Der deutsche User mag Putin – und offenbar auch Stalin

Es ist nur konsequent, wenn Putin bei seinem Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, auch Stalin rehabilitiert. Denn um nichts anderes handelt es sich, wenn er – wie man hier nachlesen kann – der Umbenennung von Wolgograd in Stalingrad wohlwollend gegenübersteht.

Kann sich jemand vorstellen, daß wir die Großstadt Oberhausen in Hitlerhausen umbenennen?

Stalin war einer der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts. In der Zahl seiner Opfer, die er ermorden, verhungern oder in Straflagern elend verrecken ließ, kann er sich durchaus mit Hitler messen. Wolgograd wieder mit dem Namen dieses Massenmörders zu schmücken, kommt einer Rücknahme der (ohnehin nur kurzen) Entstalinisierung in der Chruschtschow-Ära gleich.

Das ist schon schlimm genug. Aber viel ärgerlicher ist das Zwischenergebnis einer Online-Umfrage in Deutschland (ebenfalls hier einzusehen). Von den gut 7.000 Usern, die bis heute abend abgestimmt haben, haben zur Umbenennung von Wolgograd in Stalingrad 2.066 (also fast 30%!) gemeint:

Darüber könnte man durchaus nachdenken.

Da fehlen einem die Worte.

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Putins Liebe zu schwachen Frauen

Hillary Clinton nimmt selten ein Blatt vor dem Mund. Im März hat sie das Vorgehen Putins bei der Annexion der Krim mit der Politik Hitlers verglichen. Dieser Vergleich ist nicht nur legitim – er trifft auch zu. Natürlich vergleicht niemand, der bei Verstand ist, den Menschen Putin mit dem Menschen Hitler. Aber das strukturelle Vorgehen ist das gleiche: so wie Hitler unter dem Vorwand, er müsse seine sudetendeutschen Landsleute vor den Tschechen retten, ins Sudetenland (und später auch in die „Rest-Tschechei“) einmarschiert ist, um es zu annektieren, so hat Putin – wie Hitler eindeutig unter Bruch des Völkerrechts – die Krim mit fast den gleichen Begründungen annektiert. (Es ist, aber das nur nebenbei, eine ähnliche Argumentation, wie man sie auch bei Erdogan findet, der sich zum Herrn über alle ethnischen Türken auf der Welt aufspielt, selbst wenn sie Bürger unabhängiger Staaten sind.)

Hillary Clinton hat also einen Vergleich hergestellt, der sich jedem historisch gebildeten Menschen geradezu aufdrängt. Daß der Täter die Sache anders sieht als der Historiker, liegt auf der Hand. Interessant ist freilich die merkwürdige Art und Weise, wie Putin und seine Hofschranzen darauf reagieren: sie antworten durchweg mit einer seltsamen, ja befremdlichen Art von hämischer Ironie, und das hat dann doch etwas sehr Unreifes, Pubertäres. Kein ernsthafter Politiker, kein wirklicher Staatsmann würde auf ernste Vorwürfe so kindisch reagieren.

Aber hören wir, wie Putin auf Hillary Clintons Worte geantwortet hat (hier nachzulesen):

Wenn Leute Grenzen überschreiten, machen sie das nicht, weil sie so stark sind, sondern weil sie so schwach sind. Aber vielleicht ist Schwäche nicht die schlechteste Eigenschaft für eine Frau … Mit Frauen streitet man besser nicht.

Makaber ist, daß Putin Clinton vorwirft, sie überschreite Grenzen – ausgerechnet Putin, der nicht etwa diskursive, sondern ganz reale Grenzen überschritten und damit das Ende einer europäischen Ära eingeläutet hat. Denn eines war in unserem Europa nach dem Krieg sozusagen sakrosankt: bestehende Grenzen durften unter keinen Umständen (und unter keinem Vorwand!) angetastet werden. Gerade die Sowjetunion war es, für die alle Nachkriegsgrenzen heilig waren. Wer auch nur leise andeutete, daß nicht alle Grenzen auf ewige Zeit so bestehen müßten, wie sie waren, wurde sofort als „Revisionist“ oder gar „Faschist“ beschimpft.

Ach ja, und dann noch die Schwäche des Weibes. „Frailty, thy name is woman“, heißt es in Shakespeares Hamlet: „Schwachheit, dein Nam‘ ist Weib!“

Putin will also ausgerechnet Hillary Clinton zu einer schwachen Frau machen. Das wird ihm nicht gelingen. In seiner russischen Heimat aber werden solche dummen Sprüche seine Popularität weiter stärken, denn viele Fortschritte der Menschheit sind – auch dank Putin! – in Rußland noch nicht angekommen.

Aber gönnen wir ihm den kleinen Lacher, denn die neuesten Bilder von den Feiern in der Normandie zeigen Putin, wie isoliert er zur Zeit in der Welt ist. Wenn er denn unbedingt ein bißchen Aufheiterung auf Kosten der Frauen nötig hat: bitte sehr. Auf lange Frist wird es ihm wenig nutzen.

