Brisante Enthüllungen über das ZDF

Das ZDF-Programm, Freitag, 24. Januar 2014:

10.30 Uhr   Notruf Hafenkante
16.10 Uhr   SOKO Wien
18.05 Uhr   SOKO Kitzbühel
19.25 Uhr   Die Garmisch-Cops
20.15 Uhr   Der Staatsanwalt
21.15 Uhr   SOKO Leipzig
22.00 Uhr   SOKO Leipzig
23.45 Uhr   Die Chefin
1.45 Uhr    In Plain Sight – In der Schußlinie.

Die Krimiserien werden nur kurz durch Nachrichten, Wintersport und eine Kochserie unterbrochen.

Uns ist übrigens heute von lupuleaks das Drehbuch zum Pilotfilm einer neuen ZDF-Krimiserie zugespielt worden. Sie wird „SOKO Lerchenberg“ heißen (bitte nicht weitersagen, streng geheim!). In der ersten Episode geht es um einen toten Rentner, der keinerlei äußere Verletzungen aufweist. Auch die Obduktion führt zu keinem Ergebnis. Die blutjunge Staatsanwältin ist ratlos. Der blutjunge Kommissar weiß auch nicht weiter. Seine blutjunge Assistentin glaubt an ein politisches Verbrechen, denn man hat neben der Leiche eine Broschüre mit dem Titel „Mit den Gedanken des Großen Vorsitzenden den Lerchenberg erobern!“ gefunden. Nach langem Stochern im Mainzer Nebel stellt sich aber die wahre Todesursache heraus: der Rentner hatte am Freitag zuvor vom frühen Morgen an sämtliche Krimis des Senders geschaut und gegen Mitternacht schon eine leichte Benommenheit verspürt. Tags darauf sah er dann, schon sichtbar geschwächt, neun Stunden lang ohne Unterbrechung alle Wintersport-Übertragungen und fiel endlich, noch ehe die Ergebnisse der Nordischen Kombination bekanntwurden, tot vom Fernsehsessel.

Die Programmverantwortlichen wurden festgenommen.

Der letzte Dialog des Pilotfilms:

Blutjunge Assistentin:  Und was wird jetzt aus ihnen?
Blutjunger Kommissar:  Unzurechnungsfähig.
Blutjunge Assistentin:  Alle?
Blutjunger Kommissar:  Alle. Auch der Intendant.
Blutjunge Assistentin:  Sie kommen also nicht ins Gefängnis?
Blutjunger Kommissar:  Nein.
Blutjunge Assistentin:  Schade.
Blutjunger Kommissar: Na ja, so gemütlich ist es im Maßregelvollzug ja auch nicht.

Schnitt. Die blutrote Sonne geht über dem Lerchenberg unter. Es wird Nacht im Sender. Abspann.

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Nackte blicken dich an – Prof. Dr. Andreas Englhart und das Theater von heute

Das heutige Regietheater lebt parasitär: ohne die Subventionen aus Steuermitteln wäre es mit ihm schnell zuende.

Wäre das schade? Wirklich nicht.

Im Gegenteil: wenn man will, daß aus dem Pubertätstheater von heute wieder ein wirklich kluges, aufgeklärtes, inspirierendes Theater wird, dann sollte man die Subventionierung vielleicht (zumindest für einige Jahre) ganz streichen. Nur so könnte man die Verbindung von billigem Provokationstheater bei gleichzeitiger Finanzierung durch das von den Regisseuren im Grunde verachtete Steuerzahlerpublikum aufbrechen und den Herren Regisseuren deutlich sagen: WIR SIND DAS PUBLIKUM!

Das Regietheater vertreibt die Menschen aus den Theatern, statt sie zum Kommen zu verleiten. Seine Position zu den Stücken der dramatischen Weltliteratur ist die eines ewig Pubertierenden. Wer noch nicht erwachsen ist, mag diesen abendlichen Cocktail aus Körpersäften genießen – für einen Erwachsenen ist es eine Zumutung.

Aber viel schlimmer noch, als es die Aufführungen selbst sind, sind die großspurigen Begründungen für sie.

1)  PROVOKATION! Nehmen wir nur einmal den „nackten Mann auf der Bühne“. Ein gewisser Prof. Englhart, seines Zeichens Universitätsdozent, sagt in seinem Artikel „Zehn Gründe, warum Sie 2014 häufiger ins Theater gehen sollten“ (hier nachzulesen):

Selbstverständlich ist ein nackter Schauspieler, der leibhaftig ein paar Meter vor Ihnen steht und Sie anblickt, weit beeindruckender als ein Bildschirmnackter.

