Ein Silvestergottesdienst

Es ist immer ein kleines Ärgernis, wenn man aus einem Gottesdienst kommt und nicht ganz zufrieden ist. Man kann einem Pfarrer nicht vorwerfen, daß ihm das Charisma fehlt. Charisma ist angeboren, man hat es, oder man hat es nicht. Aber wenn man es nicht hat, dann sollte man sich, wenn man Pfarrer ist, eigentlich besonders viel Mühe geben. Was man aber im Theologiestudium über das Predigen vor der Gemeinde gelernt hat, scheint eher einen falschen Weg zu weisen.

Wir waren gestern abend im Silvestergottesdienst, und der erste Satz des Pfarrers an die Gemeinde lautete: „Haben Sie ein Navi?“ Selbst mit wenig Gottesdiensterfahrung konnte man sich schon da fast die gesamte Predigt ausmalen. Ein paar humorvolle Bemerkungen über das Navigationsgerät, an das sich dann sehr schnell der erwartete (und breit ausgewalzte) Vergleich anschloß: was das Navi für die Autofahrt, das ist der Glaube für unser Leben.

Es ist (auch) dieses Biedere, Erwartbare, immer Gleiche, das die Kirchen leerer macht, als sie sein müßten. Verstockte Säkularität gibt es auch, aber viel weiter verbreitet ist eine tiefe Unzufriedenheit mit dieser Art des Predigens im evangelischen Gottesdienst. Die Botschaft selbst ist doch weiß Gott nicht hausbacken – aber die Predigt ist es fast immer. So klaffen die Botschaft und die Art und Weise ihrer Verkündigung unerträglich weit auseinander.

Niemand muß so wortmächtig sein wie Luther, aber ein paar Funken müssen schon sprühen. Warum soll man sonst wiederkommen?

So werden die meisten Gottesdienste nur durch die schönen alten Lieder erträglich. Sie sind wirklich ein Pfund, mit dem die evangelische Kirche wuchern kann – wenn sie denn gesungen werden! Neuere Kirchenlieder wirken dagegen oft ein wenig kraftlos und schlagerhaft. So war es gestern auch mit Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das immer noch auf eine gelungene Vertonung wartet. Einen so wunderbaren Text darf man einfach nicht durch eine dünne Melodie beleidigen!

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Ein gutes neues Jahr!

Allen meinen Lesern wünsche ich ein gutes und friedliches neues Jahr!

Möge es gelingen, die vielen Zündler und Brandstifter dieser Welt – wie den kleinen Mann in Teheran – davon abzuhalten, die Lunte anzuzünden.

Mehr kann man ja nicht tun als – das Beste zu hoffen.

Ein gutes neues Jahr!

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„Sicherheitskräfte“

In Syrien, so liest man überall in der Presse, seien schon mehr als 5.000 Menschen von „Sicherheitskräften“ getötet worden. Nichts könnte den Zynismus, der im Gebrauch dieses Wortes liegt, besser veranschaulichen.

Das Duden Universalwörterbuch definiert „Sicherheitskräfte“ so:

für die öffentliche, die innere Sicherheit zuständige polizeiliche o. ä. bewaffnete Kräfte.

Damit ist das sprachliche Problem aber nur verschoben, denn: was ist „innere Sicherheit“?

Eines steht fest: die 5.000 zu Tode gekommenen Syrer waren vor diesen „Sicherheitskräften“ nicht sicher. Welche Art von Sicherheit – oder noch genauer: wessen Sicherheit – wird durch solche Kräfte also geschützt?

