Noch ein weiteres Beispiel für den wunderbaren Humor des Genossen Lawrow

Dreimal hat die sowjetische Interventionsarmee auf der Krim die Vertreter der (doch eher rußlandfreundlichen) OSZE am Betreten der Halbinsel gehindert, beim dritten Mal sogar mit Warnschüssen. Aber jetzt, sagt der russische Außenminister, wird alles gut.

Eine Mission der OSZE in der Ukraine sei möglich, aber

1) nicht auf der Krim, und
2) nur wenn sie beweise, „wie rechtsextreme ukrainische Nationalisten gegen die russischsprachige Bevölkerung vorgingen“.

Die Beobachter dürfen also nur ins Land, wenn garantiert ist, daß sie zu dem vom Genossen Lawrow vorab festgelegten Ergebnis kommen.

Was für ein Spaßvogel, der Genosse Lawrow!

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Groß-Ayatollah Erdogan will „alle sozialen Netzwerke auslöschen“

Twitter hat er soeben abgeschaltet, und die Aufregung darüber ist mehr als berechtigt. Aber er weiß natürlich, wie leicht man so eine Sperre umgehen kann.

Nein, diese Sperre, die man sonst nur aus Diktaturen und Schurkenstaaten kennt, ist eine Botschaft an seine anatolischen Wähler: seht her, das türkische Volk braucht diesen westlichen Schweinkram nicht, und ich bin so stark, daß ich es mit einer einzigen Verordnung zum Schweigen bringen kann.

Erdogan weiß also, daß er die urbanen Mittelschichten, die ihn einmal groß gemacht haben, schon verloren hat, deshalb konzentriert er sich immer mehr auf die rückständige Landbevölkerung (so wie ja auch Putin mit seiner „Rossija!“-Politik nur noch an die dumpfen Gefühle auf dem flachen Land appelliert).

Man könnte vereinfachend so sagen: je älter diese autoritären Herrscher werden, umso größer wird ihr Haß auf alles, was intellektuell, urban und im besten Sinne bürgerlich ist. Das mag auch daran liegen, daß sie sich gegenüber den städtischen Schichten (und zwar zurecht!) geistig unterlegen fühlen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf die Dummheit der Menschen zu setzen.

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Der lustige Herr Lawrow gibt ein Beispiel seines wunderbaren Humors

Erst einmal sagt er: nicht der Einmarsch in die Ukraine war illegitim, sondern – die Sanktionen sind es! Köstlich, Sergej Viktorowitsch!

Aber es geht nocht weiter. Warum sind die Sanktionen illegitim?

Nur der UN-Sicherheitsrat kann solche Maßnahmen treffen.

Jetzt muß ich meinen Lesern ein Geheimnis verraten (bitte nicht weitersagen!). Im Sicherheitsrat kann Rußland durch sein Veto  jede dieser Sanktionen verhindern. Wenn also nur der Sicherheitsrat solche Sanktionen beschließen kann und Rußland dort ein Vetorecht hat, dann bedeutet das, auf gut deutsch, daß Rußland für den Rest seiner Tage nicht eine einzige Sanktion zu befürchten hat!

So ein gewiefter Fuchs ist der Herr Lawrow.

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Krim: Übergriffe auf den Übergreifer?

Das hätte das Zeug zum Zitat des Tages. Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Juri Borisow sagte heute (hier nachzulesen):

Es wird notwendig sein, die militärische Infrastruktur auf der Halbinsel auszubauen, damit die Krim ein würdiger Vertreter der Russischen Förderation sein und gegen alle möglichen Übergriffe geschützt werden kann.

Also: ein würdiger Vertreter von Mütterchen Rußland ist man nur, wenn man noch mehr Soldaten (und Vermummte!) in das annektierte Gebiet hineinpumpt?

Besonders apart ist die Vorstellung, daß ein gewaltsam annektiertes Stück Land „gegen alle möglichen Übergriffe“ geschützt werden muß. An solchen Sätzen läßt sich das Niveau der russischen Führung trefflich ablesen.

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Der Winkemann von Berwang – nur noch zehn Tage!

