Kein Frieden auf Erden

Uns hier in Deutschland geht es wirklich gut, wir haben ein Dach über dem Kopf, eine warme Wohnung und genug zu essen. Wir können sagen und schreiben, was wir denken. Und wir können unsere Regierenden selbst wählen. Das alles macht uns zu Angehörigen einer Minderheit auf der Erde.

Deshalb wollen ihr in dieser „friedlichen Weihnachtszeit“ einmal beispielhaft auf Menschen hinweisen, denen es viel, viel schlechter geht.

Nehmen wir Julia Timoschenko. Sie ist dem ukrainischen Präsidenten Janukowitsch seit langem im Weg, denn er will ein autoritäres, auf ihn zugeschnittenes Regime errichten. Das ist ihm weitgehend gelungen – Journalisten verschwinden schon einmal, und die Richter kuschen – und urteilen, wie sie urteilen sollen. Nur Frau Timoschenko war Janukowitsch noch im Weg. In einem Schauprozeß hat man sie mit absurden Beschuldigungen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Um ganz sicher zu gehen (man kann ja nie wissen!), haben die Ankläger ihr jetzt noch eine Anstiftung zu Auftragsmorden angedichtet, damit sie wirklich auf Lebenszeit im Gefängnis bleibt. Und diese Lebenszeit könnte knapp bemessen sein: sie ist so schwer erkrankt, daß sie nicht einmal mehr transportfähig ist. Zwei unliebsame Minister sind ebenfalls in der Haft krank geworden – da muß man schon sehr dumm sein, um an einen Zufall zu glauben.

Damit sind in den drei wichtigsten der vielen Strafverfahren, mit denen Janukowitschs Justiz unter dem Protest der EU heute die Opposition bedrängt, alle Angeklagten nach einigen Monaten Haft schwer erkrankt – und allen dreien wird nach Meinung ihrer Anwälte und Familienmitglieder die nötige Behandlung verweigert. „Sie wollen meine Mutter brechen, damit sie gesteht“, sagt Frau Timoschenkos Tochter Jewgenija Carr dieser Zeitung. Die Frauen der beiden inhaftierten Minister, Irina Luzenko und Valentina Iwaschtschenko, schließen sich an: Die ärztliche Behandlung, die ihre Männer im Gefängnis erfahren, ist ihrer Meinung nach nicht mehr und nicht weniger als „Folter“.

Einer der führenden Neurochirurgen der Ukraine fordert die sofortige Überweisung von Frau Timoschenko in eine Fachklinik, aber das Gesundheitsministerium beharrt darauf, daß sie auch im Gefängnis behandelt werden kann. Sie muß mit dem Schlimmsten rechnen (alles hier nachzulesen).

Vor ein paar Tagen ist ein obszönes Bild durch die Presse gegangen (man kann es unter anderem in der Online-Ausgabe der Zeit anschauen). Es zeigt den ukrainischen Präsidenten Hand in Hand mit EU-Ratspräsident van Rompuy und EU-Kommissionspräsident Barroso in Kiew. Die drei scheinen sich köstlich zu amüsieren.

Nehmen wir einen anderen Fall. Der chinesische Schriftsteller Chen Wei hat schon an den Studentenprotesten von 1989 teilgenommen und immer wieder demokratische Verhältnisse gefordert. Als man ihn während der Jasmin-Proteste im Frühjahr zusammen mit vielen anderen Dissidenten verhaftete, wurde an ihm ein Exempel statuiert: nach einer Verhandlung von nicht einmal drei Stunden (!) wurde er wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Kein deutscher Museumsdiurektor hat dagegen protestiert, obwohl es dazu keines großen Mutes bedurft hätte.

Mut hatte aber Chen Wei – nach der Urteilsverkündung sagte er seinen Richtern ins Gesicht:

Ich bin unschuldig. Die Demokratie wird siegen, und dies wird das Ende der Diktatoren sein.

Zum Schluß wollen wir auch noch der Christen in Nigeria gedenken. Immer wieder kommt es unter ihnen zu Massakern durch fanatische Muslime – allein bei den Weihnachtsgottesdiensten sind jetzt an die hundert Christen ermordet worden.

Da auszuharren, standhaft zu bleiben und sich nicht durch Rache mit den muslimischen Mördern auf eine Stufe zu stellen, dazu gehört ein Mut, den wir uns hier im gemütlichen Europa kaum mehr vorstellen können.

