Die Belagerung von Misrata

Es gibt zwei Arten von Gewaltherrschern – nein, es sind eigentlich nur Abstufungen ein und derselben Art, verschiedene Grade von Brutalität und Hemmungslosigkeit, und man kann diesen feinen, aber für die Untertanen entscheidenden Unterschied am ehesten spüren, wenn die Völker ihre Angst verlieren und um ihre Freiheit kämpfen.

Die einen geben dann nach einem letzten, blutigen Aufbäumen auf. Zu ihnen gehören zum Beispiel Mubarak und Ben Ali. Andere aber kämpfen „bis zum letzten Blutstropfen“ und ziehen ohne jede Hemmung ihr ganzes Land in den eigenen Untergang hinein.

Zu dieser zweiten Kategorie gehört Muammar al-Gaddafi.

Mit solchen Diktatoren, die natürlich – wie Hitler, Mugabe und viele andere – immer von Schmarotzern, Profiteuren, Nutznießern der Gewalt umgeben sind, kann man nicht verhandeln, sie haben kein Ohr für moralische Ermahnungen. Sie machen auch keine Kompromisse. Sie sind, selbst wenn sie einer Religion angehören, gottlose Gestalten, und die Bruchstücke an Kultur, Gesittung und Vernunft, mit denen sie sich hin und wieder schmücken, sind nur zur Blendung da.

Gaddafi, ein Terrorist der ersten Stunde, hat die leichtgläubigen Regierungen der Dritten Welt anfangs mit seinem Charme, später mit seinem Geld um den Finger gewickelt. Er hat sogar den reuigen Sünder gespielt, so gut, daß ihn die westlichen Staaten wieder in die Gemeinschaft aufgenommen haben wie einen verlorenen Sohn. Fast überall durfte er wieder sein Beduinenzelt aufschlagen, und der herzlichen Umarmungen (vor allem mit seinem Freund Berlusconi) war kein Ende.

Jetzt haben ihn große Teile seines eigenene Volkes an den Abgrund gedrängt – und daß sie das ohne militärische Strategie, schlecht bewaffnet, einfach nur mit ihrem unbändigen Freiheitswillen erreicht haben, wird den Zorn des Herrschers ins Unbändige gesteigert haben. Er will seine Gegner nur noch zerquetschen wie Ungeziefer.

Viele Meldungen, die aus den Städten Libyens nach draußen dringen, können nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden – wie auch. Als erste war jetzt die libanesische Journalistin Hala Jaber in der umkämpften Stadt Misrata, sie hat ihre Reportage in der Sunday Times veröffentlicht. Auch ein Bericht von Human Rights Watch liegt vor, der die Zustände in Misrata beschreibt, einer Stadt, die den Truppen des Diktators immer noch trotzt, obwohl sie auf drei Seiten von seinen Soldaten eingeschlossen ist. Auch die Hauptstraße haben Gaddafis Soldaten und Söldner zum Teil erobert, aber der Hafen und große Teile der Stadt sind noch in der Hand der Freiheitskämpfer. Den schweren Waffen des Gegners haben sie nichts entgegenzusetzen, umso mehr muß man sie für ihren Mut und ihre Entschlossenheit bewundern.

Misrata ist eine Großstadt mit 300.000 Einwohnern, viele Wohnviertel, auch die Krankenhäuser, hat Gaddafi ganz oder teilweise zerstört. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, und das jetzt schon seit sieben Wochen. Zwei oder drei Schiffe mit Hilfsgütern haben im Hafen anlegen können, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Menschen flüchten in die noch relativ sicheren Viertel, wo dann mehrere Familien zusammengepfercht in einer Wohnung hausen. Kaum jemand traut sich auf die Straße, denn Gaddafis Scharfschützen sind überall. Einen besonderen Spaß scheint es ihnen zu machen, auf die Patienten und Besucher der halb zerstörten Krankenhäuser zu schießen.

Es ist ein „außergewöhnlich grausames Vorgehen“, wie Frau Jaber schreibt, und man fragt sich schon, warum über den noch offenen Hafen der Stadt so wenig Hilfe eintrifft. Gerade die Länder, die in den letzten Jahren gar nicht freundlich genug über den Despoten haben sprechen können, sollten jetzt schnell handeln.

