Mely Kiyak – erst verschwindet der böse Satz, dann der ganze Artikel

Thilo Sarrazin sei „eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“, hatte voller Haß die deutsch-kurdische Journalistin Mely Kiyak in ihrer Kolumne geschrieben. Sowohl die Frankfurter Rundschau als auch die Berliner Zeitung hatten den Artikel in ihren Online-Ausgaben veröffentlicht, dann aber – wohl nach heftigen Protesten – den inkriminierten Satz kommentarlos gestrichen.

Jetzt hat der Dumont-Verlag, zu dem beide Zeitungen gehören, den ganzen Artikel löschen lassen.

Die Wochenzeitung Junge Freiheit fragte beim Verlag nach den Gründen:

Sowohl die Chefredaktion als auch die Onlineredaktion reagierten überrascht auf die Nachfrage der JF. Eine Mitarbeiterin der Onlineredaktion teilte mit, es seien „rechtliche Bedenken“ aufgetaucht.

Rechtliche Bedenken? Das heißt doch wohl: journalistische oder ethische Bedenken hat der Verlag immer noch nicht! Er sollte sich (zusammen mit der Journalistin) dafür schämen.

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Die Frankfurter Rundschau, die Berliner Zeitung und ein Untermensch namens Sarrazin

Gestern erst hatte ich die Frankfurter Rundschau gelobt, weil sie das Gespräch zwischen Steinbrück und Sarrazin als „sehr sachliches Gespräch“ bezeichnet hatte.

Dieses Lob nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Es wird nicht wieder vorkommen.

Denn inzwischen hat sich in diesem Blatt einiges getan. Mit einem großen Artikel von Robert von Heusinger ist nun auch die FR in den Kreis der Zeitungen zurückgekehrt, denen es vor allem darum geht, Sarrazin zu diffamieren. Wohlgemerkt: zu diffamieren, nicht zu widerlegen – denn ihn zu widerlegen, wo er irrt, wäre sogar die ureigene Aufgabe eines Journalisten. Nein, schon die Sprache zeigt, daß hier eine Abrechnung stattfindet.

Sarrazin, so von Heusinger, „schürt Ressentiments“ und „täuscht“, es ist ein „hässlicher nationalistischer Ton“ da. Für die Sarrazin angedichtete Forderung „Zurück zur D-Mark“ sei ihm alles recht: „auslassen, weglassen, umdeuten, bewusst falsch interpretieren“. Kurz und bündig: es sei „ein widerliches Buch“.

Da hört man den Haß heraus, den viele „linksliberale“ Blätter immer noch gegen Sarrazin hegen, weil er mit seinem letzten Buch die schöne (ebenso romantische wie falsche!) Illusion von der multikulturellen Gesellschaft gestört hat. Das werden sie ihm nie verzeihen.

Also: ein „widerliches Buch“.

Legen wir jetzt aber einmal diese hohen ethischen Maßstäbe an die Frankfurter Rundschau selbst an. Sie hat, ebenso wie die Berliner Zeitung, mit der sie in einem Redaktionspool verbunden ist, auf ihren Online-Seiten einen Artikel der deutsch-kurdischen Journalistin Mely Kiyak veröffentlicht, in dem der nach einem Schlaganfall immer noch beeinträchtigte Sarrazin als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnet wird. Das ist eine ungeheuerliche Entgleisung, für die natürlich erst einmal Frau Kiyak selbst die Verantwortung übernehmen muß (sie hat sich bis jetzt nicht dafür entschuldigt). Fast noch schlimmer ist aber, daß beide Zeitungen inzwischen das Kiyaksche Zitat klammheimlich entschärft haben – der zitierte Nebensatz wurde kommentarlos entfernt, als ob es ihn nie gegeben hätte. Auch von den Redaktionen: kein Wort der Erklärung oder gar Entschuldigung.

Im alten Rom hat man die Namen und Abbildungen von unliebsamen Kaisern einfach ausgelöscht. Die beiden Zeitungen, die sich als Hort des Liberalismus und der Demokratie begreifen, machen es nicht anders als die antiken Despoten – und die Möglichkeiten, die ihnen das Internet bietet, nutzen sie. Aber das gelingt nur auf den ersten Blick.