Veröffentlicht unter Christentum, Islam, Politik | Schreib einen Kommentar

Ein Zucchino, zwei Zucchini – ist doch eigentlich nicht schwer, oder?

Es ist ein Kreuz mit diesen Zucchini. Da schreibt Sabine Müller vom ARD-Hörfunkstudio Washington im Internet über einen merkwürdigen Weihnachtsbrauch, den die Amerikaner den Deutschen zuschreiben (angeblich hängen wir hier in Deutschland Gewürzgurken an den Weihnachtsbaum!), und sie beendet ihren Artikel mit dem Satz

Ich hatte gar keine Gurke gekauft, sondern eine Zucchini.

Eine Zucchini! Jeder, der zum Duden Universalwörterbuch oder zum Großen Wahrig oder zu einem anderen Wörterbuch greift (so etwas steht doch hoffentlich auch in jeder Hörfunkredaktion herum), wird sofort eines besseren belehrt. „Zucchini“ kommt nun einmal aus dem Italienischen und ist die Mehrzahlform. Die Einzahl heißt (auch wenn man sie seltener verwendet) „Zucchino“.

Jetzt könnte man noch lange über die vielen lustigen, in Deutschland kursierenden Aussprachen reden – richtig ist im Plural aber nur eine, nämlich „zu-ki-ni“. Das „h“ in der Buchstabenkombination „cch“ dient nur dazu, daß man das „cc“ nicht wie „tsch“, sondern wie „k“ ausspricht. Deshalb klingt es besonders apart, wenn bei uns von „Sutschinis“ gesprochen wird. Das soll dann wohl besonders italienisch klingen, enthält aber gleich drei Fehler in einem einzigen Wort – eine reife Leistung!

Sie könnten natürlich, um alle Probleme zu umgehen und garantiert auf der sicheren Seite zu sein, beim Gemüsehändler Ihres Vertrauens einfach ein Exemplar von Cucurbita pepo convar. giromontiina verlangen, aber da wird er wohl nur große Augen machen. Er ist ja auch kein Botaniker!

Also bleiben Sie ruhig bei Ihren Sutschinis. Es ist zwar grottenfalsch, aber wenigstens versteht es jeder.

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | 1 Kommentar

Papierkonzern rodet weiter Regenwald – ungestraft

Der Zellstoffkonzern Asia Pulp & Paper (APP) hat, wie der WWF berichtet (hier nachzulesen), seit 1984 mehr als zwei Millionen Hektar Regenwald für die Papierherstellung gerodet – wohlgemerkt: echten, intakten Regenwald, nicht etwa Plantagen (was auch schon schlimm genug wäre). Der Konzern verspricht seit Jahren, seine Holzbeschaffung umzustellen, aber offenbar lügt das Unternehmen, daß sich die Balken biegen. Jetzt ist der Termin wieder einmal auf 2015 verschoben worden. Die Zusammenarbeit mit den korrupten indonesischen Behörden scheint immer noch perfekt zu funktionieren.

Die Recherchen vor Ort zwischen Juni und Oktober 2011 sowie historische Satellitenaufnahmen bis Juni 2011 belegen, dass der Konzern weiterhin Wälder abholzt. Ein APP-Zulieferer, die PT Ruas Utama Jaya, betrieb sogar innerhalb des Tiger-Schutzgebietes „Senepis Tiger Sanctuary“ Kahlschlag. „Dass APP in weltweiten Kampagnen damit wirbt, aktiv den Lebensraum des Sumatra-Tigers zu schützen, wirkt angesichts dieser Tatsachen wie ein Hohn“, so der WWF-Experte.

Einige Firmen wie Tchibo, Nestlé, Metro, Kraft, Adidas und Unilever haben immerhin Konsequenzen gezogen – sie verwenden keine Papiere von APP mehr.

Die Studie des WWF mit allen Belegen, Karten usw. können Sie (in englischer Sprache) hier lesen oder herunterladen.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Natur, Politik | Schreib einen Kommentar

Goethes Weißheit oder Die Demontage der Highlights

Hannah Wagner berichtet für stern.de (hier nachzulesen) über „The Voice of Germany“:

Highlights gab es erst zum Schluss und die wurden umgehend demontiert.

