Noch’n Gedicht!

Wer wie ich vor langer, langer Zeit Germanistik studiert hat, weiß vielleicht noch, was eine Frauenstrophe ist. Hier ist nun, freilich etwas abgewandelt, eine Gedichtstrophe, die ich als Fortschrittliche Frauenstrophe bezeichnen würde:

däubler und gmelin
leutheusser schnarrenberger

koch, ach koch mehrin

kramp, du alter karrenbauer
wieczorek und zeul
engelen der kefer

göring macht den eckardt
schröder macht den kopf

däubler gmelin wieczorek
kramp
leutheusser karrenbauer
schnarrenberger
zeul und koch
kefer mehrin engelen
schröder göring koch
kopf, eckardt, kopf

leutbauer schnarrenkramp
zeuldäubler keferkopf
wieczoreckardt schröderkoch
mehrin kocht die heusser hoch

bauersleut und schnarrenkoch
engelen und schröderloch
wieczorek und heusserkampf
engelen spielt auf der klampf

wieczorek und schnarrenstoiber
engelen auf wolke sieben

zeult der kramp und kocht der göring
dann muß man die kefer lieben

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Der ägyptische Mob

Es ist ja nichts Neues, daß viele Muslime immerfort aufgebracht, zornig, empört sind. Sie warten offenbar nur darauf, einen Anlaß für ihre Wut zu finden. Ihr Haß, ihre Feindseligkeit – das muß man ihnen zugutehalten – wird von klein auf angestachelt, in der Familie, in den arabischen Fernsehsendern, in den Freitagspredigten.  Ich habe vor Jahren in einer Reportage gehört, wie palästinensische Mütter schon ihre vier- oder fünfjährigen Söhne auf ihre Zukunft als Selbstmordattentäter vorbereiten und voller Vorfreude sind, daß sie dann zu Märtyrern werden.

Eine Vorstellung von Mütterlichkeit, die perverser kaum mehr zu denken ist.

Jetzt hat in Kairo der Pöbel gewütet und die israelische Botschaft angegriffen. Botschaften sind exterritorial, sie stehen nach Artikel 22 des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen unter besonderem völkerrechtlichen Schutz. Niemand darf sie unerlaubt betreten.

Trotzdem haben die ägyptischen Behörden erst einmal (vielleicht mit klammheimlicher Freude?) zugeschaut, wie der Mob eine Mauer niederriß und dann in das Haus stürmte. Erst viel zu spät haben die Sicherheitskräfte eingegriffen – und sind dann selbst zum Opfer der haßerfüllten Randalierer geworden.

Ein solcher Angriff ist ein schweres Vergehen gegen das Völkerrecht. Man sollte Ägypten klarmachen, daß sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und eine Wiederholung verhindern müssen.

Man sollte im übrigen auch einmal untersuchen, welcher Imam in welcher Moschee die „Gläubigen“ zu diesen Taten angestachelt hat – sie sind offenbar voller Wut aus den Moscheen gekommen.

Wenn man diesem Pöbel freien Lauf läßt, darf man sich nicht wundern, wenn die Touristen auch in Zukunft Ägypten meiden.

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Neues zum Regenwald-Killer Nr. 1

Im neuesten Report des gemeinnützigen Vereins Rettet den Regenwald e.V. häufen sich die Nachrichten über die verheerenden Auswirkungen des Anbaus von Ölpalm-Plantagen.

Im Jahr 2010 sind 53 Millionen Tonnen (!) Palmöl produziert worden – damit ist Palmöl das „am meisten produzierte und billigste Pflanzenöl der Welt“. Die größten Palmölproduzenten sind Indonesien und Malaysia, die zusammen 85 % des Weltbedarfs liefern (alle Angaben aus dem Regenwald-Report 3/11):

Das billige tropische Öl steckt in fast jedem zweiten Supermarktartikel: Zum Beispiel in Lebensmitteln wie Keksen, Eiscreme und Soßen, in Haushaltsreinigern, Waschmitteln, Kosmetika, Kerzen. Seitdem Bundesregierung und EU die Pflanzenenergie massiv fördern, steigt die Nachfrage nach Palmöl ständig an. So haben sich im vergangenen Jahrzehnt die Palmöl-Einfuhren nach Deutschland fast verdreifacht. Mehr als ein Viertel davon fließt in Blockheizkraftwerke zur Erzeugung von Strom und Heizwärme. Ein Teil wird dem Dieselkraftstoff beigemischt.