Beeindruckender? Also, da kann man wirklich geteilter Meinung sein. Immerhin ist das Theater schon ein paar tausend Jahre ganz ohne Nackte ausgekommen, was der Herr Universitätsdozent sicher weiß. In den 60er und 70er Jahren mag Nacktheit als eine Form der Provokation noch gewirkt haben, aber heute? Wenn man in allen Medien von Nackten umgeben ist, wäre es doch wohl eher eine Provokation, einmal ein Stück ohne Nacktheit auf die Bühne zu bringen! (Was mutatis mutandis auch für die Körpersäfte gilt.)

2)  INFRAGESTELLEN!  Ins Theater soll ich gehen, meint Prof. Englhart, weil

Regietheater durch Besetzung und Figurenzeichnung gegen die Erwartung (indem etwa eine Schauspielerin den Othello spielt) Stereotypen infrage stellt.

Ach jehchen! Dieses Spielen gegen die Erwartung ist doch längst einer der ältesten Hüte des Theaters. Man kann sich als Zuschauer fest darauf verlassen, daß jede Inszenierung immerfort meine Erwartungen in Frage stellen will. Und das soll jetzt neu oder aufregend sein? Nein – es ist einfach nur langweilig.

3) VERSTÖREN!  Das Theater, sagt der Herr Universitätsdozent, muß verstören:

Das Geschehen auf der Bühne sollte gerade in seiner Fähigkeit, zu verstören, fremd zu sein, nicht zu passen und zum Nachdenken anzuregen, geschätzt werden.

Merken Sie, wie geschickt Prof. Englhart da die Dinge miteinander verquickt? „Zum Nachdenken anregen“ kann Theater seiner Ansicht nach nur, wenn es verstört, wenn es „fremd“ ist. Was für ein Unfug! Seit Äschylos und Aristophanes hat Theater immer dann am meisten bewirkt, wenn es die Herzen angerührt hat. Das Publikum anrühren, bewegen, das ist das Geheimnis des Theaters. Provokation kann, selbstverständlich, dazugehören. Niemand will auf der Bühne nur noch pilchereskes Boulevardtheater sehen.

Aber dieses stupide und kindische Provozieren, dieses pubertätshafte „Verstören“ des Publikums durch (doch wohl erwachsene) Regisseure, dieses 68erhafte Kopulieren, Masturbieren, Urinieren auf der Bühne – das will doch keiner mehr sehen, der die Menschwerdung erfolgreich hinter sich hat.

Darf ich nach dieser Philippika am Ende auch etwas Positives erzählen? Wir haben vor einer Woche im Frankfurter Cantatesaal Molières Schule der Frauen mit Michael Quast in der Hauptrolle gesehen. Es war eine Aufführung in hessischer Mundart, aber wer jetzt meint, das sei dann eben so eine „volkstümliche“ Bearbeitung des Originals gewesen, täuscht sich sehr. Dialekte sind ja viel ausdrucksvoller und gerade in Gefühlsäußerungen differenzierter und lebendiger als die Hochsprache. Und wenn dann ein Schauspieler wie Quast die Hauptrolle spielt, der (vollständig bekleidet!) nur mit seiner Sprache, seiner Mimik, seinen Gesten, also mit seiner schauspielerischen Präsenz auf der Bühne steht, dann, lieber Herr Professor Englhart, kann man erleben, was Theater ist.

Da pfeif ich auf Ihr Regietheater.

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Prokon ist insolvent – aber wo ist das Geld der Anleger?

Über 1,4 Milliarden Euro haben Kleinanleger der windigen Fa. Prokon zur Verfügung gestellt, die ihnen dafür – angesichts der gegen Null tendierenden Bankzinsen – geradezu astronomische Zinsen bis zu 8% versprochen hat. Die Anleger, die sicher zum größten Teil für ihren Lebensabend vorsorgen wollten, haben nicht so sehr der Firma Prokon vertraut, die sehr sparsam mit Informationen über ihr Geschäftsgebaren umgegangen ist, sondern der Merkelschen Energiewende.

Was kann schon falsch daran sein, wenn man die regenerativen Energien unterstützt? So mögen die meisten von ihnen gedacht haben. Wird denn nicht jede Geldanlage nach dem EEG auf 20 Jahre aus Steuermitteln subventioniert? Da ist man doch, so haben wohl viele geglaubt, in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Die Kanzlerin, die Hauptschuldige an der unsäglichen Energiewende, wird auch jetzt ihre Hände in Unschuld waschen und alles Prokon in die Schuhe schieben. Aber Prokon war ja nur ein Nutznießer des von Merkel ausgelösten Hypes und der Goldgräberstimmung unter den Anlegern. Alle, buchstäblich alle Parteien von der CSU bis zur Linken haben diese Euphorie geschürt, als sei die Windenergie die beste, schönste und sicherste Sache der Welt.

