Einen guten Rutsch

und ein (mindestens!) erträgliches neues Jahr wünsche ich allen meinen Lesern!

Mehr kann man, fürchte ich, in diesen Zeiten nicht erwarten. Wünschen kann man sich und anderen freilich viel, aber die Zeit, da das Wünschen noch geholfen hat, ist wohl vorbei. Immerhin geht es uns doch gar nicht so schlecht: wir haben ein Dach über dem Kopf und eine warme Stube, die meisten von uns haben ihr Auskommen, und wir leben in einer gut funktionierenden Demokratie. Das ist viel mehr wert als manche Menschen (vorneweg die Schreihälse im Internet) glauben. Und wir werden (ein großes Glück, über das wir uns freuen sollten) auch nicht von narzißtischen, psychisch gestörten Herrschern regiert, sondern von einer Regierung, die vieles gut und manches schlecht macht – und abgewählt werden kann. Das ist ein kostbares Gut, und daß es so bleibt in den 20er Jahren, die nicht unbedingt golden werden müssen, das wünsche ich uns allen.

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„Zum Teil acht Schwerverletzte“

So lautete vor einiger Zeit eine (traurige) Meldung in der Onlineausgabe der Offenbach-Post (hier nachzulesen):

Auf der K172 in Langen (Kreis Offenbach) passiert an Weihnachten ein Unfall mit zum Teil acht Schwerverletzten.

Wer noch ein bißchen Sprachgefühl hat, und das sind leider immer weniger Menschen, selbst da, wo Sprache schwarz auf weiß gedruckt wird, wer also Sprachgefühl hat, merkt sofort, daß an diesem Satz irgendetwas nicht stimmt.

Worauf bezieht sich das einschränkende „zum Teil“? So wie der Satz dasteht, müßte es sich auf „acht“ beziehen, aber „zum Teil acht“ ergibt keinen Sinn. Auch auf die Verletzten kann es sich nicht beziehen, denn sie sind ja nach der Meldung alle verletzt.

Die Einschränkung bezieht sich natürlich auf das Attribut „schwer“. Verletzt sind alle, aber nur „zum Teil“ sind sie schwer verletzt. Um das logisch und sprachlich richtig auszudrücken, hätte der Satz so lauten müssen:

Auf der K172 in Langen (Kreis Offenbach) passiert an Weihnachten ein Unfall mit acht zum Teil schwer Verletzten.

Jetzt ist die Zuordnung eindeutig. So löblich es also ist, daß der Autor von „Schwerverletzten“ spricht und das Kompositum nicht nach gängiger Dummschreibung auflöst (wie „schwer Verletzte“, „Rad Fahrende“ usw.), so hätte er in diesem Fall eine Ausnahme machen müssen.

Darüber, daß hier das umgangssprachliche „passieren“ statt des schriftsprachlichen „geschehen“ steht, rede ich schon gar nicht mehr.

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Nahverkehr wird ab Januar noch teurer

Ein komfortabler, zuverlässiger und für alle erschwinglicher öffentlicher Personennahverkehr wäre der wichtigste Schritt, um den Autoverkehr (und damit den CO2-Ausstoß) in den Städten zu verringern. Sehen wir einmal anhand einer Nachricht von heute, was Bund, Länder, Städte und Gemeinden in der Praxis machen (hier nachzulesen):

Zu Beginn des neuen Jahres müssen Fahrgäste von Stadtbussen, Straßenbahnen und U-Bahnen für Tickets im Nahverkehr in vielen Orten mehr bezahlen. Die meisten der großen deutschen Verkehrsverbünde erhöhen zum Jahreswechsel die Preise.

Das betrifft Kunden im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Berlin und Brandenburg, in den Großräumen Hamburg und Bremen sowie im Rhein-Main-Gebiet. Auch für Nutzer von Regionalzügen, die außerhalb von Verkehrsverbünden unterwegs sind, wird es teurer.

Und was sagt zu diesen Preiserhöhungen Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen?

Die Klimaschutzziele im Verkehrssektor sind nur über einen starken öffentlichen Personenverkehr zu erreichen.

Da ist jeder Kommentar überflüssig.

