Die griechischen Angelegenheiten

Erschöpft sich das Wesen eines Landes in seiner Bonität? Ist die Kreditwürdigkeit der Dreh- und Angelpunkt allen Seins? Das könnte man zumindest meinen, wenn man Zeitung liest, fernsieht oder in den Internetforen stöbert.

Jeder Psychologe kennt die Funktion des Sündenbocks (Horst-Eberhard Richter hat sie in seinen Büchern über die Familie brilliant analysiert). Die Rolle eines Sündenbocks unter den Nationen spielt jetzt Griechenland. Es wird zu einem Paria gemacht, zu einem Land auf Ramschniveau. Griechenland – das ist zur Zeit so ziemlich das Allerletzte. Man muß nur die Forenbeiträge zu einem beliebigen Online-Artikel über das Land lesen: auch der blutigste Amateur ist plötzlich ein Fachmann in der Welt der Finanzen und blickt voller Verachtung auf das neue Ramschland herab.

Alles andere, was Griechenland zu einem der schönsten und interessantesten Länder auf der Welt macht (von seiner Geschichte und Kultur ganz zu schweigen), zählt auf einmal nicht mehr. Die Banken und Ratingagenturen besitzen die fast uneingeschränkte Hoheit über die öffentliche Meinung. Ausgerechnet sie! – möchte man ausrufen. Immer wieder bringen sie mit ihren Banken-, Börsen- und Immobilienkrisen ganze Länder und Kontinente an den Abgrund, und kaum ist das Schlimmste überstanden, tun sie, als sei nichts gewesen. Und die Regierungen spielen dieses Spiel immer wieder mit.

Vom spröden Charme unserer Kanzlerin hat Griechenland tatsächlich wenig zu erwarten. Wenn es das politische Kalkül erfordert, kann sie von einer geradezu brutalen (und unvorhersehbaren) Härte sein. Die AKW-Betreiber haben es  – ob verdient oder unverdient – gerade erfahren, und auch die Griechen sollten sich keine Hoffnungen machen. Sie spüren selbst, wie wenig Mitgefühl mit ihrer Lage da ist, und nur daher kommt die unfreundliche Stimmung gegen die deutsche Regierung. Es ist keineswegs Feindseligkeit gegenüber Deutschland – da können die Griechen sehr gut unterscheiden. Nicht einmal die Greueltaten der Wehrmacht haben an der traditionellen Zuneigung der Griechen zu unserem Land etwas ändern können. Nein, es ist die Arroganz, die Selbstgerechtigkeit der europäischen Regierungen, und vor allem der Regierung Merkel, die den Griechen so sauer aufstößt.

Da wird ohne jedes Gespür das ganze griechische Volk als Geisel genommen, obwohl nur eine Minderheit dort vom Euro profitiert hat. Auch das Märchen vom frühen Rentenalter der Griechen, das die Kanzlerin vor einiger Zeit im Hochsauerland süffisant ins Spiel gebracht hat, ist – wie man vor ein paar Tagen in der F.A.Z. nachlesen konnte – genau das: ein Märchen. Merkel wörtlich:

Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen – das ist wichtig.

In Wirklichkeit ist das tatsächliche Renteneintrittsalter in Griechenland praktisch identisch mit dem in Deutschland. Ich habe übrigens nicht gehört, daß sich die Kanzlerin für ihre Falschmeldung entschuldigt hätte. Eine deutsche Kanzlerin entschuldigt sich nicht bei einem Land mit Ramschniveau.

Übrigens hat sie, wenn die Presseberichte stimmen, auf derselben Veranstaltung zur Urlaubslänge in den verschiedenen EU-Staaten folgendes gesagt:

Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen.

Auch das war wieder, falls es sich auf Griechenland beziehen sollte (und alle Zuhörer und Journalisten haben es darauf bezogen!) eine Falschmeldung, denn die Griechen haben ca. 23 Tage im Jahr Urlaub, also viel weniger als die Deutschen.

Die Kanzlerin wollte also nur das Klischee vom faulen Südeuropäer bedienen, und ich finde, sie sollte sich dafür schämen (wenn sie sich schon nicht entschuldigt).

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Die dümmsten Sender der Deutschen

Ja, das ist ein provozierender Titel – natürlich gibt es noch viel dümmere Sender als die Dritten Programme. Aber es ist doch wohl mehr als legitim, daß man an gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Sender höhere Ansprüche stellen darf als etwa an RTL 2.

