Jetzt auch noch eine Philosophin!

Ach, glückliches Deutschland! Das Land der Denker hat heutzutage Philosophen wie Sand am Meer, und fast täglich kommen neue dazu.

Haben Sie gestern Beckmann gesehen? Einer seiner Gäste war Thea Dorn, die Schriftstellerin und Moderatorin. Als Beckmann sie als „Philosophin“ begrüßte, wurde sie nicht einmal rot, geschweige denn, daß sie dagegen protestiert hätte.

Liebe Leute, ein Philosophiestudium, selbst wenn man es mit dem Magister abschließt, macht doch aus einem Menschen keinen Philosophen! Philosoph – das ist ein altehrwürdiger Begriff, den man gar nicht eng genug fassen kann. Mit einem Studium der Philosophie hat er nun wirklich nichts zu tun.

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Koranverteiler bedrohen die Pressefreiheit

Es ist eine Situation, wie es sie so in Deutschland noch nie gegeben hat. Im Zusammenhang mit der Verteilung von Koranexemplaren in deutschen Städten ist im Internet ein Video aufgetaucht, in dem Journalisten, die kritisch über die Islamisten berichtet haben, namentlich mit Bild und Telefonnummer genannt, bedroht und als „Affen“ und „Schweine“ beschimpft werden.

Der Urheber des Videos steht, wie man in der Welt nachlesen kann, in enger Verbindung zu dem Kölner Kaufmann Ibrahim Abou Nagie, der die Koranverteilung organisiert hat. Er tritt unter dem Pseudonym „Sabri“ auf und hat für Nagie schon als Kameramann gearbeitet. Auch die Frankfurter Auftritte des Konvertiten Pierre Vogel soll er gefilmt haben.

Eines ist klar: wer Journalisten einschüchtert und bedroht, begeht eines der schwersten Verbrechen gegen die Demokratie. Er muß verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Wenn es sich herausstellen sollte, daß die Organisatoren der Koranverteilung mit dem Urheber dieses Videos unter einer Decke stecken, muß die Anklage auf sie ausgeweitet werden.

Allein schon die Existenz dieses Drohvideos zeigt, daß es sich bei der Aktion keineswegs um die uneigennützige Verteilung einer heiligen Schrift handelt.

Es sind vergiftete Geschenke, die man da unters Volk bringt.

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Ein neues Gesicht bei Maybrit Illner

Letzte Woche war es so bei Anne Will, jetzt zieht Maybrit Illner nach – und holt ein frisches, unverbrauchtes Gesicht in ihre Talkshow.

Es handelt sich um den 88jährigen Nahost-Experten Peter Scholl-Latour. Wir wünschen ihm viel Glück bei seinem ersten Talkshow-Auftritt!

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Chinesische Barbarei

„Gegen die Barbarei!“ – das ist das Motto meines Blogs, und deshalb ist die Parteidiktatur in China immer wieder Gegenstand von Berichten (und so wird es bleiben, bis sie verdienterweise auf dem Müllhaufen der Geschichte landet).

In dieser Woche wurden die Bürgerrechtlerin Ni Yulan zu zwei Jahren und acht Monaten, ihr Ehemann Dong Jiqin zu zwei Jahren Haft verurteilt (hier nachzulesen). Das Pekinger Gericht, das dieses Schandurteil aussprach, nennt sich übrigens „Volksgericht“. Das Verbrechen der beiden Angeklagten: „Unruhestiftung“.

Ni Yulan ist Rechtsanwältin, sie hat vor allem Opfer von Zwangsvertreibungen vertreten. Es ist in China an der Tagesordnung, daß Häuser und ganze Stadtviertel „entwohnt“ werden: die Bewohner werden gegen ihren Willen und ohne jede rechtliche Grundlage vertrieben, die Häuser abgerissen, dann stellen Spekulanten profitablere Gebäuden hin und verdienen sich damit eine goldene Nase. Dieses Unrecht wird fast immer von korrupten Behörden und Politikern gedeckt, die selber daran gut verdienen. Wenn es zu Widerstand kommt, schreitet die Polizei ein – notfalls hat man Schlägerbanden an der Hand, die mit ihren Prügeln jeden Widerstand brechen.

Das alles ist selbst nach chinesischem Recht illegal, aber darum kümmert sich niemand. Wenn aber doch einmal ein Anwalt den Mut hat, die Opfer dieser Willkür vor Gericht zu vertreten, dann geht es ihm so wie jetzt Ni Yulan und Dong Jiqin. Ni Yulan war schon zweimal für mehrere Jahre im Gefängnis, und sie ist dort von den Schergen des Regimes so mißhandelt worden, daß sie jetzt im Rollstuhl sitzt.

