Prokon: Dubiose Geschäfte mit dem rumänischen Wald

Ich habe schon im Oktober 2011 dringend vor einer Geldanlage in europäische (und erst recht in überseeische!) Wälder gewarnt. „Wenn Sie die Natur und den Wald lieben – Hände weg von diesen Waldfonds!“, habe ich damals geschrieben (hier nachzulesen). Jetzt haben gleich mehrere Zeitungen darüber berichtet, daß die insolvente Fa. Prokon mit dem Geld ihrer Anleger im großen Stil Wälder im Norden Rumäniens aufgekauft hat – von bereits bezahlten 80 Millionen Euro ist die Rede, weitere 140 Millionen Euro für 43.000 Hektar Wald sollen vereinbart, aber durch irgendwelche dubiosen Probleme mit den rumänischen Partnern nicht bezahlt worden sein.

Wer sich auch nur ein bißchen mit dem Wald auskennt, müßte doch wissen, daß es für Geldanleger kaum eine schlechtere Anlage gibt als den europäischen Wald. Er wird, zumindest hier in Mitteleuropa, immer noch vorbildlich bewirtschaftet – im Grunde ist unser Wald das einzige Beispiel für wirkliche Nachhaltigkeit. Das heißt hier nämlich ohne Wenn und Aber: es wird immer nur soviel entnommen, wie nachwachsen kann. Nachhaltigkeit ist also das Gegenteil von Ausbeutung um des schnellen Gewinns willen. Jeder Förster weiß, daß er nicht mehr leben wird, wenn die von ihm gepflanzten Bäume ausgewachsen sind. Er muß in Jahrzehnten und in Generationen denken. Wo gibt es das sonst noch? Parlamente und Regierungen arbeiten nur im 4- oder 5-Jahres-Rhythmus, wir Menschen denken oft nicht einmal an die nächste Generation – aber die  Forstverwaltung muß bei jeder Pflanzung überlegen: wie wird zum Beispiel das Klima in 50 oder 100 Jahren sein? Darf ich überhaupt noch Buchen pflanzen, die ein kühles, feuchtes Klima lieben, wenn es immer wärmer wird? Ein Geldanleger, dem es um die Zinsen der nächsten paar Jahre geht, kann da nur milde lächeln.

Deshalb kann der Wald niemals zu einem Anlageobjekt werden. Wenn er den Wünschen der Anleger nach hoher Verzinsung und schnellem Geld widersteht, also wirklich nachhaltig bleibt, lohnt sich eine Anlage nicht. Wenn er aber nach deren Bedürfnissen verändert wird, wenn also nur noch schnellwachsende und ertragreiche Baumarten angepflanzt werden, damit in möglichst kurzer Zeit ein möglichst hoher Gewinn erwirtschaftet werden kann, dann haben wir es eigentlich nicht mehr mit Wald, sondern mit Plantagen zu tun.

Es wäre das Ende einer jahrhundertelangen europäischen Forsttradition, die immer alle Funktionen des Waldes im Blick behalten hat: natürlich den Gewinn durch Holzverkauf, aber auch die wichtige Funktion als Ort der Ruhe und Erholung, und nicht zuletzt den Schutz von Klima und Natur.

Den Anleger interessieren diese langfristigen Ziele nicht. Sein Motto ist: „Nach mir die Sintflut!“

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