Chinesische „Sicherheitskräfte“ verschleppen unliebsame Dissidenten und prügeln auf Befehl der Partei auf Demonstranten und Mönche ein. Mancher ist schon in der „Obhut“ dieser „Sicherheitskräfte“ gestorben. Russische „Sicherheitskräfte“ haben (wenn auch vergeblich) versucht, die Demonstrationen gegen Putin mit Schlagstöcken im Keim zu ersticken. Vor zwei Wochen haben kasachische „Sicherheitskräfte“ das Feuer auf demonstrierende Ölarbeiter eröffnet. An die 70 Menschen kamen dabei ums Leben. Ägyptische „Sicherheitskräfte“ gehen immer noch mit großer Brutalität gegen Demokraten (und, wie vor kurzem, auch gegen friedlich demonstrierende Kopten) vor. „Sicherheitskräfte“ des sudanesichen Präsidenten haben die ganze Region Darfur in ein Schlachthaus verwandelt.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Es geht, wie bei dem Wort „Obhut“, darum, daß Gut und Böse, Rechtsstaat und Diktatur sprachlich nicht mehr auseinandergehalten werden. Ob ich in der Obhut der deutschen oder in der Obhut der chinesischen Polizei bin, macht einen großen Unterschied. Und nicht anders verhält es sich mit den Sicherheitskräften.

Es geht nicht an, eine Polizei, die im Dienste des Rechtsstaats steht, sprachlich mit dem gleichen Wort zu bezeichnen wie die bewaffneten Kräfte unter dem Befehl eines Diktators. Die einen schützen den Bürger vor dem Verbrechen und sind dabei streng an die bestehenden, demokratisch zustandegekommenen Gesetze gebunden. Die anderen schützen den Diktator und sein unrechtmäßiges Regime gegen das eigene Volk.

Für zwei so verschiedene Dinge ein und dasselbe Wort zu gebrauchen, ist zumindest leichtfertig. Die deutsche Sprache ist doch so reich an Wörtern und Nuancen, da muß man nicht aus Bequemlichkeit zu einem scheinbar „neutralen“ Wort greifen, das am Ende auf eine zynische Gleichsetzung von Unvergleichbarem hinausläuft.

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„Autofahrer gewöhnen sich an E10“

So lautet die Überschrift eines Artikels, den Tim Höfinghoff heute im Wirtschaftsteil der F.A.Z. veröffentlicht hat (hier nachzulesen).

Liest man ihn genauer, kann man die Überschrift nicht ganz verstehen, denn Höfinghoff sagt selbst:

Der Anteil am Gesamtumsatz steigt zwar langsam, aber er steigt.

In Deutschland soll der Anteil des E10-Benzins bei 11 % liegen. Aber in welchem Zeitraum ist er um wieviel Prozent gestiegen? Das wird uns nicht verraten. Auch der Aral-Sprecher sagt nur sibyllinisch: „Der Anteil steigt langsam an.“

Offenbar soll hier bloß Stimmung für den ungeliebten Kraftstoff gemacht werden, denn die Autofahrer freunden sich keineswegs mit diesem Benzin an. Wer es dennoch tankt, weil es ein paar Cent billiger ist, sollte genau wissen, was er da tut.

Es geht nämlich nicht um die Motorschäden, die vielleicht durch das E10-Benzin entstehen (diese Gefahr scheint relativ klein zu sein). Es geht darum, daß wir auf wertvoller Ackerfläche – und soviel davon haben wir wirklich nicht! – Weizen, Roggen und Zuckerrüben anbauen, um sie im Motor zu verbrennen, statt daraus gute Nahrungsmittel zu machen. Diese weltweite Entwicklung hat inzwischen beängstigende Ausmaße angenommen. Fast auf allen Kontinenten wird die Natur großflächig zerstört, damit wir in der Illusion leben können, unsere Autos würden jetzt ökologisch und nachhaltig fahren.

Jetzt mag es manchen geben, der sich für ökologische Zusammenhänge und überhaupt für den Schutz der Natur nicht sonderlich interessiert – der „Öko“ ist ja in diesen Kreisen zu einem Schimpfwort geworden. Aber auch sie werden noch ihr blaues Wunder erleben, denn die Fläche, die für den Anbau von Pflanzen zur Verfügung steht, ist nicht vermehrbar, und wenn ein immer größerer Teil davon für den Bio-Sprit abgezweigt wird, werden die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel auf breiter Front steigen. Diese Entwicklung hat in der Dritten Welt schon begonnen, und sie wird in kurzer Zeit auch in den Industrieländern zu spüren sein.