Die Staatengemeinschaft darf doch nicht zusehen, wie dieser Tyrann eine ganze Großstadt mit Mann und Maus zusammenschießt, um an der Macht zu bleiben! Wenn die halbe Welt Gaddafi über Jahrzehnte mit schweren Waffen ausgerüstet hat, ist es doch wohl eine moralische Pflicht, wenigstens jetzt, bevor es zu spät ist, durch Waffenlieferungen an die Freiheitskämpfer für ein bißchen mehr Chancengleichheit zu sorgen.

Und die Anklage gegen Gaddafi und seine Söhne vor dem Internationalen Strafgerichtshof muß endlich energisch vorangetrieben werden.

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Bruder Führer

Jacob Zuma, der südafrikanische Staatspräsident, gab sich in Tripolis begeistert.

„Der Bruder Führer“, sagte er, „hat unseren Friedensfahrplan akzeptiert.“

Damit war Gaddafi gemeint. Worte können verräterisch sein!

Zu Südafrika im übrigen: einen so integren Mann wie Mandela gibt es vielleicht einmal in hundert Jahren – Zumas aber gibt es überall wie Sand am Meer.

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Schließt die Ausstellung in Peking!

Roger M. Buergel und Ruth Noack, die 2007 die Documenta 12 in Kassel geleitet haben, fordern die sofortige Schließung der Ausstellung über die „Kunst der Aufklärung“ in Peking. Es sei eine Veranstaltung, die ohne Not die kostbarste Errungenschaft des Westens verschachere. Dieses Kulturprojekt, schreiben sie, gehorche der Logik der Funktionäre. Der verschleppte Ai Weiwei dagegen werde vom deutschen Museumsdirektor Martin Roth auch noch als „Popstar“ beschimpft.

Buergel und Noack zitieren den Satz der drei deutschen Museumsdirektoren, daß „die Verhaftung des prominenten Künstlers Ai Weiwei nicht Ausdruck einer grundsätzlichen Verschlimmerung der Verhältnisse in China“ sei. Wenn dieser Satz so stimmt, ist er tatsächlich schändlich, wie überhaupt die arrogante Selbstrechtfertigung, vor allem von Roth, ein Schande für die Kulturpolitik unseres Landes ist.

Haben wir diesen peinlichen Kotau vor einer der letzten regierenden Kommunistischen Parteien der Welt nötig? Das gute Verhältnis zu den chinesischen Funktionären scheint manchem wichtiger zu sein als die Solidarität mit den ständig von Verhaftung bedrohten Künstlern.

„Irgendwann“, schreiben Buergel und Noack, „kommt der Zeitpunkt, ’nein‘ zu sagen und die Bilder abzuhängen.“

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Gefahr für Zugvögel durch Windräder

Der Naturschutzbund Hessen (NABU) hat davor gewarnt, die großen Zugvogelkorridore mit Windkraftanlagen zuzustellen. Dadurch könnten die Lebensräume vieler Vogel- und Fledermausarten erheblich beeinträchtigt werden. Das Umfliegen der Windräder bedeute einen zusätzlichen Energieverlust für die Zugvögel auf ihrer anstrengenden Reise.

Daß in der Pressemitteilung des NABU das (Un-) Wort „Windpark“ auftaucht, ist traurig. Man sollte schon ein bißchen auf seine Sprache achten. Daß die Windkraftlobby selbst von „Windparks“ spricht, ist verständlich – das ist Marketing, dazu gehören klingende, euphemistische Namen. Aber Windparks gibt es ebensowenig wie Gewerbe- oder Industrieparks.

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Schöne Vermittler!

Eine hochkarätige Delegation der sog. „Afrikanischen Union“ ist in Tripolis eingetroffen, um (wie ihre Teilnehmer sagen) in Libyen Frieden zu stiften. Aber die Afrikanische Union ist Gaddafis eigenes Konstrukt, er hat ihre Gründung angeregt, und vor allem: er ist ihr großer Geldgeber. Gadaffi, schreibt Marc Dugge vom ARD-Hörfunkstudio Rabat, finanziert in Afrika „so ziemlich alles: Banken, Entwicklungsprojekte, Straßen, Hotels, Moscheen.“

Da kann man sich denken, wie und warum hier vermittelt werden soll.

Die schwarzafrikanischen Regime werden alles versuchen, ihren Geldgeber an der Macht zu halten.

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Cave filios – Hüte dich vor den Söhnen!

Es ist an der Zeit, eine Illusion zu begraben: daß nämlich die Söhne übermächtiger, oft verbrecherischer Despoten es besser machen werden, wenn sie einmal die Macht dazu haben.