Der Satz von Frau Kiyak hat wirklich dagestanden, das ist inzwischen genauso dokumentiert wie die klammheimliche Löschung. Aber es kommt keine Erklärung, man will das Problem einfach aussitzen. Und die Journalistin, darauf möchte ich wetten, wird ihre Kolumne behalten.

Einen solchen Satz, der auch im Stürmer hätte stehen können, zu veröffentlichen, nur weil man sich mit einer jungen Journalistin mit Migrationshintergrund schmücken will, ist eine Schande. Das journalistische Ethos wird hier mit Füßen getreten. Aber daß man dann, kaum daß der Sturm losbricht, zum wortlosen Löschen übergeht – aus dem Netz, aus dem Sinn! – und damit zum Instrumentarium der altrömischen Kaiserzeit greift, ist durch nichts zu rechtfertigen.

Es ist – um ein Wort von Robert von Heusinger zu gebrauchen – einfach nur „widerlich“.

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Sarrazin – eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“?

Unglaubliches ist zu vermelden. Eine deutsche Zeitung – nennen wir sie beim Namen: es ist die Berliner Zeitung – veröffentlicht diese Sätze:

Unbedingt müsste man auch Günther Jauchs von Herzen gut gemeinte Werbemaßnahme für Sarrazins neues Buch erwähnen und die Verplemperung unserer Fernsehgebühren für diese lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur, die Sonntagabend in Ruhe das tun darf, was er am besten kann; das niedrigste im Menschen anzusprechen. Ich meine Sarrazin.

So eine menschenverachtende Sprache, die an das Gift der Nazi-Journaille erinnert, ist also wieder salonfähig? Die Sätze stammen übrigens aus der Feder der preisgekrönten deutsch-kurdischen Journalistin Mely Kiyak (35) und sind auch auf den Seiten der Frankfurter Rundschau erschienen.

Der Protest war aber wohl so groß, daß man den schlimmsten Halbsatz inzwischen sang- und klanglos entfernt hat – ohne Kommentar und ohne Entschuldigung. Der Absatz lautet jetzt (hier nachzulesen) so:

Unbedingt müsste man auch Günther Jauchs von Herzen gut gemeinte Werbemaßnahme für Sarrazins neues Buch erwähnen und die Verplemperung unserer Fernsehgebühren für Sarrazin, der am Sonntagabend in Ruhe das tun darf, was er am besten kann; das niedrigste im Menschen anzusprechen.

Hier muß man dringend auf einer gründlichen Aufklärung bestehen. Darf ein so haßerfüllter, beleidigender und jedes Maß überschreitender Kommentar erst veröffentlicht und dann klammheimlich in beschönigter Form weiterverbreitet werden? Haben Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung keine Kontrollmechanismen für ihren Online-Auftritt? Haben sie keine ethischen Richtlinien mehr?

Und vor allem: warum schweigen sie? Damit dürfen sie nicht durchkommen.

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Halt’s Maul, Sarrazin!

Es war ein selbstgemaltes Plakat, das Günther Jauch am Anfang seiner Sendung nur für Sekunden zeigte. Während innen im feinen Gestühl Peer Steinbrück und Thilo Sarrazin saßen, zeigte uns draußen vor der Tür der linke Berliner Mob, welche Gesprächskultur er pflegt. „Halt’s Maul“, stand da, „sonst schlagen wir zurück!“ Zurück? Ist denn Sarrazin je handgreiflich geworden? Bei den Demonstranten soll es sich, wie man in der Presse liest, um Vertreter der Jusos und „einiger anderer Organisationen“ gehandelt haben.

Wer heute morgen die ersten Kritiken der Diskussion liest, kann nur staunen.  Philipp Stempel von der Rheinischen Post beklagt sich darüber, daß „Deutschlands bewährtester Provokateur“, das „PR-Genie“ Sarrazin

bei bester Sendezeit seine Thesen ausbreiten kann.