Vor einiger Zeit habe ich über eine besonders billige Art von Sendung berichtet, die unser Hessisches Fernsehen vielleicht nicht erfunden, aber auf jeden Fall zur Meisterschaft gebracht hat (hier nachzulesen). Das nennt sich dann „Hessens beliebteste Bauwerke“ oder „Die beliebtesten Berge der Hessen“ oder „Die beliebtesten Komiker der Hessen“ und besteht eigentlich nur aus Filmschnipseln – von mehr oder weniger dümmlichen Interviewschnipseln aus dem Munde von mehr oder weniger Prominenten kommentiert und durch Umfragen in eine chartähnliche Reihenfolge gebracht. Selten hat man ein in jeder Hinsicht so billiges Programm gesehen, und ich habe natürlich im Stillen gehofft, daß es sich hier um eine hessische Krankheit handelt, die nicht ansteckend ist.

Aber – leider, leider! – hat die Hoffnung getrogen. Die hessische Krankheit breitet sich aus, ohne daß ein Robert-Koch-Institut oder ein Bundesgesundheitsminister eingreift. Es ist unerwarteterweise gerade der WDR, bei dem sich die Infektionen in jüngster Zeit häufen. Nur ein paar Beispiele: „Die beliebtesten TV-Paare der Nordrhein-Westfalen“, „Die beliebtesten Fußball-Vereine in Nordrhein-Westfalen“, „Die 30 beliebtesten Urlaubsziele der Nordrhein-Westfalen“, „Die reiselustigsten Tiere aus Nordrhein-Westfalen“, „Die 25 beliebtesten Schlagerstars der Nordrhein-Westfalen“, „Die beliebstesten Städte in Nordrhein-Westfalen“ usw. usw.

Ich weiß nicht, ob es gelingen wird, die Epidemie einzugrenzen. Eben entdecke ich beim SWR Fernsehen eine Sendung mit dem Titel „Unsere aufregendsten Bauwerke – Ergebnisse der Wahl“! Offenbar hat das Bakterium auch den Südwesten schon infiziert. Es ist mir unbegreiflich, daß die Gesundheitsämter und das Robert-Koch-Institut hier tatenlos zusehen.

Freilich: es gibt eine relativ einfache Möglichkeit, sich vor der Infektion zu schützen. Sowohl am Fernsehgerät als auch auf der Fernbedienung gibt es einen Knopf mit der Aufschrift „Ein/Aus“. Wenn man ihn betätigt, wird der Bildschirm schwarz – und jede Infektion ist ausgeschlossen.

Das ist übrigens – man glaubt es kaum – schon der 100. Eintrag in meinem giftgrünen Tagebuch, und ich danke allen geneigten Lesern für ihr Interesse!

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Krieg gegen Griechenland

Der Krieg, den Teile der internationalen Finanzwelt gegen Griechenland führen, wird immer absurder. Denn das Problem an sich ist fast läppisch: das kleine Land hat über seine Verhältnisse gelebt und bei seinen Bilanzen ein bißchen geschummelt. Und das genügt schon, um in ganz Europa für Untergangsszenarien zu sorgen?

Es gehörte von vornherein zu den für Laien schwer begreiflichen Aspekten der griechischen Schuldenkrise, dass ein Land, das kaum mehr als zwei Prozent zum europäischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt, die ganze Währungsunion – und in der politischen Folge die ganze EU – in eine Existenzkrise treiben kann.

Das schreibt Günther Nonnenmacher heute in einem Kommentar in der F.A.Z. Aber es sind ja nicht nur die Laien, die ratlos sind. Die Regierungen mit ihren Expertenstäben sind es auch.

Es ist ein regelrechter Krieg gegen die Griechen im Gang gekommen – daran besteht kein Zweifel. Die Hintergründe werden aber wohl erst nach und nach herauskommen. Die Ratingagenturen sind dabei die treibende Kraft, sie gebärden sich als die Herren über ganze Völker und Kontinente, obwohl sie mit ihren Urteilen immer wieder falsch liegen und in den USA gegen sie ermittelt wird. Und die europäischen Regierungen? Sie haben sich zum Sklaven dieser „Agenturen“ gemacht, auch weil deren Einstufungen inzwischen Bestandteil von Kreditverträgen sind.