Wenn Sie Interesse an den chinesischen Zuständen haben, möchte ich Ihnen dringend den Bericht von Liao Yiwu ans Herz legen, der erfreulicherweise noch auf der Online-Seite der Frankfurter Allgemeinen abrufbar ist. Liao Yiwu hat miterlebt, wie man nach dem Aufstand in den arabischen Ländern in China immer mehr Menschen verschleppt hat:

Meine Freunde, die Menschenrechtsanwälte Teng Biao und Jiang Tianyong, die zur Verteidigung der zu Unrecht Inhaftierten angetreten waren, wurden auf offener Straße von maskierten Unbekannten in einem Wagen ohne Kennzeichen entführt und an einen unbekannten Ort verschleppt. Mein Schriftstellerkollege Yu Jie, der öffentlich die Absicht geäußert hatte, eine „kritische Biographie“ Liu Xiaobos zu publizieren, wurde für mehrere Monate unter Hausarrest gestellt und eines Tages von einer Gruppe Maskierter entführt und zusammengeschlagen.

China ist zu einer kriminellen Unterwelt verkommen, in der man ohne jeden Grund Menschen verschleppen kann. „Vermisst“ ist in jüngster Zeit zu einem der häufigsten Schlagwörter im chinesischen Internet avanciert.

Liao Yiwu selbst ist es unter abenteuerlichen Umständen gelungen, über die Grenze nach Vietnam zu flüchten. Er lebt heute in Berlin.

„Ich mußte gehen, um die Wahrheit aufzuschreiben“, sagt er in seinem anrührenden Bericht, und wenn man sieht, wie er – wirklich nur um der Wahrheit willen! – alles zurückgelassen hat, die chinesische Heimat, seine Freunde, die eigenen Wurzeln, dann erscheint im Vergleich das großspurige Gedicht von Günter Grass („Jetzt aber … sage ich, was gesagt werden muß“) wie die Selbstbeweihräucherung eines satten und wohlhabenden Dichters, der mit den Gefahren beim Aussprechen der Wahrheit nur kokettiert.

Für Liao Yiwu aber und die vielen unbekannten Opfer des Unrechtsstaates China ist das alles bitterer Ernst.

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Die Verrohung der Kampfradler – Ein Geheimdokument

Inzwischen kennt ja fast jeder das Zitat.

Unser Verkehrsminister, Peter Ramsauer (CSU), hat nämlich den wahren Grund unserer ganzen Verkehrsmisere entdeckt: es sind  – die Radfahrer! Unter den Augen der Polizei, so Ramsauer empört, mißachteten sie die Verkehrsregeln, und die arme Polizei sei einfach überfordert damit,

der Verrohung dieser Kampfradler endlich Einhalt zu gebieten.

Das klingt nach echter Empörung und großen Emotionen des Ministers, wenn da nicht – ja wenn da nicht ein Dokument wäre, das seine Äußerungen in ein ganz anderes Licht rückt.

Mir ist nämlich von LupuLeaks, einer bis jetzt völlig unbekannten Gruppe von bayerischen Biergarten-Hackern, ein Gesprächsmitschnitt zusgespielt worden, der es in sich hat. Ort und Zeit der Aufnahme sind nicht bekannt, die beiden Gesprächsteilnehmer schon.

Seehofer:  Ja, der Ramsauer! An guadn. Schmeckt’er, der Obatzde?
Ramsauer (hörbar kauend): Paßt scho.
Seehofer:  Du, Peter, host scho g’lesn, was der Söder –
Ramsauer (verschluckt sich fast): Horst, du weißt doch, daß i mi bei dem Namen immer verschluck, also …
Seehofer: Aber der Söder –
Ramsauer (spricht vor Erregung hochdeutsch): Nicht diesen Namen, Horst!
Seehofer: Aber daß er’s Rauchen sogar im Freien verbiet’n will, der Sö-, i moan, der Dingsbums, dös is doch a Coup!
Ramsauer (nimmt einen großen Schluck aus seinem Weißbierglas): Na ja.
Seehofer: Is scho a Hund, der Sö -, der Finanzminister.
Ramsauer: Scho.

Der Rest des Gesprächs ist wegen mundartlicher Probleme ins Hochdeutsche übersetzt worden.