Baschar al-Assad, 45, der syrische Präsident, folgte auf seinen brutal und autoritär herrschenden Vater Hafiz al-Assad. Sein Regierungsantritt im Jahr 2000 war von großen Hoffnungen begleitet: er hatte in England Medizin studiert, auch seine Frau, eine Finanzanalystin, wuchs dort auf. Heute, angesichts der auch in Syrien nach Freiheit dürstenden Menschen, läßt er mit Scharfschützen auf sein Volk schießen – das scheint der neue Sport der arabischen Herrscher zu sein! – und spricht von einer Konspiration des Auslands. Eine armselige, aber typische Reaktion.

Auch Saif al-Islam al-Gaddafi, der vermutlich mächtigste Sohn des libyschen Despoten, galt lange als Zukunftshoffnung, als aufgeschlossener, vergleichsweise liberaler Mann. Jetzt läßt er mit seiner Privatarmee die todesmutig gegen Gaddafi rebellierenden Libyer niederkartätschen und ist in jeder Hinsicht schon jetzt ein Abbild seines Vaters.

Auch Gamal Mubarak, der seinem Vater in Ägypten einmal nachfolgen sollte, hat Husni Mubarak – wenn man den Berichten glauben soll – sogar noch darin bestärkt, dem aufbegehrenden Volk nicht nachzugeben.

Was ist los mit den Söhnen? Sie scheinen der Aura ihrer Väter nicht zu entkommen. Sie sind offenbar vom Schicksal getrieben, die gleichen Fehler zu machen, die gleichen Verbrechen zu begehen wie ihre Väter. Die ungeheure Macht, die sie geerbt haben (oder erben möchten), muß sehr verlockend sein, auch das Vermögen, das sich ihre Väter zusammengestohlen haben, wird dabei eine Rolle spielen.

Aber auch in Demokratien und in der Kunst haben es die Söhne „großer“ Väter schwer. Der „Sohn vom Kohl“ hat gerade ein Buch über sein Problem mit dem übermächtigen Vater, Helmut Kohl, veröffentlicht (Leben oder gelebt werden, Integral Verlag). Die Söhne von Thomas Mann – Klaus, Golo und Michael – haben zeitlebens unter ihrem Vater gelitten, Golo und Michael auch noch lange nach dessen Tod. Und August, Goethes Sohn, blieb sein ganzes Leben lang für alle (und so steht es sogar noch auf seinem Grabstein) nur Goethe filius.

Es scheint, als hätten die Söhne berühmter Väter kaum eine Chance, ein eigenständiges Leben zu führen. Entweder sie werden schlechte Kopien – oder der Übervater erdrückt und zermalmt sie.

Nur die Stärksten unter ihnen können dieser Last standhalten und eigenständige Persönlichkeiten werden.

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Noch einmal zu Ai Weiwei

Daß China ein Rechtsstaat ist, glaubt nicht einmal Hong Lei, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, der diese absurde Behauptung kürzlich vor der Presse aufgestellt hat. Fast nirgendwo auf der Welt (von Nordkorea vielleicht abgesehen) wird von einer Regierung die Wahrheit so dreist verschwiegen, unterdrückt und verdreht wie in China.

Wer z.B. den Namen Ai Weiwei heute in eine chinesische Suchmaschine eingibt, erhält folgende Fehlermeldung:

In Übereinstimung mit einschlägigen Gesetzen, Regeln und Bestimmungen werden die Suchergebnisse nicht angezeigt.

Daß unsere Wirtschaftsführer, wie berichtet, einen, der nach dem Verbleib des verschleppten Künstlers fragt, ausbuhen und damit verhöhnen, mag man noch verstehen. Ihnen geht es nur um das profitable China-Geschäft, da lassen sie sich doch nicht von einem Künstler stören – wäre ja noch schöner.

Aber es gibt da einen Mann, der solche Rücksichten wirklich nicht nötig hätte, und das ist Martin Roth, der Generaldirektor der Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Er ist einer der Organisatoren der Ausstellung „Kunst der Aufklärung“, die am 1. April in Peking „mit großem Pomp“, wie die heutige Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt, eröffnet wurde. Die Ehrengäste waren noch beim Kofferpacken, da wurde Ai Weiwei verschleppt. Er ist bis heute unauffindbar.

Außenminister Westerwelle, der in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung nur mild mahnende Worte gefunden hatte und sich durch die Verschleppung des Künstlers auch persönlich zurecht gedemütigt fühlen mußte, bestellte daraufhin den chinesischen Botschafter ein, immerhin. Die Nobelpreisträgerin Herta Müller wurde deutlicher: es komme ihr vor, sagte sie, „als würde die deutsche Kulturpolitik regelrecht winseln um Anerkennung durch China“.