WinkemannNur noch zehn Tage darf er winken, dann ist die Saison 2013/14 vorbei. Am 30. März wird sein letzter Auftritt sein, dann kommt die lange, winkemannlose Zeit, die bis zum Dezember währt.

Immerhin können wir dann im Alpenpanorama (auf 3sat täglich von 7.30 bis 9 Uhr) beobachten, wie der Schnee langsam schmilzt und wie die Hänge erst braun und dann grün werden.

Und irgendwann grasen die ersten Kühe auf den Almen – aber bis dahin dauert es noch ein bißchen.

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Der Genosse Putin ist im Grunde ein armer Wicht

Man braucht nicht mehr als ein bißchen Küchenpsychologie, um Putin zu verstehen. Er steckt, wie seine angeblich „kraftvolle“ und „demagogisch geschickte“ Rede zur Einverleibung der Krim gezeigt hat, voll von unverarbeiteten Kränkungen.

Keiner hat ihn richtig lieb – so könnte man seinen Gemütszustand zusammenfassen. Seit 1990 hat er alles verloren, was ihm lieb und teuer war: die große Sowjetunion auseinandergefallen, die Demokratie überall auf dem Vormarsch, Rußland selbst auf sein Kerngebiet reduziert. Und keiner niemand ihn richtig ernst! Die NATO rückt bis an seine Grenzen vor, nur Mütterchen Rußland selbst bleibt ein mächtiges Bollwerk gegen die Demokratie und die westliche Dekadenz.

Es ist wie bei jugendlichen Amokläufern: sie sind Einzelgänger, werden ausgegrenzt, erleben ihr Dasein als eine einzige Kette von Kränkungen. Das staut sich auf, und eines Tages nehmen sie die Knarre und schreiten zur Tat.

Wie jetzt Putin. Recht und Gesetz, die er schon in Rußland weitgehend abgeschafft hat, braucht er jetzt auch in den Außenbeziehungen nicht mehr. Seine Rechtfertigungsrede vor dem russischen „Parlament“ (man muß das Wort in Anführungszeichen setzen!) kann man, ganz biblisch, in drei Wörtern zusammenfassen: er weinte bitterlich. Er nennt alle Kränkungen beim Namen – und steht zu seinem Amoklauf in der Ukraine.

Und das ist das Gefährliche: mit diesem Amoklauf, der ja nicht sein erster war, wird es diesmal nicht sein Bewenden haben. Putin ist keineswegs ein „Realist“, sondern, wie man das heute gern nennt, eine „tickende Zeitbombe“. Sein Ruf ist jetzt ohnehin ruiniert, der Westen reagiert demokratisch milde – wer sollte ihn da an seinem nächsten Amoklauf hindern? Die Krim, sagt er, war immer russisch und wird es jetzt wieder. Wenn solche Begründungen gelten, ist die Eroberung der „Rest-Ukraine“ schon vorprogrammiert, denn in Kiew, in dem sich jetzt „Banditen“ und „Faschisten“ tummeln, ist vor fast tausend Jahren der Großfürst Wladimir zum orthodoxen Glauben übergetreten. Mit ein paar kleinen Sanktiönchen wird man Putin nicht daran hindern, sich auch dieses „alte Stück Rußland“ einzuverleiben.

Und was kommt dann?

Vielleicht bildet sich Putin wirklich ein, ein großer Staatsmann zu sein. Aber er ist es nicht. Er macht seine gefährlich Politik aus Gefühlen und Kränkungen heraus und wird immer unberechenbarer. Das mag ihm ein Gefühl der Allmacht verleihen, weil anders als Rußland die westlichen Demokratien an Gesetze und Verträge gebunden sind. Aber ein wirklicher Staatsmann handelt besonnen und vernünftig – und nicht blindwütig wie ein Berserker.

Die Häme, die Putin und seine erbärmliche Entourage jetzt über den Westen ausgießen, sollten wir geduldig ertragen. Nicht dem Alleinherrscher gehört die Zukunft, auch wenn er sich im Moment (wie einst Hitler nach der „Befreiung“ des Sudetenlands) im nationalen Überschwang sonnt. Nein, die Zukunft gehört der Demokratie, und auch das russische Volk wird eines Tages des Kraftmeiers mit seinen krankhaften Verfolgungsängsten überdrüssig sein.