Seehofer: Vom Söder gehen immerhin Impulse aus, man liest von ihm in den Zeitungen, auch auf dem Nockherberg hat er wieder im Mittelpunkt gestanden, aber von dir, Ramsauer …
Ramsauer: Ich mach halt meine Arbeit, Horst.
Seehofer: Das reicht nicht! Du bist zu fad. Du mußt ins Gerede kommen, die Zeitungen müssen über dich schreiben.
Ramsauer: Und wie? Meine vier Töchter sind alle ehelich geboren.
Seehofer: [Die Antwort wurde aus Gründen des Jugendschutzes entfernt.]
Ramsauer:  Ich wüßte da aber schon etwas.
Seehofer: Ja?
Ramsauer:  Die Autofahrer dürfen wir nicht verärgern, und den ADAC erst recht nicht. Aber – die Radfahrer?
Seehofer: Das ist gut! Aber „Radfahrer“, nein, das klingt irgendwie zu bieder. Es müßte ein richtig böses Wort sein …
Ramsauer (überlegt): Ich hab’s, Horst – „Kampfradler“!
Seehofer: Genial. Klingt a bisserl wie Kampftrinker, gell? Also unser Metier. (Sie lachen beide und heben ihre Gläser.)
Ramsauer: Prost, Horst.
Seehofer: Prost, Peter.
Ramsauer: Und – wollen wir noch einen draufsetzen, Horst?
Seehofer: Ja schon, aber wie?
Ramsauer: Verroht! Verstehst, die Radler sind nicht nur Kampfradler, sie sind auch verroht!
Seehofer (sprachlos): Das ist – genial, Ramsauer! „Die Verrohung der Kampfradler“ – damit kommst du in alle Zeitungen. Garantiert!

An dieser Stelle bricht der Mitschnitt ab, aber es ist ja auch schon genug gesagt.

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Der Maulheld will Maulschellen austeilen

Wer die Rechte des iranischen Volkes verletze, sagte Mahmud Ahmadinedschad, der kleine Mann aus Teheran, bekomme

so eine Ohrfeige, dass er nicht mehr den Weg nach Hause findet.

So redet eigentlich nur ein Bauernlümmel, aber so primitiv und wirr redet und schreibt dieser „Präsident“ ja schon seit Jahren. Dieses Gehabe wird allmählich auch den Mullahs zuviel, aber man täusche sich nicht: auch wenn es tiefe Gräben zwischen den Fraktionen dieses Regimes gibt, wollen letztlich alle das Volk niederhalten. Im Iran ist ein mächtiger islamisch-militärisch-industrieller Komplex entstanden, der das Land aussaugt, und diese Pfründe werden mit allen Mitteln verteidigt.

Aber auch diese blutige Herrschaft wird einmal ein Ende nehmen. Und dann wird man voller Verachtung auf die Jahre des Terrors zurückblicken, und man wird sich vielleicht ein bißchen schämen, daß ein so altes Kulturland wie Persien die Gewaltherrschaft nicht früher abgeschüttelt hat.

So etwas kennen wir aus unserer eigenen Geschichte.

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Islamisten auf Dummenfang

Es ist sicher kein Zufall, daß die Anhänger des als salafistisch eingestuften „Kölner Kaufmanns“ Ibrahim Abou Nagie ausgerechnet an Ostern, einem der höchsten christlichen Feiertage, in die deutschen Städte ausschwärmen, um den Koran zu verteilen. Die geistige Schlichtheit dieser Gruppe, die nur Gut und Böse kennt, paßt zu ihrem provokativen Auftreten. Sie machen von allen Bürgerrechten Gebrauch, die ihnen unser liberaler Staat bietet, aber sie leben in einer anderen Welt – und sie wollen aus Deutschland ein anderes, ein ganz anderes Land machen. Dazu gehört zum Beispiel, wie man hier nachlesen kann, daß jeder Verheiratete, der „Unzucht treibt“, gesteinigt werden sollte. Daß alle „Ungläubigen“ auf ewig in der Hölle schmoren werden, versteht sich von selbst. Es gibt eben nur Muslime und Nicht-Muslime. So einfach kann ein Weltbild sein.

Also: Koranverteilung an Ostern in mindestens 35 Städten. Die Unverfrorenheit wird erst deutlich, wenn man den Spieß umdreht. Was würde wohl geschehen, wenn deutsche Christen in Saudi-Arabien, Ägypten oder im Jemen an einem hohen islamischen Feiertag in die großen Städte gingen, dort ihre Stände aufstellten und Bibeln verschenkten?

Die Antwort wird jeder kennen.

Der Artikel 18 unseres Grundgesetzes lautet:

Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Absatz 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Absatz 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.