Inzwischen drischt auch Pimco, der „weltgrößte Bondinvestor“ (Financial Times) auf Griechenland ein. Der Pimco-Chef Mohamed El-Erian „rät Griechen zur Pleite“, wie es heißt. Und der Investmentchef von Allianz Global Investors Capital, Horacio Valeiras, droht schon Portugal und Irland dasselbe Schicksal an.

Es ist höchste Zeit, daß die europäischen Regierungen diesen Augias-Stall einmal ausmisten. Nicht Griechenland ist das Problem – das Problem ist eine Finanzwelt, die durch nichts legitimiert ist, aber in ihrer Anmaßung einen ganzen Kontinent ins Unglück stürzen kann (so wie es auch in der jüngsten Finanzkrise der Fall war).

Unsere Regierungen sind demokratisch gewählt – wo bleibt eigentlich ihre Würde, wo ist ihr Stolz? Warum kuschen sie vor diesen dubiosen „Gesellschaften“ und „Agenturen“? Das haben sie weiß Gott nicht nötig.

Diese Finanzgesellschaften schlagen jetzt auf Griechenland ein – morgen sind es Portugal und Irland, dann kommen die nächsten Kandidaten. Irgendwann sind auch wir an der Reihe. Wer jetzt – wie es in vielen Internetforen geschieht – an der Hetze gegen die Griechen teilnimmt, sollte sich genau überlegen, auf wen er da hereinfällt.

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Der Schrott um acht, die Perlen spät in der Nacht

Nein, das ist nicht von Goethe, das ist (man merkt’s) von mir. Es soll gereimt meinen zunehmenden Ärger über das öffentlich-rechtliche Fernsehen holprig, aber prägnant zusammenfassen. Fast alles, was über die platteste, dümmste, seichteste Unterhaltung hinausgeht, kommt nämlich in ARD, ZDF und auch in den Dritten Programmen zu nachtschlafender Zeit. Das ist nicht erst seit gestern so, ich weiß. Aber ich habe immer auf Einsicht gehofft. Statt dessen wird es mit dieser Verschiebung in die Nacht immer schlimmer.

Nehmen wir einmal den iranischen Spielfilm „Offside“ (mit dem völlig überflüssigen deutschen Untertitel „Frauen im Abseits“). Eine ganz wunderbare Komödie über ein paar Mädchen und junge Frauen, die mit allen Tricks versuchen, in Teheran in ein Fußballstadion zu kommen, wo das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Bahrain stattfindet. Das ist im Iran verboten, weil nur Männer ins Stadion dürfen. Sie werden erwischt und im Stadion festgehalten, weil man sie später der „Sitte“ übergeben will. Was jetzt folgt, sind ganz unglaubliche, fast absurde Dialoge zwischen den Mädchen und den jungen, etwas unbedarften Soldaten, die sie bewachen müssen. Sie sind so komisch, daß man aus dem Lachen nicht herauskommt, denn die Soldaten werden immer wieder gezwungen, die iranischen Gesetze zu begründen und zu verteidigen, und die Mädchen, das merkt man schnell, sind den Soldaten in jeder Hinsicht überlegen. Es ist ein Humor der feinen Art, aber doch einer, den jeder Zuschauer versteht – und man erfährt über die Konflikte des iranischen Alltags mehr als in jedem politischen Magazin.

Also: nichts Abgehobenes, das nur eine intellektuelle Minderheit goutiert, sondern Unterhaltung der besten Art. Ein ganz herausragender Film, der natürlich, denkt man, zur besten Sendezeit laufen wird.

Und wann läuft er wirklich? Auf ARTE am 2. Juni um 22 Uhr. Auf 3sat am 17. Juni um 22.25 Uhr. Im NDR am 19. Juni um 0:35 Uhr.

Das ist bei ARD und ZDF schon lange Methode. Nehmen wir das auslandsjournal des ZDF, sicher eine der besten Sendungen über Themen aus dem Ausland im deutschsprachigen Fernsehen. Viele Jahre lief es donnerstags um 21.15. Es war für viele Zuschauer ein Pflichttermin – auch bei uns. Jetzt sendet man es mittwochs um 22.15 Uhr, und selbst dazu braucht man Glück, denn es wird immer wieder aus irgendeinem Anlaß auf einen noch späteren Termin verschoben. Versuchen Sie gar nicht erst, darüber mit dem Sender ins Gespräch zu kommen. Wir haben es mehrfach probiert, und die Antwort bestand jedes Mal nur aus lieblos aneinandergereihten Textbausteinen.

