Kardinal Meisner – 80 Jahre und kein bißchen weise

Das Florett ist nicht seine Waffe, er bevorzugt eher die Axt. Und Fettnäpfchen weicht er nie aus. Das hat Kardinal Meisner, dem man wirklich die Frührente gegönnt hätte, vor ein paar Tagen wieder eindrücklich bewiesen.

Auf einer Versammlung der katholischen Bewegung Neokatechumenaler Weg, deren Mitgliedern ein Hang zu großem Kinderreichtum nachgesagt wird, erklärte er am 24. Januar:

Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.

Da wird also die Gebärfreudigkeit zu einem wichtigen Faktor im Kampf der Kulturen. Der Aufschrei, der diesem Zitat folgte, war zu erwarten, die üblichen Verdächtigen waren dabei: vorneweg, wie immer, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. Und Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte:

Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren – ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft.

Ich weiß ja nicht, ob man den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan als „muslimischen Würdenträger“ bezeichnen darf, aber ich erinnere mich noch gut, daß er im vergangenen Sommer alle türkischen Frauen dazu verdonnert hat, „mindestens drei Kinder“ zu bekommen. Es sei sein Recht, das zu fordern. Daß auch bei ihm, zumindest im Hinterkopf, der Kinderreichtum eine wichtige Rolle im Wettbewerb zwischen den Nationen und den Religionen spielt, scheint mir ausgemacht.

Das ist freilich keine Entschuldigung für die dummen Bemerkungen des Kardinals. Wie gesagt: eine Frühverrentung wäre für Meisner selbst und für die Kirche ein Segen gewesen. Man kann nur hoffen, daß der Vatikan bei der Wahl seines Nachfolgers ein besseres Händchen hat.

Veröffentlicht unter Christentum, Islam | Schreib einen Kommentar

Der neue Redenschreiber der Kanzlerin

Der letzte war ja auch wirklich ein bißchen einfach gestrickt – man denke nur an die litaneiartig wiederholten, leicht bescheuerten Redewendungen wie „wichtig und richtig“ oder „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ usw.

Aber jetzt hat Angela Merkel endlich einen Schreiber gefunden, der zu ihrem – sagen wir: etwas trockenen Redestil einen kräftigen Kontrapunkt setzt.

Das Internet, läßt er die Kanzlerin zum Beispiel sagen, sei eine „Verheißung“. Eine Verheißung! Wer hat je ein solches Wort auf das Internet gemünzt? Wer jemandem etwas verheißt, prophezeit ihm etwas, er will ihm (nach dem Duden) etwas nachdrücklich oder gar feierlich in Aussicht stellen. Etwas kann Glück verheißen – oder auch „nichts Gutes“. Was das Internet uns jetzt verheißt, darauf geht Merkel leider nicht näher ein.

Poetisch geht es weiter: wir Europäer seien „zu unserem Glück vereint“, und die Regierung wolle „dieses Glück schützen und wahren“. Wie schön! Da klingt sogar unsere Nationalhymne an, die freilich noch ein wenig poetischer ist als unser Redenschreiber: „Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!“

Und was will die Regierung noch? Sie will

die Quellen guten Lebens allen zugänglich machen.

Die „Quellen guten Lebens“ – wunderbar. Und dann die Energiewende. Die muß einfach gelingen, denn

die Welt schaut mit einer Mischung aus Unverständnis und Neugier darauf, ob und wie uns diese Energiewende gelingen wird.

Das muß man sich einmal vorstellen: da macht man eine Energiewende, und die ganze Welt schaut einem dabei zu! Man sieht schon: dieser Redenschreiber beherrscht alle Facetten der deutschen Sprache, er hat aus der Quelle guter Sprachkunst getrunken.

Veröffentlicht unter Politik, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Der Seehofer-Kretschmann-Code, vorgestellt am Beispiel des fokussierten Kapazitätsmechanismus

Wenn sich Seehofer und Kretschmann einig sind, muß man es mit der Angst zu tun bekommen. Und wenn es dabei um die Windenergie geht, noch mehr.

Kretschmann will mit den „schönen Maschinen“ (so nennt er die Windkraftanlagen) seinen schönen Schwarzwald noch schöner machen. Soll er nur – die Touristen, die ja nicht in den Schwarzwald kommen, um schöne Maschinen zu sehen, werden darüber mit den Füßen bzw. ihren Hotelbuchungen abstimmen.