Solange Putin herrscht, wird es freilich eine gute Nachbarschaft nicht mehr geben.

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Putins Überfall hat auch sein Gutes

Gutes hat Putins Überfall auf die unabhängige Ukraine natürlich nicht für die Menschen, die dort leben (nicht einmal für die Bewohner der Krim, die vergebens von blühenden Landschaften träumen). Aber die kaltschnäuzige militärische Intervention des „lupenreinen Demokraten“ Putin bringt zumindest für uns im Westen einen großen Erkenntnisgewinn.

Zunächst einmal: wir wissen jetzt, mit wem wir es zu tun haben. Und das ist gut so! Die großen Putin-Versteher haben ausgespielt (auch wenn sie – wie aus Trotz – jetzt noch einmal durch die Talkshows tingeln). Putin ist entlarvt – denn larva bedeutet im Lateinischen soviel wie Maske, und die Maske des kraftvollen, aber demokratischen Führers hat Putin jetzt fallenlassen. Von allem, was er an Fassade um seine Person aufgebaut hat, ist nur noch die nackte Gewalt übriggeblieben. Ein paar Brosamen wirft er seinen Gegner noch vor die Füße (Schutz der Russen! Unsere Geschichte! Nur eine Wiedervereinigung!), aber wer damit im Westen den brutalen Bruch des Völkerrechts à la Prag 68 rechtfertigt sieht wie etwa Sahra Wagenknecht, sollte am besten einen guten Therapeuten aufsuchen.

Nicht nur Putin ist also demaskiert, sondern auch seine heimlichen und offenen Unterstützer und Verharmloser im Westen. Sie gebärden sich (gerade deshalb!) im Moment besonders aggressiv, denn mit einem Schlag werden die Scheuklappen sichtbar, die sie aus verschiedenen Gründen tragen: alte Kumpanei mit der Sowjetunion, dummer Antiamerikanismus, aber auch finanzielle Interessen.

Sein Gutes hat Putins Coup auch, weil er den Westen endlich zwingt, eine vernünftige Strategie gegen Putin zu entwickeln. Nicht gegen Rußland – gegen Putin! Das hätte er nämlich gern, daß man ihn mit Rußland gleichsetzt, aber allein die 50.000 Russen, die am Sonntag in Moskau gegen seine Machtpolitik demonstriert haben, zeigen, daß selbst ein Autokrat wie Putin, daß selbst die Gehirnwäsche seiner gleichgeschalteten Medien nicht in der Lage ist, die Gehirne aller Untertanen auf ewig einzulullen.

Überhaupt ewig: das ist auch so eine Vorstellung autoritärer Herrscher: für sie ist alles ewig. Kaum hat Putin die Krim annektiert, schon ist sie ein „untrennbarer Teil Rußlands“. Alles ist untrennbar und für immer. Aber die Geschichte lehrt: das ist nur dummes Geschwätz. Nichts ist ewig! Alle großen Reiche der Geschichte sind untergegangen. Fast alle großmäuligen Herrscher haben ein schlimmes Ende gefunden. Und gegen den Drang zur Freiheit, der den Völkern eingeboren ist (auch wenn man ihn eine Zeitlang mit Gewalt unterdrücken kann), ist kein Kraut gewachsen.

Männer wie Putin sind Sprinter, sie kennen nur den schnellen Weg ins Ziel. Wenn es sein muß, mit dem Sturmgewehr im Anschlag. Demokraten sind Langstreckenläufer. Auf den kurzen Strecken sind sie hoffnungslos unterlegen, aber am Ende siegen sie immer.

Das, lieber Genosse Putin, du KGB-Offizier der alten Schule, sei dir ins Stammbuch geschrieben. Jetzt, da deine larva nicht mehr da ist, hast du auch deine Tarnung aufgegeben. Wir sehen jetzt dein wahres Gesicht. Und das ist gut! Du bist nämlich kein Europäer, und erst recht kein Demokrat. Du bist immer der alte Sowjetmensch geblieben.