In Indonesien sind schon 9 Millionen Hektar Regen- und Torfmoorwälder der Ölpalme zum Opfer gefallen.  Die Rodung der nächsten 20 Millionen Hektar in Sumatra, Borneo und Papua ist fest eingeplant.

Hier handelt es sich um ein ungeheures Verbrechen an der Natur, und ich warte immer noch auf eine Stellungnahme der Grünen, die mit ihrer Liebhaberei für die „Bio- und Energiepflanzen“ zu den Hauptverursachern der Regenwaldvernichtung gehören. Sie sorgen für die Nachfrage, ohne die es die Ölpalm-Plantagen in dieser Größe nicht gäbe.

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Stoppt Erdogan!

Recep Tayyip Erdogan,  seit 2003 türkischer Ministerpräsident, ist einer der gefährlichsten und unberechenbarsten Politiker der westlichen Welt.

Der westlichen Welt? Nein – sein Land ist zwar in der Nato, aber mit der westlichen Welt hat Erdogan nichts, aber auch gar nichts im Sinn.

Man hat ihn lange unterschätzt, und viele unterschätzen ihn auch heute noch. Dabei denkt und handelt er immer strategisch. Nach und nach, erst in kleinen Schritten, dann immer dreister, hat er den Kemalismus zerschlagen, um die Türkei wieder zu einem islamischen Land zu machen. Richter, Offiziere, Journalisten – wer ihm lästig ist, wird aus dem Weg geräumt. Dazu dient ihm eine angebliche Verschwörung mit dem Namen Ergenekon. Im Zuge dieser „Ermittlungen“ sind, wie die Wikipedia berichtet, allein im ersten Jahr 4139 Ermittlungsverfahren, vor allem gegen Journalisten, eingeleitet worden. Die Verfahren sind, wie viele Beobachter nicht ohne Grund sagen, Mosaiksteine in einem Prozeß, den man als schleichenden Umsturz bezeichnen könnte. Wohin die Islamisierung der Türkei unter Erdogan noch führen wird, läßt sich noch nicht absehen. Viel Grund zum Optimismus besteht aber nicht.

Erdogan leugnet immer noch den türkischen Völkermord an den Armeniern – und nicht nur das. Anfang dieses Jahres ließ er, von der Weltöffentlichkeit leider kaum beachtet, ein Denkmal des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy zerstören, das zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern aufrief. In seiner Zeit als Oberbürgermeister von Istanbul bekannte er sich ausdrücklich zur Scharia, und er wollte darüber hinaus besondere Badezonen für Frauen und getrennte Schulbusse für Jungen und Mädchen einführen.

Erdogan ist kein Friedensstifter, er zündelt gern, und er tut es auch jetzt wieder. Das nächste Schiff mit angeblichen „Hilfsgütern“ für Gaza soll von türkischen Kriegsschiffen eskortiert werden – hier wird ohne Not ein bewaffneter Konflikt heraufbeschworen, der böse enden kann.

Erdogan ist ein Brandstifter, und es ist höchste Zeit, daß ihm die Verbündeten in der Nato seine Grenzen aufzeigen.

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Mutmaßungen über Merkels kleinen Redenschreiber

Er kann nicht älter als 10 oder 12 Jahre sein, sonst hätte er der Kanzlerin unmöglich diesen Satz ins Manuskript schreiben können:

Deutschland geht es so gut wie nie zuvor.

Na ja, der Bub weiß es halt nicht besser.

Lieber Bub!
Es hat eine Zeit gegeben, da haben die Menschen nicht nur von ihrem Arbeitslohn leben können, sie haben damit sogar ihre Familie ernährt! Und – aber das glaubst mir wahrscheinlich nicht – fast alle Menschen hatten unbefristete Arbeitsverträge! Zeitarbeit war noch unbekannt, und gut ausgebildete Akademiker hat man noch nicht zu Hungerlöhnen in „Praktika“ gesteckt, sie durften von Anfang an richtig arbeiten. Aber das kannst du ja nicht wissen, da warst du noch nicht auf der Welt.

Eines muß ich dir aber schon sagen, Bub – du übertreibst immer maßlos.

Scheitert der Euro, scheitert Europa.

Laß dir am besten von deinem Papa einmal erzählen, was in Europa in den letzten 2000 Jahren alles passiert ist – dann wirst du der Kanzlerin bestimmt nie wieder so einen Schmarrn in den Mund legen.

Und dann die Sache mit dem Krieg!

Länder, die eine gemeinsame Währung haben, führen keine Kriege und auch deshalb ist der Euro mehr als eine Währung.