Sie war es nie, und sie wird es auch nie werden.

Welcher Teufel die Kanzlerin geritten hat, einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland holterdiepolter die sichere Energiebasis zu entziehen und dafür ohne großes Nachdenken auf die völlig unsichere und nicht speicherbare Windenergie zu setzen, werden wir vielleicht nie erfahren. Niemand in der CDU-Führung hat ihr bei diesem abenteuerlichen Unternehmen widersprochen – vielleicht, weil  sie nur noch Jasager und Hofschranzen um sich hat.

Jetzt müssen deshalb über 70.000 Menschen um ihre Ersparnisse bangen.

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Die chinesische „Elite“ und der Fluch der Karibik

Sind die ungeheuren Vermögen der chinesischen Bonzen in der karibischen Steueroasen ein Fluch? Im Prinzip nicht, hätte es noch vor ein paar Jahrzehnten bei Radio Eriwan geheißen.

Es sei denn, man läßt sich erwischen …

Diese Führer des chinesischen Volkes ähneln allen anderen „Eliten“ auf der Welt: wenn man sie läßt, sind sie so raffgierig wie alle Führungseliten, und zwar unabhängig vom jeweiligen Wirtschafts- oder Sozialsystem. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, das zu verhindern: wirkliche Demokratie, eine wirklich freie Presse und eine wirklich unabhänge Justiz. Das alles gibt es in China noch nicht. Deshalb ist es ein Glücksfall, wenn durch irgendwelche leaks (wie auch immer sie heißen) endlich auch einmal Betrügereien außerhalb der USA ans Licht kommen. So verdienstvoll die Enthüllungen von Snowden und anderen sind, so beschränken sie sich doch fast immer auf den Westen. Die Regime in Rußland, China und in der Dritten Welt, die doch noch viel, viel mehr Dreck am Stecken haben, können sich da ins Fäustchen lachen.

Jetzt also wenigstens schon einmal China, dessen überheblicher, selbstgerechter und aggressiver Führung man diese Decouvrierung von Herzen gönnt.

Das in der Karibik gehortete Vermögen, das ja eigentlich chinesisches Volksvermögen ist, beträgt nach Angaben der Süddeutschen Zeitung und des NDR unvorstellbare drei Billionen Euro, das sind 3.000 Milliarden Euro.

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Alberner geht’s nicht – keine Nachricht ohne FOCUS-Ticker

Man könnte es einen Spleen nennen: beim FOCUS wird fast jede Nachricht in einem Live-Ticker verramscht: der neueste Tatort, der Tag im Dschungelcamp, Michael Schumacher auf der Intensivstation („Live-Ticker zum Ski-Unfall“), Sportereignisse jeder Art, drohende Unwetter – und jetzt auch der „ADAC-Skandal im News-Ticker“.

Wie gesagt: man könnte es einen Spleen nennen. Aber in Wirklichkeit ist es der Abgesang auf wirklichen Journalismus. Statt die Dinge zu reflektieren und im Kopf zu filtern, bevor man sie hinschreibt (denn nur das ist Journalismus!), steht man ständig unter dem Druck der Minuten. Der Journalist übernimmt die Aufgaben einer Live-Kamera, er wird selbst zur Kamera. Das könnte durchaus ein interessantes Format sein, aber dazu bedürfte es eines wirklich guten Journalisten, der in der Lage ist, schnell das Wichtige zu erfassen und pointiert zu formulieren.

Über solche Journalisten scheint FOCUS Online nicht zu verfügen. Da kommt alles – sagen wir: sehr schlicht daher. Der „Busch-News-Ticker“ zum Dschungelcamp ist dabei  geradezu typisch: er wirkt, als säßen ein paar Jugendliche beim Bier zusammen – und FOCUS Online notierte fleißig ihre Äußerungen.

Mit Journalismus hat das kaum mehr etwas zu tun, eher schon ist es der Versuch, auch noch das Letzte aus einer Nachricht herauszupressen.

Es ist die billige Ausbeutung eines Ereignisses, nichts weiter.

PS: Unseren täglichen Ticker gib uns heute: gerade sehe ich, daß die Meisterjournalisten von FOCUS Online heute einen „Newsticker zum Datengau“ eingerichtet haben. Willkommen in der wunderbaren FOCUS-Welt!