Ganz abgesehen von Rechtschreibung und Zeichensetzung treibt mich da die Frage um: wie demontiert man ein Highlight?

Ein anderes „Highlight“ der Autorin auf stern.de soll nicht unterschlagen werden. Da hat Frau Wagner Goethen mit folgendem Satz geehrt:

Viele unserer geflügelten Worte, Sprichwörter und Weißheiten gehen auf Goethe und seinen Freund Schiller zurück.

Ja, Goethe wäscht so weiß, weißer geht’s nicht. Frohe Weihnachten, Frau Wagner!

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche allen meinen Lesern, und überhaupt allen Menschen, die guten Willens sind, ein friedliches Fest – ganz im Sinne der Verkündigung der Engel:

Gloria in altissimis Deo
et super terram pax in hominibus bonae voluntatis.

Frohe Weihnachten!

Veröffentlicht unter Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Neues von der Nazibraut

Das Qualitätsmagazin Focus berichtet in seiner Online-Ausgabe – hier nachzulesen – von beunruhigenden Vorgängen auf der Ferieninsel Fehmarn:

Nazibraut Zschäpe spielte beim Camping mit Kindern.

Ja, schrecken diese Neonazis denn vor nichts zurück?

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Die ganze Schöpfung trauert um den Großen Führer

Es ist ein Topos in der mythologischen Geschichtsschreibung, daß Geburt und Tod bedeutender Männer von außergewöhnlichen Naturphänomenen begleitet werden. Als Alexander der Große auf die Welt kam (da war er freilich noch Alexander der Kleine!), bebte die Erde, und die Sonne verfinsterte sich. Auch den Stern von Bethlehem könnte man in diese Reihe stellen.

Das sind natürlich alte, sehr alte Geschichten. Wie schön ist es da, daß sich auch im Hier und Heute noch solche Wunder ereignen!

Als vergangene Woche in Nordkorea der Große Führer Kim Jong-Il starb, brachen auf dem zugefrorenen See am heiligen Berg Paektu große Eismassen in sich zusammen. Es klang, „als seien Himmel und Erde erschüttert worden“ (hier nachzulesen). Aber es kommt noch besser:

Kurz vor Kim Jong Ils Ableben habe der Himmel über dem Berg rot geschimmert. Auf dem Berg sei eine Botschaft zu lesen gewesen, die Kim auf den Felsen hinterlassen habe: „Paektu, heiliger Berg der Revolution. Kim Jong Il.“

Bei meiner Geburt soll es übrigens geregnet haben. Die Sonne hat sich zwar auch verfinstert, aber leider erst – wie es sich gehört – bei Einbruch der Dunkelheit.

Ich bin freilich auch kein Großer Führer, sondern nur ein Kleiner Blogger.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Erdoganeshad und der Völkermord an den Armeniern

Der türkische Ministerpräsident Erdoganeshad, der sein Land in letzter Zeit immer öfter als Modell für die ganze muslimische Welt anpreist, ist ungehalten. Er ist sogar sehr ungehalten!

Natürlich geht es wieder um ein Land, das zum „Christenclub“ gehört, aber diesmal haben wir Glück – sein Bannstrahl hat Frankreich getroffen, nicht Deutschland. Worum geht es? Es geht wieder einmal um den Völkermord an den Armeniern, den die „patriotischen“ Türken bis heute leugnen. Sie stellen sich damit auf eine Stufe mit den Leugnern des Holocaust – denn beides, der Holocaust und die geplante (und zu einem guten Teil vollzogene) Vernichtung der lästigen Armenier, ist nicht diskutabel, es ist tausendfach belegte historische Wahrheit. Aber gerade muslimischen Nationen, das sieht man im übrigen nicht nur an der Türkei, fällt es schwer, mit ihrer Schuld umzugehen. Das hängt auch mit einer archaischen, männlich geprägten muslimischen Kultur zusammen, in der das Eingeständnis von Fehlern als Schwäche gilt. Ich jedenfalls bin froh, daß ich einer Religion angehöre, für die das Eingeständnis ihrer Schuld zu jedem Gottesdienst gehört. Ein Männlichkeitsgehabe, wie es in vielen muslimischen Nationen an der Tagesordnung ist, hat es im Christentum gottlob nie gegeben.