Auch Aldi, Lidl & Co. werden uns dann nicht mehr helfen können.

Deshalb kann man es nicht oft genug sagen: wer E10-Benzin tankt, ist nicht nur mitverantwortlich für eine globale Naturzerstörung, die ihresgleichen sucht – er wird die Folgen auch am eigenen Leibe zu spüren bekommen.

Und zwar viel früher, als er glaubt.

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Von Darfur nach Damaskus – eine arabische Karriere

Ich hatte vor drei Tagen an dieser Stelle über die Ungeheuerlichkeit berichtet, daß mit Muhammad al-Dabbi ausgerechnet ein treuer Gefolgsmann des sudanesischen Präsidenten al-Baschir zum Leiter der Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien ernannt wurde. Al-Dabbi soll in die Kriegsverbrechen in Darfur verwickelt sein. Amnesty International stellt fest, daß unter seinem Kommando der sudanesische Geheimdienst „für willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, Folter und Misshandlungen zahlloser Menschen im Sudan“ verantwortlich gewesen sei.

Jetzt scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen. Al-Dabbi spazierte durch die von Assads bewaffneten Banden schwer gezeichnete Stadt Homs und sagte dann zu Reportern, es sei ein „ruhiger Tag“ gewesen. Es habe, so zitiert ihn tagesschau.de,

keine Kämpfe gegeben, die Lage beruhige sich, sei nicht beängstigend.

Freilich, verglichen mit Darfur und den Schlachtfesten der Dschandschawid ist die Lage in Syrien wirklich „nicht beängstigend“. Was ist schon die Auslöschung der syrischen Opposition gegen einen regelrechten Völkermord?

Nabil al-Arabi, der Generalsekretär der Arabischen Liga, lobte übrigens, wie man in der Financial Times nachlesen kann, die „sehr breite Erfahrung“, die al-Dabbi zu einer idealen Wahl für diese Mission mache.

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Braucht die Weld noch Pabst und Pabsttum?

Der italienische Journalist Marco Politi – „einer der bedeutendsten Vatikanexperten“, wie Tilmann Kleinjung vom ARD-Hörfunkstudio Rom meint (hier nachzulesen) –  hat ein sehr kritisches Buch über Benedikt XVI. geschrieben („Crisi di un papato“). „Joseph Ratzinger“, so lautet denn auch gleich der erste Satz des Buches, „hätte nicht Papst werden dürfen.“ Und so geht es weiter: ein „sanfter Spalter“ sei er, alles sei ihm mißglückt, keines der drängenden Probleme habe er angepackt, dafür zettele er ständig neue Konflikte an – und dann der Mißbrauchsskandal! Und die Piusbruderschaft! Und so geht es weiter.

Niemand wäre übrigens auf die Idee gekommen, so etwas Johannes Paul II. entgegenzuschleudern. Aber ich will mich an der Auseinandersetzung über das Pontifikat Benedikts XVI. an dieser Stelle gar nicht beteiligen (vielleicht später einmal). Nein, es geht mir heute um die Qualität intellektueller Auseinandersetzung im Internet.

Über das Buch kann man sicher wunderbar streiten, und über Kleinjungs Artikel auf tagesschau.de auch (Kleinjung ist übrigens evangelischer Theologe). Aber sehen wir uns lieber einmal die Kommentare der Leser auf der Tagesschau-Seite an.

„Jeder kann Pabst werden, nur kein Deutscher“! So hieß es vor der Wahl zum neuen Pabst!

Wozu eigentlich Pabst? Die Behauptung, der Pabst sei von Gott selbst zu seinem Stellvertreter eingesetzt ist eine Zweck behauptung fuer etwas *Selbst Angemasstes* und somit ist Pabst& Pabsttum eine innerkirchliche angelegenheit. Der Rest der Welt braucht keinen Pabst.

Es ist wahr, die Welt braucht vielleicht keinen Pabst, aber daß sie einen Papst hat, und einen klugen noch dazu, das gefällt mir.

Der nächste, bitte!