Früher hatte man noch die Wahl, auf die Dritten Programme auszuweichen. Aber das ist inzwischen ein ganz besonders düsteres Kapitel. Der Niedergang der Dritten ist dramatisch: unser Hessisches Fernsehen zum Beispiel ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, so dürftig geworden, daß es fast schon peinlich ist. Es ist, als würde man nur noch Sendungen für Kleinkinder produzieren. Die anderen sind nicht viel besser: den MDR kann man vergessen, auch den SWR. Der NDR hat hin und wieder eine Sendung, die man anschauen kann, und beim WDR ist immerhin auf die Aktuelle Stunde Verlaß, eine journalistisch wirklich sehr gute Informationssendung. Von allen Dritten hat sich am meisten noch das Bayerische Fernsehen seinen Ursprung bewahrt, es ist noch regional geerdet und hat ordentliche, völlig unprätentiöse Moderatoren (zum Beispiel in der Nachmittagssendung Wir in Bayern).

Aber das sind dann schon auffällige Ausnahmen.

Ja, und dann gibt es zum Glück noch ARTE und 3sat. Vor allem 3sat hat nicht dieses fürchterlich starre Sendeschema, da gibt es auch einmal Thementage, die sich über 24 Stunden erstrecken, oder man sendet vier oder fünf Folgen einer Serie oder Reihe einfach am Stück hintereinander.

Und: 3sat hat am frühen Morgen eine Live-Sendung, die für mich besser, spannender und aufregender ist als fast jeder Tatort im Ersten: sie heißt Alpenpanorama.

Aber darüber werde ich ein andermal berichten.

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Milliarden-Entschädigung für AKW-Betreiber?

Nach einem Bericht von Spiegel Online (hier nachzulesen) bereiten die großen Stromkonzerne derzeit mehrere Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor, um

das Atomgesetz zu kippen und anschließend milliardenschwere Schadensersatzforderungen stellen zu können. Nach SPIEGEL-Informationen haben die Unternehmen namhafte Anwaltskanzleien und Top-Gutachter engagiert.

Die Rede ist von Forderungen „im zweistelligen Milliardenbereich“. Die Gutachten kommen zu dem Schluß, daß der Atomausstieg eindeutig gegen die Verfassung verstößt, weil er – vereinfacht gesagt – eine Enteignung darstellt, ohne daß dafür „stringente Gründe“ geliefert würden. Die Chancen, daß die Konzerne Recht bekommen, stehen offenbar nicht schlecht.

Die Kanzlerin kann, wie man vor kurzem beim Treffen der CDU-Kreisvorsitzenden gesehen hat, mit ihrem Schlingerkurs und den abrupten Wendungen nicht einmal die eigene Partei überzeugen. Wie sollte sie dann das Bundesverfassungsgericht überzeugen können?

Ich sage es immer wieder: so schlecht, so dilettantisch ist Deutschland lange nicht mehr regiert worden.

Und wenn ich jetzt vielleicht auch den einen oder anderen Leser langweile, weil ich schon wieder das Thema Rating aufgreife: ich stufe hiermit die Regierung Merkel/Westerwelle feierlich auf „CCC“ herab – Ramschniveau.

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Noch einmal zu den Ratingagenturen

Mit dem Unwesen dieser „Agenturen“ habe ich mich, gerade im Hinblick auf Griechenland, schon ein paarmal beschäftigt. Wer meint, ich hätte übertrieben, sollte in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unbedingt den Artikel „Die Diktatur der Notengeber“ von Christian Siedenbiedel und und Winand von Petersdorff lesen.

„Halb Europa zittert“ vor den Ratingagenturen, heißt es da. Die Agentur Fitch zum Beispiel ist so mächtig, daß sie kürzlich mit Merkel und Sarkozy darüber verhandeln konnte, unter welchen Bedingungen sie auf eine Herabstufung Griechenlands verzichten würde. Diese Agenturen fühlen sich ganz offensichtlich auf Augenhöhe mit den demokratisch gewählten Regierungen – und die Politik läßt es zu.