Frankreich hat jetzt – und das kann man ihm nicht hoch genug anrechnen – das Leugnen von Genoziden generell unter Strafe gestellt, und es hat den Völkermord an den Armeniern ausdrücklich einbezogen. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber der türkische Ministerpräsident schnaubt wieder einmal vor Wut und ruft gar seinen Botschafter aus Paris zurück. Er ergeht sich in maßlosen Drohungen. Und er sagt: die Türkei sei stolz auf ihre Geschichte. Ist sie also auch stolz auf den Völkermord an den Armeniern? Wer so redet, solidarisiert sich, wenn man es genau betrachtet, mit den Mördern von 1915-17 statt mit den Opfern.

Das allein wäre schon Grund genug, der Türkei den Beitritt zur EU zu verwehren. Aber die Brutalität des türkischen Regimes hat inzwischen eine neue Dimension erreicht. Wie man in der gestrigen Ausgabe der F.A.Z. nachlesen kann, ist in der Türkei zur Zeit eine Verhaftungswelle im Gang, die keine Grenzen kennt. Allein im laufenden Jahr

sind schon viertausend Personen verhaftet worden, darunter Bürgermeister, Abgeordnete, Anwälte und Bürgerrechtler.

Sie alle sollen Mitglieder der „Union kurdischer Gemeinschaften“ sein – allein schon der Verdacht genügt dieser sog. „Justiz“ für eine Verhaftung. Was haben sie verbrochen?  Sie haben etwas für den Erdoganschen Staat Unglaubliches gemacht: sie haben eine Meinung geäußert, die nicht mit der Auffassung der Staatsführung übereinstimmt! Aber hören wir, was die F.A.Z. dazu schreibt:

Die Methoden, mit denen die türkische Regierung, die Armee und Justiz derzeit gegen wirkliche und vermeintliche Sympathisanten vorgehen, lassen sich durch nichts mehr rechtfertigen. Jeder, der sich für die Belange der kurdischen Bevölkerung einsetzt, macht sich verdächtig – die Regierung tut ganz einfach so, als sei das Engagement für kurdische Minderheitenrechte gleichbedeutend mit der Unterstützung blutiger Gewalt.

Unter den Verhafteten sind viele Journalisten, Reporter und Mitarbeiter von Nachrichtenagenturen. Wenn sich dieser Prozeß fortsetzt, so die F.A.Z., könnte es bald sein, daß in der Türkei mehr Journalisten hinter Gittern seien als auf freiem Fuß. Etwa tausend Verfahren gegen Journalisten sind noch anhängig. Nach türkischem „Recht“ können Festgenommene, wenn eine Terrorverdacht konstruiert wird, bis zu zehn Jahren in Untersuchungshaft gehalten werden.

Diese Regierung mit ihrem großmäuligen, immerzu empörten Ministerpräsidenten, der überall in Europa Unfrieden stiftet, ist kein Ruhmesblatt für die Türkei. Das Land hat wirklich etwas anderes verdient.

Ein so regierter Staat darf jedenfalls nicht Mitglied der Europäischen Union werden.

NIEMALS!

Veröffentlicht unter Islam, Politik | Schreib einen Kommentar

Der Fluch der Ölpalme – Ein Bericht aus Sierra Leone

In China ist es an der Tagesordnung, daß korrupte „Parteikader“ das Land der Kleinbauern rauben und gewinnbringend an Immobilienkonzerne „verkaufen“. In der dritten Welt – in Afrika, Südostasien und Südamerika – raubt man den Armen ihr Land auch – aber aus anderen Gründen. Dort baut man auf den gestohlenen Flächen in unvorstellbaren Größenordnungen Ölpalmen an, und aus den Früchten wird dann Bio-Diesel für die ökologisch korrekten Autofahrer in den Industrieländern gebraut.

Man kann es nicht oft genug sagen: die Ölpalme ist die Pest des 21. Jahrhunderts. Um an Flächen für ihren Anbau zu kommen, gehen die Konzerne und ihre korrupten Helfershelfer in der Dritten Welt buchstäblich über Leichen. Sie roden intakte Regenwälder, sie enteignen das Land von Kleinbauern, sie nutzen jeden rechtlichen Schlupfwinkel – und das alles, weil die westlichen Industriestaaten, allen voran die EU und (damit auch Deutschland!), den sog. „Biosprit“ zu einer moralischen Angelegenheit gemacht haben.