Ich bin Evangelisch und die Katolischen Kirche mit Ihren Päpsten die in den Jahrhunderten viel Mist gebaut sehe sehr kritisch da in meinen Augen immer sehr alt Modisch. Aber unser jetziger Papst fällt da nicht besonders auf. Es sind halt meistens alte Leute die in Rente gehöhren. Ich bezweifle das die Weld einen Papst braucht. Aber dieser ist weder besonders Gut noch besonders Schlecht.

Ein kluger, ausgewogener Beitrag, nicht wahr? Und noch ein paar weitere Häppchen aus der Diskussion:

Der Papa und sein Kinderquälverein sind auch schon auf der gleichen Überfluss-Liste wie unser BP.

Er sieht immer müder aus. Das ganze Papsttum an sich ist doch schon ein Anachronismus. Ein anderer alter Mann hätte auch nichts anderes bewirkt. Und wie viele Followers hat die katholische Kirche trotzdem immer noch. Es ist doch der gemeine Mann und die gemeine Frau, die aufwachen müssen. Lassen wir Ratzinger seinen Schlaf.

Nur als kleiner Einschub: der „müde“ Papst ist 84 Jahre alt. Darf man da nicht ab und zu mal ein bißchen müde sein? Aber weiter geht’s – diesmal mit Humor und mit der heute in unserem Land und besonders im Netz ubiquitären „ganz neuen Rechtschreibung“:

Alten verbohrte sture Männer hinter hohen Mauern, abgeschottet von der Realität, in Brokrat Kleidern sitzen Abends zusammen und singen: „Wir machen uns die Welt widde widde wie sie uns gefällt…..“.

Öffnet diese Archive des Vatikans. Es kann nicht angehen das Gottvater auch angeblich alle Menschen für dumm verkauft und nur besonders gewählten Päpsten eine Einsicht in wichtigen Glaubensfragen und Geheimnissen gewährt.

Der Vatikan wird nie seine Archive oeffnen, weil dann Dinge ans Licht der Welt kommen, die das Dasein und die Existenzberechtigung in Frage stellen wuerde.

Vielleicht – das nur nebenbei – sollte man einfach mal in der Wikipedia den Artikel über das Vatikanische Geheimarchiv lesen? Es ist nämlich recht riskant, sein Wissen allein aus der Lektüre von Vatikan-Thrillern und Verschwörungstheoretikern zu schöpfen.

Aber ein paar kritische deutsche Stimmen wollen wir uns noch antun:

Es ist das Versäumnis der Gesamtheit der katholischen Christen endlich reinen Tisch zu machen, dem Pontifex und seinen bunten Tanten klarzumachen, dass sich die Zeiten ändern.

Ansonsten finde ich das man die kath. Kirche einfach überbewertet, denn sie tut nicht wirklich was für seine „Schäfchen“.

Das Buch ueber den Papst aendert auch nichts, weil echte Katholiken lassen sich vom Glauben nicht abbringen,auch wenn sie am Tage Menschen sind und Fehler machen,oder an der Bibel vorbei leben…..

Für mich ist der Pontifikat mit Johannes Paul gestorben! Und ich glücklicher Moslem! Fernab jeder verbrämter alter Männer, die sich fernab von „hier und jetzt“ im „Schrank leben“ und staubiges predigen ;D

Das ist übrigens keine Auswahl der kuriosesten Beiträge – so oder ähnlich äußert sich der größte Teil der Diskussionsteilnehmer.

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Kennzeichnungspflicht von Palmöl in der EU – ein kleiner Fortschritt

Am 6. Juli 2011 hat das Europaparlament die sog. Lebensmittelinformationsverordnung verabschiedet, auf bürokratisch die

Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel.

Diese Verordnung enthält, wenn die Lobbyisten auch manches Gute verhindert haben, doch eine ganze Reihe von Verbesserungen bei der Kennzeichnung von verpackten Lebensmitteln. Die für den Schutz der Natur wichtigste Änderung betrifft die jetzt etwas strenger gefaßte Kennzeichnung von Pflanzenölen.