Ja, spinnst du jetzt? Glaubst du, Italien wird gleich morgen früh Deutschland den Krieg erklären, nur weil es den Euro nicht mehr gibt? So einen hirnrissigen Stuß hat man lang nicht mehr gehört.

Also, lieber Bub: geh wieder an deine Spielkonsole – und, bitte, bitte, schreib nie wieder eine Rede für die Kanzlerin. Du weißt doch, daß sie brav alles Wort für Wort vorliest, was du geschrieben hast – und wenn es der größte Unsinn ist.

PS: Außerdem ist Kinderarbeit in Deutschland verboten!

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Was ist Laizismus?

Laizismus ist der Versuch, die Religion nur noch in einer kastrierten, eunuchenhaften Spielart zuzulassen. Man duldet sie, aber man duldet sie nur, um ihr gleichzeitig jede Wirksamkeit zu nehmen. Sie soll – gefälligst! – ein Gespinst in den Köpfen bleiben, denn anders können sich die Laizisten, die selbst nur ein leeres Gespinst im Kopf haben, Religion nicht vorstellen. Die Religion ist für sie der ewige Widersacher, der Leibhaftige, der Gottseibeiuns. Sie soll unter allen Umständen Theorie bleiben.

Eine Religion, die nur noch im stillen Kämmerlein ihr Dasein fristet und ihnen nicht in die Quere kommt – so hätten sie es gern.

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An den Schulen wird bald alles anders!

Die Stimmung im Land wird bald zu vielen rot-grünen (oder grün-roten) Koalitionen in den Ländern führen, aber ich habe so meine Zweifel, ob die Menschen wissen, was da auf sie zukommt.

Nehmen wir nur einmal die Schulpolitik. Die heutige SPD scheint fast nahtlos an ihre fatale Experimentierfreudigkeit der 60er und 70er Jahre anzuknüpfen. Sie will immerfort die Strukturen ändern – als ob das einen besseren Unterricht brächte! In diesem Punkt sind Sozialdemokraten tatsächlich unbelehrbar. Mehr Gerechtigkeit in der Bildung, also „gleiche Bildungschancen für alle“, das – so glauben sie – geht nur in einer Einheitsschule, am besten in einer integrierten Gesamtschule. Das dreigliedrige Schulsystem, auch wenn es in mehreren Bundesländern ausgesprochen erfolgreich ist, muß abgeschafft werden.

In Hessen hat gerade die Herbsttagung der Landesdirektorenkonferenz stattgefunden, in der sich die Direktoren von Gymnasien und Gesamtschulen zusammengeschlossen haben. Die bildungspolitischen Sprecher Heike Habermann (SPD) und Matthias Wagner (Die Grünen) haben dort ihr Programm vorgestellt, das nur noch auf zwei Säulen ruht: der Gemeinschaftsschule und dem Gymnasium. Während die Grünen aber die Entscheidung für die eine oder die andere Schulform den Eltern überlassen wollen, ist für Frau Habermann das Zwei-Säulen-Modell nur ein „Zwischenschritt“ – sie träumt mit ihrer Partei immer noch von einer Einheitsschule, in der alle gemeinsam lernen. Die Vision der SPD, sagt sie, sei kein zweisäuliges Modell, sondern „eine Schule für alle“. Dahinter steht immer noch das in seiner ideologischen Borniertheit ärgerliche Dogma, daß man mit der richtigen Schulform bei einem Kind fast alles erreichen könne. Auch diese Faszination der Machbarkeit (und gleichzeitig die Ausblendung der genetischen Verschiedenheit) ist typisch links – und leider auch sozialdemokratisch.

Als älterer Mensch, der die Folgen der sozialdemokratischen Experimentierwut an den Schulen noch erlebt hat, fragt man sich schon hin und wieder: sind diese Politiker eigentlich noch ganz bei Trost? Machen sie ihre Fehler immer und immer wieder? Es ist doch nicht die Struktur, die über ein gelungenes Schulleben entscheidet! Gut ausgebildete, motivierte Lehrer, kleinere Klassen, ein freundliches, menschliches Lernklima – das zählt, und dabei ist es völlig wurscht, ob das System zwei, drei oder neunundneunzig Säulen hat.

Alles andere – auch das bei Sozialdemokraten tiefsitzende Mißtrauen gegen das Gymnasium – ist einfach nur Ideologie.

