite der Stiftung lesen:

Diese „ketzerische Initiative“ sorgte dafür, dass über die Evolutionstheorie endlich auch außerhalb der akademischen Elfenbeintürme diskutiert wurde.

Na, da sind wir aber froh, daß die Giordano-Bruno-Stiftung diese aufregende neue Theorie endlich unters Volk gebracht hat! Vielleicht hätten wir sonst bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Existenz erfahren …

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Alles Ramsch in Europa

Ganz Europa ein einziger Ramschladen – so sehen die Ratingagenturen unseren kleinen Kontinent. Alle paar Tage kommen neue (schlechte) Nachrichten von Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch, und immer neue Länder werden auf Ramschniveau zurückgestuft.

Wie haben sich noch vor kurzem alle über die bösen Griechen aufgeregt! Ich habe damals schon gesagt (man kann es nachlesen), daß hier nur ein Sündenbock gesucht wurde. Ich habe auch gesagt: wartet nur ab – bald seid ihr selbst an der Reihe! Kaum war Papandreou zurückgetreten, war Italien am Pranger. Dann Portugal. Dann Ungarn. Und jetzt Belgien.

Inzwischen sind auch die ersten deutschen Landesbanken herabgestuft worden.

Parallel dazu häufen sich seit Monaten die Meldungen, daß die europäische Politik die Macht dieser verantwortungslosen Ratingagenturen beschneiden möchte. Aber – sie tut es nicht!

Und warum nicht? Weil die Politiker sehr genau wissen, daß die Ratingagenturen nur der sichtbare Auswuchs einer völlig außer Rand und Band geratenen Finanzwelt sind. Diese Finanzwelt aber ist praktisch nicht mehr beherrschbar – jedenfalls nicht von unseren Politikern. Die merkeln und werkeln vor sich hin und scheinen die Krise als großen Freilandversuch zu sehen, in dem man durch learning by doing mal dieses, mal jenes ausprobiert, ohne selbst an einen Erfolg zu glauben.

Selten hat man Politiker so hilflos gesehen.

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