Bisher fand man auf den Verpackungen häufig den Ausdruck „Pflanzliche Öle und Fette“. Das diente in aller Regel zur Verschleierung eines Inhaltsstoffes, der den Nahrungsmittelkonzernen wegen der öffentlichen Diskussion peinlich geworden war: des Palmöls. Niemand wußte also, ob in der Margarine das (sehr gesunde!) Rapsöl enthalten war – oder das ganz und gar nicht gesunde Palmöl, dessen Anbau in Plantagen obendrein (wie an dieser Stelle schon oft ausgeführt) zur Rodung von Regenwäldern in einem fast unvorstellbaren Ausmaß geführt hat – und immer noch führt.

Im Abschnitt „Raffinierte Öle pflanzlicher Herkunft“ heißt es in der neuen Verordnung:

Können im Zutatenverzeichnis unter der Bezeichnung „pflanzliche Öle“ zusammengefasst werden, wobei unmittelbar danach eine Liste mit den Angaben der speziellen pflanzlichen Herkunft aufzuführen ist, nach der die Wendung „in veränderlichen Gewichtsanteilen“ folgen kann. Im Falle einer Zusammenfassung werden die pflanzlichen Öle gemäß Artikel 18 Absatz 1 nach dem Gewichtsanteil der Gesamtheit der vorhandenen pflanzlichen Öle im Zutatenverzeichnis aufgeführt. Der Hinweis auf ein gehärtetes Öl muss gegebenenfalls mit dem Ausdruck „ganz gehärtet“ oder „teilweise gehärtet“ versehen sein.

Gerade die „spezielle pflanzliche Herkunft“, die gern versteckt wurde, muß jetzt deklariert werden. Der Verbraucher kann also selbst entscheiden, ob er ein Produkt, das ungesundes Palmöl enthält, kaufen oder lieber zu einem alternativen Produkt greifen möchte.

Einen Haken hat die Geschichte allerdings: es gibt wie fast immer eine Übergangsfrist – in diesem Fall sind es drei Jahre. Spätestens Ende 1914 muß aber auf jeder Verpackung angegeben sein, ob ein Lebensmittel Palmöl enthält.

Und noch ein kleiner Lichtblick: im deutschen Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) ist die Einspeisevergütung für Strom aus Pflanzenöl gestrichen worden.

Die beste Lösung wäre natürlich ein totales Einfuhrverbot von Palmöl in die EU. Damit ist aber in absehbarer Zeit sicher nicht zu rechnen.

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Ein Kriegsverbrecher als Delegationsleiter?

Da traut man seinen Augen nicht. Die Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien – und wen ernennt sie zum Leiter der Mission? Einen sudanesischen General namens Muhammad al Dabbi.

Dabbi, 63, war von Anfang an ein enger Vertrauter des sudanesischen Präsidenten Umar al-Baschir, gegen den der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag inzwischen einen Haftbefehl wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Darfur-Konflikt erlassen hat.

Dabbi hat al-Baschir in vielen Positionen gedient: er war Chef des Militärgeheimdienstes und des Auslandsgeheimdienstes, und er war jahrelang für die Bekämpfung des Aufstandes im Südsudan verantwortlich. Ob er selbst mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, ist unklar: der Spiegel verneint es, die F.A.Z. meint in ihren Artikel, daß ein solcher Haftbefehl bestehe. Zu den Hintergründen der Ernennung schreibt die Frankfurter Allgemeine:

Syrische Oppositionelle weisen darauf hin, dass Assad der Beobachtermission erst zugestimmt habe, nachdem die Arabische Liga Dabbi als Leiter der Beobachter nominiert habe. Dabbi unterhält enge Beziehungen zu Sudans Staatspräsident Omar Baschir, der wiederum ein Verbündeter von Assad ist. Außerdem soll Dabbi Verbindungen zu Irans Revolutionsgarden und deren Eliteeinheit der Qods-Brigaden unterhalten.

Ein solcher Mann leitet im Auftrag der Arabischen Liga eine offizielle Mission! Da kann man sich schon denken, was im Abschlußbericht stehen wird.