Oft ist dann vom Sachverstand, von der Kompetenz der Ratingagenturen zu lesen, auf die heute niemand verzichten könne. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Agenturen hatten in der Finanzkrise

nicht nur die Sprengkraft der heiklen Wertpapiere von ABS bis CDO nicht erkannt. Sie hatten an der Entstehung der Finanzkrise sogar maßgeblich Anteil, weil sie dieselben Wertpapiere konstruieren halfen, die sie dann später positiv bewerteten. Der Verdacht lautet: Die Schiedsrichter haben mit den Spielern unter einer Decke gesteckt. Jetzt prüft die amerikanische Börsenaufsicht SEC Klagen wegen offensichtlich fehlerhafter Einstufungen von Wertpapieren vor dem Platzen der Immobilienblase 2007.

Und diese Unternehmen, die in keiner Weise demokratisch legitimiert sind, sollen jetzt über das Schicksal von halb Europa entscheiden? Die Agenturen selbst stapeln tief: was sie tun, sei doch nur „eine Einschätzung zur Zahlungsfähigkeit“.

Wie heißt es so schön in der Feuerzangenbowle? „Dann stelle mer ons emal janz domm …“

Denn jede Herabstufung, ob sie ein Unternehmen oder ein ganzes Land betrifft, führt den Betroffenen näher an den Abgrund – das Rating wird so unabhängig von seiner sachlichen Richtigkeit zu einer self-fulfilling prophecy. Mit der Entschuldigung, es sei doch nur eine Einschätzung gewesen, darf man die Agenturen nicht davonkommen lassen.

Wer so eine Macht aufgehäuft hat, muß für das, was er sagt und tut, auch haften. Insofern sind die Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht ein richtiger erster Schritt.

Vor allem aber müssen die europäischen Regierungen endlich aufhören, wie gebannt auf die nächste „Herabstufung“ zu warten – das haben sie, auch angesichts der zweifelhaften Kompetenz der Agenturen, wirklich nicht nötig.

Ich empfehle ihnen, den Spieß einfach umzudrehen und den Ratingagenturen selbst ein CCC zu geben – für „Ramschniveau“.

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Haben die Grünen noch Interesse am Naturschutz?

Es sieht wirklich nicht so aus. Für die „Energiewende“ scheinen sie alles, aber auch wirklich alles zu opfern.

Von den Windkraftanlagen, diesen Schandflecken in der Landschaft, will ich gar nicht mehr reden. Solche Dinger in unsere Mittelgebirge zu stellen – das ist ungefähr so, als ob man Hochhäuser mitten zwischen die Fachwerkbauten eines intakten Dorfkerns setzt. Das ist eben keine bloß optische Petitesse, es ist eine Beleidigung für die menschlichen Sinne, und es macht auf lange Sicht die Seele krank. Höre ich dazu irgendetwas von Künast und Trittin? Nein. Kein Sterbenswörtchen.

Was aber jetzt dazukommt, ist mindestens ebenso schlimm. Weil die Macher der „Energiewende“ wissen, daß sie soviele Windräder, wie sie bräuchten, im Landesinneren rechtlich gar nicht durchsetzen können, wollen sie die Windräder in das (wehrlose) Meer stellen. Dann aber braucht man gigantische Stromtrassen quer durch ganz Deutschland. Man rechnet mit neuen Trassen von insgesamt 3600 km Länge, jeweils mit einer Breite von bis zu einem Kilometer! Der Landschaftsverbrauch, die Zerstörung, die mit solchen Trassen verbunden sein wird, ist den meisten Menschen offenbar nicht klar. Sie hören nur von „erneuerbaren Energien“ und sind begeistert. Hat uns allen denn Fukushima so gründlich den Blick getrübt? Haben wir auf einmal den Verstand verloren? Ist die Natur jetzt vogelfrei, nur weil wir plötzlich im Zeitalter „nach Fukushima“ leben?

Ich will es noch deutlicher sagen: an dieser „Energiewende“ ist überhaupt nichts „naturfreundlich“, „nachhaltig“ „ökologisch“ oder „bio“, oder wie die Euphemismen sonst noch heißen. Es ist eine Mogelpackung, wie wir sie im politischen Diskurs dieses Landes lange nicht mehr hatten. Um eine „natürliche Energie“ zu erzeugen, werden wir die Natur großflächig zerstören. Es ist heller Wahnsinn – und genauso pervers wie der Mißbrauch guter Ackerböden zum Anbau von „Biomasse“ für unsere Kraftwerke und Motoren.