Eine moralische Angelegenheit ist der „Biosprit“ in der Tat, aber in einem ganz anderen Sinn. Das sieht man auch jetzt wieder an den neuesten Nachrichten aus Sierra Leone.

Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es hat sich gerade von einem der schlimmsten Bürgerkriege des Kontinents halbwegs erholt, aber laut Wikipedia werden nur 6 % der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Müßte man da nicht froh sein, daß Bauern überhaupt das Land bewirtschaften? Nein – man will es ihnen stehlen, und das Vorgehen ähnelt auf verblüffende Weise den Praktiken der Chinesen.

Es gibt sog. „traditionelle Führer“, die das Land (das ihnen gar nicht gehört!) der Regierung „zur Verfügung gestellt“ haben. Und die Regierung hat es dann an die Socfin Agriculture Company (SAC) weitergereicht. Dieser Konzern hat das Land für 50 Jahre „gepachtet“ – man muß alle diese Wörter in Anführungszeichen setzen, denn im Grunde handelt es sich hier (wie auch in China) schlicht und einfach um Landraub. Die Regierung hält ihre schützende Hand über die Geschäfte, und alle verdienen daran – am meisten natürlich der Konzern selbst.

Socfin locken in Sierra Leone extrem niedrige Pachtpreise, großzügige Steuerbefreiungen, minimale Arbeitslöhne, schwache Umweltauflagen sowie verbreitete Korruption – Bedingungen wie sie schon zu Kolonialzeiten herrschten.

Schon jetzt haben die Agrokonzerne 10 % des Landes unter ihrer Kontrolle, aber man weiß ja, wie das mit der Gier ist – wer viel hat, will immer noch mehr. SOCFIN, der Mutterkonzern der SAC, hat schon jetzt 90.000 Hektar Ölpalmplantagen und 50.000 Hektar Kautschukplantagen in seinem Besitz. Eines seiner Tochterunternehmen rodet in Kamerun den Regenwald und vertreibt die dort ansässigen Pygmäen. Wer darüber berichtet, wird in Frankreich vor Gericht gestellt, denn der Konzern gehört zur Firmengruppe des französischen Großindustriellen Bolloré, der (wie die Organisation Rettet den Regenwald berichtet) enge Kontakte bis in den Elysee-Palast unterhält.

Für diesen Landraub gibt es natürlich auch schon einen Fachbegriff: landgrabbing. Das Netzwerk International Landcoalition hat einmal den Landraub genauer untersucht und herausgefunden, daß zwischen 2000 und 2010 insgesamt 200 Millionen Hektar Land geraubt wurden. Von den näher untersuchten 71.000 Hektar wurde mehr als die Hälfte für die Erzeugung von „Biosprit“ genutzt.

Mit Palmöldiesel lassen sich in Europa hohe Gewinne erwirtschaften. Denn die Europäische Union schreibt vor, dass dem fossilen Dieselkraftstoff sogenannter Biodiesel beigemischt wird. Damit soll das Klima geschont werden. Wissenschaftler aus aller Welt warnen hingegen vor Agrosprit. Deren Anbau und Produktion sind mit enormen Umweltschäden verbunden. Viele Agrarkraftstoffe schädigen das Klima um ein Vielfaches mehr, als herkömmlicher Sprit. Und weil Ackerflächen und Nahrungsmittel für die Produktion von Agrosprit in Beschlag genommen werden, fordern die UNO und weitere internationale Organisationen die Industrieländer auf, deren Agrospritpolitik zu beenden. Sonst würden weiter steigende Nahrungsmittelpreise, Hungersnöte und Aufstände drohen.

Meine Leser kennen das ja schon – ich frage da immer auch nach der Verantwortung der grünen Bewegung, ohne die es nie zu diesem Landraub im internationalen Maßstab gekommen wäre. Bis heute halten die Grünen an ihrer perversen Neigung zum „Biosprit“ fest, sie haben im nationalen und im internationalen Maßstab mit großer Energie auf die Gesetzgebung eingewirkt, um das herkömmliche Benzin zumindest teilweise mit „Biosprit“ anzureichern. Aber sie stehen nicht zu ihrer Verantwortung, obwohl inzwischen viele internationale Organisationen zum sofortigen Abbau der Subventionen für den „Biosprit“ aufgerufen haben.