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Eine Milliarde Euro für die Raumsonde Rosetta

Jetzt wird wieder gemotzt: „Projekt verschlang über eine Milliarde Euro“, heißt es etwa auf der Seite des Hessischen Rundfunks.

Aber, liebe Leut, überlegt einmal, wieviel Geld die Europäische Union inzwischen zur Stützung betrügerischer Banken ausgegeben hat!

Rosetta soll, wenn alles gutgeht, im November eine Sonde auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko absetzen. Das ist, finde ich, verglichen mit der Alimentierung raffgieriger Banker eine sehr gut angelegte Milliarde.

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Das Dschungelcamp in unserer Presse

Manchmal denkt man: die spinnen, die Journalisten. Da stöbert man in den Online-Ausgaben von Welt, FocusStern und anderen und findet Sätze wie diese:

Zickenalarm im Dschungel.

Die Kamera zeigt Larissa in Großaufnahme. Sie sieht angesäuert aus.

Larissa sucht ihre Zigaretten. Niemand will helfen, bis Melanie ihr eine Kippe gibt.

Larissa findet hier zu viele Spinnen, dort zu viele Kriechtiere und läuft vom Ekel geschüttelt und schimpfend von einer Liege zur anderen. Winfried Glatzeder hat schon  jetzt die Nase voll und macht Larissa für seine Kopfschmerzen verantwortlich.

Wendler bleibt cool, Larissa ist bei Schlange zwei schon dem Nervenzusammenbruch nahe.

Als die Blondine erst einmal eine rauchen wollte, anstatt sich um den Abwasch zu kümmern, platzte den Bewohnern der Kragen.

Und so geht es weiter. Wie gesagt: dieser Stuß steht in seriösen (oder wenigstens halbwegs seriösen) Tageszeitungen, nicht etwa in der Knallpresse!

Erwachsene Journalisten schreiben plötzlich wie die pubertierenden Jugendlichen eines Fanclubs – aber warum um Himmels willen? Wollen sie ausgerechnet unter diesem Publikum Abonnenten gewinnen? Möchten sie sich anbiedern?

„Das Publikum“, schreibt Kathrin Spoerr in der Welt, warte  schon „das ganze Jahr lang“ auf das Dschungelcamp. Kathrin Spoerr offenbar auch. Sie baut erst einmal einen Popanz auf: die Kritiker seien Moralisten und hielten die Sendung für unmoralisch:

Ekelhaft! Obszön! Widerlich! So schießt die kleine Moralkanone. Unmoralisch, jugendgefährdend, menschenverderbend, frauenfeindlich – das sind die mittleren Projektile. Aber auch die Dicke Berta wird in Position gebracht: die Menschenwürde. Wir haben es also offenbar mit einem Fernsehformat an der Grenze zur Verfassungsfeindlichkeit zu tun … Die Schlussfolgerung daraus heißt für die Moralisten: So verdorben sind die Deutschen! Oder: So verdirbt das Privatfernsehen die Deutschen!

Obendrein würden diese Moralisten gar nicht kennen, worüber sie schreiben, denn zum Sendebeginn um 21.15 Uhr „schläft der Moralist normalerweise schon“.

Die Denunzierung der Kritiker hat natürlich nur einen (leicht durchschaubaren) Zweck: sie soll den Leser darauf vorbereiten, daß Frau Spoerr die Sendung für äußerst wertvoll hält:

Was also der Zuschauer tut, wenn er das Dschungelcamp sieht, ist eine ständige Überprüfung von Verhalten und Normen. Es ist eine Übung zur Schärfung der moralischen Urteilskraft. Effektvoll, unterhaltsam und krass, aber wirkungsvoll.

Man ist ja von den Zeitungen einiges gewöhnt, aber so einen Unfug habe ich wirklich noch selten gelesen.

Es ist einfach nur peinlich – noch viel peinlicher als die Sendung selbst.

PS:  Aber vielleicht sollte man Kathrin Spoerr dafür eher loben: sie hat das seltene Talent, aus Schrott – Gold zu machen.

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Sensation: Obama will Merkel nicht mehr ausspähen!

Nur noch das Kabinett, die Abgeordneten und die übrigen 80 Millionen Deutschen …

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Dr. Andreas Scheuer

Andreas Scheuer ist Generalsekretär der CSU, und er schillert ein bißchen, was seinen akademischen Titel betrifft. Manchmal nennt er sich „Dr. Andreas Scheuer“, dann wieder „PhDr. Andreas Scheuer“. Das liegt daran, daß er seinen Doktor, sagen wir: unter etwas seltsamen Umständen in Prag gemacht hat. Dort war es einige Jahre lang möglich, ein kleines Doktorat mit einer kleinen Dissertation und einem kleinen Rigorosum abzulegen. Und das auch noch in deutscher Sprache!