Leider gibt es, was mich besonders enttäuscht, auch von den Naturschutzverbänden bisher nur verhaltene Reaktionen, sogar Zustimmung. Man möge doch, lese ich, bitte, bitte die Windräder nicht dort aufstellen, wo Vogelflugrouten liegen. Und man solle sie doch, falls möglich, so gestalten, daß möglichst wenige Vögel von ihnen zerfetzt werden.

Mit so artigen Bitten kann man nichts erreichen, gar nichts. Die Naturschutzverbände scheinen nicht zu merken, daß die Wirtschaft jetzt endlich das ihr schon lange verhaßte Naturschutzrecht aushebeln will. Der hessische Wirtschaftsminister, Dieter Posch, sagt es ganz offen: die „schnelle Realisierung“ der Trassen stehe jetzt im Vordergrund. Im Landesportal Hessen kann man es nachlesen:

Nach der Atomkatastrophe von Japan macht sich Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch für einen leichteren und schnelleren Bau neuer Hochspannungsleitungen stark. Notfalls müssten dazu Naturschutzrichtlinien ausgesetzt werden, sagte Posch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Freitag … „Wir müssen jetzt darüber nachdenken: Wie kann man den Bau solcher Netze schneller realisieren?“ Der Wirtschaftsminister schlug vor, das Planungsrecht ins Visier zu nehmen. Bestimmte Klauseln im Naturschutzrecht könnten beim Bau solcher Leitungen auf Eis gelegt werden.

Dieses Naturschutzrecht, dem man jetzt endgültig den Garaus machen will, ist übrigens auch unter dem politischen Druck der Grünen so gut geworden, wie es jetzt (noch!) ist. Aber das war zu einer Zeit, als die Grünen noch Interesse an der Natur hatten.

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Finanziert der Allianz-Konzern die Regenwaldvernichtung?

Das meldet jedenfalls die Organisiation Rettet den Regenwald e.V. (hier im Original nachzulesen). Danach investiert der Fonds Allianz RCM Global Agricultural Trends

in die drei größten und schlimmsten Palmölkonzerne: Wilmar mit Sitz in Singapur, die IOI-Gruppe aus Malaysia und die indonesische Golden Agri-Resources. Zusammen haben diese bereits über eine Million Hektar Regenwald abgeholzt und in Palmölplantagen umgewandelt. Mit jedem in den Palmölkonzernen angelegten Euro werden weitere Regenwaldbäume vernichtet.

Und noch eine Meldung aus derselben Quelle, die uns direkt betrifft:

Die Bundesregierung will das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ändern. Das Gesetz steuert den Umbau unserer Energieversorgung und subventioniert massiv die Verbrennung sogenannter nachwachsender Rohstoffe. Doch der Biomasseanbau – vor allem Mais für Biogas, Palm- und Sojaöl sowie Holz für Blockheizkraftwerke – ist alles andere als umwelt- und klimafreundlich. Biomasse muss deshalb aus dem EEG gestrichen werden.

Gegen die immer größeren Zerstörungen des Regenwalds und den „Biomasse“-Wahnsinn kann man auf der oben verlinkten Seite online protestieren.

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Immer feste druff – auf Griechenland

Nennt man das nicht bashing? Man haut einfach drauf, ohne Einschaltung des Gehirns. So haben Horden von – na: sagen wir: geistig weniger gut ausgestatteten Jugendlichen damals nach der Wende im Osten Jagd auf Fremde gemacht: „Neger“, Vietnamesen usw.

Kein Tier macht so etwas. Nur der Mensch.

Zur Zeit erleben wir eine infame Haudrauf-Kampagne gegen eines der schönsten Länder der Welt – schön nicht nur wegen seiner Landschaft, seines Klimas, seines Lichts, seiner Geschichte, seiner Kultur, seiner Musik, sondern schön gerade auch wegen seiner Menschen: Griechenland.

Über Jahrhunderte hinweg war Griechenland für die Europäer (und vor allem für die Deutschen!) eine Art Sehnsuchtsland – am Anfang mit groben Idealisierungen, die der Wirklichkeit nicht standhielten, dann aber mehr und mehr auf einer solideren Grundlage, nämlich der persönlichen Kenntnis. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts reisten immer mehr Deutsche aus allen Schichten nach Griechenland – und das war, anders als heute, tatsächlich noch ein „Reisen“, und kein Aufenthalt im Ghetto eines all inclusive-Hotels.