Wissen die Grünen nicht, wie man ins Internet geht? Eine Minute mit einer beliebigen Suchmaschine würde reichen, um ihnen klarzumachen, was sie in Afrika, Indonesien, Malaysia und in vielen südamerikanischen Ländern mit ihrer Politik angerichtet haben.

Sie stammeln, falls sie überhaupt etwas sagen, nur von „Zertifizierung“ – aber über diese Zertifizierungen lacht die ganze Welt. Sie sind billig zu haben, und genau so billig ist diese ganze Pseudo-Ökologie, die zu einer platten, unkritischen Ideologie verkommen ist. „Quidquid agis, prudenter agas, et respice finem“ – so heißt ein römisches Sprichwort. Was immer du tust, tu es klug, und bedenke die Folgen! Die grüne Ideologie denkt nicht mehr an die Folgen, sie betreibt dümmliche Sprechblasen- und Symbolpolitik (Glühbirnen! CO2-Bilanz!) und ist sich ansonsten selbst genug.

Eine solche Partei ist für Menschen, denen es wirklich um die Natur geht, nicht mehr wählbar.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Natur | Schreib einen Kommentar

Ein Schrecken ohne Ende?

Steffen Seibert ist ein guter, ein wirklich guter Journalist. Er ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als er am 11. September 2001 für das ZDF live über den Anschlag auf das World Trade Center berichtete. Das war eine auch journalistisch schwierige Aufgabe, und er hat sie bravourös gemeistert. Danach moderierte er sieben Jahre lang die heute-Nachrichten um 19 Uhr. Und dann – wurde er Regierungssprecher.

Im ZDF war man sicher nicht glücklich darüber, und so ganz, das muß ich gestehen, begreife ich diesen Wechsel bis heute nicht. Man kann als Regierungssprecher zwar wie in jeder anderen journalistischen Sparte zeigen, wie gut man mit der Sprache umgehen kann. Aber man ist doch immer bloß der Apologet der herrschenden Regierung, und man muß auch das eloquent verteidigen, was einem im Innern zuwider ist.

Es ist eben kein freier, unabhängiger Journalismus. Es ist Brotarbeit.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich heute las, wie Seibert – als Stimme seiner Herrin – schon wieder ihr „vollstes Vertrauen“ zum Bundespräsidenten verkünden mußte. Aber dann kam ein merkwürdiger Satz.

Auch für neu auftauchende Fragen gelte, so formulierte es der Regierungssprecher, daß sie an den Bundespräsidenten zu richten seien.

Sie werden von ihm persönlich aufgeklärt.

Das sind nun schon wieder Sätze, die ganz und gar nicht zum „vollsten Vertrauen“ passen wollen. Man rechnet offenbar damit, daß es immer mehr solcher „neu auftauchender Fragen“ geben wird – und: man wäscht seine Hände in Unschuld.

Wulff soll sie gefälligst persönlich aufklären.

Wann macht der Bundespräsident diesem elenden Spiel ein Ende? Die Kanzlerin wird ihm nicht helfen. Die Mehrheit der Deutschen will offenbar nicht, daß er zurücktritt, aber hinter diesem Votum steht – nach dem bis heute rätselhaften Rücktritt von Horst Köhler – eigentlich nur ein „Nicht schon wieder!“

Wenn aber in der gleichen Umfrage 47 % der Deutschen ihren Bundespräsidenten für „nicht ehrlich“ halten, dann kann doch ein Mensch, der noch ein bißchen Selbstachtung besitzt, nicht im Amt bleiben!

Es ist ja im übrigen nicht einmal so sehr das Delikt an sich, das verwerflich ist – nein: wie schon bei Guttenberg und den halbseidenen Doktorinnen und Doktoren in unserer politischen Klasse ist es die völlige Unfähigkeit, sich zu seiner Schuld zu bekennen. Ich bin sicher, selbst Guttenberg hätte man verziehen, wenn er öffentlich zugegeben hätte, was er getan hat. Aber nein, so ein mea culpa geht unseren Politikern nicht über die Lippen.

Auch wenn man an Politiker keine allzu hohen Maßstäbe anlegen mag – dieses Unvermögen, wenigstens bescheidenen ethischen Normen zu genügen, ist schon ein Zeichen des Niedergangs.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar