Zuhause oder zu Hause im Zuhause?

Auf Spiegel Online konnte man gestern folgende Überschrift lesen:

Strengreligiöse Eltern dürfen Kinder nicht Zuhause unterrichten

Die Überschrift zeigt, daß die „Neue Rechtschreibung“ – der Bevölkerung vor Jahren von einem verhängnisvollen Bündnis aus unfähigen Germanisten und sprachlich schlichten Politikern aufgezwungen – zu einer völligen Aufhebung jeder Schreibsicherheit geführt hat. Das Sprachgefühl, das vorher wenigstens in Ansätzen noch vorhanden war, ist nun endgültig zerstört. Jeder schreibt jetzt, wie er mag.

Nehmen wir nur einmal die oben zitierte Schlagzeile von Focus Online. Warum schreibt der Redakteur „Zuhause“ groß? Hat das Zuhause der angeklagten Familie vielleicht mehr als 80 qm?

Wer ein Zuhause hat, mag das großschreiben, denn dann ist es ein Nomen. Ansonsten ist es gefälligst kleinzuschreiben – entweder zusammen, also zuhause, oder getrennt: zu Hause. Tertium non datur.

Man kann vieles mit der Sprache machen: man kann sie beobachten, erforschen, zergliedern, kritisieren, man kann auch schimpfen und fluchen über sie. Aber was man unter keinen Umständen darf: auf dem Verwaltungsweg an ihr herumpfuschen, ihr Fesseln anlegen oder gar den dummen Versuch machen, über sie zu herrschen.

Das Unheil, das man mit solchen Versuchen anrichtet, ist groß. Die „Rechtschreibreform“ ist der beste Beweis dafür.

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Tebartz

„Schöner wohnen“ statt der Bergpredigt.

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Drei Fakten und ein Ehrenwort – Die BMW-Spende an die CDU

Dreierlei ist bekannt und nachprüfbar (zum Beispiel hier nachzulesen):

1) Die Familie Quandt hält zusammen knapp die Hälfte der Anteile am bayerischen Autobauer BMW.

2) Drei Mitglieder der Familie Quandt haben der CDU in der vergangenen Woche einen Betrag von insgesamt 690.000 Euro gespendet.

3) Die von der CDU/CSU geführte Bundesregierung hat alles getan, um eine Verschärfung der europäischen Grenzwerte für Fahrzeuge beim Kohlendioxid-Ausstoß zu verhindern. Sogar ein verwässerter Kompromiß wurde von Umweltminister Altmaier blockiert. Diese Blockadepolitik kommt, wie man in der Süddeutschen lesen kann, „vor allem den Oberklasse-Herstellern BMW, Daimler und Audi“ zugute.

So, und jetzt aufgepaßt – das hat es in meinem Blog nämlich vorher noch nie gegeben: ich gebe meinen Lesern mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort, daß die drei genannten Fakten nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.

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Narrenhaus Energiewende – die großen Konzerne werden von Mutti großzügig befreit, und wir zahlen die Zeche

Immer höher werden die Stromkosten nach der neuen kräftigen Erhöhung der EEG-Umlage für den Normalverdiener, dabei ist bis jetzt erst ein Bruchteil der geplanten Windkraftanlagen gebaut, und die Monstertrassen sind noch nicht einmal rechtlich genehmigt.

Das alles ist den Verantwortlichen – CDU/CSU und FDP – nicht einmal einen Kommentar wert. Und die Opposition? SPD und die Grünen kritteln nur an Details herum, weil sie im Grunde mit der Merkelschen Politik völlig einig sind. Nur für die Wähler werden ein paar Meinungsunterschiede konstruiert.

Der Wahnsinn dieser Energiewende liegt vor allem darin, daß immer mehr Strom produziert wird, der nicht speicherbar ist. Die Folgen (hier nachzulesen):

Mangels Speichermöglichkeiten muss der produzierte Strom in der gleichen Sekunde verbraucht werden. Sonst knallt es im Netz. Weil sich das deutsche Angebot aber nicht nach der Nachfrage richtet, sondern nach Willkür des Windes und der Sonne und den technisch-physikalischen Grenzen der Kohlekraftwerke, gibt es immer häufiger viel, gelegentlich zu viel Strom. Der Überschuss wird ins Ausland verscherbelt, verschenkt oder mit Aufpreis weggegeben. Damit subventioniert der deutsche Stromkunde die niedrigen Strompreise vor allem in Holland und in Österreich.

Wenn es ganz blöd läuft für Deutschland, dann verschenkt es morgens seinen Strom an Österreich, um ihn abends wieder teuer zurückzukaufen. Berechnungen zufolge haben deutsche Haushalte den billigen Strom der Nachbarn im vergangenen Jahr mit bis zu drei Milliarden Euro bezahlt.

Und es läuft ganz blöd für Deutschland – denn das Volk wählt die freundlich lächelnde Kanzlerin again and again, und selbst wenn es genug von dieser dilettantischen, für den Mittelstand fast vernichtenden Politik hätte: wen sollte es sonst wählen? SPD, Grüne und Linke sind ja ideologisch noch verblendeter als die CDU! Also bewahrheitet sich, was Merkel immer sagt: ihre Politik ist alternativlos und unumkehrbar.

Der gesellschaftspolitische Sprengstoff, der sich da ansammelt, wird irgendwann explodieren. Denn eine Demokratie funktioniert nur, wenn es bei Wahlen wenigstens in den wichtigen Fragen eine Alternative gibt. Wenn aber praktische alle Parteien in der Frage der Energiewende einer Meinung sind, bleibt nur die fatale Möglichkeit, nicht zu wählen.

Das Szenario, das die bestehenden Parteien damit befördern, möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Ich hoffe immer noch – der Kanzlerin zum Trotz – auf den gesunden Menschenverstand.

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Sensation heute abend bei Maischberger!

Endlich mal ein ganz neues, noch nie dagewesenes Talkshow-Thema:

In die Pleite geschlittert – Absturz oder Neuanfang?

Sowas hat man ja noch nie gesehen! Auch Ingrid Steeger berichtet heute zum ersten Mal im deutschen Fernsehen von ihrem finanziellen Absturz. Lauter Premieren!

Im Ernst: in den letzten Jahren hat es gefühlte 157 Talkshows zu diesem Thema gegeben.

Aber Maischberger bleibt, und Beckmann geht.

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„Protz-Bischof“ – Über eine Sprachregelung im „Focus“

Ein paar geistig schlichte Bischöfe meinen ja, daß es sich bei den Vorwürfen gegen Tebart-van Elst um eine Pressekampagne handele. Das ist natürlich Humbug.

Auf der anderen Seite beweist das „Nachrichtenmagazin“ Focus, daß es die Schlichtheit der Bischöfe durchaus noch – wie man heute gern sagt – toppen kann.

Schon seit Tagen ersetzt es das Wort „Bischof“ immer und überall im Blatt durch „Protz-Bischof“. Ach, was ist das lustig! Und so volkstümlich! Protz-Bischof – nein wirklich!

Aber damit ein bißchen Abwechslung herrscht, heißt es im Text hin und wieder auch „Prass-Prediger“. Auch lustig! Auch volkstümlich!

Und aus der Affäre wird – beim Versuch, das Niveau der Bildzeitung noch einmal zu unterbieten – die „Limburger Protz-Affäre“ um den „Prunk-Bau“.  Natürlich geht es auch um das „Lügensystem des Protz-Bischofs“ und um dessen „Palazzo Protzo“.

Man sieht: jedes Wort des Magazins ein markiges, eben ein Mark-Wort!

Ich weiß nicht, was mir mehr zuwider ist: der Bischof, der ohne Rücksicht auf Verluste seinen Bischofsstuhl behalten will – oder dieses Blatt mit seinen primitiven, redaktionell angeordneten Sprachregelungen.

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„Nothelfer“ in Syrien ???

In Syrien sind sieben Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds verschleppt worden, vier von ihnen sind gottlob wieder freigekommen – aber nicht davon will ich berichten, sondern von einem merkwürdigen Wort. So liest es sich:

Entführte Nothelfer in Syrien freigelassen (Spiegel)
Von den in Syrien verschleppten Nothelfern sind vier wieder in Freiheit (Zeit)
IKRK-Nothelfer in Syrien entführt (Basler Zeitung)
Sieben Nothelfer in Syrien vermisst (Welt)
IKRK-Nothelfer in Syrien entführt (Tagesanzeiger)

Die Tatsache, daß fast alle Zeitungen zumindest in der Überschrift das Wort „Nothelfer“ verwenden, legt die Vermutung nahe, daß es von einer Nachrichtenagentur in Umlauf gesetzt wurde.

Aber müssen denn fast alle deutschen Zeitungen ein selten dummes und völlig falsches Wort einfach übernehmen? Nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hinter der offenbar wirklich kluge Köpfe stecken, hat auf das Wort verzichtet.

Das Wort Nothelfer, liebe Journalisten, ist ein durch und durch christliches Wort. Es bezeichnet Heilige, die man anrufen kann, wenn man in Not ist. Jeder einzelne der vierzehn Nothelfer ist für ganz besondere Nöte zuständig: der eine für Koliken, der andere für die Todesstunde, wieder andere für die Gebärenden oder die Epileptiker. Wer schon einmal in der prächtigen Basilika Vierzehnheiligen war, wird sie alle gesehen haben.

Nur eines sind alle diese Nothelfer nicht: Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

Ich vermute, da hat sich irgendein Agenturmitarbeiter gedacht: „Nothelfer“, das klingt irgendwie gut, viel besser als das einfache „Helfer“.

Und schon schreiben alle unsere Journalisten diesen Schmarrn nach.

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31 Millionen zum ersten, zum zweiten … 40 Millionen! – Oder: Der arme, herzensgute Bischof und die böse Presse

Große Bauvorhaben laufen neuerdings ständig aus dem Ruder: Stuttgart 21, die Elbphilharmonie, der Hauptstadtflughafen. Kostenvoranschläge sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Selbst einfachste Additionen (Pisa!) werden offenbar nicht mehr beherrscht. Jede dieser Fehlkalkulationen ist ein Ärgernis, aber sie sind offenbar immer folgenlos: schon beim nächsten Bauprojekt beginnt das böse Spiel von neuem.

Der Fall Tebartz-van Elst liegt freilich anders. Während man von Politikern ohnehin nicht viel Gutes erwartet, muß man an einen Kirchenmann doch wohl höhere moralische Anforderungen stellen. Natürlich ist auch er ein Mensch, und damit fehlbar wie alle Menschen, aber in einem solchen Fall sollte er in sich gehen und Reue zeigen. Davon ist leider nichts zu merken. Trotzig beharrt er darauf, daß alles gut sei – und schiebt, obgleich er selbst den Bau bis ins kleinste Detail beeinflußt und immer wieder verändert hat, die Verantwortung für die ausufernden Kosten dem Generalvikar und dem Vermögensverwaltungsrat zu. Sein ganzes Verhalten im Lauf dieser Affäre – das jahrelange Vertuschen der wahren Kosten, das Leugnen der eigenen Verantwortung, die Flucht vor der Öffentlichkeit, auch der heimliche Flug nach Rom, um Erzbischof Zollitsch zuvorzukommen – zeigt, soviel Psychologie mag erlaubt sein, einen schwachen, uneinsichtigen und unreifen Menschen, der in dieses Amt nicht gehört. Um sein eigenes Amt zu retten, nimmt er ungerührt in Kauf, daß nicht nur sein Bistum, sondern die ganze Kirche Schaden nimmt.

In der causa Tebartz-van Elst trennt sich auch unter den Amtsbrüdern des Bischofs die Spreu vom Weizen. Während die große Mehrheit vorsichtig, aber doch deutlich vernehmbar von ihm abrückt, gibt es doch auch Freunde, die in der Not zu ihm halten. Kardinal Meisner zum Beispiel, der auch in diesem Fall sein schlichtes Weltbild zeigt. Für ihn sind die Medien schuld, die sich gegen den braven Bischof verschworen haben. Und vor allem Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der einflußreiche Präfekt der römischen Glaubenskongregation, den Papst Franziskus leider im Amt bestätigt hat. Das alles sei nur eine Medienkampagne und eine „Erfindung von Journalisten“, meint er.

Wer so redet, wo doch die Wahrheit in Dokumenten und glaubwürdigen Aussagen überall zu greifen ist, dem muß man ein ähnlich getrübtes Verhältnis zur Wahrheit unterstellen wie dem Limburger Bischof selbst.

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Nur Radsportler, keine Radsportlerinnen!

Gerade in einem Buch über den Radsport entdeckt:

Im Folgenden wird der Einfachheit halber einheitlich die männliche Anrede gewählt. Natürlich werden beide Geschlechter damit angesprochen.

Der Einfachheit halber? Nein, der Richtigkeit halber. Aber soweit ist es schon, daß ein Autor sich entschuldigen muß, weil er in seinem Buch nicht unentwegt von „Radsportlerinnen und Radsportlern“ spricht!

Eine verrückte Welt.

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Afrika rebelliert gegen den Internationalen Strafgerichtshof

Rebelliert wirklich Afrika gegen den Strafgerichtshof? Natürlich nicht. Es sind die in der Afrikanischen Union zusammengeschlossenen Regime. Sie verlangen, daß gegen „amtierende Staats- und Regierungschefs“ nicht mehr vorgegangen werden dürfe.

Die Gründe für diesen Vorstoß liegen auf der Hand. Es gibt auf dem ganzen afrikanischen Kontinent kaum einen einzigen stabilen demokratischen Staat. Dagegen gibt es gleich scharenweise korrupte Regime und nicht wenige Regierungen, die sich schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben und ihr blutiges Handwerk bis heute betreiben. Ich erinnere nur an den sudanesischen Staatschef Al-Baschir, gegen den ein internationaler Haftbefehl vorliegt, an Robert Mugabe, der mit seinem schwarzen Rassismus das blühende Zimbabwe in kürzester Zeit heruntergewirtschaftet hat (immer unterstützt vom großen Nachbarn Südafrika!), und an den Präsidenten von Kenya, Uhuru Kenyatta, der sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muß – von den zentralafrikanischen Staaten rund um den Kongo ganz zu schweigen.

Statt gegen den Internationalen Gerichtshof zu polemisieren, sollten sich die afrikanischen Länder endlich dazu aufraffen, ihre eigenen, durch und durch korrupten Eliten in die Wüste zu schicken.

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