Und das ist jetzt verboten? Merkel darf ihren unsäglichen, fast bizarren Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ ständig wiederholen, aber ein Sarrazin darf ihn nicht widerlegen? Das ist eine sonderbare Sicht der Dinge. Da versteht es sich von selbst, daß Sarrazin nur „banale Argumente“ hat. Steinbrück „gelingt es trefflich, Sarrazin zu demaskieren“, meint Stempel, der offenbar eine ganz andere Sendung gesehen hat als ich. Eher, finde ich, hat man gesehen, daß der hochgelobte designierte Kanzlerkandidat der SPD nicht in der Lage war, auch nur ein einziges der von Sarrazin ruhig und sachlich vorgebrachten Argumente zu widerlegen.

Auch Christoph Rybarczyk vom Hamburger Abendblatt scheint in einem Paralleluniversum fernzusehen. „Sarrazin wütet bei Jauch“, schreibt er. Ach, du lieber Gott! Hat Rybarczyk vor der Sendung vielleicht einen Joint geraucht? Oder hat er die Diskussion gar nicht gesehen? Daß man dem

populistischen Provokateur Sarrazin wieder ein Forum bietet – eine Schande für die öffentlich-rechtlichen Sender, finden viele.

Viele? Es sind doch immer dieselben, und sie kommen mit ihren reflexhaften, gebetsmühlenartigen Reaktionen alle aus derselben Ecke: Künast, Trittin, Schäuble. Das nicht zu übersehende „Halt’s Maul“-Plakat übergeht Rybarczyk mit Stillschweigen, er erwähnt nur ein Schild mit der Aufschrift „Nein zu Rassismus“. Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber „gegen Rassismus“ und „für den Weltfrieden“ klingt für schlichte Gemüter immer gut. Sarrazin „behauptet“, er sei Europäer, Steinbrück „platzt der Kragen“. Der ganze Artikel ist bis in die einzelnen Wörter ein Musterbeispiel für demagogischen Meinungsjournalismus.

Der Stern findet bei Sarrazin „krude Formulierungen und Thesen“, die Fakten in seinem Buch sind natürlich „scheinbar“. Nakissa Salavati von der Süddeutschen Zeitung hat verblüffenderweise gesehen, „wie Sarrazin an Steinbrück scheitert“. Die Zuschauer wollten, liest man da, „ganz viel gute Laune sehen“, aber Sarrazin „jongliert lieber eine Stunde lang mit Zahlen“. Bei der Süddeutschen sind Schwarz und Weiß klar verteilt:

Gesunder Menschenverstand versus Faktenverliebtheit, Optimismus versus Endzeitstimmung.

Selbst Nils Minkmar von der F.A.Z. meint zu Sarrazin:

Am Ende der Sendung stand der nach eigener Selbstdarstelllung so rationale, auf Fakten und Daten bezogene Fachmann als der eigentlich Sentimentale da, der seinen Vorurteilen und Emotionen freien Lauf lässt.

Man kann, wenn man all dies liest, nur mit dem Kopf schütteln. Die Frankfurter Rundschau immerhin, das sei zur Ehre des deutschen Journalismus erwähnt, stellt fest:

Es ist ja dann auch ein sehr sachliches Gespräch gewesen, das die beiden geführt haben – jenseits aller Aufgeregtheiten.

Genauso war es. Ein Wort nur noch zu Günther Jauch. Er hat manchmal den Eindruck erweckt, als sei es eine Ehre für Sarrazin, daß er seine Meinung darlegen dürfe. Nein – das ist keine Ehre. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Und Journalisten, das nur nebenbei, sollten sich freuen, wenn sich endlich einmal jemand findet, der den „kruden Thesen“ der Kanzlerin, die in ihrer schlichten Art Europa immer wieder mit dem Euro gleichsetzt, entschlossen und sachkundig widerspricht.

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Sparen, sparen – totsparen

Ich freue mich, daß beim Gipfel in Camp David endlich einmal jemand der Bundeskanzlerin kontra gibt. Ihre rigide, fundamentalistische Sparpolitik hat mit vernünftiger Haushaltsführung nichts mehr zu tun. Griechenland ist der beste Beweis dafür. Ein Land, das man totgespart hat, wird man nicht so schnell wieder zum Leben erwecken.

Was der Kanzlerin immer mehr abhanden kommt, ist der gesunde Menschenverstand, der common sense.

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Schlagt ihn tot – es ist der Sarrazin!

Man kann sich nur wundern. In unserem Land wird von Intellektuellen und Journalisten immer gern und oft der Satz von Rosa Luxemburg zitiert:

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.

Aber in diesem Land gibt es zumindest einen Andersdenkenden, der sich besser nicht äußern sollte – wenn es nach SPD, Linken, Grünen usw. geht, also den Gralshütern des Wahren, Schönen, Guten. Dieser eine Andersdenkende ist Thilo Sarrazin.

Ich sage nicht, daß er einer der begabtesten deutschen Intellektuellen ist (das sind Künast und Trittin aber nun wirklich auch nicht). Ich weiß auch, daß an seinem letzten Buch manches wissenschaftlich bezweifelbar ist. Aber warum toben die Heiden schon wieder prophylaktisch, wenn er heute abend bei Jauch sein neues Buch vorstellt? Jeder Idiot darf in den Talkshows jedes idiotische Buch vorstellen – aber er, Sarrazin, darf es nicht?

Kaum hört man den Namen Sarrazin, schon melden sich die üblichen Geiferer zu Wort. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, fordert, daß sich „mit Sarrazin niemand mehr in eine Talkshow setzen“ solle. Ebenso die in ihrer dogmatischen Strenge fast katholisch anmutende Zensorin Künast: Sarrazin passe nicht „zum Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders“. (Hat sie das je über das Heer der Sternchen und Dummchen gesagt, die diese Sender fest im Griff haben?) Patrick Döring findet, daß Sarrazins Thesen „im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen haben“. Und Trittin wundert sich, daß Sarrazin „immer noch in der SPD“ sei.

Jetzt warte ich nur noch auf das Verdikt der Kanzlerin, daß Sarrazins Buch „nicht hilfreich“ sei.

Um noch einmal ganz deutlich zu sein: es geht mir hier nicht um den Inhalt des Buches, den ich genauso wenig kenne wie die harschen Kritiker, die ihr Urteil allesamt nur auf einen einzigen Satz stützen. Es geht mir um eine Art Totschlagkultur in der öffentlichen Diskussion, in dem ein Mann, weil er immer gegen den Stachel löckt und ungewöhnliche Thesen aufstellt, gleichsam wie ein räudiger Hund behandelt wird. Vor allem die linksgrüne Szene, zu der auch die Merkelsche CDU immer mehr neigt, scheint mir da in einer ideologischen Starre gefangen, die nicht gut ist für unser Land. Der Erfolg des letzten Sarrazin-Buches hatte seinen Grund ja eben darin, daß in dieser politischen Szene und in der veröffentlichten (nicht der öffentlichen!) Meinung über den Haß eines Teils der muslimischen Jugend auf das Land, in dem sie leben, nicht geredet werden durfte. Es war im Land der tausend Integrationsbeauftragten eines der letzten großen Tabus.

Sarrazin hat dieses Tabu gebrochen – und das war gut so. Es war befreiend, auch wenn man ein paar Abstrusitäten seines Buches nicht teilen konnte. Nach dem Erscheinen von „Deutschland schafft sich ab“ tat sich eine tiefe, fast unüberbrückbare Kluft auf zwischen der politischen und journalistischen Klasse auf der einen und dem Mann auf der Straße auf der anderen Seite. Eine Mehrheit in der Bevölkerung freute sich über das Buch, und die Politiker hätten sich am liebsten  – ein anderes Volk gewählt. Sie sind ja auch eher selten abends und nachts in leeren U-Bahnhöfen unterwegs, und ihr direkter Kontakt mit haßerfüllten, nach Gewalt förmlich lechzenden Jugendlichen hält sich in Grenzen. Sie sehen diese Jugendlichen immer nur durch die rosarote Brille ihrer ideologischen Postionen. Aber die ganz normalen Menschen, wenn sie zum Beispiel einer Schichtarbeit nachgehen, sind diesen jungen Männern wirklich ausgesetzt.

Die Diskussion wurde zu einem Fiasko für Politiker und Journalisten, die am Ende zugeben mußten, daß sie die Virulenz des Problems völlig falsch eingeschätzt hatten. Beide gelobten Besserung.

Und – haben sie sich gebessert?

Ganz und gar nicht. Auch jetzt kommen wieder – sozusagen aus der Hüfte geschossen und in den meisten Fällen ohne vorhergehende Lektüre des Buches – die üblichen ideologischen Reflexhandlungen, genau wie beim letzten Buch. Die Kränkung durch Sarrazin, das sieht man immer deutlicher, sitzt tief. Und sie lassen es ihn spüren.

Dabei müssen sie sich doch nicht sorgen. Sein Diskussionspartner heute abend bei Jauch ist Peer Steinbrück, und da hat Sarrazin, dessen Stärke die Auftritte in Talkshows nun wirklich nicht sind, kaum Chancen. Der schlagfertige Steinbrück mit seinem trockenen Humor wird es gegen Sarrazin leicht haben, fürchte ich.

Wozu also die ganze Aufregung? Ein bißchen mehr Gelassenheit kann man von unseren Politikern schon erwarten. Man muß doch nicht gleich zur Schnappatmung übergehen, nur weil Sarrazin bei Jauch im Studio sitzt!

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Ein unmoralisches Angebot

Ausgerechnet auf den immer so linksliberalen Seiten von Stern Online (z.B. hier) darf ein Anbieter für Investitionen im Palmölgeschäft werben:

    Garantierte Ausschüttungen von 9% p.a.
    Auszahlungen bereits im 1. Jahr
    Garantierter Rückkauf zu 100% des Kaufpreises
    Laufzeit 10 Jahre, schon ab € 7500
    Soziale und ökologisch sinnvolle Beteiligung.

Sozial und ökologisch sinnvoll? Das ist an Zynismus kaum zu überbieten. Sinnvoll ist diese Beteiligung nur für die Palmölkonzerne, die im großen Stil Urwälder vernichten und Menschen von ihren Ländereien vertreiben. Sie arbeiten überall mit korrupten Regierungen und willfährigen Beamten zusammen und ersetzen die natürliche Vegetation und das vorhandene Ackerland durch Plantagen, die von Horizont zu Horizont reichen.

In dem Investmentangebot fehlt natürlich auch nicht der Hinweis auf den vom WWF gegründeten „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ – freilich ohne den Hinweis, daß sich der WWF schon durch seine Zusammenarbeit mit einem der schlimmsten Palmölkonzerne, Wilmar, vollständig kompromittiert hat. Dazu möchte ich allen Lesern den Dokumentarfilm „Der Pakt mit dem Panda“ ans Herz legen, der das gute Einvernehmen zwischen dem WWF und den großen Agrarkonzernen in erschütternder Weise belegt.

Wenn es in dem Investitionsangebot heißt, daß für die betreffenden Plantagen

kein Regenwald abgeholzt und die Anbauflächen zu ehrlichen und fairen Konditionen erworben

würden, dann mag das im guten Glauben gesagt sein. Aber alle Erfahrung spricht dagegen.

Wer in Palmölplantagen investiert, macht sich mitschuldig an einer großflächigen Zerstörung der natürlichen Vegetation in vielen Ländern der Welt. Auch die Ausrottung des Orang-Utan, die noch zu unseren Lebzeiten erfolgen wird, ist eine direkte Folge der immer aggressiveren Expansion der Ölkonzerne.

Wem die Natur am Herzen liegt, der sollte auf keinen Fall in solche Unternehmungen investieren. Es gibt doch wirklich genug Investitionsmöglichkeiten, die nicht mit der Zerstörung der Natur einhergehen.

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Senioren – ab zur Arbeit, marsch, marsch!

Wer auf seinem Smartphone die Tagesschau-App installiert hat, konnte heute eine erstaunliche Überschrift lesen:

Merkel fordert Integration von Älteren.

Was will die Kanzlerin damit sagen? Sollen die älteren Menschen, nachdem sie ein Leben lang gearbeitet und ihre Kinder großgezogen haben und dann – endlich! – ihren verdienten Lebensabend genießen, nun den Respekt bekommen, der ihnen gebührt? Na, das wäre ja noch schöner!

Wohin der Hase läuft, sieht man erst, wenn man die Meldung selbst aufruft:

Merkel fordert Integration von Älteren ins Arbeitsleben.

Die Kanzlerin hat neuerdings eine heftige und sich sogar noch verstärkende Neigung zum Verklausulieren. Auch brutale Forderungen bekommen so ein geschöntes oder doch wenigstens ein scheinbar nüchternes Gesicht. (Man müßte einmal ein Spezial-Wörterbuch zusammenstellen, vielleicht unter dem Titel Kanzlerin-Deutsch / Deutsch-Kanzlerin!)

Die „Älteren“, so Frau Merkel auf dem Katholikentag, sollen also „ins Arbeitsleben integriert“ werden. Das ist eine reichlich merkwürdige, eine fast gespenstische Forderung, denn die Älteren waren ja ihr ganzes Leben lang ins Arbeitsleben integriert, und fast alle haben am Ende schon die Tage und Wochen gezählt, bis sie endlich desintegriert wurden.

Ja, es gibt auch  die happy few, die in ihrem Traumberuf gearbeitet haben. Sie möchten eigentlich immer weitermachen – aber das ist doch, um Himmels willen, nicht die Regel. Die Regel ist, daß man arbeitet, um leben zu können, und die Regel ist auch, daß man schon mit Fünfzig vom Arbeitgeber umworben wird – aber nicht etwa umworben, um zu bleiben und seine beruflichen Erfahrungen an die jüngeren Kollegen weiterzugeben. Nein, man wird umworben und umgarnt und mit bisweilen unglaublich hohen Abfindungen dazu gedrängt, aus dem Unternehmen möglichst zeitnah auszuscheiden. Es sind oft die jungen Führungskräfte, die eben ihren Abschluß an einer der Eliteuniversitäten gemacht haben und dann – ohne je das wirkliche Leben oder gar einen anständigen Umgang mit Menschen kennengelernt zu haben – an die Schaltstellen von Unternehmen berufen werden, die in einer geradezu rüpelhaften, auf jeden Fall aber schamlosen Weise mit ihren lästig gewordenen, älteren Arbeitnehmern umgehen.

„Integration von Älteren ins Arbeitsleben“ kann unter den heutigen Bedingungen (die Frau Merkel sehr genau kennt!)  nur heißen:  noch mehr Menschenmaterial für Niedriglohn-Arbeitsplätze herbeischaffen, denn viel anderes wird es für Ältere nicht geben.

Das ist die Wirklichkeit. Und es gehört auch zur Wirklichkeit, daß viele alte Menschen ohnehin schon unermüdlich tätig sind: für ihre Familie, für die Kinder und Enkelkinder und in Ehrenämtern. Dazu brauchen sie keinen Druck aus dem Kanzleramt, das tun sie gern und freiwillig. Aber für eine parasitär lebende Schicht von Managern und „Entscheidungsträgern“ (ein Lieblingswort unserer Kanzlerin!) für einen Hungerlohn zu arbeiten, damit die keine ordentlichen Vollzeitarbeitsplätze schaffen müssen, das will niemand, der ein Leben lang im Arbeitsleben gestanden hat.

Schade, daß die Kanzlerin auf dem Katholikentag offenbar nicht die rechte Antwort bekommen hat. Die katholische Soziallehre hätte dazu doch viel zu sagen.

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Ein Plädoyer zur Öffnung der Fernseharchive

Jeder weiß, daß in den Kellern unserer Museen wahre Schätze schlummern. Aber der Platz in den Ausstellungsräumen ist begrenzt, deshalb kann den Besuchern immer nur ein kleiner Teil der Kunstwerke gezeigt werden. Selbst die Angestellten der Museen sind manchmal überrascht, was ihr Haus alles besitzt. Das Problem ist nicht lösbar, denn man wird immer nur Teile der Sammlung ausstellen können; alles andere wird im Depot verwahrt.

Bei den Rundfunk- und Fernsehanstalten sieht es ganz anders aus. Sie hätten – rein theoretisch – genug Sendezeit für ihre Schätze.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag zum Beispiel hat das Hessische Fernsehen „Eine Nacht für Frankfurt“ gesendet – mit alten Filmen über Frankfurt, meist aus den 60er Jahren. Es waren einmalige Dokumente einer Zeit, die heute beinahe so fremd anmutet wie ein Film über die Himba oder die Yanomami. Immer hat man sich gefragt: Haben wir damals wirklich so ausgesehen? Haben wir so geredet? Hatten die Männer damals wirklich so schreckliche Anzüge, die Frauen so komische Frisuren?