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Goethe und die Glückwünschenden am Neujahrstag

Nicht nur die normalen Sterblichen haben am Neujahrstag genug zu tun. Was Goethe etwa am 1. Januar 1818 an Begegnungen einzuplanen hatte, kann man seinem Tagebuch entnehmen:

Neujahrs Tag. Verschiedenes zur morgenden Sendung nach Weimar. Prof. Renner, Dr. Roux, Hofrath Voigt, Prof. Bachmann, Prof. Hand, Papadopulos, Geh. Justizrath Schnaubert. Bey Knebel zu Mittag, mit Papadopulos, Durchzeichnungen von Castellazo. Frau von Ziegesar mit Kindern, Succow. Geh. Rath Schmidt. Abends mit Vulpius die Geschäfte durchgesprochen, auch sonstige ältere Lebensvorfälle.

Oder drei Jahre zuvor, am 1. Januar 1815:

Glückwünschende. Gedicht Sammlung. Bey Serenissima und weiter. Mittag Rabe. Abends Meyer. Polit. Aufsatz. Amulete pp. Kästchen pp. nach Heidelberg. Schelver, Schenke. Fr. v. Grothous Dresden. Boisserée Avis. Stimmel Leipzig.

Die Glückwünschenden (heute hätten unsere Dummsprachler daraus gewiß „Glück Wünschende“ gemacht!) waren ihm sicher nur eine lästige Pflicht. Schon am Neujahrstag des Jahres 1779 notiert er etwas herablassend:

Die Posse mit den Neujahrs Wünschen volführt.

Wer all diese „Glückwünschenden“ waren, die ihm am Neujahrstag aufwarteten, wird niemand auf Anhieb wissen, aber wir haben ja in Deutschland gottlob genug Goethe-Editionen, in denen gerade solche Details aufgelöst sind. Die „Serenissima“ war übrigens die Gattin des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar, Luise von Hessen-Darmstadt.

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Noch einmal Karl Kraus – Über ein Wettessen im Jahr 1905

Der folgende Ausschnitt stammt wieder aus der „Fackel“ von Karl Kraus, und zwar aus Heft 190 vom 11. Dezember 1905 (das darin enthaltene lange Zitat hat Kraus dem Illustrierten Wiener Extrablatt entnommen):

Man sieht: es gibt nichts Neues unter der Sonne, und schlechter Geschmack – um es einmal höflich auszudrücken – ist nicht auf unsere Gegenwart beschränkt.

Sterz ist übrigens eine österreichische Mehlspeise, die ähnlich zerpflückt wird wie ein Kaiserschmarrn. Wieviel Sterz auf dem Teller der Wiener Wettesser gelegen hat, läßt sich nicht mehr feststellen.

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Frohe Weihnachten!

Allen Lesern meines Tagebuchs wünsche ich ein frohes Fest und Glück und Gesundheit im neuen Jahr!

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Dem Konjunktiv sein Tod

Das Sterben des Konjunktivs hat nicht erst am Ende des vergangenen Jahrhunderts begonnen, sondern schon an dessen Anfang. Als Beleg kann ich eine Stelle anführen, die Karl Kraus 1924 in der Fackel veröffentlicht hat:

Unmöglich kann man von deutschen Männern … verlangen, daß sie wissen, wie der Konjunktiv imperfecti von „erfahren“ heißt. Wollte man sie befragen, man erführe es nie, denn es entstünde entweder verlegenes Schweigen oder eine Panik, zunächst weil sie nicht wissen, was man von ihnen haben will und was das eigentlich ist, ein Konjunktiv imperfecti, dann aber würde sich vielleicht doch einer finden, der das weiß, und man erföhre es.

Und Kraus zitiert dann noch eine Stelle aus der Tageszeitung Wiener Stimmen:

Man könnte am Wesen des Geldes irre werden, erfähre man nicht, daß – –

PS: Es gibt im Internet eine von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften besorgte digitale Edition der „Fackel“, die mit einer sehr komfortablen Suchfunktion ausgestattet ist (hier zu finden). Sehr empfehlenswert!

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Sensation! Die katholischen Teilnehmer des Synodalen Wegs sind zu 0,44% divers!