Er hat seinen internationalen Ruf ein für allemal verspielt.

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Wert zu schätzen

Gerade einen Blick in die Tagesschau-App geworfen. Manuela Schwesig will auch die letzte Wöchnerin so schnell wie möglich wieder an die LIDL-Kasse schicken. Es sei gut, so zitiert die App die Ministerin, die Teilzeitarbeit

mehr Wert zu schätzen.

Ein Tagesschau-Redakteur, der etwas sprachlich so Fürchterliches absondert, sollte wegen Vergewaltigung der deutschen Sprache mit einer längeren Freiheitsstrafe (und zwar ohne Bewährung!) bestraft werden.

Man kann nämlich den Wert einer Sache, z.B. einer Antiquität, schätzen, aber alles andere, was man für wichtig hält, muß man auch heute noch wertschätzen.

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Seid umschlungen, Gabionen!

Gabione – ich muß gestehen: bis gestern abend habe ich dieses Wort noch nicht gekannt.

Die Sache, die es bezeichnet, aber schon!

Vor ein paar Jahren wurden in unserem Städtchen ein paar neue Mietshäuser gebaut. Davor standen schon während der Bauphase merkwürdige Drahtgitterkäfige, die mit grauen Schottersteinen gefüllt waren. Ich dachte in aller Unschuld, die Steine würden für den Bau gebraucht – aber die Häuser waren lange fertig, und die Gitterkäfige mit ihren Steinen waren immer noch da. Und dann, nach und nach, sah man in den Vorgärten immer mehr dieser sinn- und zweckfreien Gebilde, und es war klar: sie waren so etwas wie Kunst am Bau, völlig funktionslose, ästhetisch gemeinte Käfige, die dem Haus zur Zierde gereichen sollen.

Es sind Gabionen, und wer so etwas unbedingt in seinen Vorgarten stellen möchte, kann es sogar – samt Steinfüllung! – online bestellen. Ursprünglich dienten Gabionen, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, als Lärmschutzwand oder zur Befestigung von Böschungen. Inzwischen dürften die meisten nur noch eine Schmuckfunktion haben.

Aber schmücken sie ein Haus oder einen Vorgarten wirklich?

Es ist eine Modeerscheinung, die – hoffentlich! – bald wieder vorüber sein wird. Sie erinnert mich ein bißchen an das Pampasgras seligen Angedenkens. Dieses Gras (es heißt botanisch Cortaderia selloana) war vor ein paar Jahrzehnten fast über Nacht in jedem zweiten oder dritten Vorgarten zu sehen. Es ist eine prächtige Solitärpflanze, aber wenn sie in jedem Garten steht, hat man sich schnell daran sattgesehen. So geht es mir jetzt mit den „Drahtschotterkästen“, wie die Gabionen wohl offiziell heißen.

Übrigens gibt es noch grauslichere Varianten. Ganz in der Nähe hat ein Hausbesitzer den gesamten, gar nicht so kleinen Vorgarten des Mehrfamilienhauses hoch mit grauen Schottersteinen belegt. Aus dieser grauen Fläche, die eher dem Tod als blühendem Leben gleicht, ragen wie Inseln drei Hochbeete mit Koniferen und Rhododendren heraus. Ob die Anlage etwas Zenbuddhistisches haben oder (was ich eher vermute) den Gärtnern das Unkrautjäten ersparen soll, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

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Frauen muß man ab und zu züchtigen – meint der türkische Mann

Im vergangenen Jahr hat man in einer repräsentativen Umfrage türkische Männer gefragt, ob es erlaubt sei, gegen Frauen Gewalt anzuwenden.

Das Ergebnis konnte man in der Berliner Morgenpost vom 20. April 2013 nachlesen.

Für 28 % der türkischen Männer war Gewalt gegen Frauen „unerläßlich“, weitere 34 % von ihnen meinten, daß „gelegentliche“ Gewalt gegen Frauen notwendig sei.

Und das in einem Land, mit dem wir immer noch Verhandlungen über den Beitritt zur Wertegemeinschaft EU führen.

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Kein Witz

Die FIFA hat tatsächlich eine Ethikkommission.

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Bei der FIFA läuft alles wie geschmiert …

Eine Hand wäscht die andere – das haben schon die Römer gewußt, so steht es nämlich in Senecas Satire „Apocolocyntosis“: manus manum lavat. Wer eine Fußball-WM in die Wüste von Katar verlegt, der kann dafür nur einen einzigen Grund haben, und dieser Grund – ein kleines Zubrot für die alten Herren, damit sie nicht länger am Hungertuch nagen müssen! – ist jetzt, wie man hier nachlesen kann, endlich durch Dokumente beweisbar. Jedenfalls meldet das die Sunday Times.

Eines aber enttäuscht mich sehr: mit gerade einmal 3,7 Millionen Euro soll Katar den kargen Lebensunterhalt einiger FIFA-Funktionäre aufgebessert haben.