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China – kurzer Prozeß zur Weihnachtszeit

Am Tag vor Heiligabend ist der chinesische Dissident Chen Wei zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden – nicht für irgendein Verbrechen, sondern einzig und allein deshalb, weil er für sich das völkerrechtlich verbriefte Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch genommen hat. Jetzt kommt die zweite Weihnachtsbotschaft aus China: Chen Xi, 57, muß für das gleiche Delikt sogar für zehn Jahre ins Gefängnis. Die „Richter“ (besser sollte man sie als Handlanger der Kommunistischen Partei bezeichnen) brauchten für ihr „Urteil“ gerade einmal zweieinhalb Stunden.

Beobachter vermuten, daß China diese Schandurteile absichtlich in die Weihnachtszeit gelegt hat – bis die Diplomaten aus dem Weihnachtsurlaub zurückkommen, sind wieder ganz andere Themen aktuell.

Ach, soviel Taktik wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Der Westen wird auch diesmal, wie immer, milde protestieren – und dann weiter gute Geschäfte mit Peking machen.

Die fleißigen deutschen Importeure werden wie bisher den ganzen Schrott aus China aufkaufen und unser Land weiter damit überfluten.

Und die Museumsdirektoren? Die werden sich wieder mit ihren chinesischen Kollegen zusammensetzen und einen Maotai-Schnaps trinken.

Wohl bekomm’s!

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„Rankingshows“ – die Pest breitet sich weiter aus

Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle über ein besonders schlichtes Programmformat des Hessisches Fernsehens berichtet. Es ging damals um Sendungen wie „Die beliebtesten Dialekte der Hesssen“, „Hessens beliebteste Sehenswürdigkeiten“ oder „Die beliebtesten Fußballer der Hessen“. So etwas nennt man heute – we schpeak English! – eine Rankingshow, und diese Sendungen sind billig in jeder Bedeutung des Wortes. Man nimmt ein paar Filmschnitzel, schneidet bekannte Gesichter (meist aus dem unteren Drittel der Prominenzskala) dazwischen, die völlig Nichtssagendes absondern, und bringt das Ganze dann unter Beihilfe der Zuschauer in eine Reihenfolge.

Mein Beitrag erschien im April dieses Jahres, und wer mag, kann ihn hier noch einmal nachlesen. Damals war ich noch der Ansicht, daß es sich dabei um ein spezifisch hessisches Phänomen handelte, denn es charakteristierte in meinen Augen am deutlichsten den Niedergang des Hessischen Fernsehens von einem anspruchsvollen Sender zu einem Billig- und Blödelfunk. In anderen Dritten Programmen waren solche Rankingshows noch kaum zu finden.

Ich war freilich, wie heute festzustellen ist, viel zu optimistisch.

Dem WDR zum Beispiel konnte es gar nicht schnell genug damit gehen, dem schlechten hessischen Vorbild zu folgen. Sie glauben es nicht? Bitte, hier ist eine bunte Auswahl aus dem Weihnachtsprogramm des WDR:

Die 50 beliebtesten Weihnachtslieder der Nordrhein-Westfalen
Die größten Fernsehpannen
Die 30 beliebtesten Märchen der Nordrhein-Westfalen
Die bewegendsten Weihnachten der Nordrhein-Westfalen
Die 30 beliebtesten Mundarten der Nordrhein-Westfalen
Die beliebtesten Millowitsch-Theaterstücke der Nordrhein-Westfalen
Die beliebtesten Volksschauspieler der Deutschen
Die beliebtesten Ruhrpott-Größen der Nordrhein-Westfalen usw. usf.

Das ist aus dem WDR-Fernsehen geworden, das einmal für seine Qualität bekannt war. Und der NDR?

Die beliebtesten Tiere Norddeutschlands
Die schönsten Naturparadiese des Nordens
Die beliebtesten TV-Tiere
Die schönsten Weihnachtslieder des Nordens
Die besten Witze von A-Z
Die legendärsten Rücktritte.

Wieder einmal loben muß man das Bayerische Fernsehen, das gegen solches Billig- und Dummfernsehen (jedenfalls bis heute) immun ist. Hoffentlich bleibt es dabei.

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