Europa sollte deshalb endlich aufhören, diesen Herrscher irgendwo einbinden zu wollen. Natürlich muß man mit ihm reden (man redet ja mit den schlimmsten Diktatoren), aber wie einem ungebärdigen Kind muß man ihm zeigen, wo seine Grenzen sind.

Die rote Linie ist durch Obama ein bißchen in Verruf gekommen, aber sie ist gerade bei einem Autokraten wie Putin dringend nötig. Sonst stehen seine vermummten Krieger bald in Kiew und Lwow – und wer weiß wo sonst noch.

Wir sind hier in Mitteleuropa durch die lange Friedenszeit verwöhnt wie sonst kein Kontinent. Viele von uns haben vergessen, daß Frieden und Demokratie immer in Gefahr sind, auch in Europa. Auch deshalb hat Putins Intervention ihr Gutes: nichts ist selbstverständlich – ein Leben in Frieden und Wohlstand schon gar nicht.

Danke, Putin!

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Der Herrscher über die Krim von Putins Gnaden – ein Ganove!

Das jedenfalls kann man heute über Sergej Aksjonow in der Online -Ausgabe der F.A.Z. lesen:

Er lenkt auf der Krim ein kleines Wirtschaftsimperium, zu dem Unternehmen verschiedener Branchen von Bau über Tourismus und Kaufhäuser bis zu Medien gehören. Die Wurzeln seiner Unternehmen liegen in den neunziger Jahren, als der 1972 in Moldau geborene Aksjonow ein polizeilich bekanntes Führungsmitglied verschiedener Mafia-Gruppen war und der Beteiligung an mehreren Auftragsmorden verdächtigt wurde. Politisch aktiv in der verschiedenen separatistischen Organisationen war er seit 2008.

Das ist die Sorte Mensch, die von den Demokraten der Ukraine sagt, sie seien „Banditen“ und „Faschisten“!

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Die USA „in radioaktive Asche verwandeln“!

Das sagt Putins Liebling, der sogenannte „Journalist“ Dimitri Kiseljow. Nun könnte man erwidern, daß es in jedem Land der Welt solche Spinner gibt, ganz gewiß auch bei uns. Aber kann man sich vorstellen, daß so ein Maulheld, sagen wir – Sprecher der Kanzlerin wird?

Niemals.

Aber der Alt-Genosse Putin hat diesen Kiseljow vor kurzem zum obersten Propagandachef der Sowjetunion gemacht – und ja, ich gebrauche das Wort Sowjetunion an dieser Stelle sehr bewußt. Aber kommen wir zurück zu unserem Dimitri. Zu Putins 60. Geburtstag sagte er voller Anerkennung:

Von der Größe seines Schaffens her ist der Politiker Putin unter seinen Vorgängern des 20. Jahrhunderts nur vergleichbar mit Stalin.

Und jetzt, während der Brandstifter Putin auf der Krim die Lunte anzündet, sagt Kiseljow, Rußland sei

das einzige Land auf der Welt, das realistisch betrachtet in der Lage ist, die USA in radioaktive Asche zu verwandeln.

Diesen Mann hat Putin, der „lupenreine Demokrat“ (Schröder), zum Generaldirektor der neuen russichen Nachrichtenagentur und damit zum obersten Propagandachef des Landes gemacht.

Noch Fragen, Kienzle?

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Putin der Täter

Jeder wird sich noch an die ersten Interviews von Natascha Kampusch erinnern. Da hat sie Wolfgang Priklopil, den Peiniger, der sie acht Jahre lang in einem unterirdischen Verlies gefangengehalten hat, mit bewundernswerter Hartnäckigkeit nur „der Täter“ genannt. Nie hat sie seinen Namen erwähnt – er war und blieb für sie immer nur: „der Täter“.

So sollten wir auch mit Putin umgehen.

Er mag sich für den Beschützer aller Russen halten, und für einen großen Staatsmann dazu. Aber für mich (und hoffentlich für die meisten Demokraten auf der Welt) ist er schlicht und einfach: ein Täter.

Und an eine alte englische Redensart sollten wir uns bei dieser Gelegenheit auch erinnern:

Crime doesn’t pay.

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