Aber davon will ich eigentlich gar nicht reden, auch nicht von den Passagen, die laut F.A.Z. als Plagiate angesehen werden müssen. Ich bin inzwischen ein bißchen allergisch geworden gegenüber den Plagiatsjägern im Internet.

Nein, ich will auf etwas ganz anderes hinaus. Ich wundere mich ernsthaft über den Nimbus, den dieser akademische Titel in Deutschland immer noch hat. Die guten Jahre, in denen unser Land eine führende Wissenschaftsnation war (ja, das waren wir wirklich einmal!) sind ja nun lange vorbei. Ein Blick ins Internet genügt, um angesichts einer immer mehr versiegenden Ausdrucksfähigkeit des „normalen Deutschen“ in Depressionen zu verfallen. Erst recht, wenn man liest, daß „Goethe“ nach „Kartoffel“ und „Opfer“ eines der beliebten Schimpfworte auf den Schulhöfen sein soll.

Und doch ist der Doktortitel, auch wenn man ihn aus niedrigen Beweggründen anstrebt und manchmal buchstäblich kauft, ein geistiger Leuchtturm geblieben. Selbst die vielen Skandale und Skandälchen haben daran nichts ändern können, sie sind im Gegenteil ein Beweis dafür, daß die Wertschätzung für Wissenschaft und Bildung, auch wenn sie nur ein Nachleuchten besserer Zeiten ist, in vielen Teilen der Bevölkerung immer noch da ist.

Das ist der positive Extrakt, den ich aus den ganzen „Skandalen“ der letzten Jahre – trotz allem! – ziehen möchte.

Und eines sollte man nicht vergessen: auch die Dissertationen vor 50 oder 100 Jahren waren beileibe nicht nur Meisterwerke. Wie viele von ihnen waren dünn und dürftig! Daß eine Dissertation per definitionem die Forschung voranbringen muß, war schon damals oft nur ein frommer Wunsch. Übrigens erinnere ich mich, daß auch schon vor Jahrzehnten die Doktorarbeiten prominenter Politiker auf geheimnisvolle Weise aus den Bibliotheken verschwunden sind.

Also: bitte nicht immer den Scharfrichter spielen!

PS:  Andreas Scheuer hat sich inzwischen entschlossen, seinen Prager Doktortitel nicht mehr zu verwenden.

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Ein Geschäftsmodell – für unsere Freunde von der NSA

Die Ausspähung der ganzen bewohnten Welt durch unsere Freunde von der NSA wird harsch kritisiert – dabei könnte sie sich als segensreich (und sogar einträglich!) erweisen.

Ich meine damit nicht die gewöhnliche Industriespionage, die sicher schon jetzt intensiv betrieben wird. Nein, ich stelle mir das, was auf den Servern der NSA mit ihrem märchenhaften Fassungsvermögen lagert, als ein kollektives und abrufbares Gedächtnis der Menschheit vor. Hier liegen ohne jede Diskriminierung nach Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe alle menschlichen Lebensäußerungen friedlich und demokratisch nebeneinander: die WhatsApp-Konversation von Hinz und Kunz neben Hollandes Liebesgeflüster mit Julie Gayet, das Kochrezept von Erika Mustermann neben einer SMS der Kanzlerin. Mehr Demokratie geht gar nicht.

Und was könnte man damit nicht alles machen! Bürger könnten weltweit gegen eine Gebühr verlorene E-Mails oder alte Telefongespräche wiederherstellen. Wer eine Biographie schreibt, sagen wir: über einen berühmten Fußballer oder einen Weltmeister am Reck, könnte dessen Lebensäußerungen als Komplettpaket erwerben und sich Mutmaßungen ersparen. Ganz zu schweigen von Trennungen und Scheidungsprozessen. Auch die Knallpresse wäre nicht mehr auf Vermutungen, etwa über die Royals („Eine Vertraute von Prinz Charles deutete an …“), angewiesen, sie könnte harte Fakten einkaufen.

Und dann, vielleicht zu pietätvoll herabgesetzten Preisen, das Große Super-Plus-Paket für die Angehörigen: alle Lebensäußerungen des lieben Verblichenen (Überraschungen inklusive) auf einer externen Festplatte in liebevoller Geschenkverpackung.

Ach, man könnte so viel machen mit den Daten der NSA.

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