Und Martin Roth? Er rechtfertigt die gescheiterte Kulturpolitik gegenüber China um jeden Preis. Als der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, die Freilassung Ai Weiweis forderte (eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit), meinte Roth nur zynisch: „Na, da wird die chinesische Staatssicherheit aber das Zähneklappern bekommen.“

Die Verhaftung sei zwar „furchtbar“, aber – das obligatorische Aber! – schließlich sei Ai Weiwei „bei den Medien“ deshalb so beliebt, „weil er ständig draufhaut“.

Ja, lieber Herr Roth, es ist doch nicht Aufgabe eines Künstlers, so wie Sie mit den Mächtigen seines Landes Prosecco (oder von mir aus auch Maotai-Schnaps) zu trinken und zu allem Ja und Amen zu sagen! Soll er sich den Tyrannen nur noch auf Sammetpfötchen nähern, damit ja kein Schatten auf Ihre leise Diplomatie fällt? Was für eine Vorstellung von Kunst und vom Künstler haben Sie eigentlich? Ist für Sie der Künstler nur ein Störfaktor beim gemütlichen Zusammensein mit den chinesischen Funktionären? Eine Kulturpolitik, die diesen Namen verdient, muß doch für die Kunst und den Künstler (also auch für Ai Weiwei!) da sein – und nicht umgekehrt.

Ohne China müßte die Phaeton-Produktion eingestellt werden. Diese Diktatur gibt uns in unserer Demokratie Lohn und Brot.

So werden Sie von der F.A.S. zitiert. Man glaubt, man habe sich verlesen. Das soll ein deutscher Museumdirektor tatsächlich gesagt haben? Aber offenbar haben Sie es genauso gesagt und gemeint. Nur – was bedeutet das? Nur weil China unsere Luxuslimousinen kauft, müssen wir deshalb jetzt in der Kulturpolitik leisetreten? Ein Kotau für jeden verkauften Phaeton?

Seit vielen Jahren wollen uns die sog. China-Kenner weismachen, daß durch die wirtschaftliche Öffnung des Landes auch die Tage des alten politischen Systems in China gezählt seien. Nichts davon ist eingetreten, das Unterdrückungssytem funktioniert wie eh und je, Prügel, Folter und Hinrichtungen gehören zum chinesischen Alltag, es gibt weder eine freie Presse noch unabhängige Gerichte. Die kleinen, immer gefährdeten Nischen, die sich einige chinesische Künstler und ein paar Blogger erobert haben, sind allein ein Erfolg ihres eigenen Mutes und ihrer zähen Beharrlichkeit.

Sie muß man unterstützen, sie brauchen unsere Hilfe und unsere Zuneigung, nicht irgendwelche Kulturfunktionäre.

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Talkshow

Neulich eine Talkshow ohne Sky du Mont und Hans-Olaf Henkel gesehen.
Es war wunderbar.

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Der Mais, das Benzin und die Heuschrecken

In letzter Zeit häufen sich die Meldungen, daß Getreide auf dem internationalen Markt immer teurer wird. Mais zum Beispiel kostet inzwischen wegen der schlechten US-Ernte im letzten Jahr so viel wie nie zu vor (F.A.Z. vom 9. April 2011). Nicht alle sind darüber traurig. Die Spekulanten der Hedge-Fonds reiben sich die Hände. Jean-Marc Bonnefous, der Gründer des Hedge-Fonds Tellurian Capital, freut sich: „Ich halte Mais in diesem Jahr für den interessantesten Agrarrohstoff.“

Und dann folgt die erschreckendste Zahl dieses F.A.Z.-Artikels: schon jetzt landen sage und schreibe 40 % der amerikanischen Maisernte als „Bio-Sprit“ in den Autotanks! In Brasilien ist es noch schlimmer, dort wird auf einer Fläche von neun Millionen Hektar Zuckerrohr nur für die Ethanolproduktion (also fürs Benzin) angebaut, fruchtbares Land, das für die Ernährung der Menschen verloren ist und überdies mit giftigen Chemiecocktails besprüht wird. Und diese Fläche soll, wenn es nach der brasilianischen Regierung geht, auf unvorstellbare 65 Millionen Hektar erweitert werden. Auch in anderen Ländern Mittel- und Südamerikas steigt die Zuckerrohrproduktion für den „Bio-Sprit“ an und hat wegen der eingesetzten Gifte bei den Beschäftigten schon zu vielen Fällen von Invalidität, vor allem wegen Nierenversagens, geführt. Die EU, die viel von Nachhaltigkeit schwätzt, importiert jedes Jahr 1,5 Millionen Tonnen dieses Zuckerrohr-Ethanols, für das große Flächen von Savannen und Regenwäldern vernichtet werden.