Das sind doch Peanuts!

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Unfaßbar Dummes von Erdogan

Der türkische Ministerpräsident, der im Innern immer autoritärer und brutaler herrscht, soll am Donnerstag, dem Jahrestag der Eroberung von Konstantinopel, laut Welt (hier nachzulesen) folgendes gesagt haben:

Eroberung sei wichtig, und die Eroberung Istanbuls 1453 sei eine „Öffnung“ gewesen. Eroberung, so sagte er, sei nie Aggression, wenn sie von Muslimen ausgehe, sondern „Selbstverteidigung“ gegen „Unterdrückung“.

Wenn dieses Zitat wirklich stimmt, dann ist es das Unverschämteste und zugleich Dümmste, was man je von Erdogan gehört hat (und das war schon einiges).

Unverschämt, weil er damit die Geschichte bewußt und von Grund auf verfälscht, denn so wie der Islam schon in den ersten Jahrhunderten allein mit Feuer und Schwert verbreitet wurde, so war auch die Eroberung von Konstantinopel nichts anderes als eine ganz gewöhnliche Eroberung. Ihr folgten noch viele osmanische Raubzüge, die bis an den Rand Mitteleuropas heranreichten. Der ganze Balkan litt jahrhundertelang unter der osmanischen Herrschaft, die jede Entwicklung unmöglich machte und die ganze Halbinsel bis ins 20. Jahrhundert hinein in lähmende Lethargie versetzte. Manche Länder leiden noch heute darunter.

Dumm, ja geradezu absurd sind Erdogans Bemerkungen, weil sie mit einem Kunstgriff aus muslimischen Eroberungen per se Akte der Selbstverteidigung gegen „Unterdrückung“ machen. Wer um Himmels willen hat denn im 15. Jahrhundert die osmanischen Sultane „unterdrückt“, so daß sie sich „verteidigen“ mußten? Byzanz, dessen Reich schon vorher bis auf einen kleinen Rest zusammengeschmolzen war, bestimmt nicht.

Nein, es waren die Osmanen selbst, die mit ihren Eroberungszügen die Völker in Angst und Schrecken versetzten. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte, vermutlich durch die lange und ungefährdete Herrschaft, eine Art satter Trägheit ein, die den unterdrückten Völkern auf dem Balkan die Gelegenheit bot, sich nach und nach von der osmanischen Herrschaft zu befreien. Die Griechen waren übrigens die ersten, denen es mit ein bißchen Hilfe durch die europäischen Großmächte gelang, zumindest auf einem kleinen Teil ihres heutigen Staatsgebiets die Türken niederzuringen und ein freies Griechenland auszurufen.

Was Erdogan sagt, ist also nichts anderes als eine haarsträubende Geschichtsklitterung: es ist die nachträgliche Rechtfertigung einer blutigen Eroberungspolitik. Erdogan will sich durch die Verfälschung der Vergangenheit selbst in die Tradition der als heldenhaft  verklärten osmanischen Sultane stellen.

Ob er das freilich erreicht, wenn er mit einer Heermacht von 25.000 Polizisten und mehr als 50 Wasserwerfern über eine Schar von ein paar hundert Demonstranten herfällt, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter kommentieren.   

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Mariam kommt frei

Da ist die internationale Empörung dem mittelalterlichen Regime im Sudan wohl doch zu groß geworden: Mariam, die zum Tode verurteilte Christin, soll „in den nächsten Tagen“ freigelassen werden.

Das wird dann wohl noch als Akt der Milde verkauft.

Daß nicht etwa die Regierung, sondern ein Sprecher des Außenministeriums dies mitteilte, zeigt allein schon, daß es die internationale Aufmerksamkeit war, die dem Regime allmählich lästig wurde.

An der islamischen Schreckensherrschaft  der Regierung in Khartum, deren Chef al-Bashir mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, ändert sich dadurch nichts. Und auch an der Reaktion der Muslime in aller Welt wird sich nichts ändern: es herrscht betretenes Schweigen – oder heimliches Einverständnis.

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Geburt in Ketten – ein Musterbeispiel islamischer Barbarei

Die hochschwangere Christin, die man im Sudan nur aus einem einzigen Grund ins Gefängnis geworfen und zum Tod durch Erhängen verurteilt hat, nämlich: weil sie Christin ist, hat inzwischen – wie berichtet – ihr Kind im Gefängnis zur Welt gebracht.

Jetzt hat ihr Mann ein weiteres Detail bekanntgegeben: die Frau, sie heißt Mariam Jahia Ibrahim Ishak, blieb während der Geburt des kleinen Mädchens im Gefängnis angekettet! Jetzt heißt es: stillen, bis der Henker kommt.

Aber ich bin sicher, die Muslime werden überall auf der Welt auf die Straße gehen und gegen diese beispiellose Barbarei demonstrieren.

Oder etwa nicht?

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