Ich war 1973 als Student das erste Mal in Griechenland – eigentlich nur auf der Durchfahrt. Ich hatte mit meinem klapprigen Ford Taunus eine Kurzreise nach Istanbul gewagt, und nachdem ich auf der Hinfahrt die Route durch Bulgarien genommen hatte, wollte ich auf der Rückreise Griechenland kennenlernen. Da saß ich dann – alle Hotels waren ausgebucht, nur ein paar Privatzimmer waren noch frei – in Kavalla unversehens mitten in einer griechischen Familie auf dem Balkon ihres Hauses, aß mit ihnen und blickte, während die Nacht hereinbrach, auf das Meer und das geschäftige Treiben am Hafen.

Es war der Beginn einer lebenslangen Zuneigung zu diesem Land und seinen Menschen. Und keine Ratingagentur der Welt wird daran etwas ändern.

Ich bin deshalb nicht unkritisch, ich sehe durchaus auch die schwachen Seiten der Griechen. Die meisten teilen sie mit den anderen Kulturen am Mittelmeer, etwa die oft grausame oder gleichgültige Behandlung der Tiere oder den machismo der jungen Männer. Und sie haben auch hin und wieder die Neigung, andere in geschäftlichen Dingen übers Ohr zu hauen. Wären sie sonst die Nachfahren des listenreichen Odysseus? Aber der Liebe tut das keinen Abbruch.

Es ist wahr: seit Griechenland in der EU ist, hat es manches von seinem alten Charme verloren. Und vielleicht war ja auch der Beitritt zur EU einer der größten Fehler, den das Land in seiner neueren Geschichte gemacht hat. Aber jetzt auf Griechenland einzudreschen, als sei es an allen Übeln der Welt (oder doch wenigstens den europäischen) schuld, das ist mehr als unfair. Denn die Griechen leiden unter dem Euro ja selbst am meisten, und zwar nicht erst heute, sondern schon seit seiner Einführung.  Die Preise sind förmlich explodiert und liegen heute auf einem höherem Niveau als in Deutschland – bei gleichzeitig viel niedrigeren Einkommen. Sicher gibt es auch Nutznießer der Euro-Einführung, Profiteure, die einen Reibach gemacht haben. Aber die große Masse der Bevölkerung, die kaum weiß, wie sie bei diesen Preisen überleben soll, hatte davon nur Nachteile und muß jetzt durch die „Strafmaßnahmen“ ein zweites Mal büßen. Da ist es doch verständlich, daß der Zorn wächst.

Und es wächst in der Bevölkerung auch der Zorn über die Art und Weise, wie die europäischen Regierungen mit Griechenland umspringen. Zurecht! So arrogant, so überheblich kann man vielleicht mit Weißrußland und Tadschikistan umgehen, aber ein Land, das schon eine philosophische und politische Hochkultur hatte, als die Germanen noch – na, sagen wir es zurückhaltend: nicht ganz dasselbe Niveau erreicht hatten, muß sich nicht auf diese Weise behandeln lassen. Die Griechen sollten viel offensiver mit den Problemen umgehen. Sie haben in ihrer großen Mehrheit durch die EU viel mehr verloren als die reichen Länder, die auch jetzt noch gut an den Krediten für Griechenland verdienen.

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CCC für Griechenland!

Nein, bei „CCC“ handelt es sich nicht um eine Körbchengröße. Es ist vielmehr eine erneute Frechheit dieser sogenannten Ratingagenturen (diesmal ist es Standard & Poor’s), die ein europäisches Land nach dem anderen heimsuchen und schon jetzt einen immensen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben. Ich habe über die Machenschaften dieser Agenturen schon mehrfach berichtet.

Griechenland, das sie jetzt also auf CCC herabgestuft haben, ist schon seit langem in ihrem Visier. Ja, es ist wahr, das Land hat sich einiges geleistet, es hat gefälschte Bilanzen vorgelegt und über seine Verhältnisse gelebt. Aber wer in Europa hat das nicht?

Ich jedenfalls möchte hundertmal lieber in Griechenland leben als in einem Land, in dem seltsame Ratingagenturen über das Wohl und Wehe von ganzen Ländern bestimmen dürfen.

Und deshalb gebe ich hiermit allen Ratingagenturen der Welt, egal ob sie Fitch, Moody’s oder Standard & Poor’s oder sonstwie heißen, mein persönliches und von Herzen kommendes CCC!

Mögen sie also hingehen, wo der Pfeffer wächst, damit sie kein weiteres Unheil anrichten können.

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