Von dem Getreide, das man für eine einzige Tankfüllung eines Geländewagens verbraucht, kann sich übrigens ein Mensch ein ganzes Jahr satt essen, so Lester Brown, der Leiter des Washingtoner Earth Policy Institute.

Ich weiß, das Wort „Sünde“ ist ziemlich altmodisch, wie alle religiösen Begriffe hört man es nicht mehr gern. Aber Sünde bedeutet doch eigentlich nur, daß man sich gegen etwas vergeht, was gut ist und Bestand haben sollte. Das Getreide, das will ich damit sagen, ist zum Essen da, und nicht, um es im Tank zu vernichten. Und es ist schon gar nicht dafür da, den Hedge-Fonds zu höheren Profiten zu verhelfen. Das ist ein Frevel, ein Vergehen wenigstens an der Natur (wenn man schon an ein höheres Wesen nicht mehr glaubt).

Das Wort „Bio-Sprit“ sollte also jedem, der es gebraucht, im Halse stecken bleiben.

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Zwischen Skylla und Charybdis?

Stewart Brand, ein „amerikanischer Umweltaktivist der ersten Stunde“, sagt in einem Interview, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Feuilleton ihrer heutigen Ausgabe veröffentlicht, über das Unglück von Fukushima:

Die erste Reaktion ist natürlich: Meine Güte, ist das alles gefährlich! Dann aber gibt es genauere Informationen, und es erweist sich, daß der Strahlungslevel normal ist und die gemessenen Werte nicht besorgniserregend sind.

Da stockt einem schon der Atem, wenn man das liest – noch dazu von einem (früheren) Umweltaktivisten. Es klingt fast ein bißchen so, wie damals die russischen Behörden über Tschernobyl berichtet haben: alle Werte im normalen Bereich, für die Bevölkerung besteht keine Gefahr.

Brand, der auch die Deutschen wegen ihrer Kernkraftskepsis heftig attackiert („Ihr Deutschen steht allein da“), läßt sich von der Atomkraftlobby zu dem Argument verleiten, wir müßten die Atomkraftwerke wegen der drohenden Klimakatastrophe unbedingt erhalten. Aber so einfach ist es nicht. Natürlich muß man immer Risiken gegeneinander abwägen, und das Leben ist immer lebensgefährlich – das sind Platitüden. Aber daß die Kernkraft nicht beherrschbar ist, daß sich nach Tschernobyl, Harrisburg und Fukushima auch in der Zukunft ähnliche dramatische Unfälle ereignen werden, kann nur leugnen, wer nicht mehr auf seinen gesunden Menschenverstand hört.

Die argumentativen Verlockungen kommen jetzt von beiden Seiten. Ihr müßt treu zu mir stehen, flötet die Kernkraftlobby – nur so könnt Ihr die Klimakatastrophe vermeiden! Nein, hunderttausend Windkraftanlagen sollt Ihr bauen, raunt die Windkraftlobby, dann grünt und blüht das Land nachhaltig!

Wir sollten diesen Einflüsterungen, ob sie nun von Lobbyisten oder Umweltaktivisten der ersten Stunde kommen, nicht trauen. Was jetzt angesagt ist: forschen, forschen, forschen! Wir können gar nicht genug Geld in diese Forschung stecken. Brand selbst meint, daß Fusionskraftwerke, die keinen radioaktiven Abfall hervorbringen, möglich sein könnten, wenn auch allerfrühestens in zehn Jahren. Auch saubere Kohlekraftwerke hält er für möglich. Über viele andere Möglichkeiten der Energiegewinnung wird überall auf der Welt nachgedacht.

Jetzt kommt es darauf an, sich nicht von den Interessenvertretern um den Finger wickeln zu lassen. Die Atomkraftlobby will einfach nur weiter ihren Atomstrom verkaufen, sie hat kein Interesse an besseren Lösungen. Die Windkraftlobby (in die sich leider unsere Grünen eingereiht haben) will einfach nur immer mehr Geld mit immer mehr Windrädern verdienen. Beiden steht der Sinn nicht danach, neue Lösungen für die Energiegewinnung zu finden.

Wer sich das Entweder-Oder aufdrängen läßt, hat schon verloren.

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