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Es ist eine traurige Zeit

Machen wir uns doch einmal den Spaß und drehen die Zeit zurück – in die 50er Jahre. In Deutschland regiert Adenauer, in Frankreich de Gaulle, in den USA Eisenhower. Kann sich irgendjemand vorstellen, daß diese Politiker sich von einem Bürschchen an der Börse, von Aktienspekulanten und selbsternannten Ratingagenturen ihre Politik hätten vorschreiben lassen? Einen Fußtritt hätten sie bekommen!

Und heute? Unsere Politiker sind nur noch Getriebene, Gefangene, sie haben keinen Mumm, kein Selbstbewußtsein, sie starren auf den Dax und den Dow Jones, und der Schweiß steht ihnen dabei auf der Stirn.

Liebe Politiker:
Von wem habt Ihr Euer Mandat bekommen: von Standard and Poor’s, Fitch, Moody’s  – oder von uns? Haben Euch Dax und Dow Jones ins Amt gewählt – oder wir? Wem seid Ihr verantwortlich: der Börse – oder uns?

Das feige Verhalten der europäischen Politk gegenüber einer immer dreisteren Finanzwelt, die drauf und dran ist, ihre Allmachtsphantasien zu verwirklichen, ist tatsächlich kaum noch zu ertragen. Statt endlich den Finanzjongleuren und Spekulanten das Handwerk zu legen, stürzen sie sich auf die schwächsten Länder, auf Griechenland, Portugal, Irland – und schieben ihnen die Schuld an allem zu. Die Banker, Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften – überhaupt alle, die schon für die letzte Finanzkrise verantwortlich waren, sie sind bis heute unangetastet geblieben. Statt dessen prügelt man auf die Griechen ein und nimmt ihnen buchstäblich die Luft zum Atmen. Das wird nicht gutgehen.

Wenn man sieht, welches Kaliber viele deutsche Politiker der Nachkriegszeit hatten – ich erinnere nur an Carlo Schmid, Theodor Heuß, Gustav Heinemann und Ludwig Erhard – und wenn man dann sieht, wie klein und unbedeutend dagegen unsere heutigen Politiker sind, dann schämt man sich schon ein bißchen. Damals hatten Parteien noch keinen Markenkern, sie waren auch nicht irgendwo aufgestellt, und sie wollten nicht liefern. Sie wollten wirklich nur eine gute Politik für ihr Land machen, und die meisten von ihnen waren mit Herzblut dabei. Wenn man sich die alten Debatten im Bundestag noch einmal anschaut (oder nachliest), spürt man erst den Verlust.

Aber es ist ja nicht nur ein deutsches Problem – ich sage nur: Sarkozy, Berlusconi, Klaus, Orbán usw. usf.

Man mag gar keine Nachrichten mehr hören – jedenfalls mir geht es so. Zum Glück gibt es den Aufstand der arabischen Jugend gegen die alten Despoten, das ist im Moment wirklich der einzige Lichtblick.

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Tödliche Windräder

Es ist der plötzliche Fledermaustod: wenn Fledermäuse in die Nähe der Rotoren einer Windkraftanlage kommen, platzen die feinen Äderchen in ihren Lungen, sie sind sofort tot.

Das haben Biologen herausgefunden und in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht (hier nachzulesen). Von 188 toten Fledermäusen, die man in der Umgebung von Windrädern aufgelesen hat, wiesen 90 % innere Verletzungen auf, obwohl etwa die Hälfte von ihnen keinen Kontakt mit den Rotorblättern hatte.

Die Rotoren erzeugen einen plötzlichen Luftdruckabfall, der zum Platzen der Äderchen führt.

Opfer dieses Phänomens werden hauptsächlich wandernde Fledermäuse. Eine Abnahme dieser Fledermausarten, die sich in der Regel nur langsam vermehren und viele Schädlinge vertilgen, könnte schwere Folgen für die Ökosysteme auf der gesamten Wanderroute der Tiere haben, sagen die Forscher.

Jetzt warte ich auf eine Stellungnahme der Grünen dazu – aber da kann ich wohl lange warten.

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Ein Krimi ist ein Krimi ist ein Krimi

Es gibt ja intellektuelle Haushalte, in denen – aus Prinzip – der Fernseher fehlt. Das ist eine geradezu drakonische Maßnahme, man könnte auch sagen: hier soll jede Versuchung im Keim erstickt werden. Es könnte sein, daß Kinder, die in einem solchen Haushalt aufwachsen, später süchtig nach flackernden Bildern werden. Auf jeden Fall können sie den vernünftigen Umgang mit dem Medium so nicht lernen.