Seehofer ist einer, der eigentlich zu nichts und niemandem eine dezidierte Meinung hat. Insofern paßt er sehr gut zur wunderbar wandelbaren Kanzlerin. Sie sind das Traumpaar der politischen Beliebigkeit. Beide wären, wenn es dieses Sternzeichen gäbe, im Zeichen des Chamäleons geboren. Oder, da sie ihr Fähnlein so gern nach dem Winde richten, vielleicht doch eher im Zeichen des Aeolus?

Seehofer, der zumindest große Teile Bayerns bis jetzt durch sein Lavieren und Taktieren vor der Verschandelung durch Windkraftmonster bewahrt hat, findet auf einmal Gefallen am Kollegen Kretschmann. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die beiden mit großer Entschiedenheit – ja, was eigentlich?

An dieser Stelle muß ich ein Geständnis machen. Ich habe, auch wenn das schon ein Weilchen her ist, nicht wenige Semester Germanistik studiert. Und ich habe mich danach ein Leben lang (und immer liebevoll!) mit der deutschen Sprache beschäftigt. Auch mit den Feinheiten der Windenergie und des EEG habe ich mich inzwischen (leider!) vertraut machen müssen. Aber diese gemeinsame Erklärung von Kretschmann und Seehofer verstehe ich trotzdem nicht. Ich verstehe nicht, was die beiden eigentlich sagen wollen. Ist es vielleicht ein Code, eine Art Geheimsprache? Muß man zwischen den Zeilen lesen?

Zum Beispiel erschließt sich mir (trotz langen und konzentrierten Nachdenkens!) immer noch nicht, was ein „fokussierter Kapazitätsmechanismus“ ist. Das Wort erinnert mich an alte Computerprogramme, die aus Adjektiven und Substantiven immer neue absurde und völlig sinnlose Wortkombinationen generiert haben. Hat da vielleicht der Seehofer seinen alten C64 zum Treffen mit Kretschmann mitgebracht?

Aber vielleicht gibt es ja Journalisten, die das alles besser verstanden haben als ich? Die F.A.Z. hat sich an einer Entschlüsselung des Codes versucht und faßt ihr Ergebnis in diesem dürren Satz zusammen:

Die Ministerpräsidenten Seehofer und Kretschmann verlangen, dass Windkraftanlagen auch an schwächeren Standorten weiter rentabel betrieben werden können.

Das hieße doch, ins Deutsche übersetzt: auch wo wenig Wind weht, kann man ruhig Windräder aufstellen, denn dafür, daß sie für die Betreiber trotzdem rentabel sind, sorgt der Steuerzahler. Der Steuerzahler zahlt also für Strom, der gar nicht erzeugt wird.

Also, jetzt verstehe ich auch, warum die beiden Herren das so kryptisch ausgedrückt haben.

Veröffentlicht unter Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Das Wort des Tages

So hat die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti Putins neueste Stellungnahme zu den ukrainischen Angelegenheiten zusammengefaßt:

Moskau unterstützt nicht die Regierung, sondern das Volk der Ukraine.

Selten so gelacht.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Heute ist der letzte Tag der Online-Petition – also: unterschreiben, was das Zeug hält!

Wer verhindern will, daß unter dem Druck der immer mächtigeren Schwulen- und Lesben-Lobby in Baden-Württemberg alle nur denkbaren sexuellen Spielarten im Unterricht fachübergreifend als gleichwertig dargestellt werden, sollte – wenn er es noch nicht getan hat – unbedingt die Petition von Gabriel Stängle unterschreiben. Hier hat jeder dazu Gelegenheit. Bis jetzt haben über 187.000 Bürger unterschrieben.

Anders als einige Kritiker behaupten, wird in dieser Petition niemand diskriminiert. Es soll aber auch nicht geduldet werden, daß kleine Minderheiten, nur weil sie großen Einfluß auf grüne und linke Parteien haben, die verfassungsmäßig garantierte Vorrangstellung von Ehe und Familie (§6 GG) einfach aushebeln können.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Prokon: Dubiose Geschäfte mit dem rumänischen Wald

Ich habe schon im Oktober 2011 dringend vor einer Geldanlage in europäische (und erst recht in überseeische!) Wälder gewarnt. „Wenn Sie die Natur und den Wald lieben – Hände weg von diesen Waldfonds!“, habe ich damals geschrieben (hier nachzulesen). Jetzt haben gleich mehrere Zeitungen darüber berichtet, daß die insolvente Fa. Prokon mit dem Geld ihrer Anleger im großen Stil Wälder im Norden Rumäniens aufgekauft hat – von bereits bezahlten 80 Millionen Euro ist die Rede, weitere 140 Millionen Euro für 43.000 Hektar Wald sollen vereinbart, aber durch irgendwelche dubiosen Probleme mit den rumänischen Partnern nicht bezahlt worden sein.