Die deutsche Justiz ist seit den 50er Jahren mit großer Härte gegen Verfassungsfeinde aus dem linken Spektrum vorgegangen (sicher zu einem guten Teil zurecht). Sie sollte jetzt aber auch dieselbe Rigorosität gegen Gruppen zeigen, die ganz freimütig verkünden, daß sie hier in Deutschland die Scharia, Steinigungen und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit einführen möchten.

Oder wollen wir erst warten, bis sie mit ihrem Werk beginnen?

Die Koranexemplare, die jetzt verteilt werden, stellen keine große Gefahr dar. Viele von ihnen werden in Bücherkisten oder bei ebay landen. Mancher, der sein Exemplar aus wirklichem Interesse mitgenommen hat, wird schon beim flüchtigen Lesen merken, welches archaische Weltbild ihm da vermittelt werden soll.

Aber wie alle Sekten haben solche Gruppen ein feines Gespür für schwache, unsichere, suchende junge Menschen. Da setzen sie an. Mit den Koranexemplaren wollen sie einen Fuß in die Tür bekommen.

Wir sollten es ihnen nicht erlauben.

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Der Winkemann von Berwang – Rückblick auf eine erfolgreiche Saison

Die Saison des Winkemanns ist zu Ende gegangen – leider mit einem kleinen Wermutstropfen, denn gerade in seiner letzten Woche hat man ihn kaum sehen dürfen. Die Kamera, deren Schwenken wohl in irgendeiner Sendezentrale durch einen Zufallsgenerator gesteuert wird, hat ihn gerade am Ende der Saison immer nur kurz oder gar nicht erfaßt.

Aber wir wollen uns nicht beschweren: insgesamt war es einer der spannendsten und aufregendsten Berwanger Winkewinter seit Jahren.

Am 20. Dezember 2011 war der Winkemann das erste Mal zu sehen, und vorgestern, am Ostersamstag, zum letzten Mal. Dazwischen liegen 57 Auftritte (im Winter davor waren es gerade einmal 36). Aber das ist nur öde Statistik.

Mit einem Paukenschlag hat es am 20. Dezember begonnen: ein komplettes Quartett stand da neben der Bergstation der Sonnalmbahn, der Winkemann mitten unter ihnen. Was da aber noch niemand ahnen konnte: bald sollte er, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, immer wieder im Duett winken. An assistant was born – der Einarmig Winkende, unter Eingeweihten kurz EW genannt. Beide ergänzen sich auf das Trefflichste: da der Profi, der seit vielen Jahren professionell, geschmeidig und beidarmig in die Kamera grüßt, dort der Assistent, der mit der Bescheidenheit des Azubis (oder trainees) neben oder etwas hinter dem Meister steht und fast immer nur einarmig winkt. Ein einziges Mal, immerhin, durfte er schon allein winken, und diese Probe seines Könnens war mehr als passabel – der EW hat (wie Philipp Rösler das wahrscheinlich ausdrücken würde) geliefert.

So geht also ein Winter zu Ende, der den Freunden des Winkemanns wieder viel Vergnügen beschert hat. Der Hans, der kann’s – das möchte man ausrufen, denn Hans heißt er, und mehr muß man von ihm gar nicht wissen. Obwohl sich natürlich schon Fragen stellen, aus der Neugier geboren. Was zum Beispiel macht der Winkemann im Sommer? Hat er einen Hof? Hütet er die Kühe auf der Alm? Geht er einem Beruf nach? Käst er gar irgendwo in den schönen Tiroler Bergen?

Das alles wird sein Geheimnis bleiben – und so soll es auch sein. Wir begnügen uns mit seinen winterlichen Auftritten, die immer neue Überraschungen bringen – und jedem Wetter trotzen, denn der Winkemann winkt auch im Nebel, wenn man ihn neben der Bergstation kaum wahrnehmen kann, er winkt bei eisiger Kälte und in der milden Morgensonne.

Jetzt aber beginnt, um den Monolog in Shakespeares Richard III. ein wenig abzuwandeln, the summer of our discontent, der „Sommer unsres Mißvergnügens“, und wir müssen lange Monate ausharren, bis wir ihn wieder sehen: den freundlichen Winkemann von Berwang.

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Frohe Ostern!

Ich wünsche allen Lesern frohe und friedliche Ostertage.

Den österlichen Kälteeinbruch müssen wir leider ertragen – aber Mitte der Woche soll es ja wieder milder werden.

