Braucht die Weld noch Pabst und Pabsttum?

Der italienische Journalist Marco Politi – „einer der bedeutendsten Vatikanexperten“, wie Tilmann Kleinjung vom ARD-Hörfunkstudio Rom meint (hier nachzulesen) –  hat ein sehr kritisches Buch über Benedikt XVI. geschrieben („Crisi di un papato“). „Joseph Ratzinger“, so lautet denn auch gleich der erste Satz des Buches, „hätte nicht Papst werden dürfen.“ Und so geht es weiter: ein „sanfter Spalter“ sei er, alles sei ihm mißglückt, keines der drängenden Probleme habe er angepackt, dafür zettele er ständig neue Konflikte an – und dann der Mißbrauchsskandal! Und die Piusbruderschaft! Und so geht es weiter.

Niemand wäre übrigens auf die Idee gekommen, so etwas Johannes Paul II. entgegenzuschleudern. Aber ich will mich an der Auseinandersetzung über das Pontifikat Benedikts XVI. an dieser Stelle gar nicht beteiligen (vielleicht später einmal). Nein, es geht mir heute um die Qualität intellektueller Auseinandersetzung im Internet.

Über das Buch kann man sicher wunderbar streiten, und über Kleinjungs Artikel auf tagesschau.de auch (Kleinjung ist übrigens evangelischer Theologe). Aber sehen wir uns lieber einmal die Kommentare der Leser auf der Tagesschau-Seite an.

„Jeder kann Pabst werden, nur kein Deutscher“! So hieß es vor der Wahl zum neuen Pabst!

Wozu eigentlich Pabst? Die Behauptung, der Pabst sei von Gott selbst zu seinem Stellvertreter eingesetzt ist eine Zweck behauptung fuer etwas *Selbst Angemasstes* und somit ist Pabst& Pabsttum eine innerkirchliche angelegenheit. Der Rest der Welt braucht keinen Pabst.

Es ist wahr, die Welt braucht vielleicht keinen Pabst, aber daß sie einen Papst hat, und einen klugen noch dazu, das gefällt mir.

Der nächste, bitte!

Ich bin Evangelisch und die Katolischen Kirche mit Ihren Päpsten die in den Jahrhunderten viel Mist gebaut sehe sehr kritisch da in meinen Augen immer sehr alt Modisch. Aber unser jetziger Papst fällt da nicht besonders auf. Es sind halt meistens alte Leute die in Rente gehöhren. Ich bezweifle das die Weld einen Papst braucht. Aber dieser ist weder besonders Gut noch besonders Schlecht.

Ein kluger, ausgewogener Beitrag, nicht wahr? Und noch ein paar weitere Häppchen aus der Diskussion:

Der Papa und sein Kinderquälverein sind auch schon auf der gleichen Überfluss-Liste wie unser BP.

Er sieht immer müder aus. Das ganze Papsttum an sich ist doch schon ein Anachronismus. Ein anderer alter Mann hätte auch nichts anderes bewirkt. Und wie viele Followers hat die katholische Kirche trotzdem immer noch. Es ist doch der gemeine Mann und die gemeine Frau, die aufwachen müssen. Lassen wir Ratzinger seinen Schlaf.

Nur als kleiner Einschub: der „müde“ Papst ist 84 Jahre alt. Darf man da nicht ab und zu mal ein bißchen müde sein? Aber weiter geht’s – diesmal mit Humor und mit der heute in unserem Land und besonders im Netz ubiquitären „ganz neuen Rechtschreibung“:

Alten verbohrte sture Männer hinter hohen Mauern, abgeschottet von der Realität, in Brokrat Kleidern sitzen Abends zusammen und singen: „Wir machen uns die Welt widde widde wie sie uns gefällt…..“.

Öffnet diese Archive des Vatikans. Es kann nicht angehen das Gottvater auch angeblich alle Menschen für dumm verkauft und nur besonders gewählten Päpsten eine Einsicht in wichtigen Glaubensfragen und Geheimnissen gewährt.

Der Vatikan wird nie seine Archive oeffnen, weil dann Dinge ans Licht der Welt kommen, die das Dasein und die Existenzberechtigung in Frage stellen wuerde.

Vielleicht – das nur nebenbei – sollte man einfach mal in der Wikipedia den Artikel über das Vatikanische Geheimarchiv lesen? Es ist nämlich recht riskant, sein Wissen allein aus der Lektüre von Vatikan-Thrillern und Verschwörungstheoretikern zu schöpfen.

Aber ein paar kritische deutsche Stimmen wollen wir uns noch antun:

Es ist das Versäumnis der Gesamtheit der katholischen Christen endlich reinen Tisch zu machen, dem Pontifex und seinen bunten Tanten klarzumachen, dass sich die Zeiten ändern.

Ansonsten finde ich das man die kath. Kirche einfach überbewertet, denn sie tut nicht wirklich was für seine „Schäfchen“.

Das Buch ueber den Papst aendert auch nichts, weil echte Katholiken lassen sich vom Glauben nicht abbringen,auch wenn sie am Tage Menschen sind und Fehler machen,oder an der Bibel vorbei leben…..

Für mich ist der Pontifikat mit Johannes Paul gestorben! Und ich glücklicher Moslem! Fernab jeder verbrämter alter Männer, die sich fernab von „hier und jetzt“ im „Schrank leben“ und staubiges predigen ;D

Das ist übrigens keine Auswahl der kuriosesten Beiträge – so oder ähnlich äußert sich der größte Teil der Diskussionsteilnehmer.

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