Wer sich auch nur ein bißchen mit dem Wald auskennt, müßte doch wissen, daß es für Geldanleger kaum eine schlechtere Anlage gibt als den europäischen Wald. Er wird, zumindest hier in Mitteleuropa, immer noch vorbildlich bewirtschaftet – im Grunde ist unser Wald das einzige Beispiel für wirkliche Nachhaltigkeit. Das heißt hier nämlich ohne Wenn und Aber: es wird immer nur soviel entnommen, wie nachwachsen kann. Nachhaltigkeit ist also das Gegenteil von Ausbeutung um des schnellen Gewinns willen. Jeder Förster weiß, daß er nicht mehr leben wird, wenn die von ihm gepflanzten Bäume ausgewachsen sind. Er muß in Jahrzehnten und in Generationen denken. Wo gibt es das sonst noch? Parlamente und Regierungen arbeiten nur im 4- oder 5-Jahres-Rhythmus, wir Menschen denken oft nicht einmal an die nächste Generation – aber die  Forstverwaltung muß bei jeder Pflanzung überlegen: wie wird zum Beispiel das Klima in 50 oder 100 Jahren sein? Darf ich überhaupt noch Buchen pflanzen, die ein kühles, feuchtes Klima lieben, wenn es immer wärmer wird? Ein Geldanleger, dem es um die Zinsen der nächsten paar Jahre geht, kann da nur milde lächeln.

Deshalb kann der Wald niemals zu einem Anlageobjekt werden. Wenn er den Wünschen der Anleger nach hoher Verzinsung und schnellem Geld widersteht, also wirklich nachhaltig bleibt, lohnt sich eine Anlage nicht. Wenn er aber nach deren Bedürfnissen verändert wird, wenn also nur noch schnellwachsende und ertragreiche Baumarten angepflanzt werden, damit in möglichst kurzer Zeit ein möglichst hoher Gewinn erwirtschaftet werden kann, dann haben wir es eigentlich nicht mehr mit Wald, sondern mit Plantagen zu tun.

Es wäre das Ende einer jahrhundertelangen europäischen Forsttradition, die immer alle Funktionen des Waldes im Blick behalten hat: natürlich den Gewinn durch Holzverkauf, aber auch die wichtige Funktion als Ort der Ruhe und Erholung, und nicht zuletzt den Schutz von Klima und Natur.

Den Anleger interessieren diese langfristigen Ziele nicht. Sein Motto ist: „Nach mir die Sintflut!“

Veröffentlicht unter Natur | Schreib einen Kommentar

Künstliche Intelligenz?

Google, so kann man heute lesen, hat für 400 Millionen Dollar die Fa. DeepMind Technologies aufgekauft, einen „Spezialisten für künstliche Intelligenz“.

Mangelt es uns etwa an künstlicher Intelligenz?

Nein, woran es uns überall auf der Welt immer mehr mangelt, ist der common sense, die ganz normale, natürliche Intelligenz. Die freilich kann nicht einmal Google kaufen.

Veröffentlicht unter Internet, Philosophie | Schreib einen Kommentar

Die AfD verteufeln – das wird auf Dauer nicht helfen

In Aschaffenburg findet gerade der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) statt. Wenn man hört, was deren Vorsitzender, Bernd Lucke, sagt, kann man die haßerfüllten Töne aus den Medien kaum verstehen. Er sagt nämlich Dinge, die eigentlich ins Programm der CDU gehören – freilich: ehe die CDU zum Kanzlerwählverein für Merkel wurde.