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Karfreitagstänzer, Spaßbürger, Piraten

Ich gestehe, daß mir fast übel wird, wenn ich lese, was für eine dumme, geistig anspruchslose Religionsfeindlichkeit in vielen Internetforen zutage tritt. Wohlgemerkt: nicht die Meinung an sich verurteile ich, jeder darf den Karfreitag nach Herzenslust überholt finden, jeder kann in einer gottlob freien Gesellschaft Atheist, Zeuge Jehovas, Buddhist – oder auch gar nix sein. Aber wenn ich sehe, wie diese Karfreitagstänzer schreiben und pöbeln, dann ist mir das einfach nur peinlich. Aus welchen Elternhäusern und Schulen kommen die?

Ohne ein Minimum an gegenseitigem Respekt kann eine Gesellschaft nicht funktionieren – aber was ich da lesen muß, ist blanke Verachtung, Rücksichtslosigkeit, dumpfes, auch im sprachlichen Ausdruck pubertäres Aufbegehren von jungen Menschen, die offenbar in einem eigenen Kosmos, einem luftleeren Raum leben, nicht nur ohne Religion, was jedem unbenommen ist, sondern auch ohne ein Bewußtsein von Kultur und Geschichte. Es ist ein merkwürdiges Paradoxon, daß ausgerechnet das Beharren auf unbegrenztem Spaß mit soviel Aggressivität und Gehässigkeit vorgetragen wird.

Mit dem Leitbild des Bürgers (auch im Sinne von Joachim Gauck) hat das nichts zu tun. Bürger streiten nämlich miteinander, ohne daß sie den anderen beschimpfen und verachten.

Zur Illustration nur ein paar Beispiele aus einem Forum des Hessischen Rundfunks (alle in der unkorrigierten Orthographie der jeweiligen Beiträger):

Wie kann man in der heutigen Zeit die Religion so ernst nehmen. Es fehlt nur noch das die Menschen mit Misstgabeln ausgestattet auf ihres gleichen jagen. Es ist doch „entschuldigung“ absoluter Schwachsinn, das Tanzen zu verbieten um ein Zeichen gegen das Foltern zu setzen. Und ist es den keine Folter, wenn man dem Menschen ein wenig Spaß verbietet?

Was sollen bitte schön diese auferlegten religiösen Feiertage, die braucht doch kein Mensch. Genauso wenig brauche ich die staatlich verordnete Tanzpause. Wer Karfreitag für notwendig hält möge bitte in die Kirche seiner Wahl gehen, aber uns in Ruhe lassen.

So ein Schwachsinn, jeder soll machen was er möchte.

Am besten machen wir alle an Karfreitag eine große Party.

Wie kommen dann einige erzkonservative Leute dazu, die im Verwaltungsapparat sitzen und selbst mit Politik garnichts am Hut haben, hier plötzlich den Gottesstaat auszurufen und so einen Firlefanz anzuzetteln? Es sollte wohl jedem selbst überlassen sein, wann er feiert, betet, tanzt, isst oder aufs Klo geht. Wär ein netter Termin für ’ne Nachttanzdemo, ich weiss auf jeden Fall was ich machen werde am Karfreitag, ich geh‘ tanzen.

Wenn andere ihre Irrationalität ausleben wollen – bitte schön – aber ich will nichts damit zu tun haben und erst recht will ich keine Vorschriften von solchen Leuten akzeptieren müssen.

Ich werde an Karfreitag tanzen, und zwar richtig schön auf dem Pick Up eines Freundes, denn schliesslich ist CAR-Freitag.

Allerdings ist es erfreulich, daß sich doch auch sehr viele Menschen, die sich im Forum äußern, über den platten Egoismus der Karfreitagstänzer aufregen. Die fordern nämlich Toleranz für ihren Tanzspaß, denken aber nicht im Traum daran, religiöse Gefühle bei anderen zu tolerieren. Aber Toleranz ist immer Toleranz für den Andersdenkenden oder Andersgläubigen, und wer sich weigert, an drei (!) von 365 Tagen auf das Tanzen zu verzichten, wer also selbst an den drei stillsten Feiertagen unseres Landes seinen vehementen Egoismus und seinen Spaß durchsetzen will, dem muß man – leider! – gesetzlich seine Grenzen aufzeigen. Wenn diese Rücksichtnahme, die eigentlich selbstverständlich ist, schon im Elternhaus gelernt worden wäre, bedürfte es keiner gesetzlichen Regelung.

Die oben zitierte Meinung „Jeder soll machen, was er möchte!“ könnte übrigens, wenn es denn je eines geben sollte, als Präambel im Parteiprogramm der „Piraten“ stehen.

Wer von „Gottesstaat“ und „Folter“ (!) spricht, nur weil er an drei, vier Tagen im Jahr nicht tanzen darf, kann in einer Bürgergesellschaft nicht ernstgenommen werden.

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