Gerade weil es in den Filmen um den ganz normalen Alltag ging, waren diese Filme so lehrreich. Es war ein Blick in eine untergegangene Welt.

Die Rundfunk- und Fernseharchive unserer Sender sind voll von solchen Filmen. Warum zeigt man uns nicht mehr davon?

Ich meine nicht irgendwelche Super 8-Schnipsel à la Pleiten, Pech und Pannen, wie sie jetzt überall auftauchen, sondern typische Dokumentarfilme aus der damaligen Zeit. So viel Sendezeit haben die Dritten Programme, und was machen sie damit?  Sie füllen von den 24 Stunden, die sie senden, den größten Teil schlicht mit – Schrott. Das Hessische Fernsehen beobachte ich nun schon sehr lange, und es stimmt mich traurig und wütend zugleich, wenn ich sehe, wie seit zwei, drei Jahren das allgemeine Niveau immer weiter sinkt – fast ins Bodenlose. Manchmal füllt der Hessische Rundfunk ganze Tage mit unsäglichen Rankingshows („Die ungewöhnlichsten Spektakel der Hessen“ o.ä.) und kindischen Spielen auf dem Niveau eines Kindergartens. Was ist das? Ein Virus? Ist der Sender von Aliens übernommen worden? Oder beleidigt er etwa vorsätzlich den Verstand seiner Zuschauer? Will er uns zeigen, daß es immer noch seichter, noch schlimmer kommen kann?

Es ist ein Programm zum Gotterbarmen.

Eine „Kehre“, von der im allerletzten Philosophischen Quartett immer wieder die Rede war, wäre dringend geboten. Aber sie wird nicht kommen.

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Angie – as cold as ice

Eiskalt – dieses Wort stammt nicht von mir, sondern von der F.A.Z., die der CDU im allgemeinen gewogen ist (hier nachzulesen):

Mit solcher Eiseskälte hat die Kanzlerin noch keinen ihrer Minister nach Hause geschickt.

Warum hat sie das getan? Es geht nicht um die verlorene Wahl, wie ärgerlich sie auch gewesen sein mag. Es geht einzig und allein um die Energiewende, die immer noch auf der Kippe steht. In vielen Dingen mag die Kanzlerin nachsichtig sein, aber wenn es um die Energiewende geht, versteht sie keinen Spaß. Wenn da ein Minister zögerlich und unentschlossen ist, handelt sie eben – eiskalt.

Um Ökologie, Nachhaltigkeit und die Natur geht es dabei nicht. Es geht um eine Investition, ein Milliardengeschäft. Wer immer noch naiv genug ist, an eine Art ökologisches Erweckungserlebnis der Kanzlerin nach Fukushima zu glauben, mag zur Kenntnis nehmen, daß es die Wirtschaft ist, die jetzt den Ton angibt (hier nachzulesen):

„Die nächsten Monate sind entscheidend für das Gelingen der Energiewende“, sagt der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel. Er sichert Altmaier volle Unterstützung zu.

Der Reibach, den die Industrie machen will, ist von seinen Dimensionen her fast unvorstellbar: schon die Solarindustrie hängt seit vielen Jahren am Tropf des Steuerzahlers, aber die staatliche Subventionierung der Windkraft nimmt allmählich Ausmaße an, die sogar die Alimentierung der Kernkraftwerke noch in den Schatten stellt. Hier winken Gewinne, die auf Jahrzehnte durch den Steuerzahler abgesichert sind und das unternehmerische Risiko gegen Null tendieren lassen. Die Energiekonzerne, die hier investieren, verfügen schon jetzt über soviel Kapital, daß sie bei der Suche nach Standorten in Städten und Gemeinden mit Geld um sich werfen können.

Allein für die unsinnige Solarförderung zahlen wir – also die Steuerzahler! – im Moment pro Jahr die gigantische Summe von sieben Milliarden Euro. Die Windkraft wird noch um ein Vielfaches teurer werden. Hier winken so große (und so gut durch den Steuerzahler abgesicherte) Gewinne, daß ein zögerlicher Minister, ein cunctator, nicht im Amt bleiben darf.

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