Die Kanzlerin nennt er ein Chamäleon – ja, und ist sie das etwa nicht? So wie das Tier seine Farbe wechselt, so wechselt sie ihre politische Richtung. Erst verlängert sie die Laufzeit der Kernkraftwerke, dann schaltet sie alle ab. Sie ist, um Musil zu zitieren, eine „Frau ohne Eigenschaften“. Niemand weiß, woran er mit ihr ist, niemand kann sicher sein, daß sie nicht ihre Meinung von einem Tag auf den anderen ändert. Ihre Entourage hat sie längst so dezimiert, daß nur noch ungefährliche Jasager übrig sind.

Was die AfD zu Europa, ihrem Kernthema, sagt, ist genauso vernünftig. Europa, sagt Lucke (hier nachzulesen), hat sich von seinen Ursprüngen entfernt. Das gilt besonders für den sog. Euro-Rettungsschirm (ESM):

Unsolidarisch ist, was der ESM eigentlich bewirkt: Die Umverteilung von Mitteln der einfachen Sparer und Steuerzahler zur Deckung der Verluste von Banken und institutionellen Finanzinvestoren.

Und: ist das falsch? Ganz und gar nicht! Lucke weiter:

Die EU missachte das Prinzip der Subsidiarität, wenn in Brüssel entschieden werde, wie viel Watt ein Staubsauger haben dürfe, wie die Bürger ihre Zimmer beleuchteten und wie viel Wasser durch die Klospülung fließen dürfe.

Gerade diese Regulierungswut ärgert die Bürger am meisten. Und Lucke fordert:

Deutschland soll ein souveränes Land bleiben, in einem Bund souveräner Staaten, der sich Europäische Union nennt, aber nicht United States of Europe.

Das ist das zentrale Argument der AfD, und es ist ein gutes, ein im besten Sinne konservatives Argument. Noch vor wenigen Jahre hätten das auch die Christdemokraten unterschrieben, aber das war eben – vor Merkel.

Übrigens haben vor dem Tagungsgebäude ewiggestrige „Antifaschisten“ mit „Antifa-Fahnen“ gegen die AfD protestiert. Schon in der Nacht haben sie sich mit dem intelligenten Kommentar „Haut ab“ am Eingangstor verewigt. Es gibt halt auch junge Menschen, die (wenn man sie reden oder mit der Sprühdose sprühen läßt) ganz schön alt aussehen.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Die wichtigste Frage des Tages …

… stellt diesmal die Abendzeitung München:

Lässt David Beckham wirklich die Hosen fallen?

Das könnte unter den „Usern“ der Anfang einer neuen Online-Petition werden …

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Lieben Sie Lanz?

Nein, ich jedenfalls nicht. Aber das ist letztlich eine Sache der Chemie. Mir ist Lanz zu glatt, zu geschniegelt, mir sind Menschen lieber, die Ecken und Kanten haben, denen man die Spuren (auch die zugefügten Niederlagen!) des Lebens ansieht – und anhört.

Aber wenn ich ihn schon nicht liebe – muß ich ihn deshalb gleich hassen?

Leider gibt es für immer mehr „User“ im Internet nur noch die Alternative Lieben oder Hassen. Dazwischen ist kein Platz mehr für differenziertere Töne. Da kommt etwas Pubertäres, Unerwachsenes zum Vorschein, ein schematischen Denken, das nur Schwarz und Weiß kennt.

Auf der Seite openPetition fordern sie deshalb kategorisch (und in denkbar schlechtem Deutsch): „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ Lanz, soviel scheint klar, hat Sahra Wagenknecht eingeladen, aber schroff behandelt. Aber der Stern-Redakteur Jörges war noch viel aggressiver als Lanz, ohne daß es gegen ihn eine Petition gegeben hat. Und überhaupt: die Seite openPetition würde wohl zusammenbrechen, wenn man schroffes Debattieren und böses Inswortfallen in deutschen Talkshows immer auf diese Weise ahnden würde.

Sahra Wagenknecht ist im übrigen kein zartes Persönchen, sie kann sich durchaus auch ohne jede Petition gegen einen dummen Moderator wehren. Freilich muß man sie auch ausreden lassen, denn nur dann sieht man, wie altbacken ihre Meinung ist. Sie vertritt auch heute noch kommunistische Positionen, die auf den Müllhaufen der Geschichte gehören.

Wenn man aber so rechthaberisch und unhöflich mit ihr umgeht wie Lanz, tut man ihr nur einen Gefallen.

Veröffentlicht unter Fernsehen und Presse, Politik | Schreib einen Kommentar