In der kleinen Stadt, in der ich aufgewachsen bin, haben wir zu den Letzten gehört, die sich einen Fernseher angeschafft haben – das muß um das Jahr 1964 gewesen sein. Mein Vater hatte sich lange dagegen gewehrt: so ein Ding, das war seine Argumentation, „macht das Familienleben kaputt“. Als dann die gebrauchten Geräte auch für uns erschwinglich waren, wurde er irgendwann schwach (sicher nicht ohne Gewissensbisse). Und dann hat man ihn gar nicht mehr vom Fernseher weggebracht – alles hat er geschaut, Western, Krimis, Familienserien, sogar die Werbespots und die Mainzelmännchen!

Das Familienleben hat darunter übrigens nicht gelitten.

Seit jenen Jahren – ich gebe es unumwunden zu – sehe ich liebend gern Fernsehkrimis (frühkindliche Prägung nennt man das). Aber es müssen auch wirklich Krimis sein! Vielleicht denke ich da zu altmodisch, aber – und deshalb die Überschrift, die ganz unverfroren ein Gedicht von Gertrude Stein abwandelt – für mich stehen im Mittelpunkt eines Krimis immer noch ein Verbrechen und seine Aufklärung. Das kann selbst heute noch, wenn ein guter Autor und ein guter Regisseur am Werk sind, spannend und unterhaltsam sein. Tatsächlich gibt es in den gängigen Serien – Tatort, Polizeiruf usw. – neben der üblichen Durchschnittsware (was nicht abwertend gemeint ist!) immer wieder ganz wunderbar unterhaltende, intelligent aufgebaute Krimis, die keinen schalen Nachgeschmack hinterlassen.

Aber – und jetzt kommt wirklich ein ganz großes Aber: es gibt auch von Zeit zu Zeit den Versuch, das Format Kriminalfilm zu mißbrauchen. Man benutzt, man mißbraucht den Krimi als Transportmittel z.B. für Sozialkritik. Der Krimi wird zum bloßen Vehikel, man sieht leidende Hartz-IV-Empfänger, heruntergekommene Hochhäuser, böse Immobilienhaie, erniedrigte Asylbewerber – das volle Programm. Und man erinnert sich an die Lindenstraße, die man vor vielen, vielen Jahren noch gesehen hat, bis Geißendörfer die Serie zum Medium seiner gestrigen Ideologie gemacht hat (mit Hansemann als Sprachrohr, der sich bis heute – als his master’s voice – immer brav und politisch bis zum Erbrechen korrekt über das Böse in der Welt entrüsten muß). So geht es auch in den meisten „sozialkritischen“ Krimis zu. Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.

Das ist für mich – ich sage es noch einmal – ein Mißbrauch des Mediums Kriminalfilm. Es gibt aber noch einen anderen, ebenso ärgerlichen Mißbrauch, und das sind die artifiziellen Filme, die eigentlich mehr für das Feuilleton und zur Verstörung der Zuschauer gedreht werden (und natürlich zum eigenen Vergnügen der Macher). Dazu rechne ich zwei in den Feuilletons immer wieder als „legendär“ bezeichnete Filme: den Tatort „Frau Bu lacht“ von 1995 (Regie: Dominik Graf, Buch: Günter Schütter) und – ebenfalls von Graf und Schütter – den neuen Münchener Polizeiruf „Cassandras Warnung“ (2011).

Wohlgemerkt: ich bin ganz und gar nicht dagegen, daß man mit den Formen und Inhalten des Krimis auch spielerisch und ironisch umgeht – ganz im Gegenteil! Die Tatorte aus Münster und (immer wieder einmal) aus München liefern dafür schöne Beispiele. Sogar Lena Odenthal hat mit „Tod im All“ 1997 einen Humor gezeigt, den man ihr nicht zugetraut hätte.

Und trotzdem gilt: ein Krimi ist ein Krimi ist ein Krimi!

Spielen kann man immer, etwas Sakrosanktes darf es nicht geben, aber mit der Form des Kriminalfilms spielen heißt eben nicht, die Form völlig zu zerstören und den Zuschauer so zu verschrecken, daß er hilflos zurückbleibt. Mit der Form und den Stereotypen des Krimis spielen – das ist eine Kunst, die viel Feingefühl und Erfahrung erfordert. Eine Wackelkamera, hektische Schnittechnik, kaum verständliche Dialoge, völlig unglaubwürdige Charaktere (so wie beim jüngsten Münchener Polizeiruf mit Matthias Brandt) – das mag als künstlerische Selbstbefriedigung durchgehen. Einen guten Film bringt man so nicht zustande.

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