Nein, keiner der Diözesan- und Weihbischöfe, die an der Synodalversammlung teilnehmen, ist weiblich oder divers. Aber eine knappe Mehrheit der Synode besteht immerhin aus katholischen Laien. Auf der Internetseite katholisch.de bedauert man, daß die „geschlechtergerechte Besetzung“ der Synode nicht gelungen sei. 69% der Teilnehmer sind nämlich männlich, nur 29% weiblich – und 0,44% sind divers. Hinter diesen 0,44% verbirgt sich, wie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend – wohl nicht ohne Stolz – berichtet, gerade einmal ein/e Teilnehmer/in aus der Diözese Magdeburg.

Das Bundesverfassungsgericht, das immer öfter seine Urteile nicht so sehr an der Verfassung, sondern am herrschenden Zeitgeist ausrichtet, hat leider für die offizielle Einführung des dritten Geschlechts – selbst im Personalausweis! – gesorgt. Das betrifft nach Meinung des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) ca. 100.000 Intersexuelle – eine Zahl, die wahrscheinlich um ein Vielfaches zu hoch gegriffen ist.

Aber was hilft’s! Alles, was vom Normalen abweicht, hat bei uns Hochkonjunktur. Schon die Vorstellung, daß ein Mann und eine Frau zusammenleben, Kinder bekommen und eine Familie gründen, ist so uncool, so glanzlos, daß es alle fortschrittlichen Menschen bei dem Gedanken daran graust.

Das ist ja das uralte, verstaubte Vater-Mutter-Kind-Modell aus dem 19. Jahrhundert! Oder gar aus dem Mittelalter?

Deshalb gibt’s kaum mehr einen „Tatort“ ohne schwule Pärchen, und auch Trans- und Intersexuelle sind im Fernsehen auf dem Vormarsch. Das verleiht dem Film ja auch viel mehr Glanz und Glamour, als wenn man immer nur langweilige heterosexuelle Bankangestellte oder alleinerziehende Verkäuferinnen mit Kind darstellt.

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Wie der Herr, so’s Gescherr – schon wieder eine Wählerbeschimpfung!

Früher dachte ich in meiner Naivität: man müßte nur einmal die unsäglichen Aussprüche aus dem Munde von AfD-Politikern und ihren Mitgliedern und Anhängern, wie man sie zuhauf im Internet findet, sammeln und in einem Büchlein veröffentlichen. Kein Mensch, dachte ich, würde dann je wieder diese Partei wählen!

Das war dumm von mir. Die „Masse Mensch“, so scheint es, interessiert es nicht die Bohne, ob jemand in braunen Zungen redet – denen jedenfalls, die AfD gewählt haben, kann man so nicht beikommen.

Und warum nicht? Weil sie gar nicht die „besorgten Bürger“ sind, die armen Zukurzgekommenen, die vom Schicksal arg Gebeutelten, wie man es uns weismachen will. Nein, die AfD-Anhänger sind in ihrer Sprache und Ausdrucksweise genauso verroht wie die Haßprediger, aus denen diese Partei zu einem immer größeren Anteil besteht. Die Wähler wissen ganz genau, wen sie da wählen.

Und wie ist es in den USA? Ebenso. Selbst wer nur einen Bruchteil der Tweets dieses Präsidenten wahrgenommen hat, müßte eigentlich vor Scham im Boden versinken. Und, versinken sie, die Trumpwähler? Ganz und gar nicht! Raufen sie sich die Haare, weil sie ihn gewählt haben? Überhaupt nicht! Sie sind froh und munter, und fast alle werden ihn wiederwählen. Weil sie geistig und moralisch mit ihm auf einer Stufe stehen.

Die Belehrbarkeit des Menschen, so scheint es, ist bedauernswert gering.

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„Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer“

Diesen Satz – wohl aus völkischer Trunkenheit geboren – druckte ein Busfahrer der Fa. Sachsentrans fein säuberlich auf seinem Drucker aus und schmückte damit das Seitenfenster seines Busses (hier nachzulesen). Die Sachsentrans ist ein Subunternehmen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB).

Jetzt frage ich mich nur, warum ein deutscher Fahrer die deutsche Sprache so wenig beherrscht, daß er das Adjektiv „deutsch“ großschreibt. Oder ist das sprachlicher Patriotismus? Ist er so stolz auf sein Land, daß ihm die Großschreibung des Wortes „deutsch“ zu einer patriotischen Pflicht geworden ist?

Fragen über Fragen.

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